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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [388]: Bernert, Richard – Mitarbeiter an der II. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien und Militärarzt an der IV. internen Abteilung im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien

Bernert, Richard – Mitarbeiter an der II. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien und Militärarzt an der IV. internen Abteilung im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 26.08.2026

Keywords: Allgemeines Krankenhaus Wien, Militärarzt, Garnisonsspital Nr. 1, Medizingeschichte, Wien

Richard Bernert wurde am 24. Oktober 1870 als Sohn des Schneidermeisters Johann Bernert und dessen Ehefrau Maria Francisca, geborene Winternitz, in Wien geboren.

Nach dem Besuch des Gymnasiums an der k.k. Thersianischen Akademie in Wien, wo er 1889 die Matura ablegte, studierte Bernert an der Universität Wien Medizin. Am 28. Februar 1896 promovierte er zum Doktor der gesamten Heilkunde. Bereits während des Studiums interessierte er sich für medizinische Chemie. 1892 wurde er zum Demonstrator am Institut für angewandte medizinische Chemie der Universität Wien unter dessen Vorstand Ernst Ludwig (1842-1915) bestellt, wo er bis April 1895 tätig war. Daneben trat er 1893 als Hospitant in die II. medizinischen Klinik unter Edmund Neusser (1852-1912) ein, der er – mit Unterbrechungen durch Studienaufenthalte im Ausland – bis 1899 angehörte. An der Klinik verfasste er gemeinsam mit Karl Stejskal (1872-1945) die Arbeit „Ein Beitrag zur Frage nach dem minimalen Stickstoffumsatz bei perniciöser Anämie“.

Seite Tätigkeit an der Universität Wien unterbrach er durch mehrere Studienaufenthalte im Ausland. 1896/97 arbeitete er am I. chemischen Universitätslaboratorium in Heidelberg bei Professor Viktor Meyer (1848-1897) sowie an der Medizinischen Universitätsklinik in Heidelberg unter Wilhelm Heinrich Erb (1840–1921). 1897/98 war er an der von Bernhard Naunyn (1839-1925) geleiteten Medizinische Klinik der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg tätig, wo er unter der Leitung des Privatdozenten Dietrich Gerhardt (1866-1921) klinische Arbeiten durchführte. Am physiologisch-chemischen Institut der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg befasste er sich unter Franz Hofmeister (1850–1922) mit Eiweißchemie. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlichte er in der Hoppe-Sayler‘s Zeitschrift für physiologische Chemie unter dem Titel „Ueber Oxydation von Eiweiss mit Kaliumpermanganat“.[1]

Im Oktober 1899 erfolgte seine Ernennung zum Assistenten an der II. medizinischen Klinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Diese Stellung behielt er bis zum Jahr 1902. Daneben führte er Arztpraxis in Wien 4, Favoritenstraße 22.[2]

Militärarzt im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien

Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde Bernert im November 1896 dem Garnisonsspital Nr. 1 zugewiesen.[3] 1902 wurde er im landwehr-ärztlichen Offizierskorps zum Oberarzt beim Landwehrinfanterieregiment Wien Nr. 1 ernannt. Zuvor hatte er dem nichtaktiven Stand der Landwehr bei der Division der berittenen Tiroler Landschützen angehört.[4]

Im Oktober 1902 verließ er die die II. medizinische Klinik und trat als Berufsmilitärarzt in das k.k. landwehrärztliche Offizierskorps ein. Vom 1. Oktober 1903 bis 1. Oktober 1904 war er der von Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) geleiteten Psychiatrischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus Wien zugeteilt.

Am 1. Oktober 1905 wurde Bernert dem Garnisonsspital Nr. 1 zugeteilt und arbeitete zunächst als Sekundararzt an der unter der Leitung von Alois Pick (1859-1945) stehenden IV. internen Abteilung. Im selben Jahr wurde er zum Regimentsarzt ernannt.[5] 1906 erfolgte seine formelle Transferierung vom Landwehr-Infanterieregiment Wien Nr. 1 in den Aktivstand des k.u.k. militärärztlichen Offizierskorps.[6]

In dieser Zeit publizierte Bernert eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten, darunter 1904 „Zur Kasuistik der Claudication intermittente“,[7] 1909 „Ueber das Vorkommen von Aortenaneurysmen im jugendlichen Alter und nach akutem Gelenkrheumatismus“ und „Beitrag zur multiplen posttyphösen Periostitis“, sowie 1910 „Zur Klinik des Pericarditis exsudativa“.[8]

Am 1. Oktober 1910 übernahm Bernert als Chefarzt die Leitung der IV. internen Abteilung des Garnisonsspitals Nr. 1 in Wien.

Bernert war langjähriger Mitarbeiter der Wiener klinischen Rundschau und seit 1899 Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.[9]

Richard Bernert verstarb am 15. November 1910 in Wien. Einen Nekrolog verfasste seine ehemaliger Vorgesetzter Alois Pick für die Zeitschrift Der Militärarzt.[10]

Quellen:

Rk Erzdiözese Wien, 04 Wieden (Paulaner-Kirche), Taufbuch 01-26, Folio 137, 1870, Bernert Richard.

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-40b, Bernert Richard (Rigorosum Datum: 1892).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 188-451, Bernert Richard (Promotion Datum: 28.2.1896).

Literatur:

Bernert, Richard und Karl Stejskal: Ein Beitrag zur Frage nach dem minimalen Stickstoffumsatz bei perniciöser Anämie. Aus der II. medicinischen Klinik in Wien (Hofrat Prof. Neusser). Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. O.O.: Springer o.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Bernert, Richard: Ueber das Vorkommen von Aortenaneurysmen im jugendlichen Alter und nach akutem Gelenkrheumatismus. Aus der Abteilung für innere Krankheiten des O.-S.-A. Prof. Dr. A. Pick. Sonderdruck aus: Zeitschrift für klinische Medizin. Berlin: Verlag von August Hirschwald [1909].

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Bernert, Richard: Beitrag zur multiplen posttyphösen Periostitis. Aus der internen Abteilung des k. und k. Garnisonsspitales Nr. 1 in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Rundschau. Wien: Verlag der „Wiener klinischen Rundschau“ 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Zeitschrift für physiologische Chemie, Band 26, 1898/99, S. 272-307.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1899, Sp. 1558.

[3] Wiener Zeitung, 18.11.1896, S. 1.

[4] Wiener Zeitung, 30.9.1902, S. 2.

[5] Neue Freie Presse, 2.5.1905, S. 17.

[6] Wiener Zeitung, 28.12.1906, S. 1.

[7] Wiener klinische Rundschau, Nr. 41, 1904, S. 739-741; Nr. 42, 1904. S. 758-760; Nr. 43, 1904, S. 776-779.

[8] Medizinische Klinik, Beiheft Nr. 4, 1910, S. 97-128

[9] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 13, 1899, S. 359.

[10] Der Militärarzt, Nr. 22, 1910, Sp. 270.

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Letzte Aktualisierung: 2026.08.26

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [387]: Prager, Karl – Ober-Polizeiarzt in Wien Ottakring und Margareten

Prager, Karl – Ober-Polizeiarzt in Wien Ottakring und Margareten

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 24.08.2026

Keywords: Polizeiarzt, Augenarzt, Krankenhaus Wieden, Polizeidirektion Wien, Medizingeschichte, Wien

Karl Prager wurde am 7. September 1863 als Sohn von Ignatz Isak Prager (1823-1873) und Marie Prager (1836-1913), geborene Landesmann, in Mährisch-Budwitz (heute: Moravské Budějovice/Tschechien) in Mähren geboren. 1901 heiratete er Louise Strach (1879-27. Juni 1940 Wien) mit der er gemeinsam die beiden Kinder Marianne Prager (1902-1982) und Guido Prager (1905-1979) hatte.

Prager studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 28. Juni 1888 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Im August 1888 wurde er nach der Ableistung seines Militärdienstes dem Garnisonsspital Nr. 1 in Wien zugewiesen.[1] 1889 eröffnete er an seinem Wohnort in Wien 10, Favoritenstraße 32, eine private Arztpraxis. Später war er in Wien 5, Margaretenstraße 80, wohnhaft.

Nach seinem Studium arbeitete Prager als Sekundararzt an der unter der Leitung des Primarius Hans Adler (1843-1923) stehenden Augenabteilung am k.k. Krankenhaus Wieden. Hier veröffentlichte er 1892 „Ein Fall von Cystircercus cellulosae in der vorderen Augenkammer“.

Während des Ersten Weltkrieges gehörte Prager dem landwehrärztlichen Offizierskorps in Evidenz an und wurde im Oktober 1914 zum Regimentsarzt ernannt.[2]

Polizeiarzt in Wien

Im Frühjahr 1893 wurde Prager vom niederösterreichischen Satthalter Graf Erich von Kielmansegg (1847-1923) zum Polizei-Assistenzarzt der k.k. Polizeidirektion Wien ernannt.[3] Zunächst war er der Polizeidienststelle im Bezirk Ottakring zugeteilt. Um 1902/03 wurde er in den Bezirk Margareten versetzt, wo auch Gustav Adler (1857-1928) als Polizeibezirksarzt seinen Dienst versah. 1905 erfolgte Pragers Ernennung zum Bezirksarzt.[4] 1912 wurde er zum Polizei-Oberbezirksarzt ernannt.[5] 1920 erhielt er den Titel eines Regierungsrates.[6] Anlässlich seiner Versetzung in den Ruhestand wurde ihm 1923 der Titel eines Hofrates verliehen.[7]

Karl Prager verstarb am 2. Juni 1924 in Wien. Seine Familie wurde nach dem „Anschluss“ im März 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt.

Prager Karl: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 3.6.1924, S. 19.

Quellen:

Matriken der IKG Wien: Trauungsbuch 1901, Prager Karl, Strach Louise.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0194, Prager Karl (Nationalien Datum: 1882/83).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-296a, Prager Karl (Rigorosum Datum: 1886).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-2298, Prager Karl (Promotion Datum: 28.6.1888).

Literatur:

Prager, Karl: Ein Fall von Cystircercus cellulosae in der vorderen Augenkammer. Von der Augenabtheilung des Primarius Dr. Hans Adler. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Alfred Hölder, k.k. Hof u. Universitäts-Buchhändler 1892.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Österreichischer Soldatenfreund, 3.8.1888, S. 442.

[2] Der Militärarzt, Nr. 26, 1914, Sp. 503.

[3] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 4.4.1893, S. 154.

[4] Die Zeit, 30.6.1905, S. 4.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 25, 1912, Sp. 1718.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1920, Sp. 1063.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 15, 1923, Sp. 719.

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Letzte Aktualisierung: 2026.08.24

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [386]: Karg, Michael – Leiter und Primararzt des Wiener Waisenhauses

Karg, Michael – Leiter und Primararzt des Wiener Waisenhauses

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.08.2026

Keywords: Kinderarzt, Wiener Waisenhaus, Frauen-Wohltätigkeits-Verein für Wien und Umgebung, Medizingeschichte, Wien

Michael Karg wurde am 30. September 1811 in Nikolsburg in Mähren (heute: Mikulov/Tschechien) geboren.

Karg studierte an der Universität Wien Medizin. Am 19. Dezember 1836 wurde er zum Dokter der Medizin promovierte und erwarb den Grad eines Magisters der Geburtshilfe. Am 4. August 1839 folgte die Promotion zum Doktor der Chirurgie.

Anschließend war er als Privatarzt in Wien tätig, zunächst in Breitenfeld, Andreasgasse 15, danach in St. Ulrich, Neue Schottengasse Nr. 130.

K.k. Wiener Waisenhaus am Alsergrund

1851 wurde Karg zum Hausarzt und Ordinarius des k.k. Wiener Waisenhauses ernannt. Die 1742 gegründete Anstalt war 1785 unter Kaiser Joseph II (1741-1790) vom Rennweg in die Carlgasse Nr. 259-262 in der Alservorstadt verlegt worden.[1] Karg wohnte auch im Anstaltsgebäude.

1864 legte er dem Wiener Doktoren-Kollegium einen Entwurf zur Organisation der Waisenhäuser in sanitätspolizeilicher Hinsicht vor. [2] Seit etwa 1854 war er außerdem im Sanitäts-Department der niederösterreichischen Statthalterei in Verwendung. 1867 erhielt er den Titel eines Primararztes am Waisenhaus.[3]

Von Karg sind mehrere medizinische Veröffentlichungen überliefert. Dazu gehört die 1854 in der Wiener medizinischen Wochenschrift erschienene Artikelserie „Rückblick auf die Krankenbewegung in den niederösterreichischen Kranken- und Humanitätsanstalten im Jahre 1853“.[4] Im folgenden Jahr veröffentlichte er die „Darstellung der Masernepidemie unter den Zöglingen des k.k. Waisenhauses in den Monaten Jänner, Februar und März 1855“.[5]

1866 publizierte er die Schrift „Über Meningitis cerebro-spinalis und die Priorität ihrer Beobachtung im k.k. Waisenhaus für Knaben in Wien im Jahr 1863“. 1870 erschien in der Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte zu Wien sein „Hauptbericht über die vom 12. April bis Ende Mai 1869 unter den Zöglingen des k.k. Waisenhauses bestandenen Masernepidemie“.[6]

Im Anschluss an den Deutschen Krieg von 1866 wurde Karg 1867 mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Klasse ausgezeichnet.[7]

Frauen-Wohltätigkeits-Verein für Wien und Umgebung im Zweigverein Wien Rossau

Seit etwa 1851/52 war Karg als Vereinsarzt des Rossauer Zweigvereins des Frauen-Wohltätigkeits-Vereins für Wien und Umgebung tätig.[8]

Zentralverein für Kostkinder-Beaufsichtigung und Krippen

Spätestens seit 1858 gehörte Karg dem Zentralverein für Kostkinder-Beaufsichtigung und Krippen an. In dem im Jahr 1854 gegründeten Zweigverein in Lichtenthal, einem sozialen Brennpunkt im heutigen neunten Wiener Gemeindebezirks während der beginnenden Industrialisierung Wiens, wirkte er als Hausarzt beziehungsweise „besuchender Arzt“.[9]

Michael Karg verstarb am 1. August 1884 in Wien.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-115a, Karg Michael (Rigorosum Datum 1836).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 175-852, Karg Michael (Promotion Datum 19.12.1836).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 175-141, Karg Michael (Promotion/Chirurgie Datum 4.8.1839).

Rk-Erzdiözese Wien, Sterbebuch 09 Rossau, Sign. 03-09, 1.8.1884, Karg Michael

Literatur:

Karg, Michael: Ueber Meningitis cerebro-spinalis und die Priorität ihrer Beobachtung im k.k. Waisenhause für Knaben in Wien im Jahre 1863. Sonderdruck aus: Zeitschrift der k.k. Ärzte zu Wien. Wien: Druck von Carl Ueberreuter 1866.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 1, 1851, Sp. 16.

[2] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 7.6.1864, S. 181.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1867, Sp. 303.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 37, 1854, Sp. 587-589; Nr. 38, 1854, Sp. 605-606; Nr. 39, 1854, Sp. 622-623.

[5] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Nr. 35, 1855, S. 559-562; Nr. 36, 1855, S. 578-583.

[6] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Nr. 35 1870, S. 347-351; Nr. 36, 1870, 354-360; Nr. 37, 1870, S. 362-368.

[7] Die Presse, 2.3.1867, S. 14.

[8] Jahresbericht des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines für Wien und Umgebung, Wien 1852, S. 10.

[9] Krippenkalender für das Jahr 1858. Jahrbuch für Frauen und Mütter, Wien 1858, S. 32.

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Letzte Aktualisierung: 2026.08.17

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [383]: Weinstein, Nathan – Städtischer Armenarzt in Wien Leopoldstadt und der Brigittenau

Weinstein, Nathan – Städtischer Armenarzt in Wien Leopoldstadt und der Brigittenau

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 06.08.2026

Keywords: Armenarzt, Städtische Bürger-Versorgungsanstalt, Medizingeschichte, Wien

Nathan Weinstein wurde am 2. März 1858 in Wien als Sohn des aus Ratzersdorf in Ungarn (ungarisch Recse, heute Raca, ein Stadtteil von Bratislava) stammenden Schächters und Beamten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Julius Weinstein (1821-1895) und dessen Ehefrau Rosalie (1827-1901), geborene Kurzweil, geboren. Seit 1893 war er mit der aus Krakau in Galizien stammenden Regine Rebekka Rittermann (1872-1952) verheiratet.

Weinstein studierte an der Universität Wien Medizin und wurde am 18. Februar 1882 promoviert. Im selben Jahr veröffentlichte er den Aufsatz „Zur Kasuistik der Hirntumoren“, der aus der von Anton Drasche (1826-1904) geleiteten Krankenabteilung des Allgemeinen Krankenhauses hervorging.

Im Herbst 1882 trat Weinstein als Einjährig-Freiwilliger in den militärärztlichen Dienst ein.[1] Im November 1883 wurde er als Assistenzarzt der Reserve dem Garnisonsspital Nr. 1 zugewiesen[2] und im Dezember desselben Jahres zum Oberarzt des Feldjägerbataillons Nr. 3 ernannt.[3] Danach gehörte er als nichtaktiver Oberarzt der k.k. Landwehr zunächst dem galizischen Landwehr-Infanterie-Bataillon Stryj und danach dem galizischen Landwehr-Infanterie-Bataillon Nr. 65 in Kolomea an.[4] Zuletzt war er dem Landwehr-Infanterie-Bataillon Korneuburg Nr. 2 zugeteilt.

Nach seinem Studienabschluss führte Weinstein eine private Ordination, zunächst in der elterlichen Wohnung in Wien 2, Antonsgasse 30. Danach ordinierte er in Wien 9, Alser Straße 4, und später an mehreren Adressen in der Brigittenau: Wallensteinstraße 50, 18, Nr. 20 und Nr. 56. Ab etwa 1893 befand sich seine Ordination in der Rauscherstraße 16, ab etwa 1895 wieder in der Wallensteinstraße 56 und ab etwa 1902 auf Nr. 52.

Armenarzt in der Leopoldstadt und der Brigittenau sowie Hilfsarzt im der Städtischen Bürger-Versorgungsanstalt

Ab zirka 1888 war Weinstein als Hilfsarzt in der Städtischen Bürger-Versorgungsanstalt in Wien 9, Spitalgasse 23, tätig.[5] Daneben arbeitete er als städtischer Armenarzt der Gemeinde Wien in der Leopoldstadt beziehungsweise im Bezirksteil Zwischenbrücken.[6] Im Jahr 1892 übertrug ihm der Wiener Gemeinderat zusätzlich eine Armenarztstelle in der Brigittenau.[7]

In den 1880er und 1890er Jahren war Weinstein außerdem als Arzt der Kranken-Unterstützungs-Abteilung des Wiener kaufmännischen Vereins tätig. Im Jahr 1926 erhielt er den Titel eines Medizinalrates.[8]

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit engagierte sich Weinstein im Israelitischen Bethaus-Verein Brigittenau.[9] Er gehörte dessen Vorstand an und ist 1898 als Bethausverwalter nachgewiesen. Obmann des Vereins war Hermann Ellbogen. Der Verein betrieb die Errichtung des späteren Brigittenauer Tempels in der Kluckygasse 11, der 1900 eingeweiht wurde.

Weinstein gehörte zum Bekanntenkreis des Mediziners und Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862-1931). Vermutlich nahm er auch an der sogenannten Riedhof-Runde teil, einem geselligen Kreis von Wiener Ärzten und Angehörigen des akademischen Milieus.

Nathan Weinstein verstarb am 13. Oktober 1927 in Wien

Todesanzeige, Nathan Weinstein: Neue Freie Presse, Neue Freie Presse, 14.10.1927, S. 17.

Quellen:

Matriken der IKG, Heiratsbuch 1893.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0142, Weinstein Nathan (Nationalien Datum: 1878/79).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-433b, Weinstein Nathan (Rigorosum Datum: 1879).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-1309, Weinstein Nathan (Promotion Datum: 18.2.1882).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Weinstein Nathan.

Literatur:

Weinstein, Nathan: Zur Kasuistik der Hirntumoren. K.k. allgemeines Krankenhaus, Abtheilung des Prof. Drasche in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von G. Gistel & Cie. 1882.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Neue Freie Presse, 22.9.1882, S. 19.

[2] Fremdenblatt, 17.11.1883, S. 15.

[3] Wiener Zeitung, 1.12.1883, S. 1.

[4] Österreichischer Soldatenfreund, 24.1.1888, S. 6.

[5] Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1888, S. 1380.

[6] Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1895, S. 130.

[7] Amtsblatt der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Nr. 78, 4.10.1892, S. 2384.

[8] Illustrierte Kronen-Zeitung, 25.12.1926, S. 7.

[9] Die Neuzeit, 7.1.1898, S. 9.

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Letzte Aktualisierung: 2026.09.06

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [374]: Welponer, Egidio – Gynäkologe, Assistenzarzt an der III. geburtshilflichen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Gründer des Sanatorio Triestino in Triest

Welponer, Egidio – Gynäkologe, Assistenzarzt an der III. geburtshilflichen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Gründer des Sanatorio Triestino in Triest

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 06.07.2026

Keywords: Gynäkologe, Hebammen-Klinik, III. geburtshilflichen Klinik, Allgemeinen Krankenhaus Wien, Sanatorio Triestino, Medizingeschichte, Wien, Triest

Egidio (Egid) Welponer wurde am 26. November 1848 in Triest im österreichischen Küstenland (heute: Italien) geboren. Er war mit Laura Braun von Fernwald (1857-), einer Tochter des Gynäkologen Carl Braun von Fernwald (1822-1891), Professors an der I. Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Welponer studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 2. Juli 1873. Anschließend leistete er als Reserve-Oberarzt seinen Militärdienst ab,[1] und eröffnete in Wien 9, Alserstraße 4, eine Privatpraxis. Nach seiner Promotion trat Welponer in die von Gustav August Braun (1829–1911), dem jüngeren Bruder Carl Braun von Fernwalds, geleitete Hebammenklinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien ein. Nach deren Umbenennung in die III. Geburtshilfliche Klinik war er dort seit etwa 1875 bis zu seiner Berufung nach Triest im April 1881 als Assistent von Braun tätig. Während dieser Zeit veröffentlichte er mehrere wissenschaftliche Arbeiten, darunter „Beitrag zur Schatz’schen Umwandlung von Gesichtslage zu Hinterhauptslage durch äussere Handgriffe“, „Klinischer Bericht der geburtshilflichen Klinik des Prof. Gustav Braun für das Jahr 1874“, „Ueber die Anwendung der Induktions-Elektrizität zur Einleitung der künstlichen Frühgeburt“, „Zur Pilocarpinfrage bezüglich der Einleitung der künstlichen Frühgeburt“ sowie „Exstirpation beider Ovarien wegen Hystero-Epilepsie. Heilung“.[2] Neben seiner Tätigkeit an der Klinik hielt er Vorträge vor dem Unterstützungsverein für Hebammen.

Hebammen-Lehranstalt in Triest

Im Jahr 1896 gründete er gemeinsam mit dem aus Triest stammenden Chirurgen Theodor Escher das 1897 eröffnete Sanatorio Triestino, eine angesehene Privatklinik für Chirurgie und Gynäkologie. Von 1905 bis 1908 stand er als Präsident der Associazione Medica Triestina an der Spitze der Triester Ärzteschaft.

Im April 1881 wurde Welponer zum Professor der Geburtshilfe an der Hebammen-Lehranstalt in Triest ernannt;[3] seit 1892 gehörte er dem Landes-Sanitätsrat des österreichischen Küstenlandes an.[4]

Welponer wirkte an der Herausgabe des „Centralblatt für die gesammte Therapie“ mit und war Mitglied des Triester Zweigvereins der k.k. Gesellschaft zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten.[5] 1906 wurde ihm der Titel eines Regierungsrates verliehen.[6]

Egidio Welponer verstarb am 19. Juli 1933 in Triest.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-428a, Welponer Egid (Rigorosum Datum: 1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-44, Welponer Egid (Promotion Datum: 2.7.1873).

Literatur:

Welponer, Egidio: Beitrag zur Schatz’schen Umwandlung von Gesichtslage zu Hinterhauptslage durch äussere Handgriffe. Sonderdruck aus: Archiv für Gynäkologie. Berlin: Verlag von August Hirschwald 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Welponer, Egidio: Klinischer Bericht der geburtshilflichen Klinik des Prof. Gustav Braun für das Jahr 1874. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Welponer, Egidio: Ueber die Anwendung der Induktions-Elektrizität zur Einleitung der künstlichen Frühgeburt. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Welponer, Egidio: Zur Pilocarpinfrage bezüglich der Einleitung der künstlichen Frühgeburt. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: bei L.W. Seidl & Sohn 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Der Militärarzt, Nr. 18, 1873, Sp. 140.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr.30, 1879, Sp.803-806.

[3] Wiener Zeitung, 13.4.1881, S. 8.

[4] Rundschau. Wochenschrift für die Interessen der Pharmazie, Chemie, Hygiene und der verwandten Fächer, 1892, S. 434.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr.28, 1914, Sp. 1610.

[6] Wiener Zeitung, 4.9.1906, S. 1.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [373]: Nather, Karl – Chirurg an der I. chirurgischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Leiter der chirurgischen Abteilung am Städtischen Krankenhaus in St. Pölten

Nather, Karl – Chirurg an der I. chirurgischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Leiter der chirurgischen Abteilung am Städtischen Krankenhaus in St. Pölten

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 24.06.2026

Keywords: Chirurg, Krebsforscher, I. chirurgischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus, Städtische Krankenhaus St. Pölten, Medizingeschichte, Wien, St. Pölten

Karl Wilhelm Nather wurde am 1. April 1893 als Sohn von Karl Nather und Maria, geborene Kiesler, in Wien geboren. Seit 1927 war er verheiratet.

Nather studierte Medizin an der Universität Wien und promovierte am 31. Jänner 1919. Danach führte er eine private Arztpraxis in Wien III., Erdbergstraße 21,[1] und arbeitete an der I. Chirurgischen Universitätsklinik bei Anton Eiselsberg (1860-1939). Aus dieser Zeit stammt die gemeinsam mit Viktor Orator (1894-1954) 1922 verfasste Arbeit „Refraktometrische Serumuntersuchungen über Krebskrankheit und Disposition“.

Chirurgische Klinik der Universität Zürich

Seit 1922 war Nather Assistent des österreichischen Chirurgen Paul Clairmont (1875-1942) an der Chirurgischen Universitätsklinik Zürich. Während seines Aufenthalts in Zürich beschäftigte er sich insbesondere mit modernen Methoden der Bluttransfusion, die er nach seiner Rückkehr nach Wien weiter propagierte. Gemeinsam mit anderen Medizinern der Klinik veröffentlichte er eine Reihe von Studien, darunter mit dem amerikanischen Chirurgen Alton Ochsner (1896-1981) die Arbeit „Die Bluttransfusion nach Percy“[2], „Erfahrungen mit der Bluttransfusion nach Percy: Untersuchungen über die hämostatische Wirkung der Bluttransfusion“[3] sowie „Der Douglasabszess im Gefolge der geschlossenen Peritonitisbehandlung“.[4] Gemeinsam mit Max Meyer publizierte er „Refraktometrische Serumuntersuchungen über Krebskrankheit und Disposition“[5]. Weiters veröffentlichte er 1923 die Arbeit „Meningitis posttraumatica oder suburales Hämatom?“.[6]

  1. Chirurgische Klinik im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Nach seiner Rückkehr nach Wien nahm er seine Tätigkeit als Assistent von Anton Eiselsberg wieder auf. In Wien setzte er sich für die Verbreitung moderner Bluttransfusionsmethoden ein, mit denen er während seiner Assistentenzeit in Zürich vertraut geworden war. Neben seiner klinischen Tätigkeit hielt er im Rahmen des Fortbildungskurses der Wiener medizinischen Fakultät Vorträge u.a. zu Themen wie „Über Bluttransfusion“.[7] Im April 1925 veröffentlichte er im Neuen Wiener Tagblatt den Artikel „Die Bedeutung der Bluttransfusion“.[8] Im selben Jahr unternahm er eine Studienreise nach London; darüber entstand die Arbeit „Ueber die neueste Krebsforschung in London: Bericht über eine Studienreise“.

1926 erschienen die gemeinsam von ihm mit dem Chirurgen Johann (Hans) Schnitzler (1895-1967) – Neffe des Schriftstellers und ebenfalls Arztes Arthur Schnitzler (1862-1931) – verfassten Arbeiten „Experimentelle Untersuchungen zur Frage des Teercarcinoms“, „Zum Problem der Krebsmetastasen“, und „Immunisierungsversuche beim Mäusekrebs“. Im selben Jahr veröffentlichte Nather die Darstellung „Der heutige Stand der Bluttransfusion“.[9] In einem Vortrag vor der Wiener Gewerkschaftskommission warb er für die Bluttransfusion und schlug die Einrichtung einer Blutspenderorganisation vor.[10]

Nachdem sein Assistentenvertrag an der I. Chirurgischen Universitätsklinik im Jänner 1927 nicht verlängert worden war, erhob Nather beim Bundesministerium für Unterricht Beschwerde gegen seine Nichtweiterbestellung. In diesem Zusammenhang machte er geltend, dass gegen ihn von anderen Assistenten das Gerücht einer Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei verbreitet worden sei. Die Nichtverlängerung seines Vertrages wurde jedoch vom Ministerium bestätigt; eine dagegen eingebrachte Beschwerde wies der Verfassungsgerichtshof im März 1928 ab.[11]

Städtisches Krankenhaus in St. Pölten

Seit Juli 1927 war Nather Leiter der chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses in St. Pölten.

Nather war Mitglied der Gesellschaft für Tuberkuloseforschung, der Gesellschaft der Ärzte in Wien, sowie der Freien Vereinigung der Chirurgen Wiens.

Karl Nather verstarb am 15. Juli 1932 bei einem Flugzeugabsturz in Salzburg.

Illustrierte Kronen Zeitung, 4.8.1932, S. 7.

Quellen:

Erzdiözese Wien, Rk, 03, Erdberg, St. Peter und Paul, 1893, Taufbuch, 32, Folio 66, Nather Karl Wilhelm.

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0510, Nather Karl (Rigorosum Datum: 28.1.1919).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 191-1468, Nather Karl (Promotion Datum: 31.1.1919).

Friedhofsdatenbank: Bestattung: 19.7.1932 Zentralfriedhof

Literatur:

Nather, Karl und Viktor Orator: Refraktometrische Serumuntersuchungen über Krebskrankheit und Disposition. Aus der I. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. A. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Mitteilungen aus den Grenzgebieten der Medizin und Chirurgie. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1922.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl: Ueber die neueste Krebsforschung in London. Bericht über eine Studienreise. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl und Hans Schnitzler: Experimentelle Untersuchungen zur Frage des Teercarcinoms. Aus der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik Wien (Vorstand: Prof. Dr. A. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin. Berlin: Verlag von Julius Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl und Hans Schnitzler: Zum Problem der Krebsmetastasen. Aus der I. Chrirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. E. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl und Hans Schnitzler: Immunisierungsversuche beim Mäusekrebs. Aus der I. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. E. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1919, Sp. 960.

[2] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 36, 1923, S. 687-692.

[3] Archiv für klinische Chirurgie 132, 1924, S. 420-469.

[4] Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 188, 1924, S. 124–149.

[5] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 22, 1922, S. 382-384.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 6, 1923, Sp. 282-288.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 38, 1925, Sp. 2137.

[8] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 11.4.1925, S. 8.

[9] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 37, 1926, S. 203.

[10] Arbeiter-Zeitung, 11.2.1927, S. 7.

[11] Neues Wiener Journal, 24.3.1928, S. 12.

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Letzte Aktualisierung: 2026.06.24

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [363]: Szamek, Leo – Frauenarzt, stellvertretender Direktor am Frauenkranken-Institut „Charite“, NS-Verfolgter

Szamek, Leo – Frauenarzt, stellvertretender Direktor am Frauenkranken-Institut „Charite“, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 12.03,2026

Keywords: Frauenarzt, Gynäkologe, Frauenkranken-Institut „Charite“, Medizingeschichte, Wien, New York. NS-Verfolgter

Leo Michael Szamek wurde am 7. März 1884 in Wien als Sohn des Weinhändlers Michael Szamek (1855-1928) und Rosa Szamek (1853-1886), geborene Singer, geboren. 1912 heiratete er die aus Temesvár (heute: Timișoara/Rumänien) stammende Barbara Boriska Stein. Aus der Ehe ging die Tochter Alice Rosa (1913-1987), verheiratete Babb, hervor. 1932 wurde die Ehe geschieden.

Szamek begann im Wintersemester 1902/03 mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien und promovierte am 1. Juni 1908 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Danach arbeitete er als Assistent an der Kuranstalt Gutenbrunn bei Baden in Niederösterreich.[1] Vor dem Ersten Weltkrieg führte er eine private Arztpraxis an mehreren Standorten in Wien (Wien 9, Hörlgasse 10, Wien 1, Sterngasse 1, Wien 9, Bleichergasse 18, Wien 1, Elisabethstraße 1).

Schiffsarzt auf der „Silesia“ und „Bregenz“

Im Dienst des Österreichischen Lloyd unternahm er als Schiffsarzt zwischen April 1909 und Mai 1910 zwei Reisen mit den Dampfern „Silesia“ und „Bregenz“ nach Bombay (Indien).

Im Mai 1914 erfolgte seine Ernennung zum Oberarzt der Reserve.[2] Während des Ersten Weltkrieges war er einer Krankenhaltungsstation an der nordöstlichen Front zugeteilt. 1916 erhielt er eine Anerkennung für „vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung“[3] und wurde noch im selben Jahr zum Regimentsarzt befördert.[4] 1917 wurde ihm das Offiziersehrenzeichen vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration verliehen.[5]

Nach seiner Rückkehr aus dem Kriegsdienst nahm er seine Tätigkeit als praktischer Arzt in Wien 2, Praterstraße 33, wieder auf;[6] im September 1919 verlegte er seine Ordination nach Praterstraße 40.[7] Seit 1920 war Szamek Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.[8]

Frauenkranken-Institut „Charite“

Von 1926 bis März 1938 fungierte Szamek neben dem Direktor Josef Weinreb (1877-1942) als stellvertretender ärztlicher Direktor am Frauenkranken-Institut „Charite“ in Wien 2, Zirkusgasse 5a. An dieser Einrichtung arbeiteten u.a. auch Hugo Fasal (1873-1941), Klara Kohn-Liebmann (1896-1994), Koloman Freuder (1883-1946) und der frühere Präsident der Charite, Isidor Fischer (1868-1943), ehrenamtlich mit. Darüber hinaus hielt Szamek Vorträge zu frauenärztlichen Themen, unter anderem vor der Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs (ROhÖ).[9]

Publizistische Arbeiten

In den 1920er Jahren veröffentlichte Szamek mehrere wissenschaftliche Arbeiten, die im Umfeld des Bettina-Stiftungs-Pavillons unter dem Vorstand des Gynäkologen Wilhelm Latzko (1863-1945) sowie dessen Mitarbeiter, dem Dozenten Josef Schiffmann (1879-1944), entstanden. Gemeinsam mit Schiffmann publizierte er 1925 die Studien „Zur Kenntnis und Genese entzündlich-eitriger Veränderungen der Niere nach Ureter-Scheidenfisteln“ und „Ein hypernephroides Sarkom im kleinen Becken“. 1928 erschien seine Arbeit „Über Endometrium in der Tube“.

Konzertsänger, Schriftsteller und Conférencier

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit trat Szamek nach dem Ersten Weltkrieg auch als Konzertsänger auf, unter anderem im Wiener Konzerthaus, wo er beispielsweise 1921 eigene Konzertabende veranstaltete.[10] Er war Mitglied und Sänger im Rossauer Männergesangsverein[11] und vertonte 1928 den vom Vizepräsidenten der Charite, Bruno Jahoda (1880-?), verfassten Liedertexte zum „Neuen Naturfreundelied“.[12]

Darüber hinaus wirkte Szamek im Wiener Schriftstellerverein „Die Scholle“, der von dem Schriftsteller und Journalist Hans Margulies (1889-1960) gegründet worden war, als Gesangskünstler und Conférencier bei literarisch-musikalischen Veranstaltungen mit. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg verfasste er ein Bühnenmanuskript, das er in der Zeitschrift “Der Floh“ veröffentlichte.[13] 1902 schrieb er anlässlich der Allgemeinen Ärzteversammlung vom 13. Dezember 1902 die satirische Dichtung „Frei nach Heinrich Heine: Die Hungrigen und die Satten“,[14] 1909 den Beitrag „Zum Schülerkonzert einer Klavierschule“.[15]

Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde Szamek aufgrund seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Er verlor seine berufliche Stellung und flüchtete 1938 nach Großbritannien und arbeitete während des Krieges in Bombay (Indien) im British Medical Corps.[16]

Im August 1946 heiratete er in Bombay die in Wien geborene und ebenfalls vor den Nationalsozialisten geflohene Anna Emilia Henriette Marstaler (1898-1982). Im Jänner 1949 emigrierte das Ehepaar über Southampton in England mit der Queen Mary in die USA. Zunächst ließen sie sich in Green Springs in Ohio, später in New York nieder. Nach Ablegung der erforderlichen Prüfungen und der Zulassung zum Arztberuf arbeitete Szamek am Brunswick Hospital in Amityville sowie am Lakeside Memorial Hospital. Daneben eröffnete er eine private Fachpraxis für Gynäkologie. 1954 erwarb er die US-Staatsbürgerschaft.

In den USA war er Mitglied der Suffolk County Medical Society, der Medical Society of the State of New York und der American Medical Association.

Leo Szamek starb am 5. März 1967 in Amityville, Suffolk County, New York.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1908, Szamek Leo.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0582, Szamek Leo (Nationalien Datum: 1902/03).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0703, Szamek Leo (Rigorosum Datum: 18.5.1908).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-0771, Szamek Leo (Promotion Datum: 1.6.1908).

United States, Social Security Death Index, Leo Szamek, März 1967; (= U.S. Social Security Administration, Death Master File.

Ohio, Naturalization Records, 1848-1951, Anna Emilia Henriette Szamek, Leo Michael Szamek, 8. März 1950.

United States, Census, 1950, Leo Szamek and Anne Szamek, 10. April 1950.

New York, County Naturalization Records, 1791-1980, Leo M Szamek, 1954.

United States, Deceased Physician File (AMA), 1864-1968, Leo Michael Szamek, 5. März 1967.

New York State Journal of Medicine, 15.6.1967, S. 1786 (Nachruf).

Literatur:

Josef, Schiffmann und Leo Szamek: Zur Kenntnis und Genese entzündlich-eitriger Veränderungen der Niere nach Ureter-Scheidenfisteln. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Manz’sche Buchdruckerei 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schiffmann, Josef und Leo Szamek: Ein hypernephroides Sarkom im kleinen Becken. Sonderdruck aus: Archiv für Gynäkologie. Leipzig: Druck der Spammerschen Buchdruckerei 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Szamek, Leo: Über Endometrium in der Tube. Aus dem Bettina-Stiftungspavillon in Wien (Vorstand: Prof. Dr. Latzko). Sonderdruck aus: Zentralblatt für Gynäkologie. Leipzig: Verlag von Johann Ambrosius Barth 1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek

[1] Medizinische Klinik, 21.3.1909, S. 2.

[2] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 12.5.1914, S. 196.

[3] Fremdenblatt, 18.2.1916, S. 3.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 52, 1916, Sp. 1999.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1917, Sp. 1449.

[6] Neues Wiener Journal, 1.12.1918, S. 9.

[7] Neues Wiener Journal, 29.9.1919, S. 12.

[8] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 12, 1920, S. 260.

[9] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 12.1.1935, S. 10.

[10] Neue Freie Presse, 20.2.1921.

[11] Wiener Morgenzeitung, 3.3.1922, S. 4.

[12] Der Naturfreund, Wien, 1928, S. 45.

[13] Der Floh, Nr. 7, 1908, S. 4; Nr. 24, 1908, S. 3-6; Nr. 25, 1908, S. 3.

[14] Der Floh, Nr. 50, 1902, S. 5.

[15] Der Floh, Nr. 15, 1909, S. 2-3.

[16] Indian trade journal, 15.4.1943, S. 292.

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Letzte Aktualisierung: 2026.03.12

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [362]: Svetlin, Wilhelm – Psychiater, Leiter der Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Mitbegründer der Lungenheilanstalt Alland, Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft

Svetlin, Wilhelm – Psychiater, Leiter der Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Mitbegründer der Lungenheilanstalt Alland, Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 09.03.2026

Keywords: Psychiater, Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Lungenheilanstalt Alland, Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft Medizingeschichte, Wien

Wilhelm Svetlin wurde am 5. Mai 1849 in Wien als Sohn eines Laboranten des Anatomen Josef Hyrtl (1810-1894) geboren. Seit 1889 war er mit Hilda Pauli (1854-1954) verheiratet.[1] Nach dem Besuch des Schottengymnasiums in Wien studierte Svetlin seit dem Wintersemester 1867/68 Medizin an der Universität Wien und promovierte am 9. April 1873 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Bereits als Student verfasste er die Abhandlung „Einige Bemerkungen zur Anatomie der Prostata“, die von seinem Lehrer, dem Physiologen Ernst Wilhelm Brücke (1819-1892), in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse im Dezember 1870 an der Akademie der Wissenschaften vorgelegt wurde.[2]

Niederösterreichische Landes-Irrenanstalt und Wasserheilanstalt Bad Kaltenbrunn

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Svetlin von 1874 bis 1877 als Assistent von Max Leidesdorf (1816-1889) an der Klinik für Psychiatrie der Niederösterreichischen Landes-Irrenanstalt, wo er seine Ausbildung zum Psychiater erhielt[3] und sich insbesondere der Elektrotherapie widmete. Daneben hielt er Vorträge im Psychiatrischen Verein.

Bereits 1874 fungierte er als leitender Arzt in der Wasserheilanstalt Bad Kaltenbrunn in Gainfarn-Vöslau, die zu dieser Zeit vornehmlich von Industriellen und Künstler:innen frequentiert wurde.

Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 16, 1874, Sp.326.

Privatheilanstalt für Gemüthskranke im 3. Wiener Gemeindebezirk – Nervenheilanstalt Dr. Wilhelm Svetlin

1878 übernahm er gemeinsam mit Johann Zimmermann die Leitung der seit 1833 bestehenden und seit 1848 im ehemaligen Rasumowski-Schloss in Wien 3, Erdbergstraße 5-7, existierende Privatheilanstalt für Gemüthskranke. 1880 erhielt er die Konzession für deren Umbau und Modernisierung und führte nach dem Ausscheiden von Johann Zimmermann (1880) die Anstalt alleine weiter. 1883 wurde sie nach Plänen von Eduard Hauser (1840-1915) in der Leonhardgasse 3 neu erbaut. 1884 publizierte er über „Die Privat-Heilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Bericht über deren Geschichte und Thätigkeit, anlässlich des fünfzigjährigen Bestandes und der Übersiedlung in ein neues Anstaltsgebäude“.[4] Seit seiner Übernahme als Direktor und Besitzer der Anstalt trug diese Einrichtung den Namen „Privat-Heilanstalt Dr. Wilhelm Svetlin“. Svetlin verfasste jährlich Tätigkeitsberichte, darunter „Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien“.

Deutsch-Englischer-Reise-Courier, Nr. 5, 1914, S. 3.

Der Humorist, 5.6.1887.

Lungenheilanstalt Alland

Svetlin war Mitglied des Kuratoriums des Hilfsvereins für Lungenkranke in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern (Viribus unitis) und gehörte neben dem Initiator Leopold Schrötter (1837-1908) zu den Mitbegründern der 1897 errichteten Lungenheilanstalt in Alland. Im Hilfsverein für Lungenkranke in „Alland“ nahm er die Funktion des geschäftsführenden Vizepräsidenten ein.

Die Frauenfrage und der ärztliche Beruf

Im Jahr 1895 veröffentlichte Professor Eduard Albrecht (1841-1900) die Broschüre „Die Frauen und das Studium der Medicin“. Da er darin Frauen die geistige Befähigung zum Medizinstudium absprach, löste er innerhalb der Ärzteschaft einen heftigen Konflikt über die Zulassung und Studierfähigkeit von Frauen zum Medizinstudium aus. Auch Svetlin, als Funktionär des Doctoren-Kollegiums, meldete sich mit der Schrift „Die Frauenfrage und der ärztliche Beruf“ zu Wort: Er plädierte zwar für die Zulassung von Frauen zu allen Studienrichtungen, sprach ihnen jedoch die Eignung für die ärztliche Praxis ab.

Kinderhilfstag

Neben seinen beruflichen Tätigkeiten engagierte sich Svetlin in der Wiener Kinderhilfe. Er war zunächst Funktionär und später Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft und rief 1905 den im Mai desselben Jahres abgehaltenen Kinderhilfstag ins Leben, dem sich weitere Kinderhilfsorganisationen anschlossen.[5]

Svetlin nahm 1901 am 8. Internationalen Kongress gegen Alkoholismus[6] und 1907 an der Konferenz der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose teil und wirkte zudem im vorbereitenden Komitee dieser Konferenz mit.[7]

Svetlin war in zahlreichen Standesorganisationen der Ärzteschaft vertreten. So gehörte er dem Vorstand der sich im Mai 1894 konstituierenden Wiener Ärztekammer an[8] und fungierte seit 1901 als deren Vizepräsident.[9] Daneben war er Präsident des Österreichischen Ärzteverbandes und des Wiener Doktoren-Kollegiums, Mitglied des Vereins der Ärzte im dritten Wiener Gemeindebezirk sowie des niederösterreichischen Landessanitätsrates. Weiters war er im Österreichischen Verein gegen Trunksucht,[10] im Ersten Volksküchenverein für Kranke[11] sowie im Beirat der 1908 gegründeten Österreichischen Konsumentenliga aktiv.[12] Seit 1904 war er Mitglied des Wiener Hausfrauen-Vereins[13] und seit 1907 Mitgesellschafter der im selben Jahr vom Kunstmäzen, Volkswirten und Sozialreformer Felix von Oppenheimer (1874-1938) in Wien gegründeten Neuen Baugesellschaft für Arbeiterwohnhäuser, die günstigen Wohnraum errichtete und förderte.[14]

Svetlin war Träger des Ritterkreuzes des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse[15] und Ehrenbürger von Windischgarsten und Rosenau in Oberösterreich.

Wilhelm Svetlin verstarb am 24. August 1914 in Wien.

Svetlin Wilhelm: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 25.8.1914, S. 14.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-347a, Svetlin Wilhelm (Rigorosum Datum: 1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-4, Svetlin Wilhelm (Promotion Datum: 9.4.1873).

Sterbebuch, Erzdiözese Wien 01, St. Augustin, 1914, Sign. 03-11, Folio 169, Svetlin Wilhelm.

Wilhelm Svetlin, Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Wien, Leipzig 1891.

Literatur:

Svetlin, Wilhelm: Einige Bemerkungen zur Anatomie der Prostata. Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität. Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien: aus der Hof- und Staatsdruckerei 1870.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Svetlin, Wilhelm: Die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Bericht über deren Geschichte und Thätigkeit, anlässlich des fünfzigjährigen Bestandes und der Uebersiedlung in ein neues Anstaltsgebäude. Wien: Braumüller 1884.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Obersteiner Bibliothek, Sign.: HOB-Bh-E]

Svetlin, Wilhelm: Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Wien u. Leipzig: Urban & Schwarzenberg 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21640]

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 19.10.1889, S. 4.

[2] Wiener Zeitung, 5.1.1871, S. 62.

[3] Wiener Zeitung, 21.8.1875, S. 380.

[4] Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz, 20.9.1884, S. 395.

[5] Neues Wiener Journal, 5.2.1905, S. 2; Wiener Salonblatt, 27.5.1905, S. 11.

[6] Pettauer Zeitung, 31.3.1901, S. 3.

[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 9.3.1907, S. 8.

[8] Neue Freie Presse, 31.5.1894, S. 6.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 5.2.1901, S. 67.

[10] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 11.4.1902, S. 7.

[11] Wiener Allgemeine Zeitung, 23.7.1902, S. 2.

[12] Wiener Morgen-Post, 20.4.1908, S. 4.

[13] Wiener Hausfrauen-Verein, Rechenschaftsbericht erstattet in der 29. Ordentlichen Generalversammlung am 16. März 1904, Wien 1904, S. 56.

[14] Der Konsumverein, Nr. 17, 1907, S. 257.

[15] Medizinische Klinik, 28.11.1909, S. 2.

Normdaten (Person):  : BBL: ; GND:

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  49123 (09.03.2026)
URL:  https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=49123

Letzte Aktualisierung: 2026.03.09

Logo Margrit Hartl

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [361]: Grosz, Siegfried – Dermatologe, Leiter des Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse

Grosz, Siegfried – Dermatologe, Leiter des Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse

Published online: 23.02.2026

Keywords: Dermatologe, Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Wiener Bezirkskrankenkasse, Medizingeschichte, Wien

Siegfried Grosz (Gross) wurde am 4. Mai 1869 als Sohn von Wilhelm Grosz (zirka 1833-1890) und Emilie (zirka 1842-1900) geborene Erbmann, in Wien geboren. 1901 heiratete er, nachdem er aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten war und seitdem konfessionell ohne Bekenntnis blieb, die aus Brünn stammende und an der k.k. Hofoper engagierte Opernsängerin Jenny A. Pohlner (1868-1952), mit der er gemeinsam die Tochter Edith Grosz hatte.

Grosz studierte seit dem Wintersemester 1890/91 an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 8. Juli 1893 mit der Promotion ab. Bereits während des Studiums publizierte er 1892 gemeinsam mit Oskar Reichel (1869-1943) die Arbeit „Oedem und Herzhypertrophie als Folgen specifischer Gewebsveränderung bei Morbus Brightii“.

Seine weitere Ausbildung erhielt er am Laboratorium des Physiologen Siegmund Exner (1846-1926, an der I. Medizinischen Klinik bei Hermann Nothnagel (1841-1905) sowie am pathologisch-bakteriologischen Laboratorium an der Krankenanstalt Rudolfstiftung bei Ernst Freund (1863-1946). Dort arbeitete er als Assistent an der Abteilung für Syphilis und Hautkrankheiten bei Franz Mracek (1848-1908). Grosz gehörte um 1900 zu den profilierten Vertretern der Wiener dermatologisch-syphilidologischen Schule. In dieser Zeit veröffentlichte er unter anderem: 1894 „Ueber mikrochemische Farbreactionen der Harnsedimente und deren differential-diagnostische Bedeutung[1], 1896 gemeinsam mit Heinrich Paschkis (1849-1923) „Zur Behandlung der Psoriasis vulgaris Jodothyrin“, 1897 „Neuritis multiplex im Secundarstadium der Syphilis[2], 1898 gemeinsam mit Rudolf Kraus (1868-1932) „Bacteriologische Studien über den Gonococcus“, 1899 „Chlorstoffwechsel in den Organen[3] und „Ueber Beziehungen einiger Dermatosen zum Gesamtorganismus[4], 1902 „Keratosis nigricans (Acanthosis nigricans, Dystropie papillaire et pigmentaire)“, 1903 „Die Serotherapie der Syphilis“ und „Ein Beitrag zur Kenntnis der Cavernitis gonorrhoica“, 1905 „Über nichtgonorrhoische Urethritis“, 1906 „Über eine bisher nicht beschriebene Hauterkrankung (Lymphogranulomatosis cutis)“, 1907 „Autointoxikation und Hautkrankheiten“, [5] 1908 gemeinsam mit Richard Volk (1876-1943) „Weitere serodiagnostische Untersuchungen bei Syphilis“, 1910 „Gonorrhoische Erkrankung präputialer und paraurethraler Gänge“, sowie 1913 gemeinsam wieder mit Richard Volk „Syphilistherapie und Wassermannsche Reaktion“.

1907 habilitierte sich Grosz im Fach Dermatologie und Syphilidologie zum Privatdozenten;[6] 1915 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors.[7] Er war Vorstand der dermatologischen Abteilung des I. öffentlichen Kinderkranken-Instituts.[8] 1909 übernahm er die Leitung eines Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft;[9] später wurde er Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse.

Gemeinsam mit Julius Tandler (1869-1936) betrieb er Forschungen zu biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtskrankheiten bei Menschen und bestimmten Tieren. Diese Ergebnisse erschienen 1913 unter dem Titel „Die biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtscharaktere“. Weitere gemeinsame mit Tandler publizierte Arbeiten, erschienen bereits seit etwa 1909, darunter „Beschreibung eines Eunuchenskelets“, „Die Eunuchoide“ und „Die Skopzen“.

Er war mit seiner Familie in Wien 1, Bognergasse 7, wohnhaft, wo er auch seine Arztpraxis führte.

Am Ersten Weltkrieg nahm er im landwehrärztlichen Offizierskorps als Regimentsarzt teil[10] und leitete die dermatologische Abteilung des Garnisonsspitals Nr. 1 in Wien; 1915 erfolgte seine Ernennung zum Stabsarzt.[11]

Grosz war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien sowie des Verbandes der Wiener Fachärzte, wo er auch die Funktion des Obmannstellvertreters innehatte.[12] Von 1902 bis 1909 redigierte er das Handbuch der Hautkrankheiten; gemeinsam mit Ernest Finger (1856-1939), Josef Jadasohn (1863-1936) und Salomon Ehrmann (1854-1926) von 1910 bis 1916 das Handbuch der Geschlechtskrankheiten. Zudem gehörte er als Redakteur der Zeitschrift Wiener klinische Wochenschrift an, für die er über viele Jahre Buchrezensionen verfasste.

Grosz verstarb am 27. August 1922 in Wien.

Grosz, Siegfried: Traueranzeige, Neue Freie Presse, 29.8.1922, S. 14.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0378, Grosz Siegfried (Nationalen Datum: 1890/91).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-123a, Grosz Siegfried (Rigorosum Datum: 1891).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 187-999, Grosz Siegfried (Promotion: 8.7.1893).

Ziviltrauung: 15.6.1901 (rel. ohne Bekenntnis).

Literatur:

Grosz, Siegfried und Oskar Reichel: Oedem und Herzhypertrophie als Folgen specifischer Gewebsveränderung bei Morbus Brightii. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien 1892.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Paschkis, Heinrich und Siegfried Grosz: Zur Behandlung der Psoriasis vulgaris Jodothyrin. Sonderdruck aus: Wiener klinische Rundschau. Wien: Verlag von Alfred Hölder, k.k. Hof u. Universitäts-Buchhändler 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried und Rudolf Kraus: Bacteriologische Studien über den Gonococcus. Aus der Abtheilung für Hautkrankheiten und Syphilis des Primararztes Prof. Dr. Mracek in der k. k. Krankenanstalt „Rudolphstiftung“ in Wien und dem staatlichen seotherapeutischen Institute (Prof. Dr. R. Paltauf). Sonderdruck aus: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.u.k Hof- und Universitäts-Buchhändler 1898.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Keratosis nigricans (Acanthosis nigricans, Dystropie papillaire et pigmentaire). Aus der Abtheilung für Hautkrankheiten und Syphilis des Primararztes Professor Dr. Maracek in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Die Serotherapie der Syphilis. Vortrag gehalten in der Wissenschaftlichen Versammlung des Wiener Medicinischen Doctorencollegiums am 26. Jänner 1903. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien, Berlin: Urban & Schwarzenberg 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Ein Beitrag zur Kenntnis der Cavernitis gonorrhoica. Aus dem Institute für path. Histologie und Bakteriologie der Wiener Universität (Vorstand Prof. Dr. R. Paltauf). (Mit 2 Abbildungen im Text). Sonderdruck aus: Monatshefte für praktische Dermatologie. Hamburg, Leipzig: Verlag von Leopold Voss 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Über nichtgonorrhoische Urethritis. (Hiezu Taf. IV.). Sonderdruck aus: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.u.k Hof- und Universitäts-Buchhändler 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Über eine bisher nicht beschriebene Hauterkrankung (Lymphogranulomatosis cutis). Aus dem Institute für pathologische Histologie und Bakteriologie der Universität Wien (Vorstand: Prof. Dr. R. Paltauf). Sonderdruck aus: Beiträge zur pathologischen Anatomie und zur allgemeinen Pathologie. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried und Richard Volk: Weitere serodiagnostische Untersuchungen bei Syphilis. Aus dem staatlichen serotherapeutischen Institute in Wien (Vorstand: Prof. R. Paltauf). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Gonorrhoische Erkrankung präputialer und paraurethraler Gänge. Sonderdruck aus: Handbuch der Geschlechtskrankheiten. Wien: Alferd Hölder, k.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried und Richard Volk: Syphilistherapie und Wassermannsche Reaktion. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.k. Hof- und Universitätsbuchhändler 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Die biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtscharaktere. Berlin: Springer 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 66464]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Beschreibung eines Eunuchenskelets. Sonderdruck aus: Archiv für Entwicklungsmechanik und Organismen. Leipzig: Engelmann 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-751]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Die Eunuchoide. Sonderdruck aus: Archiv für Entwicklungsmechanik und Organismen. Leipzig: Engelmann 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-753]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Die Skopzen. Sonderdruck aus: Archiv für Entwicklungsmechanik und Organismen. Leipzig: Engelmann 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-752]

[1] Internationale klinische Rundschau, 14.10.1894, Sp. 1465-1468

[2] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 24, 1897, S. 572-575.

[3] Wiener klinische Rundschau, Nr. 1, S. 2-3; Nr. 2, 1899, S. 19-21.

[4] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 9, 1899, S. 211-219.

[5] Wiener klinische Rundschau, 1.9.1907, S. 553-554; 8.9.1907, S. 570-572.

[6] Wiener klinische Rundschau, Nr. 20, 1907, S. 326.

[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 23.12.1915, S. 3.

[8] Übersicht der akademischen Behörden, Professoren, Privatdozenten, Lehrer, Beamte etc. an der k.k. Universität zu Wien, Studienjahr 1907/08, S. 38.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 13.4.1909, S. 171.

[10] Der Militärarzt, Nr. 18, 1914, Sp. 375.

[11] Wiener Zeitung, 10.1.1915, S. 3.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 51, 1920, Sp. 2181.

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Letzte Aktualisierung: 2026.02.23

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [360]: Sternberg, Tobias – Arzt an der Heilanstalt Alland, Schriftsteller und Verleger, NS-Verfolgter

Sternberg, Tobias – Arzt an der Heilanstalt Alland, Schriftsteller und Verleger, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 23.02.2026

Keywords: Schriftsteller, Heilanstalt Alland, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Tobias Sternberg wurde am 29. August 1900 in Bojan in der Bukowina (heute: Bojany/Ukraine) als Sohn von David und Sara Sternberg geboren. 1926 heiratete er in Wien die aus Großwardein in Ungarn (heute: Oradea/Rumänien) stammende Studentin Piroska Szanto (1901-1979).

Nach dem Besuch des Josefstädter Obergymnasiums begann er im Wintersemester 1918/19 mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 13. Juli 1925 mit der Promotion abschloss.

Literarisches und verlegerisches Wirken

Nach dem Ersten Weltkrieg war er schriftstellerisch und verlegerisch aktiv. Er veröffentlichte das Werk „Dichter. Ein Traumspiel“ und fungierte 1919 in Wien als Redakteur sowie zeitweise als Herausgeber der anarchistisch-pazifistisch Expressionisten-Zeitschrift „Aufschwung. Zeitschrift der Jüngsten“ und des gleichnamigen Verlages. Neben Arbeiten von heute teils vergessenen jungen Autor:innen – wie der Grafikerin Maria Szanto (1899-1988), der Schwester seiner Frau Piroska – enthielt das Blatt Beiträge prominenter Persönlichkeiten wie Franz Werfel (1890-1945), Gabriele d’Annunzio (1863-1938), Friedrich Gustav Heinrich Stadelmann (1865-1948), des Journalisten Josef Kalmer (1898-1959), des Malers Georg Tappert (1880-1957) oder des Anarchisten Erich Mühsam (1878-1934).[1] Weiters schrieb Sternberg für die Literaturzeitschrift „Die Zeit im Buch“ und für „Die Aktion[2].

Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1919.

Nach dem Studium führte er zunächst eine private Arztpraxis in Wien 15, Märzstraße 3, und publizierte 1926/1927 Fachaufsätze wie „Erfahrungen mit Peristaltin bei habitueller Obstipation[3] und „Über Nachtschweiß der Phtisiker“.[4] Gemeinsam mit Ernst Paulsen (Pollak) (1894-1965) führte er an der 3. Medizinischen Abteilung an der Rudolfstiftung Untersuchungen durch, die 1927 in der Arbeit „Wahl und Wertbestimmung antazider Mittel“ mündeten.[5]

Heilanstalt Alland

Ab 1927 war Sternberg als Sekundararzt sowie Haus- und Stationsarzt an der Lungenheilstätte Alland im Wienerwald tätig. Dort widmete er sich der Erforschung der Lungen- und Tuberkuloseerkrankungen und veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten, darunter „Zur Behandlung der Grippe als Mischinfektion[6] und „Muskelzeichen bei Lungentuberkulose[7] sowie „Untersuchungen über das periphere und perifokale Blutbild bei Lungentuberkulösen“. Es folgten Studien „Über konservative Behandlung tuberkulöser Knochenprozesse“ und die „Konstitutionstherapie der Lungentuberkulose“.[8]

Nach seinem Ausscheiden in Alland führte er ab 1933 eine Praxis in Wien 15, Goldschlagstraße 1.[9]

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft waren Tobias Sternberg und seine Ehefrau nach dem „Anschluss“ im März 1938 der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt. Ihnen gelang die Flucht nach England. Obwohl er für die Internierung erfasst worden war, blieb er von dieser Maßnahme ausgenommen.* 1941 konnte Sternberg seine medizinischen Qualifikationen erneut bestätigen (L.R.C.P., L.R.C.S. Edinburgh, L.R.F.P.S. Glasgow 1941) und erhielt im selben Jahr die britische Zulassung.[10] In Großbritannien etablierte sich Sternberg als Hausarzt im Londonder Stadtteil Highgate und arbeitete als Consultant Psychiatrist am St. Mary’s Hospital.[11]

Sein Adoptivsohn, der spätere Psychiater Michael Paul Sternberg (1933-2021), war der Sohn von Lilla Szanto (1910-1996), der Schwester seiner Frau, der die Flucht nach England erst später gelang.

Tobias Sternberg verstarb am 1. Jänner 1978 in London.

* Danke für den Hinweis von Dr.in Barbara Sauer (Wien 2026),

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0851, Sternberg Tobias (Nationalien Datum: 1918/19).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0819, Sternberg Tobias (Rigorosum Datum: 3.7.1925).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 193-1212, Sternberg Tobias (Promotion Datum: 13.7.1925).

Matriken der IKG Wien, Heiratsbuch 1926, Sternberg Tobias, Szanto Piroska.

Home Office: Aliens Department: Internees Index, 1939-1947, Internees at Liberty in the UK, Sternberg Piroska.

Home Office: Aliens Department: Internees Index, 1939-1947, Internees at Liberty in the UK, Sternberg Tobias.

England and Wales, Death Registration Index 1837-2007, Tobias Sternberg, 1977.

Literatur:

Sternberg, Tobias: Untersuchungen über das periphere und perifokale Blutbild bei Lungentuberkulösen. Mit 4 Abbildungen im Text. Sonderdruck aus: Beiträge zur Klinik der Tuberkulose. Berlin: Verlag von Julius Springer 1929.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Sternberg, Tobias: Über konservative Behandlung tuberkulöser Knochenprozesse. Sonderdruck aus: Zeitschrift für Tuberkulose. Leipzig: Johann Ambrosius Barth 1931.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] https://verlagsgeschichte.murrayhall.com/?page_id=284#Heading10

[2] Die Aktion. Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst, 1925.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 35, 1926, S. 1052-1053.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 43, 1926, S. 1285.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 4, 1927, S. 137-138.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1927, S. 626.

[7] Medizinische Klinik, Nr. 2, 1927, S. 49-50.

[8] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 7, 1933, S. 208-209.

[9] Medizinische Klinik, Nr. 42, 1933, S. 2.

[10] The Lancet, 8.2.1941, S. 200.

[11] British Medical Journal, 14. Januar 1978, S. 119.

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