Schlagwort-Archiv: Heilanstalt Alland

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [362]: Svetlin, Wilhelm – Psychiater, Leiter der Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Mitbegründer der Lungenheilanstalt Alland, Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft

Svetlin, Wihelm – Psychiater, Leiter der Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Mitbegründer der Lungenheilanstalt Alland, Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 09.03.2026

Keywords: Psychiater, Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Lungenheilanstalt Alland, Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft Medizingeschichte, Wien

Wilhelm Svetlin wurde am 5. Mai 1849 in Wien als Sohn eines Laboranten des Anatomen Josef Hyrtl (1810-1894) geboren. Seit 1889 war er mit Hilda Pauli (1854-1954) verheiratet.[1] Nach dem Besuch des Schottengymnasiums in Wien studierte Svetlin seit dem Wintersemester 1867/68 Medizin an der Universität Wien und promovierte am 9. April 1873 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Bereits als Student verfasste er die Abhandlung „Einige Bemerkungen zur Anatomie der Prostata“, die von seinem Lehrer, dem Physiologen Ernst Wilhelm Brücke (1819-1892), in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse im Dezember 1870 an der Akademie der Wissenschaften vorgelegt wurde.[2]

Niederösterreichische Landes-Irrenanstalt und Wasserheilanstalt Bad Kaltenbrunn

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Svetlin von 1874 bis 1877 als Assistent von Max Leidesdorf (1816-1889) an der Klinik für Psychiatrie der Niederösterreichischen Landes-Irrenanstalt, wo er seine Ausbildung zum Psychiater erhielt[3] und sich insbesondere der Elektrotherapie widmete. Daneben hielt er Vorträge im Psychiatrischen Verein.

Bereits 1874 fungierte er als leitender Arzt in der Wasserheilanstalt Bad Kaltenbrunn in Gainfarn-Vöslau, die zu dieser Zeit vornehmlich von Industriellen und Künstler:innen frequentiert wurde.

Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 16, 1874, Sp.326.

Privatheilanstalt für Gemüthskranke im 3. Wiener Gemeindebezirk – Nervenheilanstalt Dr. Wilhelm Svetlin

1878 übernahm er gemeinsam mit Johann Zimmermann die Leitung der seit 1833 bestehenden und seit 1848 im ehemaligen Rasumowski-Schloss in Wien 3, Erdbergstraße 5-7, existierende Privatheilanstalt für Gemüthskranke. 1880 erhielt er die Konzession für deren Umbau und Modernisierung und führte nach dem Ausscheiden von Johann Zimmermann (1880) die Anstalt alleine weiter. 1883 wurde sie nach Plänen von Eduard Hauser (1840-1915) in der Leonhardgasse 3 neu erbaut. 1884 publizierte er über „Die Privat-Heilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Bericht über deren Geschichte und Thätigkeit, anlässlich des fünfzigjährigen Bestandes und der Übersiedlung in ein neues Anstaltsgebäude“.[4] Seit seiner Übernahme als Direktor und Besitzer der Anstalt trug diese Einrichtung den Namen „Privat-Heilanstalt Dr. Wilhelm Svetlin“. Svetlin verfasste jährlich Tätigkeitsberichte, darunter „Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien“.

Deutsch-Englischer-Reise-Courier, Nr. 5, 1914, S. 3.

Der Humorist, 5.6.1887.

Lungenheilanstalt Alland

Svetlin war Mitglied des Kuratoriums des Hilfsvereins für Lungenkranke in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern (Viribus unitis) und gehörte neben dem Initiator Leopold Schrötter (1837-1908) zu den Mitbegründern der 1897 errichteten Lungenheilanstalt in Alland. Im Hilfsverein für Lungenkranke in „Alland“ nahm er die Funktion des geschäftsführenden Vizepräsidenten ein.

Die Frauenfrage und der ärztliche Beruf

Im Jahr 1895 veröffentlichte Professor Eduard Albrecht (1841-1900) die Broschüre „Die Frauen und das Studium der Medicin“. Da er darin Frauen die geistige Befähigung zum Medizinstudium absprach, löste er innerhalb der Ärzteschaft einen heftigen Konflikt über die Zulassung und Studierfähigkeit von Frauen zum Medizinstudium aus. Auch Svetlin, als Funktionär des Doctoren-Kollegiums, meldete sich mit der Schrift „Die Frauenfrage und der ärztliche Beruf“ zu Wort: Er plädierte zwar für die Zulassung von Frauen zu allen Studienrichtungen, sprach ihnen jedoch die Eignung für die ärztliche Praxis ab.

Kinderhilfstag

Neben seinen beruflichen Tätigkeiten engagierte sich Svetlin in der Wiener Kinderhilfe. Er war zunächst Funktionär und später Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft und rief 1905 den im Mai desselben Jahres abgehaltenen Kinderhilfstag ins Leben, dem sich weitere Kinderhilfsorganisationen anschlossen.[5]

Svetlin nahm 1901 am 8. Internationalen Kongress gegen Alkoholismus[6] und 1907 an der Konferenz der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose teil und wirkte zudem im vorbereitenden Komitee dieser Konferenz mit.[7]

Svetlin war in zahlreichen Standesorganisationen der Ärzteschaft vertreten. So gehörte er dem Vorstand der sich im Mai 1894 konstituierenden Wiener Ärztekammer an[8] und fungierte seit 1901 als deren Vizepräsident.[9] Daneben war er Präsident des Österreichischen Ärzteverbandes und des Wiener Doktoren-Kollegiums, Mitglied des Vereins der Ärzte im dritten Wiener Gemeindebezirk sowie des niederösterreichischen Landessanitätsrates. Weiters war er im Österreichischen Verein gegen Trunksucht,[10] im Ersten Volksküchenverein für Kranke[11] sowie im Beirat der 1908 gegründeten Österreichischen Konsumentenliga aktiv.[12] Seit 1904 war er Mitglied des Wiener Hausfrauen-Vereins[13] und seit 1907 Mitgesellschafter der im selben Jahr vom Kunstmäzen, Volkswirten und Sozialreformer Felix von Oppenheimer (1874-1938) in Wien gegründeten Neuen Baugesellschaft für Arbeiterwohnhäuser, die günstigen Wohnraum errichtete und förderte.[14]

Svetlin war Träger des Ritterkreuzes des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse,[15] und Ehrenbürger von Windischgarsten und Rosenau in Oberösterreich.

Wilhelm Svetlin verstarb am 24. August 1914 in Wien.

Svetlin Wilhelm: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 25.8.1914, S. 14.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-347a, Svetlin Wilhelm (Rigorosum Datum: 1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-4, Svetlin Wilhelm (Promotion Datum: 9.4.1873).

Sterbebuch, Erzdiözese Wien 01, St. Augustin, 1914, Sign. 03-11, Folio 169, Svetlin Wilhelm.

Wilhelm Svetlin, Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Wien, Leipzig 1891.

Literatur:

Svetlin, Wilhelm: Einige Bemerkungen zur Anatomie der Prostata. Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität. Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien: aus der Hof- und Staatsdruckerei 1870.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Svetlin, Wilhelm: Die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Bericht über deren Geschichte und Thätigkeit, anlässlich des fünfzigjährigen Bestandes und der Uebersiedlung in ein neues Anstaltsgebäude. Wien: Braumüller 1884.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Obersteiner Bibliothek, Sign.: HOB-Bh-E]

Svetlin, Wilhelm: Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Wien u. Leipzig: Urban & Schwarzenberg 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21640]

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 19.10.1889, S. 4.

[2] Wiener Zeitung, 5.1.1871, S. 62.

[3] Wiener Zeitung, 21.8.1875, S. 380.

[4] Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz, 20.9.1884, S. 395.

[5] Neues Wiener Journal, 5.2.1905, S. 2; Wiener Salonblatt, 27.5.1905, S. 11.

[6] Pettauer Zeitung, 31.3.1901, S. 3.

[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 9.3.1907, S. 8.

[8] Neue Freie Presse, 31.5.1894, S. 6.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 5.2.1901, S. 67.

[10] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 11.4.1902, S. 7.

[11] Wiener Allgemeine Zeitung, 23.7.1902, S. 2.

[12] Wiener Morgen-Post, 20.4.1908, S. 4.

[13] Wiener Hausfrauen-Verein, Rechenschaftsbericht erstattet in der 29. Ordentlichen Generalversammlung am 16. März 1904, Wien 1904, S. 56.

[14] Der Konsumverein, Nr. 17, 1907, S. 257.

[15] Medizinische Klinik, 28.11.1909, S. 2.

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Letzte Aktualisierung: 2026.03.09

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [360]: Sternberg, Tobias – Arzt an der Heilanstalt Alland, Schriftsteller und Verleger, NS-Verfolgter

Sternberg, Tobias – Arzt an der Heilanstalt Alland, Schriftsteller und Verleger, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 23.02.2026

Keywords: Schriftsteller, Heilanstalt Alland, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Tobias Sternberg wurde am 29. August 1900 in Bojan in der Bukowina (heute: Bojany/Ukraine) als Sohn von David und Sara Sternberg geboren. 1926 heiratete er in Wien die aus Großwardein in Ungarn (heute: Oradea/Rumänien) stammende Studentin Piroska Szanto (1901-1979).

Nach dem Besuch des Josefstädter Obergymnasiums begann er im Wintersemester 1918/19 mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 13. Juli 1925 mit der Promotion abschloss.

Literarisches und verlegerisches Wirken

Nach dem Ersten Weltkrieg war er schriftstellerisch und verlegerisch aktiv. Er veröffentlichte das Werk „Dichter. Ein Traumspiel“ und fungierte 1919 in Wien als Redakteur sowie zeitweise als Herausgeber der anarchistisch-pazifistisch Expressionisten-Zeitschrift „Aufschwung. Zeitschrift der Jüngsten“ und des gleichnamigen Verlages. Neben Arbeiten von heute teils vergessenen jungen Autor:innen – wie der Grafikerin Maria Szanto (1899-1988), der Schwester seiner Frau Piroska – enthielt das Blatt Beiträge prominenter Persönlichkeiten wie Franz Werfel (1890-1945), Gabriele d’ Annunzio (1863-1938), Friedrich Gustav Heinrich Stadelmann (1865-1948), des Journalisten Josef Kalmer (1898-1959), des Malers Georg Tappert (1880-1957) oder des Anarchisten Erich Mühsam (1878-1934).[1] Weiters schrieb Sternberg für die Literaturzeitschrift „Die Zeit im Buch“ und für „Die Aktion[2].

Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1919.

Nach dem Studium führte er zunächst eine private Arztpraxis in Wien 15, Märzstraße 3, und publizierte 1926/1927 Fachaufsätze wie „Erfahrungen mit Peristaltin bei habitueller Obstipation[3] und „Über Nachtschweiß der Phtisiker“.[4] Gemeinsam mit Ernst Paulsen (Pollak) (1894-1965) führte er an der 3. Medizinischen Abteilung an der Rudolfstiftung Untersuchungen durch, die 1927 in der Arbeit „Wahl und Wertbestimmung antazider Mittel“ mündeten.[5]

Heilanstalt Alland

Ab 1927 war Sternberg als Sekundararzt sowie Haus- und Stationsarzt an der Lungenheilstätte Alland im Wienerwald tätig. Dort widmete er sich der Erforschung der Lungen- und Tuberkuloseerkrankungen und veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten, darunter „Zur Behandlung der Grippe als Mischinfektion[6] und „Muskelzeichen bei Lungentuberkulose[7] sowie „Untersuchungen über das periphere und perifokale Blutbild bei Lungentuberkulösen“. Es folgten Studien „Über konservative Behandlung tuberkulöser Knochenprozesse“ und die „Konstitutionstherapie der Lungentuberkulose“.[8]

Nach seinem Ausscheiden in Alland führte er ab 1933 eine Praxis in Wien 15, Goldschlagstraße 1.[9]

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft waren Tobias Sternberg und seine Ehefrau nach dem „Anschluss“ im März 1938 der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt. Ihnen gelang die Flucht nach England. Obwohl er für die Internierung erfasst worden war, blieb er von dieser Maßnahme ausgenommen.* 1941 konnte Sternberg seine medizinischen Qualifikationen erneut bestätigen (L.R.C.P., L.R.C.S. Edinburgh, L.R.F.P.S. Glasgow 1941) und erhielt im selben Jahr die britische Zulassung.[10] In Großbritannien etablierte sich Sternberg als Hausarzt im Londonder Stadtteil Highgate und arbeitete als Consultant Psychiatrist am St. Mary’s Hospital.[11]

Sein Adoptivsohn, der spätere Psychiater Michael Paul Sternberg (1933-2021), war der Sohn von Lilla Szanto (1910-1996), der Schwester seiner Frau, der die Flucht nach England erst später gelang.

Tobias Sternberg verstarb am 1. Jänner 1978 in London.

* Danke für den Hinweis von Dr.in Barbara Sauer (Wien 2026),

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0851, Sternberg Tobias (Nationalien Datum: 1918/19).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0819, Sternberg Tobias (Rigorosum Datum: 3.7.1925).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 193-1212, Sternberg Tobias (Promotion Datum: 13.7.1925).

Matriken der IKG Wien, Heiratsbuch 1926, Sternberg Tobias, Szanto Piroska.

Home Office: Aliens Department: Internees Index, 1939-1947, Internees at Liberty in the UK, Sternberg Piroska.

Home Office: Aliens Department: Internees Index, 1939-1947, Internees at Liberty in the UK, Sternberg Tobias.

England and Wales, Death Registration Index 1837-2007, Tobias Sternberg, 1977.

Literatur:

Sternberg, Tobias: Untersuchungen über das periphere und perifokale Blutbild bei Lungentuberkulösen. Mit 4 Abbildungen im Text. Sonderdruck aus: Beiträge zur Klinik der Tuberkulose. Berlin: Verlag von Julius Springer 1929.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Sternberg, Tobias: Über konservative Behandlung tuberkulöser Knochenprozesse. Sonderdruck aus: Zeitschrift für Tuberkulose. Leipzig: Johann Ambrosius Barth 1931.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] https://verlagsgeschichte.murrayhall.com/?page_id=284#Heading10

[2] Die Aktion. Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst, 1925.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 35, 1926, S. 1052-1053.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 43, 1926, S. 1285.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 4, 1927, S. 137-138.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1927, S. 626.

[7] Medizinische Klinik, Nr. 2, 1927, S. 49-50.

[8] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 7, 1933, S. 208-209.

[9] Medizinische Klinik, Nr. 42, 1933, S. 2.

[10] The Lancet, 8.2.1941, S. 200.

[11] British Medical Journal, 14. Januar 1978, S. 119.

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Letzte Aktualisierung: 2026.02.23

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [332]: Weismayr, Alexander – Internist, Balneologe, Tuberkuloseforscher, Chefarzt der Heilanstalt Alland

Weismayr, Alexander – Internist, Balneologe, Tuberkuloseforscher, Chefarzt der Heilanstalt Alland

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 30.06.2025

Keywords: Internist, Balneologe, Tuberkuloseforscher, Heilanstalt Alland, Medizingeschichte, Wien

Alexander Franz Michael Ritter von Weismayr wurde am 24. September 1867 als Sohn des Kreisgerichtspräsidenten in Steyr in Oberösterreich, Michael Weismayr, und Ludowika, geborene Kreil, in Wien Josefstadt geboren.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Kremsmünster studierte er an der Universität Wien Medizin und legte 1888 sein Rigorosum ab. Seit 1891 führte er eine private Arztpraxis in Wien 8, Lederergasse 23.[1]

Nach dem Studium trat er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien in die III. medizinische Klinik ein und wurde Assistent von Leopold Schrötter von Kristelli (1837-1908). 1898 erhielt er die Dozentur im Fach Innere Medizin.[2] Weismayr beschäftigte sich als einer der Ersten ausschließlich mit der Tuberkuloseforschung und verfasste darüber auf Anregung von Schrötter Monografien wie 1897 „Die medikamentöse und symptomatische Behandlung der Lungentuberkulose“ und im selben Jahr „Zur Klinik der primären Neoplasmen der Pleura“ sowie 1901 „Die Lungenschwindsucht, ihre Verhütung, Behandlung und Heilung“. Weitere Arbeiten von ihm aus seiner Zeit an der Klinik erschienen 1893 „Das Exalgin als schmerzstillendes Mittel“, 1894 „Ein Fall von Stenose der Carotis und Subclavia“ und 1896 „Eine noch nicht beobachtete Complication des Scleroms der Luftwege“, „Ein Beitrag zum Verlauf des tuberculösen Pneumothorax“ und „Tuberculose bei Herzfehlern“.

Heilanstalt Alland und Kaiserin-Elisabeth-Spital

Seit den frühen 1880er Jahren verfolgte Schrötter seine Anliegen zum Bau von Heilanstalten. 1890 gründete er dazu den „Verein zur Errichtung und Erhaltung einer klimatischen Heilstätte für Brustkranke in der Nähe Wiens“ und erhielt schließlich die Genehmigung zum Bau einer Lungenheilanstalt in Alland. 1897 wurde Weismayr zum Direktor und Chefarzt der im Oktober 1897 eröffneten Heilanstalt ernannt, in der auch der spätere Sozialmediziner Alfred Götzl (1873-1946) als Assistent tätig war. Im selben Jahr veröffentlichte Weismayr den Aufsatz „Die Schweizer Volksheilstätten für Tuberculose“. Weitere Publikationen waren „Zum Verlaufe der croupösen Pneumonie“ und „Die häusliche Behandlung der Lungentuberkulose“. Anlässlich des 1. Internationalen Tuberkulose-Kongresses in Berlin im Jahr 1899 verfasste er den Aufsatz „Der Congress zur Bekämpfung der Tuberculose als Volkskrankheit“.

Weismayr Alexander (1. Reihe, Links): Das interessante Blatt, 4.9.1902, S. 9.

Nach mehreren Jahren in dieser Funktion trat er als Leiter der Heilanstalt zurück, übernahm die Leitung einer Privatheilanstalt in Arco in Trient, gab diese jedoch nach kurzer Zeit wieder auf und kehrte nach Wien zurück. 1906 wurde er zum Vorstand der II. medizinischen Abteilung im Kaiserin-Elisabeth-Spital berufen.[3]

Volksbildner

Weismayr hielt im Rahmen des Wiener Volksbildungsvereines Vorträge zur Tuberkulose, darunter 1894 zur „Die klimatische Behandlung der Tuberkulose“.[4]

Weismayr war als Redakteur bei der Wiener klinischen Rundschau tätig, er gehörte der Gesellschaft der Ärzte in Wien an und nahm 1900 am 2. Österreichischen Balneologen-Kongress in Triest teil.[5] Weiters war er Träger und Ritter des sächsisch-ernestinischen Hausordens.

Alexander Weismayr verstarb am 10. März 1907 in Wien.[6]

Quellen:

Taufbuch, Erzdiözese Wien, 08, Alservorstadtpfarre, Taufbuch 01-32, 1867, Folio 450, Weismayr Alexander.

UAW, Rektoratsarchive, Akademischer Senat, Akten-Sonderreihe, S 304 Personalblätter, Senat S 304.1354 Weismayr, Alexander Ritter von.

Friedhofsdatenbank der Gemeinde Wien, Weismayr Alexander.

Literatur:

Weismayr, Alexander von: Die medikamentöse und symptomatische Behandlung der Lungentuberkulose. Sonderdruck aus: Klinisch-therapeutische Wochenschrift. Wien: 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1543]

Weismayr, Alexander von: Zur Klinik der primären Neoplasmen der Pleura. In: Klinische Medizin und Chirurgie. Wien, Leipzig: Braumüller 1897.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: K-1511/17]

Weismayr, Alexander von: Die Lungenschwindsucht. Ihre Verhütung, Behandlung und Heilung, in gemeinverständlicher Weise dargestellt. Wien: Braumüller 1901.

[Universitätsbibliothek MedUni Wien/Magazin Eben04, Sign.: 2018-05319]

Weismayr, Alexander von: Das Exalgin als schmerzstillendes Mittel. Aus der medicinischen Klinik des Herrn Prof. von Schrötter. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1893.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Ein Fall von Stenose der Carotis und Subclavia. Aus der medicinischen Klinik des Herrn Professor v. Schrötter. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Eine noch nicht beobachtete Complication des Scleroms der Luftwege. Aus der III. medicin. Klinik des Herrn Hofrath von Schrötter. Sonderdruck aus: Monatsschrift für Ohrenheilkunde sowie Kehlkopf-, Nasen-, Rachenkrankheiten. Berlin: Druck von Maischner & Stephan 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Ein Beitrag zum Verlauf des tuberculösen Pneumothorax. Aus der III. medizinischen Klinik des Herrn Prof. v. Schrötter. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Tuberculose bei Herzfehlern. Aus der III. medicinischen Klinik des Herrn Prof. v. Schrötter. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Die Schweizer Volksheilstätten für Tuberculose. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1897.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Zum Verlaufe der croupösen Pneumonie. Sonderdruck aus: Zeitschrift für klinische Medizin. Berlin: Gedruckt bei L. Schumacher 1897.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Die häusliche Behandlung der Lungentuberkulose. Sonderdruck aus: Die Krankenpflege- Monatsschrift für die gesamten Zweige der Krankenhauspflege und Krankenhausbehandlung in Wissenschaft und Praxis. Berlin: Verlag von Georg Reimer 1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Weismayr, Alexander von: Der Congress zur Bekämpfung der Tuberculose als Volkskrankheit. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1899.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1891, Sp. 1020.

[2] Wiener Zeitung, 2.10.1898, S. 8.

[3] Wiener Zeitung, 23.9.1906, S. 4.

[4] Wiener Zeitung, 13.11.1894, S. 8.

[5] Neue Freie Presse, 29.3.1900, S. 5.

[6] Wiener Kommunal-Kalender und Städtisches Jahrbuch 1908, Wen 1908, S. 704.

Normdaten (Person): Weismayr, Alexander : BBL: ; GND:

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BBL:  47050 (30.06.2025)
URL: https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=47050

Letzte Aktualisierung: 2025.06.30

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