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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [269]: Rudolf Müller – Dermatologe und Serologe am Sero-therapeutischen Institut am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Rudolf Müller – Dermatologe und Serologe am Sero-therapeutischen Institut am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 15.02.2024

Keywords: Serologe, Bakteriologe, Sero-therapeutische Versuchsanstalt, Allgemeines Krankenhaus Wien Medizingeschichte, Wien

Rudolf Müller wurde am 10. Oktober 1877 in Prag geboren. Nachdem er an den Universitäten in Prag, Königsberg, Graz und Wien, wo er am 27. März 1901 promovierte, studierte hatte, erhielt er seine bakteriologische Ausbildung am Pathologisch-anatomischen Institut bei Professor Anton Weichselbaum (1845-1920), am Sero-therapeutischen Institut beim Dozenten Richard Kretz (1865-1920) sowie bei dem damaligen Assistenten am Anatomisch-pathologischen Institut Karl Landsteiner (1868-1943). 1906 bekam er eine Assistentenstelle an der dermatologischen Klinik bei Professor Ernst Finger (1856-1939) und danach bei Wilhelm Kerl (1880-1945), wo er an der Sero-diagnostischen Station arbeitete. 1907 richtete er an der Klinik eine Sero-diagnostische Untersuchungsanstalt ein und wurde mit deren Leitung betraut.

1914 habilitierte sich Müller im Fach Haut- und Geschlechtskrankheiten zum Privatdozenten für Dermatologie und Syphilidologie und erhielt 1923 erhielt er den Titel eines a.o. Professors.[1] Während des Ersten Weltkrieges war Müller dem Reservespital Nr. 2 in Wien zugeteilt. Hier publizierte er 1916 „Fieberbehandlung gonorrhoischer Komplikationen“ und „Reinfektion und Residualsklerosen. Ein Beitrag zur Frage der Heilbarkeit luetischer Infektionen durch Salvarsan“ sowie 1917 „Die Nachbarwirkung des Eigenserums und deren therapeutische Verwertung.“

Rudolf Müller, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 21.8.1934, S. 24.

Mit dem Dermatologen Moritz Oppenheim (1876-1949) begründete er die Serodiagnostik der Gonorrhoe. Gemeinsam publizierten sie 1906 „Ueber den Nachweis von Antikörpern im Serum eines an Arthritis gonorrhoica Erkrankten mittels Komplementablenkung“ und 1926 „Zur Frage der Komplementbindungsreaktion bei Gonorrhöe“. Müller entwickelte die unspezifische Proteinkörpertherapie oder Reizkörpertherapie bei umschriebenen Entzündungen. Dazu veröffentlichte er 1916 „Ueber ein neues Anwendungsgebiet und das therapeutisch wirksame Prinzip parenteraler Proteinkörperzufuhr“ und 1917 „Über den Wirkungsmechanismus der parenteralen Proteinkörpertherapie bei lokalen Entzündungsherden, mit besonderer Berücksichtigung der v. Wagner´schen Paralyse-Behandlung“. Er beschäftigte sich u.a. mit der Syphilisbehandlung und fand mit Landsteiner und Otto Pötzl (1877-1962) das wirksame Prinzip der Wassermannschen Reaktion. Gemeinsam publizierten sie 1907 „Zur Frage der Komplementbindungsreaktionen bei Syphilis“ und „Ueber Komplementbindungsreaktionen mit dem Serum von Dourinetieren“. 1909 veröffentlichte er dazu „Ueber den technischen Ausbau der Wassermannschen Reaktion nebst klinischen Betrachtungen über deren Wert und Wesen“, 1916 „Einige Grundsätze bei der Bewertung der Wassermann`schen Reaktion in Fragen der Luesdiagnose und -Therapie. Nach Erfahrungen bei 150.000 untersuchten Fällen“,[2] und 1928 „Fortschritte in der Serodiagnostik der Syphilis“[3].

Zahlreiche weitere Arbeiten von Müller befinden sich in der Separata-Bibliothek sowie in der Neuburger-Bibliothek an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

Seine erfolgreichen Arbeiten förderten seine internationale Reputation und führten dazu, dass er nach dem Ersten Weltkrieg vom Hygienekomitee des Völkerbundes nach London eingeladen wurde, weiters nahm er an zahlreichen Konferenzen u.a. in Kopenhagen (1928) und Montevideo teil.

Rudolf Müller verstarb am 16. August 1934 in Wien.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-236b, Müller Rudolf (Rigorosum Datum: 18.3.1901).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-0725, Müller Rudolf (Promotion Datum: 27.3.1901).

UAW, Rektoratsarchiv, Akademischer Senat, Akten Sonderreihe, Personalblätter, Senat S 304.865 Müller, Rudolf (10.10.1877-16.08.1934; Dermatologie und Syphilidologie).

Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 35, 1935, S. 950.

Medizinische Klinik, Nr. 39, 1934, S. 1316.

Literatur:

Müller, Rudolf und Artur Weiss: Fieberbehandlung gonorrhoischer Komplikationen. Aus dem k.u.k. Reservespital Nr. 2 in Wien. (Kommandant Reg.-Arzt Dr. G. Bayer, Spitalschefarzt: Stabsarzt Priv.-Doz. Dr. A. Brandweiner.) Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1916.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Müller, Rudolf: Reinfektion und Residualsklerosen. Ein Beitrag zur Frage der Heilbarkeit luetischer Infektionen durch Salvarsan. Aus dem k.u.k. Reservespital Nr. 2 in Wien. (Kommandant Dr. Beyer, Spitalchefarzt Stabsarzt Dozent Dr. Brandweiner.) Sonderdruck aus: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung 1916.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Müller, Rudolf: Die Nachbarwirkung des Eigenserums und deren therapeutische Verwertung. Aus dem k.u.k. Reservespitale Nr. 2 (Spitalskommandant: Oberstabsarzt Dr. Leo Weißberg). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Müller, Rudolf und Moritz Oppenheim: Ueber den Nachweis von Antikörpern im Serum eines an Arthritis gonorrhoica Erkrankten mittels Komplementablenkung. Aus der k. k. Universitätsklinik für Syphilidologie und Dermatologie in Wien (Vorstand: Prof. Finger). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Brünauer, Stefan Robert, Müller, Rudolf und Moritz Oppenheim: Zur Frage der Komplementbindungsreaktion bei Gonorrhöe. Sonderdruck aus: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Berlin, Göttingen, Heidelberg: Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 12421]

Müller, Rudolf: Ueber ein neues Anwendungsgebiet und das therapeutisch wirksame Prinzip parenteraler Proteinkörperzufuhr. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1916.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Müller, Rudolf: Über den Wirkungsmechanismus der parenteralen Proteinkörpertherapie bei lokalen Entzündungsherden, mit besonderer Berücksichtigung der v. Wagner´schen Paralyse-Behandlung. Sonderdruck aus: Psychiatrisch-neurologische Wochenschrift. Halle a.d. Saale: Carl Marhold Verlagsbuchhandlung 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Landsteiner, Karl, Müller, Rudolf und Otto Pötzl: Zur Frage der Komplementbindungsreaktionen bei Syphilis. Aus dem pathologisch-anatomischen Institut (Vorstand: Prof. Weichselbaum) und der Klinik für Syphilidologie und Dermatologie (Vorstand: Prof. Finger) in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Landsteiner, Karl, Müller, Rudolf und Otto Pötzl: Ueber Komplementbindungsreaktionen mit dem Serum von Dourinetieren. Aus dem pathologisch-anatomischen Institut in Wien (Vorstand: Prof. Weichselbaum) und der Klinik für Geschlechts- und Hautkrankheiten in Wien (Professor Finger). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Müller, Rudolf: Ueber den technischen Ausbau der Wassermannschen Reaktion nebst klinischen Betrachtungen über deren Wert und Wesen. Aus der serodiagnostischen Untersuchungsstation der Klinik für Geschlechts- und Hautkrankheiten in Wien (Vorstand: Prof. E. Finger.). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 34/35, 1923, Sp.1548.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1916, Sp. 1075-1081.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 8, 1928, S. 243-245; Nr. 9, S. 287-289.

Normdaten (Person): Müller, Rudolf : BBL: 42047; GND: 137857616;

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Letzte Aktualisierung: 20240215

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [266]: Josef Hermann – Primararzt am Krankenhaus Wieden, Betriebsarzt der Wienerberger Ziegelfabrik- und Baugesellschaft, Schriftsteller

Josef Hermann – Primararzt am Krankenhaus Wieden, Betriebsarzt der Wienerberger Ziegelfabrik- und Baugesellschaft, Schriftsteller

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 25.01. 2024

Keywords: Primararzt Krankenhaus Wieden, Betriebsarzt Wienerberger Ziegelfabrik- und Baugesellschaft, Schriftsteller, Medizingeschichte, Wien

Josef Hermann wurde als Sohn des Weinhändlers Franz Hermann (1777-1825) und Josepha Buchta (1796-1870), als ältester von fünf Geschwistern, am 20. August 1817 in Golassowitz in Österreichisch-Schlesien (heute: Golasowice/Polen) geboren. In erster Ehe war er mit Susanne Peyer (1823-1843) und seit 1854 mit Anna von Gaugusch (1833-1911) verheiratet. Sein Sohn war der k.k. Hofapothekerbeamte Albert Hermann (1867-1947).

Hermann studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 28. März 1843 zum Doktor der Medizin. Am 11. Februar 1844 erhielt er die Sponsion zum Magister der Chirurgie und Magister der Geburtshilfe. Danach arbeitete er als Arzt in der Gemeinde Inzersdorf bei Wien sowie im Bürgerspital in der Cäciliengasse 6 in Wien 1 (heute: Lobkowitzplatz).

Zwischen 1845 und 1846 gehörte er als Assistent der Lehrkanzel für Staatsarzneikunde und als Mitglied der Medizinischen Fakultät der Universität Wien an.

Chefarzt der Wienerberger Ziegelfabrik- und Baugesellschaft

Seine erste selbständige berufliche Tätigkeit übte er seit spätestens 1846 als Arzt, Chirurg, Geburtshelfer und Zahnarzt in der von Alois Miesbach (1791-1857) 1820 erworbenen ersten staatlichen Ziegelei am Wienerberg mit zirka 4.000 Mitarbeitern aus. Später war er hier als Chefarzt des Krankenhauses „am Wienerberg“ der „Wienerberger Ziegelfabrik- und Baugesellschaft“ tätig.

Primarius im Krankenhaus Wieden und seine Syphilisbehandlung

Im Juli 1855 veröffentlichte Hermann eine 75-seitige Arbeit unter dem Titel „Medicinische Studien“, in der er die Gründe für seine Ablehnung des Quecksilbers als Heilmittel gegen Syphilis formulierte. Im Oktober 1855 trat Hermann in das Bezirkskrankenhaus Wieden ein, wo er, nachdem ihm durch einen Minister-Erlass von 25. Oktober 1855 die Bewilligung erteilt worden war, „unter commissioneller Kontrolle von Fachgenossen“ Syphilis zu behandeln, um den Beweis anzutreten, dass Mercur kein Heilmittel sei, bzw. selbst schwere Krankheiten verursacht.[1] Ein Jahr später publizierte er die Ergebnisse seiner Arbeit unter dem Titel „Die Behandlung der Syphilis ohne Mercur. Wissenschaftlicher Bericht über die Ergebnisse der unter commisssioneller Controlle von Fachgenossen der k.k. Bezirkskrankenhause Wieden im Jahr 1856 stattgefundenen Behandlung syphilitischer Erkrankter“. Darin wandte er sich gegen die zu dieser Zeit übliche Quecksilbertherapie und betrachtete die sekundäre konstitutionelle Syphilis als Wirkung des Quecksilbers. Seine Ansichten riefen u.a. von Ärzten wie Mathias Singer (1829-1912) von der Abteilung für Syphilis im Allgemeinen Krankenhaus Wien[2] heftigen Widerspruch hervor und stießen eine Debatte an, die er mit seinen Kritikern in Fachzeitschriften ausfocht.[3]

Mit Friedrich Lorinser (1817-1895), der ebenfalls zum Personalstand des Wiedner Spitals gehörte, und mit dem er 1845 die schädigende Wirkung von Phosphordämpfen bei der Zündholzherstellung auf die Knochen untersucht hatte, begründete er damit die „antimercurale Schule“. Am 27. Juli 1858 trat er mit Bestellung durch einen Ministerialerlass die provisorische Leitung der neu gegründeten Abteilung für Syphilis und Hautkrankheiten in das Bezirkskrankenhaus Wieden an,[4] und konnte nun Syphilis nach seinen Heilmethoden ohne Mercur und ohne Jod behandeln.[5]

In den nächsten Jahren publizierte er eine Reihe von Arbeiten, in denen er seine Theorien weiter vehement vertrat. 1859 veröffentlichte er dazu in der Wiener medizinischen Wochenschrift den Aufsatz „Zur Frage der Syphilisation“,[6] 1861 „Der constitutionelle Jodismus“, 1862 „Studien über Syphilis“, 1865 „Die Mercurial-Krankheiten und deren Verhältnisse zur Lustseuche“, 1868 schrieb er das Vorwort zu der von Robert Charles Drysdale (1824-1907) veröffentlichten Arbeit „Ueber die Behandlung der Syphilis und anderer Krankheiten ohne Quecksilber. Eine Sammlung von Beweisen, dass das Quecksilber eine Krankheitsursache, aber kein Heilmittel ist“. 1869 veröffentlichte er den Artikel „Die Syphilis und deren Behandlung vom Standpunkte der öffentlichen Administration,“[7] 1872 „Die Behandlung Syphilitischer in den öffentlichen in den öffentlichen Krankenhäusern Wiens mit besonderer Rücksicht auf die öffentlichen Fonde“,[8] 1875 „Über die Natur und Wesenheit der Syphilis und deren Behandlung ohne Mercus“,[9] 1889 „Es gibt keine constitutionelle Syphilis: ein Trostwort für die gesammte Menschheit“. Weiters publizierte er 1862 „Die Prostitution und die Syphilis“ und 1890 eine Artikelserie zur „Sanitätspolizei und Prostitution“.[10] Er sprach sich darüber hinaus auch gegen die Impfung bei Tollwut und Pocken aus.[11]

Im Herbst 1858 erschienen von ihm die „Studien über Krankheitsformen in Idria“ (1. Teil,[12] 2, Teil,[13] 3. Teil[14]), nachdem er im Oktober 1857 das Quecksilberwerk in der Krain besucht hatte, um die Auswirkungen des Quecksilbers auf die Gesundheit der Bergarbeiter zu untersuchen, 53 Jahre bevor 1910 Ludwig Teleky (1872-1957) hier seine Untersuchungen zu quecksilberbedingten Krankheiten anstellte. 1873 publizierte er dazu „Die Wirkungen des Quecksilbers auf den menschlichen Organismus“.

Am 15. September 1862 erfolgte seine Ernennung zum Primararzt an der Abteilung für Syphilis im Krankenhaus Wieden,[15] 1863 bekam er als Assistent Eduard Lewy (1838-1905) zugeteilt.

Im Jänner 1889 erfolgte seine Pensionierung am Bezirkskrankenhaus Wieden,[16] bis 1893 führte er noch seine private Arztpraxis zuletzt in Wien 9, Spitalgasse 5.

Hermann verfasste in seinen späteren Lebensjahren zwei Monografien 1886 die „Glückseligkeitslehre“, die als Gebrauchsanweisung zu einer bewussten Lebensführung als auch als Bauanleitung zur Entwicklung einer organisch aufgebauten Gesellschafts- und Staatsphilosophie gelesen werden kann, sowie 1902 „Die Lebensführung im hohen Alter“, die 1910 in der 5. Auflage erschien und neben Diätvorschlägen zahlreiche autobiografische Skizzen enthält.

Exlibris Josef Hermann, aus: Die Lebensführung im hohen Alter, Leipzig 1910.

Hermann war seit 1888 Träger des Franz-Joseph-Ordens, den er für bürgerliche Verdienste verliehen bekam.[17] Er lebte bis zu seinem Tod auf einem von ihm 1850 erworbenen Grundstück in Inzersdorf Parzelle 26, und war zwischen 1879 und 1882 gewählter Mandatar im Gemeinderat von Inzersdorf.[18]

Josef Hermann verstarb am 12. Oktober 1902 in Inzersdorf bei Wien.

Quellen:

Trauungsbuch, Rk Erzdiözese Wien 23 Inzersdorf, 1854, Sign. 02-03; Folio 151, Hermann Josef.

Sterbebuch, Rk Erzdiözese Wien, Wien 23, Inzersdorf, 1902, Sign. 03-11, Folio 274, Hermann Josef.

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-91r, Hermann Josef (Rigorosum Datum 1842).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 176-265, Hermann Josef (Promotion Datum 28.3.1843).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 176-0170, Hermann Josef (Sponsion Datum 11.2.1844).

Freund Georg, Inzersdorf am Wienerberge. Historisch-topografische Darstellung des Ortes und seiner Bestandtheile vom Ursprunge bis in die neuste Zeit, 1882.

Literatur:

Hermann, Josef: Die Behandlung der Syphilis ohne Mercur. Wissenschaftlicher Bericht über die Ergebnisse der unter comissioneller Controlle von Fachgenossen im k.k. Bezirkskrankenhause Wieden im Jahre 1856 stattgefundenen Behandlung syphilitisch Erkrankter. Wien: Sallmayer & Comp. 1857.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 3436]

Hermann, Josef: Der constitutionelle Jodismus. Sonderdruck aus: Österreichischer Zeitschrift für praktische Heilkunde. Wien: Druck von Anton Schweiger 1861.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hermann, Josef: Studien über Syphilis. Sonderdruck aus: Österreichische Zeitschrift für praktische Heilkunde. Wien: Druck und Papier von Leopold Sommer 1862.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Drysdale, Charles Robert und Josef Hermann: Ueber die Behandlung der Syphilis und anderer Krankheiten ohne Quecksilber. Eine Sammlung von Beweisen, dass das Quecksilber eine Krankheitsursache, aber kein Heilmittel ist. Wien: Sallmayer 1868.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-17715]

Hermann, Josef: Es gibt keine constitutionelle Syphilis. Ein Trostwort für die gesammte Menschheit. Hagen i.W.: Risel 1880.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-18264]

Hermann, Josef: Die Glücklichkeitslehre. Wien, Leipzig: Verlag von A. Pichlldf’s Witwe und Sohn 1861.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61332]

Hermann, Josef und Peter Simon Ziegelroth: Die Lebensführung im hohen Alter. Mit einem Bildnis des Verfassers. 5. Auflage. Leipzig: Verlag von Hand Hedwig’s Nachfolger Curt Ronninger 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64038]

Referenzen:

[1] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte in Wien, Nr. 17, 1857, S. 273-182.

[2] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte in Wien, Nr. 11, 1857, S. 177-182; 23.3.1857, S. 193-199.

[3] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte zu Wien, Nr. 11, 1857, S. 177-182; Nr. 17, 1857, S. 273-276.

[4] Die Presse, 8.8.1858, S. 3.

[5] Ärztlicher Bericht des k. k. Bezirks-Krankenhauses Wieden, 1858, S. 88.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 5, 1859, Sp. 67-71; Nr. 6, Sp. 84-86; Nr. 7, Sp. 101-104.

[7] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 1.6.1869, S. 179-180.

[8] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 26.11.1872, S. 589-590; 3.12.1872, S. 606-607; 17.12.1872, S. 638-639.

[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 30.11.1875, S. 429-431.

[10] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 2.9.1890, S. 417-418; 9.9.1890, S. 429; 16.9.1890, S. 442-443; 23.9.1890, S. 453-454; 14.10.1890, S. 489-490; 21.10.1890, S. 500; 28.10.1890, S. 511-512.

[11] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 48, 1864, Sp. 737-741. Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 12.12.1871, S. 409-410.

[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 40, 1858, Sp. 697-700.

[13] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 41, 1858, Sp. 713-717.

[14] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 43, 1858, Sp. 750-751.

[15] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 49, 1891, S. 931.

[16] Die Presse, 19.2.1889, S. 3.

[17] Wiener medizinische Wochenschrift Nr. 11, 1888, Sp. 378.

[18] Inzersdorf am Wienerberge. Historisch-topografische Darstellung des Ortes und seiner Bestandtheile vom Ursprunge bis in die neueste Zeit (Georg Freund, Bearbeiter), Inzersdorf am Wienerberge 1882, S. 74 und 142.

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Letzte Aktualisierung: 20240125

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#SHOWCASE UB: Highlights aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni: Publikationen von Mona Spiegel-Adolf, Klara Weingarten und Melitta Sperling

Die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin der Ub MedUni Wien ist mit über einer halben Million Bände die größte medizinhistorische Bibliothek Österreichs. Neben rezenter Literatur zur Geschichte der Medizin gibt es acht historisch sehr wertvolle Bibliotheken mit Beständen aus 6 Jahrhunderten (15.-20. Jhdt.).

Wir präsentieren im Lesesaal der Universitätsbibliothek zu den Öffnungszeiten im #SHOWCASE UB folgende Publikationen herausragender Medizinerinnen:

Die Globuline : mit 68 Abbildungen und 300 Tabellen

Mona Spiegel-Adolf (Anna Spiegel), 1893-1983 [VerfasserIn]

1930

Physikalisch-chemische Untersuchungen bestrahlter Proteine : <1.> Mitteilung: Die Veränderungen des Seralbumins bei Ultraviolettbestrahlung und ihre Beziehungen zur Hitzegerinnung

Mona Spiegel-Adolf (Anna Spiegel), 1893-1983 [VerfasserIn]
1927


Neuburger Bibliothek
Nominalkatalog Medizinhistorische Literatur 1850-1989


Normdaten
(Person): Spiegel-Adolf, Mona: BBL: 31332; GND: 127944494;

>Short Bio im VS-Blog

 

 

Die myoklonischen Syndrome : mit 29 Abbildungen

Weingarten, Klara, 1909-1973 [VerfasserIn]

1957

Gesellschaft der Ärzte Bibliothek
Zettelkatalog der Gesellschaft der Ärzte Bibliothek


Normdaten
(Person): Weingarten, Klara: BBL: 31434; GND: 1231078308;

>Short Bio im VS-Blog

 

 

Sperling, Melitta: Analyse eines Knaben mit transvestitischen Tendenzen. Ein Beitrag zur Genese und Dynamik des Transvestitismus. In: Psyche. (21/7) 1967. S. [520]-541.

[Universitätsbibliothek, AKH/Magazin, Periodika]

Sperling, Melitta: VI. Psychotherapeutische Aspekte des kindlichen Bronchialasthmas. In: Handbuch der Kinderpsychotherapie. Hg.: Gerd Biermann. Band 2. München: Reinhardt 1969. S. 886-896.

[Universitätsbibliothek, AKH/Magazin, Sign.: 1999-03485]

Sperling, Melitta: VIII. Psychotherapeutische Aspekte der Coltis ulcerosa bei Kindern. In: Handbuch der Kinderpsychotherapie. Hg.: Gerd Biermann. Band 2. München: Reinhardt 1969. S. 912-921.

[Universitätsbibliothek, AKH/Magazin, Sign.: 1999-03485]


Normdaten
(Person): Sperling, Melitta: BBL: 42065; GND: 142843482;

>Short Bio im VS-Blog

 

 

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Ausstellungsprojekt:
#SHOWCASE UB
by
Harald Albrecht, BA M.A.LIS
MMag. Margrit Hartl

Logo: MMag.Margrit Hartl

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [259]: Siegfried Jonas – Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, NS-Verfolgter

Siegfried Jonas – Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 19.12.2023

Keywords: Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, Brigitta-Spital, Wien, NS-Verfolgter

Siegfried Jonas wurde am 31. Mai 1874 als Sohn des in Budapest geborenen Großhändlers Ignaz Jonas (1842-1916) und der Wienerin Jeanette („Jenny“) (1855-1938), geborene Heitner, in Wien geboren. Seit 1906 war er mit Nina Fuchs (1882-1972) verheiratet, mit der er die beiden Kinder Susanne, verheiratete Kleiner (29.3.1907-) und Hans Georg (2.7.1908-) hatte.

Nachdem er das k.k. Staatsgymnasium in Wien Leopoldstadt absolviert hatte, studierte er an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 26. Mai 1900 mit seiner Promotion ab. Danach eröffnete er eine private Arztpraxis in Wien 2, Große Mohrengasse 38,[1] die er nach dem Ersten Weltkrieg nach Wien 1, Eßlinggasse 18 verlegte. Er arbeitete zunächst im Spitalsdienst des Allgemeinen Krankenhauses in Wien und zwischen 1904 und 1910 als Assistent an der Abteilung der Wiener allgemeinen Poliklinik bei Professor Leopold Oser (1839-1910). 1905 publizierte er eine an der IV. medizinischen Abteilung des AKH durchgeführten Studie „Ueber die Wirkung des Atropinderivates Eumydrin auf die Nachtschweisse der Phthisiker“.

Laboratorium für radiologische Diagnostik und Therapie im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Jonas spezialisierte sich auf das Gebiet der Magen- und Darmerkrankungen und arbeitete in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg am Laboratorium für radiologische Diagnostik und Therapie im AKH Wien eng mit dem Radiologen Guido Holzknecht (1872-1931) zusammen, mit dem er auch eine Reihe von Arbeiten publizierte. Darunter 1906 „Ueber Antiperistaltik des Magens“ und „Die radiologische Diagnostik der raumbeengenden Bildungen des Magens, entwickelt an palpalen Tumoren“.[2] Zusammen mit Holzknecht publizierte er 1907 „Die Ergebnisse der radiologischen Untersuchung palpabler Magentumoren, verwendet zur Diagnose nicht palpabler[3] und 1908 „Die radiologische Diagnostik der intra- und extraventrikulären Tumoren und ihre spezielle Verwertung zur Frühdiagnose des Magencarcinoms“.

In den folgenden Jahren entstanden hier 1909 die Publikationen „Ueber die Entwicklungsstadien der Pylorusstenose und ihre klinisch-radiologische Diagnostik“, „Zur Pathologie und Diagnostik des spastischen Sanduhrmagens“, im selben Jahr „Ueber radiologische Indikationen für operative Eingriffe am Magen“, und 1910 „Ueber das Ermüdungsstadium der Pylorusstenose und seine Therapie“ und „Ueber die radiologische Feststellung gewisser Krankheitsbilder des Magens“.[4]

1911 veröffentlichte er „Über die Störung der Magenmotilität bei Ulcus ad pylorum und die spastische Pylorusstenose“ und „Ueber die Abhängigkeit der Darmmotilität vom motorischen und sekretorischen Verhalten des Magens“, 1912 „Zur Symptomatologie der beginnenden Pylorusstenose“ und „Über das Verhältnis zwischen Stuhlbild und Darmmotilität und die wechselnden Stuhlbilder der Hyperacidität und der Achylie“ sowie 1913 „Ueber das Verhalten verschiedenartiger Strikturen im Magen und Duodeum bei Milchdiät und ein Verfahren zur Diagnostik spastisch-ulzeröser Strikturen daselbst

1913 nahm Jonas an der 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte teil.[5]

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges rückte Jonas als Assistenzarzt in Przemysl zum Militärdienst ein, wo er im Herbst 1914 die Belagerung der Stadt erlebte und nach dem Fall von Przemysl in russische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er im Dezember 1917 nach Wien zurückkehrte.[6] 1918 erfolgte seine Ernennung zum Landsturmassistenzarzt.[7] 1919 erschien von ihm die am Erzherzog-Rainer-Militärspital am Röntgeninstitut entstandene Arbeit „Ueber die Druckpunkte des Ulcus ventriculi und duodeni und ihre Objektivierung durch die erhöhte Kontraktilität der Muskulatur; Latenz und Akuität des Geschwüres“.

Primarius am Brigitta-Spital in Wien

Von 1920 bis 1924 fungierte er als Primarius und Vorstand des Ambulatoriums für Magen- und Darmkrankheiten am Brigitta-Spital in Wien 20. Während dieser Jahre publizierte er 1923 „Zur Symptomatologie des latenten Ulkus“,[8] und zuvor 1922 an der II. medizinischen Universitätsklinik im AKH Wien „Über die Initialkrämpfe des Ulkus, ihre Typen, Pathogenese und ihr Verhältnis zur Cholelithiasis“.

1925 erschien von ihm „Ueber die erhöhte Kontraktilität des Rectus abdominis als Zeichen der Perigastritis und als Floriditätssymptom des Magengeschwüres[9] und im Jahr 1926 anlässlich er 5. Tagung der Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Wien „Über das sogenannte Divertikel der Kardia“.[10]

Jonas war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien und der Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien.[11]

Foto: Siegfried Jonas, zirka 1940. New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records.

Jonas und seine Familie wurden nach dem „Anschluss“ im März 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Jonas und seine Ehefrau Nina flüchteten im Sommer 1939 nach England, wo sie in Borough of Willesden in Middlesex lebten. Im März 1940 emigrierten sie mit der SS Samaria von Liverpool nach New York, wo sie sich in New Jersey niederließen und 1945 die US-Staatsbürgerschaft annahmen. Seinem Sohn Hans Georg gelang die Flucht nach Palästina, seine Tochter Susanne flüchtete ebenfalls nach New York/USA.

Siegfried Jonas verstarb 1954 in New Jersey.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1874, Jonas Siegfried.

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1906, Jonas Siegfried.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0466, Jonas Siegfried (Nationalien Datum: 1894/95).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-0456, Jonas Siegfried (Promotion Datum: 26.5.1900).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., VA, Zl. 4.353, Jonas Siegfried.

New York, New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957, 6450-vol 13884-13885, Mar 13, 1940; citing NARA microfilm publication T715 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), Jonas Siegfried, Nina.

New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Petitions for naturalization and petition evidence 1945 box 1035, no 518401-518541; citing NARA microfilm publication M1972, Southern District of New York Petitions for Naturalization, 1897-1944. Records of District Courts of the United States, 1685-2009, RG 21. National Archives at New York, Jonas Siegfried.

Literatur:

Jonas, Siegfried: Ueber die Wirkung des Atropinderivates Eumydrin auf die Nachtschweisse der Phthisiker. Aus der IV. med. Abteilung des k.k. Allgemeinen Krankenhauses in Wien (Vorstand: Prof. Dr. Friedrich Kovacs). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber Antiperistaltik des Magens. Aus dem Laboratorium für Radiologische Diagnostik und Therapie im k.k. Allgemeinen Krankenhause in Wien (Leiter: Priv.-Doz. Dr. Holzknecht). Sonderdruck aus: Deutsche medizinische Wochenschrift. Berlin: Druck von G. Bernstein 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Holzknecht, Guido und Siegfried Jonas: Die radiologische Diagnostik der intra- und extraventrikulären Tumoren und ihre spezielle Verwertung zur Frühdiagnose des Magencarcinoms. Wien: Perles 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 17990]

Jonas, Siegfried: Ueber die Entwicklungsstadien der Pylorusstenose und ihre klinisch-radiologische Diagnostik. Aus dem Röntgenlaboratorium im k.k. Allgemeinen Krankenhause in Wien (Leiter: Priv.Doz. Dr. Holzknecht). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Siegfried, Jonas: Zur Pathologie und Diagnostik des spastischen Sanduhrmagens. Aus dem Röntgen-Laboratorium im k.k. Allgemeinen Krankenhause in Wien (Leiter: Privatdozent Dr. Holzknecht). Sonderdruck aus: Wiener klinische Rundschau. Wien: Buchdruckerei Max Werthner 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber radiologische Indikationen für operative Eingriffe am Magen. Sonderdruck aus: Centralblatt für die Grenzgebiete der Medizin und Chirurgie. Naumburg: Lippert & Co. 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried; Ueber das Ermüden der Pylorusstenose und seine Therapie. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siefried: Über die Störung der Magenmotilität bei Ulcus ad pylorum und die spastische Pylorusstenose. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungs-Krankheiten. Berlin: Medizinischer Verlag von S. Karger 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber die Abhängigkeit der Darmmotilität vom motorischen und sekretorischen Verhalten des Magens. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bartelt 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Zur Symptomatologie der beginnenden Pylorusstenose. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien Verlag von Moritz Perles, k. und k. Hofbuchhandlung 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Über das Verhältnis zwischen Stuhlbild und Darmmotilität und die wechselnden Stuhlbilder der Hyperacidität und der Achylie. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungs-Krankheiten. Berlin: Medizinisher Verlag S. Karger 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber das Verhalten verschiedenartiger Strikturen im Magen und Duodeum bei Milchdiät und ein Verfahren zur Diagnostik spastisch-ulzeröser Strikturen daselbst. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber die Druckpunkte des Ulcus ventriculi und duodeni und ihre Objektivierung durch die erhöhte Kontraktilität der Muskulatur; Latenz und Akuität des Geschwüres. Aus dem Erzherzog Rainer-Militärspitals in Wien (Kommandant: Generalstabsarzt Prof. Johann Fein) Interne Abteilung (Chefarzt: Stabsarzt Dr. Julius Grötzinger), Röntgeninstitut (Vorstand: Regimentsarzt Priv.-Doz. Dr. Martin Haudek). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1919.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Über die Initialkrämpfe des Ulkus, ihre Typen, Pathogenese und ihr Verhältnis zur Cholelithiasis. Aus der II. medizinischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Hofrat Prof. Dr. N. Ortner). Sonderdruck aus: Medizinische Klinik. Berlin: Druck von L. Schuhmacher 1922.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1900, Sp. 1605.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1906, S. 1389-1394; Nr. 29, 1906, Sp. 1454-1458; Nr. 30, 1906, Sp. 1507-1511; Nr. 31, 1906, Sp. 1545-1552; Nr. 32, 1906, Sp. 1598-1605.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 5, 1907, Sp. 222-227; Nr. 6, 1907, Sp. 278-282; Nr. 7, 1907, Sp. 335-340; Nr. 8, 1907, Sp. 391-395.

[4] Medizinische Klinik, Nr. 22, 1910, S. 854-858.

[5] Neue freie Presse, 2.10.1913, S. 19-20.

[6] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.5.1915, S. 10; Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1919, Sp. 1379-1380.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1918, Sp. 1071.

[8] Medizinische Klinik, Nr. 34, 1923, S. 1161-1164.

[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1925, Sp. 1879-1887.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 36, 1926, Sp. 1062-1067.

[11] Mitteilungen der Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde, Wien 1904.

Normdaten (Person): Jonas, Siegfried: BBL: 42738; GND: 1314013564;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [258]: Gyula (Julius) Elischer – Histologe, Internist, Gynäkologe, Frauenarzt. Wien – Budapest

Gyula (Julius) Elischer – Histologe, Internist, Gynäkologe, Frauenarzt. Wien-Budapest

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 14.12.2023

Keywords: Frauenarzt, Gynäkologe, Internist, Medizingeschichte, Wien – Budapest

Gyula Elischer wurde am 10. Oktober 1846 als Sohn von Karoly Elischer (1822-1885) und Lavinia Oktrutzky (1826-1920) in Eperjes (heute Prešov, Slowakei), Komitat Sáros, in Ungarn geboren. Im September 1871 heiratete er Wilhelmina (Vilma) Szidonia Thòr (1847-1923), mit der er u.a. den Sohn und späteren Budapester Arzt Gyula Elischer (1875-1929) hatte.

Gyula Elischer absolvierte, nachdem er seine Schulausbildung in Kassa (heute Košice, Slowakei) und Eperjes in Ungarn abgeschlossen hatte, sein Medizinstudium an der Universität Wien, wo er am 4. April 1871 promovierte.

Während seiner Ausbildungszeit in Wien publizierte er 1869 in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften seine am physiologischen Institut der Universität bei Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892)[1] verfasste Arbeit „Über quergestreifte Muskeln der ins Herz einmündenden Venen des Menschen“. Bereits 1868 legte er der Akademie einen „Beitrag zur Histologie des gesunden und kranken Eierstocks“ vor.[2] 1904 erschien von ihm in der Wiener medizinischen Wochenschrift „Über Gebärmutterblutungen und deren Behandlung mittels Styptol“ und 1907 „Die Laparotomie in retrospektiver Beleuchtung“. Anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873, auf der Apparate und die Verbrennungsresultate zur Leichenverbrennung ausgestellt wurden, verfasste er 1874 nach einem von ihm gehaltenen Vortrag eine Publikation „Ueber Leichenverbrennung“.[3]

Zwischen 1871 und 1873 war er als Lehrassistent an der histopathologischen Abteilung der Universität Budapest tätig, danach wechselte er innerhalb der Universität zwischen 1873 und 1875 zum Internisten und Neuropathologen Frigyes Korányi (1828-1913). 1875 besuchte er als Stipendiat Deutschland und erhielt im selben Jahr die Ausbildung zum Gynäkologen. Zwischen 1876 und 1877 unternahm er eine Studienreise nach Frankreich, England und Irland. Ab 1884 arbeitete er als Chefgynäkologe am Krankenhaus am Elisabethspital in Budapest. 1890 erfolgte seine Ernennung zum Chefarzt an der von ihm mitbegründeten Poliklinik in Budapest, 1893 übernahm er nach dem Tod von József Ráth die Funktion eines Chefarztes an der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie. Daneben war er noch als Chefarzt des Roten Kreuz-Spitals tätig. Nach seiner Ernennung zum Privatdozenten für Gynäkologie erhielt er 1895 den Titel eines a.o. Universitätsprofessors verliehen.[4]

Seit 1876 war Elischer Mitglied der Budapester Königlichen Gesellschaft der Ärzte,[5] sowie des Budapester Königlichen Ärzteverbandes, der Krankenhausärztevereinigung, und der Ungarischen Krankenpflegevereinigung sowie der Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit. Er initiierte die Errichtung eines Denkmals für Ignaz Semmelweis (1818-1865) in Budapest, zu dem er auch eine zweiteilige Artikelserie verfasste (Teil 1, Teil 2)[6]. Weiters war er Schatzmeister des in Budapest 1894 organisierten 8. International Public Health-Kongress und gehörte dem Komitee zum 16. Internationalen Ärztekongress in Budapest an.

Elischer war ein bekannter Kunstsammler, der sich mit Kupferstichen beschäftigte, aber auch eine umfangreiche Rembrandt- und Dürer-Sammlung besaß. Ebenso besaß er eine bedeutende Goethe-Sammlung, die er der Ungarischen Akademie der Wissenschaft als Schenkung übergeben hatte.

Elischer verstarb am 28. September 1909 in Budapest.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-52r, Elischer Julius (Rigorosum Datum: 1870).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-583, Elischer Julius (Sponsion Datum: 18.7.1870).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-776, Elischer Julius (Promotion Datum: 4.4.1871).

Literatur:

Elischer, Julius: Über quergestreifte Muskeln der ins Herz einmündenden Venen des Menschen. Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität. (Mit 1 Tafel) Sonderdruck aus: Sitz. d. k. Akad. d. Wissensch. II. Abth. Wien: aus der der k.k. Hof- und Staatsdruckerei 1869.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Elischer, Julius: Über Gebärmutterblutungen und deren Behandlung mittels Styptol. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Elischer, Julius: Die Laparotomie in retrospektiver Beleuchtung. Sonderdruck aus: Gynaekologische Rundschau. Wien, Berlin: Urban & Schwarzenberg 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Elischer, Julius: Über Leichenverbrennung. Ein Vortrag. Budapest: 1874.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 33166]

Referenzen:

[1] Wiener Zeitung, 2.7.1869, S. 5.

[2] Wiener Zeitung, 25.7.1868, S. 3.

[3] Pester Lloyd, 22.6.1874, S. 6.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 41, 1895, Sp. 1749.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 52, 1876, Sp. 1283.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 47, 1885, Sp. 1449-1451; Nr. 48, 1885, Sp. 1479-1481.

Normdaten (Person): Elischer, Gyula: BBL: 42736; GND: 117499749;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [257]: Martin Pappenheim – Neurologe am Versorgungsheim der Gemeinde Wien, Gerichtspsychiater, NS-Verfolgter

Martin Pappenheim – Neurologe am Versorgungsheim der Gemeinde Wien, Gerichtspsychiater, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 11.12. 2023

Keywords: Neurologe, Psychiater, Medizingeschichte, Wien, Tel Aviv

Martin (Moriz) Pappenheim wurde am 4. November 1881 als Sohn von Max Miksa Pappenheim (1850-1921) und der aus Lemberg stammenden Regina (1858-1924), geborene Sprecher, in Preßburg in Ungarn (heute: Bratislava/Slowakei) geboren. Nach seiner Ehe mit Edith Goldschmidt (1883-1942) war er in zweiter Ehe mit der Ärztin Amalie Mela Bloch (1890-1930) und zuletzt seit 1932 mit Rose Beatrice Adelheid, geborene Liebrecht (1901-?), verheiratet. Er hatte drei Töchter, Eva (*24.6.1923), Nira Ruth (*1934), und die Neurologin, Schülerin von Sigmund Freud (1856-1939), und spätere Kommunistin Else Pappenheim (22.5.1911 Salzburg, gest. 11.1.2009 New York), die nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten gemeinsam mit Else Volk-Friedland (1880- 1953) im mexikanischen Exil den Exilverlag „El Libro Libre“ gründete. Eine seiner Schwestern war die Ärztin und Schriftstellerin Marie Pappenheim (1882-1966), verheiratete Frischauf.

Pappenheim begann 1899 an der Universität Wien mit dem Studium der Medizin und schloss es am 18. Mai 1905 mit der Promotion ab. Im Anschluss daran arbeitete er zunächst als Assistent an der Psychiatrischen Klinik in Prag und ab 1911 an der Psychiatrischen Klinik in Heidelberg, wo er eine umfassende Broschüre und ein Gutachten zu dem zu dieser Zeit Aufsehen erregenden Kriminalfall um den Betrüger Eduard Wenzel Czapek verfasste.[1] Daneben verfasste er hier die Arbeit „Über die Polynucleose im Liquor cerebrospinalis, insbesondere bei der progressiven Paralyse. (Mit einem Beitrag zur Kasuistik der Strangulationspsychosen)“.

Danach kehrte er nach Wien zurück und wurde an der Psychiatrisch-neurologischen Klinik bei Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) tätig, wo er gemeinsam mit Richard Volk (1876-1943) an der „Behandlung von Paralytikern mit Tuberkulin“ arbeitete.[2] Dazu publizierte er 1914 „Untersuchungen des Liquor cerebrospinalis bei der v. Wagnerschen Tuberkulinbehandlung der progressiven Paralyse“ und im selben Jahr gemeinsam mit dem Landesgerichtspsychiater in Wien Karl Grosz (1879-1962) „Die Neurosen und Psychosen des Pubertätsalters (Zwanglose Behandlungen aus den Grenzgebieten der Pädagogik und Medizin)“.

Pappenheim war bereits vor dem Ersten Weltkrieg in der Sozialdemokratischen Partei aktiv. 1912 besuchte Pappenheim erstmals die Wiener Psychoanalytische Gesellschaft, seit 1928 gehörte er der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung und dem engeren Kreis um Sigmund Freud an. 1913 trat er als Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien bei,[3] weiters war er Mitglied des Vereins für Psychiatrie und Neurologie, des deutschen Vereins für Psychiatrie, der Österreichischen Kriminalistischen Vereinigung, und der Gesellschaft der Nervenärzte in Wien. Darüber hinaus fungierte er nach dem Ersten Weltkrieg als Präsident des Österreichischen Komitees der Internationalen Liga für psychische Hygiene, und als Vorsitzender des Vereins für angewandte Psychopathologie und Psychologie.[4]

Im September 1915 erfolgte seine Ernennung zum Privatdozenten für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien,[5] und von Oktober 1915 bis Oktober 1916 war Pappenheim als Militärarzt und Gefängnispsychiater der Festungsanstalt Theresienstadt zugeteilt. Hier beschäftigte er sich mit Genehmigung der Festungskommandantur erstmals zu Beginn des Jahres 1916 in vier Gesprächssitzungen mit dem hier untergebrachten Attentäter des Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich (1863-1914), Gavrilo Princip (1894-1918). 1926 publizierte er aus diesen Gesprächsaufzeichnungen die Arbeit „Gavrilo Princips Bekenntnisse. Ein geschichtlicher Beitrag zur Vorgeschichte des Attentats von Sarajewo“. Während seiner weiteren Verwendung als Militärpsychiater in den Garnisonsspitälern in Mähren, darunter ab 1916 in Leitmeritz (heute: Litoměřice/Tschechien), setzte er zur Behandlung kriegsuntauglicher Patienten die sogenannte faradische Therapie (Elektroschocks) ein und publizierte 1916 „Über Neurosen bei Kriegsgefangenen“ und 1917 „Liquorpolynukleose im Status epilepticus“. Zuletzt war er als Regimentsarzt und Leiter der Nervenabteilung im Kriegsspital in Grinzing in Wien bei Professor Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) tätig, wo er die in Theresienstadt und Leitmeritz angewandte elektrotherapeutische Behandlungsmethode fortsetzte. In diesem Zusammenhang wurde 1920 gegen Wagner-Jauregg und u.a. gegen ihn Vorwürfe wegen der Anwendung elektrischer Zwangstherapien erhoben und durch die Kommission zur Erhebung militärischer Pflichtverletzungen eine Untersuchung gegen ihn durchgeführt. 1919 veröffentlichte er zu diesem Thema noch „Kriegsneurose und Psychogenie. Bemerkungen zum Aufsatz von Dr. August Richter“.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Ärztin Amalie Mela Pappenheim reiste er im August 1920 als Mitglied der Repatriierungskommission für österreichische Kriegsgefangene in Russland nach Moskau.[6]

Von 1922 bis 1933 war er als Vorstand der neurologischen Abteilung am städtischen Versorgungsheim der Gemeinde Wien und im selben Zeitraum als Primararzt an der neurologischen Abteilung des Versorgungsheimes der Stadt Wien-Lainz tätig.[7] 1924 erhielt Pappenheim den Titel eines a.o. Professors verliehen.[8] Hier veröffentlichte er u.a. 1922 „Die Lumbalpunktion: Anatomie, Physiologie, Technik, Untersuchungsmethoden, diagnostische und therapeutische Verwertung“, 1923 „Neueres über Lumbalpunktion“, oder 1925 gemeinsam mit Otto Marburg (1874-1948) „Syphilitische Parkinsonismus“. 1926 erschien von ihm „Allgemeine Grundlagen der Reflexologie des Menschen : Leitfaden für das objektive Studium der Persönlichkeit“, und 1930 „Neurosen und Psychosen der weiblichen Generationsphasen

Daneben wirkte Pappenheim als Sachverständiger und als Gerichtspsychiater beim Landesgericht für Strafsachen in Wien, sowie als Referent im Radio Wien, an Wiener Volksbildungsorganisationen und wissenschaftlichen Vereinigungen. 1930 organisierte er in Wien die internationale Tagung für angewandte Seelenkunde im Rahmen der Tagung für Kulturforschung[9] und 1932 sprach er sich vor der Gesellschaft der Ärzte in Wien für eine umfassende Reform und Modernisierungen der psychiatrischen Anstalten in Österreich aus.[10] Zuvor hatte er bereits 1927 seine Vorstellungen dazu im Aufsatz „Über die sogenannte verminderte Zurechnungsfähigkeit im Strafgesetzentwurf“ publiziert. Im selben Jahr gehörte er zu den Unterzeichnern eines Protesttelegramms gegen Misshandlung und Hinrichtungen politischer Gefangener in Ungarn und Bulgarien,[11] und 1929 setzte er sich gemeinsam mit Sigmund Freud u.a. für die Freilassung der politischen Häftlinge in Rumänien ein.[12] Im März 1929 nahm er am Internationalen Antifaschistenkongress in Berlin teil.

Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947, Government of Palestine, Department of Immigration, Pappenheim Martin.

Ende 1933 folgte er einer für ein halbes Jahr anberaumten Berufung nach Tel Aviv zur Gründung einer modernen Nerven-Heilanstalt. Wegen seiner exponierten Stellung innerhalb der österreichischen Sozialdemokratie kehrte er nach den Februarkämpfen 1934 nicht mehr nach Österreich zurück. Er führte in Tel Aviv eine private Arztpraxis, erhielt an der Universität Jerusalem eine Lehrkanzel,[13] und gehörte zu den Mitbegründern der „Vereinigung für psychische Hygiene Palästinas“. 1936 trat er für die eugenische Sterilisation geistig Behinderter ein.

Pappenheim wurde wegen seiner jüdischen Herkunft am 22. April 1938 seines Amtes an der Universität Wien enthoben. 1939 erhielt er die Staatsbürgerschaft Palästinas.

Martin Pappenheim verstarb am 22. November 1943 in Tel Aviv.

Von Martin Pappenheim besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin einen umfangreichen Bestand.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0573, Pappenheim Martin (Nationalien Datum: 1902/03).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-290a, Pappenheim Moriz (Rigorosen Datum: 9.5.1905).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-0210, Pappenheim Martin (Promotion Datum: 18.5.1905).

Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947, Government of Palestine, Department of Immigration, Pappenheim Martin.

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938: Pappenheim Martin.

Eissler Kurt, Freud und Wagner-Jauregg vor der Kommission zur Erhebung militärischer Pflichtverletzungen, Wien 2006.

Mayer Gregor, Verschwörung in Sarajewo. Triumph und Tod des Attentäters Gavrilo Princip, Wien 1914.

Literatur:

Pappenheim, Martin: Über die Polynucleose im Liquor cerebrospinalis, insbesondere bei der progressiven Paralyse. (Mit einem Beitrag zur Kasuistik der Strangulationspsychosen) Aus der psychiatrischen Klinik in Heidelberg. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Berlin: Julius Springer, Leipzig: Johann Ambrosius Barth 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Pappenheim, Martin: Untersuchungen des Liquor cerebrospinalis bei der v. Wagnerschen Tuberkulinbehandlung der progressiven Paralyse. Sonderdruck aus: Jahrbücher für Psychiatrie und Neurologiel. Wien: Franz Deuticke 1914.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Pappenheim, Martin und Karl Grosz: Die Neurosen und Psychosen des Pubertätsalters. (=Zwanglose Abhandlungen aus den Grenzgebieten der Pädagogik und Medizin/1) Berlin: Springer 1914.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-18581/1]

Pappenheim, Martin: Über Neurosen bei Kriegsgefangenen. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1916.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Pappenheim, Marti: Liquorpolynukleose im Status epilepticus. Sonderdruck aus: Neurologisches Centralblatt. Leipzig: Veith & Comp. 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Pappenheim, Martin: Kriegsneurose und Psychogenie. Bemerkungen zum Aufsatze von Dr. August Richter. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: 1919.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Pappenheim, Martin: Die Lumbalpunktion. Anatomie, Physiologie, Technik, Untersuchungsmethoden, diagnostische und therapeutische Verwertung. Wien: Rikola 1922.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 8108]

Pappenheim, Martin: Neueres über Lumbalpunktion. Sonderdruck aus: Jahreskurse für ärztliche Fortbildung. München: J.F. Lehmanns Verlag 1923.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Pappenheim, Martin und Otto Marburg: Syphilitische Parkinsonismus. Aus der Neurologischen Abteilung des Wiener Versorgungskrankenhauses (Vorstand: Prof. Martin Pappenheim) und aus dem Neurologischen Institute der Wiener Universität (Vorstand: Prof. Otto Marburg) (Mit 3 Textabbildungen) Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Berlin: Verlag von Julius Springer 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Bechterev, Vladimir Michailovič und Martin Pappenheim: Allgemeine Grundlagen der Reflexologie des Menschen. Leitfaden für das objektive Studium der Persönlichkeit. Leipzig, Wien: Deuticke 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 12214]

Pappenheim, Martin: Neurosen und Psychosen der weiblichen Generationsphasen. (= Bücher der ärztlichen Praxis/26) Wien: Springer 1930.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21948/26]

Referenzen:

[1] (Neuigkeits) Weltblatt, 31.5.1910, S. 8.

[2] Neues Wiener Journal, 24.9.1913, S. 3.

[3] Neue Freie Presse, 16.4.1913, S. 9.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 3, 1928, S. 108.

[5] Neue Freie Presse, 23.9.1915, S. 1.

[6] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 22.8.1920, S. 8.

[7] Amtsblatt der Stadt Wien, Wien 1922, S. 710.

[8] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 41, 1924, Sp. 2159.

[9] Der Abend, 3.6.1930, S. 2.

[10] Neues Wiener Journal, 23.1.1932, S. 7.

[11] Die Rote Fahne, 30.3.1927, S. 4.

[12] Wiener Allgemeine Zeitung, 26.1.1929, S. 1.

[13] Neues Wiener Journal, 13.7.1934, S. 5.

Normdaten (Person): Pappenheim, Martin : BBL: 42676; GND: 1025029364;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [255]: Rudolf Paul Königstein – Professor für Interne Medizin und Tropenkrankheiten, NS-Verfolgter

Rudolf Paul Königstein – Professor für Interne Medizin und Tropenkrankheiten, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 28.11. 2023

Keywords: Innere Medizin, Tropenkrankheiten, Primarius, Krankenhaus Wien-Lainz, Shanghai, NS-Verfolgter, Medizingeschichte, Wien

Rudolf Paul Königstein war der Sohn des Mediziners Robert Königstein und Marianne, geborene Riesz, und wurde am 10. Jänner 1915 in Wien geboren. Er war der Cousin von Professor Hans Königstein.

Nachdem er im Juni 1933 die Matura abgelegt hatte, studierte Königstein an der Universität Wien Medizin und war im Sommersemester 1938 im 10. Semester inskribiert. Am 7. März 1938 bekam er das Absolutorium ausgestellt. Schon seit 1. April 1936 war er als „Demonstrator“ am Institut für medizinische Chemie bei Professor Otto Fürth (1867-1938) als Mitarbeiter tätig. Für das Sommersemester 1938 erhielt er im Rahmen des Numerus clausus für jüdische Studierende die Zulassung zum Studium bis zum Semesterende, sein Studium konnte er jedoch nicht mehr abschließen. Als Mitarbeiter der Fakultät erfolgte schon am 31. März 1938 seine Entlassung.

Rudolf Paul Königstein, zirka 1955: Wiener Stadt- und Landesarchiv, Ärztekammer Wien, A1, Personalakten, Königstein Rudolf.

Königstein gelang wie seinem Vater Robert die Flucht nach Shanghai. Hier setzte er sein Medizinstudium an der St. John’s University fort, promovierte am 31. Mai 1941, und arbeitete danach bis 1945 als Laborarzt im internationalen Ghetto Shanghais. Von 1946 bis 1951 war er als Arzt in Hangzhou an der anglikanisch-neuseeländischen Mission tätig. 1951 emigrierte er im Zuge der Indoktrinierungskampagne Maos nach Wien, wo er jene Prüfungen zum letzten Rigorosum nachholte, die er im Sommersemester 1938 nicht mehr absolvieren konnte. Sein in Shanghai erworbenes Doktorat wurde am 15. Dezember 1951 von der Universität Wien nostrifiziert, mit 1. Juni 1955 bekam er die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin. Königstein arbeitete in den folgenden Jahren als Assistent und Oberarzt an der III. medizinischen Abteilung (Stoffwechselabteilung) des Krankenhaus Wien-Lainz, später erfolgte seine Ernennung zum Primarius des Altersheimes in Lainz.

Hier publizierte er 1952 „Die medizinische Entwicklung in China“ und „Fortschritte auf dem Gebiet der Malariaforschung“, sowie 1967 „Diabetes mellitus und Saluretika“.

Im Februar 1969 habilitierte er sich zum Privatdozenten und bekam die Lehrbefugnis für Interne Medizin verliehen und im Juli 1976 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors für Interne Medizin und Tropenkrankheiten an der Universität Wien verliehen. Am 31. Oktober 1979 ging er als Primarius in Pension und führte danach seine private Arztpraxis, die er seit 1963 betrieb, weiter. Er verstarb am 15. Juli 1985 in Wien.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, 1915, Königsstein Paul Rudolf.

AUW, Nationalen MED 1937-1938, Rektorat, Zl. 680 I/1937/38, Königstein Rudolf Paul.

WStLA, Ärztekammer Wien, A1, Personalakten, Königstein Rudolf.

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Königstein Rudolf.

Friedhofsdatenbank Wien, Königstein Rudolf Paul.

Literatur:

Königstein, Paul Rudolf: Die medizinische Entwicklung in China. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Hollinek 1952.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 21636]

Königstein, Paul Rudolf: Fortschritte in der Malariaforschung. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Brüder Hollinek 1952.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 24307]

Königstein, Rudolf Paul: Diabetes mellitus und Saluretika. Stuttgart: G. Thieme 1967.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-25374]

Normdaten (Person): Königstein, Rudolf: BBL: 42616; GND: 1311716122;

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Letzte Aktualisierung: 2023 11 28

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [253]: Hans Königstein – Dermatologe, NS-Verfolgter

Hans Königstein – Dermatologe, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 20.11.2023

Keywords: Hans (Johannes) Königstein, Dermatologe, Rothschild-Spital, NS-Verfolgter, Medizingeschichte, Wien, Jerusalem

Hans (Johannes) Königstein wurde am 2. September 1878 als Sohn des Mediziners Leopold Königstein und Henriette Leontine, geborene Héndlé, in Wien geboren. Er war seit 1912 mit Anna Catharina Wilhelmine Johanna Josefa Franziska Dukat (8.3.1882) verheiratet, mit der er die drei Kinder Josef (18.1.1913 Wien, gest. 1.3.1994 Pennsauken, New York/USA), Henriette (23.2.1915 Wien, 1938 Studentin) und Leopold (*15.1.1918 Wien, studierte 1938 Medizin) hatte.

Königstein studierte in Bern und an der Universität Wien Medizin, wo er am 22. Juli 1903 promovierte. 1903 publizierte er am I. Anatomischen Institut „Notitz zu einer Cetaceenlunge (Delphinus delphis) mit 2 Abbildungen“ und „Die Function der Muskulatur in der Amphibienlunge. 1. Anatomischer Theil“. 1906 veröffentlichte er am Physiologischen Institut „Über das Schicksal der nicht-ejakulierten Spermatozoen“ und 1907 „Die Veränderungen der Genitalschleimhaut während der Gravidität und Brunst bei einigen Nagern

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Königstein an der II. Abteilung für Geschlechts- und Hautkrankheiten im Allgemeinen Krankenhaus unter dem Vorstand Professor Salomon Ehrmann (1854-1926). Hier erschienen von ihm 1909 die Arbeiten „Über postmortale Pigmentbildung“, 1910 „Ueber die Beziehungen gesteigerter Pigmentbildung zu den nebennieren“ sowie „Sensibilitätsstörung bei Vitiligo“ und 1911 „Über Neurosen der Hautgefäße“.

Foto: Hautarzt 5, 1954, S. 336

Begründer und Leiter der dermatologischen Abteilung im Rothschild-Spital

Seit 1912 leitete er das von ihm eingerichtete dermatologische Ambulatorium im Rothschild-Spital, ein Jahr später erfolgte seine Ernennung zum Privatdozenten für Geschlechts- und Hautkrankheiten an der Universität Wien.[1] Während des Ersten Weltkrieges war Königstein im k.u.k. Reservespital Nyitramolnos (heute: Nitra, Slowakei) stationiert, und publizierte aus der Zentralstelle für venerische Erkrankungen des Militärkommandos Pozsony 1917 über „Liquoruntersuchungen im Sekundärstadium der Lues“. Im selben Jahr bekam er das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration verliehen.[2] 1916 veröffentlichte er den Aufsatz „Über Analogien zwischen Granulationsgeschwülste der Haut“.[3]

1918 verfasste er die Arbeit „Bedeutung der Konstitution für den Verlauf der Syphilis“, die an der dermatologischen Abteilung des AKH in Wien und am dermatologischen Ambulatorium des Rothschild-Spitales entstand. 1920 publizierte er gemeinsam mit Ernst Spiegel (1895-1985) „Zur Pathologie des Nervensystems im frühen Sekundärstadium der Syphilis“ und 1929 „Konstitution und Syphilis“. 1924 erschien von ihm der „Beitrag zu den Beziehungen zwischen Entzündungen und Nervensystem“,[4] ein Jahr darauf nahm er am Dermatologen-Kongress in Dresden teil.[5]

1927 erfolgte seine Ernennung zum Titularprofessor. Königstein war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, in der er 1912 zum Schriftführer im Vorstand gewählt wurde.[6]

Neben seinen regelmäßigen Vorträgen in der Gesellschaft der Ärzte und der Dermatologischen Gesellschaft in Wien referierte Königstein in den 1920er und 1930er Jahren in weiteren wissenschaftlichen Vereinen, darunter in der Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden, als auch in Wiener Volksbildungseinrichtungen[7] sowie in der Sendereihe „Stunde der Volksgesundheit“ im Radio Wien. In den 1930er Jahren unterstützte er den Verein Keren Kayemeth (Jüdischer Nationalfonds) und seit 1936 als Mitglied das Komitee für die Sicherheit und den Wiederaufbau Palästinas.[8] Wie sein Vater Leopold war auch er mit Sigmund Freud (1856-1939) befreundet, und wie sein Vater gehörte er als Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Gesellschaft an.[9] 1913 trat er der Freimaurerloge B’nai Brith ein.

Königstein und seine Familie wurden nach dem „Anschluss“ im März 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Ihm und seiner Ehefrau gelang 1939 die Flucht nach Palästina, wo er als Professor für Dermatologie am Hadassah Hospital der Hebrew University in Jerusalem arbeitete.

Er verstarb am 27. März 1954 in Tel Aviv-Yafo, Israel.

Seine Tochter Henriette (*8.2.1915), verheiratete Graffe, studierte 1938 an der Universität Wien Psychologie und Zoologie, war im Sommersemester 1938 an der Philosophischen Fakultät im 8. Semester inskribiert, und hatte am 17. Februar 1938 das Rigorosum mit Auszeichnung bestanden. Nach dem „Anschluss“ kam es zum Abbruch des Prüfungsverfahren und zu ihrer Vertreibung von der Universität Wien. Ihr gelang die Flucht nach England. In dem von ihr ausgefertigten Fragebogen der Auswanderungsabteilung der IKG Wien, gab sie als Auswanderungsziel England und als Kontakt Sigmund Freud (dessen Adresse in England „noch nicht bekannt“) an. Nach dem Tod ihres Vaters übersiedelte ihre Mutter nach England, wo sie 1958 in Battersea verstarb.

Ihr Bruder Leopold Königstein (*15.1.1918 Wien) war im Sommersemester 1938 an der Medizinischen Fakultät im 4. Semester inskribiert, auch er musste nach dem „Anschluss“ das Studium abzubrechen. Nachdem er von der Universität Wien vertrieben worden (Abgangszeugnis: 13. Mai 1938), erhielt er am 14. September 1938 vom US-Konsulat in Wien ein Einreisevisum für die USA. Am 25. September 1938 flüchtete er mit der SS Paris von Le Havre in Frankreich in die USA und erreichte am 1. Oktober 1938 New York City. Zwischen Februar 1939 bis Juli 1941 setzte er sein Medizinstudium an der Pennsylvania State University in State College fort, bekam danach eine befristete Anstellung in New York, trat im Jänner 1942 in die US-Army ein und diente bis 20. Februar 1946 – davon zwischen Juni 1945 und Februar 1946 in Europa. Im Oktober 1943 bekam er die US-Staatsbürgerschaft und änderte seinen Namen in Leo Kingston. Er lebte später in Pennsylvania und heiratete Doris J. Schambelan. Er starb am 16. Jänner 1993.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, 1878, Königsstein Johannes.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0526, Königstein Johann (Nationalien Datum: 1898/99).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-1332, Königstein Johann (Promotion Datum: 22.7.1903).

UAW, Med. Fak., Personalakten, MED PA 877 Königstein, Hans, 20. Jh. (Personalakt)

Leopold Arzt, In Memoriam Hans Königstein, in: Hausarzt 5, 1954, S. 336.

UAW, Nationale MED 1937-1938, Königstein Leopold.

New York, New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957, vol 13408-13409, Sep 30, 1939, NARA microfilm publication T715 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), Königstein Leopold.

United States World War II Army Enlistment Records, 1938-1946, Leo Kingston, enlisted 23 Jan 1942, Cp Upton, Yaphank, New York, United States; Electronic Army Serial Number Merged File, ca. 1938-1946, The National Archives: Access to Archival Databases (AAD) NARA NAID 1263923, National Archives at College Park, Maryland.

Auswanderungsabteilung der IKG Wien, Königstein Henriette.

Gedenkbuch der Universität Wien: Königstein Henriette, Königstein Leopold (Kingston).

Literatur:

Königstein, Hans: Notitz zu einer Cetaceenlunge (Delphinus delphis) mit 2 Abbildungen. Aus dem I. anatomischen Institut (Hofrat Prof. E. Zuckerkandl) in Wien. Sonderdruck aus: Anatomischer Anzeiger. Jena: Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Pohle) 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Die Function der muskulatur in der Amphibienlunge. 1. Anatomischer Theil (hierzu Tafel III). Aus dem I. anatomischen Institut in Wien (Hofrath Prof. E. Zuckerkandl). Sonderdruck aus: Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Bonn: Verlag von Emil Strauss 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Über das Schicksal der nicht-ejakulierten Spermatozoen (hierzu Tafel I.). Aus dem physiologischen Institute der Universität Wien. Sonderdruck aus: Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Bonn: Verlag von Martin Hager 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Die Veränderungen der Genitalschleimhaut während der Gravidität und Brunst bei einigen Nagern. Aus dem physiologischen Institute der Universität Wien. Sonderdruck aus: Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Bonn: Verlag von Martin Hager 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Über postmortale Pigmentbildung. Sonderdruck aus: Münchener medizinische Wochenschrift. München: Lehmann 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Ueber die Beziehungen gesteigerter Pigmentbildung zu den Nebennieren. Aus der Abteilung für Geschlechts- und Hautkrankheiten des allg. Krankenhauses in Wien (Vorstand: a.O. Prof. S. Ehrmann). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Sensibilitätsstörung bei Vitiligo. Aus der II. Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten des Allgemeinen Krankenhauses in Wien (Vorstand: a.o. Prof. S. Ehrmann). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hess, Leo und Hans Königstein: Über Neurosen der Hautgefäße. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Braumüller 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 23262]

Königstein, Hans und Paul Goldberg: Liquoruntersuchungen im Sekundärstadium der Lues. Aus der Zentralstelle für venerische Erkrankungen des Militärkomando Pozsony, k.u.k. Reservespital Nyitramolnos (Spitalskommandant: Oberstabsarzt I. Kl. Dr. Desiderius v. Tornay). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Bedeutung der Konstitution für den Verlauf der Syphilis. Aus der dermatologischen Abteilung des k.k. Allgemeinen Krankenhauses (Vorstand: Professor Dr. S. Ehrmann) und aus dem dermatologischen Ambulatorium des Rothschild-Spitales. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts- Buchhändler 1918.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans und Ernst Spiegel: Zur Pathologie des Nervensystems im frühen Sekundärstadium der Syphilis. I. Mitteilung. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Leipzig: Druck der Spamerschen Buchdruckerei 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans und Leopold Wertheim: Konstitution und Syphilis. Sonderdruck aus: Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten. Berlin: Verlag von Julius Springer 1929.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 2.9.1913, S. 391.

[2] Neue Freie Presse, 9.1.1918, S. 7.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1916, Sp. 1060-1062.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 52, 1924, Sp. 2802-2805.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.10.1925, S. 34.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 16, 1912, Sp. 1088.

[7] Kleine Volks-Zeitung, 13.11.1935, S. 8.

[8] Der Tag, 3.1.1936, S. 8.

[9] Minutes of the Vienna Psychoanalytic Society, Bd. 1, 1906-1908, 1962, S. 391.

Normdaten (Person): Königstein, Hans: BBL: 42533; GND: 128227605;

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Letzte Aktualisierung: 2023 11 20

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [251]: Leopold Königstein – Ophthalmologe an der Wiener Allgemeinen Poliklinik und im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Leopold Königstein – Ophthalmologe an der Wiener Allgemeinen Poliklinik und im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 13.11.2023

Keywords: Leopold Königstein, Ophthalmologe, Wiener allgemeinen Poliklinik, Allgemeines Krankenhaus Wien, Ärzteverein Wien Innere Stadt, Medizingeschichte, Wien

Leopold Königstein wurde am 26. April 1850 als Sohn des Volksschuldirektors Markus Königstein (1798-?) und Rosa, geborene Siebenschein (1812-?) in Bisenz in Mähren (heute: Bzenec/Tschechien) geboren. 1875 heiratete er die Wiener Hof-Juwelier-Tochter Henriette Leontine Hendle (1854-1903), mit der er die beiden Kinder, den Mediziner Hans Königstein (1878-1960) und Lilli Mina (1876-1904), die mit dem Arzt Moriz Teich verheiratet war, hatte. Sein Enkelkind war der Mediziner Leopold Königstein (1918-1993) und seine beiden Neffen die Mediziner Josef Josua Königstein (1865-1937) und Robert Königstein (1877-1958).

Nachdem Königstein 1867 in Wien zunächst das Akademische- und danach das Piaristen-Gymnasium besucht hatte, studierte er an der Universität Wien Medizin und promovierte am 16. Mai 1873. Im August 1873 wurde er als Oberarzt dem Reservestand des Infanterieregiments von Rupprecht Nr. 40 zugeteilt,[1] 1882 erfolgte seine Ernennung zum Regimentsarzt des schlesischen Landwehr-Infanterie-Bataillons Teschen Nr. 10.[2]

Königstein legte während seiner beruflichen Laufbahn zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten vor. Zunächst trat er nach seiner Promotion in die Augenkliniken im Allgemeinen Krankenhaus in Wien ein, und arbeitete zuerst bei Ferdinand von Arlt (1812-1887), Eduard Jäger von Jaxtthal (1818-1884) und danach bei Carl Stellwag von Carion (1823-1904). Daneben war er bei Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1902) am physiologischen Institut tätig, wo er u.a. 1875 „Das Verhältnis der Nerven zu den Hornhautkörperchen“, „Beobachtungen über die Nerven der Cornea und ihre Gesetze“ und 1877 „Beobachtungen über die Nerven der Cornea und ihre Gefässe“ publizierte. 1875 eröffnete er eine Arztpraxis in Wien 2, Praterstraße 39, die er 1878 nach Wien 1, Rotenturmstraße 22 verlegte, und zuletzt in Wien 1, Georg-Coch-Platz 3 führte.

Augenabteilung der Allgemeinen Poliklinik in Wien

Ab 1876 gehörte er als Assistent von Jakob Hock (1831-1890) der Augenabteilung der Allgemeinen Poliklinik in Wien an, wurde zunächst dessen stellvertretender Leiter und zuletzt zwei Jahre lang provisorischer Vorstand der Abteilung. 1877 veröffentlichte er hier u.a. „Ist die parenchymatöse Netzhautröthung und Cerebralröthung Jäger’s identisch mit dem Boll’schen Sehroth?: kann das Seeroth (Netzhautpurpur) mit dem Augenspiegl wahrgenommen werden?“. 1881 erfolgte nach seiner Habilitation im Fach Augenheilkunde seine Ernennung zum Privat-Dozenten,[3] 1900 erhielt er den Titel eines a.o. Professors verliehen.[4]

Königstein Leopold: Ärztliche Standeszeitung. Festnummer zu Ehren des 60. Geburtstages des Herrn Professor Dr. Leopold Königstein, Wien 1910.

Augenambulatorium des Verbandes der Krankenkassen in Wien

Neben seiner Lehrtätigkeit an der Poliklinik hielt er Vorlesungen und Kurse im Allgemeinen Krankenhaus in Wien und leitete bis zu seinem Tod 1924 das Augenambulatorium des Verbandes der Krankenkassen in Wien.

Zu seinen weiteren Arbeiten gehören der 1883 veröffentlichte Aufsatz „Die Anomalien der Refraction und Accommodation. Praktische Anleitung zur Brillenbestimmung“, „Die Antiseptik in der Augenheilkunde“ (Centralblatt für die gesammte Therapie, o.J.) oder der 1889 erschienene Artikel „Praktische Anleitung zum Gebrauch des Augenspiegels“. Im selben Jahr publizierte er noch die Arbeit „Die Behandlung der häufigsten und wichtigsten Augenkrankheiten 1. Krankheiten der Lider und der Bindehaut“ und 1892 unter demselben Titel zu „Krankheiten der Sklera, Iris und des Ciliarkörpers“. Insgesamt gab er unter dem Titel „Die Behandlung der häufigsten und wichtigsten Augenkrankheiten“ zwischen 1889 und 1993 vier Hefte heraus. 1891 veröffentlichte er den Aufsatz „Ueber Skiaskopie“ und zuletzt 1918 die Arbeit „Einiges über Trachom“.[5]

Weitere Arbeiten finden sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

1889 unternahm er auf Aufforderung der Statthalterei in Wien und auf den 1888 gestellten Antrag des Armen-Augenarztes Hans Adler (1843-1923) eine Studie zu Maßnahmen zu Vorkehrungen gegen das Auftreten der Augenblennorrhoe bei neugeborenen Kindern, an der 2500 Kinder teilnahmen. 1890 hielt er über deren Ergebnisse einen Vortrag vor dem Verein des Unterstützungsvereins für Hebammen in Wien unter dem Titel „Ueber Pflege der Augen der Neugeborenen“.[6] 1889 und in der 2. Auflage 1895 publizierte er die Monografie „Praktische Anleitung zum Gebrauche des Augenspiegels“. Lexikalische Arbeiten finden sich von ihm im „Diagnostischen und therapeutischen Lexikon“ sowie in dem von Albert Eulenburg (1840-1917) herausgegebenen „Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde“.

Königstein entdeckte unabhängig von Carl Koller die Lokalanästhesie mit Kokain bei Eingriffen am Auge, außerdem befasste er sich mit Biologie und Pathologie der Augenlinse.

Neben seiner seit 1880 bestehenden ordentlichen Mitgliedschaft bei der Gesellschaft der Ärzte in Wien,[7] war er noch Mitglied des Wiener Medicinischen Clubs, bei dem er zeitweise den Vorsitz führte und regelmäßig als Referent auftrat, und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Königstein, der sich vehement für die Errichtung der Ärztekammern einsetzte, engagierte sich in zahlreichen Standesorganisationen der Ärzt:innen, wie im Niederösterreichischen Ärzteverein, wo er 1880 in der Sektion Wien zum Schriftführer gewählt wurde,[8] im Ärztlichen Verein des 1. Bezirks in Wien, zu dessen Obmann er 1904 gewählt wurde, als Vorstandsmitglied der Wirtschaftlichen Organisation der Ärzte in Wien, als Delegierter des Reichsverbandes der österreichischen Ärzteorganisationen, und als Vorstandsmitglied des Ärztlichen Zentral-Spar- und Kredit-Institutes. Er gehörte weiters als Mitglied der Österreichischen Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums und der Freimaurerloge B’nai Brith an und war für den Verein „Arbeit zur Förderung der Jugenderziehung“ tätig, der auch Eugenie Schwarzwald, Berta Frankl-Scheiber (1863-1942) und der Bibliothekar Salomon Frankfurter (1856-1941) angehörten.[9]

Weiters war er in humanitären Institutionen wie dem „Unterstützungsverein für verarmte Rigorosanten“ engagiert und im Vorstand des „Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien“ und der „Baronin Hirsch-Stiftung“ aktiv. Er gehörte jenem Personenkreis an, der sich 1905 öffentlich für die Opfer der Pogrome in Russland einsetzten und 1921 auf die Pogrome in der Ukraine aufmerksam machten.

Während des Ersten Weltkrieges arbeitete er im Reservespital Nr. 1 in Wien, wo er im Mai 1918 mit dem Offiziersehrenzeichen ausgezeichnet wurde.[10]

Königstein verstarb am 2. Januar 1924 in Wien.

Neue Freie Presse, 3.1.1924, S. 18.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-178b, Königstein Leopold (Rigorosum Datum: 1872).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-16, Königstein Leopold (Promotion Datum: 16.5.1873).

UAW, Rektoratsarchive, Akademischer Senat, Akten-Sonderreihe, S 304 Personalblätter, Senat S 304.633 Königstein, Leopold (26.04.1850-02.01.1924; Augenheilkunde).

Ärztliche Standeszeitung. Organ für die wirtschaftlichen Interessen des ärztlichen Standes, für soziale und praktische Medizin. Nr. 9, Festnummer zu Ehren des 60. Geburtstages des Herrn Professor Dr. Leopold Königstein, Wien 1910.

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Königstein Leopold.

Literatur:

Königstein, Leopold: Beobachtungen über die Nerven der Cornea und ihre Gefässe. Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität. Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, III. Abtheilung. Wien: Druck der k.k. Hof- und Staatsdruckerei 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Leopold: Ist die parenchymatöse Netzhautröthung und Cerebralröthung Jäger’s identisch mit dem Boll’schen Sehroth? Kann das Seeroth (Netzhautpurpur) mit dem Augenspiegl wahrgenommen werden? Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Urban & Schwarzenberg 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Leopold: Die Anomalien der Refraction und Accommodation. Praktische Anleitung zur Brillenbestimmung. Wien: Braumüller 1883.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 46210]

Königstein, Leopold: Praktische Anleitung zum Gebrauch des Augenspiegels. Wien: Urban & Schwarzenberg 1889.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 31919]

Königstein, Leopold: Die Behandlung der häufigsten und wichtigsten Augenkrankheiten. 1: Krankheiten der Lider und der Bindehaut. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1889.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Leopold: Die Behandlung der häufigsten und wichtigsten Augenkrankheiten. 3: Krankheiten der Sklera, Iris und des Ciliarkörpers. Mit 6 Abbildungen im Texte. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1892.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Leopold: Ueber Skiaskopie. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener Zeitung, 8.8.1873, S. 3.

[2] Wiener Allgemeine Zeitung, 6.11.1882, S. 7.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 31, 1881, Sp. 903.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 36, 1900, Sp. 1728.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1918, Sp. 449-454; Nr. 12, 1918, Sp. 507-512.

[6] Hebammen-Zeitung, 15.2.1890, S. 18-21.

[7] Neue Freie Presse, 23.3.1880, S. 1.

[8] Wiener Allgemeine Zeitung, 23.12.1880, S. 5.

[9] Die Zeit, 28.2.1905, S. 13-14.

[10] Die Zeit, 10.5.1918, S. 5.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [250]: Hermann Friedrich Grünwald – Internist, NS-Verfolgter

Hermann Friedrich Grünwald – Internist, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 06.11.2023

Keywords: Hermann Friedrich Grünwald, Internist, Allgemeine Poliklinik Wien, NS-Verfolgter, Arzt, Medizingeschichte, Wien

Hermann Friedrich Grünwald wurde als Sohn des aus Kaschau in Ungarn (heute: Kosice/Slowakei) stammenden Rechtsanwalts Dr. Ludwig Grünwald (-1910), und Regine, geborene Weinberg, am 29. Jänner 1880 in Wien geboren. Seit 1911 war er mit Benita Liss (*24.10.1879 Wien) verheiratet.

Grünwald studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 21. Dezember 1904. Danach arbeitete er an der der II. Medizinischen Klinik bei Professor Edmund Neusser (1852-1912) und bei Dietrich Gerhardt (1866-1921) in Basel. Zuletzt gehörte er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Assistent des Professors und Vorstandes der neurologischen Abteilung, Lothar von Frankl-Hochwart (1862-1914), dem Personalstand der Allgemeinen Poliklinik in Wien an.

Grünwald publizierte bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, beginnend 1903 mit der Arbeit „Zur vergleichenden Anatomie der Kleinhirnarme“ aus dem Institut für Anatomie und Physiologie des Centralnervensystems in der Zeitschrift „Arbeiten aus dem Neurologischen Institut an der Universität Wien“. In derselben Schriftenreihe erschien von ihm 1907 „Zur Frage des Bromgehaltes im Epiletikergehirne“.

Am Pharmakologischen Institut der Universität Wien publizierte er 1908 „Über die Lebenswichtigkeit der Chloride für den Organismus“, 1909 „Beiträge zur Physiologie und Pharmakologie der Niere“ und  „Zur Kenntnis des Pikrotoxins und seiner Beziehungen zum autonomen Nervensystem“, 1912 „Zur Frage der Digitalisspeicherung im Herzen“ und o.J. „Über Scillaren. Nach Versuchen am isolierten Froschherzen

Aus seiner Tätigkeit am Chemischen Laboratorium der Allgemeinen Poliklinik in Wien erschien von ihm 1907 „Zur Frage des Blutnachweises in den Fäces“.

An der II. Medizinischen Klinik veröffentlichte er 1905 die Arbeit „Zur Frage der medikamentösen Beeinflussung nephritischer Albuminurien“, 1906 „Beiträge zu funktionellen Nierendiagnostik“, 1909 gemeinsam mit Karl Stejskal (1872-1945) „Ueber die Abhängigkeit der Kampfer-Glukuronsäurepaarung von der normalen Funktion der Leber“ und 1910 „Über die Abhängigkeit des Glykogengehaltes der Leber von der Nierenfunktion“. An der Medizinischen Klinik in Basel verfasste er die Studie „Zur Kenntnis der Thrombose der Arteria profundus/a cerebri

Im Ersten Weltkrieg war Grünwald in Przemysl als Landsturmarzt stationiert und geriet nach der Belagerung und Eroberung der Festungsstadt im April 1915 in russische Kriegsgefangenschaft,[1] aus der er 1920 nach Wien zurückkehrte.[2] Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er bis 1938 als Facharzt für Innere Medizin in Wien 8, Piaristengasse 56.

Hermann Friedrich und Benita Grünwald waren wegen ihrer jüdischen Herkunft der NS-Verfolgung ausgesetzt. Hermann Friedrich Grünwald verstarb am 10. Mai 1942 und seine Ehefrau Benita am 6. April 1942 in einer sogenannten Sammelwohnung in Wien 2, Praterstraße 13/26 vor ihrer Deportation.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1880, Grünwald Hermann Friedrich.

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1879, Liss Benita.

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1911, Grünwald Hermann Friedrich, Liss Benita.

UAW, Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0561, Grünwald Hermann Friedrich (Nationalien Datum: 1902/03).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign., 190-0126, Grünwald Hermann Friedrich (Promotion Datum: 21.12.1904).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 19.283, Grünwald Hermann Friedrich.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Grünwald Hermann Friedrich und Benita

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Grünwald Hermann Friedrich , Benita.

Literatur:

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur vergleichenden Anatomie der Kleinhirnarme. Sonderdruck aus: Arbeiten aus dem Neurologischen Institut an der Wiener Universität. Leipzig, Wien: Deuticke 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 22965]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage des Bromgehaltes im Epileptikergehirne. Festschrift. Sonderdruck aus: Arbeiten aus dem Neurologischen Institute. Wien, Leipzig: Franz Deuticke 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Über die Lebenswichtigkeit der Chloride für den Organismus. Aus dem pharmakologischen Institut in Wien. Sonderdruck aus: Zentralblatt für die Physiologie. Wien: k.u.k. Hofdruckerei Carl Fromm 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Beiträge zur Physiologie und Pharmakologie der Niere. Aus dem pharmakologischen Institut zu Wien. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Kenntnis des Pikrotoxins und seiner Beziehungen zum autonomen Nervensystem. Aus dem pharmakologischen Institut zu Wien. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Verlag von Leipzig: F.C.W. Vogel 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage der Digitalisspeicherung im Herzen. Aus dem pharmakologischen Institut in Wien. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Über Scillaren. Nach Versuchen am isolierten Froschherzen. Ausgeführt mit Unterstützung der Fürst Liechtenstein-Spende. Aus dem Pharmakologischen Institut der Universität Wien. (Mit 7 Kurven). Sondredruck: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel o.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage des Blutnachweises in den Fäces. Aus dem chemischen Laboratorium der Wiener Allgemeinen Poliklinik. Vorstand Prof. Dr. J. Mauthner. Sonderdruck aus: Zentralblatt für innere Medizin. Leipzig: Verlag von Breitkopf & Härtel 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage der medikamentösen Beeinflussung nephritischer Albuminurien. Aus der II. medizinischen Klinik der Universität Wien. Vorstand: Hofrat Prof. v. Neusser). Sonderdruck aus: Zentralblatt für innere Medizin. [Leipzig]: 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Beiträge zur funktionellen Nierendiagnostik. Aus der II. medizinischen Klinik der Universität Wien (Vorstand: Hofrat Prof. v. Neußer). Sonderdruck aus: Deutsches Archiv für klinische Medizin. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Stejskal, Karl und Hermann Friedrich Grünwald: Ueber die Abhängigkeit der Kampfer-Glukuronsäurepaarung von der normalen Funktion der Leber. Aus der II. medizinischen Klinik in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich : Über die Abhängigkeit des Glykogengehaltes der Leber on der Nierenfunktion. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Kenntnis der Thrombose der Arteria profundus/a cerebri. Aus der medizinischen Klinik in Basel. (Mit 2 Abbildungen). Sonderdruck aus: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Neue Freie Presse, 13.5.1915, S. 6.

[2] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 21.11.1920, S. 11.

Normdaten (Person): Grünwald, Hermann Friedrich: BBL: 42429; GND: 1308366825;

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BBL: 42429 (06.11.2023)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=42429

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