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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [93]: Plenck, Joseph Jacob von: Josephi Jacobi Plenck Consiliari Cæsareo-Regii, Chirurgiæ Atque Botanices…Supremi Icones Plantarum Medicinalium…1788-1803.

Plenck, Joseph Jacob von: Josephi Jacobi Plenck Consiliari Cæsareo-Regii, Chirurgiæ Atque Botanices Professoris Publici, Ordinarii In Academia Medico-Chirurgica Josephina, Ejusdemque Academiæ Secretarii Perpetui, Nec Non Directoris Pharmacopoearum Militarum Atque Chirurgi Status Militaris Supremi Icones Plantarum Medicinalium Secundum Systema Linnæi Digestarum, Cum Enumeratione Virium Et Usus Medici, Chirurgici Atque Diætetici. Centuria I-V. Viennæ: Apud Rudolphum Græffer Et Soc./Centuria VI. Viennæ Apud A. Blumauer/Centuria VII. Viennæ: Sumptibus Librariae Camesinianae. Typis Jos. Degen. 1788-1803.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-6357]

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1     Joseph Jacob von Plenck. Josephinum, Ethik, Sammlungen, und Geschichte der Medizin, MedUni Wien, FO-IR-003312-0001

Joseph Jacob von Plenck (*28.11. 1735 Wien, gest. 24.8.1807 Wien) gilt als Mitbegründer der modernen europäischen Dermatologie. Er war aber auch ein sehr bekannter Chirurg, Geburtshelfer, Chemiker und Botaniker. Plenck wurde als Sohn des Wiener Buchbinders Franz Plenck (auch: Plenckhl) und dessen Frau Maria Anna (auch: Anna Maria), geborene Pochtl, am 28. November 1735 in Wien geboren. Von Plenck besuchte die Lateinschule der Jesuiten und wurde ab 1753 in die Lehre zu dem bekannten Chirurgen Dr. Johann Christian Retter geschickt, die er 1756 erfolgreich beendete. – Zu diesem Zeitpunkt war die Chirurgie noch kein akademisches Fach und wurde bei Badern und Scherern erlernt. – Danach nahm er an den Vorlesungen von Anton de Haen (1704-1776), Ferdinand Joseph von Leber (1727-1808) und Valentin von Lebmacher (1726-1797) an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien teil.

Joseph Jacob von Plenck trat 1758 in die kaiserliche Armee ein, wo er bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 als Regimentschirurg diente. Im Anschluss daran ging er zurück an die Medizinische Fakultät der Universität Wien. „[…] according to data reported by [Ferdinand Joseph, Anm.] Zimmermann [(1775-nach 1837), Anm.] he became Magister Chirurgiae et Obstetriciae (but not Medicinae Doctor). The indices of doctorands of Vienna University do not list his name. […] In order to obtain a license for practicing surgery, Plenck had to sell his parental house and buy a surgeons’s office. In 1766 Plenck’s first paper (on a venereologic topic) appeared and, remarkably, was translated into English and French, the English translation going through three editions.“[1] In dieser, seiner ersten Wiener Praxis, betrieb er eine Barbierstube in der er auch kleinere chirurgische Operationen durchführte. 1770 folgte er dem Ruf Kaiserin Maria Theresias (1717-1780) an die 1769 neu gegründete medizinische Fakultät der Universität Tyrnau (damals: Nagyszombat/Königreich Ungarn, heute: Trnava/Slowakei), wo er einen Lehrstuhl für Chirurgie und Geburtshilfe bekleidete. 1777 wurde die Universität zunächst nach Buda, dann nach Pest verlegt.

1783 bewarb sich Joseph Jacob von Plenck bei Kaiser Joseph II. (1741-1790) als Direktor der Feldapotheken in der kaiserlichen Armee, da dieser Posten zu diesem Zeitpunkt unbesetzt war. Dem Ansuchen wurde stattgegeben und von Plenck übersiedelte nach Wien. 1786 wurde Plenck als Professor für Chemie und Botanik an das Josephinum berufen. – Das Josephinum wurde als k.k. medizinisch-chirurgische Josephs-Akademie 1784 von Kaiser Joseph II. auf Betreiben seines Leibchirurgen Giovanni Alessandro Brambilla (1728-1800) gegründet und im November 1785 feierlich eröffnet. Brambilla, der seit 1779 als Leiter des gesamten österreichischen Militärsanitätswesens mit dessen Reformierung betraut war, fungierte bis 1795 als Direktor der Akademie. 1786 erhielt die Akademie im Josephinum das Recht Magister und Doktoren der Medizin und Wundarznei zu graduieren. Ziel war eine längst überfällige Akademisierung des Faches Chirurgie. Das neue Gebäude, das die k.k. medizinisch-chirurgische Josephs-Akademie 1785 bezog wurde nach Plänen des Architekten Isidor Marcellus Amandus Canevale, von dem unter anderem auch das Lusthaus im Wiener Prater sowie das Eingangstor zum Augarten stammen, im Stil des Barockklassizismus erbaut.

Joseph Jacob von Plenck blieb bis zu seiner Pensionierung 1805 Professor an der k.k. medizinisch-chirurgische Josephs-Akademie, dessen Sekretär er zuletzt auch war. 1797 wurde er von Kaiser Franz II./I. (1768-1835) in den Adelsstand erhoben. Er starb nach langer schwerer Krankheit am 24. August 1807 in seinem Haus in Wien.

Joseph Jacob von Plenck gilt als einer der wichtigsten wissenschaftlichen Autoren seiner Zeit, der in den unterschiedlichsten Disziplinen eine Vielzahl von Werken publizierte. Vielleicht sein prachtvollstes Werk sind seine sieben Bände umfassenden Icones plantarum medicinalium, die er ab 1788 herausgab. Die zweisprachigen (Latein und Deutsch) Prachtbände, die nach dem damals neuen botanischen Ordnungssystem von Carl von Linné (1707-1778) systematisiert sind, enthalten 758 handkolorierte Kupfertafeln mit Pflanzenabbildungen, deren medizinischen Gebrauch von Plenck darin beschrieb:

Abb. 2   Titelblatt: Plenck: […] Icones Plantarum Medicinalium […]. Wien: 1788.

Plenck, Joseph Jacob von: Josephi Jacobi Plenck Consiliari Cæsareo-Regii, Chirurgiæ Atque Botanices Professoris Publici, Ordinarii In Academia Medico-Chirurgica Josephina, Ejusdemque Academiæ Secretarii Perpetui, Nec Non Directoris Pharmacopoearum Militarum Atque Chirurgi Status Militaris Supremi Icones Plantarum Medicinalium Secundum Systema Linnæi Digestarum, Cum Enumeratione Virium Et Usus Medici, Chirurgici Atque Diætetici. Centuria I-V. Viennæ: Apud Rudolphum Græffer Et Soc./Centuria VI. Viennæ Apud A. Blumauer/Centuria VII. Viennæ: Sumptibus Librariae Camesinianae. Typis Jos. Degen. 1788-1803.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-6357]

Abb. 3    Plenck: […] Icones Plantarum Medicinalium […]. Wien: 1788. Tafel 23.

Abb. 4    Plenck: […] Icones Plantarum Medicinalium […]. Wien: 1788. Tafel 31.

Abb. 5    Plenck: […] Icones Plantarum Medicinalium […]. Wien: 1788. Tafel 34.

Abb. 6    Plenck: […] Icones Plantarum Medicinalium […]. Wien: 1788. Tafel 36.

Quellen:

Plenck, Joseph Jakob Edler von, öster. Chirurg, *28.11.1733, +24.8.1807 Wien. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 2. R-Z Register. München: K. G. Saur 2002. S. 471-472.

Aliotta, Giovanni u.a.: Joseph Jacob Plenck (1735-1807). In: American Journal of nephrology. (14) 1994. S. 377-382.

Wyklicky, Helmut: Über vier Professoren der Josephinischen medizinisch-chirurgischen Akademie als Ahnherren des Pharmakognostischen Instituts der Universität Wien. In: Österreichische Apotheker-Zeitung. (40/22) 1986. S 516-518.

Holubar, Karl und Joseph Frankl: Joseph Plenck (1735-1807). A forerunner of modern European dermatology. In: Journal of the American Academy of Dermatology. (10/2-Part I) 1984. S. 326-332.

[1] Holubar, Karl und Joseph Frankl: Joseph Plenck (1735-1807). A forerunner of modern European dermatology. In: Journal of the American Academy of Dermatology. (10/2-Part I) 1984. S. 329.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [75]: Revolution 1848: Vertriebene Mediziner – Krackowitzer, Ernst: Dissertatio Inauguralis Chemico-Physiologica De Nexu Functionum Organicarum…mensis Martii anni 1845.

Revolution 1848: Vertriebene Mediziner – Krackowitzer, Ernst: Dissertatio Inauguralis Chemico-Physiologica De Nexu Functionum Organicarum, Quam Consensu Et Auctoritate Illustrissimi Ac Magnifici Domini Præsidis Et Directoris, Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani, nec non Clarissimorum Et Celeberrimorum D. D. Professorum pro Doctoris Medicinae Laurea Rite Obtinenda in antiquissima ac celeberrima Universitate Vindobonensi publicae disquisitioni submittit Ernestus Krackowizer, e Spital am Pyhrn in Austria supra Onasum. In theses disputabitur in aedibus Universitatis die […] mensis Martii anni 1845. Wien: Typis Caroli Ueberreuter 1845.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D3058]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8418651&pos=0&phys=

Text: Dr. Walter Mentzel

Ernst Krackowitzer, der 1848 als Chirurg und Assistent am Allgemeinen Krankenhaus in Wien arbeitete, gehörte zu jenen Medizinern, die wegen ihrer aktiven Beteiligung an der Revolution von 1848 nach deren Niederschlagung polizeilich verfolgt wurden und das Kaisertum Österreich verließen.

Ernst Nepomuk Krackowizer wurde am 3. Dezember 1821 in Spital am Phyrn in Oberösterreich als Sohn des kaiserlichen Richters Ferdinand Krackowizer (1777–1826) und Theresia Richter (1794–1866) als eines von acht Kindern geboren. Nach dem Besuch des Stiftsgymnasiums in Kremsmünster studierte er Medizin an der Universitäten Wien und Pavia, und schloss das Studium in Wien 1845 mit seiner Graduierung zum Doktor der Medizin und der Chirurgie, sowie 1846/47 mit dem Magister der Geburtshilfe ab. Zunächst ließ er sich 1847 in Steyr als Arzt nieder,[1] übernahm jedoch noch im selben Jahr eine Assistentenstelle bei dem Chirurgen Franz Schuh (1804–1865) an der chirurgischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien.[2]

An der Revolution von 1848 nahm Krackowitzer als Hauptmann der Akademischen Legion teil und beteiligte sich in dieser Funktion vor allem während des sogenannten „Wiener Oktoberaufstandes“ an den Straßenkämpfen gegen die aus Wien nach Ungarn zur Niederschlagung der Revolution ausziehenden kaiserlichen Truppen und an den darauf anschließenden Kämpfen um die Belagerung Wiens. Nach der Eroberung Wiens durch die kaiserliche Armee wurde er von den Polizeibehörden verfolgt und steckbrieflich gesucht. Nachdem ihm die Flucht aus Wien geglückt war, arbeitete er in Tübingen als Assistent des Chirurgen Victor von Bruns (1812-1883). Da er auch hier vor der Verfolgung aufgrund einer von den österreichischen Behörden verlangten Auslieferung nicht sicher war, flüchtete er zunächst nach Kiel, von wo er schließlich 1850 in die USA emigrierte. In New York heiratete er 1851, die aus der Steiermark stammende und ihm 1850 in die USA nachgefolgte Emilie Forster (1826–1919). Mit ihr hatte er eine Tochter, Maria, die sich 1887 mit dem Ethnologen, Sprachwissenschafter und Physiker Franz Boas (1858-1942) verehelichte. Von Ernst Krackowitzer sind eine Reihe von Briefen erhalten, die er während und nach der Revolution von 1848 geschrieben hatte. Sie wurden im „Journal of the history of medicine and allied science“ (Voll III, Nr. 1, December 1948, S. 65-94) von seinem Enkel, Ernst von Boas (1891-1955), unter dem Titel „A Refugee Doctor of 1850“ veröffentlicht.

In den USA arbeitete Krackowitzer nach seiner Ankunft zuerst als praktischer Arzt in Williamsburg und nach seiner 1857 erfolgten Übersiedlung nach New York als Chirurg am Brooklyn City Hospital, am German Dispensary und am German Hospital (Lenox Hill Hospital). Krackowitzer avancierte in den USA zu einem renommierten Chirurgen und führenden Laryngologen, der hier auch angeblich den Kehlkopfspiegel bekannt gemacht haben soll. Er war Mitglied und Vorsitzender der Pathological Society sowie der Medical Society of the Country of New York, Mitbegründer des „Deutsche Hospital“ und gründete 1852 gemeinsam mit Kollegen die „New Yorker medizinische Monatsschrift“. Ebenso engagierte er sich als Mitglied im 1871 gegründeten Committee of Seventy, einer Bürgerreformbewegung, die sich zur Kontrolle der Regierung konstituiert hatte.

Während des Sezessionskrieges (1861–1865) diente Krackowizer, der ein deklarierter Gegner der Sklaverei und ein Anhänger des republikanischen Präsidenten Abraham Lincoln war, auf der Seite der Nordstaaten sowohl als Generalinspekteur der Militärspitäler und beratender Chirurg der Unionsarmee, als auch in zwei Schlachten als Chirurg in Feldspitälern.

Krackowitzer starb am 23. September 1875 an Typhusfieber auf seinem Landgut Greenmount in Sing-Sing (Ossining) in der Nähe von New York City. 1876 gaben seine Freunde und Kollegen in New York zu seinem Andenken ein Gedenkbuch („In Memory of Ernst Krackowitzer“) heraus. [3]

Von Ernst Krackowizer besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin seine 1845 an der Universität Wien approbierte Dissertation.

Weiters findet sich an der Zweigbibliothek zu Ernst Krakowitzer der von Abraham Jacobi verfasste Nachruf:

Jacobi, Abraham: Biographical Sketch of Ernst Krackowizer. Abschrift aus: In memory of Ernst Krackowizer. New York: Putnam 1875.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Abschr.589]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8590092&pos=1&phys=#

sowie Althof, H.: Rede [über Ernst Krackowizer] Abschrift aus: In memory of Ernst Krackowizer. New York: Putnam 1875.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Abschr. 619]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8536569&pos=0&phys=#

sowie: Obituary Dr. Ernst Krackowizer. New York: 1875. Abschrift aus: New Yorker Staats-Zeitung, Jg. 41. Nr. 229.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Abschr. 618]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8599586#

[1] Linzer Zeitung, 17.5.1847, S. 14.

[2] Wiener Zeitung, 10.1.1848, S. 1.

[3] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 38, 1876, Sp. 950.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [58]: Schönbauer, Leopold: Das medizinische Wien. Geschichte, Werden, Würdigung. Mit 167 Bildern.

Schönbauer, Leopold: Das medizinische Wien. Geschichte, Werden, Würdigung. Mit 167 Bildern. Berlin und Wien: Urban & Schwarzenberg 1944.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: WM007]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Titelblatt: Schönbauer: Das medizinische Wien […] Berlin und Wien: 1944.

Leopold Schönbauer (*13.11.1888 Thaya/Niederösterreich, gest. 11.09.1963 Wien) war unter anderem vom 1945 bis 1960 Vorstand des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Wien im Josephinum. Er stammt aus einer Ärztefamilie – sein Urgroßvater war Wundarzt und wurde an der medizinisch-chirurgischen Josephsakademie ausgebildet und auch sein Großvater mütterlicherseits war Mediziner. Sein Vater arbeitete als Gemeindearzt in Thaya, im nördlichen Waldviertel. Schönbauer studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Prachatice/Prachatitz (CZ) Medizin an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag. 1914 schloss er sein Medizinstudium in Prag mit seiner Promotion ab. Während des Ersten Weltkrieges wurde er einer mobilen Chirurgengruppe der I. Chirurgischen Universitätsklinik unter der Leitung von Anton von Eiselsberg (1860-1939) zugeteilt. Auch nach dem Ende des Krieges blieb Schönbauer an dieser Klinik und habilitierte sich an dieser 1924 für das Fach Chirurgie.

Nach seiner Habilitation unternahm Leopold Schönbauer eine Studienreise in die USA, wo er unter anderem vier Monate bei Harvey Cushing (1869-1939), dem Begründer der Neurochirurgie, verbrachte. 1925 hospitierte er bei Ferdinand Sauerbruch (1875-1951), einem der bedeutendsten deutschen Chirurgen des 20. Jahrhunderts. Ab 1930 war Schönbauer Leiter der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Lainz der Stadt Wien und wurde 1933 zum außerordentlichen Professor. 1931 wurde er auf Veranlassung Julius Tandlers (1869-1939) zusätzlich Leiter des Strahlentherapeutischen Instituts im Krankenhaus Lainz.

Schönbauer wurde 1939 zum Ordinarius an der I. Chirurgischen Universitätsklinik bestellt. Er trat dort die Nachfolge Egon Ranzis (1875-1939) an, der aufgrund seiner exponierten Stellung im austrofaschistischen Ständestaat von den Nationalsozialisten nach dem „Anschluss“ für sechs Wochen inhaftiert und danach pensioniert worden war. Während des Nationalsozialismus gelang Schönbauer die Festigung seiner Position innerhalb der Medizinischen Fakultät, indem er relevante universitäre Gremien besetzte. Schönbauer blieb bis zu seiner Emeritierung 1960 Vorstand dieser Klinik. Er war Parteianwärter der NSDAP und erhielt 1943 das silberne „Treuedienstzeichen“ der NSDAP verliehen. „Nach dem Krieg ermöglichte eine als ,Lex Schönbauer‘ bekannte Sonderregelung seine raschen Entnazifizierung.“[1] Er zählte damit auch zu jenen zahlreichen Professoren an der Medizinischen Fakultät, die trotz ihrer Verstrickungen im NS-System, nach 1945 als „Minderbelasteter“ nicht nur von den Entnazifizierungsmaßnahmen unbeschadet blieben, sondern auch ihren während der NS-Zeit begonnenen Karriereaufstieg weitestgehend bruchlos fortsetzen konnten. Im April 1945 gelang es Schönbauer zunächst rechtzeitig noch die Seiten zu wechseln. Eine von ihm angeführte Widerstandsaktion, bei der er die Zerstörung des AKH abwenden konnte, führte zu einem von ihm über Jahrzehnte gepflegten Mythos als Retter des AKH, der ihn von 1945 bis 1961 zusätzlich in die Position des Direktors des Wiener Allgemeinen Krankenhauses verhalf. Ebenfalls ab 1945 war er – zunächst provisorisch – Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Wien im Josephinum, bis das Institut 1960 von Erna Lesky (1911-1986) übernommen wurde. Im Studienjahr 1953/54 wurde er zum Rektor der Universität Wien gewählt. Schönbauer, der in den 1950er Jahren überaus prominent war, war von 1959 bis 1962 Abgeordneter zum Nationalrat für die ÖVP.

Während seiner wissenschaftlichen Karriere befasste sich Leopold Schönbauer besonders mit Schilddrüsenchirurgie, Neurochirurgie und Karzinomforschung und verfasste über 300 wissenschaftliche Publikationen. Darüber hinaus beschäftigte sich Schönbauer immer wieder mit Medizingeschichte. 1944 (und 1947 in zweiter Auflage) erschien – mit wesentlicher Beteiligung seiner Assistentin Marlene Jantsch – sein Werk: Das medizinische Wien.

 Abb. 2    Marlene Jantsch

Marlene Jantsch (*26.09.1917 Osterwieck/Sachsen-Anhalt, gest. 17.07.1994 Wien) wurde als Marlene Ratzersdorfer, Tochter des Verlegers Hugo Ratzersdorfer, in Deutschland geboren. Sie besuchte zuerst eine Mittelschule in Berlin und übersiedelte 1933 nach Wien, wo sie 1936 am Döblinger Mädchengymnasium maturierte. Ab dem Wintersemester 1936 studierte sie Medizin an der Universität Wien und schloss ihr Studium 1941 mit ihrer Promotion ab. Danach wurde sie an der I. Chirurgischen Universitätsklinik unter Leopold Schönbauer Assistentin und ab 1942 seine Privatassistentin. Während dieser Zeit befasste sie sich eingehend mit Studien zur Geschichte der Medizin. „Zahlreiche Arbeiten bis 1945 erschienen unter dem Namen Schönbauers – etwa eine Artikelserie im ,Völkischen Boten‘. 1944 erschien das Buch ,Das medizinische Wien‘ in erster Auflage, für das sie gemeinsam mit ihrem Mann Hans Jantsch, unter den schwierigen Bedingungen dieser Zeit umfangreiche Recherchen durchgeführt hatte.“[2] Erst ab 1948 erschienen ihre Publikationen ausschließlich unter ihrem Namen. Ab 1945 betreute Marlene Jantsch das Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien im Josephinum im Namen Leopold Schönbauers zusätzlich zu ihren Verpflichtungen als Internistin in der I. Chirurgischen Universitätsklinik. Ihr ist der Verdienst des Wiederaufbaus des Instituts für Medizingeschichte zuzurechnen. 1957 habilitierte sich Jantsch im Fach Medizingeschichte, ebenso wie Erna Lesky. „Das Verhältnis der beiden Wiener Medizinhistorikerinnen war vor allem durch divergierende Ansichten über das Wesen der Medizingeschichte belastet, jedoch auch durch die Unterschiede zweier starker Persönlichkeiten und deren sozialem Hintergrund.“[3] Mit der Bestellung Leskys als Schönbauers Nachfolgerin an der Medizingeschichte endete Jantsch‘ Tätigkeit im Josephinum. Ab 1963 arbeitete sie zunächst als Konsularärztin der gynäkologischen und urologischen Abteilung im Krankenhaus Lainz. Mit der Berufung Joseph Rummelhardts (1919-1987) zum Ordinarius der Urologischen Universitätsklinik 1974 wechselte sie an dessen Klinik im Allgemeinenen Krankenhaus Wien.

Quellen:

Die Wiener Medizinische Fakultät 1938 bis 1945. Hrsg.: Josephinum – Sammlungen der Medizinischen Universität Wien. Wien: Josephinum 2018.

Schmidt-Wyklicky, Gabriela: Schönbauer, Leopold. In: Neue Deutsche Biographie (23) 2007. S. 383-369.

Arias, Ingrid: Entnazifizierung an der Wiener Medizinischen Fakultät: Bruch oder Kontinuität? Das Beispiel des Anatomischen Instituts. In: Zeitgeschichte. (6) 2004. S. 339-388.

Hubenstorf, Michael: Kontinuität und Bruch in der Medizingeschichte. Medizin in Österreich 1938-1955. In: Kontinuität und Bruch 1938-1945-1955. Beiträge zur österreichischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Hrsg.: Friedrich Stadler. (= Emigration-Exil-Kontinuität. Schriften zur zeitgeschichtlichen Kultur- und Wissenschaftsforschung 3) Münster: Lit Verlag 2004.

Horn, Sonia: Jantsch, Marlene, geb. Ratzersdorfer. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 333-334.

Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 117-138.

Jantsch, Marlene und Manfred Skopec: Leopold Schönbauer (1888-1963). In: Neue österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. 19 Beiträge mit Portraits. Bd. 21. Wien und München: Amalthea-Verlag 1982. S. 103-109.

Chirurgische Universitätsklinik, Abgeordneter zum Nationalrat, AKH Wien, Allgemeines Krankenhaus Wien, Anton von Eiselsberg, Chirurgie, Egon Ranzi, Entnazifizierung, Erna Lesky, Harvey Chushing, Institut für Geschichte der Medizin, Joseph Rummelhardt, Josephinum, Julius Tandler, Leopold Schönbauer, Lex Schönbauer, Marlene Jantsch, Medizingeschichte, Neurochirurgie, Rektor, Universität Wien

[1] Die Wiener Medizinische Fakultät 1938 bis 1945. Hrsg.: Josephinum – Sammlungen der Medizinischen Universität Wien. Wien: Josephinum 2018. S. 44.

[2] Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 136-137.

[3] Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 137.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [53]: Georg Mojsisovics von Mojsvár – Exlibris „Chirurgische Lesegesellschaft Dr. Mojsisovics“

Georg Mojsisovics von Mojsvár – Exlibris „Chirurgische Lesegesellschaft Dr. Mojsisovics“

Text: Dr. Walter Mentzel

Georg Mojsisovics von Mojsvár wurde am 20. April 1799 in Ivankofalva, im ungarischen Komitat Thurócz (heute: Ivančiná/Slowakei), als Sohn eines evangelischen Pastors geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums in Neusohl (heute: Banská Bystrica) und später in Schemnitz (heute: Banská Štiavnica) begann er, um dem Wunsch seines Vaters zu folgen und den Beruf eines Theologen zu ergreifen, mit philosophisch-juridischen Studien in Schemnitz und danach in Pressburg (heute: Bratislava). Sein naturwissenschaftliches Interesse führte ihn jedoch bereits 1820 zum Studium der Medizin nach Pest (Budapest) und 1824 nach Wien, wo er die sogenannten „praktischen Studienjahre“ absolvierte. Zu seinen fördernden Lehrern zählte der Chirurg und Professor am „Operateur-Institut“ (I. chirurgische Klinik) am Wiener AKH, Joseph Wattmann (1789-1866), der als Pionier und Vorreiter der plastischen Chirurgie gilt, sowie nach Abschluss seines Studiums der Leibarzt von Kaiser Franz I (1768-1835), Freiherr Andreas Joseph von Stifft (1760-1836). 1826 promovierte Mojsisovics in Wien an der Medizinischen Fakultät. Seine Dissertation findet sich heute an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Mojsisovics, Georg: Dissertatio Inauguralis Medico-Pharmacologica Sistens Actionem Et Ususm Therapevticum Balneorum Simplicium Tepidorum Quam Nutu Et Auctoritate Illustrissimi Ac Magnifici Domini Praesidis Et Directoris Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani Nec Non Clarissimorum D. D. Professorum Pro Doctoris Medici Laurea Rite Obtinenda In Antiquissima Ac Celeberrima Universitate Vindobonensi Publicae Et Benevolae Disquisitoni Submittit Georgius Moj’sisovits, Hungarus Juancofalua Thurocziensis. In Theses calci adnexas disputabitur in Universitatis Aedibus die 8. Mensis Aprilis MDCCCXXVI. Wien: Typis Congregationis Mechitaristicae [1826].

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Medizinhistorische Dissertationen, Sign.: D4151]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8419350&pos=0&phys=

Abb. 1    Mojsisovics: […]Actionem Et Ususm Therapevticum Balneorum Simplicium Tepidorum […]. Wien: 1826.

Mojsisovics kehrte nach Beendigung seines Studiums nach Pest zurück, führte hier eine Privatpraxis und unterstütze finanziell seine Eltern. Schon wenige Monate später nahm er aber in Wien seine universitäre Laufbahn als Assistent bei Joseph Wattmann am „Operateur-Institut“ wieder auf und erhielt 1828 den Titel „Doktor der Chirurgie“. Nach seiner Ernennung zum Primararzt arbeitete er ab Oktober 1832 an der chirurgisch-ophthalmologischen Abteilung am Wiener Allgemeinen Krankenhaus und daneben von 1833 bis 1837 als Gerichtsarzt in Wien. Mojsisovics war Mitglied mehrerer nationaler wie internationaler wissenschaftlicher Vereinigungen und publizierte seine Studien in zahlreichen wissenschaftlichen Journalen. Auf seinem Spezialgebiet der Chirurgie – der Behandlung von Knochenbrüchen – entwickelte Mojsisovics eine Methode, Oberschenkelbrüche ohne Verkürzungen zu behandeln („Äquilibrialmethode“), die von ihm in seinem Hauptwerk 1842 ausführlich beschrieben wurde:

Mojsisovics, Georg: Darstellung der Aequilibrial-Methode zur sicheren Heilung der Oberschenkelbrüche ohne Verkürzung. Mit 4 Steindrucktafeln. Wien: Im Verlage von Braumüller und Seidel 1842.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 29302]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8615435&pos=1&phys=

Eine zweite Auflage unter gleichnamigen Titel erschien: Wien: Wilhelm Braumüller, k.k. Hofbuchhändler 1851.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 29197]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8615436

 

Abb. 2    Titelblatt: Mojsisovics: Darstellung der Aequilibrial-Methode […]. Wien: 1842.

Das Exemplar der Erstauflage des Werkes in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin stammt aus der Bibliothek des ehemaligen „Doctoren-Collegiums“. Es enthält folgende Widmung an Ludwig Türkheim (1777-1846): „Seiner Hochgeboren/dem/Herrn Ludwig Freiherrn von Türkheim/Ritter des k. ung. S. Stephan Ordens,/k. k. wirklichem Hofrathe &c. &c./mit/tiefer Erhfurcht/vom Verfasser“. Ludwig Türkheim war Beisitzer und Referent der k. k. Studien-Hofkommission und Central-Organisierungs-Hofkommission, Vizedirektor des medizinisch-chirurgischen Studiums und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften. Er war im Vormärz in Wien ein bedeutender Reformer der medizinischen Forschung und Lehre und schuf an der Fakultät eine Reihe neuer Kliniken und Lehrstühle.

Abb. 3    Tafel III: Mojsisovics: Darstellung der Aequilibrial-Methode […]. Wien: 1842.

Weiters beschäftigte er sich mit den Behandlungsmethoden der Syphilis und die Arzneiwirkungen des Jod.

Mojsisovics, Georg: Über die Bereitung der Kuh- und Schafmolke und ihren medizinischen Gebrauch. Wien: typ. Della Torre 1852.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 14060/2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8615434&phys=prev&pos=0

Darüber hinaus befasste er sich – auch publizistisch – mit den Nutzungs- und Verbesserungsmöglichkeiten von Heilquellen – darunter vor allem mit jenen in Ungarn in Sziácser, Sliac, Füred und Pistyan aber auch mit jenen u.a. in Ischl, Karlsbad (heute: Karlovy Vary) und Gastein. Weiters setzte er Initiativen zur Einführung des Turnunterrichts und der Nutzung der Heilgymnastik. 1858 wurde Mojsisovics aufgrund seiner Leistungen im Wiener AKH in den Adelstand erhoben und trug fortan den Titel „Edler von“. Anlässlich seines Todes am 10. März 1861 in Wien erschien ein von seinem Schüler und Chirurgen, Josef Gruber (1827-1900), in der Wiener Medizinischen Wochenschrift verfasster Nachruf.

Gruber, Josef: Georg Mojsisovics Edler von Mojsvár. In: Wiener Medizinischen Wochenschrift. (11) 1861. Sp. 187-189.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: Z10002/11]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8578294&pos=0&phys=

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1861&page=100&size=68

Mojsisovics war während seiner Tätigkeit im Wiener allgemeinen Krankenhaus Initiator einer nach ihm benannten „Chirurgische Lesegesellschaft Dr. Mojsisovics“, – die den historischen Kern des Bibliotheksbestandes der I. chirurgischen Klinik darstellen dürfte – und deren ursprünglichen Existenz heute nur mehr die Exlibris in einzelnen Büchern bezeugen.

Abb. 4    Stempel: Chirurgische Lesegesellschaft Dr. Mojsisovics.

Ein Exlibris aus dieser nicht mehr existierenden Bibliothek findet sich in einem Buch an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Blumenbach, Johann Friedrich: D. Joh. Friedr. Blumenbachs der Med. Prof. ord. zu Göttingen Geschichte und Beschreibung der Knochen des menschlichen Körpers. Göttingen: bey Johann Christian Dieterich 1786.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB619]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6172757

Sein erster Sohn Johann August Edmund Mojsisovics (1839-1907) war Geologe, Paläontologe und Alpinist (Gründungsmitglied des Österreichischen Alpenvereins), sein zweiter Sohn. August (1848-1897) war Mediziner und Zoologe.

Quelle:

Gruber, Josef: Georg Mojsisovics Edler von Mojsvár. In: Wiener Medizinischen Wochenschrift. (11) 1861. Sp. 187-189.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [49]: Die Sammlung „Chirurgische Gremien“

Die Sammlung „Chirurgische Gremien“ („Chyrurgisches Gremium Klosterneuburg“ u.a.) an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Text: Dr. Walter Mentzel

Die Einführung der sogenannten „chirurgischen Gremien“ im Erzherzogtum Österreich (mit Ausnahme von Dalmatien, Krain und dem Küstenland) erfolgte mit dem kaiserlichen Patent vom 10. April 1773. Damit sollte die regionale medizinische Versorgung der Bevölkerung „in jedem Kreis oder Viertel eines Landes“ gewährleistet und verbessert werden,[1] in deren Mittelpunkt die Gremien als institutionalisierte Sanitätseinrichtungen standen. In den folgenden Jahren kam es durch Erlässe und Verordnungen zur Standardisierung dieser regionalen Sanitätsorganisationseinheiten, zu einer Präzisierung und Systematisierung der Ausbildungs- und Prüfungsnormen inklusive ethischer Reglements für Wundärzte und der Abgrenzung der medizinischen Aufgabengebiete zwischen den „Wundärzten“ und den sogenannten Kreisärzten. Diese Gremien waren zunächst für Barbiere und Bader zusammen mit Chirurgen und Wundärzten in Form von Zwangsgenossenschaften organisiert. Beispielsweise konstituierten sich Gremien in Niederösterreich in Traiskirchen, Klosterneuburg, Bruck an der Leitha, Piesting, Aspang, St. Pölten, Melk, Waidhofen an der Ybbs, Seitenstetten, Tulln, Oberhollabrunn, Gaunersdorf, Enzersdorf, Sitzendorf, Krems, Pöggstall, Weitra, Waidhofen an der Thaya, Horn und Korneuburg.[2]

Diese Gremien waren auf Verordnungswege durch den Staat angehalten durch Ankauf medizinische Bibliotheken aufzubauen, um die Literaturversorgung an die Mitglieder zu organisieren, deren Ausbildungsstandard zu heben und sie zu einer kontinuierlichen Weiterbildung zu verpflichten. Die vorgesehenen Inventarisierungsmaßnahmen weisen auf einen durchwegs systematischen Bibliotheksaufbau hin. Dazu wurden Formulare gedruckt, um die jährlichen Bücherankäufe zu erfassen und zu dokumentieren. Die in der Sanitäts-„Ordnung für die Wundärzte auf dem Lande vom 20. August 1790“ festgeschriebenen Bestimmungen zur Organisation der „chirurgischen Gremien“ enthielten unter Punkt 6 folgende Anweisungen für die Bibliotheken:

Wenn die Gremien mit den nöthigen Instrumenten versehen sind, werden ihnen von Seiten der medicinischen Fakultät diejenigen Bücher und literarischen Journale angezeigt werden, welche zur weiteren Ausbildung der Landwundärzte dienen können, und die das Gremium sich allmählich anschaffen wird. Auch diese sollen den Mitgliedern des Gremiums zum Lesen mitgetheilt werden, damit ihnen die Verbesserung und neue Entdeckungen in ihrer Kunst nicht unbekannt bleiben.“

In der Verordnung Nr. 5.886 der Niederösterreichischen Regierung vom 15. Juni 1803 hieß es dazu präzisierend:

„Sechstens: da der Hauptzweck des Gremiums ist, durch das Zusammentragen einiger geringen Taxen die nötihgen Bücher zu kaufen, deren Anschaffung für jeden einzelnen Wundarzt zu kostspielig ist; so muss vorzüglich darauf gesehen werden, dass jährlich einige der neuesten Instrumente und Bücher aus dem Casse-Reste angeschafft werden“. […] „Achtens: Ebenso sollen die besten medicinischen Schriften angeschafft werden, und zum Lesen den Mitgliedern mit den obigen Vorsichten mitgetheilt werden.“ […] „Vierzehntens: Den Lehrlingen sind während der Lehrzeit auch aus der Büchersammlung des Gremiums Bücher zu geben, deswegen auch solche Bücher anzuschaffen sind, die ihren Begriffen und Fähigkeiten angemessen sind.“[3]

An der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden sich heute Überreste dieser ehemaligen Bibliotheken der verschiedenen lokalen Gremien, wie dem chirurgischen Gremien Wiener Neustadt, Sitzendorf, Klosterneuburg oder Korneuburg. Sie gehören zu den ältesten überlieferten medizinischen Buchbeständen dieser Gremien.

Abb. 1   Exlibris „CHIRURGISCHES GREMIUM WR. NEUSTADT“ aus:

Summarium des Neuesten aus der gesammten Medicin, eine systematisch geordnete Uebersicht aller literarischen Erscheinungen in der ärztlichen Wissenschaft und Kunst, kritischen Zeitschriften, Literatur-Zeitungen, klinischen Jahrbüchern und ähnlichen periodischen Collectiv-Schriften. Dritter Band. Leipzig: bei C.H.F. Hartmann 1829.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6073/2,3,2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183010&pos=4&phys=#

Abb. 2   Exlibris „EIGENTHUM DES CHIR. GREMIUMS IN SITZENDORF“ aus:

Beobachtungen und Abhandlungen aus dem Gebiete der gesammten praktischen Heilkunde von österreichischen Ärzten. Vierter Band. Wien: Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold 1824.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6067/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6172422&pos=0&phys=

Abb. 3   Exlibris „Eigenthum des chirurgischen Gremium in Korneuburg“ aus:

Medicinische Jahrbücher des kais. königl. österreichischen Staates. Unter Mitwirkung mehrerer Ärzte und Naturforscher. Neun u. vierzigster u. fünfzigster Band, oder neueste Folge XL. und XLI. Band. Wien: Bei Braumüller und Seidel 1844.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6060/49-50]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177472#

Abb. 4   Exlibris: „Dem Chyrurgischen Gremio im Bezirk von Closterneuburg zugehörig 1806“ aus:

Neues Journal der ausländischen medizinisch-chirurgischen Literatur. Vierten Bandes erstes Stück. Nürnberg und Sulzbach: in der I E. Seidelschen Kunst- und Buchhandlung 1805.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB6057/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177645&pos=3&phys=#

Das „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“

Vom „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“ – dem im 19. Jahrhundert größten existierenden „chirurgischen Gremium“ – ist eine umfangreiche, sieben Bände umfassende handschriftliche Sammlung, erhalten, die detaillierte Informationen und Aufzeichnungen über dessen Tätigkeit im Zeitraum von 1803 bis 1868, die Namen der ausgebildeten Ärzte, Hinweise zur Organisation des Gremiums anhand der Rechnungsunterlagen und dessen personelle Zusammensetzung in Form von Mitgliederverzeichnisse enthalten.

Gremial-Buch des Chyrurgischen Gremii zu Klosterneuburg No. 1-2. Klosterneuburg: 1803-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/1-2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6176116&pos=0&phys=

Protocole Nro. 2, deren Herren Wundärzte, welche seit dem Jahr 1830 dem Chyrurgischen Gremium zu Klosterneuburg einverleibt wurden, so wie deren seit dem Jahre 1834 aufgedungenen und freigesprochenen Lehrjungen. Klosterneuburg: 1830-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6180925&pos=4&phys=

Gestions-Protokoll für das chirurgische Gremium Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1845.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/3]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6175850&pos=1&phys=

Rechnungshauptbuch für das chirurgische Gremium des Klosterneuburger Physicats vom Jahr 1840. Klosterneuburg: 1840-1865.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6181096&pos=1&phys=

Nahmentliches Verzeichnis der Mitglieder des chirurgischen Gremiums zu Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1868.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/5]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183789&pos=4&phys=

Namen-Verzeichnis deren bey dem chirurgischen Gremio des Klosterneuburger Districts aufgedungenen und freygesprochenen Lehrjungen: Klosterneuburg: 1840-1866.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/6]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6179917&pos=0&phys=

Kranken-Aufnahms-Protokoll des Klosterneuburger Chirurgischen Gremium, angefangen vom 10. Juny 1833. Klosterneuburg: 1844-1867.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB5850/7]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6178014&pos=3&phys=

Mit der Gewerbeordnung 1859 wurde die ärztliche und wundärztliche Tätigkeit von der Anwendung gewerblicher Bestimmungen ausgenommen. 1871 erfolgte die Aufhebung der chirurgischen Lehranstalten – stattdessen wurde das medizinische Studium 1872 verpflichtend eingeführt – und 1876 wurde das Verbot der Vornahme innerlicher Kuren durch Wundärzte aufgehoben und Wundärzte mit Ärzten gleichgestellt. Mit der Errichtung der Ärztekammern durch das Gesetz vom 22.12.1891 entfiel der Zweck der „chirurgischen Gremien“.[4] Schon ab den 1860er Jahren befanden sich die „chirurgischen Gremien“ in Auflösung. 1860 existierten offiziell noch 60 Gremien in der cisleithanischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie, Ende des 19. Jahrhunderts bestanden noch formal 53 mit 866 Mitgliedern. Im Juli 1895 wurde durch das Ministerium des Inneren die Aufhebung der chirurgischen Gremien beschlossen und im April 1896 ein entsprechender Antrag dem Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates zugewiesen. Mit der am 12. Mai 1896 in das Abgeordnetenhaus eingebrachten Regierungsvorlage wurden die vermögensrechtlichen Angelegenheiten geregelt, indem das Vermögen der Gremien an die Ärztekammern überging. Die Auflösung der Gremien wurde schließlich im November 1899 durch den Reichsrat beschlossen.

Quellen:

Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[1] Gesundheitsordnung vom 10.4.1773. Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

[2] Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

[3] Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift, 1896, S. 927-928, Wiener Zeitung, 11.11.1899, S. 2.

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Van Swieten Blog: MMag. Margrit Hartl

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [37]: Josef Preindlsb(p)erger (Chirurg, Militärarzt und Vorstand des AKH in Sarajewo) und Milena Preindlsberger-Mrazović (Schriftstellerin und Rot-Kreuz-Mitarbeiterin).

Josef Preindlsb(p)erger (Chirurg, Militärarzt und Vorstand des AKH in Sarajewo) und Milena Preindlsberger-Mrazović (Schriftstellerin und Rot-Kreuz-Mitarbeiterin). Wien – Sarajewo

Von der Schriftstellerin und Journalistin Milena Preindlsberger-Mrazović erschien 1904 in der Zeitschrift „Die Zeit“ ein bis heute weitgehend unbekannt gebliebener Artikel unter dem Titel „Der weibliche Arzt in Bosnien und Herzegowina“.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: SA 3016]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8627650&pos=9&phys=

Darin thematisiert sie die Schwierigkeiten, die mit der Durchsetzung der medizinischen Verwaltung Bosnien-Herzegowinas nach der Okkupation 1878 und im speziellen jene der weiblichen Ärzteschaft gegenüber der muslimischen Bevölkerung auftraten. Dabei kam den k.k. Amtsärztinnen eine bedeutende Rolle zu, die – auch im europäischen Vergleich – eine einzigartige institutionalisierte Stellung innerhalb der k.k. Sanitätsverwaltung in Bosnien-Herzegowina einnahmen. Der Grund für die Stärkung der Funktion von Amtsärztinnen in Bosnien-Herzegowina, lag in der ihnen zugewiesenen spezifischen Aufgabe die Gesundheitssituation der weiblichen muslimischen Bevölkerung zu verbessern, ihren Zugang zum Gesundheitssystem durchzusetzen und sie darin zu integrieren. Dazu wurden zwischen 1892 und 1918 insgesamt sieben österreichisch-ungarische Amtsärztinnen in die mehrheitlich von Muslimen bewohnten Gebiete berufen.

Milena Preindlsberger-Mrazović

Milena Preindlsberger-Mrazović war Journalistin, Schriftstellerin und Verlegerin (die erste in Bosnien-Herzegowina) und mit dem Wiener Chirurgen und Militärarzt Josef Preindlsberger verheiratet. Bis heute bekannt ist sie durch ihre seit den 1880er Jahren in deutscher Sprache publizierten Reiseberichte, Tagebücher und Romane, in denen sie sich mit dem sozialen und kulturellen Leben der Bevölkerung und der Landeskunde von Bosnien-Herzegowina befasste. Über ihr Geburtsdatum gibt es divergierende Angaben (zwischen 1863 und 1866) ebenso zu ihrem Geburtsort (Wien bzw. einem kroatischen Dorf im Nordwesten Bosniens). Gesichert ist, dass ihr Vater ein bosnischer Landesbeamte war und sie ihre Schulausbildung zunächst in Budapest erhielt. Nachdem ihr Vater nach der Okkupation Bosnien-Herzegowinas 1878 nach Sarajewo versetzt wurde, schloss sie hier ihren Schulbesuch ab. Milena begann ihre schriftstellerische Karriere 1884 als Mitarbeiterin der gerade in Sarajewo gegründeten einzigen deutschsprachigen Zeitung Bosniens, der „Bosnischen Post“, wo sie nach wenigen Jahren zur Chef-Redakteurin und schließlich 1889, nachdem ihr von der Regierung die Zeitung samt Druckerei übertragen worden war, zur Herausgeberin aufstieg. Daneben arbeitete sie als Sprachlehrerin für Französisch an einer Schule. Nach ihrer Heirat 1896 verkaufte sie das Verlagsunternehmen und widmete sich ausschließlich ihrer journalistischen Arbeit. Sie publizierte in zahlreichen deutschsprachigen Zeitschriften und Zeitungen, in denen sie den Lesern das multiethnische, vor allem aber das multikonfessionelle Bosnien-Herzegowina aus ethnografischer und anthropologischer Sicht näher zu bringen versuchte. Daneben hielt sie unter anderem Vorträge wie in Wien, wo sie auch durch ihre zahlreichen Artikeln in der Reichspost und der Neuen Freien Presse einen hohen Bekanntheitsgrad genoss und 1889 zum ersten weiblichen Mitglied der „Anthropologischen Gesellschaft in Wien“ ernannt wurde. Unter anderem verfasste sie auch einen Beitrag zu Bosnien-Herzegowina für das von Kronprinz Rudolf konzipierte Werk „Österreich-Ungarn in Wort und Bild“ (1899). Aus dieser Zeit resultierten Arbeiten wie „Selam, Skizzen und Novellen aus dem bosnischen Volksleben“, die 1893 (Berlin: Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft) erschien und frühe Texte von Milena enthält. Preindlsberger-Mrazović wurde durch eine Reihe weiterer Monografien im deutschsprachigen Raum bekannt. Dazu zählten: „Bosnische Volksmärchen“ (Innsbruck: Edlinger 1905), der Roman „Das Grabenfenster. Eine Sarajevoer Geschichte aus dem Beginn der Okkupation“ (Innsbruck: Edlinger 1906), der Reiseführer „Die bosnische Ostbahn. Illustrierter Führer auf den bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnlinien Sarajevo-Uvac und Megjegje-Vardiste“ (Wien: Hartleben 1908), sowie die Tagebuchaufzeichnungen „Bosnisches Skizzenbuch, Landschafts- und Kulturbilder aus Bosnien und der Herzegowina“ (Dresden, Leipzig: E. Pierson’s Verlag 1900). In diesen Arbeiten deklarierte sie sich als Befürworterin der Okkupation Bosnien-Herzegowinas und zu den von Österreich-Ungarn getroffenen Verwaltungsmaßnahmen, von denen sie sich eine Modernisierung, vor allem aber eine friedliche Entwicklung des Landes erwartete.

Seit 1896 war Milena Preindlsberger-Mrazović mit dem Wiener Chirurgen, Militärarzt und Landessanitätsrat in Bosnien-Herzegowina Josef Preindlsberger verheiratet, der am Allgemeinen Krankenhaus in Sarajewo die chirurgische Abteilung leitete.

Josef Preindlsberger

Joseph Preindlsberger wurde am 6. März 1863 in Wien als Sohn eines Kaufmannes geboren. 1881 begann er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er 1887 mit der Promotion abschloss. Im Jahr seiner Promotion trat er den Dienst als Militärarzt im Garnisons-Spital Nr. 1 in Wien an[1] und erhielt seine weitere Ausbildung bei Carl von Braun-Fernwald (1822-1891) an der gynäkologischen Klinik. Bis 1893 arbeitete er als Assistent von Prof. Josef Weinlechner (*3.3.1829 Altheim/Oberösterreich, gest. 30.9.1906 Bruck an der Leitha) an der I. chirurgischen und gynäkologischen Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Im Herbst 1893 kam es zur Eröffnung des „Allgemeinen Krankenhauses in Sarajewo“ und zu einer Reihe von Besetzungen ärztlicher Funktionen durch Wiener Mediziner – darunter Josef Preindlsberger, der zum Vorstand und Primarius der chirurgischen Abteilung ernannt wurde.[2] Über seine Tätigkeit in den ersten Jahren im Allgemeinen Krankenhaus in Sarajewo finden sich Hinweise in den: Mitteilungen aus der chirurgischen Abteilung des Bosnisch-Herzegovinischen Landespitals in Sarajevo für die Jahre 1894-1896, 1897-1900. Wien: Verlag Josef Safar 1898 und Sarajevo 1898/1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 8766]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8627647

Weiters: Weiss Otto: Mittheilungen aus der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung des Bosnisch-Hercegovinischen Landesspitals in Sarajevo für die Jahre 1897-1900. Geordnet und ergänzt von Josef Preindlsberger. Sarajevo: ÖLandesdruckrei 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 8669]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8662272&pos=3&phys=

1894 publizierte er: Die Behandlung der Gelenkstuberculose und ihre Endresultate aus der Klinik Albert. Mit einem Vorwort von Prof. E. Albert. Wien: Safar 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 5763]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8627642

Seine Arbeiten, die sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden, veröffentlichte er vor allem in medizinischen Fachzeitschriften wie „Internationale klinische Rundschau“, „Wiener medizinischen Wochenschrift“, „Wiener klinischen Wochenschrift“, „Wiener medizinischen Presse“ und in der „Wiener klinischen Rundschau“. Von Preindlsberger, der auch zum Landessanitätsrat von Bosnien-Herzegowina ernannt wurde, stammt auch eine Abhandlung zur „Volksmedizin“ Bosniens-Herzegovinas, die unter dem Titel Beiträge zur Volksmedizin in Bosnien, in: Wissenschaftliche Mittelungen aus Bosnien und der Herzegowina, H. 8, 1902, S. 215-229, erschien.

Josef Preindlsberger und Milena Preindlsberger-Mrazović im Ersten Weltkrieg

Am Ersten Weltkrieg nahm Josef Preindlsberger als Militärarzt teil. Im November 1914 wurde er zum Oberstabsarzt ernannt[3] und leitete in dieser Funktion ein chirurgisches Operationsteam an der Balkanfront in Serbien, Montenegro, Mazedonien und in Albanien, wo er das gesamte Sanitätswesen an der Front leitete, sowie ab 1916 an der Isonzofront in Italien. Seine Frau Milena Preindlsberger-Mrazović, die als Rot-Kreuz-Helferin ebenfalls an der Front zum Einsatz kam, wurde der Chirurgengruppe ihres Mannes zugeteilt[4] und 1916 erst als dritte Sanitäterin für ihren Einsatz in einer mobilen Chirurgengruppe mit der „Tapferkeitsmedaille“ ausgezeichnet.[5]

1919 kehrten beide, nachdem sie vom neuen SHS-Staat (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) aus Bosnien abgeschoben worden waren, nach Wien zurück, wo Josef Preindlsberger als Facharzt für Chirurgie zu arbeiten begann und in den 1920er Jahren als Vorsitzender des „Wiener medizinischen Doktorenkollegiums“ fungierte. Preindlsberger war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.

Milena Preindlsberger-Mrazović verstarb am 20. Jänner 1927 in Wien. Ihre Ehemann Josef Preindlsberger starb am 13. Dezember 1938 in Wien. Sein Nachlass befindet sich heute im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv.

Literatur:

Dzambo, Jozo: Milena Preindlsberger-Mrazović – eine Publizistin zwischen Folklore und Modernität, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.), „Wir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen …“. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie – der südslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 173-214.

Fuchs, Brigitte: „Ärztinnen für Frauen“. Eine feministische Kampagne zwischen Wien, Prag und Sarajewo, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.): „Wir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen …“. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie – der südslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 94-127.

Lindemann, Kristina: Explaining Bosnia – Milena Preindlsberger-Mrazović, and Austria’s own ‘Orient’, in: Zimmermann Tanja, Jakir Aleksandar (Hg.): Europe and the Balkans. Decades of „Europeanization“? Würzburg: 2015. S. 161-170.

Text: Walter Mentzel

[1] Neue Freie Presse, 7.5.1887, S. 3.

[2] Internationale klinische Rundschau, 6.8.1893, S. 1220.

[3] Der Militärarzt, 13.11.1914, S. 518.

[4] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 2.12.1914, S. 11.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 31.3.1916, S. 12. Österreichische Volks-Zeitung, 29.10.1916, S. 7.

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„1. Weltkrieg & Medizin“ [38]: Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918, Teil 2

Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918     Teil 2

Sein Schreiben blieb unbeantwortet. Daraufhin bot er seine Dienste dem preussischen Kriegsministerium an, das ihn im April 1915 anstellte. Poller schilderte den Sachverhalt im Mai 1917 folgendermaßen:

„Ich wurde im April des Jahres 1915 an die Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen nach Berlin berufen und auf Grund eines Vertrages mit dem preussischen Kriegsministerium, der mich mindestens bis Kriegsende verpflichtet, beauftragt, eine Sammlung von Kriegsmoulagen zu schaffen. Selbstverständlich folgte ich diesem Rufe erst, nachdem es nicht gelungen war, in Wien eine Verwirklichung dieses Gedankens zu ermöglichen. Schon im August 1914 reichte ich nämlich bei der Medizinalabteilung des K. u. K. Kriegsministeriums einen ausführlich begründeten schriftlichen Antrag in diesem Sinne ein, auf den eine Antwort bis jetzt nicht erfolgt ist und der daher wohl noch im dortigen Aktenbestand vorfindlich sein dürfte. Im Laufe des Herbstes 1914 sprach ich verschiedentlich persönlich bei den massgebenden Herren vor und fand auch vielfach Beifall und Zustimmung, es kam jedoch zu keinem praktischen Ergebnis. Die Zeit drängte, da man ja nicht wissen konnte, wie lange der Krieg dauern würde und so entschloß ich mich, dem rasch erfolgenden und günstigen Angebote Berlins Folge zu leisten. Zugleich mit mir wurde meine Frau als meine bezahlte Assistentin in Vertrag genommen. Seither wurde das Unternehmen in Berlin mit grosser Munifizienz [=Freigebigkeit] und von allen sonst in Betracht kommenden Stellen tatkräftig gefördert. Ich arbeitete zunächst 3 Monate in Berlin. Dann schickte mich die Akademie nach dem östlichen Kriegsschauplatze mit dem Standquartier in Königsberg, wo ich wieder ein kostspieliges Laboratorium einrichten durfte und von wo aus Reisen weiter nach dem Osten unternommen wurden. Dort blieb ich 11 Monate. Im Sommer 1916 hatte ich Auftrag eine Auswahl der im Osten geschaffenen Präparate in Berlin dem Chef des Feldsanitätswesens, Sr. Exzellenz von SCHJERNING und dem wissenschaftlichen Senate des Kriegsministeriums zu demonstrieren. Das gesamte Material wurde in eigenem Transport nach Berlin überführt. Sodann wurde das Laboratorium nach Frankfurt und im Herbste 1916 über Coblenz und Cöln nach Aachen dirigiert mit dem Auftrage, hier ein Standquartier zu errichten, und von hier aus Exkursionen nach dem Operationsgebiete zu unternehmen. Es gelang mir seit Beginn der Arbeit ungefähr 200 Modelle zu schaffen und dank der opferwilligen Förderung von seiten der Kaiser-Wilhelms-Akademie ganz neue Methoden der Darstellung auszuarbeiten.“

Erst im Jahr 1917 wurde das k. u. k. Kriegsministerium in Wien auf Alphons Poller aufmerksam und es beabsichtigte ihn „aufgrund einer Zuschrift des AOK [https://de.wikipedia.org/wiki/Armeeoberkommando_(%C3%96sterreich-Ungarn)] für die Erstellung von Moulagen heranzuziehen, die eine wertvolle Ergänzung der kriegspathologischen Sammlung des Militärsanitätskomitees [=Hilfsorgan des österreichisch-ungarischen Kriegsministeriums, bestehend aus 8–12 aktiven Militärärzten unter Vorsitz eines Generalstabsarztes in Wien, zur Prüfung und Beratung wissenschaftlicher und technischer Angelegenheiten des Militärsanitätsdienstes] in Wien bilden sollten.“

Die Bemühungen des k. u. k. Kriegsministeriums, Alphons Poller nach Österreich zu holen, hatten jedoch erst im Frühjahr 1918 Erfolg, als das preussische Kriegsministerium den Vertrag mit 1. April 1918 gekündigt hatte. Eine Mitarbeit an der „kriegspathologischen Sammlung“ in Österreich erfolgte jedoch nicht mehr, da Poller zu diesem Zeitpunkt schon in Verhandlungen mit der Universität Wien um die Nachfolge des Anfang Juni 1917 verstorbenen Leiters des Universitäts-Moulagen-Instituts ,Dr. Karl HENNING, stand.

Nach dem Ende des Krieges, im April 1919, wurde er schließlich zum Leiter dieses Instituts bestellt. Gleichzeitig mit seiner Ernennung erhielt es die Bezeichnung „Institut für Darstellende Medizin“.

Lesen Sie bitte einige Artikel zu Alphons Poller in der österreichischen Tagespresse:

Zu seiner Hochschulzeit

9. Juli 1912 – Hochschulnachrichten

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dvb&datum=19120709&seite=5&zoom=33&query=%22alfons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zum Ehrenbeleidigungsprozess Pollers gegen Theodor Henning, den Sohn Karl Hennings

31. Oktober 1926 – Ein wissenschaftlicher Ehrenbeleidigungsprozess

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19261031&seite=14&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

3. Oktober 1928

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19281003&seite=8&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

14.Dezember 1928 – Erklärung

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19281214&seite=9&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zu seiner Tätigkeit bei der Polizei

30. November 1926 – Rund um die Wiener Polizei – Erkennungsamt

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19261130&seite=6&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

30. Dezember 1926 – Die Ausstellung der Wiener Polizei

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19261230&seite=4&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

12. Juni 1927 – Das Abformlaboratorium der Wiener Polizei

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=oiz&datum=19270612&seite=6&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

5. Juni 1929 – Photographie im Raum

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19290605&seite=5&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

29. August 1929 – Das Pollersche Moulageverfahren

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dib&datum=19290829&seite=5&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

17. Oktober 1930 – Im Moulage-Kabinett der Polizei

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=iwp&datum=19301017&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zu seinem Tod

5. September 1930 – Tod eines Erfinders

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dkb&datum=19300905&seite=3&zoom=33&query=%22alfons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

5. September 1930 – Selbstmord eines Wiener Arztes und Erfinders

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19300905&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

5. September 1930 – Selbstmord eines Wiener Arztes

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19300905&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

6. September 1930 – Dozent Dr. Alfons Poller

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19300906&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

7. September 1930 – Das Poller-Verfahren

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19300907&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

8. September 1930 – Der Freitod eines Gelehrten

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wsz&datum=19300908&seite=5&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zur „Pollerschen Methode“

8. Mai 1942 – Menschen, Masken und Schicksale

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwt&datum=19420508&seite=4&zoom=33&query=%22alfons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

22.Juli 1944 – Wenn der Augenblick erstarrt – Porträtplastiken helfen derTheaterwissenschaft

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19440722&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

27. August 2012 – „Pollern“

http://www.springermedizin.at/artikel/30101-pollern

„Poller-Werkstatt“ – Inserate in Zeitungen und Zeitschriften

1. Juni 1932 – Plastische Photographie

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aaz&datum=19320601&seite=36&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

1. Oktober 1932

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aaz&datum=19321001&seite=44&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

4. November 1932

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=raw&datum=19321104&seite=59&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

4. Dezember 1938

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19381204&seite=43&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

13. Dezember 1938

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19381213&seite=22&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

Sein Mitarbeiter, der Bildhauer Max[imilian] BLAHA

23. April 1932 – Die Aufbahrung Kardinal Piffl

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19320423&seite=5&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

Ausgewählte Artikel von Alphons Poller in der Tagespresse

27. September 1918 – Unsere Propaganda – gegen uns

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19180927&seite=7&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P02&ref=anno-search

11.Dezember 1918 – Richterstuhl oder Rachetribunal

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19181211&seite=1&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P02&ref=anno-search

18. Oktober 1919 – Republik oder Monarchie?

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wwb&datum=19191018&seite=1&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

 

Zur Geschichte der Moulagenbildnerei beachten Sie bitte: Internationale Tagung „Naturgetreue Objekte“? am 4. und 5. März 2016 im Medizinhistorischen Museum Hamburg

https://www.uke.de/dateien/institute/geschichte-und-ethik-der-medizin/medizinhistorisches-museum/pdf/tagungsflyer-naturgetreue-objekte-web.pdf

Text:  Dr. Reinhard Mundschütz

“1. Weltkrieg & Medizin” –>alle Beiträge

„1. Weltkrieg & Medizin“ [37]: Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918, Teil 1

Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918     Teil 1

„Moulagen sind“ – nach Alphons Poller in einem Schreiben aus dem Jahre 1914 – „ vollständig naturgetreue Nachbildungen von – (erkrankten menschlichen) – Körperteilen in einer wachsähnlichen Masse, so dass sie von der Wirklichkeit kaum unterschieden werden können. Sie unterscheiden sich von sog. „Wachspräparaten“ dadurch, dass die Modelle nicht frei gebildet werden, sondern eine restlose Wiedergabe selbst der minutiösesten Details – z. B. der Poren der Haut – des Vorbildes sind und dass die Gussmasse keine Wachs-, sondern eben eine eigene Moulagemasse von sehr großer Härte und Widerstandsfähigkeit ist, die mit dem Fingernagel längst nicht mehr geritzt werden kann.

Die Universitäten, und vor allem die Wiener medizinische Fakultät machen von diesem ausgezeichneten Lehrbehelf den ausgedehntesten Gebrauch. Die Kliniken besitzen große wertvolle Moulage-Sammlungen aus dem Atelier eines eigenen Universitäts-Moulagen-Instituts unter Leitung des Dr. Henning [https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Karl_Henning].“

Zur Geschichte der Moulagenherstellung in Wien lesen Sie bitte:

http://www.springermedizin.at/artikel/5667-krankheitsbilder-aus-wachs-altes-medizinisches-wien-100

Alphons (Alfons) Poller selbst lieferte im Jahr 1929 in einer Mitteilung an den Herausgeber des Jahrbuchs der Wiener Gesellschaft zahlreiche autobiografische Details und zwar:

„Arzt, Schriftsteller, wurde am 31. August 1879 in Trautenau im Riesengebirge [https://de.wikipedia.org/wiki/Trutnov] geboren. Zunächst für die militärische Laufbahn bestimmt, besuchte er die Realschule und dann die [Infanterie-]Kadettenschule in Triest [1875-1907], von der er 1898 als Kadetten-Offizier-Stellvertreter ausgemustert wurde. Schon im folgenden Jahre superarbitriert [= für dienstuntauglich erklärt], machte er dann die Gymnasialmatura in Brünn und studierte danach an der Wiener Universität Philosophie und Medizin. Gleichzeitig betrieb er künstlerische Studien als Maler und Bildhauer. Während seiner Studienzeit betätigte er sich zwei Jahre als Lektor an der Wiener Urania und ein Jahr als technischer Assistent des Röntgenlaboratoriums Professor Holzknechts. [https://de.wikipedia.org/wiki/Guido_Holzknecht] Nach seiner 1914 erfolgten Promotion [er promovierte an der Universität Wien am 19. Dezember 1914] zum Dr. med. erhielt er anfangs 1915 eine Berufung vom preußischen Kriegsministerium an die Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin, wo er dann als Vorstand des Moulagen-Laboratoriums der K.-W.-A. in Berlin, Königsberg und Aachen tätig war. 1918 erfolgte seine Berufung an die medizinische Fakultät der Universität Wien als Vorstand des Universitätsinstituts für darstellende Medizin mit Lehrauftrag des Unterrichtsministeriums. Diese Stellung legte er im Jahre 1925 nieder. In der Zwischenzeit war er bis 1921 auch Herausgeber und Schriftleiter der „Deutschen Stimmen“. In den Jahren 1925 und 1926 hielt er sich in London, Paris und Zürich wegen Einrichtung der Fabrikation für seine Erfindungen, der zahnärztlichen Abform-Masse „Dentocoll“, ferner „Negocoll“, „Hominit“, „Ceberit“ (= Celerit) usw. auf. Seit 1926 ist er fachtechnischer Konsulent der Abformabteilung des Erkennungsamtes der Polizeidirektion Wien. Dr. A. Poller hat auch ein Buch über „Das Abformen am lebenden und toten Menschen“ [http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=11897370&pos=18&phys=] geschrieben und sich als Mitarbeiter von in- und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften betätigt. Seit 1928 ist er wissenschaftlicher Vertreter und Verwaltungsrat der Apotela A.G. in Zürich. – Seine Gattin Eugenia, geb. Coffee-Brown aus Hawkinsville in USA, ist als Konzertsängerin im Jahre 1910 zur weiteren Ausbildung nach Europa gekommen. Hier hat sie sich mit Dr. A. Poller verheiratet. Die an Kindesstatt angenommene Ziehtochter Lilly, geb. Fetscher, stammt aus Württemberg – Wohnung: XVIII, Währinger Strasse Nr. 115. – Tel. A-21-505“

Noch als Medizinstudent bot Alphons Poller seine Dienste bereits Ende  August 1914 – also 4 Wochen nach Ausbruch des Krieges – dem k. u. k. Kriegsministerium in Wien an, indem er folgendes in einem Brief schrieb:

„Ich erlaube mir meine Dienste für Anfertigung von Moulagen kriegschirurgischer Natur anzubieten.

Ich bin Mediziner im 11. Semester, habe im vorigen Semester das Absolutorium erhalten und das ganze 2. Rigorosum abgelegt. Wenn die Kriegsereignisse es zulassen, beabsichtige ich im Herbste zu promovieren.

Ich wurde vor 3 Jahren zum Demonstrator des Universität-Moulagen-Ateliers bestellt und daher bin ich mit dem einschlägigen Verfahren vollkommen vertraut. In jüngster Zeit habe ich einen Auftrag auf Herstellung einer Anzahl von Moulagen für die Hebammenanstalt in ZARA (unter Leitung des Herrn Professors STERMICH (Oberarzt Dr. Anton Ritter von Stermich (1863-1920), Professor der Geburtshilfe an der Hebammenlehranstalt in Zara [https://de.wikipedia.org/wiki/Zadar]) nach Modellen der geburtshilflichen Klinik des Herrn Regierungsrates Professors Piskaček   [https://en.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Piska%C3%A7ek] erhalten. Ich habe dies zum Anlasse genommen, eingehende Versuche und Studien zur Auffindung einer eigenen, bedeutend verbesserten Positiv-Moulagemasse zu machen.

Diese Arbeiten haben das Ergebnis, daß die jetzt von mir verwendete Masse einen viel höheren Schmelzpunkt als die Dr. Hennings aufweist, so daß sie nicht wie seine Präparate bei längerem Liegen an der Sonne zulaufen können. Sie sind auch gegen viel höhere Temperaturen vollkommen resistent. Auch die Härte ist größer.

Über meine Person wird gewiß gerne der Präsident des obersten Sanitätsrates, Herrenhausmitglied, Herr Hofrat Professor Dr. Ernst LUDWIG [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=oij&datum=19151115&seite=2&zoom=33&query=%22ernst%2Bludwig%22&provider=P02&ref=anno-search] , XIX Billrothstrasse 72, der mich persönlich sehr gut kennt, bereitwilligst Auskunft geben.

Ich bin selbstverständlich bereit bei einer beliebig zu bestimmenden Gelegenheit Proben meines Könnens abzulegen und die Arbeiten einer fachkritischen Beurteilung unterziehen zu lassen.

Ich glaube, daß in den Kriegslazaretten eine große Zahl höchst interessanter Krankheitsbilder, Verletzungen u.s.w. zu sehen sein wird, die später – eben weil der Krieg eine seltene Erscheinung ist – nie wieder den Augen des Studierenden zur Vorführung gebracht werden können.

Während dem Studenten selbst seltene Fälle aus der allgemeinen menschlichen Pathologie an großen Universitäten dennoch sehr oft gezeigt werden können, befindet sich der Militärarzt gerade auf einem für ihn sehr wichtigen Gebiete, der Kriegschirurgie, in keiner so glücklichen Lage. Auf diesem Gebiete fehlt ihm beinahe jede unmittelbare Anschauung. Eine möglichst große Zahl guter Moulagen, also vollständig naturgetreuer plastischer Nachbildungen aus diesem größten Kriege aller Zeiten müßte meines Erachtens eine höchst wertvolle Sammlung für das Studium aller künftigen Militärärzte bilden. Da die Originale beliebig oft copiert werden können, so könnten alle größeren Garnisonspitäler mit einer ausgewählten Sammlung dieser Moulagen beteilt werden. Ebenso könnte die Heeresverwaltung diese ausgezeichneten Studienbehelfe an fremde Staaten zu Unterrichtszwecken verkaufen.

Barbarische Verstümmlungen, Wirkungen von Dum-Dum-Geschossen etc. können (als actenmässige Belege gewissermassen) in einwandfreier Naturtreue für ewige Zeiten dargestellt werden.

Schließlich wäre eine solche Sammlung für die Nachkommen eine unersetzlich wertvolle Erinnerung, ein historisches Dokument allerersten Ranges.

Die Aufnahmen würden einerseits an lebenden Verletzten, anderseits an Leichen stattfinden. Die Leiche ist natürlich das günstigste Object, weil alle Rücksichten auf Schmerzen, Infektion etc. wegfallen. Diese werden daher tunlichst als Modelle zu verwenden sein. Eventuell auch pathologisch-anatomische Präparate.

Die Verletzten müssten möglichst rasch nach der Verwundung zur Aufnahme gelangen, wenigstens in den Fällen, in denen sich nicht erst im Stadium der Nachbehandlung interessante Bilder ergeben.

Aus beiden folgt, dass die Moulagen im Allgemeinen möglichst nahe der Schlachtlinie gemacht werden müssten, weil nur dort sich wenig veränderte Bilder zeigen werden.

Andererseits aber natürlich erfordert die künstlerische Arbeit des Moulierens einen gewissen Grad der Ruhe und Ungestörtheit und Voraussetzungen hinsichtlich der Arbeitsstätte etc.

Man würde also das richtige Mittel wählen müssen. Nahe genug der Front, um günstige frische Fälle zu bekommen und weit genug hinten, um ungestört arbeiten zu können.

Vom chirurgischen Standpunkt kann, bei Beachtung aller Kautelen der Aseptik, selbst das Moulieren frischer Verwundungen als unbedenklich bezeichnet werden. Die Negativ-Abgussmasse ist nämlich im Wesentlichen eine Leimmasse, die – wenn nur durch eine geeignete Kochvorrichtung die Wasserverdampfung hintangehalten wird – auch 24 Stunden und länger vor dem Gebrauche ununterbrochen gekocht werden und daher vollständig keimfrei gemacht werden kann.

Sonst aber kommt mit dem Patienten nichts in directe Berührung. Die Leimmasse wird 1 bis 2 Grade über der normalen Körpertemperatur erwärmt appliziert, enthält absolut keinerlei reizende Substanzen und ist nach dem Erstarren vollkommen weich und nachgiebig, klebt auch nicht im Geringsten, so dass Schmerzen, Verklebung etc. vollkommen ausgeschlossen sind. Die Applikation wird von Patienten im Gegenteile stets als eine milde, schmerzstillende Einhüllung empfunden. Ein Rasieren der Haare ist nicht notwendig, da ein Verkleben ausgeschlossen. Auch überhängende Ränder werden hindernislos ausmodelliert.

Selbstverständlich müsste alles zur Verwendung kommende Material (Gaze, Watte etc.) steril sein und ebenso selbstverständlich müsste ich und mein Assistent beim Abformen des Negativs am Patienten nach allen Regeln moderner Aseptik und Antiseptik angehen, uns also an die für Operationen geltenden Vorschriften der Reinigung etc. halten.

Da ich sowohl die Zusammensetzung der Massen als auch das Verfahren nicht preisgeben kann, würde ich als Assistenten nur meine Frau beiziehen, die von mir sowohl in den technischen Teil vollkommen eingeweiht, als auch mit den medizinischen Erfordernissen vertraut gemacht ist.

Die einfachsten Bedingungen würden sich wohl ergeben, wenn ich einem großen Spitale möglichst nahe dem Kriegsschauplatze zugeteilt würde. Ein genügend großes Zimmer könnte dann als Atelier

und Material-Magazin, eventuell auch als Schlafraum dienen. Sollte zur Aufstellung zweier Betten kein Platz sein, so ließe sich wohl privat eine ständige Nächtigungsstation finden. In diesem Falle würde ich Quartiergeld beanspruchen.

Sollte das Moulage-Atelier aber als ambulante Station gedacht sein, so müßten entweder zwei entsprechend geräumige Wagen (Automobile) beigestellt werden, von denen der eine als Arbeitsstätte, der andere als Materialdepot und Schlafstelle Verwendung fände oder man würde die Dislokationsfähigkeit auf Eisenbahnlinien beschränken, in welchem Falle, wie ich glaube, ein Eisenbahnwaggon beide Wagen ersetzen würde.

Ich bin auch bereit, falls die Heeresverwaltung es für wünschenswert hielte – z. B. zum Vergleiche der Wirkung von Geschossen und Waffen verschiedener Staaten – mich auf den Kriegsschauplätzen unserer Verbündeten verwenden zu lassen.

Da ich auch Zeichner und Maler und tüchtiger Amateurphotograph bin und viele medizinische wissenschaftliche Arbeiten illustriert habe, ist es selbstverständlich, daß ich auch diese Fähigkeiten in den Dienst militärmedizinischer Forschung und Lehre stellen werde.

Resümierend glaube ich meinen Vorschlag auf das eingehendste empfehlen zu können. Es wird kaum einen geben, der geeigneter für diese Aufgabe wäre als ich. Herr Dr. HENNING ist ein älterer Mann, der mit Rücksicht auf seine Familie sogar bei der jüngsten Blatternepidemie im Süden unserer Monarchie seine Teilnahme ablehnen mußte.

Ich bin sein vollwertiger Schüler, Mediziner, also nach der ärztlichen Seite hin geschult und zugleich Künstler und bin mit Begeisterung – ebenso wie auch meine Frau – für den Gedanken erfüllt, bin bereit die voraussichtlichen Anstrengungen und Opfer der guten Sache wegen freudig auf mich zu nehmen.

Ich bin überzeugt, daß eine solche Moulagen Sammlung nach authentischen Fällen dieses Weltkrieges einen unschätzbar hohen Wert in Zukunft erlangen müßte, einen Wert, der jedenfalls die Kosten der Herstellung weit überträfe.“

Zur Geschichte der Moulagenbildnerei beachten Sie bitte:Internationale Tagung „Naturgetreue Objekte“? am 4. und 5. März 2016 im Medizinhistorischen Museum Hamburg 

https://www.uke.de/dateien/institute/geschichte-und-ethik-der-medizin/medizinhistorisches-museum/pdf/tagungsflyer-naturgetreue-objekte-web.pdf

Text:  Dr. Reinhard Mundschütz

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