Archiv der Kategorie: Medizinhistorische Bestände der Ub MedUni Wien

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [386]: Karg, Michael – Leiter und Primararzt des Wiener Waisenhauses

Karg, Michael – Leiter und Primararzt des Wiener Waisenhauses

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.08.2026

Keywords: Kinderarzt, Wiener Waisenhaus, Frauen-Wohltätigkeits-Verein für Wien und Umgebung, Medizingeschichte, Wien

Michael Karg wurde am 30. September 1811 in Nikolsburg in Mähren (heute: Mikulov/Tschechien) geboren.

Karg studierte an der Universität Wien Medizin. Am 19. Dezember 1836 wurde er zum Dokter der Medizin promovierte und erwarb den Grad eines Magisters der Geburtshilfe. Am 4. August 1839 folgte die Promotion zum Doktor der Chirurgie.

Anschließend war er als Privatarzt in Wien tätig, zunächst in Breitenfeld, Andreasgasse 15, danach in St. Ulrich, Neue Schottengasse Nr. 130.

K.k. Wiener Waisenhaus am Alsergrund

1851 wurde Karg zum Hausarzt und Ordinarius des k.k. Wiener Waisenhauses ernannt. Die 1742 gegründete Anstalt war 1785 unter Kaiser Joseph II (1741-1790) vom Rennweg in die Carlgasse Nr. 259-262 in der Alservorstadt verlegt worden.[1] Karg wohnte auch im Anstaltsgebäude.

1864 legte er dem Wiener Doktoren-Kollegium einen Entwurf zur Organisation der Waisenhäuser in sanitätspolizeilicher Hinsicht vor. [2] Seit etwa 1854 war er außerdem im Sanitäts-Department der niederösterreichischen Statthalterei in Verwendung. 1867 erhielt er den Titel eines Primararztes am Waisenhaus.[3]

Von Karg sind mehrere medizinische Veröffentlichungen überliefert. Dazu gehört die 1854 in der Wiener medizinischen Wochenschrift erschienene Artikelserie „Rückblick auf die Krankenbewegung in den niederösterreichischen Kranken- und Humanitätsanstalten im Jahre 1853“.[4] Im folgenden Jahr veröffentlichte er die „Darstellung der Masernepidemie unter den Zöglingen des k.k. Waisenhauses in den Monaten Jänner, Februar und März 1855“.[5]

1866 publizierte er die Schrift „Über Meningitis cerebro-spinalis und die Priorität ihrer Beobachtung im k.k. Waisenhaus für Knaben in Wien im Jahr 1863“. 1870 erschien in der Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte zu Wien sein „Hauptbericht über die vom 12. April bis Ende Mai 1869 unter den Zöglingen des k.k. Waisenhauses bestandenen Masernepidemie“.[6]

Im Anschluss an den Deutschen Krieg von 1866 wurde Karg 1867 mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Klasse ausgezeichnet.[7]

Frauen-Wohltätigkeits-Verein für Wien und Umgebung im Zweigverein Wien Rossau

Seit etwa 1851/52 war Karg als Vereinsarzt des Rossauer Zweigvereins des Frauen-Wohltätigkeits-Vereins für Wien und Umgebung tätig.[8]

Zentralverein für Kostkinder-Beaufsichtigung und Krippen

Spätestens seit 1858 gehörte Karg dem Zentralverein für Kostkinder-Beaufsichtigung und Krippen an. In dem im Jahr 1854 gegründeten Zweigverein in Lichtenthal, einem sozialen Brennpunkt im heutigen neunten Wiener Gemeindebezirks während der beginnenden Industrialisierung Wiens, wirkte er als Hausarzt beziehungsweise „besuchender Arzt“.[9]

Michael Karg verstarb am 1. August 1884 in Wien.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-115a, Karg Michael (Rigorosum Datum 1836).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 175-852, Karg Michael (Promotion Datum 19.12.1836).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 175-141, Karg Michael (Promotion/Chirurgie Datum 4.8.1839).

Rk-Erzdiözese Wien, Sterbebuch 09 Rossau, Sign. 03-09, 1.8.1884, Karg Michael

Literatur:

Karg, Michael: Ueber Meningitis cerebro-spinalis und die Priorität ihrer Beobachtung im k.k. Waisenhause für Knaben in Wien im Jahre 1863. Sonderdruck aus: Zeitschrift der k.k. Ärzte zu Wien. Wien: Druck von Carl Ueberreuter 1866.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 1, 1851, Sp. 16.

[2] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 7.6.1864, S. 181.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1867, Sp. 303.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 37, 1854, Sp. 587-589; Nr. 38, 1854, Sp. 605-606; Nr. 39, 1854, Sp. 622-623.

[5] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Nr. 35, 1855, S. 559-562; Nr. 36, 1855, S. 578-583.

[6] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Nr. 35 1870, S. 347-351; Nr. 36, 1870, 354-360; Nr. 37, 1870, S. 362-368.

[7] Die Presse, 2.3.1867, S. 14.

[8] Jahresbericht des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines für Wien und Umgebung, Wien 1852, S. 10.

[9] Krippenkalender für das Jahr 1858. Jahrbuch für Frauen und Mütter, Wien 1858, S. 32.

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Letzte Aktualisierung: 2026.08.17

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [385]: Berger, Arthur – Neuropathologe an der I. medizinischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Berger, Arthur – Neuropathologe an der I. medizinischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.08.2026

Keywords: Neuropathologe, I. medizinische Klinik, Allgemeines Krankenhaus Wien, Medizingeschichte, Wien

Arthur Berger wurde am 27. August 1871 als Sohn von Hermann Berger und dessen Ehefrau Julie (geb. 1840), geborene Kreuzer, in Wien geboren.

Er studierte an der Universität Wien Medizin und wurde am 19. Mai 1899 zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Anschließend eröffnete er eine private Arztpraxis in Wien 2, Praterstraße 11[1] und später in Wien 1, Krugerstraße 13.

Daneben war Berger zunächst als Hospitant am Nervenambulatorium der I. medizinischen Klinik tätig, die von Hermann Nothnagel (1841-1905) und nach ihm von Carl von Noorden (1858-1944) geleitet wurde. Hier erschienen von ihm im Jahr 1900 die Arbeit „Ueber den Einfluss reiner Milchdiät bei Diabetes mellitus“, es folgten 1901 die Beiträge „Zur Frage der spinalen Blasenstörungen“ und „Zur Kenntnis der Athetose[2] sowie 1904 die Arbeit „Ein Fall von Tumor der Hypophysengegend mit Obductionsbefund“.

Foto: Berger Arthur, Österreichische Illustrierte Zeitung, 21.7.1907, S. 955.

Seit 1904 war Berger ordentliches Mitglied der Gesellschaft[3] der Ärzte in Wien, darüber hinaus gehörte er der Gesellschaft für innere Medizin in Wien an.

Arthur Berger verstarb am 14. Juli 1907 in Wien.

Posthum erschien 1909, auf der Grundlage seiner hinterlassenen Aufzeichnungen und redigiert von Otto Marburg (1874-1948) sein Aufsatz „Zur Frage der Tabes mit Hirnnervenlähmung“.[4]

Todesanzeige: Berger Arthur, Neue Freie Presse, 15.7.1907, S. 13.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1871, Berger Arthur.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0444, Berger Arthur (Nationalien Datum: 1894/95).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-014b, Berger Arthur (Rigorosum Datum: 17.5.1899).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-0135, Berger Arthur (Promotion Datum: 19.5.1899).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Berger Arthur.

Literatur:

Berger, Arthur: Ueber den Einfluss reiner Milchdiät bei Diabetes mellitus. Aus der I. medicinischen Klinik des Herrn Hofrathes Prof. Nothnagel in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Rundschau. Wien: Verlag von Johann N. Nervay 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Berger, Arthur: Zur Frage der spinalen Blasenstörungen. Aus der I. med. Klinik des Herrn Hofrat Prof. Dr. Nothnagel in Wien. Sonderdruck aus: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. Leipzig: Verlag von F.C.W Vogel 1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Berger, Arthur: Ein Fall von Tumor der Hypophysengegend mit Obductionsbefund. Aus der I. medicinischen Klinik des Herrn Hofrath Nothnagel in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für klinische Medicin. Berlin: L. Schumacher 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1899, Sp. 1558.

[2] Wiener klinische Rundschau, Nr. 41, 1901, S. 751-752.

[3] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 15, 1904, S. 427.

[4] Wiener klinische Rundschau, Nr. 47, 1909, S. 743-749.

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Letzte Aktualisierung: 2026.08.17

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [384]: Hamburger, Emil Wolfgang – Bade- und Brunnenarzt in Franzensbad

Hamburger, Emil Wolfgang – Bade- und Brunnenarzt in Franzensbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.08.2026

Keywords: Badearzt, Medizingeschichte, Prag, Franzensbad

Emil Wolfgang Hamburger wurde am 17. April 1843 als Sohn des Arztes Wolf Hamburger und dessen Ehefrau Fridericka Hamburger, geborene Gosdorfer (1811-1879), in Deutsch Gabel bei Reichenberg in Böhmen (heute: Jablonné v Podještědí, Liberec/Tschechien) geboren. Er war mit Ida Frankenthal verheiratet; aus der Ehe ging die Tochter Elsa Hamburger hervor.

Hamburger studierte an der Universität Prag Medizin und promovierte 1867 zum Doktor der Medizin. 1868 erwarb er den Titel eines Magisters der Geburtshilfe und 1869 jenen eines Doktors der Chirurgie.[1] Anschließend arbeitete er als Sekundararzt im Allgemeinen Krankenhaus in Prag.

Kuranstalt Franzensbad

Im März 1869 ließ sich Hamburger als Badearzt in Franzensbad nieder. 1870 veröffentlichte er bei Sigmund Bensinger (1825-1896) in Prag die Monografie „Die Heilmittel von Franzensbad in ihrer Beziehung zu den Krankheiten des Weibes für gebildete Frauen populär dargestellt“, die 1877 in zweiter Auflage erschien. Seit 1875 gehörte Hamburger einem örtlichen Komitee an, das Geldmittel für die Abhaltung russisch-orthodoxer Gottesdienste und die beabsichtigte Errichtung einer orthodoxen Kirche in Franzensbad sammelte. Während seiner Tätigkeit als Arzt in Franzensbad veröffentlichte Hamburger mehrere wissenschaftliche Arbeiten. Dazu gehören die 1876 im Laboratorium von Professor Karl Hugo Huppert (1832-1904) an der Universität in Prag, entstandene Arbeit „Über die Resorption von Arzneistoffen durch die Vaginalschleimhaut“ sowie die und 1878 erschienene Untersuchung „Ueber die Aufnahme und Ausscheidung des Eisens“.

Österreichische Badezeitung

Ab April 1872 gab Hamburger gemeinsam mit dem Sanitätsrat und Brunnenarzt Friedrich Boschan (1818-1882) die „Oesterreichische Badezeitung. Organ für die Interessen der europäischen Kurorte und des Kurpublikums“ heraus.[2] Die Zeitung richtete sich über die Habsburgermonarchie hinaus an Badeärzte, Kurverwaltungen und Kurgäste im gesamten deutschsprachigen beziehungsweise europäischen Raum. Nach Boschans Rückzug aus der Herausgeberschaft redigierte Hamburger die Zeitschrift zunächst alleine und später gemeinsam mit dem Franzensbader Brunnenarzt Bernhard Raumann (1840-1886) weiter. Bis 1886 gehörte er zu ihren Herausgebern.

1878 wurde Hamburger als wirkliches Mitglied in die Gesellschaft der Ärzte in Wien aufgenommen.[3] 1883 erhielt er den Titel eines königlich preußischen Sanitätsrats.[4] In Franzensbad erwarb er das Bürgerrecht und wurde in den Stadtrat gewählt.

Emil Wolfgang Hamburger verstarb am 21. März 1888 in Wien.

Todesanzeige: Hamburger Emil Wolfgang, Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 24.3.1888, S. 15.

Literatur:

Hamburger, Emil Wolfgang: Über die Resorption von Arzneistoffen durch die Vaginalschleimhaut. Aus dem Laboratorium des Professor Huppert in Prag. Sonderdruck aus: Prager Vierteljahrsschrift. Leipzig: Druck von J.B. Hirschfeld 1876.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hamburger, Emil Wolfgang: Ueber die Aufnahme und Ausscheidung des Eisens. Sonderdruck aus: Zeitschrift für physiologische Chemie. Strassburg: Karl J. Trübner 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde, Bd. 1, Misceellen, 1867, S. 5; Bd. 2, Miscellen, 1869, S. 6; Bd. 1, Miscellen, 1869, S. 8.

[2] Österreichische Badezeitung, Nr. 1 Probe-Nummer, 14.4.1872, S. 1.

[3] Fremden-Blatt, 3.4.1878, S. 12.

[4] Neue Freie Presse (Abend-Blatt), 8.11.1883, S. 1.

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Letzte Aktualisierung: 2026.08.17

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [383]: Weinstein, Nathan – Städtischer Armenarzt in Wien Leopoldstadt und der Brigittenau

Weinstein, Nathan – Städtischer Armenarzt in Wien Leopoldstadt und der Brigittenau

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 06.08.2026

Keywords: Armenarzt, Städtische Bürger-Versorgungsanstalt, Medizingeschichte, Wien

Nathan Weinstein wurde am 2. März 1858 in Wien als Sohn des aus Ratzersdorf in Ungarn (ungarisch Recse, heute Raca, ein Stadtteil von Bratislava) stammenden Schächters und Beamten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Julius Weinstein (1821-1895) und dessen Ehefrau Rosalie (1827-1901), geborene Kurzweil, geboren. Seit 1893 war er mit der aus Krakau in Galizien stammenden Regine Rebekka Rittermann (1872-1952) verheiratet.

Weinstein studierte an der Universität Wien Medizin und wurde am 18. Februar 1882 promoviert. Im selben Jahr veröffentlichte er den Aufsatz „Zur Kasuistik der Hirntumoren“, der aus der von Anton Drasche (1826-1904) geleiteten Krankenabteilung des Allgemeinen Krankenhauses hervorging.

Im Herbst 1882 trat Weinstein als Einjährig-Freiwilliger in den militärärztlichen Dienst ein.[1] Im November 1883 wurde er als Assistenzarzt der Reserve dem Garnisonsspital Nr. 1 zugewiesen[2] und im Dezember desselben Jahres zum Oberarzt des Feldjägerbataillons Nr. 3 ernannt.[3] Danach gehörte er als nichtaktiver Oberarzt der k.k. Landwehr zunächst dem galizischen Landwehr-Infanterie-Bataillon Stryj und danach dem galizischen Landwehr-Infanterie-Bataillon Nr. 65 in Kolomea an.[4] Zuletzt war er dem Landwehr-Infanterie-Bataillon Korneuburg Nr. 2 zugeteilt.

Nach seinem Studienabschluss führte Weinstein eine private Ordination, zunächst in der elterlichen Wohnung in Wien 2, Antonsgasse 30. Danach ordinierte er in Wien 9, Alser Straße 4, und später an mehreren Adressen in der Brigittenau: Wallensteinstraße 50, 18, Nr. 20 und Nr. 56. Ab etwa 1893 befand sich seine Ordination in der Rauscherstraße 16, ab etwa 1895 wieder in der Wallensteinstraße 56 und ab etwa 1902 auf Nr. 52.

Armenarzt in der Leopoldstadt und der Brigittenau sowie Hilfsarzt im der Städtischen Bürger-Versorgungsanstalt

Ab zirka 1888 war Weinstein als Hilfsarzt in der Städtischen Bürger-Versorgungsanstalt in Wien 9, Spitalgasse 23, tätig.[5] Daneben arbeitete er als städtischer Armenarzt der Gemeinde Wien in der Leopoldstadt beziehungsweise im Bezirksteil Zwischenbrücken.[6] Im Jahr 1892 übertrug ihm der Wiener Gemeinderat zusätzlich eine Armenarztstelle in der Brigittenau.[7]

In den 1880er und 1890er Jahren war Weinstein außerdem als Arzt der Kranken-Unterstützungs-Abteilung des Wiener kaufmännischen Vereins tätig. Im Jahr 1926 erhielt er den Titel eines Medizinalrates.[8]

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit engagierte sich Weinstein im Israelitischen Bethaus-Verein Brigittenau.[9] Er gehörte dessen Vorstand an und ist 1898 als Bethausverwalter nachgewiesen. Obmann des Vereins war Hermann Ellbogen. Der Verein betrieb die Errichtung des späteren Brigittenauer Tempels in der Kluckygasse 11, der 1900 eingeweiht wurde.

Weinstein gehörte zum Bekanntenkreis des Mediziners und Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862-1931). Vermutlich nahm er auch an der sogenannten Riedhof-Runde teil, einem geselligen Kreis von Wiener Ärzten und Angehörigen des akademischen Milieus.

Nathan Weinstein verstarb am 13. Oktober 1927 in Wien

Todesanzeige, Nathan Weinstein: Neue Freie Presse, Neue Freie Presse, 14.10.1927, S. 17.

Quellen:

Matriken der IKG, Heiratsbuch 1893.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0142, Weinstein Nathan (Nationalien Datum: 1878/79).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-433b, Weinstein Nathan (Rigorosum Datum: 1879).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-1309, Weinstein Nathan (Promotion Datum: 18.2.1882).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Weinstein Nathan.

Literatur:

Weinstein, Nathan: Zur Kasuistik der Hirntumoren. K.k. allgemeines Krankenhaus, Abtheilung des Prof. Drasche in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von G. Gistel & Cie. 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Neue Freie Presse, 22.9.1882, S. 19.

[2] Fremdenblatt, 17.11.1883, S. 15.

[3] Wiener Zeitung, 1.12.1883, S. 1.

[4] Österreichischer Soldatenfreund, 24.1.1888, S. 6.

[5] Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1888, S. 1380.

[6] Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1895, S. 130.

[7] Amtsblatt der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Nr. 78, 4.10.1892, S. 2384.

[8] Illustrierte Kronen-Zeitung, 25.12.1926, S. 7.

[9] Die Neuzeit, 7.1.1898, S. 9.

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BBL:  50093 (06.08.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.09.06

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [382]: Lanzer, Oskar – Militärarzt, Konsular-Arzt in Wien

Lanzer, Oskar – Militärarzt, Konsular-Arzt in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 06.08.2026

Keywords: Militärarzt, Medizingeschichte, Wien

Oskar Lanzer wurde am 16. September 1851 als Sohn von Ignaz Lanzer und Amalie Lanzer, geborene Eisner, in Ustron in Österreichisch-Schlesien (heute: Ustroń/Polen) geboren. Er war mit Charlotte Tugendhat (1860-1933) verheiratet, mit der er die Tochter Ella Hilda Winternitz hatte (1883-nach 1944), die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und nach 1944 im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Nach der Absolvierung des Gymnasiums in Teschen (heute: Cieszyn/Polen) studierte Lanzer an der Universität Wien Medizin und promovierte am 14. Juli 1876 zum Doktor der gesamten Heilkunde.

Anschließend war er als praktischer Arzt in Wien tätig. Seine Ordination befand sich zunächst in Wien 7, Burggasse 35, später in der Kirchengasse 34, danach in der Siebensterngasse 32-34 und zuletzt in der Westbahnstraße 20.

Neben seiner ärztlichen Praxis beschäftigte sich Lanzer mit Fragen des militärärztlichen Sanitätswesens und des freiwilligen Sanitätshilfsdienstes. Nach Ableistung seines Militärsanitätsdienstes wurde er 1876 zum Assistenzarzt ernannt und dem Garnisonsspital Nr. 1 in Wien zugewiesen.[1] 1882 wurde er als nichtaktiver Militärarzt im Rang eines Bataillonsarzt mit Oberarztrang vom niederösterreichischen Landwehr-Schützenbataillon Wien Nr. 1 zum schlesischen Landwehr-Infanterie-Bataillon nach Teschen transferiert.[2] 1884 erfolgte seine Ernennung zum Regimentsarzt.[3]

Darüber hinaus engagierte sich Lanzer im österreichischen Militärveteranenwesen. Er war u.a. Vereinsarzt des Militär-Veteranen-Vereins „Feldmarschall Fürst Edmund zu Schwarzenberg“ und wirkte auch in dessen Vereinsleitung mit.[4]

1885 veröffentlichte er das vom k.k. Kriegsministerium approbierte „Lehrbuch zum Unterrichte im freiwilligen Sanitäts-Hilfsdienst auf dem Kriegsschauplatz“, das in mehreren Auflagen erschien. Die 1889 im Auftrag des k.k. Ministeriums des Inneren herausgegebene dritte Auflage „Lehrbuch zum Unterrichte im freiwilligen Sanitäts-Hilfsdienste auf dem Kriegsschauplatze. Mit einer Skizze und 131 Illustrationen“ war ein Sonderdruck der vom Ministerium veröffentlichten Schrift: „Gemeinverständliche Belehrung über Cholera und Cholera-Maßnahmen“. Mit dem Lehrbuch verfolgte Lanzer das Ziel, eine einheitliche Ausbildung der Sanitätsabteilungen im freiwilligen Sanitätshilfsdienst zu fördern.

Für sein Engagement wurde Lanzer mehrfach ausgezeichnet. 1891 erhielt er als Regimentsarzt erster Klasse, der in der Evidenz des Landwehrbataillons Wien Nr. 1 geführt wurde, „in Anerkennung seines gemeinnützigen und patriotischen Wirkens“ das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens.[5] 1900 wurde ihm das Ritterkreuz erster Klasse des königlich sächsischen Albrechts-Ordens verliehen.[6] Die Auszeichnung erfolgte aufgrund seiner seit etwa 1887 ausgeübten Tätigkeit als Arzt des Deutschen Hilfsvereins in Wien,[7] eines Unterstützungsvereins für in Wien lebende deutsche Staatsangehörige. 1903 erhielt er den Titel eines königlich-bayrischen Medizinallrates[8] und 1905 den königlich-preußischen Roten-Adler-Orden.[9] 1912 wurde ihm der Titel eines Medizinalrates verliehen.[10]

1896 veröffentlichte Lanzer noch die Arbeit „Erfahrungen über Creosotal-Kefir und Guajacolcarbonat-Kefir“.

Neben seiner Tätigkeit als praktischer Arzt und Militärarzt war Lanzer Chefarzt der Hilfskasse „Einigkeit“,[11] eines Selbsthilfevereins und einer privaten Sozialversicherung für kaufmännische Angestellte und Handlungsgehilfen. Außerdem fungierte er als Arzt des Deutschen Konsulats in Wien.

Oskar Lanzer verstarb am 18. Jänner 1914 in Wien.

Oskar Lanzer: Todesanzeige: Neue Freie Presse, 19.1.1914, S. 13.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0066, Lanzer Oskar (Nationalien Datum: 1870/71).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-218a, Lanzer Oskar (Rigorosum Datum: 1874).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-461, Lanzer Oskar (Promotion Datum: 14.7.1876).

Friedhofsdatenbank Wien, Lanzer Oskar.

Literatur:

Lanzer, Oskar: Lehrbuch zum Unterrichte im freiwilligen Sanitäts-Hilfsdienste auf dem Kriegsschauplatze. Zum Gebrauche für die Sanitäts-Abtheilungen der österr. Militär-Veteranen- und Kriegercorps. Mit einer Skizze und 131 Illustrationen. 2. Aufl. Wien: Anger 1886.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 41483]

Lanzer, Oskar: Lehrbuch zum Unterrichte im freiwilligen Sanitäts-Hilfsdienste auf dem Kriegsschauplatze. Mit einer Skizze und 131 Illustrationen. 3. unveränderte Aufl. Wien: Hölder 1889.

[Zweigbibliothek für Zahnmedizin/ÖGZMK, Sign.: G-0153]

Lanzer, Oskar: Erfahrungen über Creosotal-Kefir und Guajacolcarbonat-Kefir. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener Zeitung, 30.8.1876, S. 2.

[2] Österreichischer Soldatenfreund, 2.5.1882, S. 6.

[3] Neue Freie Presse, 13.11.1884, S. 20.

[4] Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinz-Ausgabe), 14.2.1885, S. 9.

[5] Wiener Zeitung, 16.5.1891, S. 1.

[6] Wiener klinische Rundschau, Nr. 37, 1900, S. 748.

[7] Deutsches Volksblatt, 24.4.1900, S. 6.

[8] Wiener klinische Rundschau, Nr. 36, 1903, S. 662.

[9] Wiener Zeitung, 17.9.1905, S. 1.

[10] Wiener klinische Rundschau, Nr. 28, 1912, S. 445.

[11] Kaufmännische Zeitung, 15.4.1903, S. 61.

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BBL:  50082 (06.08.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.09.06

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [381]: Felsenreich, Anton – Professor für Geburtshilfe und Gynäkologe am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Felsenreich, Anton – Professor für Geburtshilfe und Gynäkologe am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 06.08.2026

Keywords: Gynäkologe, Allgemeine Krankenhaus Wien, III. geburtshilfliche Klinik, I. Gebärklinik, Medizingeschichte, Wien

Anton Gottfried Leopold Felsenreich wurde am 25. Mai 1848 als Sohn des k.k. Hofwundarztes Gottfried Felsenreich (1813-1871) und Leopoldine Josepha, geborene Preissler, in Wien geboren. Er war mit Rosa Maria Mayr verheiratet. Aus der Ehe ging der Sohn Gustav Otto Felsenreich (1888-1949) hervor, der ebenfalls Mediziner wurde.

Felsenreich besuchte das Akademische Gymnasium in Wien und studierte anschließend an der Universität Wien Medizin. Am 30. Dezember 1873 promovierte er zum Doktor der gesamten Heilkunde. Nach der Ableistung seines militärärztlichen Dienstes wurde er als Assistenzarzt der Reserve 1876 zum Oberarzt ernannt und dem Garnisonsspital Nr. 1 zugewiesen.[1]

Nach Abschluss seines Studiums war Felsenreich zunächst außerhalb von Wien als Choleraarzt und als Vertretung von Landärzten tätig. Danach arbeitete er bis 1874 als Aspirant an der Laryngologischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien sowie an der II. chirurgischen Abteilung des Wiedner Krankenhauses. Bis 1875 war er Externist am St. Anna-Kinder-Spital und anschließend bis 1877/78 Sekundararzt an der niederösterreichischen Landes-Findel-Anstalt. Danach trat er als Assistent in die III. geburtshilfliche Klinik unter Gustav Braun (1829-1911) ein. Von 1881 bis 1883 arbeitete er als Assistent von Carl Braun (1822-1891) an der I. Gebärklinik.

Während seiner Tätigkeit an diesen beiden Kliniken veröffentlichte Felsenreich unter anderem 1879 „Hämophilie in der ersten Lebenswoche“, 1880 „Sectio caesarea nach E. Posso mit Erfolg für Mutter und Kind“ 1881 „Beitrag zur Behandlung der Uterusruptur durch Drainage“ und 1883 „Zur operativen Behandlung der hernia funiculi umbilicalis“.

Am 3. November 1883 habilitierte sich Felsenreich an der Universität Wien zum Privatdozenten im Fach Geburtshilfe und Gynäkologie. Seinen Habilitierungsvortrag publizierte er im selben Jahr unter dem Titel „Carcinoma uteri als Komplikation von Schwangerschaft und Geburt“. 1898 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Professors.

Zu seinen weiteren wissenschaftlichen Arbeiten zählen die 1889 erschienenen Beiträge „Totalexstirpation des Uterus per vaginam wegen Carcinom des ganzen Cervix“, „Dystokie durch eine parametrane und peritoneale Exsudatschwiele“, und „Casuistische Beiträge zur Complication der Schwangerschaft durch Fibromyome“. 1891 folgte „Zur Interstitialschwangerschaft“, 1893 „Zur blutigen Erweiterung des Scheideneinganges während der Geburt“ und 1894 „Eine neue Verpackung sterilisirter Bruns’scher Watte für Geburtszwecke“.

Ein ausführliches Verzeichnis seiner wissenschaftlichen Publikationen findet sich in dem Band „Personalbibliographien von Professoren und Dozenten der I. und II. Universitätsfrauenklinik und der III. geburtshilflichen Klinik in Wien im ungefähren Zeitraum von 1875-1905 mit kurzen biographischen Angaben und Überblick über die Hauptarbeitsgebiete“. Einige seiner Arbeiten veröffentlichte Anton Felsenreich unter der Autorenbezeichnung „T. Felsenreich“.

1879 trat Felsenreich der Gesellschaft der Ärzte in Wien bei.

Anton Felsenreich verstarb am 2. Februar 1926 in Wien.[2]

Todesanzeige: Felsenreich Anton, Neue Freie Presse, 4.2.1926, S. 18.

Quellen:

Rk. Erzdiözese Wien. 02, St. Leopold, Taufbuch 01-28c, Folio 267, Felsenreich Anton.

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-84a, Felsenreich Anton (Rigorosum Datum: 1873).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-34a, Felsenreich Anton (Promotion Datum: 30.12.1873).

Personalbibliographien von Professoren und Dozenten der I. und II. Universitätsfrauenklinik und der III. geburtshilflichen Klinik in Wien im ungefähren Zeitraum von 1875-1905 mit kurzen biographischen Angaben und Überblick über die Hauptarbeitsgebiete

Literatur:

Felsenreich, Anton: Hämophilie in der ersten Lebenswoche. Aus der geburtshilflichen Klinik des Prof. Gustav Braun in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von G. Gistel & Cie. 1879.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Sectio caesarea nach E. Posso mit Erfolg für Mutter und Kind. Aus der geburtshilflichen Klinik des Prof. Gustav Braun in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: L.W. Seidl & Sohn 1880.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Beitrag zur Behandlung der Uterusruptur durch Drainage. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: L.W. Seidl & Sohn 1881.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Zur operativen Behandlung der hernia funiculi umbilicalis. Aus der Klinik des Hofr. Prof. Braun-Fernwald in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von G. Gistel & Cie. 1883.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Carcinoma uteri als Komplikation von Schwangerschaft und Geburt. Habilitationsvortrag. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von G. Gistel & Cie. 1883.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Totalexstirpation des Uterus per vaginam wegen Carcinom des ganzen Cervix. Vorläufig 3 Monate ohne Recidive. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1889.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Dystokie durch eine parametrane und peritoneale Exsudatschwiele. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1889.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Casuistische Beiträge zur Complication der Schwangerschaft durch Fibromyome. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1889.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Zur Interstitialschwangerschaft. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Zur blutigen Erweiterung des Scheideneinganges während der Geburt. Sonderdruck aus: Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. Wien: Druck von R. Spies & Co. 1893.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Felsenreich, Anton: Eine neue Verpackung sterilisirter Bruns’scher Watte für Geburtszwecke. Sonderdruck aus: Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. Wien: Druck von R. Spies & Co. 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Fremden-Blatt, 22.6.1876, S. 10.

[2] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 8, 1926, S. 224.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [380]: Wasserthal, Ignaz – Balneologe in Karlsbad

Wasserthal, Ignaz – Balneologe in Karlsbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 27.07.2026

Keywords: Balneologe, Badearzt, Karlsbad, Medizingeschichte, Wien

Ignaz (Ignacy Izaak Aron) Wasserthal wurde am 10. Juli 1840 in Krakau in Galizien (heute: Kraków, Polen) im Kaisertum Österreich als Sohn von Dawid Leibel Wasserthal (1812-1898) und Ester (1810-1875), geborene Lefler, geboren. Seit 1873 war er mit Chana Anna Najman (Neuman) (1855-1919) verheiratet. Aus der Ehe ging der Sohn Jakub (Jakób) Wasserthal (1874-1943) hervor.

Wasserthal studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 5. November 1872 zum Doktor der gesamten Heilkunde und am 2. Juli 1873 zum Doktor der Chirurgie.

Anschließend übersiedelte Wasserthal nach Tschenstochau (heute: Częstochowa/Polen) in Russisch-Polen. Dort war er als Fabrikarzt der Jutespinnerei und Weberei „Warta“ tätig und führte daneben eine ärztliche Privatpraxis.

Karlsbad (Karlovy Vary)

Seit etwa 1900 war Wasserthal während der Sommermonate auch als Kur- und Badearzt in Karlsbad tätig. Dort spezialisierte er sich auf Erkrankungen des Verdauungstraktes sowie der Nieren und Harnwege. Aus dieser Tätigkeit gingen mehrere wissenschaftliche Arbeiten hervor, darunter „Über die Bedeutung von Flagellaten im Stuhl bei Achylia gastrica“, „Sur la valeur de la réaction de Molliere (violet de methyle) pour décéler l`acide chlorhydrique libre dans l’estomac“(1907 und 1908), „Ueber Zylindrurie im eiweissfreien Harn und ihre Beziehungen zur chronischen Obstipation“ (1909), sowie kurz vor seinem Tod „Bemerkungen zur Balneotherapie der Harnkrankheiten“.

Posthum erschienen noch „Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usitées en therapeutique“, Les mátiéres dialysables du contenu stomacal décelables par la réaction de la ninhydrine“ sowie 1913 eine weitere Fassung von „Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usitèes en therapeutique“ und „L’examen microscopique des féces au polariscope“, die er gemeinsam mit René Goiffon (1882-1964) verfasste, der im Laboratorium des Gastroenterologen Albert Mathieu (1855–1917) in Saint-Antoine tätig war. Albert Mathieu, in dessen Laboratorium die Arbeiten entstanden, hatte am Hôpital Saint-Antoine in Paris eine der führenden Schulen der Gastroenterologie begründet und 1907 die Fachzeitschrift Archives des maladies de l’appareil digestif ins Leben gerufen.

Neben der häufig unentgeltlichen Behandlung mittelloser Patienten und Fabrikarbeiter:innen engagierte er sich beim Aufbau von Ferien- und Sommerkolonien für Kinder aus verarmten Elternhäusern in Częstochowa, die er auch medizinisch betreute, um der weit verbreiteten Tuberkulose und Unterernährung entgegenzuwirken.

Wasserthal war Mitglied in regionalen Ärztegesellschaften wie der Ärzteschaft des Gouvernements Piotrków und hielt regelmäßig Fachvorträge.

Wasserthal verstarb am 21. Dezember 1910 während eines Behandlungsaufenthaltes in Berlin, wo er am städtischen jüdischen Friedhof (Berlin-Weißensee) beigesetzt wurde.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0085, Wasserthal Isak (Nationalien Datum: 1870/71).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-1166, Wasserthal Isak (Promotion Datum: 5.11.1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-828, Wasserthal Isak (Promotion/Chirurgie Datum: 2.7.1873).

Setowski Juliusz: Wassertal (Wasserthal), https://www.czestochowajews.org/wp-content/uploads/WASSERTAL-Ignacy-pp-462-462.pdf

Literatur:

Wasserthal, Ignaz: Über die Bedeutung von Flagellaten im Stuhl bei Achylia gastrica. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungskrankheiten. Berlin: Verlag von S. Karger 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wassertahl, Ignaz: Sur la valeur de la réaction de Molliere (violet de methyle) pour décéler acide chlorhydrique libre dans l’estomac. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. O.O.: 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz: Ueber Zylindrurie im eiweissfreien Harn und ihre Beziehungen zur chronischen Obstipation. Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: Druck von L. Schumacher 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz: Bemerkungen zur Balneotherapie der Harnkrankheiten. Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: Druck von L. Schumacher 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz und René Gioffon: Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usitées en therapeutique. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris: Imprimerie Ch. Herissey, Paul Herissey 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz: Les matieres dialysables du contenu stomacal decelables par la réaction de la ninhydrine. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris:
Imprimeri Ch. Herissey 1914.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz und René Gioffon: Recherches sur l’adsoption des ferments digestifs par les poudres usitiées en therapeutique. Laboratoire du Dr. A. Mathieu a Sint-Antoine. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris: Imprimeri Ch. Herissey, Paul Hersissey 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz und René Gioffon: L’examen microscopique des féces au polariscope. Travail du laboratoire de M. le Dr. A. Mathieu a Saint-Antoine. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris: Imprimerie Ch. Herrissey, Paul Herissey 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [379]: Pernitza, Emil – Kinderarzt, Chirurg, Bahn- und Fabriksarzt, Primararzt am St. Josefs-Kinderspital und Chefarzt der I. Allgemeine Beamten-Versicherungs-Gesellschaft

Pernitza, Emil – Kinderarzt, Chirurg, Bahn- und Fabriksarzt, Primararzt am St. Josefs-Kinderspital und Chefarzt der I. Allgemeine Beamten-Versicherungs-Gesellschaft

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 27.07.2026

Keywords: Kinderarzt, Chirurg, Bahn-Arzt, St. Josefs-Kinderspital, I. Allgemeine Beamten-Versicherungs-Gesellschaft, Medizingeschichte, Wien

Emil Pernitza wurde am 7. Oktober 1845 als Sohn des Justiziars Karl Pernitza und dessen Ehefrau Anna, geborene Glass, in Maleschau in Böhmen (heute: Malesov/Tschechien) geboren.

Seit 1872 war er mit Emilie Hein (-1919) verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor, der Postkommissar im Handelsministerium Dr. Hans Pernitza, der Regimentsarzt Dr. Gustav Pernitza (1873-?) und dem Sekretär der niederösterreichischen Finanzprokuratur Dr. Viktor Pernitza (1874-1939).

Pernitza studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 2. März 1869 zum Doktor der gesamten Heilkunde und zum Magister der Geburtshilfe sowie am 11. Juni 1869 zum Doktor der Chirurgie.

Nach Abschluss seines Studiums erhielt er seine chirurgische Ausbildung an der Klinik von Theodor Billroth (1829-1894), wo er zu dessen frühem Mitarbeiter- und Schülerkreis gehörte. 1871 legte Pernitza der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien in deren Sitzung vom 9. März die Arbeit „Bau und Entwicklung des Erstlingsgefieders, beobachtet am Hühnchen“ vor.

Nach seiner Promotion eröffnete Pernitza eine private Arztpraxis in Wien 8, Schmiedgasse 5. Spätestens seit 1873 ordinierte er in Wien 4, Favoritenstraße 52, danach in der Favoritenstraße 27 und ab 1878 in der Favoritenstraße 2. Zuletzt befand sich seine Praxis bis zu seinem Tod in Wien 4, Wiedner Hauptstraße 16.

Bahn- und Fabriksarzt, St. Josefs-Kinderspital, Versicherungsarzt

Daneben arbeitete Pernitza seit 1871 als Bahn- und Fabriksarzt bei der k.k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft in Wien.[1] Ab etwa 1896 war er außerdem als Primarchirurg am 1842 eröffneten und seit 1857 unter dem Protektorat von Erzherzogin Maria Karolina (1825-1915) stehenden St. Josefs-Kinderspital in Wien 4, Kolschitzkygasse 9-11 tätig. Ab 1900 übernahm er zusätzlich die Funktion eines Chefarztes bei der 1895 gegründeten I. Allgemeinen Beamten-Versicherungs-Gesellschaft.

Pernitza gehörte dem Verwaltungsausschuss des Pensionsinstituts des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums an und war Geschäftsrat des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums.[2] 1908 erhielt er das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen.[3]

Emil Pernitza verstarb am 7. Jänner 1914 in Wien.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-200a, Pernitza Emil (Rigorosum Datum: 1869).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-201, Pernitza Emil (Promotion Datum: 2.3.1869).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-290, Pernitza Emil (Promotion/Chirurgie Datum: 11.6.1869).

Rk. Erzdiözese Wien, 04, St. Elisabeth, 1873, Taufbuch 01-07, Folio 113, Pernitza Gustav.

Friedhofsdatenbank der Stadt Wien, Pernitza Emil

Literatur:

Pernitza, Emil: Bau und Entwicklung des Erstlingsgefieders, beobachtet am Hühnchen. (Vorgelegt in der Sitzung am 9. März 1871). (Mit 1 Tafel). Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien: 1871.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 13, 1871, Sp. 301.

[2] Wiener klinische Rundschau, Nr. 14, 1906, S. 277.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 49, 1908, Sp. 2715.

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Letzte Aktualisierung: 2026.07.27

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [378]: Munk, Heinrich – Frauenarzt und Badearzt in Karlsbad

Munk, Heinrich – Frauenarzt und Badearzt in Karlsbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 27.07.2026

Keywords: Frauenarzt, Badearzt, Karlsbad, Medizingeschichte

Heinrich Munk wurde am 24. September 1862 als Sohn von Gabriel Munk (1831-1896) und Anna Munk (1835-1881), geborene Frank, in Struharov bei Beneschau in Böhmen (heute: Struhařov u Benešova/Tschechien) geboren. Er war mit Charlotte Kraus (1871-1942) verheiratet, die aus einer Karlsbader Ärztefamilie stammte. Ihr Vater Ignaz Kraus (1837-1906) war Arzt und Mitglied des Ärztevereins in Karlsbad. Auch ihre Brüder Friedrich Kraus (1869-1938), der als Mediziner in Prag tätig war, und Emil Kraus (1873-1927), der in Wien praktizierte, waren Ärzte. Ein Sohn von Emil Kraus war der Wiener und spätere in New Yorker lebende Antiquar Hans Peter Kraus (1907-1988), der nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 zunächst nach Schweden flüchtete und danach in die USA emigrierte. Das „arisierte“ Warenlager seines Wiener Antiquariats war Gegenstand einer Restitution durch die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

Nach Abschluss seines Studiums der Medizin an der Deutschen Universität in Prag war Munk als Operateur und erster Assistent an der Geburtshilflich-Gynäkologischen Klinik der Deutschen Universität in Prag bei Professor Friedrich Schauta (1849-1919) tätig. Hier veröffentlichte er 1890 die Arbeit „Ein Beitrag zu den selteneren Indicationen für Sectio caesarea“. Daneben publizierte er regelmäßig in der Prager medizinischen Wochenschrift, darunter zahlreiche Rezensionen.

Nachdem er seinen Militärdienst absolviert hatte, wurde er 1888 als nichtaktiver Assistenzarzt der Reserve dem Garnisonsspitals Nr. 11 in Prag zugewiesen.[1] 1892 erfolgte seine Zuteilung zum Landwehr-Bataillon Nr. 57[2] und 1894 als nichtaktiver Oberarzt zum Landwehr-Bataillon Nr. 51 in Eger.[3] 1899 wurde er als in Evidenz geführter Oberarzt vom böhmischen Landwehr-Infanterieregiment Nr. 6 in Eger zum Landwehr-Infanterieregiment Nr. 7 in Pilsen versetzt.[4]

Badearzt in Karlsbad

Von 1893 bis zu seinem Tod arbeitete er in Karlsbad (heute: Karlovy Vary/Tschechien) als Badearzt und ordinierte im Haus „Billroth“.[5] Daneben engagierte er sich unter anderem als Ausschussmitglied im Ärztlichen Verein in Karlsbad und in der Karlsbader Sektion des Zentralvereins deutscher Ärzte in Böhmen. Außerdem gehörte er der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte sowie der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag an. 1902 veröffentlichte er seinen vor der Sektion Karlsbad des Vereins deutscher Ärzte in Böhmen gehaltenen Vortrag „Ein Beitrag zur Kenntnis und Behandlung des Pruritus vulvae“.

Bei den Wahlen zur deutschen Sektion der Ärztekammer für das Königreich Böhmen wurde Munk 1907 und 1911 zum Kammermitglied gewählt.[6]

Seit 1897 war er Träger des serbischen Ritterkreuzes des Sava-Ordens.[7]Während des Ersten Weltkrieges erhielt er das Ehrenzeichen II. Klasse vom Roten Kreuz.[8]

Heinrich Munk verstarb am 30. Dezember 1929 in Karlsbad. Seine Ehefrau Charlotte wurde wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt, in das KZ Treblinka deportiert und dort im Oktober 1942 ermordet.

Literatur:

Munk, Heinrich: Ein Beitrag zu den selteneren Indicationen für Sectio caesarea. Aus Prof. Schauta´s geburtshilfl.-gynäkol. Klinik. Sonderdruck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag: 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Munk, Heinrich: Ein Beitrag zur Kenntnis und Behandlung des Pruritus vulvae. Vortrag gehalten in der Section Karlsbad des Vereins deutscher Aerzte in Böhmen. Sonderdruck aus: Prager medicinische Wochenschrift. Prag: 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener Zeitung, 4.4.1888, S. 1.

[2] Prager Tagblatt, 2.1.1892, S. 4.

[3] Prager Tagblatt, 3.1.1894, S. 7.

[4] Prager Tagblatt, 8.9.1899, S. 6.

[5] Fremdenblatt. Internationales Bade- und Reisejournal, 14.5.1893, S. 8.

[6] Prager Tagblatt, 21.11.1907, S. 5, Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1911, Sp. 730.

[7] Prager Tagblatt, 12.9.1897, S. 7.

[8] Illustriertes Bade-Blatt, 15.2.1917, S. 4.

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Letzte Aktualisierung: 2026.07.27

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [377]: Unger, Ludwig – Professor für Kinderheilkunde am Allgemeinen Krankenhaus Wien und Abteilungsleiter am I. öffentlichen Kinder-Krankeninstitut

Unger, Ludwig – Professor für Kinderheilkunde am Allgemeinen Krankenhaus Wien und Abteilungsleiter am I. öffentlichen Kinder-Krankeninstitut

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.07.2026

Keywords: Kinderarzt, Allgemeines Krankenhaus Wien, I. öffentliche Kinder-Krankeninstitut, Medizingeschichte, Wien

Ludwig Unger wurde am 11. Oktober 1846 in Marienthal in Ungarn (heute: Marianka/Slowakei) geboren.

Nachdem er 1865 das deutsche Staatsgymnasium in Leutschau (heute: Levoča/Slowakei) absolviert hatte, begann er an der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er am 23. Dezember 1870 mit seiner Promotion zum Doktor der Medizin und am 21. Februar 1871 zum Doktor der Chirurgie abschloss. Daneben leistete er als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst ab und wurde im Jänner 1871 zum Assistenzarzt ernannt und dem Garnisonsspital Nr. 1 in Wien zugeteilt.[1] Im Dezember 1871 erfolgte seine Ernennung zum Reserve-Oberarzt und seine Zuteilung zum Garnisonsspital Nr. 2 in Wien.[2]

Zwischen 1870 und 1875 war Unger als Sekundararzt am St.-Josef-Kinderspital bei dem Primararzt Willibald Edler von Gunz (1817-1883) tätig, wo er seine Fachausbildung in Kinderheilkunde erhielt.[3]

1875 unternahm er Studienreisen nach Frankreich, Italien, der Schweiz und Deutschland. Nach seiner Rückkehr nach Wien führte er als praktischer Kinderarzt eine Ordination in Wien Franzensring 22, und ab den frühen 1880er Jahren in der Renngasse 4, und zuletzt in Wien 9, Ferstlgasse 5.

In den späten 1870er Jahren war er vor allem am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie in Wien wissenschaftlich tätig. Hier veröffentlichte er 1878 die Arbeit „Ueber amöboide Kernbewegungen in normalen und entzündeten Geweben“ und verfasste 1879 gemeinsam mit dem Leiter des Institutes, Professor Salomon Stricker (1834-1898), die Abhandlung „Untersuchung über den Bau der Großhirnrinde“, die in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien vorgestellt wurde.[4] Weitere Arbeiten waren die 1887 erschienene 50-seitige Abhandlung zur „Pädiatrie“ sowie die 1888 veröffentlichte Studie „Ueber Nephritis nach Varicellen“.

Im Jahr 1888 habilitierte er sich und wurde zum Privatdozenten im Fach Kinderheilkunde ernannt.[5] 1893 geriet er in einen Konflikt mit der Universität Wien, der nach einem Disziplinarverfahren zum Entzug seiner Venia legendi führte. Anlass war seine in der Wiener medicinischen Presse vom 29. Oktober 1892 unter dem Titel „Die Docenten-Misere“ geübte Kritik an den Arbeitsbedingungen von Dozenten an der Universität und das geringe Ausmaß deren Lehrbefugnisse. Der Entzug der Venia legendi bedeutete einen tiefen Einschnitt in seine akademische Laufbahn.

Ab 1896 arbeitete er am II. Anatomischen Institut bei Emil Zuckerkandl (1849-1910), wo er sich morphologischen und histologischen Fragen widmete, die von der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien finanziell unterstützt wurden. 1906 veröffentlichte er die von Emil Zuckerkandl mit einem Vorwort versehene Studie zur „Untersuchungen über die Morphologie und Faserung des Reptiliengehirns. Mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“.[6]

Sein 1890 erschienenes „Lehrbuch der Kinderkrankheiten in kurzgefasster systematischer Darstellung zum Gebrauche für Studierende und Ärzte“, entwickelte sich zu seiner erfolgreichsten Arbeit. Es erschien in mehreren Auflagen (1901 in der 3. Auflage) und wurde unter dem Titel „Manuel de pédiatrie. Exposé concis et systématique des affections infantiles à l’usage des étudiants et des praticiens“ ins Französische übersetzt.

1900 veröffentlichte er die Arbeit „Die Pflege des kleinen Kindes in den Findelanstalten Österreichs“ und „Die Pflege des vorschulpflichtigen Kindes in Krippen, Kinderbewahranstalten und Kindergärten“. Im selben Jahr erschien von ihm ein Aufsatz zu den „Findelanstalten und Ammenanstalten in Österreich“,[7] der auf sein Referat anlässlich der 1898 stattgefundenen Kaiser Franz Joseph Jubiläums-Ausstellung in Wien im Rahmen der Österreichischen Wohlfahrts-Ausstellung über Findelanstalten und Kinderpflege Bezug nimmt.

Neben klinischen Arbeiten veröffentlichte Unger auch eine medizinhistorische Untersuchung, die 1904 erschienene kommentierte Edition samt historischer Einleitung des ersten in deutscher Sprache gedruckten Werkes über Kinderheilkunde des Stadtarztes in Augsburg, Bartholomäus Metlingers: „Das Kinderbuch des Bartholomäus Metlinger (1457-1476). Ein Beitrag zur Geschichte der Kinderheilkunde im Mittelalter“. [Link: ] Damit erschloss Unger eines der frühesten deutschsprachigen Werke zur Kinderheilkunde durch eine kommentierte Edition mit historischer Einleitung.

Erst im November 1906 erfolgte an ihm durch Entschließung Kaiser Franz Josephs die Verleihung eines außerordentlichen Universitätsprofessoren-Titels[8] mit einem Lehrauftrag für Schutzpockenimpfung.[9] 1908 erhielt er den Titel eines ordentlichen Professors. Unger machte sich um das Impfwesen verdient, sprach sich im Fall der Blattern für eine Impfpflicht aus, und hielt u.a. an der Medizinischen Fakultät Vorträge zur Impfkunde und der Schutzpockenimpfung. 1917 publizierte er den von ihm gehaltenen Vortrag zur „Morphologie und Klinik der Vaccination“.[10]

Seit spätestens 1904 war Unger auch noch am I. öffentlichen Kinder-Krankeninstitut tätig, wo er seit etwa 1910 als Vorstand der Abteilung für innere Krankheiten fungierte.

Unger war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien und hatte hier ab 1892 die Funktion eines zweiten[11] und ab 1893 bis 1910 eines ersten Bibliothekars der Bibliothek übernommen. Ebenso war er Mitglied der Morphologisch-physiologischen Gesellschaft zu Wien, der Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien, wo er auch die Funktion des Vermögensverwalters einnahm,[12] sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde. Seit 1901 war er ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift Wiener klinische Rundschau.[13]

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit engagierte sich Unger im evangelischen Frauen-Wohltätigkeitsverein in Wien, wo er unentgeltlich erkrankte Kinder behandelte, als Referent bei den von der Universität Wien durchgeführten öffentlichen Vorlesungen sowie den Ferialkursen der Medizinischen Fakultät. 1907 gehörte er zu den Teilnehmern des Protestes an der Universität Wien gegen die wissenschaftsfeindliche Rede des Wiener Bürgermeisters Lueger am Katholikentag.[14]

Die letzten Lebensjahre verbrachte Unger in großer materieller Bedrängnis und in Armut. Erst durch das Eingreifen von Julius Tandler (1869-1936) erhielt er eineinhalb Jahre vor seinem Tod eine Unterbringungsmöglichkeit im Krankenhaus Lainz. Unger teilte damit das Schicksal vieler älterer Akademiker:innen, Beamt:innen und Pensionist:innen in Wien der frühen 1920er Jahre, die in existenzielle Not gerieten, weil ihre Einkünfte mit der Geldentwertung nicht Schritt hielten. Zu seiner prekären wirtschaftlichen Lage dürften neben der allgemeinen Nachkriegsinflation auch seine unstete Erwerbsbiografie sowie sein langjähriges wissenschaftliches und karitatives Engagement beigetragen haben.

Ludwig Unger verstarb am 4. Jänner 1924 in Wien. Sein Tod fand nicht nur in der internationalen Presse Beachtung, sondern auch im Wiener Feuilleton, wo Ernst Decsey (1870-1941) in einem Artikel mit dem Titel „Der Fluch des Alters“ auf die spezifische Situation des Nachkriegsösterreichs einging und in der Verarmung Ungers den Typus der Nachkriegsgreise sah.[15]

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-275a, Unger Ludwig (Rigorosum Datum: 1870).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-697, Unger Ludwig (Rigorosum Datum: 23.12.1870).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-473, Unger Ludwig (Promotion Datum: 21.2.1871).

Literatur:

Atuanyia, Egwuatu: Personalbiographien der Professoren und Dozenten der Kinderklinik an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Wien von 1850 bis 1920. Erlangen: 1972.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: WM038]

Unger, Ludwig: Ueber amöboide Kernbewegungen in normalen und entzündeten Geweben. Aus dem Institute für allgemeine u. experiment. Pathologie in Wien. Sonderdruck aus: Medizinische Jahrbücher. Wien: Wilhelm Braumüller, k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Unger, Ludwig: Pädiatrie. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Unger, Ludwig: Ueber Nephritis nach Varicellen. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1888.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Unger, Ludwig: Lehrbuch der Kinderkrankheiten in kurzgefasster systematischer Darstellung. Zum Gebrauche für Studirende und Ärzte. 1. Hälfte. Leipzig: Deuticke 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-20152]

Unger, Ludwig: Manuel de pédiatrie. Exposé concis et systématique des affections infantiles à l’usage des étudiants et des praticiens. Lierre: Joseph van In et Cie 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-18870]

Unger, Ludwig: Die Pflege des kleinen Kindes in den Findelanstalten Österreichs. Wien: 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 69015]

Unger, Ludwig: Die Pflege des vorschulpflichtigen Kindes in Krippen, Kinderbewahranstalten und Kindergärten. Wien: 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 69013]

Metlinger, Bartholomäus: Ein Regiment, wie man junge Kinder halten soll von mutterleyb bis zu siben jaren mit essen, trinken, paden etc. Hg.: Ludwig Unger. Leipzig, Wien: Deuticke 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1193]

[1] Die Presse, 24.1.1871, S. 16.

[2] Wiener Zeitung, 10.12.1871, S. 1.

[3] Ärztlicher Bericht des k. k. Bezirks-Krankenhauses Wieden. Wien: 1872. S. 274.

[4] Wiener Zeitung, 19.7.1879, S. 3.

[5] Internationale klinische Rundschau, 2.9.1888, S. 1424.

[6] Untersuchungen über die Morphologie und Faserung des Reptiliengehirns. Mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Aus dem I. Anatomisches Institut der Wiener Universität. In: Anatomische Hefte, Bd. 31, Wien 1906, S. 269-341.

[7] Soziale Verwaltung in Österreich am Ende des 19. Jahrhunderts. Aus Anlass der Weltausstellung Paris 1900, Wien 1900, S. 33-45.

[8] Wiener Zeitung, 8.12.1906, S. 2.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 11.12.1906, S. 577.

[10] Medizinische Klinik, Nr. 3, 1917, S. 60-65 und Nr. 4, 1917, S. 91-94.

[11] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 14, 1892, Sp. 566.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 12, 1919, Sp. 601.

[13] Wiener klinische Rundschau, Nr. 42, 1901, S. 798.

[14] Neue Freie Presse, 26.11.1907, S. 2.

[15] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 13.1.1924, S. 7.

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