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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [365]: London, Benjamin – Kurarzt in Karlsbad sowie Direktor und Chefarzt des Mayer-Rothschild-Spitals in Jerusalem

London, Benjamin – Kurarzt in Karlsbad sowie Direktor und Chefarzt des Mayer-Rothschild-Spitals in Jerusalem

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 19.03,2026

Keywords: Kurarzt, Mayer-Rothschild-Spital, Rudolfs-Spital, Medizingeschichte, Wien, Jerusalem, Karlsbad

Benjamin (Berthold) London wurde am 28. Dezember 1840 als Sohn des Privatiers Lazar London (zirka 1812-1887) und Maria, geborene Reismann, in Ungvár in Ungarn (heute: Uschhorod/Ukraine) geboren. 1867 heiratete er in Wien die Wienerin Jenny (Eugenie) Grünhut (1842-1909), mit der er die Kinder Charlotte (1872-?), den Mediziner August London (-1903) sowie Elsa, verheiratete Kraus (1875-1920), und Malwine, verheiratete Block (1870-?), hatte.

London studierte ab dem Wintersemester 1862/63 an der Universität Wien Medizin und promovierte am 17. Februar 1865 zum Doktor der Medizin sowie am 19. Juni 1866 zum Doktor der Chirurgie. Er war Schüler von Joseph Skoda (1805-1881) an der Klinik für Innere Medizin. Nach seiner Promotion arbeitete er als Sekundararzt am k.k. Rudolfs-Spital in Wien.[1] 1865 veröffentlichte er die Arbeit „Fall von akuter gelber Leber-Atrophie“[2] und „Die Cholera und deren Vorbeugung. Für Laien dargestellt“. Anschließend leistete er seinen Militärdienst als Oberarzt und schließlich als Regimentsarzt im Garnisons-Spital in St. Chiara in Venedig ab. Im Oktober 1866 wurde er an das Garnisonspital in Laibach versetzt.[3]

Rothschild-Spital in Jerusalem

Im Herbst 1866 wurde London von der Familie Rothschild als Arzt an das Mayer-Rothschild-Krankenhaus in Jerusalem berufen, wo er später als Nachfolger von Bernhard Neumann (1819-1881) als Direktor und Chefarzt tätig war. 1870 erhielt er dafür das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens verliehen.[4] 1873 erschien von ihm der „Ärztlicher Bericht aus dem Freiherr von Rothschild-Hospitale in Jerusalem vom Jahre 1871“. Weitere Arbeiten aus seiner Jerusalemer Zeit waren u.a. „Ein Fall von Ulcus perforans ventriculi“.[5] 1875 publizierte er in der Oesterreichischen Monatsschrift für den Orient des Orientalischen Museums, darunter „Ueber die Sanitätszustände in der Levante“.[6] Zudem hielt er dort Vorträge, etwa „Ueber die Acclimatisation und Colonisation der Oesterreicher in der Levante“.[7]

Kur- und Badearzt in Karlsbad

Um 1874/75 verließ London Jerusalem und kehrte nach Wien zurück. Dort führte er eine private Arztpraxis zunächst in Wien 8, Schmiedgasse 3, und danach in der Gonzagagasse 3. Bereits seit 1871 war er in den Sommermonaten als Kurarzt in Karlsbad (heute: Karlovy Vary/Tschechien) tätig. Zu seinem Patientenkreis in Karlsbad zählten vor allem Angehörige des internationalen Hochadels, des Großbürgertums sowie wohlhabende Kurgäste aus Mittel- und Osteuropa, deren Aufenthalte in den jährlich publizierten Karlsbader Kurlisten verzeichnet sind. Zu seinen balneologischen und klinischen Arbeiten zählten u.a. „Über den Einfluss des koch- und glaubersalzhaltigen Mineralwassers auf einige Factoren des Stoffwechsels“, „Beitrag zur Therapie der Dysenterie“ sowie „Das Blasenepithel bei verschiedenen Füllungszuständen der Blase“.[8]

London war seit 1875 Mitglied der k. k. Geographischen Gesellschaft in Wien sowie des Wiener Doctoren-Collegiums. 1891 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die königliche medizinische Gesellschaft in Lissabon aufgenommen.[9]

Er war Träger des königlich niederländischen goldenen Löwen-Ordens dritter Klasse,[10] des serbischen Takovo-Ordens,[11] des königlich spanischen Ordens Isabella der Katholischen[12] sowie des Offizierskreuzes vom Stern von Rumänien.[13]

Benjamin London starb am 5. Jänner 1914 in Frankfurt am Main.

London Berthold: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 9.1.1914, S. 20.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1867, London Benjamin, Grünhut Jenny.

UAW, Sign. 134-0007, London Benjamin (Nationalien Datum: 1862/63).

UAW, Sign. 170-149a, London Benjamin (Rigorosum Datum: 1864).

UAW, Sign. 181-1249, London Benjamin (Promotion Datum: 17.2.1865).

UAW, Sign. 182-45, London Benjamin (Promotion Datum/Chirurgie: 19.6.1866).

Literatur:

London, Benjamin: Über den Einfluß des koch- und glaubersalzhaltigen Mineralwassers auf einige Factoren des Stoffwechsels. Berlin: Schumacher o.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 46913]

London, Benjamin: Beitrag zur Therapie der Dysenterie. Sonderdruck aus: Wiener medicinische Presse. Wien: 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Curliste Karlsbad, 1903 (Anhang), S. 13.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 39, 1865, Sp. 697-699.

[3] Österreichischer Soldatenfreund, 24.10.1866, S. 8.

[4] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte zu Wien, 1870, S. 440.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 49, 1868, S. 792-794.

[6] Wiener Zeitung, 19.5.1875, S. 720.

[7] Neue Freie Presse, 24.10.1875, S. 6.

[8] Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde, Bd. 56 (Analecten), 1881, S. 90-91.

[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 3, 1891, S. 59.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 20, 1885, Sp. 651.

[11] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 13, 1886, Sp. 475.

[12] Wiener Zeitung, 11.7.1890, S. 7.

[13] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 20, 1891, S. 386.

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BBL:  49164 (19.03.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.03.19

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [364]: Selig, Arthur – Herzspezialist, Balneologe, Kurarzt in Franzensbad

Selig, Arthur – Herzspezialist, Balneologe, Kurarzt in Franzensbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 16.03,2026

Keywords: Balneologe, Herzspezialist, Kurarzt, Prag, Franzensbad, Medizingeschichte

Arthur Selig wurde am 4. Februar 1873 als Sohn von Jakob Selig (1842-1895) und Malvine Selig (1850-1914), geborene Hock, in Prag geboren. 1911 heiratete er Ella Janowitz (1889-ermordet zirka 1944 KZ Auschwitz), mit der er die Tochter Erika Franz (1921-ermordet 5.11.1942 KZ Auschwitz) hatte.

Arthur Selig studierte an der Deutschen Universität in Prag Medizin und promovierte im Juli 1898.[1] Während seines Studiums engagierte er sich im Unterstützungsverein für mittellose israelitische Universitätshörer in Prag, dessen Vereinsausschuss er 1898 angehörte,[2] sowie in der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag. Er war Mitglied des Vereins deutscher Ärzte in Prag.

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Selig zunächst als Assistent an der Universitätspoliklinik in Prag bei Jakob Singer (1853-1926). Anschließend war er an der Medizinischen Klinik bei Rudolf von Jaksch (1855-1947) tätig und wechselte danach zu Ludolf Krehl (1861-1937) an der Universität in Straßburg,[3] wo er sich zum Herzspezialisten ausbilden ließ. Aus dieser Zeit stammen seine Publikationen „Beitrag zur Kenntnis der Herzdilatation“ und „Blutdruckapparate und Blutdruckmessungen“.

Kurarzt in Franzensbad

Seit 1905 war Selig als Kurarzt in Franzensbad tätig und widmete sich dort vor allem der Behandlung von Herz- Kreislauferkrankungen.[4] In Franzensbad war er Mitglied des Ärztlichen Vereins Franzensbad. Vor dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er unter anderem die Arbeiten „Die physikalische Behandlung der chronischen Herzkrankheiten und die Einrichtungen Franzensbads“, „Sport und Herz“, „Ueber den Herzschmerz, „Der Einfluss hydriatischer Prozeduren auf die Herzgrösse“, „Über den Elastin-, Fett- und Kalkgehalt der Aorta“, „Röntgenuntersuchungen des Herzens im Kohlesäurebad“,[5]Zuckernahrung bei Herzkrankheiten“,[6] sowie „Ueber die Wirkung der Mistel (Viscum album) auf den Kreislauf[7].

1910 veröffentlichte er die Arbeit „Ein Blutdruckapparat für die Praxis“ aus dem Ambulatorium des Vereins „Kinderambulatorium und Kindergrippe“. Gemeinsam mit Egmont Münzer (1865-1924) verfasste er 1914 die Studie „Vaskuläre Hypertonie und Schrumpfniere“.

Nach dem Ersten Weltkrieg erschienen von ihm 1925 die Arbeit „Zur Pathophysiologie und Therapie der paroxysmalen Tachykardie[8] und 1926 „Zur Wirkung der Kohlensäurenbäder“.[9]

Arthur Selig verstarb am 11. August 1928 in Wien.

Selig Arthur: Todesanzeige, Prager Tagblatt, 15.8.1928, S. 13.

Quellen:

Register jüdischer Religionsgemeinschaften in tschechischen Regionen, Prag – Gläubigenregister, 1912, Sign. 2708, Folio 64.

Matriken der IKG Wien, Sterbebuch, 1928, Selig Arthur.

Literatur:

Selig, Arthur: Beitrag zur Kenntnis der Herzdilatation. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Blutdruckapparate und Blutdruckmessungen. Aus der medizinischen Universitätsklinik Prof. R. v. Jaksch. Sonderdruck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag. Selbstverlag 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig: Arthur: Die physikalische Behandlung der chronischen Herzkrankheiten und die Einrichtungen Franzensbads. Sonderdruck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag: Selbstverlag 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Sport und Herz. Sonderdruck aus: Medizinische Klinik. Berlin: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Ueber den Herzschmerz. Sonderdruck aus: Medizinische Klinik. Berlin: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Der Einfluss hydriatischer Prozeduren auf die Herzgrösse. Aus der hydratherapeutischen Anstalt der Universität Berlin (Leiter: Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Brieger). Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: Verlag von August Hirschwald 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Über den Elastin-, Fett- und Kalkgehalt der Aorta. Aus dem medizinisch-chemischen Institut in Prag. Prof. Dr. R. v. Zeynek. Sonderdruck aus: Verhandlungen des Deutsche Kongresses für innere Medizin. Wiesbaden: Verlag von J.F. Bergmann 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Ein Blutdruckapparat für die Praxis. Aus dem Ambulatorium des Vereines „Kinderambulatorium und Kinderkrippe“ in Prag (Vorstand: Prof. Dr. Raudnitz). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Münzer, Egmont und Arthur Selig: Vaskuläre Hypertonie und Schrumpfniere. Gleichzeitig ein Beitrag zur Lehre von der vaskulären Hypertonie überhaupt. Sonderduck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag: Selbstverlag 1914.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Prager Tagblatt, 17.7.1898, S. 4.

[2] Prager Tagblatt, 4.3.1898, S. 6.

[3] Egerer Anzeiger, 13.5.1905, S. 5.

[4] Egerer Anzeiger, 3.5.1905, S. 4.

[5] Medizinische Klinik, Nr. 18, 1910, S. 709-710.

[6] Medizinische Klinik, Nr. 29, 1911, S. 1115-1116.

[7] Medizinische Klinik, Nr. 24, 1912, S. 991-992.

[8] Wiener Archiv für innere Medizin, 1925, S. 603-608.

[9] Wiener Archiv für innere Medizin, 1926, S. 207-226.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

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BBL:  49155 (16.03.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.03.16

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [363]: Szamek, Leo – Frauenarzt, stellvertretender Direktor am Frauenkranken-Institut „Charite“, NS-Verfolgter

Szamek, Leo – Frauenarzt, stellvertretender Direktor am Frauenkranken-Institut „Charite“, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 12.03,2026

Keywords: Frauenarzt, Gynäkologe, Frauenkranken-Institut „Charite“, Medizingeschichte, Wien, New York. NS-Verfolgter

Leo Michael Szamek wurde am 7. März 1884 in Wien als Sohn des Weinhändlers Michael Szamek (1855-1928) und Rosa Szamek (1853-1886), geborene Singer, geboren. 1912 heiratete er die aus Temesvár (heute: Timișoara/Rumänien) stammenden Barbara Boriska Stein. Aus der Ehe ging die Tochter Alice Rosa (1913-1987), verheiratete Babb, hervor. 1932 wurde die Ehe geschieden.

Szamek begann im Wintersemester 1902/03 mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien und promovierte am 1. Juni 1908 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Danach arbeitete er als Assistent an der Kuranstalt Gutenbrunn bei Baden in Niederösterreich.[1] Vor dem Ersten Weltkrieg führte er eine private Arztpraxis an mehreren Standorten in Wien (Wien 9, Hörlgasse 10, Wien 1, Sterngasse 1, Wien 9, Bleichergasse 18, Wien 1, Elisabethstraße 1).

Schiffsarzt auf der „Silesia“ und „Bregenz“

Im Dienst des Österreichischen Lloyd unternahm er als Schiffsarzt zwischen April 1909 und Mai 1910 zwei Reisen mit den Dampfern „Silesia“ und „Bregenz“ nach Bombay (Indien).

Im Mai 1914 erfolgte seine Ernennung zum Oberarzt der Reserve.[2] Während des Ersten Weltkrieges war er einer Krankenhaltungsstation an der nordöstlichen Front zugeteilt. 1916 erhielt er eine Anerkennung für „vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung“[3] und wurde noch im selben Jahr zum Regimentsarzt befördert.[4] 1917 wurde ihm das Offiziersehrenzeichen vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration verliehen.[5]

Nach seiner Rückkehr aus dem Kriegsdienst nahm er seine Tätigkeit als praktischer Arzt in Wien 2, Praterstraße 33, wieder auf;[6] im September 1919 verlegte er seine Ordination nach Praterstraße 40.[7] Seit 1920 war Szamek Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.[8]

Frauenkranken-Institut „Charite“

Von 1926 bis zum März 1938 fungierte Szamak neben dem Direktor Josef Weinreb (1877-1942) als stellvertretender ärztlicher Direktor am Frauenkranken-Institut „Charite“ in Wien 2, Zirkusgasse 5a. An dieser Einrichtung arbeiteten u.a. auch Hugo Fasal (1873-1941), Klara Kohn-Liebmann (1896-1994), Koloman Freuder (1883-1946) und der frühere Präsident der Charite, Isidor Fischer (1868-1943), ehrenamtlich mit. Darüber hinaus hielt Szamak Vorträge zu frauenärztlichen Themen, unter anderem vor der Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs (ROhÖ).[9]

Publizistische Arbeiten

In den 1920er Jahren veröffentlichte Szamek mehrere wissenschaftliche Arbeiten, die im Umfeld des Bettina-Stiftungs-Pavillons unter dem Vorstand des Gynäkologen Wilhelm Latzko (1863-1945) sowie dessen Mitarbeiter, dem Dozenten Josef Schiffmann (1879-1944), entstanden. Gemeinsam mit Schiffmann publizierte er 1925 die Studien „Zur Kenntnis und Genese entzündlich-eitriger Veränderungen der Niere nach Ureter-Scheidenfisteln“ und „Ein hypernephroides Sarkom im kleinen Becken“. 1928 erschien seine Arbeit „Über Endometrium in der Tube“.

Konzertsänger, Schriftsteller und Conférencier

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit trat Szamak nach dem Ersten Weltkrieg auch als Konzertsänger auf, unter anderem im Wiener Konzerthaus, wo er beispielsweise 1921 eigene Konzertabende veranstaltete.[10] Er war Mitglied und Sänger im Rossauer Männergesangsverein[11] und vertonte 1928 den vom Vizepräsidenten der Charite, Bruno Jahoda (1880-?), verfassten Liedertexte zum „Neuen Naturfreundelied“.[12]

Darüber hinaus wirkte Szamek im Wiener Schriftstellerverein „Die Scholle“, der von dem Schriftsteller und Journalist Hans Margulies (1889-1960) gegründet worden war, als Gesangskünstler und Conférencier bei literarisch-musikalischen Veranstaltungen mit. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg verfasste er ein Bühnenmanuskript, das er in der Zeitschrift “Der Floh“ veröffentlichte.[13] 1902 schrieb er anlässlich der Allgemeinen Ärzteversammlung vom 13. Dezember 1902 die satirische Dichtung „Frei nach Heinrich Heine: Die Hungrigen und die Satten“,[14] 1909 den Beitrag „Zum Schülerkonzert einer Klavierschule“.[15]

Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde Szamek aufgrund seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Er verlor seine berufliche Stellung und flüchtete 1938 nach Großbritannien und arbeitete während des Krieges in Bombay (Indien) im British Medical Corps.[16]

Im August 1946 heiratete er in Bombay die in Wien geborene und ebenfalls vor den Nationalsozialisten geflohene Anna Emilia Henriette Marstaler (1898-1982). Im Jänner 1949 emigrierte das Ehepaar über Southampton in England mit der Queen Mary in die USA. Zunächst ließen sie sich in Green Springs in Ohio, später in New York nieder. Nach Ablegung der erforderlichen Prüfungen und der Zulassung zum Arztberuf arbeitete Szamek am Brunswick Hospital in Amityville sowie am Lakeside Memorial Hospital. Daneben eröffnete er eine private Fachpraxis für Gynäkologie. 1954 erwarb er die US-Staatsbürgerschaft.

In den USA war er Mitglied der Suffolk County Medical Society, der Medical Society of the State of New York und der American Medical Association.

Leo Szamek starb am 5. März 1967 in Amityville, Suffolk County, New York.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1908, Szamek Leo.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0582, Szamek Leo (Nationalien Datum: 1902/03).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0703, Szamek Leo (Rigorosum Datum: 18.5.1908).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-0771, Szamek Leo (Promotion Datum: 1.6.1908).

United States, Social Security Death Index, Leo Szamek, März 1967; (= U.S. Social Security Administration, Death Master File.

Ohio, Naturalization Records, 1848-1951, Anna Emilia Henriette Szamek, Leo Michael Szamek, 8. März 1950.

United States, Census, 1950, Leo Szamek and Anne Szamek, 10. April 1950.

New York, County Naturalization Records, 1791-1980, Leo M Szamek, 1954.

United States, Deceased Physician File (AMA), 1864-1968, Leo Michael Szamek, 5. März 1967.

New York State Journal of Medicine, 15.6.1967, S. 1786 (Nachruf).

Literatur:

Josef, Schiffmann und Leo Szamek: Zur Kenntnis und Genese entzündlich-eitriger Veränderungen der Niere nach Ureter-Scheidenfisteln. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Manz’sche Buchdruckerei 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schiffmann, Josef und Leo Szamek: Ein hypernephroides Sarkom im kleinen Becken. Sonderdruck aus: Archiv für Gynäkologie. Leipzig: Druck der Spammerschen Buchdruckerei 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Szamek, Leo: Über Endometrium in der Tube. Aus dem Bettina-Stiftungspavillon in Wien (Vorstand: Prof. Dr. Latzko). Sonderdruck aus: Zentralblatt für Gynäkologie. Leipzig: Verlag von Johann Ambrosius Barth 1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek

[1] Medizinische Klinik, 21.3.1909, S. 2.

[2] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 12.5.1914, S. 196.

[3] Fremdenblatt, 18.2.1916, S. 3.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 52, 1916, Sp. 1999.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1917, Sp. 1449.

[6] Neues Wiener Journal, 1.12.1918, S. 9.

[7] Neues Wiener Journal, 29.9.1919, S. 12.

[8] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 12, 1920, S. 260.

[9] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 12.1.1935, S. 10.

[10] Neue Freie Presse, 20.2.1921.

[11] Wiener Morgenzeitung, 3.3.1922, S. 4.

[12] Der Naturfreund, Wien, 1928, S. 45.

[13] Der Floh, Nr. 7, 1908, S. 4; Nr. 24, 1908, S. 3-6; Nr. 25, 1908, S. 3.

[14] Der Floh, Nr. 50, 1902, S. 5.

[15] Der Floh, Nr. 15, 1909, S. 2-3.

[16] Indian trade journal, 15.4.1943, S. 292.

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Letzte Aktualisierung: 2026.03.12

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [362]: Svetlin, Wilhelm – Psychiater, Leiter der Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Mitbegründer der Lungenheilanstalt Alland, Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft

Svetlin, Wihelm – Psychiater, Leiter der Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Mitbegründer der Lungenheilanstalt Alland, Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 09.03.2026

Keywords: Psychiater, Privatheilanstalt für Gemüthskranke, Lungenheilanstalt Alland, Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft Medizingeschichte, Wien

Wilhelm Svetlin wurde am 5. Mai 1849 in Wien als Sohn eines Laboranten des Anatomen Josef Hyrtl (1810-1894) geboren. Seit 1889 war er mit Hilda Pauli (1854-1954) verheiratet.[1] Nach dem Besuch des Schottengymnasiums in Wien studierte Svetlin seit dem Wintersemester 1867/68 Medizin an der Universität Wien und promovierte am 9. April 1873 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Bereits als Student verfasste er die Abhandlung „Einige Bemerkungen zur Anatomie der Prostata“, die von seinem Lehrer, dem Physiologen Ernst Wilhelm Brücke (1819-1892), in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse im Dezember 1870 an der Akademie der Wissenschaften vorgelegt wurde.[2]

Niederösterreichische Landes-Irrenanstalt und Wasserheilanstalt Bad Kaltenbrunn

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Svetlin von 1874 bis 1877 als Assistent von Max Leidesdorf (1816-1889) an der Klinik für Psychiatrie der Niederösterreichischen Landes-Irrenanstalt, wo er seine Ausbildung zum Psychiater erhielt[3] und sich insbesondere der Elektrotherapie widmete. Daneben hielt er Vorträge im Psychiatrischen Verein.

Bereits 1874 fungierte er als leitender Arzt in der Wasserheilanstalt Bad Kaltenbrunn in Gainfarn-Vöslau, die zu dieser Zeit vornehmlich von Industriellen und Künstler:innen frequentiert wurde.

Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 16, 1874, Sp.326.

Privatheilanstalt für Gemüthskranke im 3. Wiener Gemeindebezirk – Nervenheilanstalt Dr. Wilhelm Svetlin

1878 übernahm er gemeinsam mit Johann Zimmermann die Leitung der seit 1833 bestehenden und seit 1848 im ehemaligen Rasumowski-Schloss in Wien 3, Erdbergstraße 5-7, existierende Privatheilanstalt für Gemüthskranke. 1880 erhielt er die Konzession für deren Umbau und Modernisierung und führte nach dem Ausscheiden von Johann Zimmermann (1880) die Anstalt alleine weiter. 1883 wurde sie nach Plänen von Eduard Hauser (1840-1915) in der Leonhardgasse 3 neu erbaut. 1884 publizierte er über „Die Privat-Heilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Bericht über deren Geschichte und Thätigkeit, anlässlich des fünfzigjährigen Bestandes und der Übersiedlung in ein neues Anstaltsgebäude“.[4] Seit seiner Übernahme als Direktor und Besitzer der Anstalt trug diese Einrichtung den Namen „Privat-Heilanstalt Dr. Wilhelm Svetlin“. Svetlin verfasste jährlich Tätigkeitsberichte, darunter „Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien“.

Deutsch-Englischer-Reise-Courier, Nr. 5, 1914, S. 3.

Der Humorist, 5.6.1887.

Lungenheilanstalt Alland

Svetlin war Mitglied des Kuratoriums des Hilfsvereins für Lungenkranke in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern (Viribus unitis) und gehörte neben dem Initiator Leopold Schrötter (1837-1908) zu den Mitbegründern der 1897 errichteten Lungenheilanstalt in Alland. Im Hilfsverein für Lungenkranke in „Alland“ nahm er die Funktion des geschäftsführenden Vizepräsidenten ein.

Die Frauenfrage und der ärztliche Beruf

Im Jahr 1895 veröffentlichte Professor Eduard Albrecht (1841-1900) die Broschüre „Die Frauen und das Studium der Medicin“. Da er darin Frauen die geistige Befähigung zum Medizinstudium absprach, löste er innerhalb der Ärzteschaft einen heftigen Konflikt über die Zulassung und Studierfähigkeit von Frauen zum Medizinstudium aus. Auch Svetlin, als Funktionär des Doctoren-Kollegiums, meldete sich mit der Schrift „Die Frauenfrage und der ärztliche Beruf“ zu Wort: Er plädierte zwar für die Zulassung von Frauen zu allen Studienrichtungen, sprach ihnen jedoch die Eignung für die ärztliche Praxis ab.

Kinderhilfstag

Neben seinen beruflichen Tätigkeiten engagierte sich Svetlin in der Wiener Kinderhilfe. Er war zunächst Funktionär und später Präsident der Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft und rief 1905 den im Mai desselben Jahres abgehaltenen Kinderhilfstag ins Leben, dem sich weitere Kinderhilfsorganisationen anschlossen.[5]

Svetlin nahm 1901 am 8. Internationalen Kongress gegen Alkoholismus[6] und 1907 an der Konferenz der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose teil und wirkte zudem im vorbereitenden Komitee dieser Konferenz mit.[7]

Svetlin war in zahlreichen Standesorganisationen der Ärzteschaft vertreten. So gehörte er dem Vorstand der sich im Mai 1894 konstituierenden Wiener Ärztekammer an[8] und fungierte seit 1901 als deren Vizepräsident.[9] Daneben war er Präsident des Österreichischen Ärzteverbandes und des Wiener Doktoren-Kollegiums, Mitglied des Vereins der Ärzte im dritten Wiener Gemeindebezirk sowie des niederösterreichischen Landessanitätsrates. Weiters war er im Österreichischen Verein gegen Trunksucht,[10] im Ersten Volksküchenverein für Kranke[11] sowie im Beirat der 1908 gegründeten Österreichischen Konsumentenliga aktiv.[12] Seit 1904 war er Mitglied des Wiener Hausfrauen-Vereins[13] und seit 1907 Mitgesellschafter der im selben Jahr vom Kunstmäzen, Volkswirten und Sozialreformer Felix von Oppenheimer (1874-1938) in Wien gegründeten Neuen Baugesellschaft für Arbeiterwohnhäuser, die günstigen Wohnraum errichtete und förderte.[14]

Svetlin war Träger des Ritterkreuzes des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse,[15] und Ehrenbürger von Windischgarsten und Rosenau in Oberösterreich.

Wilhelm Svetlin verstarb am 24. August 1914 in Wien.

Svetlin Wilhelm: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 25.8.1914, S. 14.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-347a, Svetlin Wilhelm (Rigorosum Datum: 1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-4, Svetlin Wilhelm (Promotion Datum: 9.4.1873).

Sterbebuch, Erzdiözese Wien 01, St. Augustin, 1914, Sign. 03-11, Folio 169, Svetlin Wilhelm.

Wilhelm Svetlin, Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Wien, Leipzig 1891.

Literatur:

Svetlin, Wilhelm: Einige Bemerkungen zur Anatomie der Prostata. Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität. Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien: aus der Hof- und Staatsdruckerei 1870.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Svetlin, Wilhelm: Die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Bericht über deren Geschichte und Thätigkeit, anlässlich des fünfzigjährigen Bestandes und der Uebersiedlung in ein neues Anstaltsgebäude. Wien: Braumüller 1884.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Obersteiner Bibliothek, Sign.: HOB-Bh-E]

Svetlin, Wilhelm: Bericht über die Privatheilanstalt für Gemüthskranke auf dem Erdberge zu Wien. Wien u. Leipzig: Urban & Schwarzenberg 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21640]

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 19.10.1889, S. 4.

[2] Wiener Zeitung, 5.1.1871, S. 62.

[3] Wiener Zeitung, 21.8.1875, S. 380.

[4] Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz, 20.9.1884, S. 395.

[5] Neues Wiener Journal, 5.2.1905, S. 2; Wiener Salonblatt, 27.5.1905, S. 11.

[6] Pettauer Zeitung, 31.3.1901, S. 3.

[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 9.3.1907, S. 8.

[8] Neue Freie Presse, 31.5.1894, S. 6.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 5.2.1901, S. 67.

[10] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 11.4.1902, S. 7.

[11] Wiener Allgemeine Zeitung, 23.7.1902, S. 2.

[12] Wiener Morgen-Post, 20.4.1908, S. 4.

[13] Wiener Hausfrauen-Verein, Rechenschaftsbericht erstattet in der 29. Ordentlichen Generalversammlung am 16. März 1904, Wien 1904, S. 56.

[14] Der Konsumverein, Nr. 17, 1907, S. 257.

[15] Medizinische Klinik, 28.11.1909, S. 2.

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Letzte Aktualisierung: 2026.03.09

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [361]: Grosz, Siegfried – Dermatologe, Leiter des Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse

Grosz, Siegfried – Dermatologe, Leiter des Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse

Published online: 23.02.2026

Keywords: Dermatologe, Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Wiener Bezirkskrankenkasse, Medizingeschichte, Wien

Siegfried Grosz (Gross) wurde am 4. Mai 1869 als Sohn von Wilhelm Grosz (zirka 1833-1890) und Emilie (zirka 1842-1900) geborene Erbmann, in Wien geboren. 1901 heiratete er, nachdem er aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten war und seitdem konfessionell ohne Bekenntnis blieb, die aus Brünn stammende und an der k.k. Hofoper engagierte Opernsängerin Jenny A. Pohlner (1868-1952), mit der er gemeinsam die Tochter Edith Grosz hatte.

Grosz studierte seit dem Wintersemester 1890/91 an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 8. Juli 1893 mit der Promotion ab. Bereits während des Studiums publizierte er 1892 gemeinsam mit Oskar Reichel (1869-1943) die Arbeit „Oedem und Herzhypertrophie als Folgen specifischer Gewebsveränderung bei Morbus Brightii“.

Seine weitere Ausbildung erhielt er am Laboratorium des Physiologen Siegmund Exner (1846-1926, an der I. Medizinischen Klinik bei Hermann Nothnagel (1841-1905) sowie am pathologisch-bakteriologischen Laboratorium an der Krankenanstalt Rudolfstiftung bei Ernst Freund (1863-1946). Dort arbeitete er als Assistent an der Abteilung für Syphilis und Hautkrankheiten bei Franz Mracek (1848-1908). Grosz gehörte um 1900 zu den profilierten Vertretern der Wiener dermatologisch-syphilidologischen Schule. In dieser Zeit veröffentlichte er unter anderem: 1894 „Ueber mikrochemische Farbreactionen der Harnsedimente und deren differential-diagnostische Bedeutung[1], 1896 gemeinsam mit Heinrich Paschkis (1849-1923) „Zur Behandlung der Psoriasis vulgaris Jodothyrin“, 1897 „Neuritis multiplex im Secundarstadium der Syphilis[2], 1898 gemeinsam mit Rudolf Kraus (1868-1932) „Bacteriologische Studien über den Gonococcus“, 1899 „Chlorstoffwechsel in den Organen[3] und „Ueber Beziehungen einiger Dermatosen zum Gesamtorganismus[4], 1902 „Keratosis nigricans (Acanthosis nigricans, Dystropie papillaire et pigmentaire)“, 1903 „Die Serotherapie der Syphilis“ und „Ein Beitrag zur Kenntnis der Cavernitis gonorrhoica“, 1905 „Über nichtgonorrhoische Urethritis“, 1906 „Über eine bisher nicht beschriebene Hauterkrankung (Lymphogranulomatosis cutis)“, 1907 „Autointoxikation und Hautkrankheiten“, [5] 1908 gemeinsam mit Richard Volk (1876-1943) „Weitere serodiagnostische Untersuchungen bei Syphilis“, 1910 „Gonorrhoische Erkrankung präputialer und paraurethraler Gänge“, sowie 1913 gemeinsam wieder mit Richard Volk „Syphilistherapie und Wassermannsche Reaktion“.

1907 habilitierte sich Grosz im Fach Dermatologie und Syphilidologie zum Privatdozenten;[6] 1915 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors.[7] Er war Vorstand der dermatologischen Abteilung des I. öffentlichen Kinderkranken-Instituts.[8] 1909 übernahm er die Leitung eines Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft;[9] später wurde er Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse.

Gemeinsam mit Julius Tandler (1869-1936) betrieb er Forschungen zu biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtskrankheiten bei Menschen und bestimmten Tieren. Diese Ergebnisse erschienen 1913 unter dem Titel „Die biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtscharaktere“. Weitere gemeinsame mit Tandler publizierte Arbeiten, erschienen bereits seit etwa 1909, darunter „Beschreibung eines Eunuchenskelets“, „Die Eunuchoide“ und „Die Skopzen“.

Er war mit seiner Familie in Wien 1, Bognergasse 7, wohnhaft, wo er auch seine Arztpraxis führte.

Am Ersten Weltkrieg nahm er im landwehrärztlichen Offizierskorps als Regimentsarzt teil[10] und leitete die dermatologische Abteilung des Garnisonsspitals Nr. 1 in Wien; 1915 erfolgte seine Ernennung zum Stabsarzt.[11]

Grosz war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien sowie des Verbandes der Wiener Fachärzte, wo er auch die Funktion des Obmannstellvertreters innehatte.[12] Von 1902 bis 1909 redigierte er das Handbuch der Hautkrankheiten; gemeinsam mit Ernest Finger (1856-1939), Josef Jadasohn (1863-1936) und Salomon Ehrmann (1854-1926) von 1910 bis 1916 das Handbuch der Geschlechtskrankheiten. Zudem gehörte er als Redakteur der Zeitschrift Wiener klinische Wochenschrift an, für die er über viele Jahre Buchrezensionen verfasste.

Grosz verstarb am 27. August 1922 in Wien.

Grosz, Siegfried: Traueranzeige, Neue Freie Presse, 29.8.1922, S. 14.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0378, Grosz Siegfried (Nationalen Datum: 1890/91).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-123a, Grosz Siegfried (Rigorosum Datum: 1891).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 187-999, Grosz Siegfried (Promotion: 8.7.1893).

Ziviltrauung: 15.6.1901 (rel. ohne Bekenntnis).

Literatur:

Grosz, Siegfried und Oskar Reichel: Oedem und Herzhypertrophie als Folgen specifischer Gewebsveränderung bei Morbus Brightii. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien 1892.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Paschkis, Heinrich und Siegfried Grosz: Zur Behandlung der Psoriasis vulgaris Jodothyrin. Sonderdruck aus: Wiener klinische Rundschau. Wien: Verlag von Alfred Hölder, k.k. Hof u. Universitäts-Buchhändler 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried und Rudolf Kraus: Bacteriologische Studien über den Gonococcus. Aus der Abtheilung für Hautkrankheiten und Syphilis des Primararztes Prof. Dr. Mracek in der k. k. Krankenanstalt „Rudolphstiftung“ in Wien und dem staatlichen seotherapeutischen Institute (Prof. Dr. R. Paltauf). Sonderdruck aus: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.u.k Hof- und Universitäts-Buchhändler 1898.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Keratosis nigricans (Acanthosis nigricans, Dystropie papillaire et pigmentaire). Aus der Abtheilung für Hautkrankheiten und Syphilis des Primararztes Professor Dr. Maracek in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Die Serotherapie der Syphilis. Vortrag gehalten in der Wissenschaftlichen Versammlung des Wiener Medicinischen Doctorencollegiums am 26. Jänner 1903. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien, Berlin: Urban & Schwarzenberg 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Ein Beitrag zur Kenntnis der Cavernitis gonorrhoica. Aus dem Institute für path. Histologie und Bakteriologie der Wiener Universität (Vorstand Prof. Dr. R. Paltauf). (Mit 2 Abbildungen im Text). Sonderdruck aus: Monatshefte für praktische Dermatologie. Hamburg, Leipzig: Verlag von Leopold Voss 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Über nichtgonorrhoische Urethritis. (Hiezu Taf. IV.). Sonderdruck aus: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.u.k Hof- und Universitäts-Buchhändler 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Über eine bisher nicht beschriebene Hauterkrankung (Lymphogranulomatosis cutis). Aus dem Institute für pathologische Histologie und Bakteriologie der Universität Wien (Vorstand: Prof. Dr. R. Paltauf). Sonderdruck aus: Beiträge zur pathologischen Anatomie und zur allgemeinen Pathologie. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried und Richard Volk: Weitere serodiagnostische Untersuchungen bei Syphilis. Aus dem staatlichen serotherapeutischen Institute in Wien (Vorstand: Prof. R. Paltauf). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried: Gonorrhoische Erkrankung präputialer und paraurethraler Gänge. Sonderdruck aus: Handbuch der Geschlechtskrankheiten. Wien: Alferd Hölder, k.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grosz, Siegfried und Richard Volk: Syphilistherapie und Wassermannsche Reaktion. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.k. Hof- und Universitätsbuchhändler 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Die biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtscharaktere. Berlin: Springer 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 66464]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Beschreibung eines Eunuchenskelets. Sonderdruck aus: Archiv für Entwicklungsmechanik und Organismen. Leipzig: Engelmann 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-751]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Die Eunuchoide. Sonderdruck aus: Archiv für Entwicklungsmechanik und Organismen. Leipzig: Engelmann 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-753]

Tandler, Julius und Siegfried Grosz: Die Skopzen. Sonderdruck aus: Archiv für Entwicklungsmechanik und Organismen. Leipzig: Engelmann 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-752]

[1] Internationale klinische Rundschau, 14.10.1894, Sp. 1465-1468

[2] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 24, 1897, S. 572-575.

[3] Wiener klinische Rundschau, Nr. 1, S. 2-3; Nr. 2, 1899, S. 19-21.

[4] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 9, 1899, S. 211-219.

[5] Wiener klinische Rundschau, 1.9.1907, S. 553-554; 8.9.1907, S. 570-572.

[6] Wiener klinische Rundschau, Nr. 20, 1907, S. 326.

[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 23.12.1915, S. 3.

[8] Übersicht der akademischen Behörden, Professoren, Privatdozenten, Lehrer, Beamte etc. an der k.k. Universität zu Wien, Studienjahr 1907/08, S. 38.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 13.4.1909, S. 171.

[10] Der Militärarzt, Nr. 18, 1914, Sp. 375.

[11] Wiener Zeitung, 10.1.1915, S. 3.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 51, 1920, Sp. 2181.

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Letzte Aktualisierung: 2026.02.23

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [360]: Sternberg, Tobias – Arzt an der Heilanstalt Alland, Schriftsteller und Verleger, NS-Verfolgter

Sternberg, Tobias – Arzt an der Heilanstalt Alland, Schriftsteller und Verleger, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 23.02.2026

Keywords: Schriftsteller, Heilanstalt Alland, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Tobias Sternberg wurde am 29. August 1900 in Bojan in der Bukowina (heute: Bojany/Ukraine) als Sohn von David und Sara Sternberg geboren. 1926 heiratete er in Wien die aus Großwardein in Ungarn (heute: Oradea/Rumänien) stammende Studentin Piroska Szanto (1901-1979).

Nach dem Besuch des Josefstädter Obergymnasiums begann er im Wintersemester 1918/19 mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 13. Juli 1925 mit der Promotion abschloss.

Literarisches und verlegerisches Wirken

Nach dem Ersten Weltkrieg war er schriftstellerisch und verlegerisch aktiv. Er veröffentlichte das Werk „Dichter. Ein Traumspiel“ und fungierte 1919 in Wien als Redakteur sowie zeitweise als Herausgeber der anarchistisch-pazifistisch Expressionisten-Zeitschrift „Aufschwung. Zeitschrift der Jüngsten“ und des gleichnamigen Verlages. Neben Arbeiten von heute teils vergessenen jungen Autor:innen – wie der Grafikerin Maria Szanto (1899-1988), der Schwester seiner Frau Piroska – enthielt das Blatt Beiträge prominenter Persönlichkeiten wie Franz Werfel (1890-1945), Gabriele d’ Annunzio (1863-1938), Friedrich Gustav Heinrich Stadelmann (1865-1948), des Journalisten Josef Kalmer (1898-1959), des Malers Georg Tappert (1880-1957) oder des Anarchisten Erich Mühsam (1878-1934).[1] Weiters schrieb Sternberg für die Literaturzeitschrift „Die Zeit im Buch“ und für „Die Aktion[2].

Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1919.

Nach dem Studium führte er zunächst eine private Arztpraxis in Wien 15, Märzstraße 3, und publizierte 1926/1927 Fachaufsätze wie „Erfahrungen mit Peristaltin bei habitueller Obstipation[3] und „Über Nachtschweiß der Phtisiker“.[4] Gemeinsam mit Ernst Paulsen (Pollak) (1894-1965) führte er an der 3. Medizinischen Abteilung an der Rudolfstiftung Untersuchungen durch, die 1927 in der Arbeit „Wahl und Wertbestimmung antazider Mittel“ mündeten.[5]

Heilanstalt Alland

Ab 1927 war Sternberg als Sekundararzt sowie Haus- und Stationsarzt an der Lungenheilstätte Alland im Wienerwald tätig. Dort widmete er sich der Erforschung der Lungen- und Tuberkuloseerkrankungen und veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten, darunter „Zur Behandlung der Grippe als Mischinfektion[6] und „Muskelzeichen bei Lungentuberkulose[7] sowie „Untersuchungen über das periphere und perifokale Blutbild bei Lungentuberkulösen“. Es folgten Studien „Über konservative Behandlung tuberkulöser Knochenprozesse“ und die „Konstitutionstherapie der Lungentuberkulose“.[8]

Nach seinem Ausscheiden in Alland führte er ab 1933 eine Praxis in Wien 15, Goldschlagstraße 1.[9]

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft waren Tobias Sternberg und seine Ehefrau nach dem „Anschluss“ im März 1938 der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt. Ihnen gelang die Flucht nach England. Obwohl er für die Internierung erfasst worden war, blieb er von dieser Maßnahme ausgenommen.* 1941 konnte Sternberg seine medizinischen Qualifikationen erneut bestätigen (L.R.C.P., L.R.C.S. Edinburgh, L.R.F.P.S. Glasgow 1941) und erhielt im selben Jahr die britische Zulassung.[10] In Großbritannien etablierte sich Sternberg als Hausarzt im Londonder Stadtteil Highgate und arbeitete als Consultant Psychiatrist am St. Mary’s Hospital.[11]

Sein Adoptivsohn, der spätere Psychiater Michael Paul Sternberg (1933-2021), war der Sohn von Lilla Szanto (1910-1996), der Schwester seiner Frau, der die Flucht nach England erst später gelang.

Tobias Sternberg verstarb am 1. Jänner 1978 in London.

* Danke für den Hinweis von Dr.in Barbara Sauer (Wien 2026),

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0851, Sternberg Tobias (Nationalien Datum: 1918/19).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0819, Sternberg Tobias (Rigorosum Datum: 3.7.1925).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 193-1212, Sternberg Tobias (Promotion Datum: 13.7.1925).

Matriken der IKG Wien, Heiratsbuch 1926, Sternberg Tobias, Szanto Piroska.

Home Office: Aliens Department: Internees Index, 1939-1947, Internees at Liberty in the UK, Sternberg Piroska.

Home Office: Aliens Department: Internees Index, 1939-1947, Internees at Liberty in the UK, Sternberg Tobias.

England and Wales, Death Registration Index 1837-2007, Tobias Sternberg, 1977.

Literatur:

Sternberg, Tobias: Untersuchungen über das periphere und perifokale Blutbild bei Lungentuberkulösen. Mit 4 Abbildungen im Text. Sonderdruck aus: Beiträge zur Klinik der Tuberkulose. Berlin: Verlag von Julius Springer 1929.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Sternberg, Tobias: Über konservative Behandlung tuberkulöser Knochenprozesse. Sonderdruck aus: Zeitschrift für Tuberkulose. Leipzig: Johann Ambrosius Barth 1931.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] https://verlagsgeschichte.murrayhall.com/?page_id=284#Heading10

[2] Die Aktion. Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst, 1925.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 35, 1926, S. 1052-1053.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 43, 1926, S. 1285.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 4, 1927, S. 137-138.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1927, S. 626.

[7] Medizinische Klinik, Nr. 2, 1927, S. 49-50.

[8] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 7, 1933, S. 208-209.

[9] Medizinische Klinik, Nr. 42, 1933, S. 2.

[10] The Lancet, 8.2.1941, S. 200.

[11] British Medical Journal, 14. Januar 1978, S. 119.

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Letzte Aktualisierung: 2026.02.23

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [359]: Fisch, Maurus – Kurarzt, Balneologe und Frauenarzt in Franzensbad und Wien

Fisch, Maurus – Kurarzt, Balneologe und Frauenarzt in Franzensbad und Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 16.02.2026

Keywords: Balneologe, Frauenarzt, Kurarzt, Medizingeschichte, Franzensbad, Wien

Maurus (Moriz) Fisch wurde am 17. Mai 1874 als Sohn von Bernat Fisch und Klara (zirka 1836-1909), geborene Kalman, in Lugoj in Ungarn (heute: Rumänien) geboren. 1909 heiratete er in Wien-Alsergrund die aus Neutra in Ungarn stammende Irene Pach (1889-?). Aus der Ehe ging der Sohn Hans Kurt Fisch (1911-1946) hervor, der ebenfalls Mediziner wurde und 1939 aufgrund seiner jüdischen Herkunft vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in die USA flüchtete.

Fisch begann im Wintersemester 1894/95 mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien und promovierte am 30. September 1898. Seine weitere Ausbildung erhielt er als Operationszögling an der I. Chirurgischen und Gynäkologischen Abteilung bei Albert Mosetig von Moorhof (1838-1907), als Aspirant an der Klinik für Dermatologie und Syphilis bei Moriz Kaposi (1837-1902) sowie als Hospitant an der Internen Abteilung der I. Medizinischen Universitätsklinik bei Hermann Schlesinger (1866-1934) und an der Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik bei Emil Redlich (1866-1930). Danach war er als Hilfsarzt an der I. Frauenklinik bei dem Gynäkologen Julius Neumann (1868-1926) tätig.

Im Dezember 1900 erfolgte seine Ernennung zum Reserve-Assistenzarzt beim Infanterieregiment Erzherzog Joseph Nr. 37.[1]

Franzensbad – Trient – Wien

Seit 1900 arbeitete Fisch in den Monaten Mai bis Oktober im Kurort Franzensbad (heute: Františkovy Lázně) im „Palace Hotel“ als „Spezialarzt für Herz-. Nerven-, und Frauenkrankheiten“, und spezialisierte sich dort auf physikalische Behandlungsmethoden („Schott‘sche-schwedische Heilgymnastik, Oertel’sche Herzmassage, gynäkologische Massage nach Thure-Brandt, Herz-Gymnastik und Elektrotherapien). Zuletzt ordinierte er für seine internationalen Patienten in dem von ihm errichteten Kurhaus „Villa Dr. Fisch“. 1913 errichtete er in Franzensbad eine weitere diätisch-physikalische Heilanstalt.[2] Darüber publizierte er die Arbeiten „Die Behandlung von Herzkrankheiten in Franzensbad“ und „Combinirte Herztherapie“. 1908 publizierte er den Aufsatz „Balneotherapie bei durch Stoffwechselstörungen bedingten Herz- und Gefäßerkrankungen[3] und 1910 „Therapeutische Anwendung der Intensiv-Franklinisation mit dem Polyelektroid nach Dr. Fisch“.[4]

Polyelektroid: Medizinische Klinik, Nr. 35, 1910, S. 1377.

Ab 1901/02 arbeitete er in den Monaten von September bis Mai in Trient im Imperial Hotel Trento, wo er eine „Climatische Winterstation für Herz- und Nervenkranke“ zur Therapie betrieb.

Inserat: Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 4, 1902, Sp. 208.

In diesem Zusammenhang entwickelte neben seiner kurärztlichen Praxis ein Kohlensäurebad unter dem Namen „Aphor“, das er in Hallein in Salzburg herstellen ließ. Darüber publizierte er die Arbeit „Dosirte (künstliche) Kohlensäure-Bäder (nach System Dr. Fisch) „Aphor““.

Fisch nahm als Vortragender u.a. 1904 am Österreichischen Balneologen-Kongress in Abbazia[5] (heute: Opatja/Kroatien) und 1905 am Berliner Balneologen-Kongress[6] sowie 1910 am 31. Balneologen-Kongress teil.[7]

Ab zirka 1905/06 lebte Fisch – außerhalb der Kursaison in Franzensbad – in Wien. Zunächst bot er in Wien I, Krugerstraße 5, danach am Getreidemarkt 14 Winterbadekuren an; ab etwa 1910 ordinierte er in Wien 9, Mariannengasse 2.

Ethische Gesellschaft – Fürsorgestelle für Kurbedürftige

Im Jahr 1905 initiierte Fisch innerhalb der 1894 gegründeten Ethischen Gesellschaft in einem im Auftrag der Gesellschaft gehaltenen Referat Überlegungen zu Maßnahmen der unentgeltlichen Unterbringung mittelloser Personen in Kurorten und Heilstätten mit dem Ziel einer nachhaltigen Fürsorge „unter Schonung ihres Ehrgefühles“.[8] Dies führte im April 1905 zur Konstituierung der „Fürsorgestelle für unbemittelte Kurbedürftige“.

Dem von der Gesellschaft nominierten Komitee gehörten neben Maurus Fisch der Mineraloge Aristides Brezina (1848-1909), der Philosoph und Freidenker Wilhelm Börner (1882-1951), die in der sozialen Fürsorge in Wien tätige Frauenrechtsaktivistin Berta Frankl-Scheiber (1863-1942), der Gynäkologe Hugo Klein (1863-1937), der Jurist und Sozialpolitiker Julius Ofner (1845-1924), der Radiologe Sigmund Schick (1868-1928), der Sozialmediziner Ludwig Teleky (1872-1957), die Philanthropin und Organisatorin von Fürsorgeeinrichtungen Rosa Wien (1847-1935) sowie der Finanzbeamte Theodor Wolf (1865-1941) an.[9]

Während seiner Jahre in Wien war Fisch Arzt des Verbandes der Genossenschafts-Krankenkassen Wiens[10] und ab etwa 1910 auch der Gremial-Krankenkassen der Wiener Kaufmannschaft.

Fisch war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte, der Hufelandschen balneologischen Gesellschaft in Berlin, des Zentralverbands der Balneologen Österreichs in Wien, der königlich-ungarischen balneologischen Gesellschaft in Budapest, der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde, und der Gesellschaft für physikalische Medizin in Wien. Publizistisch war er als Redakteur der Balneologischen Revue (Wien-Berlin) und der „Heilmittel-Revue“ sowie als Mitarbeiter der „Deutschen Ärzte-Zeitung“ in Berlin tätig.

In Franzensbad engagierte er sich als Vorstandsmitglied der lokalen Esperanto-Gruppe und fungierte als Konsul der Weltvereinigung esperantischer Ärzte (T.E.K.A.).

Maurus Fisch verstarb am 6. November 1917 in Budapest in Folge der Ausübung seines Dienstes als Militärarzt.

Fisch Maurus: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 9.11.1917, S. 14.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0452, Fisch Maurus (Nationalien Datum: 1894/95).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-075b, Fisch Maurus alias Moriz (Rigorosum Datum: 27.9.1898).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-0001, Fisch Moriz (Promotion Datum: 30.9.1898).

Literatur:

Fisch, Maurus: Die Behandlung von Herzkrankheiten in Franzensbad. Sonderdruck aus: Wiener medicinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Fisch, Maurus: Combinirte Herztherapie. Sonderdruck aus: Medicinische Blätter. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Fisch, Maurus: Dosirte (künstliche) Kohlensäure-Bäder (nach System Dr. Fisch) „Aphor“. Sonderdruck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag: Druck von Carl Bellmann 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 16.12.1900. S. 49; Wiener Zeitung, 16.12.1900. Nr. 1.

[2] Egerer Anzeiger, 28.11.1913, S. 4.

[3] Medizinische Klinik, Nr. 23, 1908, S. 865-867

[4] Medizinische Klinik, Nr. 35, 1910, S. 1377-1378.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 16.10.1904, S. 9.

[6] Die Zeit, 14.3.1905, S. 8.

[7] Deutsch-Englischer-Reise Courier, Nr. 4, 1910, S. 9.

[8] Die Zeit, 5.4.1905, S. 4.

[9] Die Zeit, 12.4.1905, S. 6.

[10] Franzensbader Curliste, 1909.

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Letzte Aktualisierung: 2026.02.16

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [358]: Borak, Jonas – Röntgenologe am Zentralröntgeninstitut des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, Primarius am Rothschild-Spital in Wien, NS-Verfolgter

Borak, Jonas – Röntgenologe am Zentralröntgeninstitut des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, Primarius am Rothschild-Spital in Wien, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 09.02.2026

Keywords: Röntgenologe, Zentralröntgeninstitut Allgemeines Krankenhaus Wien, Rothschild-Spital, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Jonas Borak wurde am 7. Jänner 1893 in Morszyn im Bezirk Lemberg in Galizien (heute: Lwiw/Ukraine) als Sohn des in Stryi in Galizien tätigen Industriellen Selig Borak (1859-1926) und Wittel (1861-?), geborene Fränkel, geboren. 1927 heiratete er Emilia Flintenstein (1897-1970).

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stryi studierte er ab 1911 in Leipzig, anschließend in Heidelberg und Berlin Philosophie, Physik und Geschichte. 1915 promovierte er bei dem Philosophen Paul Barth (1858-1922) mit der Dissertation zum Thema: Prinzip der Erhaltung der Energie. Bereits im Wintersemester 1914/15 inskribierte er an der Universität Wien das Studium der Medizin und schloss dieses am 18. März 1921 mit dem Rigorosum ab. Danach eröffnete er eine private Arztpraxis in Wien 8, Josefstädterstraße 23.[1]

Psychologische Abteilung des Physiologischen Instituts der Universität Wien und III. Medizinische Klinik

Bereits 1920 veröffentlichte er am Physiologischen Institut der Universität Wien gemeinsam mit dem Leiter der Psychologischen Abteilung, Rudolf Allers (1883-1963), den Aufsatz „Zur Frage des „Muskelsinnes“. Zugleich ein Beitrag zur Theorie der Amputation nach Sauerbach[2], und im selben Jahr „Zur Physiologie der Gewichtsempfindung auf Grund von Versuchen an Amputierten“. 1921 folgte der Aufsatz „Über die Empfindlichkeit für Gewichtsunterschiede bei abnehmender Reizstärke“,[3] und 1923 an der chemischen Abteilung des Instituts „Über den Einfluß des Säuren- und Basengehalts der Nahrung auf die Zusammensetzung des Harns wachsender Hunde“.

Daneben absolvierte er eine internistische Ausbildung an der III. Medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus. Laut Nachrufen gehörte Borak zu dieser Zeit dem Kreis um Sigmund Freud (1856-1939) an.

Zentralröntgeninstitut des Allgemeinen Krankenhauses

1923 wechselte Borak als Assistent von Guido Ludwig Holzknecht (1882-1931) an das Zentralröntgeninstitut des Allgemeinen Krankenhauses. Hier publizierte er eine Reihe von Arbeiten, darunter gemeinsam mit dem Radiologen Artur Kriser (1878-1938) „Zur Frage der Beziehung zwischen „Röntgenkater“ und Leberbestrahlung[4], sowie „Die Röntgentherapie der Erfrierungsdermatitis“,[5]Die Röntgenbehandlung der Raynaud’schen Krankheit“,[6] „Über die Cautard’sche Methode der Röntgenbehandlung des Krebses“,[7]Die diagnostische Auswertung von Röntgenbestrahlungseffekten“, „Untersuchungen bei röntgenbestrahlten Melanosarkomen“, „Der derzeitige Stand der Röntgentherapie der Basedowschen Krankheit“, oder „Jod und Basedow“.

Rothschild-Spital

Im August 1931 übernahm Borak als Nachfolger von Isak Robinson (1874-1932) die Leitung der Röntgenabteilung am Rothschild-Spitals.[8]

Hier publizierte er unter anderem „Zur Entstehungsart der Hauptpigmentierung nach Röntgenstrahlungen“,[9]Röntgentherapeutischer Erfolg in einem Falle von sogenannter Kalgicht“,[10]Die Röntgentherapie bei Knochenkarzinommetastasen“,[11]Wovon hängt die strahlentherapeutische Heilbarkeit einer Neubildung ab?“,[12]Die biologischen Grundlagen der fraktionierten Bestrahlungsmethode bösartiger Geschwülste“,[13]Über radiogene Hyperkeratosen der Schleimhaut“, „Über die epidermiolytische Bestrahlungsreaktion“ sowie „Die strahlentherapeutische Bedeutung der Epitheliolyse mit spezieller Berücksichtigung der oro-phary-laryngealen Karzinome“.

Borak unterrichtete seit den 1920er Jahren an den Internationalen Fortbildungskursen der Wiener Medizinischen Fakultät[14] und hielt Vorträge auf zahlreichen wissenschaftlichen Kongressen zur Röntgenologie, darüber hinaus hielt er regelmäßig populärwissenschaftliche Vorträge an den Wiener Volkshochschulen, darunter am Volksheim. Im Jänner 1938 wurde er sowie die österreichischen Röntgenologen Leopold Freund (1868-1943) und Max Saglitzer (1884-1973) auf der 15. Tagung der deutschen Röntgenologen in der Tschechoslowakei zu korrespondierenden Mitgliedern der Vereinigung gewählt.[15]

Weitere Publikationen befinden sich in der Separata-Bibliothek der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

Borak war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien sowie Ehrenmitglied der griechischen Röntgengesellschaft.

Darüber hinaus positionierte sich Borak in politischen und gesellschaftlichen Fragen. Er war Mitglied der Sozialdemokratischen Ärzte in Wien[16] und unterstützte seit den 1920er Jahren den Verein Keren Kajemeth LeIsrael. 1935 hielt er bei der Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie ein Referat zum Thema „Es gibt keine jüdische Rasse“[17], womit er einen Gegenentwurf zu den biologistischen Rassenlehren der 1930er Jahre entwickelte und sich damit die Gegnerschaft der Nationalsozialisten zuzog. Zu diesem Thema hielt er noch weitere Vorträge unter anderem auch am Weltkongress jüdischer Ärzte in Tel-Aviv.[18] 1937 veröffentlichte er zudem die „Aufklärungsschrift gegen den Antisemitismus“.[19]

New York, Eastern District Naturalization Petitions, Index, 1865-1957, Borak Jonas, 1944.

Borak und seine Ehefrau, die 1938 in Wien 1, Reichsratsstraße 11, wohnhaft waren, wurden nach dem „Anschluss“ im März 1938 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Nachdem Borak von der Gestapo achtundachtzig Tage inhaftiert worden war und die internationale Presse von seinem Suizid berichtet hatte, intervenierte die American Medical Association wegen seines angeblichen Suizides, was seine Freilassung zur Folge hatte.[20] Daraufhin erhielt er von der New Yorker Universität die Einladung zu mehreren Vorträgen in die USA. Borak emigrierte im März 1939 von Wien über Antwerpen und Le Havre in Frankreich mit der SS Paris nach New York, wo er am 6. April 1939 eintraf. Seiner Ehefrau gelang im Juni 1939 die Flucht über Antwerpen und England nach New York.

In den USA erhielt Borak 1944 die US-Staatsbürgerschaft und arbeitete als Assistent und Röntgenologe am Goldwater Memorial Hospital, wo er 1945 den Aufsatz „Beneficial Effects of Roentgen Therapy in Advanced Cass of Rheumatoid Artritis“ publizierte, sowie am City Hospital in New York. An der New York Academy of Medicine sowie am New York University College of Medicine hielt er Vorlesungen. In den USA war er Mitglied der Fidelity Lodge der Free Sons of Israel.

Jonas Borak verstarb am 4. April 1949 in New York.

Find a grave: Borak Jonas, Emily.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0683, Borak Jonas (Nationalien Datum: 1914/15).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0061, Borak Jonas (Rigorosum Datum: 18.3.1921).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., Zl. 23.927, Borak Jonas.

United States. Immigration and Naturalization Service, United States. National Archives and Records Administration, Passenger and crew lists of vessels arriving at New York, 1897-1942, Borak Jonas.

New York, Eastern District Naturalization Petitions, Index, 1865-1957, Borak Jonas, 1944.

Principal Akte verstorbener Ärzte der Vereinigten Staaten (AMA), 1864-1968, Deceased American Physicians: Vereinigte Staaten, Nachrufe, Borak Jonas.

Science, 13.5.1949, S. 503.

Literatur:

Borak, Jonas: Zur Physiologie der Gewichtsempfindung auf Grund von Versuchen an Amputierten. Aus dem physiologischen Institut der Universität Wien (Prof. Dr. A. Durig). Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien. Wien: In Kommission bei Alfred Hölder 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas: Über den Einfluß des Säuren- und Basengehalts der Nahrung auf die Zusammensetzung des Harns wachsender Hunde. Aus der chemischen Abteilung des Wiener physiologischen Universitätsinstituts. Sonderdruck aus: Biochemische Zeitschrift. Braunschweig: Druck von Friedr. Vierweg & Sohn 1923.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas und Robert Lenk: Die diagnostische Auswertung von Röntgenbestrahlungseffekten. Aus dem Zentralröntgenlaboratorium des Allgemeinen Krankenhauses in Wien (Vorstand: Prof. Dr. G. Holzknecht). Sonderdruck aus: Wiener Archiv für innere Medizin. Wien und Berlin: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas und Fritz Driak: Untersuchungen bei röntgenbestrahlten Melanosarkomen. Ein Beitrag zur Biologie der Strahlenwirkung. Aus dem Zentral-Röntgeninstitut des Allg. Krankenhauses (Prof. Holzknecht) und der III. medizinischen Klinik (Prof. Chvostek) Wien. Sonderdruck aus: Strahlentherapie. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas: Der derzeitige Stand der Röntgentherapie der Basedowschen Krankheit. Aus dem Zentral-Röntgeninstitut des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (Vorstand: Prof. Dr. G. Holzknecht). Sonderdruck aus: Strahlentherapie. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas: Jod und Basedow. Aus dem Zentral-Röntgeninstitut des Allgem. Krankenhauses in Wien (Vorstand: Prof. Dr. Holzknecht). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Buchdruckerei Bruno Bartelt 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas: Über radiogene Hyperkeratosen der Schleimhaut. Aus dem Röntgeninstitut des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde in Wien (Vorstand: J. Borak). Sonderdruck aus: Virchow’s Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin. Würzburg: Druck der Universitätsdruckerei H. Stürtz AG 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas: Über die epidermiolytische Bestrahlungsreaktion. Aus dem Zentralröntgeninstitut des Allg. Krankenhauses, weiland Prof. Holzknecht (Stellvertr. Leiter: Doz. E.G. Mayer) und dem Röntgeninstitut des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde (Primarius: Dr. J. Borak) in Wien. Sonderdruck aus: Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen. Leipzig: Verlag von Georg Thieme 1932.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Borak, Jonas: Die strahlentherapeutische Bedeutung der Epitheliolyse mit spezieller Berücksichtigung der oro-phary-laryngealen Karzinome. Sonderdruck aus: Strahlentherapie. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 41, 1921, Sp. 1783.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 26, 1920, S. 1165-1168.

[3] Psychologische Forschung, 1921, S. 374-389.

[4] Medizinische Klinik, Nr. 19, 1923, S. 644.

[5] Medizinische Klinik, Nr. 5, 1925, S. 163-164.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 17, 1929, S. 536-537.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 51, 1931, S. 1677-1680; Nr. 52, 1931, S. 1703-1709.

[8] Der Tag, 7.8.1931, S. 4.

[9] Medizinische Klinik, Nr. 36, 1933, S. 1206-1208.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 38, 1934, S. 1012-1013.

[11] Medizinische Klinik, Nr. 24, 1935, S. 782-785.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 3, 1937, S. 62-67.

[13] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 27, 1937, S. 736-739.

[14] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 32, 1928, S. 1047; Medizinische Klinik, Nr. 18, 1931. S. 672.

[15] Gerechtigkeit, 7.1.1938, S. 4.

[16] Arbeiter Zeitung, 26.5.1924, S. 2.

[17] Gerechtigkeit, 14.11.1935, S. 4.

[18] Der Tag, 3.4.1936, S. 8.

[19] https://juedisches-laa.at/juedisches-weinviertel/bes-eintraege-kassabuch/ [08.02.2026].

[20] New York State Journal of Medicine, 1.5.1949, S. 1084.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [357]: Syrski, Szymon – Zoologe und Mediziner in Triest und Lemberg

Syrski, Szymon– Zoologe und Mediziner in Triest und Lemberg

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 02.02.2026

Keywords: Mediziner, Zoologe, Ichthyologe, Medizingeschichte, Triest, Lemberg, Wien

Szymon (Simon) Syrski wurde am 24. Oktober 1829 in Lubnie in Galizien (heute: Lubny/Ukraine) geboren. Er besuchte Schulen in Jaslo, Przemysl und Krakau und studierte anschließend an den Universitäten in Krakau (1853-1858), London sowie Wien (ab 1859/60) Medizin. Sein Studium schloss er am 19. Mai 1865 an der Universität Wien mit der Promotion ab. Zu seinen Lehrern zählten unter anderem der Leiter des Zootomischen Instituts Carl Bernhard Brühl (1820-1899) sowie der Anatom Josef Hyrtl (1810-1894). Bereits während seines Studiums unternahm Syrski zu Ausbildungszwecken Reisen nach Italien und Paris, wo er unter anderem bei dem Zoologen André Marie Constant Duméril (1774-1860) und Henri Milne Edwards (1800-1885) studierte. Über diese Aufenthalte berichtete er 1865 in einer Artikelserie in der Wiener medizinischen Wochenschrift unter dem Titel „Medicinisches aus Italien und Frankreich“.[1]

Museo Civico di Storia Naturale, Triest

Nachdem Syrski 1866 für kurze Zeit an der Universität in Warschau vergleichende Anatomie gelehrt hatte, wurde er noch im selben Jahr zum Konservator und Vorstand des städtischen naturhistorischen Museums in Triest bestellt, wo er eine Sammlung aufbaute. Von dort aus widmete er sich mit Forschungen zur Adelsberger Grotte (heute: Postojna/Slowenien), zur Landwirtschaft im Karstgebiet, zur Austernkultur an der adriatischen Küste sowie zu Algen und Fischen. 1874 publizierte er für die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien die Arbeit „Über die Reproductions-Organe der Aale“, auf die sich 1876 Sigmund Freud bei seinen Studien zur Reproduktion von Aalen bei seinem Aufenthalt in Triest bezog. 1868 nahm er auf dem Schiff Fiume an der Erforschung der adriatischen Küste teil.[2] In Triest war er zudem auch Mitglied des Triester adriatisch-naturwissenschaftlichen Vereins und bis 1874 Präsident der adriatisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaft.

Szymon Syrski: Wedrowiec, Serya 3, Nr. 1, 1877, S. 1.

Österreichisch-ungarische Ostasien-Expedition (1868–1871)

Im Oktober 1868 nahm Syrski von Triest aus als Berichterstatter an der ersten österreichischen ostasiatischen Expedition auf der Fregatte „Donau“ teil. Als Mitglied des Expeditionsteams wirkte er an der Vorbereitung der wirtschaftlichen Interessen der Habsburgermonarchie mit, insbesondere im Hinblick auf landwirtschaftliche Produktion, den Abschluss von Handelsverträgen und den Ausbau von Handelsbeziehungen mit den asiatischen Staaten Siam, China und Japan sowie den südamerikanischen Ländern Peru und Chile. Sein fachlicher Schwerpunkt lag auf der chinesischen Seidenraupenzucht sowie der Berichterstattung zur Landwirtschaft und Agrarproduktion, einschließlich der Analyse der Produktionsbedingungen, Ertragsmethoden und Exportfähigkeit. Diese Aufgaben erhielt er aufgrund seiner einschlägigen Erfahrungen mit der Seidenraupenzucht, die er zuvor zweieinhalb Jahre auf dem Gut des Grafen Maran Hutten-Czapski (1816-1875) in Wolhynien gesammelt hatte.[3] Zu den publizistisch-wissenschaftlichen Akteuren zählten unter anderem Karl von Scherzer (1821-1903) (Koordinator und Herausgeber der Berichte) sowie Syrski, der insbesondere Beiträge zur Landwirtschaft und Seidenkultur verfasste. Ein zentraler Bericht über die die Expedition und Syrskis Beiträge erschien unter dem Titel „Fachmännische Berichte über die österreichisch-ungarische Expedition nach Siam, China und Japan. (1868-1871). Im Auftrage des k.k. Handelsministeriums redigirt und herausgegeben von Dr. Karl von Scherzer, Stuttgart 1872“. Eine weitere Darstellung der Expedition wurde 1872/72 in dem Journal Österreichische botanische Zeitschrift veröffentlicht.[4] Für seine Tätigkeit während der Expedition erhielt Syrski 1871 das Ritterkreuz des Franz-Josef-Orden verliehen.[5]

SMS Donau

Nach seiner Rückkehr nach Triest veröffentlichte er eine weitere Artikelserie unter dem Titel „Europäische Medizin in Japan“.[6]

Das „Wiener Aquarium“ auf der Weltausstellung 1873

Im Februar 1872 wurde Syrski als Mitglied in das Ausstellungskomitee zur Weltausstellung (Ausstellungskommission im Küstenland) auf dem Gelände des Wiener Praters berufen,[7] zumal er bereits Pläne für ein unterseeisches Aquarium im Rahmen einer geplanten zoologischen Beobachtungsstation in Triest entworfen hatte. Das Wiener Aquarium und Vivarium entstand am Beginn der Prater-Hauptallee, wofür Syrski auch eine Sammlung präparierter Meerestiere aus dem Museum in Triest zur Verfügung stellte. Das Schauaquarium bestehend aus einer Süß- und einer Seewasserabteilung mit insgesamt 41 Wasserbehältern wurde am 29. Juni 1873 eröffnet.

Wiener Aquarium, Wiener Weltausstellungs-Zeitung, Nr. 7, 1873, S. 109.

Für diese Arbeit er hielt Syrski im Oktober 1873 die Nobilitierung „österreichischer Adel mit Nachsicht der Taxen“.[8] Im September 1875 nahm er an einer geologischen und botanischen Forschungsreise auf der Inselgruppe Pelagosa (heute Palagruza/Kroatien) teil.[9]

Mit Entschließung vom 25. Dezember 1875 wurde Syrski zum ordentlichen Professor der Zoologie an der Universität in Lemberg ernannt.[10] Dort lehrte er bis zu seinem Tod 1882. Darüber hinaus übernahm er ab 1878 die Leitung des zoologischen Museums der Universität Lemberg, betreute das naturhistorische Kabinett der Universität und unterrichtete an der chemischen Abteilung der Technischen Hochschule. Zusätzlich war er in Lemberg als Referent des Pädagogischen Vereins tätig, unter anderem im Rahmen populärwissenschaftlicher Vortragsreihen für Frauen,[11] sowie Mitglied und der Realschul-Prüfungskommission.[12]

Ab 1865 war er Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien, ab 1877 der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Krakau und Mitglied der polnisch naturwissenschaftlichen Nikolaus Kopernikus Gesellschaft.

Szymon Syrski verstarb am 13. Jänner 1882 in Lemberg.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 181-1284, Syrski Simon (Promotion Datum: 19.5.1865).

Literatur:

Syrski, Simon: Über die Reproductions-Organe der Aale. Vorgelegt in der Sitzung am 16. April 1874. Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien: In Commission bei Carl Gerold’s Sohn 1874.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 89, 1865, Sp. 1617-1620; Nr. 100, 1865. Sp. 1803-1806; Nr. 101, 1865, Sp. 1823-1825; Nr. 102, 1865, Sp. 1839-1842.

[2] Neue Freie Presse, 4.3.1868, S. 6.

[3] Die Presse, 1.10.1868, S. 8.

[4] Österreichische botanische Zeitschrift, Nr. 1, 1872, S. 24-32; Nr. 6, 1872, S. 198-201.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 4.10.1871, S. 2.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 31, 1870, Sp. 704.

[7] Neue Freie Presse, 22.2.1872, S. 13.

[8] Wiener Zeitung, 1.11.1873, S. 390.

[9] Neues Fremden-Blatt, 23.9.1875, S. 1.

[10] Neue Freie Presse, 7.1.1876, S. 2.

[11] Allgemeine Zeitschrift für Lehrerinnen, 5.9.1877, S. 5.

[12] Wiener Zeitung, 22.11.1880, S.3.

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Letzte Aktualisierung: 2026.02.02

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [356]: Braun, Michael – Marinestabsarzt und Ohrenarzt in Wien

Braun, Michael – Marinestabsarzt und Ohrenarzt in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 23.01.2026

Keywords: Militärarzt, Ohrenarzt, Allgemeines Krankenhaus, Medizingeschichte, Triest, Pula, Wien

Michael (Moritz, Moriz) Braun wurde am 25. Mai 1842 in Kaszo in Ungarn als Sohn eines Gutspächters geboren. Nach dem Abschluss des Gymnasiums studierte er in Budapest und Wien Medizin, wo er das Studium mit dem Rigorosum und am 31. März 1868 mit seiner Promotion zum Doktor der Medizin und der Chirurgie abschloss.

Am 25. Jänner 1868 trat er als provisorischer Korvettenarzt in die österreichisch-ungarische Marine ein.[1] Zunächst wurde er im Seebezirk Triest der Panzerfregatte Salamander zugeteilt;[2] ab 1869 versah er seinen Dienst auf dem Schrauben-Kanonenboot „Herka“.[3] 1870 wurde er in den Seebezirk Pula überstellt. Dort war er bis 1871 auf der „Bellona“, 1871-1872 auf der „Dandolo“,  1875-1876 auf dem Dampfer „Andreas Hofer“,[4] 1876-1878 als Arsenalinspektionsarzt in Pula, 1879-1881 im Marinespital „Custoza“, 1881 auf dem Aviso-Schiff „Miramare“,[5] sowie 1881-1882 auf dem Schiff „Erzherzog Albrecht“ tätig.

Danach diente er erneut im Seebezirk Triest, zunächst im Matrosendetachement, [6] sodann auf dem Schiff „Novara“, und 1885 als Spitalsleiter in Dignano. 1886 wurde er dem Marinespital Pula zugewiesen und war im Anschluss daran als Assistenzarzt in Istrien tätig.[7] Im November 1871 erfolgte seine Ernennung zum Korvettenarzt,[8] 1876 zum Linienschiffs-Arzt.[9] Im April 1887 schied er aus dem aktiven Marinedienst (im Ruhestand) aus und ließ sich als Facharzt in Triest nieder. 1895 erhielt er den Titel eines Marinestabsarztes.[10]

In Triest entwickelte Braun die sogenannte Vibrationsmassage und veröffentlichte in den folgenden Jahren zahlreiche Arbeiten, darunter 1887 „Zur Kasuistik der Nasenrachentumoren“,[11] 1888, „Papilloma des linken Aryknorpels und der Intraarytenoideal-Schleimhaut[12] sowie 1889 „Blutlose Operation eines Nasenrachenpolypen,“[13]Hochgradiges Stottern, Schwerhörigkeit und intensive Kopfschmerzen mit Unvermögen die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand durch längere Zeit zu concentrieren, geheilt durch Zerstörung adenoider Vegetationen im Nasenrachenraume“ und die Entgegnung „Erwiderung des Dr. Michael Braun aus Triest an den Herrn Professor O. Chiari in Wien.“

1890 erschienen in Triest zunächst im Selbstverlag die Monografie „Massage, beziehungsweise Vibrationen der Schleimhaut der Nase, des Nasenrachenraumes und des Rachens“ sowie im selben Jahr „Ueber Vibrationsmassage der oberen Atemwege“. Weitere Arbeiten zur Vibrationsmassage publizierte Braun 1897 „Vibrationsmassage der Schleimhaut, der oberen Luftwege mittels Sonden[14] und 1925 „Behandlung der progressiven Schwerhörigkeit (Taubheit) durch manuelle Dauervibrationen“,[15] die er 1928 als Monografie im Verlag Moriz Perles herausgab.

Im Mai 1902 übersiedelte Braun von Triest nach Wien, wo er zunächst in Wien 1, Kolowratring 14, eine private Arztpraxis für Erkrankungen der Nase, des Kehlkopfes und der Ohren eröffnete, die er später nach Wien 1, Stubenring 16 verlegte.

Braun Michael: Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 28.5.1929, S. 5.

Zum Kreis seiner Patienten zählten Kaiserin Elisabeth (1837-1898) und weitere Mitglieder des Kaiserhauses sowie u.a. Wilhelm von Tegetthoff (1827-1871), darüber hinaus erlangte Braun wegen seiner Behandlungsmethoden internationale Beachtung.

1894 erhielt Braun das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens,[16] 1899 den fürstlich montenegrinischen Danilo-Orden 4. Klasse,[17] 1901 den königlich serbischen St. Save Orden,[18] 1908 den Orden der Eisernen Krone[19] und im Februar 1914, mit Antritt seines Ruhestandes, das Offizierskreuz des Franz Josef-Orden[20]. Während des Ersten Weltkrieges – er meldete sich im August 1914 freiwillig aus dem Ruhestand zum Kriegsdienst – erhielt er das Offiziersehrenzeichen vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration für besondere Verdienste um die militärische Sanitätspflege.[21]

Michael Braun verstarb am 14. Juli 1931 in Wien.

Michael Braun: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 15.7.1931, S. 4.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-21a, Braun Moritz (Rigorosum Datum: 1867).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-214, Braun Moritz (Promotion Datum: 8.11.1867).

Literatur:

Braun, Michael: Hochgradiges Stottern, Schwerhörigkeit und intensive Kopfschmerzen mit Unvermögen die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand durch längere Zeit zu concentrieren, geheilt durch Zerstörung adenoider Vegetationen im Nasenrachenraume. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Alfred Hölder, k.k. Hof u. Universitäts-Buchhändler 1889.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Braun, Michael: Erwiderung des Dr. Michael Braun aus Triest an den Herrn Professor O. Chiari in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Alfred Hölder, k.k. Hof u. Universitäts-Buchhändler 1892.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Braun, Michael: Ueber Vibrationsmassage der oberen Atemwege. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

 

[1] Österreichische Soldatenfreund, 29.2.1868, S. 144.

[2] Neue militärische Zeitschrift, Nr. 3, 1868, S. 108.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1869, Sp. 564.

[4] Der Kamerad. Österreichisch-ungarische Wehr-Zeitung, 4.10.1876, S. 3.

[5] Österreichischer Soldatenfreund, 18.2.1881, S. 111.

[6] Österreichischer Soldatenfreund, 30.6.1882, S. 414.

[7] Danzers Armee-Zeitung, 28.8.1931, S. 6.

[8] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 7.11.1871, S. 372.

[9] Neue Freie Presse, 30.10.1876, S. 7.

[10] Die Presse, 16.3.1895, S. 4.

[11] Internationale klinische Rundschau, Nr. 27, 1887, Sp. 852.

[12] Internationale klinische Rundschau, Nr. 19, 1888, Sp. 714-715.

[13] Internationale klinische Rundschau, Nr. 11, 1889, S. 463-464.

[14] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 2.11.1897, S. 498.

[15] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 48, 1925, Sp. 2665-2668.

[16] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 49, 1894, Sp. 2119.

[17] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 3, 1899, S. 61.

[18] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 3, 1902, S. 133.

[19] Der Militärarzt, Nr. 9, 1908, Sp. 144.

[20] Der Militärarzt, Nr. 3, 1914, Sp. 68.

[21] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 47, 1915, Sp. 1756.

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Letzte Aktualisierung: 2026.01.23

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