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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [144]: Robert Lenk – Radiologe – Mitarbeiter von Max Steinberg und Guido Holzknecht

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [144]:

Robert Lenk – Radiologe – Mitarbeiter von Max Steinberg und Guido Holzknecht

Text: Dr. Walter Mentzel

Robert Lenk war Radiologe an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und zuvor Mitarbeiter von Maximilian Sternberg am Krankenhaus Wieden. 1912 publizierte er eine am KH Wieden durchgeführte Arbeit in den von Ludwig Teleky herausgegebenen „Wiener Arbeiten aus dem Gebiet der Sozialen Medizin“.

Richard Lenk wurde am 14. Juni 1885 in den königlichen Weinberge bei Prag, als Sohn von Edmund Löwy und Eugenie Kohn, geboren. 1922 heiratete er Helene Maria Zäzilie Bensch (*31.1.1898 Schwarzberg bei Trautenau). Nach Abschluss seines Studiums der Medizin an der Universität Wien mit der Promotion im Jahr 1909 begann er seine medizinische Ausbildung beim Radiologen Robert Kienböck (1871-1953), der mit Guido Holzknecht (1872-1931) die Wiener Röntgengesellschaft gründet hatte.

1912 publizierte Lenk in den von Ludwig Teleky herausgegebenen „Wiener Arbeiten aus dem Gebiet der Sozialen Medizin“:

Lenk, Robert: Drucklähmung der Nerven ulnaris bei einer Glühlampenarbeiterin. In: Wiener Arbeiten aus dem Gebiet der Sozialen Medizin. Heft 2. 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61362]

Am Ersten Weltkrieg nahm Lenk als Militärarzt und Röntgenologe in einem Frontspital der Chirurgengruppe III von der Klinik Hochenegg teil.[1] Während des Krieges publizierte er eine Reihe von Aufsätzen in der Wiener medizinischen Wochenschrift.[2] Nach dem Krieg arbeitete er bis 1938 am Zentralröntgenlaboratorium des Allgemeinen Krankenhauses in Wien unter dem Vorstand Guido Holzknecht. Hier publizierte er 1921 „Als Herzerkrankung imponierendes Megakolon“.[3] 1926 „Analyse des Röntgenbildes einer seltenen kombinierten Kardiophatie“.[4] 1933 „Die Röntgendiagnose der larvierten idiophatischen Ösophagusdilatation.[5] 1921 publizierte er gemeinsam mit Guido Holzknecht:

Lenk, Robert und Guido Holzknecht: Röntgentherapheutisches Hilfsbuch für die Spezialisten der übrigen Fächer und die praktischen Ärzte. Mit einem Vorwort von Guido Holzknecht. Berlin: Springer 1921.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 55252]

Weitere seiner Arbeiten finden sich in der Separata-Bibliothek an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

1925 habilitierte er sich als Privatdozent für medizinische Röntgenologie an der Wiener Universität.[6]

Robert Lenk, der jüdischer Herkunft war, wurde nach dem „Anschluss“ im März 1938 seine Venia legendi widerrufen und am 22. April 1938 seines Amtes an der Universität Wien enthoben. Ihm gelang die Flucht nach Palästina, wo er Radiologie in Haifa und später in Tel Aviv unterrichtete. Robert Lenk verstarb am 18. August 1966 in Tel Aviv.[7]

Quellen:

Trauungsbuch, Erzdiözese Wien, Votivkirche, 1934, Folio 139, Lenk Robert, Zäzilie.

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 28.889, Lenk Robert (*14.6.1885).

ÖStA, AdR, E-uReang, FLD, Zl. 10.718, Lenk Robert (*14.6.1885).

[1] Wiener medizinische Wochenschrift (Beilage Der Militärarzt). Nr. 22. 1916. Sp. 257.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 1. 1916. Sp. 58; Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 50. 1916. Sp. 1899-1904; Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 8. 1917. Sp. 400-402, 402-403; Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 49. 1918. Sp. 2153-2155.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 11. 1921. Sp. 498-500.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 24. 1926. Sp. 400-402.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 44. 1933. Sp. 1242-1243.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 12. 1925. S. 719-721.

[7] In Memoriam von Felix G. Fleischmann. in: Radiology. Voll. 88. Nr. 1. 1.1.1967.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [143]: Alfred Götzl – Sozialmediziner und Chefarzt der Tuberkulosefürsorge der Stadt Wien

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [143]:

Alfred Götzl – Sozialmediziner und Chefarzt der Tuberkulosefürsorge der Stadt Wien

Text: Dr. Walter Mentzel

Alfred Götzl war langjähriger Mitarbeiter und Studienautor von Ludwig Teleky. Wegen seiner jüdischen Herkunft und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurde er als Dozent für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät 1938 von der Universität Wien vertrieben.

Alfred Götzl wurde am 1. Dezember 1873 als Sohn des aus Böhmen stammenden Salomon Götzl und Marie Schüssler in Wien geboren. Nach Abschluss seines Medizinstudium an der Universität Wien mit der Promotion im Jahr 1898[1] arbeitete er bis 1903 als Assistent an der Heilanstalt Alland. Danach eröffnete er eine Arztpraxis in Wien 19, Cottagegasse 86.[2]

Gemeinsam mit Alfred Bass arbeitete er unter der Leitung von Ludwig Teleky 1905 an der sozialmedizinische Studie zu den Perlmutterdrechslergehilfen während ihres Streikes und den Kohlenabladern der k.k. priv. Kaiser Ferdinand-Nordbahngesellschaft mit. Als Schüler von Teleky publizierte er 1910 eine von ihm am Krankenkassen-Ambulatorium für Gewerbekrankheiten durchgeführte Studie:

Götzl, Alfred: Die Bedeutung der punktierten Erythocyten für die Diagnose der Bleivergiftung. In: Wiener Arbeiten zur Sozialen Medizin. H. 1. 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61362]

1912 erschien seine ebenfalls am Ambulatorium von Teleky und am chemischen Laboratorium des k.k. serotherapeutischen Institutes von Richard Paltauf (1858-1924) unternommene Studie:

Götzl, Alfred: Die Bedeutung der Hämstoporphyrinurie für die Diagnose der Bleivergiftungen. In: Wiener Arbeiten zur Sozialen Medizin. H. 2. 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61362]

1915 erschien seine Arbeit:

Götzl, Alfred: Soziale Erhebung bei tuberkulösen Handelsangestellten. In: Wiener Arbeiten zur Sozialen Medizin. H. 7. 1915.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61362]

Vom Stadtrat von Wien wurde Götzl im August 1919 zum provisorischen Facharzt für Tuberkulosefürsorge für das Städtische Gesundheitsamt bestellt.[3] Daneben war er als leitender Arzt in der Fürsorgestelle Wien 16, des Vereines „Settlement“ tätig.[4] 1920 wurde er neben Arnold Czech und Ludwig Teleky in den Vollzugsausschuss für die Tuberkulosefürsorge nominiert,[5] und zum Chefarzt der Tuberkulosefürsorge der Stadt Wien ernannt. Götzl zählte neben Julius Tandler zu den Pionieren beim Ausbau der Tuberkulosefürsorgestellen in Wien. Schon vor dem Ersten Weltkrieg war er Mitglied im „Österreichischen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose“ und schon vor dem Ende des Ersten Weltkrieges nahm Götzl den Aufbau der Tuberkulosefürsorgestellen in Wien gemeinsam mit Teleky in Angriff. 1917 publizierte er dazu in der Zeitschrift Österreichisches Sanitätswesen:

Götzl, Alfred: Die Errichtung von Tuberkulosefürsorgestellen. Sonderdruck aus: Österreichisches Sanitätswesen. Wien: Hölder 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

1918 gab er in der Arbeiter Zeitung einen Überblick über die „Tuberkulosenbekämpfung in Österreich“ [6]. 1923 zog er über die Entwicklung der Tuberkulosefürsorgestellen, ihren Erfolg und über seine Tätigkeit ein Resümee.[7] In seiner Funktion als Chefarzt der Tuberkulosenfürsorge publizierte er in der Arbeiter Zeitung[8] einen ausführlichen Bericht über die „Behandlung der Lungentuberkulose“ oder zur Bedeutung des staatlichen Sozialversicherungswesen[9] aus der Sicht der Medizin. Darüber hinaus war er auch in der Wiener Volksbildung aktiv, wo er ebenso zur Tuberkulosenbekämpfung[10] Stellung nahm wie im Fortbildungsvortrag der Gesellschaft der Ärzte in Wien[11]. 1926 erfolgte seine Habilitation an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien im Fach innere Medizin mit besonderer Berücksichtigung der Tuberkulosefürsorge und seine Ernennung zum Privatdozent.[12]

Götzl, der auch Mitglied der Vereinigung sozialdemokratischer Ärzte war, hielt – nach der Übersiedlung von Teleky nach Düsseldorf und dem Ende des Sozialen Seminars an der Universität Wien – im Rahmen des Verbandes der sozialistischen Studenten in deren Medizinischer Fachgruppe/Sozialmedizinisches Seminar Vorträge zur Sozialmedizin,[13] so wie auch vor Gewerkschaftsversammlungen zu Themen der Berufskrankheiten.

Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Er wurde seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben. Alfred Götzl, seiner Ehefrau Paula (*23.5.1886 Wien, gest. 21.10.1984 San Francisco/USA) und den beiden Kindern Johanna (*23.9.1908, gest. 5.1.2004 Kalifornien) und Franz Rudolf (*28.9.1914 Wien, gest. 1981 Berkeley/Kalifornien), der 1938 an der Medizinischen Fakultät studierte und ebenfalls aus rassistischen Gründen von der Universität Wien vertrieben wurde, gelang die Flucht in die USA. Alfred Götzl unterrichtete in den darauf folgenden Jahren an der University of California School of Medicine in San Francisco. Er verstarb am 21. Jänner 1946 in San Francisco.

Quellen:

Matriken der IKG, Geburtsbuch 1873, Götzl Alfred.

AUW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0457, Götzl Alfred (Nationalien Datum: 1894/95).

AUW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-1150, Götzl Alfred (Nationalien Datum: 1934/35).

AUW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-1232, Götzl Alfred (Nationalien Datum: 1937/38).

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 188-1107, Götzl Alfred (Promotionsdatum: 31.3.1898).

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-51a, Götzl Alfred (Rigorosum Datum: 23.3.1898).

UAW, Rektoratsarchiv, Akademischer Senat, Personalblätter, Senat S 304.362 Götzl, Alfred.

United States Deceased Physician File (AMA), 1864-1968, Götzl Alfred 1946.

[1] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 2. 1899. Sp. 93.

[2] Neue Freie Presse. 8.11.1903. S. 9.

[3] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe). 1.9.1919. S. 6.

[4] Wiener klinische Rundschau. Nr. 7/8. 1920. S. 47.

[5] Wiener klinische Rundschau. Nr. 5/6. 1920. S. 29.

[6] Arbeiter Zeitung. 14.8.1918. S. 6.

[7] Arbeiter Zeitung. 23.1.1923. S. 8.

[8] Arbeiter Zeitung. 19.7.1924. S. 11.

[9] Arbeiter Zeitung. 10.7.1925. S. 7.

[10] Arbeiter Zeitung. 14.3.1928. S. 12.

[11] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 40. 1935. S. 1082.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 39. 1926. S. 1164.

[13] Arbeiter Zeitung. 23.11.1926. S. 11.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [142]: Clara Hönigsberg-Scherer – Medizinerin, Schülerin von Ludwig Teleky

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [142]:

Clara Hönigsberg-Scherer – Medizinerin, Schülerin von Ludwig Teleky

Text: Dr. Walter Mentzel

Clare Hönigsberg war 1910 Teilnehmerin und Referentin im Seminar für Soziale Medizin von Ludwig Teleky. Hönigsberg wurde am 1. Februar 1879 in Wien als Tochter von Paul Hönigsberg und der Frauenrechtsaktivistin Emma Hönigsberg (1851-1927), geborene Breuer, geboren. Ihre Schwester Margarete Hilferding-Hönigsberg (1871-1942) studierte ebenfalls Medizin und arbeitete ebenso wie Clara als praktische Kassenärztin. Clara Hönigsberg war mit Eduard Scherer verheiratet.

Hönigsberg schloss ihr Medizinstudium an der Universität Wien Medizin im Dezember 1904 zeitgleich mit Amalia Friedmann, Anna Pölzl und Dora Teleky mit ihrer Promotion ab. Seit spätestens 1908 arbeitete sie als Ärztin beim Verband der Genossenschaftskrankenkassen Wien in Währing,[1] und führte daneben in Wien Hernals eine private Ordination für Innere- und Frauenkrankheiten.

1910 nahm sie am Seminar Soziale Medizin von Ludwig Teleky teil, wo sie zum Studium der sozialen Hygiene referierte.[2]

Sie engagierte sich in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und war Mitglied des Vereins sozialdemokratischer Frauen und Mädchen. Weiters war sie im Unterrichtsverband Hernals tätig und hielt Vorträge in den verschiedensten sozialdemokratischen Organisationen zur Hygiene, Gesundheitspflege und Körperkultur der Frauen oder zur Stellung der Ärzt*innen zum § 144 (Abtreibung). Schon vor dem Ersten Weltkrieg war sie im Verein Tuberkulosenschutz aktiv, wo sie u.a. über „Die Frau und die Bedeutung der Tuberkulose“ referierte.[3] 1927 publizierte sie in der Wiener medizinischen Wochenschrift den Aufsatz „Ein Vorschlag zur Tuberkulosenprohylaxe“.[4]

Clara Scherer-Hönigsberg, die wegen ihrer jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ im März 1938 der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war, verstarb an ihrem Wohnungsort in Wien Hernals am 20. Juni 1942. Ihr Bruder Otto wurde am 27.9.1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet, ihre Schwester Margarete 1942 im KZ Treblinka.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1879, Hönigsberg Clara.

UAW, Med. Fak., Nationalien/Studienkataloge 1862–1938, Sign. 134-0587, Hönigsberg Clara.

UAW, Med. Fak., Promotionsprotokoll, Sign. 190-0128, Hönigsberg Clara (Promotion 21.12.1904).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 28.107, Scherer Clara (1879.02.01).

[1] Arbeiter Zeitung. 9.1.1909. S. 12.

[2] Teleky, Ludwig (Hg.): Wiener Arbeiten aus dem Gebiet der Sozialen Medizin. Wien, Leipzig: 1910. S. 188.

[3] Arbeiter Zeitung. 1.3.1913. S. 11.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 5. 1927. S. 168.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [140]: Eduard Lewy – Gewerbehygieniker, Journalist und Mitbegründer der Sozialmedizin in Österreich

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [140]:

Eduard Lewy – Gewerbehygieniker, Journalist und Mitbegründer der Sozialmedizin in Österreich

Text: Dr. Walter Mentzel

Eduard Lewy zählt zu den Pionieren der Sozialmedizin in Österreich, besonders auf dem Gebiet der Gewerbe- und Arbeitsmedizin. In seiner Funktion als Gewerbearzt des Verbandes der Genossenschafts-Krankenkassen Wiens/Verband der Krankenkassen Wiens war er Vorgänger von Ludwig Teleky.

Eduard Lewy wurde am 1. Mai 1838 in Neubidschow in Böhmen (heute: Novy Bydzov Tschechien) als Sohn von Jakob Lewy und Rosalia Landesmann geboren. Nach dem Abschluss seines Medizinstudiums an der Universität Wien mit seiner Promotion im Jahr 1863, begann er als Sekundararzt am KH Wieden zu arbeiten.[1] Im selben Jahr trat er als Mitglied in das Wiener medizinische Doktoren-Kollegium ein, wo er seit 1871 die Privatdozenten vertrat.[2] 1874 wurde er zum Obmannstellvertreter des „Ärztlichen Vereins des 3. Bezirkes“ gewählt,[3] weiters war er Mitglied des Vereins der Ärzte in Niederösterreich (Sektion Wien).

1866 nahm er als Choleraarzt in Wiener Spitälern und im österreichisch-preußischen Krieg als Inspektionsarzt in einem Militärspital im Prater teil.[4] Im selben Jahr trat er in den Dienst des Wiener Polytechnischen Institut in Wien als Dozent für technische Berufskrankheiten der Arbeiter und Hygiene ein. 1867/68 habilitierte er sich an der Technischen Hochschule, und wirkte danach lange Jahre als Vorstandsmitglied des Museums für Gewerbehygiene. An der BOKU hielt er Vorlesungen über Erste Hilfe bei Verunglückten und seit 1866 am Polytechnischen Institut populärwissenschaftliche Vorlesungen über „Berufskrankheiten der Arbeiter“, „Gesundheitspflege in den Werkstätten“[5], „Hygiene der Arbeiter“ und über die „Gesundheit der Schüler in den Schuleinrichtungen“.[6] Im September 1871 initiierte er ein Comitee des Arbeiter-Bildungsvereines zur Planung und Durchführung einer Ausstellung zur Gesundheitspflege der Arbeiter*innenschaft im Rahmen der Weltausstellung 1873.[7]

Lewy war seit Ende der 1860er Jahre als Autor und Journalist auf dem Gebiet der Medizin tätig. Neben seiner Publikationstätigkeit für Fachzeitschriften und als verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift „Medicinisch-chirurgisches Centralblatt“[8] publizierte er in populärwissenschaftlicher Form in Zeitungen wie der „Vorstadt-Zeitung“, der Österreichischen Badezeitung und „Der Presse“. Er gehörte dem Schriftsteller- und Presseverein Concordia an, als dessen Vereinsarzt er auch fungierte. Lewy widmete sich schon seit Anfang der 1860er Jahren den Gewerbe- und Berufserkrankungen wie der Bleivergiftung der Bleiarbeiter,[9] die er im Zusammenhang mit der Gewerbehygiene bereits 1865[10] thematisierte und 1873 eine Studie im Selbstverlag veröffentlichte.[11] Weitere Arbeiten von ihm folgten zu den Quecksilberarbeitern, zu Hadernvergiftungen in Papierfabriken wie in Schlöglmühl,[12] über die Krankheiten der Phosphorarbeiter und der Phosphornekrose,[13] über „Therapie der acuten Phosphorvergiftungen“,[14] „Über specielle Krankheiten einzelner Industriezweige und die Verhütung derselben“,[15] „Die Gewerbekrankheiten der Hutmacher“,[16] „Die Fortschritte der Industrie und ihr Einfluss auf die Berufskrankheiten der Arbeiter“ sowie über „Berufskrankheiten der intellectuellen Arbeiter“[17]. 1892 unternahm er eine Studie zu Staubarten in gewerblichen Betrieben,[18] einem Thema zu dem er bereits 1869 gearbeitet hatte.[19] Daneben beschäftigte sich Lewy mit einer breiten Themenpallette wie der Ersten Hilfe bei Verunglückten, der „Arbeitszeit in den Fabriken vom sanitären Standpunkt“, Minenkrankheiten, dem Wohnungswesen („Die gesunde und die ungesunde Wohnung“)[20], der „Hygiene des Lehrstandes und den Schulen“,[21] oder der „Gesundheitspflege auf Reisen[22] und den Gesundheitsschäden hervorgerufen durch übermäßiges Sitzen („Über das Sitzen“),[23] aber auch zu medizinische Fragen betreffend die Schulhygiene und Schüler*innen, der Kinderarbeit und der Kindererziehung.[24] U.a. hielt er 1875 innerhalb der Sektion für öffentliche Gesundheitspflege der Versammlung deutscher Naturforscher in Graz einen Vortrag „Welche Anforderungen hat die öffentliche Gesundheitspflege an die Beschäftigung von Frauen, jungen Leuten und Kindern in Fabriken.[25]

Über viele Jahre war Lewy als Referent in den Wiener Volksbildungs- und Arbeitervereinen aktiv, wo er populäre Vorträge zur Medizin hielt,[26] wie besonders im Verein der Buchdrucker und Schriftgießer Niederösterreichs, in dem er seit dessen Gründung als Vereinsarzt tätig war. Hier hielt er u.a. 1864 einen Vortrag zu Gewerbekrankheiten der Buchdrucker[27] oder 1867 über Tuberkulose und die Arbeitsverhältnisse der Buchdrucker im Fortbildungsverein der Buchdrucker[28]. Sein Nachfolger als Vereinsarzt der Buchdrucker war Artur Jellinek.[29] Weiters arbeitete er als Arzt in dem seit 1890 statuarisch bestehenden Verband der Genossenschafts-Krankenkassen Wiens und Umgebung (ab 1894 Verband der Krankenkassen Wiens) mit dem Schwerpunkt Berufskrankheiten, insbesondere gewerbliche Vergiftungen.

Lewy verstarb am 23. Juli 1905 in Fölz bei Aflenz in der Steiermark.

Literatur:

Lewy, Eduard: Die erste Hilfe bei Verunglückten. Sonderdruck aus: Die Zeit. Wien: Selbstverlag 1874.

Lewy, Eduard: Die Arbeitszeit in den Fabriken vom sanitären Standpunkte. Vortrag gehalten in der Section Wien des Vereins der Ärzte Nieder-Österreichs. Wien: Hügel 1875.

Jehle, Ludwigund Eduard Lewy: In den gewerblichen Betrieben vorkommende Staubarten in Wort und Bild. (Hrsg. vom Vereine zur Pflege des Gewerbehygienischen Museums in Wien). Wien: Verlag des Vereins zur Pflege des Gewerbehygienischen Museums in Wien 1892.

Lewy, Eduard und S. Wolf S: Handbuch der Krankenversorgung und Krankenpflege (Bd. I, II. Abth. P. 198).

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1871, Lewy Eduard, Kurz Julie.

UAW, Med. Fak., Promotionsprotokoll 1854-1865, Sign. 181-1069, Lewy Eduard (Promotion 16.1.1863).

UAW, Med. Fak., Promotionsprotokoll 1854-1865, Sign. 181-585, Lewy Eduard (Promotion 21.7.1863).

UAW, Med. Fak., Rigorosenprotokoll, Sign. 170-148r, Lewy Eduard (Rigorosum: 1862).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Lewy Eduard Dr. (23.7.1905).

[1] Ärztlicher Bericht des k.k. Bezirks-Krankenhaus Wieden. 1863. S. 366.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 64. 11.8.1866. Sp. 1029; Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 31. 1871. Sp. 765.

[3] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 28.7.1874. S. 255.

[4] Neue Freie Presse. 17.7.1866. S. 5.

[5] Wiener Zeitung. 28.10.1869. S. 4; Wiener Zeitung. 23.4.1872, S. 5.

[6] Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 86. 1868. Sp. 1393; Neue Freie Presse. 28.10.1870. S. 7; Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 11.11.1872. S. 563; Vorwärts. Zeitschrift für Buchdrucker- und verwandte Interessen. 7.11.1873. S. 3; Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 10.11.1874. S. 382; Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 2.11.1875. S. 6; Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 24.8.1875. S. 7; Wiener Zeitung. 4.11.1877. S. 4; Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe). 18.11.1887. S. 4; Die Presse. 10.11.1893. S. 10.

[7] Wiener Weltausstellungs-Zeitung. 6.4.1872. S. 8; 17.6.1873. S. 5.

[8] Die Presse. 11.12.1872. S. 3.

[9] Vortrag vor dem 1894 durchgeführten Kongress für Hygiene und Demographie in Budapest. Österreichisch-ungarische Buchdrucker-Zeitung. 1.11.1894. S. 488.

[10] Die Debatte. 17.2.1865. S. 3; Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 27.12.1870. S. 8.

[11] Lewy, Eduard: Die Krankheit der Bleiarbeiter. Wien: Selbstverlag 1873; Vorwärts! Zeitschrift für Buchdrucker- und verwandte Interessen. 9.5.1873. S. 3.

[12] Vorwärts! Zeitschrift für Buchdrucker- und verwandte Interessen. 19.5.1870. S. 78.

[13] Internationale Klinische Rundschau. 14.10.1894. Sp. 1471-1474.

[14] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 17.11.1874. S. 386 und 24.11.1874. S. 395. Weiters in derselben: 6.10.1874. S. 331-332; 20.10.1874. S. 346; 27.10.1874, S. 358-359

[15] Internationale Klinische Rundschau. 23.9.1894. Sp. 1357-1360.

[16] Blätter der Staats-Arzneikunde. Beilage zur Allgemeinen Wiener medizinischen Zeitung. Mai 1869. S. 1.

[17] Neue Freie Presse. 29.1.1878. S. 6.

[18] Photographische Correspondenz. Nr. 386, 1892, S. 530.

[19] Der Staub in den Werkstätten: Vorwärts! Zeitschrift für Buchdrucker- und verwandte Interessen. 4.2.1869. S. 20.

[20] Morgen-Post. 29.10.1878. S. 3; Kaufmännische Zeitschrift. 1.6.1886. S. 111-112; Österreichische-ungarische Badezeitung. Organ für Balneologie, Klimatologie und Hygiene. 3.6.1888. S. 59-60; 10.6.1888. S. 70-71; 17.6.1888. S. 79; 1.7.1888. S.96.

[21] Wiener Allgemeine Zeitung. 28.9.1887. S. 4.

[22] Badezeitung. Organ für Balneologie, Klimatologie und Hygiene. 25.6.1893. S. 73-74; 2.7.1893. S. 81-82. 9.7.1893. S. 89-80; 16.7.1893. S. 97-98.

[23] Verkehrs-Zeitung. 25.11.1883. S. 372-373.

[24] Österreichisch-ungarische Buchdrucker-Zeitung. 27.7.1905. S. 381.

[25] Österreichische Badezeitung. Organ für die Interessen der europäischen Kurorte und des Kurpublikums. 22.8.1875. S. 258; Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 21.9.1875. S. 350.

[26] Wiener klinische Rundschau. Nr. 30. 1905. S. 537.

[27] Das Vaterland. 12.6.1864. S. 6.

[28] Neue Freie Presse. 8.3.1867. S. 6.

[29] Österreichisch-ungarische Buchdrucker-Zeitung. 8.3.1906. S. 135; Österreichisch-ungarische Buchdrucker-Zeitung. 7.9.1905. S. 457.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [139]: Isaak Robinsohn – Radiologe und Leiter Wiener Röntgeninstitute- und Ambulatorien

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [139]:

Isaak Robinsohn – Radiologe und Leiter Wiener Röntgeninstitute- und Ambulatorien

Text: Dr. Walter Mentzel

Isaak Robinsohn wurde am 6. Mai 1874 in Brody in Galizien als Sohn des Buchhändlers David Robinsohn und Sara Marjem Achtcktuch geboren.

Abb.: Der Abend, 18.5.1932, S. 3.

Nachdem er zunächst in Wien Botanik studiert hatte, wechselte Robinsohn zum Fach Medizin und promovierte 1903 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Robinsohn schuf als Assistent gemeinsam mit seinem Lehrer Guido Holzknecht (1872-1931) die erste zentrale Röntgenstation im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, wo er für die Einführung und Umsetzung einiger technischer Innovationen, Vorrichtungen und Untersuchungstechniken, darunter die urologische Röntgendiagnostik, verantwortlich war. Er war auch Förderer des Röntgenwesens im Bereich des Krankenkassenwesens. Vor dem Ersten Weltkrieg war er Leiter des Röntgen-Institutes des Verbandes der Genossenschaftskrankenkassen in Wien und Niederösterreich, des Ambulatoriums der Arbeiterkrankenkasse, der Kasse der Industrieangestellten und auch Vorstand der Röntgenabteilung des Rothschild-Spitales, wo er auch als Primarius tätig war.[1] In der Funktion als Leiter des Verbandes der Genossenschaftskrankenkassen publizierte er 1912 in den „Wiener Arbeiten aus dem Gebiet der Sozialen Medizin“, die am Röntgen-Institut des Verbandes durchgeführte Studie:

Robinsohn, Isaak: Über schussartige Spritzverletzungen durch die Glühlampen-Metallfadenpresse. In: Wiener Arbeiten aus dem Gebiet der sozialen Medizin. (2) 1912 S. 112-117.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61362]

Während des Ersten Weltkrieges leitete er die Röntgenabteilung im Garnisons-Spital Nr. 1 in Wien und war Teil der Geschäftsführung der „M.E,W. mechanisch-elektrische Werkstätte GmbH“, die u.a. auch medizinische Apparaturen und Instrumente herstellte.[2] In den 1920er Jahren führte er ein eigenes Röntgeninstitut in Wien 9, Glasergasse, das er 1928 nach Wien 9, Alserstraße 23 verlegte.

Als Mitglied der Vereins sozialdemokratischer Ärzte beschäftigte er sich mit den Problemen der Krankenversicherung und der Organisation der Kassenärzte. Daneben war er als Mitglied der jüdischen Palästinensischen-Sammlungs- und Forschungsgesellschaft aktiv.[3]

Robinsohn verstarb am 18. Mai 1932 in Klosterneuburg bei Wien.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1902, Robinsohn Isaak, Hopecky Josefa.

UAW, Med. Fak., Nationalien/Studienkataloge 1862–1938, Sign. 134-0485, Robinsohn Isaak.

UAW, Med. Fak., Nationalien/Studienkataloge 1862–1938, Sign. 134-0538, Robinsohn Isaak.

UAW, Med. Fak., Promotionsprotokoll, Sign. 189-1224, Robinsohn Isaak (Promotion 12.5.1903).

UAW, Med. Fak., Rigorosenprotokoll, Sign. 195-476b, Robinsohn Isaak (Rigorosum: 29.4.1903).

[1] Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 22. 1932, S. 683.

[2] Elektrotechnik und Maschinenbau. 4.5.1913. S. 260.

[3] Wiener Morgenzeitung. 12.6.1921. S. 5.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [136]: Max Jerusalem: Chirurg und Primarius am chirurgischen Ambulatorium der Wiener Bezirkskrankenkasse

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [136]:

Max Jerusalem: Chirurg und Primarius am chirurgischen Ambulatorium der Wiener Bezirkskrankenkasse

Text: Dr. Walter Mentzel

Max Jerusalem war Chirurg und Primarius am chirurgischen Ambulatorium der Wiener Bezirkskrankenkasse in Wien 9 und widmete sich insbesondere der Behandlung der Tuberkulose. Er war vor dem Ersten Weltkrieg Studienautor von Ludwig Teleky im Rahmen des Seminars Soziale Medizin.

Max Jerusalem wurde am 22. Jänner 1873 in Treunitz in Böhmen (heute: Dřenice/Tschechien) als Sohn von Bernhard Jerusalem und Bozena Bär geboren. Jerusalem studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien Medizin und schloss das Studium 1897 mit seiner Promotion ab. Während seines Studiums engagierte er sich in der jüdisch-akademischen Verbindung „Unitas“,[1] gründete 1899 den jüdisch-akademischen Turnverein und war Funktionär im Ersten Wiener jüdischen Turnverein Makkabi 9.[2]

Nach dem Studium arbeitete er als Aspirant im k.k. Franz-Josefs-Spital. Hier publizierte er 1901 „Ein Fall von verästigter Knochenbildung in der Lunge,[3] und 1902 „Über die Beziehungen zwischen Menstruation und Erysipel“.[4] Nach seinem Wechsel in das chirurgische Ambulatorium der Wiener Bezirkskrankenkasse veröffentlichte er 1906 den Artikel zu der „Biersche Stau und Saugbehandlung in der Kassenpraxis,[5] 1908 seine Arbeit „Ein Fall von Fistula oesophago-cervicalis,[6] 1909 „Ein Fall von totaler Epispadie der Urethra,[7] 1910 „Die Behandlung der Appendizitis vor und nach der Operation“[8] und 1912 „Technisches zur Beckschen Wismutbehandlung tuberkulöser Fisteln und Abszesse“.[9]

Als Teilnehmer des Seminars von Ludwig Teleky und Studienautor publizierte er 1910 eine Studie, die er am chirurgischen Ambulatorium der Wiener Bezirkskrankenkassen durchführte:

Jerusalem, Max: Über einige typische traumatische Erkrankungen der Bau- und Industriearbeiter. In: Wiener Arbeiten aus dem Gebiete der sozialen Medizin. H. 1. 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61362]

Jerusalem widmete sich besonders der Bekämpfung der Tuberkulose, u.a. bemühte er sich um die Finanzierung zum Aufbau einer Sonnenheilstätte für die Sonnenlichtbehandlung der chirurgischen Tuberkulose, wozu er 1914 in der Allgemeinen Wiener medizinischen Zeitung eine Artikelserie zu „Die Sonnenbehandlung der chirurgischen Tuberkulose im Kindes- und jugendlichen Alter (Nr. 34, 25.8.1914), (Nr. 35, 1.9.1914), (Nr. 36, 9.9.1914)“ veröffentlichte. 1917 publizierte er seine Arbeit „Das Schicksal der Kopfverletzten im Kriege“ anlässlich seines Referates in der Militärgarnison in Jaroslau in Galizien, wo er nach seiner Tätigkeit als Vorstand der chirurgischen Abteilung des Reservespitals Nr. 3 in Wien als Militär- und Regimentsarzt stationiert war.[10]

Nach dem Krieg nahm er wieder seine Tätigkeit in seiner Ordination in Wien 9, Mariannengasse 15 und im Ambulatorium der Krankenkasse Wien auf und publizierte weiterhin in medizinischen Fachzeitschriften, darunter 1921 zu „Neue Richtlinien in der Therapie der chirurgischen Tuberkulose“,[11] 1925 zu „Erfahrungen mit Tutocain in der Krankenkassen-Chirurgie,[12] oder 1935 zur „Die ,soziale Indikation‘ in der Therapie der Knochen- und Gelenkstuberkulose.“[13] 1922 nahm er am vierten und 1924 am sechsten österreichischen Tuberkulosetag teil.[14] Jerusalem war Mitglied des jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth) und des „Ring der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen“.[15] In den 1920er und 1930er Jahren hielt er populärwissenschaftliche Vorträge zur Gesundheitspflege an den Wiener Volksbildungsstätten sowie in jüdischen Organisationen.

Max Jerusalem arbeitete nach dem „Anschluss“ im März 1938 im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Rothschild-Spital. Nach seiner Entlassung aus dem Personalstand des Spitals aufgrund der von den Nationalsozialisten erfolgten Weisung beging Max Jerusalem kurz vor seiner bevorstehenden Deportation in das Ghetto Theresienstadt am 13. September 1942 in seiner Wohnung in Wien 9, Mariannengasse 15 Suizid. Seine Ehefrau Julie, geborene Fürth, beging drei Tage später am 16. September 1942 Suizid. An die Familie Jerusalem erinnert heute ein Stolperstein in der Mariannengasse 15.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1902, Jerusalem Max, Fürth Julie.

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosenprotokoll, Sign. 195-151a, Jerusalem Max (Rigorosum 29.1.1897).

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 188-762, Jerusalem Max (Promotion 10.2.1897).

DÖW, Datenbank österreichischer Shoah-Opfer und Todesopfer politischer Verfolgung 1938 bis 1945 sowie von der GESTAPO Wien erkennungsdienstlich erfasster Männer und Frauen: Max und Julie Jerusalem.

[1] Die Neuzeit. 20.3.1896. S. 2.

[2] http://juedische-sportfunktionaere.vga.at/jso/view/1018

[3] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 29.5.1901. S. 246-247 und 4.6.1901. S. 256-257.

[4] Wiener klinische Rundschau. 16.11.1902. S. 881-883.

[5] Wiener klinische Rundschau. 10.6.1906. S. 433-436.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 31. 1908. Sp. 1737-1738.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 16. 1909. Sp. 867-870.

[8] Wiener klinische Rundschau. 20.11.1910. S. 735-738.

[9] Wiener klinische Rundschau. 24.11.1912. S. 787-740.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 24. 1917. Sp. 1053-1058.

[11] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 23. 1921. S. 1008-1011; Nr. 25. 1921. Sp. 1120-1121.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 27. 1925. S. 1607-1608.

[13] Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 29/30. 1935. S. 807-809.

[14] Neue Freie Presse. 11.5.1922. S. 23; Wiener medizinische Wochenschrift. Nr. 19. 1924. S. 985.

[15] Gerechtigkeit. 26.12.1935. S. 2.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [127]: Moritz Bauer – Gründer des Kuhpocken-Impf-Institutes in Wien und Mitbegründer des Ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens

Moritz Bauer – Gründer des Kuhpocken-Impf-Institutes in Wien und Mitbegründer des Ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens

Text: Dr. Walter Mentzel

Moritz Elias Bauer wurde am 25. Februar 1844 in Wien auf der Wieden als Sohn des Händlers Aron Bauer und seiner Frau Barbara, geborene Breuer, geboren, und war seit 1874 mit Mathilde Bauer, geborene Trebitsch (6.12.1851 Wien, gest. 6.3.1909 Wien), verheiratet. Bauer studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und schloss das Studium 1869 mit seiner Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde ab. Danach arbeitete als Arzt in Wien Margareten, wo er am Mittersteig seine Arztpraxis führte und bis zu seinem Tod wohnhaft war.

Nach Studienreisen nach Holland und Deutschland gründete er 1885 das vom k.k. Ministerium des Inneren konzessionierte Kuhpocken-Impfinstitut Österreich-Ungarns in Wien 4.

Abb. 1    Allgemeine Wiener medizinische Zeit. 28.5.1895. S. 256.

Zur Propagierung und Information der Impfungen generell hielt er in den 1880er Jahren regelmäßig Vorträge vor dem Unterstützungs-Verein für Hebammen.[1] Bauer war in zahlreichen Standesorganisationen der Wiener Ärzteschaft vertreten. Darunter als Mitbegründer und späterer Präsident[2] des 1874 gegründeten „Ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens“,[3] als Mitglied des Geschäftsrates des Wiener Doctoren-Collegiums[4], als Vorstandsmitglied der Witwen- und Waisensozietät,[5] und als Funktionär und Delegierter der Ärztekammer für Niederösterreich und später für Wien. Weiters war er Präsidiumsmitglied und später Obmann[6] im 1913 gemeinsam vom Wiener medizinischen Doctoren-Collegium mit den wirtschaftlichen Organisationen der Ärzte gegründeten Genossenschaft Ärztliches Zentral-Spar- und Kreditinstitut, sowie seit 1920 Mitglied des neugegründeten Zentralhilfskomitees der Ärzte Österreichs.[7]

Er war weiters Mitarbeiter des von Anton Bum (1856-1925) redigierten „Therapeutischen Lexikon für praktische Ärzte, Leipzig 1891“, der Wiener medizinischen Presse und der Mitteilungen des Wiener medizinischen Doctoren-Collegiums. 1908 wurde ihm der Titel eines kaiserlichen Rates[8] und 1920 vom Präsidenten der Nationalversammlung der Titel eines Obermedizinalrates verliehen.[9]

In der Separata-Bibliothek der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befindet sich eine Arbeit von Moritz Bauer:

Bauer, Moritz: Antiseptik bei der Impfung. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Urban & Schwarzenberg 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Und eine weitere in der Neuburger Bibliothek an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Moritz Bauer: Die Schutzimpfung und ihre Technik mit besonderer Berücksichtigung der Impfschäden, ihrer Verhütung und Behandlung. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 28408]

Moritz Bauer verstarb 87-jährig am 7. Oktober 1930 im Sanatorium Fürth in Wien.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1863 (nachträglicher Eintrag), Bauer Moritz.

AUW, Med. Fak, Nationalien/Studienkataloge 1862-1938, Sign. 134, Zl. 16, Bauer Moritz (Nationalien Datum 1866/67).

AUW, Med. Fak, Rigorosenprotokoll 1821-1871, Sign. 170, Zl. 23r, Bauer Moritz (Rigorosum 1869).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Bauer Mathilde.

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Bauer Moritz.

[1] Hebammen-Zeitung. 30.8.1888. S. 1.

[2] Wiener Zeitung. 16.3.1920. S. 2.

[3] Wiener Medizinische Wochenschrift. 27.3.1920. Sp. 667; Neues Wiener Journal. 8.10.1930. S. 9.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift. 23.3.1889. Sp. 451.

[5] Internationale klinische Rundschau. Nr. 20. 1906. Sp. 393.

[6] Wiener klinische Rundschau. 9.11.1913. S. 803; Wiener Zeitung. 22.4.1914. S. 510; Wiener Medizinische Wochenschrift. 27.3.1920. Sp. 667.

[7] Wiener Medizinische Wochenschrift. 27.3.1920. S. 498; Scholz, Joseph: Fünfundzwanzig Jahre des ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke. Wiens: Verlag des ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens 1899.

[8] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 8.12.1908. S. 547.

[9] Wiener Zeitung. 23.9.1920. S. 1.

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