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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [380]: Wasserthal, Ignaz – Balneologe in Karlsbad

Wasserthal, Ignaz – Balneologe in Karlsbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 27.07.2026

Keywords: Balneologe, Badearzt, Karlsbad, Medizingeschichte, Wien

Ignaz (Ignacy Izaak Aron) Wasserthal wurde am 10. Juli 1840 in Krakau in Galizien (heute: Kraków/Polen) im Kaisertum Österreich als Sohn von Dawid Leibel Wasserthal (1812-1898) und Ester (1810-1875), geborene Lefler, geboren. Seit 1873 war er mit Chana Anna Najman (Neuman) (1855-1919) verheiratet. Aus der Ehe ging der Sohn Jakub (Jakób) Wasserthal (1874-1943) hervor.

Wasserthal studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 5. November 1872 zum Doktor der gesamten Heilkunde und am 2. Juli 1873 zum Doktor der Chirurgie.

Anschließend übersiedelte Wasserthal nach Tschenstochau (heute: Częstochowa/Polen) in Russisch-Polen. Dort war er als Fabrikarzt der Jutespinnerei und Weberei „Warta“ tätig und führte daneben eine ärztliche Privatpraxis.

Karlsbad (Karlovy Vary)

Seit etwa 1900 war Wasserthal während der Sommermonate auch als Kur- und Badearzt in Karlsbad tätig. Dort spezialisierte er sich auf Erkrankungen des Verdauungstraktes sowie der Nieren und Harnwege. Aus dieser Tätigkeit gingen mehrere wissenschaftliche Arbeiten hervor, darunter „Über die Bedeutung von Flagellaten im Stuhl bei Achylia gastrica“, „Sur la valeur de la reaction de Molliere (violet de methyle) pour deceler l`acide chlorhydrique libre dans l’estomac“(1907 und 1908), „Ueber Zylindrurie im eiweissfreien Harn und ihre Beziehungen zur chronischen Obstipation“ (1909), sowie kurz vor seinem Tod „Bemerkungen zur Balneotherapie der Harnkrankheiten“.

Posthum erschienen noch „Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usitées en therapeutique“, Les mátieres dialysables du contenu stomacal décelables par la réaction de la ninhydrine“ sowie 1913 eine weitere Fassung von „Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usiteés en therapeutique“ und „L’examen microscopique des feces au polariscope“, die er gemeinsam mit René Goiffon (1882-1964) verfasste, der im Laboratorium des Gastroenterologen Albert Mathieu (1855–1917) in Saint-Antoine tätig war. Albert Mathieu, in dessen Laboratorium die Arbeiten entstanden, hatte am Hôpital Saint-Antoine in Paris eine der führenden Schulen der Gastroenterologie begründet und 1907 die Fachzeitschrift Archives des maladies de l’appareil digestif ins Leben gerufen.

Neben der häufig unentgeltlichen Behandlung mittelloser Patienten und Fabrikarbeiter:innen engagierte er sich beim Aufbau von Ferien- und Sommerkolonien für Kinder aus verarmten Elternhäusern in Częstochowa, die er auch medizinisch betreute, um der weit verbreiteten Tuberkulose und Unterernährung entgegenzuwirken.

Wasserthal war Mitglied in regionalen Ärztegesellschaften wie der Ärzteschaft des Gouvernements Piotrków und hielt regelmäßig Fachvorträge.

Wasserthal verstarb am 21. Dezember 1910 während eines Behandlungsaufenthaltes in Berlin, wo er am städtischen jüdischen Friedhof (Berlin-Weißensee) beigesetzt wurde.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0085, Wasserthal Isak (Nationalien Datum: 1870/71).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-1166, Wasserthal Isak (Promotion Datum: 5.11.1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-828, Wasserthal Isak (Promotion/Chirurgie Datum: 2.7.1873).

Setowski Juliusz: Wassertal (Wasserthal), https://www.czestochowajews.org/wp-content/uploads/WASSERTAL-Ignacy-pp-462-462.pdf

Literatur:

Wasserthal, Ignaz: Über die Bedeutung von Flagellaten im Stuhl bei Achylia gastrica. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungskrankheiten. Berlin: Verlag von S. Karger 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wassertahl, Ignaz: Sur la valeur de la reaction de Molliere (violet de methyle) pour deceler acide chlorhydrique libre dans l’estomac. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. O.O.: 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz: Ueber Zylindrurie im eiweissfreien Harn und ihre Beziehungen zur chronischen Obstipation. Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: Druck von L. Schumacher 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz: Bemerkungen zur Balneotherapie der Harnkrankheiten. Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: Druck von L. Schumacher 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz und René Gioffon: Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usitees en therapeutique. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris: Imprimerie Ch. Herissey, Paul Herissey 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz: Les matieres dialysables du contenu stomacal decelables par la reaction de la ninhydrine. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris:
Imprimeri Ch. Herissey 1914.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz und René Gioffon: Recherches sur l’adsoption des ferments digestifs par les poudres usitiees en therapeutique. Laboratoire du Dr. A. Mathieu a Sint-Antoine. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris: Imprimeri Ch. Herissey, Paul Hersissey 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Wasserthal, Ignaz und René Gioffon: L’examen microscopique des feces au polariscope. Travail du laboratoire de M. le Dr. A. Mathieu a Saint-Antoine. Sonderdruck aus: Archives des maladies de l’appareil digestiv et de la nutrition. Paris: Imprimerie Ch. Herrissey, Paul Herissey 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

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BBL:  50058 (27.07.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.07.27

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [379]: Pernitza, Emil – Kinderarzt, Chirurg, Bahn- und Fabriksarzt, Primararzt am St. Josefs-Kinderspital und Chefarzt der I. Allgemeine Beamten-Versicherungs-Gesellschaft

Pernitza, Emil – Kinderarzt, Chirurg, Bahn- und Fabriksarzt, Primararzt am St. Josefs-Kinderspital und Chefarzt der I. Allgemeine Beamten-Versicherungs-Gesellschaft

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 27.07.2026

Keywords: Kinderarzt, Chirurg, Bahn-Arzt, St. Josefs-Kinderspital, I. Allgemeine Beamten-Versicherungs-Gesellschaft, Medizingeschichte, Wien

Emil Pernitza wurde am 7. Oktober 1845 als Sohn des Justiziars Karl Pernitza und dessen Ehefrau Anna, geborene Glass, in Maleschau in Böhmen (heute: Malesov/Tschechien) geboren.

Seit 1872 war er mit Emilie Hein (-1919) verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor, der Postkommissar im Handelsministerium Dr. Hans Pernitza, der Regimentsarzt Dr. Gustav Pernitza (1873-?) und den Sekretär der niederösterreichischen Finanzprokuratur Dr. Viktor Pernitza (1874-1939).

Pernitza studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 2. März 1869 zum Doktor der gesamten Heilkunde und zum Magister der Geburtshilfe sowie am 11. Juni 1869 zum Doktor der Chirurgie.

Nach Abschluss seines Studiums erhielt er seine chirurgische Ausbildung an der Klinik von Theodor Billroth (1829-1894), wo er zu dessen frühem Mitarbeiter- und Schülerkreis gehörte. 1871 legte Pernitza der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien in deren Sitzung vom 9. März die Arbeit „Bau und Entwicklung des Erstlingsgefieders, beobachtet am Hühnchen“ vor.

Nach seiner Promotion eröffnete Pernitza eine private Arztpraxis in Wien 8, Schmiedgasse 5. Spätestens seit 1873 ordinierte er in Wien 4, Favoritenstraße 52, danach in der Favoritenstraße 27 und ab 1878 in der Favoritenstraße 2. Zuletzt befand sich seine Praxis bis zu seinem Tod in Wien 4, Wiedner Hauptstraße 16.

Bahn- und Fabriksarzt, St. Josefs-Kinderspital, Versicherungsarzt

Daneben arbeitete Pernitza seit 1871 als Bahn- und Fabriksarzt bei der k.k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft in Wien.[1] Ab etwa 1896 war er außerdem als Primarchirurg am 1842 eröffneten und seit 1857 unter dem Protektorat von Erzherzogin Maria Karolina (1825-1915) stehenden St. Josefs-Kinderspital in Wien 4, Kolschitzkygasse 9-11 tätig. Ab 1900 übernahm er zusätzlich die Funktion eines Chefarztes bei der 1895 gegründeten I. Allgemeinen Beamten-Versicherungs-Gesellschaft.

Pernitza gehörte dem Verwaltungsausschuss des Pensionsinstituts des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums an und war Geschäftsrat des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums.[2] 1908 erhielt er das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen.[3]

Emil Pernitza verstarb am 7. Jänner 1914 in Wien.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-200a, Pernitza Emil (Rigorosum Datum: 1869).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-201, Pernitza Emil (Promotion Datum: 2.3.1869).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-290, Pernitza Emil (Promotion/Chirurgie Datum: 11.6.1869).

Rk. Erzdiözese Wien, 04, St. Elisabeth, 1873, Taufbuch 01-07, Folio 113, Pernitza Gustav.

Friedhofsdatenbank der Stadt Wien, Pernitza Emil

Literatur:

Pernitza, Emil: Bau und Entwicklung des Erstlingsgefieders, beobachtet am Hühnchen. (Vorgelegt in der Sitzung am 9. März 1871). (Mit 1 Tafel). Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien: 1871.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 13, 1871, Sp. 301.

[2] Wiener klinische Rundschau, Nr. 14, 1906, S. 277.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 49, 1908, Sp. 2715.

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Letzte Aktualisierung: 2026.07.27

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [378]: Munk, Heinrich – Frauenarzt und Badearzt in Karlsbad

Munk, Heinrich – Frauenarzt und Badearzt in Karlsbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 27.07.2026

Keywords: Frauenarzt, Badearzt, Karlsbad, Medizingeschichte

Heinrich Munk wurde am 24. September 1862 als Sohn von Gabriel Munk (1831-1896) und Anna Munk (1835-1881), geborene Frank, in Struharov bei Beneschau in Böhmen (heute: Struhařov u Benešova/Tschechien) geboren. Er war mit Charlotte Kraus (1871-1942) verheiratet, die aus einer Karlsbader Ärztefamilie stammte. Ihr Vater Ignaz Kraus (1869-1938) war Arzt und Mitglied des Ärztevereins in Karlsbad. Auch ihre Brüder Friedrich Kraus (1869-1938), der als Mediziner in Prag tätig war, und Emil Kraus (1873-1927), der in Wien praktizierte, waren Ärzte. Ein Sohn von Emil Kraus war der Wiener und spätere in New Yorker lebende Antiquar Hans Peter Kraus (1907-1988), der nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1838 zunächst nach Schweden flüchtete und danach in die USA emigrierte. Das „arisierte“ Warenlager seines Wiener Antiquariats war Gegenstand einer Restitution durch die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

Nach Abschluss seines Studiums der Medizin an der Deutschen Universität in Prag war Munk als Operateur und erster Assistent an der Geburtshilflich-Gynäkologischen Klinik der Deutschen Universität in Prag bei Professor Friedrich Schauta (1849-1919) tätig. Hier veröffentlichte er 1890 die Arbeit „Ein Beitrag zu den selteneren Indicationen für Sectio caesarea“. Daneben publizierte er regelmäßig in der Prager medizinischen Wochenschrift, darunter zahlreiche Rezensionen.

Nachdem er seinen Militärdienst absolviert hatte, wurde er 1888 als nichtaktiver Assistenzarzt der Reserve dem Garnisonsspitals Nr. 11 in Prag zugewiesen.[1] 1892 erfolgte seine Zuteilung zum Landwehr-Bataillon Nr. 57[2] und 1894 als nichtaktiver Oberarzt zum Landwehr-Bataillon Nr. 51 in Eger.[3] 1899 wurde er als in Evidenz geführter Oberarzt vom böhmischen Landwehr-Infanterieregiment Nr. 6 in Eger zum Landwehr-Infanterieregiment Nr. 7 in Pilsen versetzt.[4]

Badearzt in Karlsbad

Von 1893 bis zu seinem Tod arbeitete er in Karlsbad (heute: Karlovy Vary/Tschechien) als Badearzt und ordinierte im Haus „Billroth“.[5] Daneben engagierte er sich unter anderem als Ausschussmitglied im Ärztlichen Verein in Karlsbad und in der Karlsbader Sektion des Zentralvereins deutscher Ärzte in Böhmen. Außerdem gehörte er der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte sowie der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag an. 1902 veröffentlichte er seinen vor der Sektion Karlsbad des Vereins deutscher Ärzte in Böhmen gehaltenen Vortrag „Ein Beitrag zur Kenntnis und Behandlung des Pruritus vulvae“.

Bei den Wahlen zur deutschen Sektion der Ärztekammer für das Königreich Böhmen wurde Munk 1907 und 1911 zum Kammermitglied gewählt.[6]

Seit 1897 war er Träger des serbischen Ritterkreuzes des Sava-Ordens.[7]Während des Ersten Weltkrieges erhielt er das Ehrenzeichen II. Klasse vom Roten Kreuz.[8]

Heinrich Munk verstarb am 30. Dezember 1929 in Karlsbad. Seine Ehefrau Charlotte wurde wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt, in das KZ Treblinka deportiert und dort im Oktober 1942 ermordet.

Literatur:

Munk, Heinrich: Ein Beitrag zu den selteneren Indicationen für Sectio caesarea. Aus Prof. Schauta´s geburtshilfl.-gynäkol. Klinik. Sonderdruck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag: 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Munk, Heinrich: Ein Beitrag zur Kenntnis und Behandlung des Pruritus vulvae. Vortrag gehalten in der Section Karlsbad des Vereins deutscher Aerzte in Böhmen. Sonderdruck aus: Prager medicinische Wochenschrift. Prag: 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener Zeitung, 4.4.1888, S. 1.

[2] Prager Tagblatt, 2.1.1892, S. 4.

[3] Prager Tagblatt, 3.1.1894, S. 7.

[4] Prager Tagblatt, 8.9.1899, S. 6.

[5] Fremdenblatt. Internationales Bade- und Reisejournal, 14.5.1893, S. 8.

[6] Prager Tagblatt, 21.11.1907, S. 5, Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1911, Sp. 730.

[7] Prager Tagblatt, 12.9.1897, S. 7.

[8] Illustriertes Bade-Blatt, 15.2.1917, S. 4.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

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BBL:  50044 (27.07.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.07.27

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [377]: Unger, Ludwig – Professor für Kinderheilkunde am Allgemeinen Krankenhaus Wien und Abteilungsleiter am I. öffentlichen Kinder-Krankeninstitut

Unger, Ludwig – Professor für Kinderheilkunde am Allgemeinen Krankenhaus Wien und Abteilungsleiter am I. öffentlichen Kinder-Krankeninstitut

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.07.2026

Keywords: Kinderarzt, Allgemeines Krankenhaus Wien, I. öffentliche Kinder-Krankeninstitut, Medizingeschichte, Wien

Ludwig Unger wurde am 11. Oktober 1846 in Marienthal in Ungarn (heute: Marianka/Slowakei) geboren.

Nachdem er 1865 das deutsche Staatsgymnasium in Leutschau (heute: Levoča/Slowakei) absolviert hatte, begann er an der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er am 23. Dezember 1870 mit seiner Promotion zum Doktor der Medizin und 21. Februar 1871 zum Doktor der Chirurgie abschloss. Daneben leistete er als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst ab und wurde im Jänner 1871 zum Assistenzarzt ernannt und dem Garnisonsspital Nr. 1 in Wien zugeteilt.[1] Im Dezember 1871 erfolgte seine Ernennung zum Reserve-Oberarzt und seine Zuteilung zum Garnisonsspital Nr. 2 in Wien.[2]

Zwischen 1870 und 1875 war Unger als Sekundararzt am St.-Josef-Kinderspital bei dem Primararzt Willibald Edler von Gunz (1817-1883) tätig, wo er seine Fachausbildung in Kinderheilkunde erhielt.[3]

1875 unternahm er Studienreisen nach Frankreich, Italien, der Schweiz und Deutschland. Nach seiner Rückkehr nach Wien führte er als praktischer Kinderarzt eine Ordination in Wien Franzensring 22, und ab den frühen 1880er Jahren in der Renngasse 4, und zuletzt in Wien 9, Ferstlgasse 5.

In den späten 1870er Jahren war er vor allem am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie in Wien wissenschaftlich tätig. Hier veröffentlichte er 1878 die Arbeit „Ueber amöboide Kernbewegungen in normalen und entzündeten Geweben“ und verfasste 1879 gemeinsam mit dem Leiter des Institutes, Professor Salomon Stricker (1834-1898), die Abhandlung „Untersuchung über den Bau der Großhirnrinde“, die in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien vorgestellt wurde.[4] Weitere Arbeiten waren die 1887 erschienene 50-seitige Abhandlung zur „Pädiatrie“ sowie die 1888 veröffentlichte Studie „Ueber Nephritis nach Varicellen“.

Im Jahr 1888 habilitierte er sich und wurde zum Privatdozenten im Fach Kinderheilkunde ernannt.[5] 1893 geriet er in einen Konflikt mit der Universität Wien, der nach einem Disziplinarverfahren zum Entzug seiner Venia legendi führte. Anlass war seine in der Wiener medicinischen Presse vom 29. Oktober 1892 unter dem Titel „Die Docenten-Misere“ geübte Kritik an den Arbeitsbedingungen von Dozenten an der Universität und das geringe Ausmaß deren Lehrbefugnisse. Der Entzug der Venia legendi bedeutete einen tiefen Einschnitt in seine akademische Laufbahn.

Ab 1896 arbeitete er am II. Anatomischen Institut bei Emil Zuckerkandl (1849-1910), wo er sich morphologischen und histologischen Fragen widmete, die von der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien finanziell unterstützt wurden. 1906 veröffentlichte er die von Emil Zuckerkandl mit einem Vorwort versehene Studie zur „Untersuchungen über die Morphologie und Faserung des Reptiliengehirns. Mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“.[6]

Sein 1890 erschienenes „Lehrbuch der Kinderkrankheiten in kurzgefasster systematischer Darstellung zum Gebrauche für Studierende und Ärzte“, entwickelte sich zu seiner erfolgreichsten Arbeit. Es erschien in mehreren Auflagen (1901 in der 3. Auflage) und wurde unter dem Titel „Manuel de pédiatrie. Exposé concis et systématique des affections infantiles à l’usage des étudiants et des praticiens“ ins Französische übersetzt.

1900 veröffentlichte er die Arbeit „Die Pflege des kleinen Kindes in den Findelanstalten Österreichs“ und „Die Pflege des vorschulpflichtigen Kindes in Krippen, Kinderbewahranstalten und Kindergärten“. Im selben Jahr erschien von ihm ein Aufsatz zu den „Findelanstalten und Ammenanstalten in Österreich“,[7] der auf sein Referat anlässlich der 1898 stattgefundenen Kaiser Franz Joseph Jubiläums-Ausstellung in Wien im Rahmen der Österreichischen Wohlfahrts-Ausstellung über Findelanstalten und Kinderpflege Bezug nimmt.

Neben klinischen Arbeiten veröffentlichte Unger auch eine medizinhistorische Untersuchung, die 1904 erschienene kommentierte Edition samt historischer Einleitung des ersten in deutscher Sprache gedruckten Werkes über Kinderheilkunde des Stadtarztes in Augsburg, Bartholomäus Metlingers: „Das Kinderbuch des Bartholomäus Metlinger (1457-1476). Ein Beitrag zur Geschichte der Kinderheilkunde im Mittelalter“. [Link: ] Damit erschloss Unger eines der frühesten deutschsprachigen Werke zur Kinderheilkunde durch eine kommentierte Edition mit historischer Einleitung.

Erst im November 1906 erfolgte an ihm durch Entschließung Kaiser Franz Josephs die Verleihung eines außerordentlichen Universitätsprofessoren-Titels[8] mit einem Lehrauftrag für Schutzpockenimpfung.[9] 1908 erhielt er den Titel eines ordentlichen Professors. Unger machte sich um das Impfwesen verdient, sprach sich im Fall der Blattern für eine Impfpflicht aus, und hielt u.a. an der Medizinischen Fakultät Vorträge zur Impfkunde und der Schutzpockenimpfung. 1917 publizierte er den von ihm gehaltenen Vortrag zur „Morphologie und Klinik der Vaccination“.[10]

Seit spätestens 1904 war Unger auch noch am I. öffentlichen Kinder-Krankeninstitut tätig, wo er seit etwa 1910 als Vorstand der Abteilung für innere Krankheiten fungierte.

Unger war Mitglied der der Gesellschaft der Ärzte in Wien und hatte hier ab 1892 die Funktion eines zweiten[11] und ab 1893 bis 1910 eines ersten Bibliothekars der Bibliothek übernommen. Ebenso war er Mitglied der Morphologisch-physiologischen Gesellschaft zu Wien, der Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien, wo er auch die Funktion des Vermögensverwalters einnahm,[12] sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde. Seit 1901 war er ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift Wiener klinische Rundschau.[13]

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit engagierte sich Unger im evangelischen Frauen-Wohltätigkeitsverein in Wien, wo er unentgeltlich erkrankte Kinder behandelte, als Referent bei den von der Universität Wien durchgeführten öffentlichen Vorlesungen sowie den Ferialkursen der Medizinischen Fakultät. 1907 gehörte er zu den Teilnehmern des Protestes an der Universität Wien gegen die wissenschaftsfeindliche Rede des Wiener Bürgermeisters Lueger am Katholikentag.[14]

Die letzten Lebensjahre verbrachte Unger in großer materieller Bedrängnis und in Armut. Erst durch das Eingreifen von Julius Tandler (1869-1936) erhielt er eineinhalb Jahre vor seinem Tod eine Unterbringungsmöglichkeit im Krankenhaus Lainz. Unger teilte damit das Schicksal vieler älterer Akademiker:innen, Beamt:innen und Pensionist:innen in Wien der frühen 1920er Jahre, die in existenzielle Not gerieten, weil ihre Einkünfte mit der Geldentwertung nicht Schritt hielten. Zu seiner prekären wirtschaftlichen Lage dürften neben der allgemeinen Nachkriegsinflation auch seine unstete Erwerbsbiografie sowie sein langjähriges wissenschaftliches und karitatives Engagement beigetragen haben.

Ludwig Unger verstarb am 4. Jänner 1924 in Wien. Sein Tod fand nicht nur in der internationalen Presse Beachtung, sondern auch im Wiener Feuilleton, wo Ernst Decsey (1870-1941) in einem Artikel mit dem Titel „Der Fluch des Alters“ auf die spezifische Situation des Nachkriegsösterreichs einging und in der Verarmung Ungers den Typus der Nachkriegsgreise sah.[15]

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-275a, Unger Ludwig (Rigorosum Datum: 1870).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-697, Unger Ludwig (Rigorosum Datum: 23.12.1870).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-473, Unger Ludwig (Promotion Datum: 21.2.1871).

Literatur:

Atuanyia, Egwuatu: Personalbiographien der Professoren und Dozenten der Kinderklinik an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Wien von 1850 bis 1920. Erlangen: 1972.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: WM038]

Unger, Ludwig: Ueber amöboide Kernbewegungen in normalen und entzündeten Geweben. Aus dem Institute für allgemeine u. experiment. Pathologie in Wien. Sonderdruck aus: Medizinische Jahrbücher. Wien: Wilhelm Braumüller, k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Unger, Ludwig: Pädiatrie. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Unger, Ludwig: Ueber Nephritis nach Varicellen. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1888.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Unger, Ludwig: Lehrbuch der Kinderkrankheiten in kurzgefasster systematischer Darstellung. Zum Gebrauche für Studirende und Ärzte. 1. Hälfte. Leipzig: Deuticke 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-20152]

Unger, Ludwig: Manuel de pédiatrie. Exposé concis et systématique des affections infantiles à l’usage des étudiants et des praticiens. Lierre: Joseph van In et Cie 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-18870]

Unger, Ludwig: Die Pflege des kleinen Kindes in den Findelanstalten Österreichs. Wien: 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 69015]

Unger, Ludwig: Die Pflege des vorschulpflichtigen Kindes in Krippen, Kinderbewahranstalten und Kindergärten. Wien: 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 69013]

Metlinger, Bartholomäus: Ein Regiment, wie man junge Kinder halten soll von mutterleyb bis zu siben jaren mit essen, trinken, paden etc. Hg.: Ludwig Unger. Leipzig, Wien: Deuticke 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1193]

[1] Die Presse, 24.1.1871, S. 16.

[2] Wiener Zeitung, 10.12.1871, S. 1.

[3] Ärztlicher Bericht des k. k. Bezirks-Krankenhauses Wieden. Wien: 1872. S. 274.

[4] Wiener Zeitung, 19.7.1879, S. 3.

[5] Internationale klinische Rundschau, 2.9.1888, S. 1424.

[6] Untersuchungen über die Morphologie und Faserung des Reptiliengehirns. Mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Aus dem I. Anatomisches Institut der Wiener Universität. In: Anatomische Hefte, Bd. 31, Wien 1906, S. 269-341.

[7] Soziale Verwaltung in Österreich am Ende des 19. Jahrhunderts. Aus Anlass der Weltausstellung Paris 1900, Wien 1900, S. 33-45.

[8] Wiener Zeitung, 8.12.1906, S. 2.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 11.12.1906, S. 577.

[10] Medizinische Klinik, Nr. 3, 1917, S. 60-65 und Nr. 4, 1917, S. 91-94.

[11] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 14, 1892, Sp. 566.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 12, 1919, Sp. 601.

[13] Wiener klinische Rundschau, Nr. 42, 1901, S. 798.

[14] Neue Freie Presse, 26.11.1907, S. 2.

[15] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 13.1.1924, S. 7.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

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BBL:  50021 (17.07.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=50021

Letzte Aktualisierung: 2026.07.17

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [376]: Deutsch, Eduard – Dermatologe, NS-Verfolgter

Deutsch, Eduard – Dermatologe, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.07.2026

Keywords:Dermatologe, Allgemeines Krankenhaus Wien, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Eduard Deutsch wurde am 16. November 1865 als Sohn von Salomon Leopold Deutsch (1826-1899) und Marie Mina, geborene Ehrenreich, in Mieslitz in Mähren geboren.

1902 heiratete er die in Wien geborenen Elsbeth Brauchbar (1877-1941), mit der er die drei Kinder Margarethe (1903-?), Johannes Leopold (später: Dewton) (1905-1985) und Joseph (später: Dewton) (1909-2005) hatte.

Deutsch studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 29. Juli 1892. Seit 1893 führte er eine Arztpraxis in Wien 18, Kreuzgasse 33,[1] ab 1896 in Wien in Wien 1, Klosterneuburgerstraße 4,[2] ab 1897 in Wien 9, Alserstraße 4,[3] ab 1899 in Wien 7, Mariahilferstraße 22[4] später 82, und schließlich ab 1906 in Wien 1, Gonzagagasse 7.[5] Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde er 1895 zum Assistenzarzt der Reserve ernannt.[6]

  1. Syphilisabteilung am Allgemeinen Krankenhaus

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er bis spätestens 1899 als Assistenzarzt von Eduard Lang (1841-1916) an der II. Syphilisabteilung am Allgemeinen Krankenhaus in Wien, wo er seine fachärztliche Ausbildung für Dermatologie absolvierte. Hier veröffentlichte er 1899 die Arbeit „Die Behandlung des Lupus vulgaris und Lupus erythematodes mit dem Heissluftstrom“. Nach seinem Ausscheiden aus der Klinik wirkte er noch an der dritten Auflage von Langs Arbeit „Therapeutik für venerische und Hautkrankheit“ mit.

Nach dem Ende seiner Tätigkeit im Allgemeinen Krankenhaus war er in Wien als Facharzt tätig. Daneben publizierte er in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten, darunter 1900 „Der derzeitige Stand der Quecksilbertherapie (mit besonderer Berücksichtigung der Intoxikationsformen und -Fälle)“ und „Das Langsche Spülcystoskop. Zur Desinfektion der Cystoskope“. Es folgte im Jahr 1903 die Arbeit „Zur Injectionstherapie der Syphilis“, 1904 „Syphilis, Schwangerschaft und Vererbung“ sowie 1907 der Aufsatz „Über den therapeutischen Wert des Urogosans bei Urethrozystitis“.[7]

Ärztekammer Wien

Vor dem Ersten Weltkrieg engagierte sich Deutsch in der ärztlichen Standesvertretung. Bei den Wahlen zur Ärztekammer Wien kandidierte er im Jänner 1904[8] und im Oktober 1907 für ein Mandat als Kammermitglied.[9]

Während des Ersten Weltkriegs war Deutsch als Militärarzt in der dem Reservespital Nr. 9 in Wien zugeteilten Filiale am Henriettenplatz in Wien 15 tätig.[10] 1916 erfolgte seine Beförderung zum Landsturm-Assistenzarzt,[11] 1918 erhielt er das Ehrenzeichen 2. Klasse vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration.[12]

Seit 1900 war Deutsch Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.[13] 1922 trat er der Freimaurerloge B’nai Brith als Mitglied bei.

Eduard Deutsch und seine Familie waren jüdischer Herkunft und nach dem „Anschluss“ im März 1938 der Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Deutsch verlor die Berechtigung zur Ausübung seines Berufes und war schließlich aus Not gezwungen, sein Mobiliar zu verkaufen. Sein medizinisches Equipment sowie seine Fachbibliothek schenkte er dem Rothschild-Spital. Zuletzt lebte er mit seiner Ehefrau Elsbeth in einer sogenannten Sammelwohnung in Wien 1, Biberstraße 8/6. Von dort wurden beide am 28. November 1941 nach Minsk deportiert und ermordet. Den drei Kindern gelang die Flucht aus Österreich in die USA. Margarethe arbeitete bis 1938 als Röntgenschwester im Allgemeinen Krankenhaus in Wien und wurde nach dem „Anschluss“ fristlos und ohne Abfertigung entlassen. 1948 leitete sie ein Verfahren zur Todeserklärung ihrer Eltern ein.[14]

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0234, Deutsch Eduard (Nationalien Datum: 1886/87).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-64b, Deutsch Eduard (Rigorosum Datum: 1889).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 187-735, Deutsch Eduard (Promotion Datum: 29.7.1892).

IKG Wien, Auswanderungsabteilung, Auswanderungsanträge, 1938-1939, Deutsch Margarethe.

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., VA, Zl. 33.273, Deutsch Eduard.

Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Deutsch Eduard, Elsbeth.

Literatur:

Deutsch, Eduard: Die Behandlung des Lupus vulgaris und Lupus erythematodes mit dem Heissluftstrom. Aus der Abtheilung des Prof. E. Lang im k.k. allgemeinen Krankenhause in Wien. Sonderdruck aus: Klinisch therapeutische Monatsschrift. Wien: Buchdruckerei „Industrie“ 1899.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Lang, Eduard: Therapeutik für venerische und Hautkranke. Mit textl. Beigabe v. Eduard Deutsch. Wien: Săfář 1899.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64368]

Deutsch, Eduard: Der derzeitige Stand der Quecksilbertherapie (mit besonderer Berücksichtigung der Intoxikationsformen und -Fälle). Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Deutsch, Eduard: Das Langsche Spülcystoskop. Zur Desinfektion der Cystoskope. Sonderdruck aus: Centralblatt für die Krankheiten der Harn- und Sexualorgane. Leipzig: Druck von C. Grumbach 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Deutsch, Eduard: Zur Injectionstherapie der Syphilis. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Cie. 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Deutsch, Eduard: Syphilis, Schwangerschaft und Vererbung. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Cie. 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1893, Sp. 854.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 48, 1896, Sp. 2110.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1897, Sp. 1072.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1899, Sp. 1128.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 38, 1911, Sp. 2502.

[6] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 20.8.1895, S. 383.

[7] Wiener klinische Rundschau, Nr. 28, 1907, S. 451-453.

[8] Neue Freie Presse, 31.12.1903, S. 8.

[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 43, 1907, Sp. 2091.

[10] Neues Wiener Tagblatt, (Tages-Ausgabe), 4.7.1915, S. 14.

[11] Der Militärarzt, Nr. 12, 1916, Sp. 238.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 16, 1918, Sp. 678.

[13] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 14, 1900, S. 333.

[14] Wiener Zeitung, 8.8.1948, S. 6.

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Letzte Aktualisierung: 2026.07.17

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [375]: Langer-Zuckerkandl, Helene Wally – Biologin, NS-Verfolgte

Langer-Zuckerkandl, Helene Wally – Biologin, NS-Verfolgte

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 08.07.2026

Keywords: Biologin, Militärspital, Medizingeschichte, Prag, Knittelfeld, NS-Verfolgte

Helene Wally Langer-Zuckerkandl wurde am 14. Juli 1888 als Tochter des Unternehmers Maximilian Nothmann (1843-1894) und Clara Nothmann (1867-1939), geborene Stoll, in Petrópolis im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro geboren. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1894 übersiedelte ihre Mutter mit ihren Kindern nach Deutschland, während Helene zu ihrer Cousine Therese Zuckerkandl (1862-1942) und deren Ehemann, dem Juristen und Wirtschaftswissenschafter Robert Zuckerkandl (1856-1926) nach Prag kam und von ihnen adoptiert wurde. Robert Zuckerkandl war ein Bruder der Mediziner Emil Zuckerkandl (1849-1910) und Otto Zuckerkandl (1861-1921).

Nach der Matura im Jahr 1908 in Prag begann sie an der Deutschen Universität in Prag ein naturwissenschaftliches Studium mit den Schwerpunkten Pflanzenphysiologie und physikalische Chemie. 1912 promovierte sie im Fach Biologie. Im selben Jahr veröffentlichte sie die am Pflanzenphysiologischen Institut der Deutschen Universität in Prag entstandene Arbeit „Die Wirkung der Narkotica auf die Plasmastörung“.[1] Im Sommersemester 1913 setzte sie ihre Studien bei dem Botaniker Ernst Stahl (1848-1919) an der Universität Jena fort. Im August 1916 heiratete sie in Prag den Juristen und Techniker Wilhelm Viktor Gustav Langer (1887-1973). Aus der Ehe gingen die drei Kinder Emma (1919-1999), Herta (1921-1990) und Gerhard Lange (1923-2016) hervor.

Während des Ersten Weltkrieges war Helene Langer-Zuckerkandl zunächst als Krankenschwester in Prag und anschließend als Bakteriologin im bakteriologischen Labor des k.u.k. Spitals in Knittelfeld tätig. 1917 veröffentlichte sie die Arbeit „Ueber den Einfluß von Metallsalzen auf die Diastase in lebenden Pflanzenzellen“ sowie gemeinsam mit Arnold Baumgarten (1879-1939) die Studien „Ueber den Zuckergehalt der gebräuchlichen Nährböden und dessen Bedeutung für die Differentialdiagnose der Paratyphusbazillen“ und „Über elektive Choleranährböden“. Bereits 1916 hatte sie gemeinsam mit Baumgarten am Wissenschaftlichen Abend der Militärärzte der k.u.k. Armee (Feldpost 510) teilgenommen.[2]

Sie war Mitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft.

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft war Helene Langer-Zuckerkandl nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland zunehmend der Verfolgung ausgesetzt. Sie blieb in Deutschland, um ihre kranke Adoptivmutter Therese Zuckerkandl zu betreuen, zumal ihre Ehe mit einem nichtjüdischen Partner zunächst einen gewissen Schutz gewährte. Nach den Novemberpogromen vom 9. und 10. November 1938 wurde sie kurzzeitig verhaftet. Der Schutz, den ihr ihre brasilianische Staatsbürgerschaft, die sie seit ihrer Geburt besaß, zunächst gewährte, entfiel nach der Kriegserklärung Brasiliens an Deutschland im Jahr 1942.

Am 14. Juni 1944 erhielt sie von der Gestapo den Bescheid über ihre bevorstehende Deportation. Zwei Tage später, am 16. Juni 1944, beging sie im Jenaer Mühltal Suizid. Zum Gedenken an Helene Zuckerkandl-Langer wurde am 7. Mai 2008 in Jena vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Weinbergstraße 4a ein Stolperstein verlegt.

Quelle:

Jüdische Lebenswege in Jena. Erinnerungen, Fragmente, Spuren, Bd.18, Jena 2015, S .309-311.

Stolpersteine-Jena: Dr. Helene Wally Langer.

Find a grave: Helene Langer.

Literatur:

Zuckerkandl-Langer, Helene Wally: Ueber den Einfluß von Metallsalzen auf die Diastase in lebenden Pflanzanzellen. Aus dem bakteriologischen Laboratorium des k.u.k. Spitales Knittelfeld (Spitalskommandant Oberstabsarzt Prof. Dr. Arnold Wittek). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baumgarten, Arnold und Helene Wally Zuckerkandl-Langer: Ueber den Zuckergehalt der gebräuchlichen Nährböden und dessen Bedeutung für die Differentialdiagnose der Paratyphusbazillen. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baumgarten, Arnold und Helene Wally Zuckerkandl-Langer: Über elektive Choleranährböden. Aus dem bakteriologischen Laboratorium des k. u. k. Spitales Knittelfeld (Spitalskommandant Oberst.-Arzt Prof. Dr. Arnold Wittek). Sonderdruck aus: Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten. Leipzig: Verlag von Veit & Comp. 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Biochemische Zeitschrift, Bd. 45, 1912, S. 412-451.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 12, 1917, Sp. 584.

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Letzte Aktualisierung: 2026.07.08

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [374]: Welponer, Egidio – Gynäkologe, Assistenzarzt an der III. geburtshilflichen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Gründer des Sanatorio Triestino in Triest

Welponer, Egidio – Gynäkologe, Assistenzarzt an der III. geburtshilflichen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Gründer des Sanatorio Triestino in Triest

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 06.07.2026

Keywords: Gynäkologe, Hebammen-Klinik, III. geburtshilflichen Klinik, Allgemeinen Krankenhaus Wien, Sanatorio Triestino, Medizingeschichte, Wien, Triest

Egidio (Egid) Welponer wurde am 26. November 1848 in Triest im österreichischen Küstenland (heute: Italien) geboren. Er war mit Laura Braun von Fernwald (1857-), einer Tochter des Gynäkologen Carl Braun von Fernwald (1822-1891), Professors an der I. Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Welponer studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 2. Juli 1873. Anschließend leistete er als Reserve-Oberarzt seinen Militärdienst ab,[1] und eröffnete in Wien 9, Alserstraße 4, eine Privatpraxis. Nach seiner Promotion trat Welponer in die von Gustav August Braun (1829–1911), dem jüngeren Bruder Carl Braun von Fernwalds, geleitete Hebammenklinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien ein. Nach deren Umbenennung in die III. Geburtshilfliche Klinik war er dort seit etwa 1875 bis zu seiner Berufung nach Triest im April 1881 als Assistent von Braun tätig. Während dieser Zeit veröffentlichte er mehrere wissenschaftliche Arbeiten, darunter „Beitrag zur Schatz’schen Umwandlung von Gesichtslage zu Hinterhauptslage durch äussere Handgriffe“, „Klinischer Bericht der geburtshilflichen Klinik des Prof. Gustav Braun für das Jahr 1874“, „Ueber die Anwendung der Induktions-Elektrizität zur Einleitung der künstlichen Frühgeburt“, „Zur Pilocarpinfrage bezüglich der Einleitung der künstlichen Frühgeburt“ sowie „Exstirpation beider Ovarien wegen Hystero-Epilepsie. Heilung“.[2] Neben seiner Tätigkeit an der Klinik hielt er Vorträge vor dem Unterstützungsverein für Hebammen.

Hebammen-Lehranstalt in Triest

Im Jahr 1896 gründete er gemeinsam mit dem aus Triest stammenden Chirurgen Theodor Escher das 1897 eröffnete Sanatorio Triestino, eine angesehene Privatklinik für Chirurgie und Gynäkologie. Von 1905 bis 1908 stand er als Präsident der Associazione Medica Triestina an der Spitze der Triester Ärzteschaft.

Im April 1881 wurde Welponer zum Professor der Geburtshilfe an der Hebammen-Lehranstalt in Triest ernannt;[3] seit 1892 gehörte er dem Landes-Sanitätsrat des österreichischen Küstenlandes an.[4]

Welponer wirkte an der Herausgabe des „Centralblatt für die gesammte Therapie“ mit und war Mitglied des Triester Zweigvereins der k.k. Gesellschaft zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten.[5] 1906 wurde ihm der Titel eines Regierungsrates verliehen.[6]

Egidio Welponer verstarb am 19. Juli 1933 in Triest.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-428a, Welponer Egid (Rigorosum Datum: 1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-44, Welponer Egid (Promotion Datum: 2.7.1873).

Literatur:

Welponer, Egidio: Beitrag zur Schatz’schen Umwandlung von Gesichtslage zu Hinterhauptslage durch äussere Handgriffe. Sonderdruck aus: Archiv für Gynäkologie. Berlin: Verlag von August Hirschwald 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Welponer, Egidio: Klinischer Bericht der geburtshilflichen Klinik des Prof. Gustav Braun für das Jahr 1874. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Welponer, Egidio: Ueber die Anwendung der Induktions-Elektrizität zur Einleitung der künstlichen Frühgeburt. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Welponer, Egidio: Zur Pilocarpinfrage bezüglich der Einleitung der künstlichen Frühgeburt. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: bei L.W. Seidl & Sohn 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Der Militärarzt, Nr. 18, 1873, Sp. 140.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr.30, 1879, Sp.803-806.

[3] Wiener Zeitung, 13.4.1881, S. 8.

[4] Rundschau. Wochenschrift für die Interessen der Pharmazie, Chemie, Hygiene und der verwandten Fächer, 1892, S. 434.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr.28, 1914, Sp. 1610.

[6] Wiener Zeitung, 4.9.1906, S. 1.

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Letzte Aktualisierung: 2026.07.06

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [373]: Nather, Karl – Chirurg an der I. chirurgischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Leiter der chirurgischen Abteilung am Städtischen Krankenhaus in St. Pölten

Nather, Karl – Chirurg an der I. chirurgischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien, Leiter der chirurgischen Abteilung am Städtischen Krankenhaus in St. Pölten

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 24.06.2026

Keywords: Chirurg, Krebsforscher, I. chirurgischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus, Städtische Krankenhaus St. Pölten, Medizingeschichte, Wien, St. Pölten

Karl Wilhelm Nather wurde am 1. April 1893 als Sohn von Karl Nather und Maria, geborene Kiesler, in Wien geboren. Seit 1927 war er verheiratet.

Nather studierte Medizin an der Universität Wien und promovierte am 31. Jänner 1919. Danach führte er eine private Arztpraxis in Wien III., Erdbergstraße 21,[1] und arbeitete an der I. Chirurgischen Universitätsklinik bei Anton Eiselsberg (1860-1939). Aus dieser Zeit stammt die gemeinsam mit Viktor Orator (1894-1954) 1922 verfasste Arbeit „Refraktometrische Serumuntersuchungen über Krebskrankheit und Disposition“.

Chirurgische Klinik der Universität Zürich

Seit 1922 war Nather Assistent des österreichischen Chirurgen Paul Clairmont (1875-1942) an der Chirurgischen Universitätsklinik Zürich. Während seines Aufenthalts in Zürich beschäftigte er sich insbesondere mit modernen Methoden der Bluttransfusion, die er nach seiner Rückkehr nach Wien weiter propagierte. Gemeinsam mit anderen Medizinern der Klinik veröffentlichte er eine Reihe von Studien, darunter mit dem amerikanischen Chirurgen Alton Ochsner (1896-1981) die Arbeit „Die Bluttransfusion nach Percy“[2], „Erfahrungen mit der Bluttransfusion nach Percy: Untersuchungen über die hämostatische Wirkung der Bluttransfusion“[3] sowie „Der Douglasabszess im Gefolge der geschlossenen Peritonitisbehandlung“.[4] Gemeinsam mit Max Meyer publizierte er „Refraktometrische Serumuntersuchungen über Krebskrankheit und Disposition“[5]. Weiters veröffentlichte er 1923 die Arbeit „Meningitis posttraumatica oder suburales Hämatom?“.[6]

  1. Chirurgische Klinik im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Nach seiner Rückkehr nach Wien nahm er seine Tätigkeit als Assistent von Anton Eiselsberg wieder auf. In Wien setzte er sich für die Verbreitung moderner Bluttransfusionsmethoden ein, mit denen er während seiner Assistentenzeit in Zürich vertraut geworden war. Neben seiner klinischen Tätigkeit hielt er im Rahmen des Fortbildungskurses der Wiener medizinischen Fakultät Vorträge u.a. zu Themen wie „Über Bluttransfusion“.[7] Im April 1925 veröffentlichte er im Neuen Wiener Tagblatt den Artikel „Die Bedeutung der Bluttransfusion“.[8] Im selben Jahr unternahm er eine Studienreise nach London; darüber entstand die Arbeit „Ueber die neueste Krebsforschung in London: Bericht über eine Studienreise“.

1926 erschienen die gemeinsam von ihm mit dem Chirurgen Johann (Hans) Schnitzler (1895-1967) – Neffe des Schriftstellers und ebenfalls Arztes Arthur Schnitzler (1862-1931) – verfassten Arbeiten „Experimentelle Untersuchungen zur Frage des Teercarcinoms“, „Zum Problem der Krebsmetastasen“, und „Immunisierungsversuche beim Mäusekrebs“. Im selben Jahr veröffentlichte Nather die Darstellung „Der heutige Stand der Bluttransfusion“.[9] In einem Vortrag vor der Wiener Gewerkschaftskommission warb er für die Bluttransfusion und schlug die Einrichtung einer Blutspenderorganisation vor.[10]

Nachdem sein Assistentenvertrag an der I. Chirurgischen Universitätsklinik im Jänner 1927 nicht verlängert worden war, erhob Nather beim Bundesministerium für Unterricht Beschwerde gegen seine Nichtweiterbestellung. In diesem Zusammenhang machte er geltend, dass gegen ihn von anderen Assistenten das Gerücht einer Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei verbreitet worden sei. Die Nichtverlängerung seines Vertrages wurde jedoch vom Ministerium bestätigt; eine dagegen eingebrachte Beschwerde wies der Verfassungsgerichtshof im März 1928 ab.[11]

Städtisches Krankenhaus in St. Pölten

Seit Juli 1927 war Nather Leiter der chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses in St. Pölten.

Nather war Mitglied der Gesellschaft für Tuberkuloseforschung, der Gesellschaft der Ärzte in Wien, sowie der Freien Vereinigung der Chirurgen Wiens.

Karl Nather verstarb am 15. Juli 1932 bei einem Flugzeugabsturz in Salzburg.

Illustrierte Kronen Zeitung, 4.8.1932, S. 7.

Quellen:

Erzdiözese Wien, Rk, 03, Erdberg, St. Peter und Paul, 1893, Taufbuch, 32, Folio 66, Nather Karl Wilhelm.

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0510, Nather Karl (Rigorosum Datum: 28.1.1919).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 191-1468, Nather Karl (Promotion Datum: 31.1.1919).

Friedhofsdatenbank: Bestattung: 19.7.1932 Zentralfriedhof

Literatur:

Nather, Karl und Viktor Orator: Refraktometrische Serumuntersuchungen über Krebskrankheit und Disposition. Aus der I. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. A. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Mitteilungen aus den Grenzgebieten der Medizin und Chirurgie. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1922.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl: Ueber die neueste Krebsforschung in London. Bericht über eine Studienreise. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl und Hans Schnitzler: Experimentelle Untersuchungen zur Frage des Teercarcinoms. Aus der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik Wien (Vorstand: Prof. Dr. A. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin. Berlin: Verlag von Julius Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl und Hans Schnitzler: Zum Problem der Krebsmetastasen. Aus der I. Chrirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. E. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Nather, Karl und Hans Schnitzler: Immunisierungsversuche beim Mäusekrebs. Aus der I. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. E. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1919, Sp. 960.

[2] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 36, 1923, S. 687-692.

[3] Archiv für klinische Chirurgie 132, 1924, S. 420-469.

[4] Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 188, 1924, S. 124–149.

[5] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 22, 1922, S. 382-384.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 6, 1923, Sp. 282-288.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 38, 1925, Sp. 2137.

[8] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 11.4.1925, S. 8.

[9] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 37, 1926, S. 203.

[10] Arbeiter-Zeitung, 11.2.1927, S. 7.

[11] Neues Wiener Journal, 24.3.1928, S. 12.

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Letzte Aktualisierung: 2026.06.24

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [372]: Schüller, Hugo – Urologe, Vorstand der urologischen Abteilung am Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, NS-Verfolgter

Schüller, Hugo – Urologe, Vorstand der urologischen Abteilung am Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.06.2026

Keywords: Urologe Rothschild-Spital, Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Hugo Schüller wurde am 5. September 1875 als Sohn von Siegmund Schüller (1840-1911) und Emma (1847-1934), geborene Kohn, in Brünn in Mähren (heute Brno/Tschechien) geboren. Seit 1904 war er in erster Ehe mit Lili Fanto (1883-1984) verheiratet, mit der er die Kinder Herbert Hugo (1905-2003) und Georg (1909-2005) hatte. Nach der Scheidung im Jahr 1918 heiratete er 1924 in zweiter Ehe Marie Schiff (1888-1971).

Nach der Matura im Jahr 1893 studierte er an der Universität Wien Medizin und promovierte am 24. Juli 1899 zum Doktor der gesamten Heilkunde.

Rothschild-Spital

Anschließend absolvierte er seine weitere Ausbildung an der chirurgischen Abteilung des Rothschild-Spitals, wo er 1902 zum Sekundararzt bei dem Urologen und Chirurgen Otto Zuckerkandl (1861-1921) bestellt wurde.[1] Hier veröffentlichte er 1904 die Arbeit „Beitrag zur Lehre von den Blutungen aus anscheinend unveränderten Nieren“ sowie 1905 „Kasuistisches zur Frage der sogenannten essentiellen Nierenblutung“.[2] Im selben Jahr verließ er das Rotschildspital und ließ sich als Facharzt für Urologie in Wien 9, Schwarzspanierstraße 15, nieder.[3]

Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium

1907 wechselte Hugo Schüller an das Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, wo er bis 1938 als Abteilungsvorstand die II. Urologische Abteilung leitete.[4] Seine wissenschaftliche Tätigkeit konzentrierte sich unter anderem auf den Einsatz der Radiumtherapie bei urologischen Erkrankungen. In diesem Zusammenhang publizierte er 1913 gemeinsam mit Wilhelm Latzko (1863-1945) am Bettina-Stiftungspavillon „Zur Radiumbehandlung des Krebses“ und zusammen mit Egon Ranzi (1875-1939) an der I. Chirurgischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien die Studie „Erfahrungen über Radiumbehandlung der malignen Tumoren“. Im selben Jahr nahm er am Internationalen medizinischen Kongress in London teil.[5]

Während des Ersten Weltkrieges diente Schüller als Landsturmassistenzarzt. 1916 erhielt er das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen.[6] Darüber hinaus erfolgte seine Ernennung zum Landsturm-Oberarzt;[7] und er war am Garnisonsspital Nr. 18 tätig.

1924 veröffentlichte er die Arbeit „Zur Kasuistik der lordotischen Albuminurie“.[8]

Seit 1906 war Schüller Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien[9] sowie der Wiener urologischen Gesellschaft.

Vor dem Ersten Weltkrieg engagierte er sich politisch für die liberale Fortschrittspartei und gehörte dem Wahlkomitee fortschrittlicher Bürger des 2. Wiener Gemeindebezirkes an.[10]

Hugo Schüller war jüdischer Herkunft und flüchtete nach dem „Anschluss“ im März 1938 aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach London und emigrierte 1939 gemeinsam mit seiner Ehefrau in die USA, wo er 1941 die US-Staatsbürgerschaft erhielt.

New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Hugo Schuller, Maria, 1941.

Schüller verstarb am 8. April 1969 in Washington DC, USA.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0490, Schüller Hugo (Nationalien Datum: 1894/95).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-363b, Schüller Hugo (Rigorosum Datum: 19.7.1899).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-0285, Schüller Hugo (Promotion Datum: 24.7.1899).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., VA, 9658, Schüller Hugo.

New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Hugo Schuller, Maria, 1941.

United States, Social Security Death Index, Hugo Schueller, Apr 1969, (= citing U.S. Social Security Administration, Death Master File, database (Alexandria, Virginia: National Technical Information Service, ongoing).

Literatur:

Schüller, Hugo: Beitrag zur Lehre von den Blutungen aus anscheinend unveränderten Nieren. Aus der chirurgischen Abteilung des Rothschild-Spitales in Wien (Primararzt Doz. Dr. Zuckerkandl). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Latzko, Wilhelm und Hugo Schüller: Zur Radiumbehandlung des Krebses. Aus dem Bettina-Stiftungspavillon (Vorstand: Professor W. Latzko). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Ranzi, Egon, Schüller, Hugo und R. Sparmann: Erfahrungen über Radiumbehandlung der malignen Tumoren. Aus der I. chirurg. Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Freiherr v. Eiselsberg). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Die Neuzeit, 18.4.1902, S. 165.

[2] Wiener klinische Rundschau, Nr. 13, 1905, S. 217-220.

[3] Wiener klinische Rundschau, Nr. 15, 1905, S. 268.

[4] Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 30.11.1907, S. 4.

[5] Neue Freie Presse, 31.7.1913, S. 8.

[6] Der Militärarzt, Nr. 10, 1916, Sp. 199.

[7] Der Militärarzt, Nr. 22, 1916, Sp. 536.

[8] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 47, 1924, Sp. 2514-2515.

[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1906, Sp. 522.

[10] Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 13.2.1910, S. 6.

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Letzte Aktualisierung: 2026.06.17

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [371]: Saxl, Paul – Internist, Professor an der I. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien

Saxl, Paul – Internist, Professor an der I. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 15.06.2026

Keywords: Internist, I. medizinischen Klinik, Allgemeinen Krankenhaus, Medizingeschichte, Wien

Paul Saxl wurde am 2. November 1880 in Wien als Sohn des Kaufmannes Wilhelm Saxl (1845-1925) und Irma Saxl (1856-1920), geborene Falk, geboren. Seit 1910 war er mit der akademischen Malerin und Frauenrechtsaktivistin Marianne Deutsch (1885-ermordet 1942 Maly Trostinec) verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte.

Nach der Matura am Maximiliangymnasium in Wien im Jahr 1899,[1] studierte Saxl seit dem Wintersemester 1899/1900 an der Universität Wien Medizin und promovierte am 18. Mai 1905 zum Doktor der gesamten Heilkunde.

Als Student gehörte er 1901 zu den Mitunterzeichnern eines Aufrufes zu einer „Sympathiekundgebung“ für russische Studenten. Anlass waren Proteste an der Universität in St. Petersburg gegen die disziplinären Maßnahmen, staatliche Repressionen und die Einschränkung der akademischen Freiheiten, deren unmittelbarer Auslöser die Zwangsrekrutierung von Studenten zum Militärdienst gewesen war. Zu den Mitunterzeichnern zählten unter anderem Max Adler (1873-1937), die spätere Medizinerin Margarete Hilferding-Hönigsberg (1871-1942), der damalige Medizinstudent und spätere Ökonom Rudolf Hilferding (1877-1941) sowie der Pädagoge und Psychologe Carl Furtmüller (1880-1951).[2]

Bereits während seines Studiums arbeitete Saxl seit 1903 an der I. medizinischen Klinik bei Professor Hermann Nothnagel (1841-1905). Gemeinsam mit Albert Müller-Deham (1881-1971) veröffentlichte er die Arbeiten „Über die Chlorausscheidung im Harn und ihre Beziehungen zur Verdauung“ sowie 1905 „Die Chlorausscheidung im Harn und ihre Beziehungen zu den Verdauungsvorgängen“. Nach seiner Promotion war er zunächst als Volontär und anschließend als Aspirant tätig; 1911 wurde er Assistent von Professor Carl von Noorden (1858-1944). Im Jahr 1912 übernahm er die Leitung einer Krankenabteilung der Klinik.

In diesen Jahren erschienen von Saxl mehrere wissenschaftliche Arbeiten. Gemeinsam mit Albert Müller-Deham publizierte er 1908 die Studie „Ueber den Vorgang der Magenfüllung. Zugleich ein Beitrag zur Kenntnis vom Wesen der Atonie“. 1910 veröffentlichte er zusammen mit Fritz Falk und Hugo Salomon (1872-1954) die Arbeit „Ueber vermehrte Ausscheidung von Polypeptiden im Harne Krebskranker[3] sowie mit Salomon „Harnbefund bei Carcinometösen: zugleich ein Beitrag zur Kenntnis der Oxyproteinsäureausscheidung beim Menschen“. Ebenfalls 1910 gab er gemeinsam mit Karl Rubinger die Monografie „Biologie des Menschen. Aus den wissenschaftlichen Ergebnissen der Medizin für weitere Kreise dargestellt“ heraus.[4]

1912 erschien seine Arbeit „Über die Störungen im Eiweißstoffwechsel Krebskranker“.[5] Saxl blieb unter den Nachfolgern Noordens, Karel Frederik Wenckebach (1864-1949) und Otto Porges (1879-1967), an der I. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig. Nach seiner Habilitation für Innere Medizin im Jahre 1918[6] wirkte er dort als Privatdozent; 1929 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor[7].

Zwischen 1905 und 1908 führte Saxl am Chemischen Laboratorium des Physiologischen Instituts bei Otto Fürth (1867-1938) Untersuchungen durch, die in den Arbeiten „Über die Mengenverhältnisse der Muskeleiweißkörper unter physiologischen und pathologischen Bedingungen“ (1906) und „Über die Beziehungen der Autolyse zur Zellverfettung“ (1907) ihren Niederschlag fanden.

Militärdienst und Teilnahme am Ersten Weltkrieg

Nachdem Saxl seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger absolviert hatte, erfolgte 1905 seine Ernennung zum Assistenzarzt-Stellvertreter,[8] 1910 zum Assistenzarzt der Reserve,[9] und 1913 zum Oberarzt.[10] Während des Ersten Weltkrieges war er zunächst Leiter des k.k. Militär-Rekonvaleszentenheims in Piesting-Wöllersdorf,[11] wo er Ende 1914 zum Regimentsarzt ernannt wurde.[12] 1915 veröffentlichte er hier „Über das Vorkommen und den Nachweis von Pepsin im Blutserum“.[13] Ab 1916 war Saxl im Reservespital Bruck-Kiralihyda tätig; hier erschienen von ihm „Über die Einwirkung pyrogener Substanzen auf Fieber, besonders bei Typhus abdominalis[14] und „Physostigmin als Expektorans“,[15] sowie 1917 „Über die keimtötende Fernwirkung von Metallen und Metallsalzen[16] und „Über den Skorbut und seine Beziehungen zu den hämorrhagischen Diathesen“.[17]

Nach dem Ersten Weltkrieg erschienen von Saxl an der I. medizinischen Klinik zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Darunter 1920 „Ueber die Periodizität der Erscheinungen beim Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür“, 1921 gemeinsam mit dem Medizinstudenten Robert Heilig „Über die Novasuroldiurese[18] und 1923 „Über die therapeutische Verwendung einiger Metallsalzemulsionen“.[19] 1924 veröffentlichte Saxl „Die oligodynamische Wirkung der Metalle und Metallsalze“ und „Ueber perorale antiluetische Therapie mit Kalomelsuspension (Kalomel-Metem), 1925 „Ueber die Behandlung des chronischen Magenkatarrhs“ sowie gemeinsam mit Alexander Kelen (1898-1975) die Studie „Die Trypsinflockungsreaktion im Serum in ihrer biologischen Bedeutung“.[20] Ebenfalls 1925 publizierte er noch „Letale Quecksilberintoxikation nach einmaliger Novasurolinjektion“ und 1926 „Über Stauungserscheinungen im Abdomen und ihre Behandlung[21] und die Monografie „Fortschritte und Probleme in der Therapie innerer Krankheiten“.

Eine Reihe von Publikationen verfasste Saxl gemeinsam mit Ferdinand Donath, darunter 1925 „Ueber erfolgreiche Schutzwirkung von „chemisch-therapeutischen“ Substanzen gegen Infektionskrankheiten (im Tierversuch)“ und „Eine Funktionsprüfung der Abfangorgane des reticulo-endothelialen Systems“, 1926 „Klinische, experimentelle und pharmakologische Studien über die Abfangfunktion des Retikulo-Endothelialen System“, 1927 „Die therapeutische Beeinflussung des retikulo-endothelialen Systems[22] und 1929 „Die septischen Erkrankungen in der inneren Medizin“ sowie „Über Salyrganwirkung und Leberfunktion (Beobachtungen an Fällen von Leberzirrhose“.[23] 1930 erschien von ihm „Fortschritte der Diuresetheraphie[24] und 1931 noch „Das Sepsisproblem“.[25]

Saxl engagierte sich als Referent vor dem Ersten Weltkrieg im Rahmen des Programms der Ferialkurse an der Medizinischen Fakultät,[26] sowie nach dem Krieg in den Fortbildungskursen der Medizinischen Fakultät.

Saxl Paul: Wiener Bilder, 20.3.1932, S. 4.

Saxl war Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien sowie der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SDAP) trat er bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Referent im sozialdemokratischen Bildungs- und Organisationswesen hervor. Dabei hielt er Vorträge zu medizinischen und naturwissenschaftlichen Themen wie „Bau und Funktionen des menschlichen Organismus“,[27] aber auch zu weltanschaulichen Fragen, darunter „Moderne Weltanschauung“[28] und „Darwin und seine Lehren“.[29]

Paul Saxl verstarb am 13. März 1932 auf der Rax in Niederösterreich.

Seine Ehefrau Marianne Saxl-Deutsch wurde aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ im März 1938 von den Nationalsozialisten verfolgt und am 26. Mai 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinec bei Minsk ermordet. Den beiden Kindern des Ehepaares gelang die Flucht nach England.

Saxl Paul: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 16.3.1932, S. 17.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch, 1880, Saxl Paul.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0577, Saxl Paul (Nationalien Datum: 1902/03).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-345b, Saxl Paul (Rigorosum Datum: 12.5.1905).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-0212, Saxl Paul (Promotion Datum: 18.5.1905).

Literatur:

Müller, Albert und Paul Saxl: Über die Chlorausscheidung im Harn und ihre Beziehungen zur Verdauung. Sonderdruck aus: Zentralblatt für Physiologie. Wien: Im Selbstverlage 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Müller, Albert und Paul Saxl: Die Chlorausscheidung im Harn und ihre Beziehungen zu den Verdaungsvorgängen. Aus der I. medicinischen Klinik (Hofrath Nothnagel) in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für klinische Medicin. Berlin: Druck von L. Schumacher 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Müller, Albert und Paul Saxl: Ueber den Vorgang der Magenfüllung. Zugleich ein Beitrag zur Kenntnis vom Wesen der Atonie. Sonderdruck. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Salomon, Hugo und Paul Saxl: Harnbefund bei Carcinometösen. Zugleich ein Beitrag zur Kenntnis der Oxyproteinsäureausscheidung beim Menschen. Die Temperaturherabsetzende Wirkung von Gewebspreßsäften und Lipoiden. (= Beiträge zur Carcinomforschung). Berlin: Urban & Schwarzenberg 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64734/2]

Saxl, Paul: Über die Mengenverhältnisse der Muskeleiweißkörper unter physiologischen und pathologischen Bedingungen. Zugleich ein Beitrag zur Totenstarre. Ausgeführt unter Leitung des Privatdozenten Dr. Otto v. Fürth, Assistenten am k.k. physiologischen Institut der Universität Wien. Sonderdruck aus: Beiträge zur chemischen Physiologie und Pathologie. Zeitschrift für die gesamte Biochemie. Braunschweig: Druck von Friedrich Vieweg und Sohn 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Saxl, Paul: Über die Beziehungen der Autolyse zur Zellverfettung Ausgeführt unter Leitung des a.O. Professor Dr. O. v. Fürth im physiologischen Institut der Wiener Universität. Sonderdruck aus: Beiträge zur chemischen Physiologie und Pathologie. Braunschweig: Druck und Verlag von Vieweg und Sohn 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Brunn, F., Saxl, Paul und K. Hitzenberger: Ueber die Periodizität der Erscheinungen beim Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür. Aus der I. medizinischen Klinik in Wien (Vorstand: Prof. K.F. Wenckebach). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.k. Universitäts- Verlagsbuchhandlung 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Saxl, Paul: Die oligodynamische Wirkung der Metalle und Metallsalze. (= Abhandlungen aus dem Gebiet der Medizin) Wien: Springer 1924.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21162]

Saxl, Paul: Ueber perorale antiluetische Therapie mit Kalomelsuspension (Kalomel-Metem). Aus der I. medizinischen Klinik in Wien (Vorstand: Prof. K.F. Wenckebach). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Buchdruckerei Bruno Bartelt 1924.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Saxl, Paul: Ueber die Behandlung des chronischen Magenkatarrhs. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Saxl, Paul: Letale Quecksilberintoxikation nach einmaliger Novasurolinjektion. Bemerkungen zu dem Aufsatze in Nr.13 von Dr. Fritz Redlich. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Buchdruckerei Bruno Bartelt 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Saxl, Paul: Fortschritte und Probleme in der Therapie innerer Krankheiten. Wien: Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21697]

Saxl, Paul, Donath, Ferdinand und Endre Kelen: Ueber erfolgreiche Schutzwirkung von „chemisch-therapeutischen“ Substanzen gegen Infektionskrankheiten (im Tierversuch). Aus der I. medizinischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. K.F. Wenckbach). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Buchdruckerei Bruno Bartelt 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Saxl, Paul und Ferdinand Donath: Eine Funktionsprüfung der Abfangorgane des reticulo-endothelialen Systems. Aus der I. mediz. Universitätsklinik in Wien (Vorstand. Prof. K. Wenckebach). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Buchdruckerei Bruno Bartelt 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Donath, Ferdinand und Paul Saxl: Die septischen Erkrankungen in der inneren Medizin. (= Abhandlungen aus dem Gesamtgebiet der Medizin). Wien: Springer 1929.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21161]

[1] Jahresbericht des k.k. Maximiliangymnasium in Wien, Wien 1900, S. 44.

[2] Illustriertes Wiener Tagblatt, 25.4.1901, S. 7.

[3] Medizinische Klinik, Nr. 13, 1910, S. 510.

[4] Saxl Paul, Rubinger Carl, Hess Leo, Heinrich Joseph: Biologie des Menschen. Berlin 1910.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1913, Sp. 1730-1731.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 7, 1918, Sp. 322.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1929, Sp. 763.

[8] Die Zeit, 24.9.1905, S. 5.

[9] Neue Freie Presse, 19.4.1910, S. 24.

[10] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 5.11.1912, S. 492.

[11] Neue Freie Presse, 20.11.1914, S. 1.

[12] Wiener Zeitung, 6.12.1914, S. 9.

[13] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 10, 1915, Sp. 458-459.

[14] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 3, 1916, Sp. 115-120.

[15] Medizinische Klinik, Nr. 25, 1916, S. 672.

[16] Medizinische Klinik, Nr. 28, 1917, S. 764-765.

[17] Medizinische Klinik, Nr. 37, 1917, S. 986-988.

[18] Wiener Archiv für innere Medizin; Teil 2, 1921, S. 141-152.

[19] Medizinische Klinik, Nr. 2, 1923, S. 59-61.

[20] Wiener Archiv für innere Medizin, Teil 2, 1925, S. 549-560.

[21] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 34, 1926, S. 1012-1014.

[22] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 26, 1927, S. 865-867.

[23] Wiener Archiv für innere Medizin, Teil 2, 1929, S. 597-402.

[24] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 9, 1930, S. 293-295.

[25] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 9, 1931, S. 286-289.

[26] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 34, 1912, Sp. 2279.

[27] Arbeiter-Zeitung, 7.2.1904, S. 11.

[28] Arbeiter-Zeitung, 20.1.1907, S. 11.

[29] Arbeiter-Zeitung, 26.1.1908, S. 13.

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