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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [370]: Lerch, Alexander – Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Brüder, Wiener Gemeinderat

Lerch, Alexander – Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Brüder, Wiener Gemeinderat

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 01.06.2026

Keywords: Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Medizingeschichte, Wien

Alexander Lerch wurde am 17. September 1842 als Sohn von Genofeva (-1873) Lerch, geborene Hauer, und des Mediziners Johann Alexander Lerch (1813-1897) in Wien geboren. Sein Vater wirkte zunächst als Armenarzt in Wien, nahm an der Revolution 1848 teil, arbeitete später als Ordinarius am Spital der Barmherzigen Brüder in Wien und stand der Medizinischen Fakultät der Universität Wien von 1847 bis 1849 als Dekan vor. Darüber hinaus gehörte er zwischen 1863 und 1866 sowie erneut zwischen 1879 und 1887 als Mitglied der liberalen Mittelpartei dem Wiener Gemeinderat an. Im Jahr 1877 veröffentlichte er die „Mittheilungen aus dem Spitale der barmherzigen Brüder in Wien“. Seit 1868 war Lerch mit Karolina Cäcilia Theresia Kutschera (1845) verheiratet.

Nachdem Lerch 1860 am Schottengymnasium in Wien maturiert hatte,[1] studierte er an der Universität Wien Medizin. Am 27. März 1866 promovierte er zum Doktor der Medizin und Magister der Gynäkologie, am 12. April 1867 zum Doktor der Chirurgie. Ebenfalls 1866 wurde er in das Medizinische Doktoren-Kollegium aufgenommen.[2] In der Folge arbeitete als Arzt im Zweiten Wiener Bezirk Leopoldstadt, wo er in der Karmelitergasse 12 ordinierte und wohnhaft war.

Darüber hinaus war Lerch als Chefarzt der seit 1867 bestehenden Donauregulierungskommission tätig. In dieser Funktion war er für die Erstellung und Überwachung der sanitären Reglements verantwortlich, die für die beim Donauausbau eingesetzten tausenden Wanderarbeiter aus den Kronländern der Monarchie galten.

Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder und Ordinarius der medizinischen Abteilung

Von 1888 bis 1913 war Lerch – wie zuvor sein Vater – Ordinarius am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt und hatte zugleich die Leitung des Spitals inne. Bereits seit 1866 war er dort als Sekundararzt tätig, beziehungsweise übernahm er die Vertretung seines Vaters.[3] Im Jahr 1894 veröffentlichte er hier die Arbeit „Ein Fall von Milzbrand“.[4] Seine Tätigkeit im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder fiel in eine wichtige Ausbauphase des Hauses, gerade in den 1880er und 1890er Jahren wurde das Krankenhaus erheblich erweitert und modernisiert.

Mitglied des Wiener Gemeinderates und Mitbegründer des Wiener Fortschrittsklubs

1887, ein Jahr vor dem Ausscheiden seines Vaters aus dem Wiener Gemeinderat, kandidierte Lerch für den von ihm mitbegründeten liberalen Fortschrittsklub und gehörte dem Wiener Gemeinderat bis September 1895 an. Ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit lag im Bildungswesen. Er war Mitglied des Bezirks- und Landesschulrates für die Stadt Wien.[5] Neben seiner Tätigkeit im Gemeinderat fungierte er als Obmann-Stellvertreter des Fortschrittsklubs im Zweiten Bezirk, der in den 1880er Jahren zum liberalen Vereinsmilieu Wiens gehörte und eng mit den Bildungs- und Kommunalreformen verbunden war.[6]

Darüber hinaus engagierte sich Lerch in zahlreichen sozialen und karitativen Einrichtungen. Er wirkte im Wiener Frauenheim,[7] war Gründer und Obmann der Sektion Leopoldstadt des Vereins gegen Verarmung und Bettelei, mehr als dreißig Jahre lang Obmann im Leopoldstädter Humanitätsverein sowie seit spätestens 1879 Vorstandsmitglied des Leopoldstädter Frauen-Wohltätigkeits-Verein.[8] Zudem war er in den 1880er Jahren im Deutschen Schulverein vertreten und gehörte dem Ortschulrat der Leopoldstadt an. Im Jahr 1885 hielt er vor dem Lehrerverein des Bezirkes einen Vortrag den er unter dem Titel „Ueber die Stellung des Lehrers“ veröffentlichte. 1896 wurde er zum k.k. niederösterreichischen Landesschulrat gewählt.[9]

Lerch wirkt außerdem in zahlreichen ärztlichen Interessensvertretungen mit, darunter als Vizepräsident des Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Instituts des Österreichischen Ärzteverbandes sowie zeitweilig als Obmann des Ärztlichen Vereins im Zweiten Wiener Bezirk. Dort hielt er 1881 einen Vortrag, der im selben Jahr unter dem Titel „Der Mutterhals als Geburtshinderniss“ publiziert wurde. 1896 erfolgte seine Wahl zum Vorsitzenden des Centralkomités der ärztlichen Bezirksvereine Wiens.[10] 1882 hatte er vor dem Fortschritts-Club einen Vortrag gehalten, der im Selbstverlag unter dem Titel „Ueber die sanitären Verhältnisse des II. Bezirkes“ erschien. Darin setzte er sich mit den Folgen des rasanten Bevölkerungswachstums sowie der hygienisch problematischen Verbauung der Leopoldstadt nach der Donauregulierung auseinander.

Alexander Lerch verstarb verarmt am 9. Juni 1921 in Wien.

Lerch Alexander, Todesanzeige; Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 10.6.1921, S. 12.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-149r, Lerch Alexander (Rigorosum Datum: 1865).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-42, Lerch Alexander (Promotion Datum: 27.3.1866).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-107, Lerch Alexander (Promotion Datum: 12.4.1867).

Matriken der Erzdiözese Wien, 01, Dom- und Metropolitan-Pfarre St. Stephan, Trauungsbuch, 02-090, Folio 261, 22.11.1868, Lerch Alexander Johann, Kutschera Karolina Cäcilia Theresia.

Matriken der Erzdiözese Wien, 02, St. Leopold, 1842, Taufbuch, 01-26c, Folio 309, Lerch Alexander Johann.

Literatur:

Lerch, Alexander: Mitteilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Brüder in Wien. Wien: Braumüller 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1302]

Lerch, Alexander: Der Mutterhals als Geburtshinderniss. Vortrag gehalten im ärztlichen Vereine des II. Bezirkes in Wien. Sonderdruck aus: Medicinisch-chirurgisches Central-Blatt. Wien: Druck und Verlag von Chr. L. Praetorius 1881.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Jahresbericht Schottengymnasium Wien, Wien 1861, S. 81.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 64, 1866, Sp. 1029.

[3] Mittheilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Brüder in Wien, Wien 1877, S. 7

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 65, 1894, Sp. 1916-1918.

[5] Verwaltungsbericht der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Wien 1887, S. 18.

[6] Neue Freie Presse, 31.7.1880, S. 2.

[7] Jahresbericht des Vereines ‚Wiener Frauenheim‘, Wien 1897, S. 24

[8] Neue Freie Presse, 31.12.1879, S. 5.

[9] Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1896, S. 435.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1896, Sp. 468.

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Letzte Aktualisierung: 2026.06.01

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [369]: Foges, Arthur – Privatdozent für Gynäkologie

Foges, Arthur – Privatdozent für Gynäkologie

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 01.06.2026

Keywords: Gynäkologe, Medizingeschichte, Wien

Arthur (Artur) Foges wurde am 29. Oktober 1868 als Sohn des Knopffabrikanten Josef Foges (1828-1881) und Lucie (Louise) (1834-1889), geborene Flekeles, in Prag geboren. Seit 1897 war er mit Helene Kuffler (1873-1950) verheiratet, mit der er die Kinder Georg (1898-1960), Walter Arthur (1900-1970) und Wolfgang (1910-1986) hatte.

Forges legte 1887 die Matura am Josefstädter Obergymnasium in Wien ab[1] und begann anschließend das Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 24. Juni 1893 mit der Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde abschloss. Seinen Militärdienst beendete er im Mai 1894 als Reserve-Assistenzarzt-Stellvertreter.[2]

Rudolfinerhaus

Danach war Foges bis zu seinem Tod im Jahr 1920 am Rudolfinerhaus in Wien-Döbling tätig. In dieser Zeit veröffentlichte er zahlreiche wissenschaftlichen Arbeiten, darunter 1895 „Tetanus – Antitoxinbehandlung (nach Tizzoni) – Oesophagotomie – Tod“,[3] 1896 „Casuistische Beiträge zur Klinik der Appendicitis simplex“, sowie „Schwangerschaftshypertrophie der Mamae und Nebenmammae“.

1910 erschien sein „Atlas der rectalen Endoskopie“; im selben Jahr erhielt er den Titel eines Privatdozenten für Geburtshilfe und Gynäkologie.[4] Zahlreiche weitere Arbeiten von Foges befinden sich heute in den Beständen der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, darunter die 1906 publizierte Monografie „Physikalische Therapie der Erkrankungen der weiblichen Sexualorgane“.

Neben seiner Tätigkeit am Rudolfinerhaus führte Foges eine private Arztpraxis zunächst in Wien 14, Schönbrunner Straße 63, danach in Wien 8, Wickenburggasse 3, ab 1895 in Wien 9, Rossauer Lände 43 und schließlich ab 1897 in Wien 9, Schlickplatz 4.

Während des Ersten Weltkrieges war er im Vereins-Reservespital Nr. 3, am Standort des Rudolfinerhauses tätig.

Seit 1898 war Foges Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien,[5] des Vereins der Ärzte im 9. Bezirk, sowie des 1907 von Hugo Klein (1863-1937) gegründeten Österreichischen Bundes für Mutterschutz, dem unter anderem auch der Professor für Kinder- und Jugendheilkunde Josef Karl Friedjung (1871-1946), Sigmund Freud (1856-1939), Rosa Mayreder (1858-1938), Julius Ofner (1845-1924) und Marianne Hainisch (1839-1936) angehörten.

1907 zählte er zum Kreis der Mitunterzeichner eines Aufrufes zur Gründung einer Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose.[6]

Volksbildner im Wiener Volksbildungsverein

Foges engagierte sich darüber hinaus im Wiener Volksbildungsverein, in dem er als Vorstandsmitglied tätig war, Vorträge hielt und den Lesehallenfonds des Vereins unterstützte. 1914 verfasste er einen Nachruf auf den Philosophen und Leiter des Wiener Volksbildungsvereines Friedrich Jodl (1849-1914).[7]

Zudem war Foges Mitglied des Wiener Photo-Klubs und nahm gemeinsam mit dem Dermatologen Eduard Schiff (1849-1913) im Jahr 1905 an dessen Ausstellung im Bereich „Photographie als Wissenschaft“ teil.[8]

Auch im Unterstützungsverein für Hebammen engagierte sich Foges und hielt dort regelmäßig Vorträge. 1907 gehörte er zudem zu den Mitunterzeichnern des Aufrufes zur Gründung der Österreichischen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten.[9]

Arthur Foges verstarb am 4. Oktober 1920 in Wien.

Foges Arthur: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 6.10.1920, S. 12.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0369, Foges Arthur (Nationalien Datum: 1890/91).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-100b, Foges Arthur (Rigorosum Datum: 1891).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 187-987, Foges Arthur (Promotion Datum: 24.6.1893).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Foges Arthur.

Literatur:

Foges, Arthur: Casuistische Beiträge zur Klinik der Appendicitis simplex. Aus dem Rudolfinerhause in Wien-Döbling. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Foges, Arthur: Schwangerschaftshypertrophie der Mamae und Nebenmammae. Aus dem Rudilfinerhaus in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Foges, Arthur: Atlas der rectalen Endoskopie nebst einer Einführung in die Technik der rectalen Endoskopie. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61344]

Foges, Arthur und Ortfried Otto Fellner: Physikalische Therapie der Erkrankungen der weiblichen Sexualorgane. (= Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen/22) Stuttgart: Enke 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 17918/22]

[1] Jahresbericht des Josefstädter Obergymnasiums, Wien 1888, S. 61

[2] Pester Loyd, 13.4.1894, S. 5.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 24, 1895, Sp. 1057-1059; Nr. 25, 1895, Sp. 1100-1102.

[4] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 3.8.1910, S. 4.

[5] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 14, 1898, S. 355.

[6] Illustriertes Wiener Tagblatt, 21.4.1907, S. 17.

[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 27.1.1914, S. 10.

[8] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 17.4.1905, S. 3.

[9] Illustrierts Wiener Extrablatt, 21.4.1907, S. 19.

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BBL:  49464 (01.06.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.06.01

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Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig: NERVUS OPTICUS

NERVUS OPTICUS: Retinopetale (efferente -) zentrifugale Axone.
Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig

 

Vorspann:
Die gesamte visuelle retinale Information wird jeweils in Gedankenschnelle optimal aufgearbeitet, umgeformt, umgeschaltet, komprimiert und schließlich im Dritten Retinalen Neuron über den Sehnerv zum Gehirn weitergeleitet.

In den Einzelfasern des Sehnerven – korrekt Tractus Opticus – wird die (Dauer-)aktivität der Ganglienzellen modifiziert. Diese, durch physiologische Sinnesreize ‚codierten‘ Spike-Intervalle tragen die Information. Dies alles klingt zugegebenermaßen kompliziert – ist es auch.

Um ein Beispiel herauszugreifen: Foveale ‚Intelligenz‘. Die hohe Schule des Sehens beginnt in der Retina. Schon in dieser ersten Station startet hochkomplexes Aufarbeiten des Lichtreizes – ‚processing‘ – die Phototransduktion mit den Ionenkanälen und Membranpotentialen, De- und Hyperpolarisierungen, biochemischen Prozessen, etc.
Die Aktionspotentiale, frequenzmodulierte Träger retinal aufgearbeiteter Informationen, zwängen sich durch den Flaschenhals Opticus. Im lateralen Kniehöcker und in der Sehrinde entstehen die Vorstufen der bewegten Bilder, welche ausgeklügelt, in komplexen kognitiven Prozessen ergänzt, korrigiert und angepasst, schließlich – bottom up–top down – weiter auf Hochtouren gebracht werden.
Abgeglichen mit den Daten der visuellen Erinnerungszentren und gleichsam gewürzt mit dem thalamischen Menü der Sinneseindrücke, werden komplexe Seh- und Wahrnehmungspotentiale den präfrontalen Instanzen kredenzt.
(https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=46542).
Damit ist es nicht getan: Bottom Up ist dem System nicht genug, Top Down mischt sich quasi ‚ungefragt‘ in das Geschehen ein.

Hauptteil:
Im Augenblick des Auftreffens von Photonen in der Retina schalten sich bereits retinopetale Axone ein (1) und beeinflussen Prozesse der intrinsic photosensitiven Melanopsin exprimierenden Retinalen Ganglionzellen (ipRGC) (2).
Diese, vielfach vernetzt, auch in der äußeren plexiformen Schicht, modulieren synaptische Inputs zum Zweck optimaler visueller Funktionen. Zum Beispiel: nach Blendung reduzieren sie die retinale Sensitivität. Außerdem beeinflussen sie die intrinsisch-circadianen retinalen Uhren (clock genes) samt Chronobiologie (pacemaking system) sowie die Phagozytose peripherer äußerer Photorezeptor-Segmente (via retinales P.E.) und deren Erneuerung (3). Durchtrennung des Nervus Opticus verhindert daher ein “shifting of the (bio-)rhythm to a new cycle“ (4, 5).
Interokuläre Verbindungen – retino-retinal – zusätzlich zu cortino/subcorticoretinalen ermöglichen einen sog. ‚cross talk‘ (6) bioelektrischer Aktivitäten:
ERG disappeared following acute experimental increase of IOP (um Streulicht-Artefakte auszuschließen), although efferent optic nerve signals from that eye still produced an xERG. Hormonal transmission would seem much too slow to explain xERG response times“ (7).
Der Einfluss efferenter Systeme auf den IOP:
„The neuroregulatory center of intraocular pressure (IOP) is located in the hypothalamus. An efferent neural pathway exists between the hypothalamic nuclei and the autonomic nerve endings in the anterior chamber of the eye.“ (8).
“Ocular hypertension (OHT) induced by the circadian rhythm, occlusion of the iridocorneal angle and glucocorticoids requires activation of transient receptor potential vanilloid isoform 4 (TRPV4), a stretch-activated cation channel, indicating a central role for TRPV4-dependent mechanosensing in trabecular outflow – a novel target for pressure control in glaucoma. Trpv4 knockdown induced IOP lowering in mice with an occluded iridocorneal angle and protected retinal neurons from pressure injury, indicating a central role for TRPV4-dependent mechanosensing in trabecular outflow“ (9,10).

Ein Silberstreif am (Glaukom) Horizont – zumindest ein neuer Denkansatz.

Literatur
1 Ortiz G et al (2017): Efferent influences on the bioelectrical activity of the retina in primates.
Doc Ophthalmol. 2017;134(1):57-73.
DOI: 10.1007/s10633-016-9567-5

2 Joo HR et al (2013): Recurrent axon collaterals of intrinsically photosensitive retinal ganglion cells.
Vis Neurosci. 2013;30(4):175-182.
DOI: 10.1017/S0952523813000199

3 Remé CE et al (1991): The visual input stage of the mammalian circadian pacemaking system: I. Is there a clock in the mammalian eye?.
J Biol Rhythms. 1991;6(1):5-29.
DOI: 10.1177/074873049100600104

4 Teirstein PS et al (1980): Evidence for both local and central regulation of rat rod outer segment disc shedding.
Invest Ophthalmol Vis Sci. 1980;19(11):1268-1273.

5 Heilig P (2025): Retinales Pigmentepithel.
CONCEPT Ophthalmologie. 09/2025:18-19

6 Tang X et al (2016): Retinal cross talk in the mammalian visual system.
J Neurophysiol. 2016;115(6):3018-3029.
DOI: 10.1152/jn.01137.2015

7 Tsai TI et al (2014): Effect of acute intraocular pressure challenge on rat retinal and cortical function.
Invest Ophthalmol Vis Sci. 2014;55(2):1067-1077.
DOI: 10.1167/iovs.13-13003

8 Ma L et al (2023): Paraventricular Hypothalamic Nucleus Upregulates Intraocular Pressure Via Glutamatergic Neurons.
Invest Ophthalmol Vis Sci. 2023;64(12):43.
DOI: 10.1167/iovs.64.12.43

9 Redmon SN et al (2025): TRPV4 controls circadian and pathological ocular hypertension.
J Physiol. 2025;603(14):4091-4111.
DOI: 10.1113/JP288706

10 Žavbi J et al (2026): TRPV4 regulates intraocular pressure through trabecular meshwork contractility and fibrosis.
Channels (Austin). 2026;20(1):2611702.
DOI: 10.1080/19336950.2025.2611702

_________________________

Interessenkonflikt:
Der Autor erklärt, dass bei der Erstellung
des Beitrags kein Interessen –
konflikt im Sinne der Empfehlung des
International Committee of Medical
Journal Editors bestand.

Korrespondenzadresse:
Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
Augenheilkunde und Optometrie
peter.heilig@meduniwien.ac.at
_________________________

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Letzte Aktualisierung: 28.05.2026

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [368]: Nussbaum, Julius – Oberbezirksarzt in Wien

Nussbaum, Julius – Oberbezirksarzt in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 04.05-2026

Keywords: Städtischer Bezirksarzt, Medizingeschichte, Wien

Julius Nussbaum wurde als Sohn von Abraham Adolf Nussbaum und Rosi Therese, geborene Schrötter, am 2. September 1861 in Ungarisch-Ostrau in Mähren (heute: Uherský Ostroh/Tschechien) geboren. Er war mit Vilma (21.7.1863-) verheiratet.

Nussbaum studierte seit dem Wintersemester 1882/83 an der Universität Wien Medizin und promovierte am 27. März 1886 zum Doktor der gesamten Heilkunde.

Von 1886 bis 1891 war er als Sekundararzt 1. Klasse im Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig und zugleich Assistent am Ambulatorium für Elektrotherapie bei Professor Moritz Rosenthal (1832-1889). Zwischen 1886 und 1888 widmete er sich am I. Neurologischen Institut bei Professor Heinrich Obersteiner jun. (1847-1922) dem Studium des Nervensystems. In diesem Zusammenhang publizierte er die Arbeit „Ueber die wechselseitigen Beziehungen zwischen den centralen Ursprungsgebieten der Augenmuskelnerven“.

Anschließend schlug er die Beamtenlaufbahn eines städtischen Arztes in Wien ein. Im Jänner 1891 wurde er zum provisorischen dritten städtischen Arzt des 2. Bezirks, Leopoldstadt, in Wien ernannt,[1] 1892 erfolgte seine definitive Ernennung zum städtischen Arzt für den 3. Bezirk.[2] 1895 wurde er dem 9. Bezirk, Alsergrund, zugeteilt.[3] 1913 erfolgte seine Ernennung zum Bezirksarzt 1. Klasse (für Armenbehandlung und Totenbeschau),[4] 1914 jene zum Oberbezirksarzt. Er führte eine private Arztpraxis zunächst in Wien 2, Herminengasse 18, anschließend in Wien 9, Alserstraße 4, später in Wien 3, Landstraße Hauptstraße 33[5], danach Löwengasse 29, ab 1895 Wien 9, Lichtensteinstraße 17, ab 1898 Wien 9, Berggasse 17 und zuletzt in Wien 9, Porzellangasse 50.

Nussbaum engagierte sich in ärztlichen Standesorganisationen, insbesondere in der Wiener Ärztekammer, in der er 1898 zum Kammermitglied gewählt wurde,[6] sowie im Ärztlichen Verein im 9. Bezirk, wo er zunächst 1902 zunächst zum zweiten Obmann-Stellvertreter gewählt wurde[7] und die Funktion des Vereinsobmannes übernahm.

Julius Nussbaum verstarb am 23. Oktober 1927 in Wien.

Nussbaum Julius: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 24.10.1927, S. 7.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0190, Nussbaum Julius (Nationalien Datum: 1882/83).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-266b, Nussbaum Julius (Rigorosum Datum: 1883).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-1789, Nussbaum Julius (Promotion Datum: 27.3.1886).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Nussbaum Julius.

Literatur:

Nussbaum, Julius: Ueber die wechselseitigen Beziehungen zwischen den centralen Ursprungsgebieten der Augenmuskelnerven. Aus dem Laboratorium von Prof. Obersteiner zu Wien. Sonderdruck aus: Medizinische Jahrbücher. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

 

[1] Allgemeine Wiener Zeitung, 6.1.1891, S. 10.

[2] Wiener medizinische Zeitung, Nr. 15, 1902, Sp. 604.

[3] Die Presse, 10.11.1889, S. 15.

[4] Illustriertes Wiener Extrablatt, 29.6.1913, S. 4.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 37, 1892, Sp. 1450.

[6] Neues Wiener Journal, 10.2.1898, S. 4.

[7] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 6, 1902, S. 159.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  49355 (04.05.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=49355

Letzte Aktualisierung: 2026.05.04

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Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig: BIXONIMANIA & CO

BIXONIMANIA & CO
Autor: Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig

“Bixonimania is a condition caused by excessive exposure to blue light“.

Sir Karl Popper
(möglicherweise in statu perplexitatis)

“Beware of false knowledge. It is more dangerous than ignorance“.
(George Bernard Shaw)

Bixonimania is a condition caused by excessive exposure to blue light” which promts ‚patients‘ to visit an ophthalmologist.
Perplexity’s AI answer engine outlined its prevalence on April 27, 2024. However, this fake disease was invented by scientists, but Perplexity told people it was real [1]. Moreover, fake papers on Bixonimania were cited in peer-reviewed literature.

Der Begriff erinnert an Loriots Steinlaus [2] oder an das „Photo-Oculodynia-Syndrom (ICD 11: „not found“). Suchmaschinen bleiben die Antwort schuldig. Sie informieren über „Regionale Sympatholysis“ und „Botulinum-Toxin-Behandlungen“ bis zu „Beta-Blockers, Calcium Channel Blockers, Anticonvulsants, and CGRP Inhibitors“.
Immerhin wird auch „avoiding intense light“ erwähnt, ein geradezu prophetisch/prophylaktischer Schlusssatz, vorausgesetzt man nähme – vorausschauend – eine kleine Korrektur vor: „preventing intense light“ [3].

„… Perplexity ist eine Alternative zu konventionellen Suchmaschinen und bietet mit KI-Integration viel mehr Möglichkeiten und oft bessere Antworten“ (Perplexity.ai – Die beste KI-Suchmaschine [4]).
Na dann …

perplexity: “state of being confused or bewildered“
(Merriam Webster Cambridge Dictionary)

Perplexität: ratloses und verwirrtes Verhalten, Konfusion,
Widersprüchlichkeit (Jurisprudenz)

Epilog:
Autokorrektur-Hoppala (?);  vielleicht war etwa „Komplexität“ gemeint.

 

Literatur:

1. Stokel-Walker C (2026): Scientists invented a fake disease. AI told people it was real.
Nature News Feature, 7. April 2026

2. Dailymotion (2015): Loriots Steinlaus
https://www.dailymotion.com/video/x2mc4e7

3. Heilig P (2023): LICHTEMPFINDLICHKEIT – Photophobie
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=42279

4. Meixner T, Ruof J (2024): Perplexity.ai – Die beste KI-Suchmaschine.
https://digitaleprofis.de/kuenstliche-intelligenz/ki-tools/perplexity-mehr-als-eine-ki-suchmaschine/

 

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Der Autor erklärt, dass bei der Erstellung
des Beitrags kein Interessen –
konflikt im Sinne der Empfehlung des
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Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [367]: Gottlieb, Leopold – Balneologe, Radiumtherapeut, ärztlicher Leiter der Radium-Kuranstalt in St. Joachimsthal, Oberbezirksarzt im Statthalterei-Department Böhmen

Gottlieb, Leopold – Balneologe, Radiumtherapeut, ärztlicher Leiter der Radium-Kuranstalt in St. Joachimsthal, Oberbezirksarzt im Statthalterei-Department Böhmen

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 14.04,2026

Keywords: Balneologe, Radiumtherapeut, Radium-Kuranstalt, Oberbezirksarzt, Medizingeschichte, Böhmen, St. Joachimsthal, Wien

Leopold Gottlieb wurde am 17. März 1852 in Kardas Recic in Böhmen (heute: Kardašova Řečice/Tschechien) als Sohn des Strohhändlers Gabriel Gottlieb (1809-1896) und Johanna (1812-1870), geborene Straus, geboren. Er war mit Caroline Fürth (1858-1932) verheiratet; aus dieser Ehe ging der Sohn Erich Gottlieb-Fürth hervor.

Nach dem Schulabschluss in Neuhaus (heute: Jindřichův Hradec/Tschechien) studierte er Medizin an der Universität Wien, wo er am 14. Juni 1878 promovierte. Anschließend war er bis 1886 als Arzt in Kardas Recic tätig. Im Jahr 1889 wurde er zum Bezirksarzt in Joachimsthal (heute: Jáchymov/Tschechien) ernannt. 1892 folgte seine Ernennung zum Sanitätsassistenten für den Sanitätsbezirk Joachimsthal,[1] 1894 zum landesfürstlichen Bezirksarzt[2] und 1910 schließlich zum Oberbezirksarzt.[3] 1895 hatte Gottlieb vom Minister des Inneren eine besondere Anerkennung für seine Verdienste bei der Abwehr der Cholera in Böhmen erhalten.[4] 1908 wurde ihm der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen.[5]

Radium-Kuranstalt Joachimsthal

In Joachimsthal befasste sich Gottlieb mit der Erforschung und den Möglichkeiten der medizinischen Nutzung des Radiums, das 1898 von der Physikerin Marie Curie (1867-1934) gemeinsam mit Pierre Curie (1859-1906) im Joachimsthaler Uranerz entdeckten worden war und wofür beide 1903 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Zunächst richtete er in einer Bäckerei eine provisorische Badeeinrichtung ein, in der er durch die Auslaugung von Abfallrückständen aus der Uranfabrik in Jáchymov Radium und Polonium gewonnen werden konnten. Die darauf gerichtete Aufmerksamkeit sowie die Messung der Radioaktivität erfolgten in Zusammenarbeit mit seinem Partner Josef Step (1863-1926), Oberbergrat und Leiter der Bergbau- und Hüttenverwaltung in Jáchymov.

Moderne illustrierte Zeitung für Reisen und Sport, Nr. 7, 1912, S. 17.

1906 erhielt Gottlieb vom Ackerbauministerium die Genehmigung zur Entnahme radioaktiven Grubenwassers aus dem Danielli-Stollen der Elias-Grube des Uranbergwerkes in Joachimsthal zur therapeutischen Nutzung in Radiumbädern.[6] 1907 berichtete er in der Zeitschrift „Illustriertes Bade-Blatt“ über „Die Wirkung und Anwendung der Joachimsthaler radioaktiven Grubenwässer“.[7]

1908 wurde die Radiumquelle provisorisch in Betrieb genommen, zugleich begann die Planung einer Badeanstalt für die dort angebotene Radiumtherapie sowie eines Kurhotels in Joachimsthal,[8] die 1910/11 fertiggestellt wurden. Ebenfalls 1910 veröffentlichte er die Studie „Die Joachimsthaler radioaktiven Wässer in der Therapie“.

Moderne illustrierte Zeitung für Reisen und Sport, Nr. 7, 1912, S. 29.

Die internationalen Kurgäste wie der britische König Edward VII (1841-1910) und der Schriftsteller Karl May (1842-1912) belegen die internationale Attraktivität des Kurortes.

Seit 1912 lebte er in Prag.

Leopold Gottlieb verstarb am 21. Juni 1916 in Aussig an der Elbe (heute: Ústí nad Labem/Tschechien).

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0096, Gottlieb Leopold (Nationalien Datum: 1874/75).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-109a, Gottlieb Leopold (Rigorosum Datum: 1875).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-793, Gottlieb Leopold (Promotion Datum: 14.6.1878).

Literatur:

Gottlieb, Leopold: Die Joachimsthaler radioaktiven Wässer in der Therapie. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles, k. und k. Hofbuchhandlung 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Prager Abendblatt, 26.8.1892, S. 3.

[2] Prager Abendblatt, 12.8.1894, S. 5.

[3] Teplitz-Schönauer Anzeiger, 21.12.1910, S. 13.

[4] Prager Tagblatt, 6.5.1895, S. 4.

[5] Deutsch-Englischer-Reise Courier, Nr. 2, 1908, S. 9.

[6] Neue Freie Presse, 8.4.1907, S. 8.

[7] Illustriertes Bade-Blatt

[8] Prager Tagblatt, 15.9.1908, S. 4.

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VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  49274 (14.04.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=49274

Letzte Aktualisierung: 2026.04.14

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [366]: Schlesinger, Hermann – Internist, Neurologe im Franz Josefs-Ambulatorium, Franz-Josefs-Spital und Allgemeinen Krankenhaus in Wien

Schlesinger, Hermann – Internist, Neurologe im Franz Josefs-Ambulatorium, Franz-Josefs-Spital und Allgemeinen Krankenhaus in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 09.04,2026

Keywords: Internist, Neurologe, Franz Josefs-Ambulatorium, Franz-Josefs-Spital, Allgemeines Krankenhaus Wien, Medizingeschichte, Wien

Hermann Schlesinger wurde am 2. Juni 1866 als Sohn von Max Jakob Marcus Schlesinger (1835-1919) und Katharina (zirka 1841-1907), geborene Weiss, in Pressburg in Ungarn (heute: Bratislava/Slowakei) geboren. 1899 heiratete er Bertha Angeline Pollack von Parnau (1877-1958). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Eva Helene (1900-1930), verheiratete Pollak, Friedrich (1904-1971) und Andrea (?).

Schlesinger absolvierte 1884 das k.k. Maximiliangymnasium[1] in Wien (9. Bezirk) und begann anschließend das Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 25. Jänner 1890 mit der Promotion abschloss. Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde er im April 1890 zum militärärztlichen Eleven der Reserve beim Garnisonsspital Nr. 2 in Wien ernannt.[2] Danach führte er eine ärztliche Praxis in Wien 9, Alserstraße 4, und später in Wien 1, Ebendorferstraße 10.

Seine Ausbildung begann Schlesinger in weiterer Folge als Aspirant an der I. Psychiatrischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien bei Theodor Meynert (1833-1892). Noch im selben Jahr wechselte er als Assistent zu Hermann Nothnagel (1841-1905) an die I. Medizinische Klinik und wurde 1892 Sekundararzt bei Leopold Schrötter (1837-1908) an der III. Medizinischen Klinik. Zu seinen weiteren Lehrern zählten der Ophthalmologe Ernst Fuchs (1851-1930), der Dermatologe Moritz Kaposi (1837-1902) und Heinrich Obersteiner jun. am Neurologischen Institut, der maßgeblich sein Interesse an der Neurologie prägte.

Bereits früh trat Schlesinger mit zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten hervor. 1891 veröffentlichte er die Studie „Ueber einoge Symptome der Tetanie“, gefolgt von der 1892 herausgegebenen Arbeit an der dermatologischen Klinik „Beiträge zu den Sensibilitäts-Anomalien bei Lupus“. Am Ersten Öffentlichen Kinder-Krankeninstitut publizierte er gemeinsam mit August Hock (1865-1932) die Untersuchung „Blutuntersuchungen bei Kindern“. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten neurologische Erkrankungen des Rückenmarkes, insbesondere Syringomyelie, zu der er mehrere Studien vorlegte, die erstmals 1892 in der Monografie „Die Syringomyelie“ zusammengefasst wurden; eine zweite, erweiterte Auflage erschien 1902 unter denselben Titel. Mit dem „Aerztlichen Handbüchlein für hygienisch-diätetische, hydrotherapeutische, mechanische und andere Verordnungen“ veröffentlichte Schlesinger 1894 ein praxisorientiertes Werk, das bis in die 1920er Jahre wiederholt neu aufgelegt wurde und 1921 seine 12. Auflage erreichte.

Ab 1894 war Schlesinger als Assistent an der III. medizinischen Klinik tätig, wo er sich im Fach innere Medizin habilitierte und im Dezember 1895 als Privatdozent bestätigt wurde.[3] Im November 1902 wurde ihm als Privatdozent die Titularprofessur verliehen;[4] 1920 erfolgte seine Ernennung zum a.o. Professor an der Universität Wien.[5]

Franz Josefs-Ambulatorium und Franz-Josefs-Spital

Seit 1899 war er zunächst am Franz-Josefs-Ambulatorium (Mariahilfer Ambulatorium) tätig. In der Folge wirkte er als Primarius und wurde 1901 zum Vorstand der II., ab 1905 der III. Medizinischen Abteilung Franz-Josefs-Spitals bestellt. In diesem Umfeld entstanden mehrere klinische Arbeiten darunter „Hydrops hypostrophos – Ein Beitrag zur Lehre der acuten angioneurotischen Oedeme“, „Über Meningitis cerebrospinalis epidemica im höheren Lebensalter“, „Die Spitalsbehandlung der Lungentuberkulose“ sowie „Magenblutungen im Verlaufe des Typhus abdominalis“.

III. Medizinische Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Im Jahr 1908 kehrte er an das Allgemeine Krankenhaus zurück, wo er als Nachfolger von Professor Norbert Ortner (1865-1935) die Leitung der III. medizinischen Abteilung übernahm.[6]

Während des Ersten Weltkrieges veröffentlichte Schlesinger eine Reihe von Arbeiten, darunter „Über Sensibilitätsstörungen von spino-segmentalem Typus bei Hirnrindenläsionen nach Schädelschußverletzungen“, „Der klinische Verlauf der Tuberkulose bei Soldaten“ die zweibändige Monografie „Die Krankheiten des höheren Lebensalters“. „Erkrankungen des Nervensystems durch Nährschaden und Hunger“. Für seine Verdienste wurde ihm 1916 das Offiziersehrenzeichen vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration verliehen.[7]

Während und nach dem Krieg widmete sich Schlesinger verstärkt der Tuberkulosebekämpfung. Seit 1919 gehörte gemeinsam mit Ludwig Teleky (1872-1957), Alfred Götzl (1873-1946), Franz Vollbracht (1870-1932) und Sigmund Tennenbaum (1857-1923) dem Vollzugsausschuss für Tuberkulosefürsorge an.[8]

Mitte der 1920er Jahre veröffentlichte er eine dreibändige Monografie unter dem Titel „Syphilis und innere Medizin“. Seine umfangreiche wissenschaftliche Produktion – sie umfasst mehr als 400 Publikationen – wird heute in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin aufbewahrt. Nach seinem Tod ging zudem seine private Bibliothek als Nachlass an die Gesellschaft der Ärzte in Wien über.

Darüber hinaus war Schlesinger als Vortragender in Fortbildungskursen für praktische Ärzte sowie für die Krankenpflege sowohl am Franz Josefs-Spital als auch am Allgemeinen Krankenhaus engagiert. Er fungierte als Mitherausgabe des „Zentralblattes für die Grenzgebiete zwischen innerer Medizin und Chirurgie“ sowie des „Wiener Archivs für innere Medizin“ und war zudem als Bibliothekar des Ärztlichen Lesezimmers im Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig.[9]

Schlesinger trat auch als Initiator und Begleiter im Bereich des Krankenhausausbaues hervor. So war er am Ausbau des Franz-Josefs-Ambulatoriums, am 1906 erfolgten Bau des Kinderpavillons im Franz-Josefs-Spital sowie am Spital der Wiener Kaufmannschaft beteiligt. Während des Ersten Weltkrieges wirkte er maßgeblich an der Errichtung einer Heilanstalt für tuberkuloseerkrankte Soldaten im Anschluss an das Sanatorium in Pernitz im Wienerwald mit,[10] die im Juni 1916 eröffnet wurde.[11]

Seit 1890 war Schlesinger Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Darüber hinaus gehörte er der Gesellschaft für innere Medizin in Wien, dem Verein für Psychiatrie und Neurologie in Wien, der Gesellschaft für Neurologie in Moskau sowie der Gesellschaft deutscher Nervenärzte an. Er war korrespondierendes Mitglied der Societé de Neurologie de Paris und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Ärzte in Athen. Zudem war er als Mitglied im Verein „Viribus unitis“ Hilfsverein für Lungenkranke aktiv.[12]

Gemeinsam mit Max Herz (1865-1956) war er 1892 Mitbegründer und Präsident des Wiener Medizinischen Clubs, aus dieser Vereinigung ging später die Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde hervor. Schlesinger war Träger des Ottomanischen Mecidiye-Ordens;[13] 1919 wurde ihm der Titel eines Hofrates verliehen.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit publizierte Schlesinger regelmäßig in Tageszeitungen und äußerte sich dort zu medizinischen und gesundheitspolitischen Fragen. Darüber hinaus war Mitglied der Künstler- und Gesellschaftsvereinigung Schlaraffia.

Hermann Schlesinger verstarb am 29. März 1934 in Wien.

Schlesinger Hermann: Die Stunde, 31.3.1934, S. 3.

Nach seinem Tod erschien 1936 sein von Fritz Redlich (1910-2004) überarbeitetes Manuskript „Nährschäden des Nervensystems“.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1866, Schlesinger Hermann.

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1899, Schlesinger Hermann, Pollak Bertha.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0318, Schlesinger Hermann (Nationalien Datum: 1886/87).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-370b, Schlesinger Hermann (Rigorosum Datum: 1887).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-2762, Schlesinger Hermann (Promotion Datum: 25.1.1890).

Literatur:

Schlesinger, Hermann: Ueber einoge Symptome der Tetanie. Aus der medicinischen Klinik des Herrn Hofrath Prof. Nothnagel in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für klinische Medizin. Berlin: Gedruckt bei L. Schumacher 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Beiträge zu den Sensibilitäts-Anomalien bei Lupus. Aus der dermatologischen Klinik des Herrn Prof. Kaposi in Wien. Sonderdruck aus: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1892.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hock, August und Hermann Schlesinger: Blutuntersuchungen bei Kindern (vorläufige Mittheilung). Aus dem I. öffentlichen Kinderkrankeninstitut in Wien (Direktor: Prof. Kassowitz). Sonderdruck aus: Centralblatt für klinische Medicin. Leipzig: Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann. Die Syringomyelie. Eine Monographie. Leipzig: Deuticke 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 11080]

Schlesinger, Hermann: Die Syringomyelie. Eine Monographie. 2. vollst. umgearb. u. bedeut. verm. Aufl. Leipzig, Wien: Deuticke 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 3027]

Schlesinger, Hermann: Aerztliches Handbüchlein für hygienisch-diätetische, hydrotherapeutische, mechanische und andere Verordnungen. Eine Ergänzung zu den Arzneivorschriften; für den Schreibtisch des praktischen Arztes. 5. Aufl. Frankfurt a.M.: Alt 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-20155]

Schlesinger, Hermann: Hydrops hypostrophos – Ein Beitrag zur Lehre der acuten angioneurotischen Oedeme. Aus dem Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium in Wien. Sonderdruck aus: Münchener medicinische Wochenschrift. München: E. Mühlthaler’s kgl. Hof-Buchdruckerei 1899.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Über Meningitis cerebrospinalis epidemica im höheren Lebensalter. Aus dem k.k. Kaiser Franz Joseph-Spitale in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles, k. und k. Hofbuchhandlung 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Die Spitalsbehandlung der Lungentuberkulose. Aus der II. medizinischen Abteilung des k. k. Kaiser Franz Joseph-Spitales in Wien (Vorstand Prof. H. Schlesinger). Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Magenblutungen im Verlaufe des Typhus abdominalis. Aus dem k.k. Kaiser Franz Josef-Spitale in Wien. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungskrankheiten mit Einschluss der Stoffwechselpathologie und der Diätetik. Berlin. Verlag von S. Karger 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Über Sensibilitätsstörungen von spino-segmentalem Typus bei Hirnrindenläsionen nach Schädelschußverletzungen. Aus der III. medizinischen Abteilung des Prof. Dr. H. Schlesinger im k. k. Allgemeinen Krankenhause in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1915.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Der klinische Verlauf der Tuberkulose bei Soldaten. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Gesellschafts-Buchdruckerei Brüder Hollinek 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Die Krankheiten des höheren Lebensalters. Bande 1 und 2. Wien: Hölder 1914-1915.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-18062]

Schlesinger, Hermann: Erkrankungen des Nervensystems durch Nährschaden und Hunger. Aus dem neurologischen Institut (Vorstand: Prof. O. Marburg) und der III. medizinischen Abteilung des allgemeinen Krankenhauses in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Leipzig: Druck der Spamerschen Buchdruckerei 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Syphilis und innere Medizin. Band 1 bis 3. Wien: Springer 1925-1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21339]

Schlesinger, Hermann: Nährschäden des Nervensystems. Das Manuskript von Professor Hermann Schlesinger ist nach seinem Tode von Dr. Fritz Redlich in Wien überarbeitet worden. Sonderdruck aus: Handbuch der Neurologie. Berlin: Verlag von Julius Springer 1936.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Jahresbericht des k.k. Maximilian-Gymnasiums in Wien, Wien 1884, S. 38.

[2] Wiener Zeitung, 1.4.1890, S. 3.

[3] Neue Freie Presse, 20.12.1895 (Abend-Ausgabe), S. 1.

[4] Wiener Zeitung, 25.11.1902, S. 1.

[5] Medizinische Klinik, 29.1.1920, S. 4.

[6] Die Zeit, 5.5.1908, S. 3.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 22, 1916, Sp. 851.

[8] Arbeiter Zeitung, 10.12.1909, S. 5.

[9] Neue Freie Presse, 3.8.1894, S.

[10] Neue Freie Presse, 23.3.1916, S. 10.

[11] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 11.6.1916, S. 19.

[12] Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinzausgabe), 5.6.1916, S. 11.

[13] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 14.7.1914, S. 286.

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Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig: No-Handy??Unmöglich!!

NO – HANDY ? ? UNMÖGLICH ! !

Autor: Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig

 

Ein talentierter, beruflich sehr erfolgreicher Freund (*1941) war dreißig Jahre lang in einer führenden Firma als System-Administrator und Programmierer (als einer der Ersten) tätig. Schließlich und endlich stellte sich bei ihm eine Art von ‚System-Unverträglichkeit‘ ein. Seither lebt er ohne Smartphone und ohne das ‚unverzichtbare‚ Internet – gesund und munter bis heute.

Ein nicht nur einmal im schönen Burgenland vergessenes Smartphone war besonders nach dem Rasenmähen leichter auffindbar.
Das Ding trug keine Schäden davon, auch nicht der Besitzer, weder milde Entzug-Erscheinungen noch gefürchtete ‚Cold Turkey‘ Symptome (1).
Die ‚Smartphone- und Online-Verhaltenssüchte‘ (synonym Internet-Nutzungsstörungen, internet disorders, internet addictions, gaming disorders) stehen längst im Ruf einer Reihe von Folgeerscheinungen und höchst unerwünschter Wirkungen. Davor wird in keinem Beipacktext gewarnt (2,3,4,5). Warum? Wegen potentieller Störung ökonomischer Interessen.

Wie ein Schleimpilz, scheinbar fern-, wenn nicht gar ‚Intelligenz‘- gesteuert, alles, sogar Labyrinthe überlistend (6), überzieht die AI/KI ihre Opfer. Womit? Mit einem Koschano* aus Wissen, Dafürhalten und Geflunker, Fakes, Bullshit, und ‚Halluzinationen‘.
Zu hart geurteilt? Es kommt ganz darauf an. AI/KI erwarb sich zweifellos Verdienste. Schade, dass kleine Schönheitsfehler inoperabel sind, sie sind als solche oft nicht zu erkennen und ‚spucken den Usern klammheimlich in die Suppe‚.

Unzumutbares, wie Social Media (SM) – Entartungen und deren bleibende Schäden, besonders auf Kinder- und Jugendpsyche samt Physis werden nun, da das Pendel allzu weit ausschwang, bekämpft. Jedoch etwas zu zögerlich und mit wechselndem Erfolg. Betreiber und Monsterkonzerne wehren sich zumeist erfolgreich.

Besagtes AI/KI-‚Schleimpilz-Monster‚ frisst sich bis in die letzten Synapsen, nicht nur in die der Heranwachsenden. Der freie Zugang via Handy etc. zu Entartungen und Abartigem, sowie der Kultur-Kahlschlag und Dünger für Pseudo-Wissen, Fakes etc. müsste längst gebremst worden sein – etwa durch ‚Bullshit-Defensoren‘? Sogenannte ‚Freie- Enzyklopädie-Gelehrte‚ stellen bereits Peer-Reviewed-Resultate in Frage und belehren ungefragt naseweis**.

Epilog: Prophylaxe ? (7)

 

*) Koschano (phonet.): ‚Buschkawü‘, Durcheinander, ungeordnete Mischung,
**) Naseweis: besserwisserisch

 

 

Literatur:

1 McGowan C, Broughton C and Jones A (2026): Can you guess our screen time? A priest, pensioner, tech CEO and teenager reveal all.
https://www.theguardian.com/media/2026/jan/31/can-you-guess-our-screen-time-a-priest-pensioner-tech-ceo-and-teenager-reveal-all

2 Li W et al (2025): The association between smartphone addiction and creativity in Chinese college students: the chain mediating effects of depression and executive function.
BMC Psychiatry;25(1):901.

3 Soriano-Molina E et al (2025): The Association Between Internet Addiction and Adolescents‘ Mental Health: A Meta-Analytic Review.
Behav Sci (Basel);15(2):116.

4 Lai X (2022): Trajectory of problematic smartphone use among adolescents aged 10-18 years: The roles of childhood family environment and concurrent parent-child relationships.
J Behav Addict;11(2):577-587.

5 Fuchs M et al (2024): Gaming Disorder According to the ICD-11: Background, Criteria and Possible Implications.
Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr. Nov;73(8):753-771.

6 Kippenberger S et al (2023): Learning in the Single-Cell Organism Physarum polycephalum: Effect of Propofol.
Int J Mol Sci;24(7):6287.

7 Heilig P (1. April 2023): PROPHYLAXE
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=40686

 

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Veranstaltungseinladung:

WELT DER TRAEUME, TRAEUME DER WELT
                                    (EINTRITT FREI)

Etwa fünf Prozent der ‚Wirklichkeit‘ stehen zur Verfügung; doch mit dunkler Energie und dunkler Materie haben wir nichts am Hut. Nur etwa 4,9% ‚Masse‘ besteht aus Standard-Teilchen. Gesehen und wahrgenommen wird allerdings auch nur ein Teil; aus diesem gilt es das Beste zu machen. Traumhaft – na-hoffen-wir-doch!

Magier (P. Wurnig), Dichter, Musikanten, Maler,
Philosophen und Spaßmacher.

ZEIT: Mittwoch 15. April 2026 um 19 Uhr c.t..
ORT: Otto-Mauer-Zentrum, (Halbstock links; Lift).
Währinger Straße 2-4, A-1090 Wien

Einladung als PDF:
TRAEUME Einladung

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