Archiv der Kategorie: Medizinhistorische Bestände der Ub MedUni Wien

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [50]: Freund, Leopold: Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte. 1903

Freund, Leopold: Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte. Mit 110 Abbildungen und 1 Tafel. Berlin und Wien: Urban & Schwarzenberg 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 44004]

http://search.obvsg.at/primo_library/

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Leopold Freund. Bildersammlung Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-001678-0005

Leopold Freund (*05.04.1868 Miscovice/heute: Tschechische Republik, gest. 07.01.1943 Brüssel) war ein österreichischer Radiologe jüdischer Herkunft und gilt als Begründer der Röntgentherapie. Nach dem Besuch einer Realschule in Budweis/České Budějovice und eines Gymnasiums in Wien begann er mit dem Studium der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, das er am 23.02.1895 mit seiner Promotion abschloss. Danach war er im Allgemeinen Krankenhaus und in der Wiener Poliklinik tätig, seine Hauptarbeitsgebiete waren die Dermatologie an der Klinik für Syphilidologie und Dermatologie und die Kinderheilkunde. Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) im Jahr 1895 sowie im folgenden Jahr der Entdeckung der Radioaktivität durch Antoine Henri Becquerel (1852-1908) und der erstmaligen Anwendung beim Patienten durch Leopold Freund in Wien wurde die Basis für die Strahlentherapie geschaffen. „Leopold Freund war 1896 durch eine Zeitungsnotiz auf die biologische Wirkung der Röntgenstrahlen aufmerksam geworden. In der Sitzung der Gesellschaft der Ärzte am 15. Jänner 1897 konnte er sie an dem später so berühmt gewordenen Fall eines achtjährigen Mädchens mit Tierfellnaevus erweisen.“[1] Leopold Freund verwendete als erster zielbewusst und konsequent die biologischen Wirkungen der Röntgenstrahlen für therapeutische Zwecke, zunächst bei Hauterkrankungen und später auch bei tiefer gelegenen Organen.

Abb. 2    Titelblatt: Freund: Grundriss der gesammten Radiotherapie […]. Berlin und Wien: 1903.

Leopold Freund war von 1899-1913 Assistent und von 1913-1920 Laboratoriumsleiter der Wiener Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten. 1904 habilitierte er sich mit einer Arbeit über medizinische Radiologie. 1914 wurde er zum ao. Professor ernannt, 1935 Ehrenmitglied der österreichischen Röntgengesellschaft und 1937 wurde ihm der Titel eines Hofrates verliehen. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde ihm im Mai 1938 die Venia Legendi entzogen. Freund floh gemeinsam mit seiner Frau Stefanie nach Belgien, wo er sich auf Einladung der belgischen Regierung in Brüssel niederließ. Hedy Freund-Eibuschutz, Leopold Freunds Nichte berichtet in ihren Erinnerungen an ihren Onkel: „Als Hitler 1938 nach Österreich kam, konnte es der von vielen österreichischen und ausländischen Universitäten geehrte ,Herr Hofrat‘ nicht fassen, dass auch für ihn eine Welt zum Einsturz gekommen war. Als er von der Gestapo inhaftiert wurde und sich dagegen mit den Worten: ,Ich bin doch der Begründer der Röntgentherapie!‘ wehrte, antwortete man ihm: ,A so a jüdische Wissenschaft interessiert uns nicht.‘“[2] Siehe dazu auch die Sonderblog-Serie „Vertrieben 1938“ auf der Homepage der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=620

Abb. 3    Widmung Leopold Freund an Gustav Riehl

Leopold Freund publizierte über 250 wissenschaftliche Beiträge, davon überwiegend Artikel zur therapeutischen Anwendung der Röntgenstrahlen, aber auch zur Röntgendiagnostik.

Sein 1903 erschienener „Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte“ ist das erste ausschließlich der Strahlentherapie gewidmete Lehrbuch der Welt. Das in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin vorhandene Exemplar der Erstausgabe enthält eine handschriftliche Widmung Leopold Freunds an seinen Kollegen, den Dermatologen Gustav Riehl (1855-1943): „Herrn Professor Dr. G. Riehl in ausgezeichneter Hochachtung überreicht vom Verfasser“. Das Buch kam als Geschenk von Riehls Sohn, Gustav Riehl jun. (1894-1981) – ebenfalls Professor für Dermatologie – im Juli 1974 in den Bestand der Bibliothek.

Quellen:

Freund Leopold. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Bände III-IV: Nachträge und Ergänzungen. Dritter Band Aba-Kom. Hildesheim, Zürich und New York: Georg Olms Verlag 2002. S. 453.

Freund, Leopold, Radiologe. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. 1 A-Q. München: K.G. Saur 2002. S.192.

Kaiser, Ernst: Wiens große Röntgenologen L. Freund, R. Kienböck, G. Holzknecht. In: Kunst des Heilens. Aus der Geschichte der Medizin und Pharmazie. Niederösterreichische Landesausstellung 1991. Katalog des NÖ Landesmuseums. (Neue Folge 276) 1991. S. 813-816.

Freund-Eibuschutz, Hedy: Erinnerungen an den Begründer der Röntgentherapie. Prof. Dr. Leopold Freund zum 100. Geburtstag. In: Aufbau. (5. April) 1968. S. 20.

Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965.

Freund Leopold, Röntgenologe. In: Österreichisches biographisches Lexikon. I. Band (A-Glä). Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1957. S.359.

[1] Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965. S. 343.

[2] Freund-Eibuschutz, Hedy: Erinnerungen an den Begründer der Röntgentherapie. Prof. Dr. Leopold Freund zum 100. Geburtstag. In: Aufbau. (5. April) 1968. S. 20.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [49]: Die Sammlung „Chirurgische Gremien“

Die Sammlung „Chirurgische Gremien“ („Chyrurgisches Gremium Klosterneuburg“ u.a.) an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Text: Dr. Walter Mentzel

Die Einführung der sogenannten „chirurgischen Gremien“ im Erzherzogtum Österreich (mit Ausnahme von Dalmatien, Krain und dem Küstenland) erfolgte mit dem kaiserlichen Patent vom 10. April 1773. Damit sollte die regionale medizinische Versorgung der Bevölkerung „in jedem Kreis oder Viertel eines Landes“ gewährleistet und verbessert werden,[1] in deren Mittelpunkt die Gremien als institutionalisierte Sanitätseinrichtungen standen. In den folgenden Jahren kam es durch Erlässe und Verordnungen zur Standardisierung dieser regionalen Sanitätsorganisationseinheiten, zu einer Präzisierung und Systematisierung der Ausbildungs- und Prüfungsnormen inklusive ethischer Reglements für Wundärzte und der Abgrenzung der medizinischen Aufgabengebiete zwischen den „Wundärzten“ und den sogenannten Kreisärzten. Diese Gremien waren zunächst für Barbiere und Bader zusammen mit Chirurgen und Wundärzten in Form von Zwangsgenossenschaften organisiert. Beispielsweise konstituierten sich Gremien in Niederösterreich in Traiskirchen, Klosterneuburg, Bruck an der Leitha, Piesting, Aspang, St. Pölten, Melk, Waidhofen an der Ybbs, Seitenstetten, Tulln, Oberhollabrunn, Gaunersdorf, Enzersdorf, Sitzendorf, Krems, Pöggstall, Weitra, Waidhofen an der Thaya, Horn und Korneuburg.[2]

Diese Gremien waren auf Verordnungswege durch den Staat angehalten durch Ankauf medizinische Bibliotheken aufzubauen, um die Literaturversorgung an die Mitglieder zu organisieren, deren Ausbildungsstandard zu heben und sie zu einer kontinuierlichen Weiterbildung zu verpflichten. Die vorgesehenen Inventarisierungsmaßnahmen weisen auf einen durchwegs systematischen Bibliotheksaufbau hin. Dazu wurden Formulare gedruckt, um die jährlichen Bücherankäufe zu erfassen und zu dokumentieren. Die in der Sanitäts-„Ordnung für die Wundärzte auf dem Lande vom 20. August 1790“ festgeschriebenen Bestimmungen zur Organisation der „chirurgischen Gremien“ enthielten unter Punkt 6 folgende Anweisungen für die Bibliotheken:

Wenn die Gremien mit den nöthigen Instrumenten versehen sind, werden ihnen von Seiten der medicinischen Fakultät diejenigen Bücher und literarischen Journale angezeigt werden, welche zur weiteren Ausbildung der Landwundärzte dienen können, und die das Gremium sich allmählich anschaffen wird. Auch diese sollen den Mitgliedern des Gremiums zum Lesen mitgetheilt werden, damit ihnen die Verbesserung und neue Entdeckungen in ihrer Kunst nicht unbekannt bleiben.“

In der Verordnung Nr. 5.886 der Niederösterreichischen Regierung vom 15. Juni 1803 hieß es dazu präzisierend:

„Sechstens: da der Hauptzweck des Gremiums ist, durch das Zusammentragen einiger geringen Taxen die nötihgen Bücher zu kaufen, deren Anschaffung für jeden einzelnen Wundarzt zu kostspielig ist; so muss vorzüglich darauf gesehen werden, dass jährlich einige der neuesten Instrumente und Bücher aus dem Casse-Reste angeschafft werden“. […] „Achtens: Ebenso sollen die besten medicinischen Schriften angeschafft werden, und zum Lesen den Mitgliedern mit den obigen Vorsichten mitgetheilt werden.“ […] „Vierzehntens: Den Lehrlingen sind während der Lehrzeit auch aus der Büchersammlung des Gremiums Bücher zu geben, deswegen auch solche Bücher anzuschaffen sind, die ihren Begriffen und Fähigkeiten angemessen sind.“[3]

An der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden sich heute Überreste dieser ehemaligen Bibliotheken der verschiedenen lokalen Gremien, wie dem chirurgischen Gremien Wiener Neustadt, Sitzendorf, Klosterneuburg oder Korneuburg. Sie gehören zu den ältesten überlieferten medizinischen Buchbeständen dieser Gremien.

Abb. 1   Exlibris „CHIRURGISCHES GREMIUM WR. NEUSTADT“ aus:

Summarium des Neuesten aus der gesammten Medicin, eine systematisch geordnete Uebersicht aller literarischen Erscheinungen in der ärztlichen Wissenschaft und Kunst, kritischen Zeitschriften, Literatur-Zeitungen, klinischen Jahrbüchern und ähnlichen periodischen Collectiv-Schriften. Dritter Band. Leipzig: bei C.H.F. Hartmann 1829.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6073/2,3,2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183010&pos=4&phys=#

Abb. 2   Exlibris „EIGENTHUM DES CHIR. GREMIUMS IN SITZENDORF“ aus:

Beobachtungen und Abhandlungen aus dem Gebiete der gesammten praktischen Heilkunde von österreichischen Ärzten. Vierter Band. Wien: Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold 1824.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6067/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6172422&pos=0&phys=

Abb. 3   Exlibris „Eigenthum des chirurgischen Gremium in Korneuburg“ aus:

Medicinische Jahrbücher des kais. königl. österreichischen Staates. Unter Mitwirkung mehrerer Ärzte und Naturforscher. Neun u. vierzigster u. fünfzigster Band, oder neueste Folge XL. und XLI. Band. Wien: Bei Braumüller und Seidel 1844.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6060/49-50]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177472#

Abb. 4   Exlibris: „Dem Chyrurgischen Gremio im Bezirk von Closterneuburg zugehörig 1806“ aus:

Neues Journal der ausländischen medizinisch-chirurgischen Literatur. Vierten Bandes erstes Stück. Nürnberg und Sulzbach: in der I E. Seidelschen Kunst- und Buchhandlung 1805.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB6057/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177645&pos=3&phys=#

Das „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“

Vom „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“ – dem im 19. Jahrhundert größten existierenden „chirurgischen Gremium“ – ist eine umfangreiche, sieben Bände umfassende handschriftliche Sammlung, erhalten, die detaillierte Informationen und Aufzeichnungen über dessen Tätigkeit im Zeitraum von 1803 bis 1868, die Namen der ausgebildeten Ärzte, Hinweise zur Organisation des Gremiums anhand der Rechnungsunterlagen und dessen personelle Zusammensetzung in Form von Mitgliederverzeichnisse enthalten.

Gremial-Buch des Chyrurgischen Gremii zu Klosterneuburg No. 1-2. Klosterneuburg: 1803-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/1-2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6176116&pos=0&phys=

Protocole Nro. 2, deren Herren Wundärzte, welche seit dem Jahr 1830 dem Chyrurgischen Gremium zu Klosterneuburg einverleibt wurden, so wie deren seit dem Jahre 1834 aufgedungenen und freigesprochenen Lehrjungen. Klosterneuburg: 1830-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6180925&pos=4&phys=

Gestions-Protokoll für das chirurgische Gremium Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1845.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/3]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6175850&pos=1&phys=

Rechnungshauptbuch für das chirurgische Gremium des Klosterneuburger Physicats vom Jahr 1840. Klosterneuburg: 1840-1865.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6181096&pos=1&phys=

Nahmentliches Verzeichnis der Mitglieder des chirurgischen Gremiums zu Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1868.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/5]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183789&pos=4&phys=

Namen-Verzeichnis deren bey dem chirurgischen Gremio des Klosterneuburger Districts aufgedungenen und freygesprochenen Lehrjungen: Klosterneuburg: 1840-1866.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/6]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6179917&pos=0&phys=

Kranken-Aufnahms-Protokoll des Klosterneuburger Chirurgischen Gremium, angefangen vom 10. Juny 1833. Klosterneuburg: 1844-1867.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB5850/7]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6178014&pos=3&phys=

Mit der Gewerbeordnung 1859 wurde die ärztliche und wundärztliche Tätigkeit von der Anwendung gewerblicher Bestimmungen ausgenommen. 1871 erfolgte die Aufhebung der chirurgischen Lehranstalten – stattdessen wurde das medizinische Studium 1872 verpflichtend eingeführt – und 1876 wurde das Verbot der Vornahme innerlicher Kuren durch Wundärzte aufgehoben und Wundärzte mit Ärzten gleichgestellt. Mit der Errichtung der Ärztekammern durch das Gesetz vom 22.12.1891 entfiel der Zweck der „chirurgischen Gremien“.[4] Schon ab den 1860er Jahren befanden sich die „chirurgischen Gremien“ in Auflösung. 1860 existierten offiziell noch 60 Gremien in der cisleithanischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie, Ende des 19. Jahrhunderts bestanden noch formal 53 mit 866 Mitgliedern. Im Juli 1895 wurde durch das Ministerium des Inneren die Aufhebung der chirurgischen Gremien beschlossen und im April 1896 ein entsprechender Antrag dem Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates zugewiesen. Mit der am 12. Mai 1896 in das Abgeordnetenhaus eingebrachten Regierungsvorlage wurden die vermögensrechtlichen Angelegenheiten geregelt, indem das Vermögen der Gremien an die Ärztekammern überging. Die Auflösung der Gremien wurde schließlich im November 1899 durch den Reichsrat beschlossen.

Quellen:

Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[1] Gesundheitsordnung vom 10.4.1773. Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

[2] Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

[3] Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift, 1896, S. 927-928, Wiener Zeitung, 11.11.1899, S. 2.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [48]: Schnitzler, Johann: Klinischer Atlas der Laryngologie nebst Anleitung zur Diagnose und Therapie der Krankheiten des Kehlkopfes und der Luftröhre. 1895

Schnitzler, Johann: Klinischer Atlas der Laryngologie nebst Anleitung zur Diagnose und Therapie der Krankheiten des Kehlkopfes und der Luftröhre. Mit 186 Abbildungen auf 28 chromolith. Tafeln und 56 Holzschnitten im Texte. Wien und Leipzig: Wilhelm Braumüller 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 32358]

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Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Joahnn Schnitzler

Johann Schnitzler (*10.04.1835 Nagybajom/Ungarn, gest. 02.05.1893 Wien) gilt als Wegbereiter der modernen Laryngologie. Heute ist er vor allem als Vater des Arztes und Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862-1931) bekannt. Er war jüdischen Glaubens und wuchs in Nagykanizsa/Großkanizsa (Ungarn) als Sohn eines Tischlermeisters auf, wo er das Untergymnasium besuchte. Ab 1851 wurde er in Pest (Budapest) in einem Obergymnasium unterrichtet. 1855 begann er mit dem Studium der Medizin in Budapest, das er ab 1858 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien fortsetzte und 1860 mit seiner Promotion abschloss. Im Anschluss daran bildete er sich in interner Medizin, zuerst bei Joseph Skoda (1805-1881) und dann bei Johann von Oppolzer (1808-1871), dessen Zweiter Assistent er 1863 wurde, weiter aus. Auf Anregung von Johann von Oppolzer wandte sich Schnitzler der Laryngologie zu. Er habilitierte sich 1864 für Perkussion und Auskultation sowie für die Krankheiten der Atmungs- und Kreislauforgane. 1878 wurde er zum a.o. Titularprofessor und 1880 zum a.o. Professor an der Universität Wien ernannt. Daneben lehrte er von 1874-1878 Physiologie und Pathologie der Stimme am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde (heute: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien).

Abb. 2    Schnitzler: Klinischer Atlas der Laryngologie […]. Wien: 1895. Tafel VIII.

1872 gehörte Johann Schnitzler zu den Mitbegründern der Allgemeinen Poliklinik Wien. Hier leitete er die laryngologische Abteilung und war ab 1884 ärztlicher Direktor der Anstalt. Er zeichnete auch für die Übersiedlung der Allgemeinen Poliklinik 1892 verantwortlich, die damals nach modernsten Prinzipien in einem neu errichteten Gebäude nach den Plänen von Andreas Streit (1840-1916) in Wien 9., Mariannengasse 10, eingerichtet wurde. Schnitzler entfaltete in der Poliklinik eine umfangreiche Lehr- und Forschungstätigkeit, die dem Kehlkopfspezialisten internationale Anerkennung eintrug. Er verfasste mehr als 150 fachwissenschaftliche Publikationen und war an der Gründung und Herausgabe mehrerer medizinischer Zeitschriften beteiligt. Er wandte als einer der ersten die Inhalationstherapie an, führte die pneumatische Therapie und die Hypnose in der Laryngologie ein, konstruierte einen Respirationsapparat, zählte zu den Pionieren der Galvanokaustik, befasste sich ab 1873 mit den Neurosen des Kehlkopfs und hielt ab 1884 propädeutische Vorlesungen über Laryngo- und Rhinoskopie. Besonders sein von seinem Schwiegersohn und Assistenten Markus Hajek (1861-1941) mithilfe seines Sohnes Arthur Schnitzler 1895 postum veröffentlichtes Werk „Klinischer Atlas der Laryngologie“ stellte ein Standardwerk und wichtigen Behelf für das junge Fach dar. – Markus Hajek war mit Schnitzlers Tochter Gisela (1867-1953) verheiratet. Er habilitierte sich 1897 in Laryngologie, wurde 1919 o. Prof. an der Universität Wien und leitete bis 1933 die Laryngo-rhinologische Universitäts-Klinik im AKH. Markus Hajek wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 aus Österreich vertrieben und starb 1941 in London.

Abb. 3    Schnitzler: Klinischer Atlas der Laryngologie […]. Wien: 1895. Titelblatt.

Johann Schnitzler war auch in Theaterkreisen ein gefragter Arzt. Adolf von Sonnenthal (1834-1909) sowie Charlotte Wolter (1834-1897) und viele weitere Sänger der Hofoper konsultierten ihn. Dadurch kam auch sein Sohn Arthur früh in Kontakt mit der Theaterwelt. Dieser verwendete Einzelnes aus Johann Schnitzlers Leben als Anregung für sein Ärztedrama „Professor Bernardi“ (1912).

Quellen:

Schnitzler Johann. In: Österreichisches biographisches Lexikon. X. Band Savinšek Slavko – Schober Ernst. Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1994. S. 410-411.

Prof. Dr. Johann Schnitzler. In: Die feierliche Inauguration des Rectors der Wiener Universität für das Studienjahr 1893/94 am 26. October 1893. Wien: Selbstverlag der k.k. Universität 1893. S. 11-12.

Johann Schnitzler +. In: Wiener klinische Wochenschrift. (6/19) 1893. S. 357.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [47]: Lindenmayr, Emerich P.: „Serbien, dessen Entwicklung und Fortschritt im Sanitætswesen, mit Andeutungen über die gesammten Sanitäts-Verhältnisse im Orient“. 1876

Lindenmayr, Emerich P.: „Serbien, dessen Entwicklung und Fortschritt im Sanitætswesen, mit Andeutungen über die gesammten Sanitäts-Verhältnisse im Orient“. Timişoara: Druck und Verlag der Csanáder Dioecesan-Buchdruckerei 1876.

 

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 749]

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Emerich P. Lindenmayr – ein Grenzgänger zwischen Wien, Budapest, dem Banat und Serbien

Text: Dr. Walter Mentzel

An der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befindet sich eine vom österreichischen Mediziner Emerich P. Lindenmayr (1806-1883) herausgebrachte Monografie, die dessen Wirken als Militärarzt im Dienst des serbischen Fürstentums und als Modernisierer des militärischen wie zivilen Sanitätswesens in Serbien zur Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Dieses Buch stellt nicht nur eine seltene Rarität dar, sondern ist bis heute eine einzigartige Quelle zur Entwicklung und der Geschichte der Medizin in Serbien. Nicht zuletzt bezieht diese Studie auch ihre Geltung aus dem Umstand, dass Lindenmayr in der österreichischen Medizingeschichte rasch in „Vergessenheit“ geriet, während seine Bedeutung von der serbischen Historiografie in den letzten Jahren zunehmend gewürdigt wird.[1] Das Buch erschien 1876 in Timișoara/Temeswar/Temesvár/Темишвар in deutscher Sprache.

                                                            

Abb. 1 Titelblatt: Lindemayr: Serbien […].Timișoara: 1876

Emerich P. Lindenmayr wurde 1806 in Oravița/Orawitz/Oravica/Оравица, im damals zum ungarischen Teil der Habsburgermonarchie gehörenden Banat, geboren und wuchs in Ciacova/Tschakowa/Csák/Чаково im Banat auf. Sein Vater, Dr. Johann Bernhard Lindenmayr, war Bezirksarzt in Chevereșu Mare/Großkeweresch/Nagykövéres im Kreis Timiș (heute Rumänien) und Arzt in Buziaș/(Bad) Busiasch/Buziásfürdő im Banat und errichtete hier, nachdem er zwischen 1805 und 1811 den Kohlensäuregehalt in den Mineralquellen nachgewiesen hatte, eine Badeanstalt, die 1874 mit der Eröffnung der Kuranstalt zum ersten „Mineralwasser-Freibad“ Europas avancierte.

Sein Sohn Emerich Lindenmayr studierte in Wien und Budapest Medizin, wo er 1832 mit seiner Dissertation zum Thema „Hippocrates, homo, philosophus, medicus“ (Lindenmayr Emericus. Buda: Typis Univ. 1832), promovierte und danach in Budapest als Arzt praktizierte. (Der Volltext der Dissertation ist online über die Homepage der Österreichischen Nationalbibliothek zugänglich.)[2] 1835 emigrierte Lindenmayr nach Šabac/Шабац in Serbien. Am 30. Juli 1839 wurde er als erster Mediziner per Dekret zum Leiter des medizinischen Korps der serbischen Armee ernannt und begann mit der Modernisierung des militärischen Spitals- und Sanitätswesens. Dieser Tag ist bis heute Gedächtnistag des militärärztlichen Dienstes in Serbien. Von Juni 1845 bis 1. April 1859 leitete er im Fürstentum Serbien die medizinische Abteilung beim Ministerium des Inneren, die für zivile und militärische Belange zuständig war und erneuerte während dieser Zeit das Sanitäts- und Spitalwesen. Er schuf u.a. eine neue Sanitätsverwaltung und versuchte sie auf gesetzliche Grundlagen zu stellen, er führte die Organisation der Kreisärzte ein, war in der Seuchenbekämpfung aktiv und erhöhte die Zahl des ärztlichen Personals. Seit 1846 beschäftigte er sich darüber hinaus mit den Heilquellen und Kurorten in Serbien. 1856 erschien von ihm anhand von überlieferten schriftlichen Materialien seines Vaters die Arbeit „Die Mineralquellen in Busiás in der serbischen Woiwodschaft mit dem Temeser Banate. Timișoara: 1856.“[3]

Seine Erfolge beim Aufbau und der Organisation des Sanitätswesens fanden an der Medizinischen Fakultät in Wien Beachtung und führten im März 1854 zu seiner Aufnahme als „korrespondierendes Mitglied im Auslande“ in die Gesellschaft der Ärzte in Wien,[4] wo er mindestens einmal – im Februar 1856 – zum organisatorischen Aufbau des Medizinalwesens in Serbien referierte.[5] Nachdem er 1859 von seiner exponierten Stellung als Militärarzt abberufen wurde, trat er nochmals 1862 während der Unruhen zwischen der türkischen und serbischen Bevölkerung Belgrads kurzzeitig als Militärarzt in den Dienst. Emerich P. Lindenmayr verstarb am 24.12.1883 in Belgrad (Београд/Beograd).

[1] 173. Anniversary of the military medical academy (30.7.2015): http://www.vma.mod.gov.rs/eng/news/Day-of-the-Military-Medical-Service-Marked

[2] http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ155762908

[3] Eine Rezension findet sich in: Wiener Medizinische Wochenschrift, 1856, S. 565-566. Die Arbeit ist online abrufbar unter: https://books.google.at/books?id=K9tZAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=inauthor:%22Emerich+P.+Lindenmayr%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiMw7ys0K_XAhWIqKQKHXU5AiMQuwUINDAC#v=onepage&q&f=false

[4] Wiener Zeitung, 29.3.1854, S. 5.

[5] Wiener Zeitung, 19.4.1856, S. 3.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [46]: Haen, Anton de: De Magia Liber. 1774

Haen, Anton de: Antonii De Haen S.C.R.A. Maiestati A Consiliis Avlicis, Et Archiatri, Medicinae In Alma Et Antiqvissima Vniversitate Viennensi Professoris Primarii, Plvrivm Ervditorvm Societatvm Socii De Magia Liber. Leipzig: Svmptibvs I.P. Kravs Bibliopolæ Viennensis 1774.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB2693]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6176295#

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Anton de Haen

Anton de Haen (*08.12.1704 Den Haag/Niederlande, gest. 03.09.1776 Wien), war ein niederländisch-österreichischer Mediziner und Leibarzt Kaiserin Maria Theresias (1723-1780). Er studierte bei Hermann Boerhaave (1668-1738) in Leiden Medizin, wo er sich auch habilitierte. Neben seiner Praxis in Leiden betrieb er umfangreiche wissenschaftliche Studien. 1754 wurde er von seinem Freund und ehemaligen Mitstudenten Gerard van Swieten (1700-1772) nach Wien geholt, der hier beauftragt war eine medizinische Klinik aufzubauen.

Anton de Haen übernahm nach seiner Ankunft in Wien die Professur an der Ersten Medizinischen Klinik der Universität Wien im Bürgerspital, die er nach seinem Vorbild Boerhaave organisierte. Er führte den bis dahin in Wien unbekannten Unterricht am Krankenbett für Studenten ein, begann mit der systematischen Messung mit dem Fieberthermometer bei Gesunden und Kranken und kombinierte diese Untersuchung mit dem Pulsmessen. Als erster in Wien legte de Haen jährliche Berichte über Erfolg und Misserfolg seiner Behandlungsverfahren an. Er legte besonderen Wert auf die Krankenbeobachtung und erforschte zahlreiche Formen der Fieberkrankheiten. Im Auftrag seines Mentors van Swieten verfasste er eine Abhandlung der in Wien vorkommenden Fieberkrankheiten in 18 Bänden. Weiter führte er die pathologisch-anatomische Sektion zur Kontrolle seiner klinischen Befunde ein. Diese Leistungen machen Anton de Haen zu einem Mitbegründer der Erste Wiener medizinischen Schule.

Abb. 2    Titelblatt: De Haen: […] De Magia Liber. Leipzig 1774.

Obwohl de Haen, der in der Allgemeinen Deutschen Biographie als „ein Kliniker par excellence“[1] beschrieben wird, und als nüchterner Skeptiker und kritischer Wissenschaftler bekannt war, schrieb er im hohen Alter Werke über Magie und Hexerei. De Haen hatte selbst in mehreren sogenannten „Hexen-Fällen“ die Beschuldigten entlastet. Maria Theresia hatte „die 1754 errichtete Medizinische Klinik als zentrale Begutachtungsstelle eingesetzt. Damit fand eine bedeutungsvolle Wendung in allen Hexen- und Magie-Fällen statt. Nicht mehr der Jurist, sondern der Arzt sprach hinfort das letzte Wort.“[2] Nach Walter Cichon war de Haen ein strenggläubiger und theologisch ausgebildeter Katholik, für den die Bibel, auch mit ihren magischen Fällen, als verbindliches Glaubensgut galt, und der nur gegen abergläubische Auswüchse wissenschaftlich zu Felde zog. „Er hat in dem Dilemma zwischen Magie und Aufklärungsmedizin zu beweisen versucht, dass es für einen verantwortungsbewussten Christen vereinbar ist, in der Zeit der Aufklärung ein fortschrittlicher Kliniker zu sein‘“.[3]

Die in der Josephinischen Bibliothek vorhanden Ausgabe de Haens „De Magia Liber“ aus dem Jahr 1774 stammt ursprünglich aus den Beständen der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Sie kam 1976 mit mehreren tausend weiteren Werken als Dauerleihgabe in die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

Quellen:

Lesky, Erna: Magie und Aufklärungsmedizin. Das Dilemma des Anton de Haen. In: Österreichische Ärztezeitung. (31/12) 1976. Bl. [1] (verso).

Cichon, Dieter: Antonius de Haens Werk „De Magia“ (1775). Eine Auseinandersetzung mit der Magie und ihrer Bedeutung für die Medizin in der Zeit der Aufklärung. (= Münstersche Beiträge zur Geschichte und Theorie der Medizin/5). Münster: Institut für Geschichte der Medizin der Universität Münster 1971.

Wyklicky, Helmut: Zur Kenntnis des Wiener Klinikers Anton de Haen. Sonderabdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag Brüder Hollinek 1958.

Jantsch, Marlene: Anton de Haen. In: Österreichische Ärzte als Helfer der Menschheit/Austrian physicians in the service of mankind. (= Notring-Jahrbuch/1957). Wien: Notring 1956. S. 65-66.

[1] Cichon, Dieter: Antonius de Haens Werk „De Magia“ (1775). Eine Auseinandersetzung mit der Magie und ihrer Bedeutung für die Medizin in der Zeit der Aufklärung. (= Münstersche Beiträge zur Geschichte und Theorie der Medizin/5). Münster: Institut für Geschichte der Medizin der Universität Münster 1971. S. 7.

[2] Lesky, Erna: Magie und Aufklärungsmedizin. Das Dilemma des Anton de Haen. In: Österreichische Ärztezeitung. (31/12) 1976. Bl. [1] (verso).

[3] Lesky, Erna: Magie und Aufklärungsmedizin. Das Dilemma des Anton de Haen. In: Österreichische Ärztezeitung. (31/12) 1976. Bl. [1] (verso).

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [45]: Der „Steinach-Film“ (Wien-Berlin) 1922

Der „Steinach-Film“ (Wien-Berlin) 1922

Text: Dr. Walter Mentzel

Der Physiologe und Sexualforscher Eugen Steinach (*27.01.1861 Hohenems/Vorarlberg., gest. 14.05.1944 Montreux/Waadt) beschäftigte sich seit den 1890er Jahren mit der Analyse und dem Einsatz von Sexualhormonen und mit Experimenten zur Geschlechtsumwandlung, die er ab 1912 publizierte und damit weltweit öffentliches Interesse erregte. Vor allem sorgte er mit seinen „Verjüngungsoperationen“ aber auch mit seinen Thesen zur „Behandlung“ der Homosexualität nach dem Ersten Weltkrieg zusehends für Aufsehen, die ihm auch massive Anfeindungen einbrachten. Seit 1912 (bis 1938) arbeitete er als Leiter an der physiologischen Abteilung der 1903 gegründeten „Biologischen Versuchsanstalt“, die sich seit 1914 sich im Besitz der Akademie der Wissenschaften befand, im „Vivarium“ im Wiener Prater, wo er zur Sexualphysiologie forschte.

Abb. 1    Josephinum, Bildersammlung – Sign.: MUW-FI-IIR-003922-0001

Am Höhepunkt seiner öffentlichen Aufmerksamkeit, als er in seiner Arztpraxis in Wien II. seine umstrittenen Verjüngungsoperationen betrieb („Steinach-Operation“), trat im Oktober 1920 die Österreichische „Filmhauptstelle“ an ihn mit der Absicht heran seine Forschungsarbeiten zu verfilmen. Diese im Jänner 1919 (offiziell Juni 1919) auf Betreiben der Sozialdemokratischen Partei in der ersten Koalitionsregierung und der Initiative vom Staatskanzler Karl Renner eingerichtete Institution sollte die staatliche Filmproduktion und vor allem wissenschaftliche Lehrfilme für Unterrichtszwecke sowie Filme zur Förderung der „Volksbildung und Volkswohlfahrt“ im In- und Auslande fördern. Steinach willigte ein und stellte der Filmhauptstelle sein gesamtes Forschungsmaterial sowie sein Forschungsinstitut zur Verfügung.[1] Im Jahr darauf wurde in Kooperation mit der Kulturabteilung der Ufa-Film mit der Herstellung des Filmes begonnen. Bei der fünfzehn Monate dauernden Produktion des Filmes wurden die bisher von Steinach durchgeführten Tierexperimente nachgestellt, die zu einer massiven Herausforderung der bislang üblichen Produktionstechniken in diesem Genre führte. Für die Produktion zeichneten jene im deutschsprachigen Raum zu dieser Zeit auf dem Gebiet des wissenschaftlich-medizinischen Films federführenden Filmproduzenten verantwortlich. Die Aufnahmeleitung teilten sich Curt Thomalla (1890-1939) und Nicholas Kaufmann (1892-1970) sowie Leopold Niernberger und Karl Imelski (1887-1938). Curt Thomalla war Drehbuchautor, Neurologe und Sozialmediziner und wesentlich an der Institutionalisierung und Propagierung des wissenschaftlich-medizinischen Lehrfilms in Deutschland beteiligt und wirkte an der Herstellung zahlreicher wissenschaftlicher Lehr- und Vortragsfilme mit. Von 1918 bis 1925 war er Leiter des „Medizinischen Filmarchivs“ der Ufa. Er führte im „Steinach-Film“ die Regie. Nicholas Kaufmann war Arzt und Regisseur medizinischer Filme, u.a. stellte er 1900 an der Charité in Berlin einen medizinischen Film zur Unterschenkelamputation her, und wurde 1927 zum Leiter der Kulturabteilung der UFA bestellt. Kaufmann ebenso wie Thomalla war später im NS-System verstrickt und stand der NS-Ideologie nahe. Karl Imelski war seit 1919 Filmproduzent und Leiter der österreichischen „Filmhauptstelle“ und Leopold Niernberger Filmregisseur bei derselben – er führte bei dem 1922 in Wien produzierten „Tuberkulose-Film“ und bei dem 1923 entstandenen Film „Das Einküchenhaus“ die Regie. Das Filmmanuskript erstellten neben Eugen Steinach und Leopold Niernberger der österreichische Biologe Paul Kammerer (1880-1926), der gemeinsam mit Steinach an der „Biologischen Versuchsanstalt“ arbeitete und sich mit Fragen der Vererbungslehre beschäftigte.

Der erste Teil des Filmes beschäftigte sich mit den anatomischen und physiologischen Grundlagen der Steinach‘schen Theorie, im zweiten Teil wurde mit Zeichnungen und mit Patientenmaterialien die Problem der inneren Sekretion dargestellt, im dritten Teil Versuche der Maskulinisierung und Feminisierung behandelt und im vierten und letzten Teil die Altersbekämpfung thematisiert. Der Film wurde – erstmals in diesem Genre – in zwei Fassungen hergestellt, einem wissenschaftlichen Lehrfilm und einer populärwissenschaftlichen Fassung.[2] Drehort war die Biologische Versuchsanstalt der Akademie der Wissenschaften im Wiener Prater.

Die im Film thematisierten Forschungsarbeiten Steinachs finden sich unter anderem in der Zeitschrift „Mitteilungen aus der Biologischen Versuchsanstalt der Akademie der Wissenschaft, Physiologische Abteilung“, wo Steinach und Paul Kammerer über Jahre ihre Arbeiten publizierten. Darunter:

Steinach, Eugen: Experimentell erzeugte Zwitterbildung beim Säugetier. (=Mitteilungen aus der Biologischen Versuchsanstalt der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Physiologische Abteilung, E. Steinach. Nr. 19.) Sonderabdruck aus: Akademischer Anzeiger. Wien: In Kommission bei Alfred Hölder 1916.

[Zweigbibiothek für Geschichte der Medizin/Neuburger:Lesky Bibliothek, Sign.: 6496/19]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8648703&pos=1&phys=#

Abb. 2    Titelblatt: Steinach: Experimentell erzeugte Zwitterbildung […]. Wien. 1916.

Weitere zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze von Eugen Steinach finden sich in der Separata-Bibliothek

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/cardsoverview.jsp?id=5221408 und in der Neuburger Lesky Bibliothek

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/cardsoverview.jsp?id=5235626 an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

Abb. 3    Steinach, Eugen: Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüsen. Mit 7 Textabbildungen und 9 Tafeln. Berlin: Verlag von Julius Springer 1920. Tafel II.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 13854a]

http://search.obvsg.at/primo_library/

Abb. 4    Steinach, Eugen: Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüsen. Mit 7 Textabbildungen und 9 Tafeln. Berlin: Verlag von Julius Springer 1920. Tafel V.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 13854a]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb

Zensur, Verbot und Hetz-Kampagnen.

Nach der Fertigstellung des Films im Jahr 1922 kam er am 13. Jänner 1923, nachdem die Widerstände der Zensurbehörden gebrochen und der Film zur öffentlichen Vorführung freigegeben worden war, im UFA-Filmpalast in Berlin zur Uraufführung und in Folge in weiteren Städten Deutschlands zur Präsentation. Im Oktober 1923 wurde er in New York und 1924 über Vermittlung des „Filmamtes der Internationalen Arbeiterhilfe“ in der Sowjetunion gezeigt. Bereits Anfang 1922 hatte Steinach ein Aufführungsverbot des Filmes für Österreich verfügt, nachdem der Film von behördlicher Seite kritisiert und seine Aufführung von den vom konservativen Geist getragenen Zensurbestimmungen bedroht war.[3] In Wien durfte der Film nur in einer von der Zensurbehörde gekürzten Fassung gezeigt werden. Zeitgleich war Eugen Steinach antisemitischen und homophoben Anfeindungen ausgesetzt. Federführend bei dieser Kampagne waren jene der seit 1920 aus der Christlichsozialen und deutschnationalen Partei gebildeten Regierungskoalition nahestehenden Presse. Ebenso kam es in der Tschechoslowakei (Prag) zu einem Verbot der Vorführung durch die Zensurbehörden.[4]

Der Film in seiner „wissenschaftlichen“ Form existiert heute, nachdem er lange als Verschollen galt, in einer dänischen Fassung mit dänischen Zwischentiteln im Filmarchiv Austria.

Technische Daten:

Filmtitel:                                          
Steinachs Forschungen (Forskniger) [dänische Fassung mit Untertitel].

Herstellungsorte:                          
Biologische Versuchsanstalt der Akademie der Wissenschaften, Wien (Prater) und Berlin (Ufa).

Auftraggeber:                                
Österreichische Filmhauptstelle.

Technische Durchführung:        
Österreichische Filmhauptstelle (Bundes-Film-Hauptstelle), Ufa-Film.

Ausführende/Mitwirkende:      
Steinach Eugen, Mitwirkende, Kammerer Paul (Wien), Thomalla Curt (Berlin), Niernberger Leopold (Wien), Kaufmann Nicholas (Berlin).

Herstellungsdatum:                     
1921/22.

Filmlänge (Zeit/Länge):               
ca. 58 min./ca. 2200 m. Populäre Fassung: 2124 m

Farbe:                                              
s/w.

Stummfilm        

1924 entstand der Film „Steinach-Operation“, der ohne jegliche Mitwirkung von Steinach in Berlin von der „Humboldt-Film“ hergestellt und vom deutschen Arzt und Sexualreformer Ludwig Levy-Lenz (1892-1966) ausgeführt wurde.[5]

Ein Projekt des Vereins „Netzwerk-Arge freiberuflicher HistorikerInen“

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 29.10.1920, S. 5.

[2] Kino-Journal, 7.10.1922, S. 14.

[3] Neues Wiener Tagblatt, Tages-Ausgabe, 21.4.1922, S. 12.

[4] Prager Tagblatt, 23.3.1923, S. 6.

[5] Neue Freie Presse, 26.2.1924, S. 16.

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Van Swieten Blog: MMag. Margrit Hartl

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [44]: Steinach, Eugen: Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüsen. Mit 7 Textabbildungen und 9 Tafeln, 1920.

Steinach, Eugen: Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüsen. Mit 7 Textabbildungen und 9 Tafeln. Berlin: Verlag von Julius Springer 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 13854a]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/

Abb. 1    Titelblatt: Steinach: Verjüngung […]. Berlin: 1920.

Eugen Steinach (*27.01.1861 Hohenems/Vorarlberg., gest. 14.05.1944 Montreux/Waadt) war der Sohn eines jüdischen Arztes und studierte an den Universitäten Genf und Wien Medizin. 1886 wurde er an der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck zum Dr. der Medizin promoviert. Danach arbeitete er zwei Jahre am Physiologischen Institut der Universität Innsbruck. Im Anschluss daran ging er nach Prag, wo er an der „Deutschen Universität“ Assistent des damals berühmten Physiologen Ewald Hering (1834-1918) wurde. In Prag gründete Steinach 1902 das erste Laboratorium für „allgemeine und vergleichende Physiologie“ im deutschsprachigen Raum. Ebenfalls in Prag wurde Steinach, der sich schon 1890 im Fach Physiologie habilitiert hatte, 1895 zum außerordentlichen und 1907 zum ordentlichen Professor ernannt. 1912 übersiedelte er nach Wien und wurde Leiter der tierphysiologischen Abteilung der Biologischen Versuchsanstalt im Prater, die zwei Jahre später in die Akademie der Wissenschaften eingegliedert wurde. Die Versuchsanstalt war ursprünglich ein Schauaquarium, bekannt unter dem Namen „Wiener Vivarium“, das anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 erbaut wurde und 1903 vom Zoologen Hans Leo Przibram (1874-1944) in eine experimentelle Biologische Versuchsanstalt umgewandelt wurde. Die Biologische Versuchsanstalt war eine der bemerkenswertesten wissenschaftlichen Einrichtungen Österreichs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mehr als dreißig Jahre lang entstanden hier innovative wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der experimentellen Biologie. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Przibram aus „rassischen“ Gründen seiner Stellungen enthoben und durfte die von ihm gegründete und jahrzehntelang geleitete Anstalt nicht mehr betreten. Er wurde 1944 im KZ Theresienstadt ermordet. Die Versuchsanstalt wurde 1941 geschlossen und das Gebäude 1947 abgerissen.

Eugen Steinach beschäftigte sich schon seit 1894 mit der Physiologie der Geschlechtsorgane und war einer der bekanntesten Hormonforscher seiner Zeit. Mithilfe der Vasoligatur, der Unterbindung des Samenleiters, wollte er die körpereigene Produktion von Testosteron anregen, wodurch er sich einen Effekt der Verjüngung erhoffte. Durch den Wiener Urologen Robert Lichtenstern (1874-1955) ließ er den Eingriff 1918 erstmals gezielt bei einem Patienten vornehmen und löste damit einen wahren „Vasektomieboom“ aus. Es wird geschätzt, dass sich allein in Wien über 100 Mitglieder der akademischen Gesellschaft in den 1920er Jahren dieser Behandlung unterzogen. Einer von ihnen war Sigmund Freund (1856-1939), der sich von diesem 1923 erfolgten Eingriff erneute Kraft im Kampf gegen das bei ihm aufgetretene Tumorleiden erhoffte.[1]

Abb. 2    Robert, Lichtenstern: Urologische Operationslehre. Mit 231 zum Teil mehrfarbigen Abbildungen im Text. Berlin und Wien: Urban & Schwarzenberg 1935. S. 271.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Reuter Bibliothek, Sign.: RB-168]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action

Darüber hinaus machte er versuche von Geschlechtsumwandlungen mit Ratten. Aus den Auswirkungen von Hodentransplantationen von jungen Ratten auf alte wurde ersichtlich, dass sich die senilen Tiere verjüngten und zum Teil ihre Potenz wiedererlangten. Daraufhin stellte er sich die Frage „ob es nicht möglich wäre, noch einmal im individuellen Leben die Wirkungen der Pubertätsdrüse [Gonaden, Anm.] auszulösen, und wenigstens bis zu einer gewissen Grenze die Attribute der Jugend wieder hervorzurufen und die des Alters hinauszuschieben“[2] und wollte diese Erfahrungen auf den Menschen übertragen. „Die Vorstellung, dem Menschheitstraum der ewigen Jugend einen Schritt näher zu sein, hatte eine wahre ,Steinach-Euphorie‘ ausgelöst, die sich auch gut vermarkten ließ. 1920 schrieb der Komponist Willy Kaufmann den Foxtrott ,Steinach Rummel‘. Am 8. Jänner 1923 fand im Berliner UFA-Filmpalast die Uraufführung des Dokumentarfilms ,Steinachs Forschungen‘ statt.“[3]

Abb. 3    Steinach: Verjüngung […]. Berlin: 1920. Tafel IV.

In der Folge wurden zahlreiche Verjüngungsoperationen entwickelt. Eugen Steinach versprach sich durch die Verpflanzung von fremden Hoden unter die Bauchdecke ebenfalls einen wesentlichen Verjüngungseffekt. Gemeinsam mit Robert Lichtenstern transplantierte er zwei im Ersten Weltkrieg kastrierten Soldaten Leistenhoden unter die Bauchmuskulatur, die anderen Patienten entfernt werden mussten, worauf die Sexualfunktion wieder eintrat. „,15 Monate nach der Operation hat der Mann geheiratet‘, schrieb Lichtenstern später über einen der beiden Patienten, lebt seither zufrieden in ehelicher Gemeinschaft und versorgt wieder in strammer Arbeit seine Landwirtschaft‘“.[4] Mit der Transplantation von Hoden heterosexueller Männer an homosexuelle Männer versuchten Steinach und Lichtenstern auch homosexuelle Männer zu „heilen“. Unterstützung fanden die dabei bei Sigmund Freud, der annahm, dass Steinachs vorgeschlagener Eingriff an den Keimdrüsen erfolgreicher sei, als die Behandlung durch Psychotherapie[5]:

Steinach, Eugen und Robert Lichtenstern: Umstimmung der Homosexualität durch Austausch der Pubertätsdrüsen. Sonderabdruck aus: Münchener medizinischen Wochenschrift. Lehmann: München 1918.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 13717.]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb

In den 1930er Jahren wurden Steinachs Forschungen einer kritischen Revision unterzogen. Und mit der biochemischen Identifikation und Synthese von Testosteron wurden Steinachs Operationsmethoden obsolet. Ab März 1938 war Eugen Steinach der antisemitischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Seine Bibliothek sowie seine gesamten Forschungsergebnisse wurden beschlagnahmt. Als ihm nach einer Vortragsreise in die Schweiz die Wiedereinreise verweigert wurde, versuchte er erfolglos in die USA zu emigrieren. Er verstarb 1944 im Schweizer Exil in Territet bei Montreux im Kanton Waadt.

Text: Harald Albrecht

Quellen:

Der Traum von der wiederkehrenden Jugend. Homepage: Alumni Club Medizinische Universität Wien. Stand: 23.10.2017.

http://alumni-club.meduniwien.ac.at/de/aktuell/medizin-im-bild/article?entry=216

Schultheiss, Dirk: Eine kurze Geschichte des Testosterons. In: Der Urologe. (49/1) 2010. S. 51-55.

Schlich, Thomas: Die Erfindung der Organtransplantation. Erfolg und Scheitern des chirurgischen Organersatzes (1880-1930). Frankfurt/M und New York: Campus Verlag 1998.

Leitner, Helmut: Eugen Steinach (1861-1944). In: Arzt, Presse, Medizin. (22) 1977. S. 7-9.

Johnson, David L.: Eugen Steinach (1861-1944) and his theory of rejuvenation. [Tacoma, WA]: Typoskript 1968.

[1] Schultheiss, Dirk: Eine kurze Geschichte des Testosterons. In: Der Urologe. (49/1) 2010. S. 52.

[2] Leitner, Helmut: Eugen Steinach (1861-1944). In: Arzt, Presse, Medizin. (22) 1977. S. 8.

[3] Der Traum von der wiederkehrenden Jugend. Homepage: Alumni Club Medizinische Universität Wien. Stand: 23.10.2017. http://alumni-club.meduniwien.ac.at/de/aktuell/medizin-im-bild/article?entry=216

[4] Schlich, Thomas: Die Erfindung der Organtransplantation. Erfolg und Scheitern des chirurgischen Organersatzes (1880-1930). Frankfurt/M und New York: Campus Verlag 1998. S. 159-160.

[5] Schultheiss, Dirk: Eine kurze Geschichte des Testosterons. In: Der Urologe. (49/1) 2010. S. 52.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [43]: Franz Innhauser, Eduard Nusser, Emil Kammerer und Gregor Schmid. Die ersten „Stadtphysiker“ nach der Sanitätsreform der Gemeinde Wien 1864

Franz Innhauser, Eduard Nusser, Emil Kammerer und Gregor Schmid. Die ersten „Stadtphysiker“ nach der Sanitätsreform der Gemeinde Wien 1864.

Die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts rasant eintretenden städtebaulichen Entwicklungen Wiens, die Eingemeindungen und Stadterweiterungsmaßnahmen sowie die massiven Bevölkerungszunahme im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts – von 401.200 Einwohner im Jahr 1830 auf 900.998 1869 bis 2.083.630 im Jahr 1910 – machte eine Modernisierung des seit 1710 existierenden kommunalen-öffentlichen Sanitätsdienstes notwendig. Treibende Kraft waren seit den 1850er Jahren Mitglieder der Gesellschaft der Ärzte in Wien, die durch Eingaben und Denkschriften Vorschläge für eine sanitäre Erneuerung der Stadt einforderten. 1864 kam es durch den Wiener Gemeinderat (Gemeinderats-Beschluss vom 24.6.1864) zu einer grundlegenden Neuorganisation des Stadtphysikus. Dieses nunmehr als eigenes eingerichtete Amt trug den vielfältigen Zuständigkeiten einer bevölkerungsreichen Stadt Rechnung, brachte eine medizinisch-wissenschaftliche Professionalisierung und bewirkte die direkte Einflussnahme auf die sanitären Maßnahmen bei der Gestaltung der Stadterweiterung. Die Aufgabengebiete des Amtes des Stadtphysikus lagen vor allem bei der Organisation der Seuchenbekämpfung und des Infektionswesens. Das Amt war ab nun von zwei Stadtphysikern besetzt: die ersten zwei Stadtphysiker waren Dr. Franz Innhauser (1815-1898) und Dr. Eduard Nusser (1817-1891).[1] Seit der Neuorganisation des städtischen Gesundheitswesens (Reichsgesetzblatt (RGBl.) vom 30.4.1870) waren die Stadtphysiker als städtische Beamte direkt dem Magistrat unterstellt.

Die Arbeitsergebnisse des Wiener Stadtphysikates finden sich konzentriert in den von dieser Organisationseinheit herausgegebenen Berichten, die von 1866 bis 1885 jährlich und ab 1885 bis 1913 unregelmäßig alle paar Jahre erschienen. Die Jahresberichte waren in zwei thematische Teile gegliedert und zwar in einen hygienisch-sanitätspolizeilichen Teil, der allgemein über die Gesundheitsverhältnisse der Stadt Wien und die städtischen Humanitätsanstalten informiert, und einen zweiten Teil, der den Sanitätsdienst, die Sanitätsstatistik und das Medizinalwesen thematisierte und die Anstrengungen, Erfolge und Problemfelder einer sich rasant entwickelnden Stadt auf dem Weg zu einer europäischen Metropole widerspiegelt. Ab 1882 zeigen die Berichte einen starken Einfluss statistischer Methoden und zahlreiche tabellarische Darstellungen zur Mortalität und Angaben zu Zivilstand, Konfession oder Geschlechterverhältnis auf der Grundlage der ersten Volkszählungen in Wien. Ebenso kam es ab den 1880er Jahren zu neuen Schwerpunktsetzungen zu konkreten Verbesserungsmaßnahmen bei städtischen Bauvorhaben und der sanitären Verhältnisse (Kanalisation, Wasserversorgungssysteme, Regulierungsvorschläge hinsichtlich des Wienflusses und des Donaukanals). Diese Berichte wurden von Franz Innhauser, Eduard Nusser, Emil Kammerer und Georg Schmid sowie von 1882 bis 1901 auch von Adolf Löffler mitherausgegeben.

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3

Abbildung 1-3: Jahres-Bericht des Wiener Stadtphysikates über seine Amtsthätigkeit sowie über die Gesundheitsverhältnisse Wiens und der städt. Humanitäs-Anstalten. Hrsg. von Emil Kammerer, Gregor Schmid und Adolf Löffler. Wien: 12.1883, 17-20.1892, 21-23.1896, 24-26.1898, 27-29.1901.


[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 4795]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594095&pos=8&phys=

Die ersten beiden Stadtphysiker der Stadt Wien nach 1864 kamen aus dem sanitätspolizeilichen Dienst. Franz Innhauser (11.10.1815 Wien, gest. 1898 Wien[2]) studierte an der Medizinischen Fakultät in Wien (Promotion 1838)[3], arbeitete danach als k.k. Polizeibezirksarzt in Wien Rossau[4] und wurde 1864 zum Stadtphysikus in Wien ernannt. Zwischen 1870 und 1876 war er Mitglied des Niederösterreichischen Landessanitätsrats.

Eduard Nusser (*23.4.1817 Wien, gest. 14.5.1891 Wien) studierte an der Medizinischen Fakultät in Wien (1841 Promotion Dr. Med. und Chirurgie, Magister der Geburtenhilfe) und war zunächst als k.k. Polizei-Bezirks-Wundarzt in Wien II. im Strafhaus Leopoldstadt und zwischen 1850 bis 1864 als Gerichtsarzt beim Bezirksgericht Leopoldstadt tätig. Von ihm kamen Anfang der 1860er Jahre umfangreiche Vorschläge zu einer Reorganisation des Stadtphysikats und des städtischen Sanitätswesen, u.a. war er im Komitee zur Revision der Sanitätsgesetze als deren Obmann-Stellvertreter tätig. 1864 wurde er zum Stadtphysikus in Wien ernannt und übte dieses Amt bis zum Antritt seines Ruhestandes 1880 aus. Während seiner Amtszeit kam es zu gravierenden Veränderungen und organisatorischen Umgestaltungen des öffentlichen Sanitätswesens. Daneben arbeitete er weiterhin als Arzt, Geburtshelfer und Chirurg in der Leopoldstadt. 1865 wurde er zum Mitglied der „ständigen Medicinal-Commission bei der n.ö. Statthalterei“ ernannt.[5] Von ihm stammen zahlreiche Arbeiten vor allem zu sanitäts-polizeilichen Themen, darüber hinaus war er Mitglied des Wiener Doctoren-Kollegiums. Ein ausführlicher Nachruf zu Eduard Nusser von Anton Gerhold findet sich in den Mittheilungen des Wiener medicinischen Doctoren-Collegiums:

Gerold, Anton: Dr. Eduard Nusser +. In: Mittheilungen des Wiener medicinischen Doctoren-Kollegiums. (17) 1891. S. 123-127.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: Z4496/17]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=11939103&pos=2&phys=

Gregor Schmid (*ca. 1833 Lichten/Österreichisch-Schlesien, gest. 5.11.1911 Wien) studierte an der Medizinischen Fakultät in Wien und arbeitete zunächst am neu errichteten Rudolfs-Spital in Wien. Danach trat er in den Dienst der Stadt Wien, wo er als städtischer Arzt den Stadtpyhysicis Kammerer und Nusser zugeteilt war und 1884 gemeinsam mit Adolf Löffler zum Stadtphysikus-Stellvertreter ernannt wurde. Gemeinsam mit Kammerer bildete er später den Vorstand des Stadtphysikates. Seine Hauptbetätigungsfelder waren neben Infektionskrankheiten vor allem demografische Fragen und der Einsatz statistischer Methoden in der Gesundheitsverwaltung.

Abbildung 4: Kammerer, Emil und Gregor Schmid: Der gegenwärtige locale Sanitätsdienst der Stadtgemeinde Wien in Bezug auf die Handhabung der prophylaktischen Massregeln bei übertragbaren Infectionskrankheiten. Wien: 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 9818]

Emil Kammerer (*22.1.1846 Schlackenwert/Böhmen, gest. 7.3.1901 Wien) studierte an der Medizinischen Fakultät Wien (15.7.1870 Promotion für Medizin und am 5.5.1871 Promotion zum Dr. der Chirurgie). Danach arbeitete er als Operateur und erster Sekundararzt im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Zwischen 1876 und 1879 war er auch als Kurarzt in Gießhübl-Sauerbrunn tätig. Im Jahr 1879 trat er in den Dienst der Stadt Wien ein und arbeitete zunächst zwei Jahre als städtischer Arzt bis er am 5.1.1882 zum Stadtphysikus von Wien ernannt wurde. Während seiner Amtszeit legte er vor allem auf die prophylaktischen Arbeiten im Gesundheitswesen Wert, was auch zu einer Senkung der Sterblichkeitsrate führte, ebenso kam es unter seiner Mitwirkung zu einer Zunahme des Einflusses der öffentlichen Gesundheitspflege in der Verwaltung. Weiters war er Mitglied des Niederösterreichischen Landes-Sanitätsrats.[6] Eine kurze Notiz zu Emil Kammerers Ableben findet sich in den:

Mittheilungen des Wiener medicinischen Doctoren-Collegiums. (27) 1901. S. 29.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: Z4496/27]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=11932279&pos=38&phys=

Abbildung 5: Kammerer, Emil: Die Organisation des Physikates der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Entwurf für dieselbe sammt Motivenbericht. Wien: Selbstverlag 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 12869]

Literatur von Franz Innhauser:

Innhauser, Franz: Beleuchtung der neuen Bauordnung für Polizei vom Standpuncte der Sanitätspolizei. Sonderabdruck aus: Zeitschrift der K.K. Gesellschaft der Ärzte zu Wien. Wien: typ. Ueberreuter 1859.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 27330]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8592072&pos=0&phys=

Innhauser, Franz: Über den Einfluss der a.h. angeordneten Erweiterung der Stadt Wien auf die hygienischen Verhältnisse derselben. Wien: typ. Zamarski und Dittmarsch o.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 17881]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8592073&pos=1&phys=

Innhauser, Franz: Kanäle oder Senkgruben? Wien: Sonderabdruckaus: Zeitschrift der K.K. Gesellschaft der Ärzte zu Wien. Wien: typ. Ueberreuter [1859].

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 27318]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8592074&pos=2&phys=

Innhauser, Franz: Über Retiraden, Pissoirs, Senkgruben und Canäle in sanitätspolizeilicher Hinsicht mit besonderer Rücksicht auf Wien. Sonderabdruckaus: Zeitschrift der K.K. Gesellschaft der Ärzte zu Wien. Wien: typ. Gerold 1857.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 28968]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8592075&pos=3&phys=

Innhauser, Franz: Die Stadtreinigung in Wien vom Standpuncte der Sanitätspolizei. Sonderabdruck aus: Zeitschrift der K.K. Gesellschaft der Ärzte zu Wien. Wien: typ. Ueberreuter 1859.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 46254/2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8592076&pos=4&phys=

Literatur von Eduard Nusser:

Nusser, Eduard: De systemate nervorum exictomotorium secundum Marshall Hall. Dissertation. Wien: Hirschfeld 1841.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D3465]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8419563&pos=0&phys=

Nusser, Eduard: Die Medizin der Gegenwart in ihrer Stellung zur Rechtspflege. Sonderabdruck aus: Österreichische Zeitschrift für praktische Heilkunde. Wien: typ. Zamarski und Dittmarsch 1858.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 14121]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8620412&pos=1&phys=

Nusser, Eduard: Ueber ärztliches Rettungsanstalten. Sonderabdruck aus: Zeitschrift für praktische Heilkunde . Wien: Selbstverlag (typ. Sommer) 1864.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 40369]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8620415#

Literatur von Emil Kammerer:

Kammerer, Emil: Bilanz der öffentlichen Gesundheitswirtschaft in Wien in den letzten zwei Decennien 1871 inclus. 1880 und 1881 inclus. 1890. Sonderabdruck aus: Das österreichische Sanitätswesen. Wien: Hölder 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 32031]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594096&pos=0&phys=#

Kammerer, Emil: Die Frage der Beseitigung der Abfallstoffe der Grosscommune Wien. Wien: Verlag des Wiener medicinischen Doctoren-Collegiums 1881.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 8827]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594097&pos=10&phys=

Kammerer, Emil: Massnahmen zur Bekämpfung der Tuberculose. Vorschläge des Wiener Stadtphysicats an den Magistrat. Sonderabdruck aus: Das österreichische Sanitätswesen. Wien: Hölder 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 25903]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594099

Kammerer, Emil: Die Morbitäts- und Mortalitätsverhältnisse des Stadtgebietes von Wien. Sonderabdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Braumüller 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 32091]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594100&pos=12&phys=

Kammerer, Emil: Die Organisation des Physikates der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Entwurf für dieselbe sammt Motivenbericht. Wien: Selbstverlag 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 12869]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594101&pos=16&phys=

Kammerer, Emil und Gregor Schmid: Der gegenwärtige locale Sanitätsdienst der Stadtgemeinde Wien in Bezug auf die Handhabung der prophylaktischen Massregeln bei übertragbaren Infectionskrankheiten. Wien: 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 9818]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8639925&pos=38&phys=

Kammerer, Emil und Gregor Schmid: Verordnung und Einrichtung betreffend das Leichenwesen der Stadtgemeinde Wien. Wien: Verlag des Magistrates 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 4345]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8639926&pos=39&phys=

Kammerer, Emil und Leopold von Schrötter: Vorschläge für die sanitäre Weiterentwicklung Wiens. Sonderabdruck aus: Mittheilungen des Wiener medicinischen Doctoren-Collegiums Wien: 1884.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 30797]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8642420&pos=37&phys=

Jahres-Bericht des Wiener Stadtphysikates über seine Amtsthätigkeit sowie über die Gesundheitsverhältnisse Wiens und der städt. Humanitäs-Anstalten. Hrsg. von Emil Kammerer, Gregor Schmid und Adolf Löffler. Wien: 12.1883, 17-20.1892, 21-23.1896, 24-26.1898, 27-29.1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 4795]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594095&pos=8&phys=

Literatur von Gregor Schmid:

Schmid, Gregor und Emil Kammerer: Der gegenwärtige locale Sanitätsdienst der Stadtgemeinde Wien in Bezug auf die Handhabung der prophylaktischen Massregeln bei übertragbaren Infectionskrankheiten. Wien: Verlag des Magistrates 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 9818]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8639925&pos=38&phys=

Schmid, Gregor und Emil Kammerer: Verordnung und Einrichtung betreffend das Leichenwesen der Stadtgemeinde Wien. Wien: Verlag des Magistrates 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 4345]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8639926&pos=39&phys=

Jahres-Bericht des Wiener Stadtphysikates über seine Amtsthätigkeit sowie über die Gesundheitsverhältnisse Wiens und der städt. Humanitäs-Anstalten. Hrsg. von Emil Kammerer, Gregor Schmid und Adolf Löffler. Wien: 12.1883, 17-20.1892, 21-23.1896, 24-26.1898, 27-29.1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 4795]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8594095&pos=8&phys=

Text: Walter Mentzel

[1] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 1, 2.1.1864, S. 287.

[2] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 32, 1898, S. 1585.

[3] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 48, 1888, S. 1625.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 1, 16.9.1856, Beilage, S. 9-10.

[5] Vierteljahreszeitschrift für die praktische Heilkunde, 2. Hauptteil, 1865, S. 1.

[6] Wiener Zeitung, 8.3.1901, S. 6.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [42]: Sternberg, Carl: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der pathologischen Anatomie. Leipzig, 1928

Sternberg, Carl: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der pathologischen Anatomie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21941]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?fn=search&ct=search&initialSearch=true&mode=Basic&tab=default_tab&indx=1&dum=true&srt=rank&vid=UMW&frbg=570723513&fctN=facet_frbrgroupid&fctV=570723513&tb=t&vl%28freeText0%29=Sternberg+Ribbert+1928&scp.scps=scope%3A%28ACC_acc05_M900%29%2Cscope%3A%28UMW_aleph_acc%29%2Cscope%3A%28UMW_O_SFX%29

Abb. 1    Carl Sternberg. Bildersammlung Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-003940-0001-00

Carl Sternberg (*20.11.1872 Wien, gest. 15.08.1935 Annenheim/Kärnten) war ein österreichischer Pathologe und Histologe. Er stammte aus einer Wiener Beamtenfamilie und studierte ab 1890 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Schon während seines Studiums war er im Wiener AKH und an der Krankenanstalt Rudolfstiftung wissenschaftlich tätig. Sternberg schloss sein Studium 1896 mit der Promotion zum Dr.med. ab. Von 1898 an arbeitete er an der Rudolfstiftung unter dem Pathologen Richard Paltauf (1858-1924) als Prosektoradjunkt. In seinem ersten Jahr an der Rudolfstiftung beschrieb er erstmals die nach ihm und der amerikanischen Kinderärztin Dorothy Reed Mendenhall (1874-1965) benannte Sternberg-Reed-Zelle, die durch die Fusion mehrerer Hodgkin-Zellen entsteht. Das Vorhandensein dieser Zellen ist notwendig für die Diagnose der Lymphogranulomatose, den Morbus Hodgkin – benannt nach dem englischen Arzt Thomas Hodgkin (1798-1866), der die Krankheit 1832 erstmals beschrieb.

Carl Sternberg habilitierte sich 1902 an der Universität Wien für pathologische Anatomie. Von 1906 bis 1920 war er Prosektor am Mährischen Landeskrankenhaus in Brünn (heute Brno, CZ) und Dozent für Mykologie an der Deutschen Technischen Hochschule Brünn. Gleichzeitig konnte er seine akademische Laufbahn an der Universität Wien fortsetzen, er wurde 1908 zum Titular Professor und 1914 zum außerordentlichen Professor ernannt. Sternberg nahm am Ersten Weltkrieg als Militärarzt teil und erhielt hohe militärische Auszeichnungen.

1920 kehrte Carl Sternberg endgültig nach Wien zurück, wo er die Prosekturen des Erzherzherzog Rainer-Krankenhauses (heute: Hanusch-Krankenhaus) und des Wiedner Krankenhauses übernahm. Zusätzlich leitete er noch das pathologisch-anatomische Institut der Wiener allgemeinen Poliklinik. 1922 wurde er zum Professor ordinarius publicus ernannt und 1925 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Darüber hinaus genoss er auch großes Ansehen in der Wiener Ärzteschaft – er war von 1924 bis 1926 2. Sekretär und von 1926 bis zu seinem Tod 1935 1. Sekretär der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Nach seinem Tod 1935 übernahm die Gesellschaft der Ärzte die umfangreiche private medizinische Bibliothek von Carl Sternberg als Nachlass. Diese Bücher, identifizierbar an Sternbergs Exlibris befinden sich heute in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin im Josephinum.

Abb. 2    Exlibris Carl Sternberg [Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 64154/1]

Carl Sternbergs zentrale Forschungsgebiete waren Hämatologie, Infektionskrankheiten und Krebsforschung. Er galt als eine der größten Kapazitäten der pathologischen Anatomie, auf deren Gebiet er vielbeachtete Ergebnisse veröffentlichte. Besonders seine pathologisch-diagnostischen Fähigkeiten, die er sich in über 40.000 Obduktionen aneignete waren international gefragt. Sternberg verfasste wichtige Beiträge zum Handbuch der allgemeinen Pathologie und der pathologischen Anatomie des Kindesalters sowie zum Handbuch der mikrobiologischen Technik und überarbeitete Moritz Wilhelm Hugo Ribberts (1855-1920) Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der pathologischen Anatomie, das er 1928 neu herausgab.

Abb. 3    Titelblatt. Sternberg: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der pathologischen Anatomie. Leipzig: 1928.

Carl Sternberg war jüdischer Herkunft. Sein Vater David Sternberg (1838-1917) verheiratet mit Jeanette Rebecca Sternberg (1848-1929) war Beamter in Wien. Über das Schicksal seines älteren Bruders, Dr. Julian Sternberg, geboren 1868, ist nichts bekannt. Sein jüngerer Bruder, Dr. Moriz Sternberg, geboren 1874, starb gemeinsam mit seiner Ehefrau Louise Sternberg, geboren 1884 am 29. April 1938 – wahrscheinlich durch Selbstmord. Seine Nichte Liselotte Erna Hauser, geborene Sternberg (1907) starb 1976 in Washington, D.C.

Text: Harald Albrecht

Quellen:

Tragl, Karl Heinz: Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Wien seit 1838 als Geschichte der Medizin in Wien. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2011.

Schmidt-Wyklicky, Gabriela: Sternberg Carl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950. 60. Lieferung, Staudigl Oskar-Stich Ignaz. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2008. S. 234-235.

Sternberg, Carl. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Bd. 2, R-Z, Register. München: K.G. Saur 2002. S. 603.

Schmidt-Wyklicky, Gabriela: Zur Kenntnis des österreichischen Pathologen Carl Sternberg (1872-1935). Versuch einer historischen Darstellung der Anschauungen über Lymphogranulomatose. In: Der Pathologe. (13) 1992. S. 296-300.

Sternberg, Carl. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Zugleich Fortsetzung des Biographischen Lexikons der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Zweiter Band, Kon-Zweig, Nachträge und Berichtigungen, mit 80 Bildnissen. 2. und 3. unveränd. Aufl. München und Berlin: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1962. S. 1505-1506.

Wagner-Jauregg, Julius: Professor Dr. Carl Sternberg. In: Wiener klinische Wochenschrift. (48/36) 1935. S. 1122-1123.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [41]: Die Sammlung „Cholera-Epidemie 1831-1832“ an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Die Sammlung „Cholera-Epidemie 1831-1832“ an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

In der Neuburger Lesky Bibliothek an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befindet sich unter der Signatur Sign. 3285 die Sammlung „Cholera-Epidemie 1831-1832“ zu den Cholera-Epidemien im 19. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa der Jahre 1831 und 1832. Diese Sammlung umfasst über 200 Titel mit dem Schwerpunkt Österreich, aber auch mit dieser Pandemie sich beschäftigende zeitgenössische Werke aus Deutschland, Italien, England oder Frankreich.

Zu Beginn der 1830er Jahre brach in Europa eine bisher unbekannte Epidemie (die erste Pandemie trat 1817 bis 1824 in Asien, Afrika, Russland und Kleinasien auf), die Cholera, aus, die sich seit 1829 endemisch von Indien über das Gebiet am Schwarzen Meer bis nach Europa ausweitete. 1830 erreichte die Krankheit mit Galizien erstmals den Osten der Habsburgermonarchie und – trotz der Seuchenbekämpfung im Nordosten Ungarns – Mitte August 1831 Wien, wo sie in der Nacht vom 13. auf den 14. September abrupt ausbrach.

Brigham, Amariah: A treatise on epidemic cholera; including an historical account of its origin and progress, to the present period. Compiled from the most authentic sources. Harford: Published by H. and F.J. Huntington 1832 (Cholera Nr. 17).

Bereits 1830 war die immer näher rückende Epidemie in Mitteleuropa Gegenstand von öffentlichen Erörterungen und warf Fragen zu deren Bekämpfung und vor deren Schutz auf. Erste Maßnahmen der Verwaltungen wurden bereits 1830 veröffentlicht darunter:

Instruction für die Sanitäts-Behörden, und für das bei den Contumaz-Anstalten verwendete Personale, zum Behufe die Gränzen der k.k. österreichischen Staaten vor dem Einbruche der im kaiserlich-russischen Reiche herrschenden epidemischen Brechruhr (Cholera morbus) zu sichern und im möglichen Falle des Eindringens ihrer Verbreitung zu hemmen. Auf allerhöchsten Befehl verfasst. Wien: typ. k.k. Hof- und Staats Aerarial-Druckerey 1830 (Cholera Nr. 93).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/93]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8592169&pos=47&phys=

Erst im Frühjahr 1832 klang in Wien die Epidemie ab und erreichte im Juni 1832 einen neuerlichen Höhepunkt, der erst im September 1832 abebbte. Die Cholera gelangte in Wien über den Wienfluss und die Donau in die Abwässer der Vorstädte und so in das Grundwasser, womit auch die für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung existenziell benötigten Brunnen verseucht wurden. Als Reaktionen auf die Cholera-Epidemie der Jahre 1831 und 1832 kam es kurz darauf zum Bau der Sammelkanäle am Wienfluss.

Die Epidemie des Jahres 1831 hatte zunächst einen massiven Ausbau von zusätzlichen Abteilungen in den Wiener Spitälern und die Errichtung von Notspitälern zur Folge, trotzdem erreichte die Sterberate bei Erkrankten 64%. Die Epidemie beanspruchte in Wien das gesamte Gesundheitswesen und führte zu einer Überforderung der Verwaltung, deren Gegenmaßnahmen weitgehend wirkungslos blieben und dazu führte, dass sich in der Bevölkerung eine Panik breitmachte und das gesamte gesellschaftliche Leben zusammenzubrechen drohte.

In der Sammlung „Cholera-Epidemie 1831-1832“ spiegelt sich auch die gesellschaftliche Brisanz und die vehemente Suche nach rascher Abhilfe im Umfang an der dazu veröffentlichter Literatur wider. Ein großer Teil der Publikationen setzt bereits 1831 ein. Darunter befindet sich die Arbeit des Mediziners, k.k. Hofmedicus, Mitglied der Medizinischen Fakultät in Wien und Ordinarius an der k.k. höheren Bildungsanstalt für Weltpriester zum Hl. Augustin, Carl Joseph Meyer:

Meyer, Carl Joseph: Ein Wort zu seiner Zeit über die herrschende Cholera. Zur Belehrung und zum Troste für die guten Bewohner Wiens und dessen Umgegend. Wien: 1831 (Cholera Nr. 100).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/100]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8613982&pos=1&phys=

oder des Arztes und Dompredigers Johann Emanuel Veith (1787-1876):

Veith, Johann Emanuel: Die Cholera im Lichte der Vorsehung. Ein Kanzelvortrag, gehalten am Schlusse der öffentlichen Bittgänge in der Metropolitankirche zu St. Stephan am 9. September 1831. Wien: Druck und Verlag der Mechitaristen-Congregations-Buchhandlung 1831 (Cholera Nr. 101).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/101]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8657703&pos=8&phys=

sowie die Arbeit des österreichischen Mediziners Moritz Rohrer, der die die Entstehung der Cholera und deren Bekämpfung thematisierte:

Rohrer, Moritz: Die epidemische Brechruhr zu Lemberg, beobachtet und beschrieben. Brünn: Trassler 1831 (Cholera Nr. 42).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/42]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8633458&pos=0&phys=

Von Joseph Riedl (1803-1870), der 1832 das größte Choleraspital in Lemberg leitete und ab der Eröffnung 1853 der erste Leiter der k.k. Irren-, Heil- und Pflegeanstalt am Brünnlfeld war, stammt die Arbeit:

Riedl, Joseph: Die asiatische Brechruhr nach der in Galizien gemachten Erfahrungen und Beobachtungen. Prag: Haase 1832 (Cholera Nr. 44).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/44]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8632093&pos=21&phys=

Vom Referent für Choleraangelegenheiten bei der niederösterreichischen Regierung, Joseph Johann Knolz (1791-1862) befinden sich in dieser Sammlung zwei Arbeiten zur Cholera-Epidemie:

Knolz, Joseph Johann: Darstellung der Brechruhr-Epidemie in der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien, wie auch auf dem flachen Lande in Österreich unter der Enns in den Jahren 1831 und 1832, nebst den dagegen getroffenen Sanitäts-polizeylichen Vorkehrungen. Wien: Mayer 1834 (Cholera Nr. 111).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/111]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597452&pos=36&phys=

Knolz, Joseph Johann: Beobachtungen über die Brechruhr-Epidemie und ihre Behandlungsweise während des dreimaligen Erscheinens derselben in den Jahren 1830, 1831 und 1836 in der Haupt- und Residenzstadt Wien mit Angabe des eigenthümlichen Verhaltens und den erwähnenswerten Heilarten während ihres gegenwärtigen in Galizien aus amtlichen Quellen geschöpft und zusammengestellt. Wien: Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei 1849. (Cholera Nr. 159).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/159]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597451&pos=34&phys=

Von August Zink, Mitglied der Josephinischen Akademie in Wien und praktizierender Arzt in Fulnek in Mähren stammt die Arbeit:

Zink, August: Geschichtliche Bemerkungen über die epidemische Cholera während ihres Eintrittes und Herrschens in Wien, nebst einem Versuch des aetiologische Verhältnis derselben aufzuklären. Wien: Gerold 1832 (Cholera Nr. 110).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/110]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8668103&pos=16&phys=

Vom Mitglied der Medizinischen Fakultät Wien, Anton Edler von Eisenstein (1799-1867), befindet sich in der Sammlung die Monografie:

Eisenstein, Anton von: Lebens- und Vorbeugungsmaßregeln bei der Epidemie der nervösen Cholera. Seinen Mitbürgern zur Beherzigung empfohlen. Wien: Druck von Carl Gerold und Sohn 1848 (Cholera Nr. 166).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/166]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8564116&pos=0&phys=

Weiters die Arbeiten vom Primararzt am AKH in Wien, Arthur Leopold Köstler, der 1831 auch als Polizei-Bezirksarzt in Wien tätig war und zuvor die Cholera in Galizien beobachtet hatte und in den 1830er Jahren wegen seiner Arbeiten zu „Irrenanstalten“ in Westeuropa bekannt wurde.[1]

Köstler, Arthur Leopold: Anweisung, sich gegen die epidemische Cholera zu schützen, und dieselbe bey ihrem Beginn zweckmäßig zu behandeln. Wien: Bey Mörschner & Jasper 1831 (Cholera Nr. 98).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/98]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8598326&pos=1&phys=

Köstler, Arthur Leopold: Aus der Erfahrung geschöpfte Andeutungen zur Erkenntnis und Behandlung der epidemischen Cholera. Wien: Mörscher & Jasper 1831 (Cholera Nr. 99).

[Zweigbibilothek für Geschichte der Medizin, Neuburger Lesky Bibliothek, Sign. 3285/99]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8598325#

Von Joseph Magnus Winkler (gest. 25.10.1841), der seit 1824 Sekundararzt im AKH in Wien, später Arzt in Mährisch-Neustadt[2] und zuletzt Kreisarzt in Hradisch in Mähren war, stammt die Arbeit:

Winkler, Joseph Magnus: Die orientalische Cholera, ihre Geschichte der Entstehung und bisherigen Verbreitung, Verlaufsweise, Symptome, ausführliche Vergleichung und Übereinstimmung mit den vorzüglichsten Contagionen, und die hieraus hervorgehende Folgerung ihrer Beschaffenheit und Vorbauungsweise. Olmütz: typ. Skarnitzel 1831 (Cholera Nr. 4).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8664696&pos=0&phys=

Vom Professor für Anatomie in Wien und früheren Arzt eines Cholera-Spitals in Lemberg, Joseph Berres (1796-1844) [Bitte Link zu Berres-Blog 21] findet sich in der Sammlung der Artikel:

Berres, Joseph: Praktische Erfahrungen über die Natur der Cholera in Lemberg und Behandlungsart derselben. Sonderabdruck aus Mnemosyne. Lemberg: typ. Schnayder 1831 (Cholera Nr. 43).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/43]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8544791&pos=0&phys=

Vom Mediziner Anton Dominik Bastler (zirka 1802, gest. 11.3.1886 Wien), a.o. Prof. an der Medizinischen Fakultät in Wien und seit 1830 Herausgeber und Redakteur der „Populäre Gesundheits-Zeitung“ erschien 1832 die Publikation:

Bastler, Anton Dominik: Die Cholera in Wien. Ein Beytrag zur Lösung der wichtigen Fragen: Worin besteht das wahre Wesen der Krankheit? – Wie wird ihr zuverlässig vorgebeugt? – Durch welche Cur-Methoden werden selbst die im höchsten Grade befallenen schnell wieder gerettet? – Wie ist man im Stande diese Seuche minder verheerend zu machen, und die Furcht vor ihr selbst ganz zu verbannen? – Als Resultat hiesiger Beobachtungen und eines Heilverfahrens, durch welches von 143 Cholerakranken in den Tagen der großen Gefahr 139 gerettet und vollkommen wieder hergestellt wurden. Zur allgemeinen Beruhigung mitgetheilt. Wien: Gedruckt bey A. Strauß’s sel. Witwe 1832 (Cholera Nr. 108).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/108]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8541451&pos=78&phys=

Weitere internationale Autoren aus dieser Sammlung sind:

Elsässer, Karl Ludwig von: Die epidemische Cholera nach eigenen aus Auftrag der Königl. Würtembergischen Regierung angestellten Beobachtungen in Wien und Mähren, besonders Brünn. Stuttgart: Löflund 1832 (Cholera Nr. 113).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/113]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8564499&pos=10&phys=

Bräunlich, Friedrich Gustav: Cholera asiatica. Deren Wesen und Behandlung. Freyberg: Craz & Gerlach 1881 (Cholera Nr. 73)

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/73]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8549061&pos=13&phys=

Blum, Sigmund: Versuche einer näheren Betrachtung der nächsten Ursachen und des Wesens der orientalischen Cholera nebst einer bewährten Heilmethode. Rzeszów: typ. Skielski 1850 (Cholera Nr. 170).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/170]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8547140&pos=14&phys=

Brigham, Amariah: A treatise on epidemic cholera; including an historical account of its origin and progress, to the present period. Compiled from the most authentic sources. Harford: Published by H. and F.J. Huntington 1832 (Cholera Nr. 17).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/17]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8550037&pos=16&phys=


Buniva, Michele: Trattato delle varie specie di cholera-morbus coll’addizione di alcune delle più applaudite memorie sullo stesso argumento. Torino: typ. Cassano, Marzorati & Vercellotti 1831 (Cholera Nr. 138).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/138]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8552118&pos=18&phys=

 

Pfeiffer, Ludwig: Erfahrungen über die epidemische Cholera, gesammelt in den Hospitälern zu Warschau im Sommer 1831. Kassel: 1831 (Cholera Nr. 39).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/39]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8624721&pos=22&phys=

Lichtenstädt, Jeremias Rudolph: Die asiatische Cholera in Russland in den Jahren 1830 und 1831. Nach russischen Aktenstücken und Berichten sowie nach eigenen Erfahrungen. Berlin: Haude & Spencer [1830]-1831 (Cholera Nr. 22).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/22]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8606153&pos=44&phys=

Larrey, Dominique Jean: Mémoire sur le choléra-morbus. Paris und Londres: Baillière 1831 (Cholera Nr. 129).

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/129]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8603120&pos=1&phys=

Text: Walter Mentzel

Quellen:

Callisen, Adolph Carl Peter: Medicinisches Schriftsteller-Lexikon der jetzt lebenden Ärzte, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher aller gebildeten Völker. Copenhagen: 1830-1845.

[1] Callisen, Adolph Carl Peter, Medicinisches Schriftsteller-Lexikon der jetzt lebenden Ärzte, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher aller gebildeten Völker. Bd. 29. Copenhagen: 1830-1845, S. 311.

[2] Callisen, Adolph Carl Peter, Medicinisches Schriftsteller-Lexikon der jetzt lebenden Ärzte, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher aller gebildeten Völker. Bd. 21. Copenhagen: 1830-1845, S. 261.

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