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Gastbeiträge

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Der Laplace’sche Dämon*

Der Laplace’sche Dämon*

Du hast wohl recht, ich finde nicht die Spur von einem Geist – und alles ist Dressur.“ 
Faust I, Eine Tragödie. JWG.

Ein faszinierendes Gedankenexperiment des Pierre Simon de Laplace:

Sein „Dämon“ kenne jedes Teilchen in und auswendig, er könne daher mit seinem fiktiven dämonischen Hebel die Welt aus den Angeln heben, die Zukunft vorhersagen und beeinflussen; All-wissend und -mächtig.

Laplace postulierte die Teilchen-Natur des Lichts. Er glaubte dass eine gewaltige Masse auf der dunklen Seite des Mondes seine ‚gebundene Rotation‘ bewirke. Und – er sagte die Existenz schwarzer Löcher voraus. Doch, zurück zum Dämon, durchwegs negativ konnotiert im christlichen Abendland. In anderen Kulturen kommen auch freundlichere, geradezu liebenswerte Dämo(ö-?)nchen vor, auch weibliche, verführerische.

Die Schöne-Neue-Welt spie nun Dämon-Abarten aus, welche sich unter anderem durch ein Nicht-zu-Ende-Denken auszeichnen. Am Beispiel ‚autonom‘: Es stimmt nachdenklich, wenn dieses Adjektiv durch den Straßenverkehr spukt: autonom – oder „eigenverantwortlich“, ausgewählt aus der Reihe der Synonyme. Juristisch ein Blindgänger, streng genommen. Kein sogenanntes ‚autonomes‘ verkehrsrelevantes Objekt kann eigenverantwortlich ‚handeln‘ oder sogar zur Verantwortung gezogen werden. Denn – das Konstrukt ist hirnlos gewissermaßen, aber auch gewissenlos („unverschuldet..“), exkulpiert und nicht straffähig.

 

Zu hart geurteilt? Ein Beispiel:

„Demnach hatte der Unglücksfahrer, der im März 2018 bei dem Crash auf einem Highway im Silicon Valley sein Leben verlor, die Hände in den letzten sechs Sekunden vor dem Aufprall nicht am Steuer. Der Tempomat war auf 75 Meilen pro Stunde (knapp 121 km/h) eingestellt, obwohl an der Unfallstelle nur 65 Meilen (knapp 104 km/h) erlaubt sind. Drei Sekunden vor dem Crash beschleunigte der Wagen statt zu bremsen oder auszuweichen und prallte schließlich auf die zwei Fahrbahnen trennende Barriere. Deutlich sind Kanten und Rillen zu sehen, die der Tesla-Autopilot im Sonnenlicht für Fahrbahnbegrenzungen gehalten haben könnte.“ ((reu/dpa/cj/cr/brü/lhp) Der vorläufige Unfallbericht des National Transportation Safety Board (NTSB,)

Die Rolle des fiktiv-historischen Laplace‘schen Dämons nehmen nun Programmierer ein, Konstrukteure, Hardware und Unfallforscher, deren jeweils neue Vorgaben zu befolgen und berücksichtigen wären, jedoch – 

alle unterscheiden sich von dem frei erfundenen Genius des Marquis in ganz wesentlichen Punkten: Sie sind weder allwissend noch fehlerfrei.

„Autonome“ Schwachstellen

KFZ-Sensoren: verschmutzt, defekt, überbelichtet, Daten-Overflow, tief-stehende Sonne, Nebel, Unwetter, Schnee, Sandsturm; Plastikfolie (z.B.) wird über die Fahrbahn geweht etc.

Input: schadhafte irreführende Signale und Zeichen, wie z.B. verwischte, verschmutzte Fahrbahnmarkierungen, Schnee, Matsch etc.

Vertrauensgrundsatz: Smartphone-User (oder unbeaufsichtigte Kinder, Personen mit in die Stirne gezogener Kapuze etc.) queren die Fahrbahn plötzlich, unvermutet und unkontrolliert.

Software-Fehler, Hardware-Fehler, ungeklärter Technischer Defekt, auch solche der Assistenz-Systeme, Datenübertragung/Empfang- und Computing-Fehler (~ 5 Gigabyte/min).

Das „Trolley-Dilemma“: wen oder was würden Algorithmen ‚opfern‘ ?

https://philosophynow.org/issues/116/Could_There_Be_A_Solution_To_The_Trolley_Problem

„Beim autonomen Fahren bleiben Sie als Fahrer in der Verantwortung,

 Beim autonomen Fliegen, bei autonomen Drohnen, (AI)“; lückenlose Aufmerksamkeit wäre vorauszusetzen; cave Schrecksekunden.

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E-Mobility “ist die Zukunft?” – mag schon sein, oder nicht (F. Indra), eine von vielen noch immer nicht ganz zu Ende gedachte Zukunft-Vision.

Probleme: Massen-Batterie-Herstellung, Entsorgung/Verwertung, E-KFZ -Brand, sowie (erfahrungsgemäß) unverkäufliche E-Gebrauchtfahrzeuge.

Strom: Kohle, Atom, und speziell im E-Motor“Sport“: Diesel-Aggregate; ein Oxymoron.

Welt-Ökonomie, Negativzinsen (de iure “nicht zulässig?), automatisierte (autonome..?) Börsen-Spekulationen – im Sekundentakt oder rascher, „Social“ Media samt integrierten Schattenseiten, Weltfrieden, Welt-Ernährung, Rüstung, katastrophale Flüchtlings- und Klimapolitik,

AI: dazu Stephen Hawkings Warnung: „Success in creating effective AI could be the biggest event in the history of our civilisation. Or the worst..”

Epilog: ‚Zu Ende gedacht‘ hätte ein neuzeitlicher Dämon manches oder alles anders gemacht, vielleicht…

*DD: Maxwell‘scher Dämon: dieser von J.C. Maxwell Erdachte könnte dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik theoretisch im Sinne einer Entropie-Änderung ‚in die Suppe spucken‘ – als physikalisches System, wenn auch nur imaginiert, unterläge er zwangsläufig ‚Schwankungen‘, womit sich auch diese Theorie ad absurdum führt.

Essai philosophique sur les probabilités. Courcier, Paris 1814

https://archive.org/details/philosophicaless00lapliala/page/n6/mode/2up

http://www.fallwelt.de/welten/mond/farsideGebilde.htm

https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10082256_00007.html

https://www.autobild.de/artikel/autonomes-fahren-crash-eines-tesla-model-x-10516973.html

MAD » MAD #509 – 50 Worst Things About Facebook released by DC Comics on

June 1, 2011.

https://bernardmarr.com/default.asp?contentID=1827

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Interest: no

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Katharina und Peter Heilig
VIDEO ON DEMAND: KUNSTLICHT IN UNSEREN AUGEN:
https://youtu.be/k9k_wG5lacA

DRITTE AUGEN (René Descartes und der Sitz der Seele):
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=33913

KUNSTLICHT VERURSACHT SCHÄDEN. AUCH IRREVERSIBLE. DIE ANTWORT DARAUF?
LICHTHYGIENE:
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=33593

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Morton Heilig, (1926 – 1997) „Vater der Virtual Reality“

Morton Heilig, (1926 – 1997) „Vater der Virtual Reality“

Schaden hat Morton Heilig kaum angerichtet. Dieser phantasiebegabte, einfallsreiche VR-Wegbereiter scheiterte jedoch mit seinem Projekt – vor mehr als einem halben Jahrhundert*. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind die Zukunft – on dit. Über mögliche Kollateral- Schäden schweigt man sich zumeist aus: “In fact, some tech experts even proclaimed 2016 as “The Year of VR.” Surprisingly, there has been almost no discussion on the health and safety risks associated with strapping a VR headset over your eyes”.

Als Visionär bechreiben ihn die Biographen. „Sensorama Mashine“ und „Telesphere Mask” hatte er, neben hundert anderen Erfindungen, als Patent angemeldet. Der Vorläufer von Google Maps Street View (seine „Aspen Movie Map“) war ein solches Projekt. In den View Labs (NASA) entwickelte er „Headset and Glove“ für „sight, sound and touch“, geeignet für die Steuerung von Roboter-Greifarmen. „View“ ließ die Architekten virtuelle Konstrukte inspizieren, Auditorien konnten eintauchen in „full immersion theatre experiences“. In Disney Parks sind Heilig-Designs und -Ideen noch immer im Einsatz.

Sein allegorischer Film “Once” (Produktion Marianne Heilig. Direktor, Script, Kamera: Morton Heilig) wurde 1974 in Cannes ausgezeichnet – seine zentrale Aussage:

„Only with the gift of love can Creation finally defeat Destruction.”

Die ‚synästhetische, inmersive Maschine‘, das Sensorama, lieferte Besuchern für 25 Cents zehn Minuten lang die lllusion einer virtuellen Motorradfahrt durch New York inklusive aller Sinneseindrücke, wie Vibrationen, Wind und sogar Geruch-Empfindung. „Diese Innovation war vielleicht zu revolutionär für seine Zeit“ meinte Morton Heilig. Sein »Experience Theater« unterschied sich deutlich von aktuellen VR- und AR– Inszenierungen hinsichtlich möglicher, jedoch ignorierter Gefahren: “There could be health risks when people are immersed in a fully imagined environment, possibly affecting their physical and emotional well-being”; Gesundheits-Risken („VR/AR Health Risks“):

„Können wir uns trotz der gebotenen Informationsflut noch auf den Straßenverkehr – egal ob als Fußgänger oder Autofahrer – konzentrieren? Wird der Gesetzgeber hier eingreifen um uns vor den Gefahren von Augmented Reality Systemen zu schützen?“ Einige Beispiele: Stress oder Beklemmungen können auftreten nach einigen Minuten “Full Occlusion Headset“. ‚Ablenkungsblindheit‘ (Distraction Blindness, Inattentional Blindness etc.): die meisten Unfälle ereignen sich – erwartungsgemäß um die „Pokéstops“.

Drehschwindel-Attacken und Übelkeit/Nausea treten auf sowie und eine merkwürdige Benommenheit (‘wooziness‘) – schwer zu beschreibende Phänomene, die zum Teil auch tierexperimentell nachweisbar waren – “cybersickness” und abnorme EEG-Muster. „Sixty percent of the rats’ neurons simply shut down in virtual reality environments”. Auch über “Eye strain” wurde geklagt – ein dem „Office Eye Syndrom“ verwandtes Phänomen, ausgelöst vor Allem durch reduzierte Lidschlag-Frequenzen sowie gestörten Tränenfilm: ”VR headsets can cause severe eye strain among users. They strain their eyes in order to focus on a pixelated screen that uses a single refractive optic element. Headsets do not usually addresses the optic issues with near-to-eye devices, and they quickly become uncomfortable after a few minutes”. Außerdem besteht ein “Accommodation/Convergence Conflict,” welcher (apparativ zunächst) zu beheben wäre.

Eingeschränkte Gesichtsfelder (Headsets today are at 35 degrees FoV) sind ungewohnt-unphysiologisch; “Headset designers must find a way to maintain a large field of view (FoV) for the users”.

Die VR-Headset-Träger sind möglicherweise schädlicher elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt. “Wearable technology like VR headsets potentially exposes the user to harmful electromagnetic frequency radiation. These devices make use of a wireless connections like Bluetooth or WiFi”).

Die via „Head up Displays, Smart-Glasses, Bionic Contact Lenses“ etc. in die Prozesse der Wahrnehmung eingespielten Zusatz-“Informationen“ – eine Art Überlagerung – wirken als gravierende Störfaktoren und führen im schlimmsten Fall zu ‚Distraction Blindness‘ und ähnlichen Ausfällen sowie verschiedenen weiteren Funktions-Störungen. Analog zu den Ablenkungen durch Tagfahrlichter (DRL) kann es zum kompletten „Auslöschen“ klar und deutlich gesehener Objekte kommen. Overflows in Arbeits-Speichern (visual short term memory, working memory) bewirken, dass Kinder am Schutzweg (z.B.) übersehen, besser gesagt nicht wahrgenommen werden (QED): wie prophezeit – bevor „Licht am Tag/DRL“ als unverbindliche Empfehlung eingeführt wurde („Experiment“ – ein nicht Evidenz-basiertes Procedere), bestätigt durch rezente Unfall-Statistiken: bei Rückgang der Gesamt-Verkehr-Unfallzahlen – ein signifikant zunehmender Anstieg nicht motorisierter Unfall-Opfer im Straßenverkehr, auffallend oft auf „Schutz“wegen und nicht selten am Schulweg.

Die vielen positiven Aspekte von AR und IR müssen hier nicht aufgelistet werden. Dafür sorgen höchst einprägsam “Konditionierung, Manipulation, Programmierung und Fernsteuerung (brainwashing)“ im Rahmen immer aggressiverer Werbungstrategien; siehe https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=34126

Die Behauptung: „AR enhances the Perception of Reality“ hält keiner kritischen Prüfung stand – am Beispiel ‚Pokémon Go‘: vermeidbare, z.T. fatale Komplikationen wie. ‚Ablenkungsblindheit‘ (Distraction Blindness, Inattentional Blindness etc.); die meisten Unfälle ereigneten sich erwarrtungsgemäß rund um die „Pokéstops“. Pokémon Go hat „in den ersten 148 Tagen Schäden von bis zu 7,3 Milliarden (?) Dollar und 30.000 Verletzte sowie 256 Tote verursacht“ in Tippecanoe County/170.000 Einwohner (t-online.de).

*”Because Heilig worked outside of the academic/laboratory/military model, his inventions and theories were ignored or forgotten for thirty years, although key participants in virtual reality research..”   

http://www.telepresenceoptions.com/2008/09/theory_and_research_in_hci_mor/

https://www.vesttech.com/4-health-risks-from-using-virtual-reality-headsets/

http://uschefnerarchive.com/morton-heilig-biography/

https://www.fi.edu/what-is-augmented-reality

Augmented and virtual reality in libraries
Verfasserangabe: edited by Jolanda-Pieta van Arnhem, Christine Elliott
and Marie Rose
Jahr: 2018
Verlag: Lanham, Rowman & Littlefield Publishers

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Morton Heilig ist lediglich PHs ‚Namensvetter‘

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: PLASTI(C)K: eine Glosse.

PLASTI(C)K: eine Glosse.

Saeculum plasticae, Plastikozoikum, das Plastikzeitalter

„Vielleicht auch war es Sarkastik:

Der Pfennig – Pfefferkuchenmann

ist die freundlichste Form der Plastik“             
Theodor Fontane

Das Homonym Plastik:

Kunst (Skulptur) oder Künstliches (Nano-/Micro-/ bis Macro- Plastik und Plastic-Soup) 

    

Falls es noch Geologen gäbe (coniunctivus irrealis) dereinst, dann beforschten sie eine merkwürdige Schicht:  das „Plastikḗ“-Layer, ein Konglomerat, welches aus feinkörniger Plastik-Matrix bestünde, mit diversen Einsprengungen von länger Haltbarem, wie Trabi-Karosserien zum Beispiel. Unverrottbares auf der Spielwiese der Plastik-Chronologen erzählt die Geschichte einer ‚Plastic Generation‘: Archaeo-Plastologen, buddelnd auf Mega-Plastik-Abraumhalden, könnten auf die Kultur der homo bakeliticus (Frühform) schließen, des homo styroporalis, fluoropolymeralis, polyurethanicus,  polyvinylchloridalis bis zur duroplasticus -Species. Mikrobiom-, Endovasal-, Intraventriculär,-und Ubiquitär-Mikro/Nano-Plastik nährt viele Spekulationen über die Ernährungs-Gewohnheiten der Plastik-Homo-Sapiens-Entwicklungsstufen. „Plastic food for plastic people“ (‘Plasticburger‘ z.B.).

Zehn hoch elf (1011) Exemplare hominum s.* (genetivus pluralis) lebten in Saus und Braus auf diesem Planeten, eine Sekunde lang auf der ‚Kosmogonie-Uhr‘; recht flott schafften sie es, innerhalb eines ‚Sekundenbruchteils‘ ihre Heimstatt abzuwohnen. Mit ‚Makro’Plastik (fiktiver Begriff), gemeint ist die Menge bisher produzierter Kunststoffe gelänge es die Weltkugel sechs Mal mit Folie zu umwickeln, sauber und luftdicht einzupacken um sie vor möglichem Unbill zu bewahren. * ‚homo sapiens‘: „Mmm, leider habe ich von Ihrem Suchwort bisher noch nichts gehört, bitte überprüfen Sie es auf Tippfehler“ (Das Lateinwörterbuch).

Die Oberfläche (diese Fläche ‚geht gegen unendlich‘) des Plastik-Pandora-Büchsen-Inhalts eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Es kann jedoch sein, dass Plastik-Mikro- und Nanopartikel sowie Plastic-Soup sich unerwünscht auf Proteine auswirken sowie pulmonelle, toxikologische, immunologische, hormonelle, vaskuläre, neurologische, bakteriologische, inflammatorische, etc. Wirkungen haben – nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf manch höhere zentralnervöse Funktion, wie zum Beispiel logisches Denken. Und – Zukunft-orientiert – vielleicht bereits jetzt schon auf die Keimbahn..

Die ToDo/HowTo-Listen sind schon längere Zeit in Arbeit. Die Gartenzwerg-Industrie hat bereits auf Bio umgestellt, prophylaktisch. Die Finanzierung für die Mikro-Nano-Plastik/Darm-Mikrobiom-Adipositas-Problem-Forschung scheint gesichert (krisenfest/solide Sparte, subventioniert durch die üblichen verdächtigen Großkotzerne). Mikroplastik-Sichtungen im Bier: jetzt reicht’s aber, sapperlot!

Epilog:

„Wer ängstlich abwägt, sagt gar nichts. Nur die scharfe Zeichnung, die schon die Karikatur streift,                          macht eine Wirkung“.                    Theodor Fontane             

Gender: beyond

https://www.nature.com/articles/s41598-018-22939-w

https://plasticoceans.org/plastic-pollution-research-papers/

https://www.scientificamerican.com/report/how-plastic-became-a-plague/

Chang  X et al (2020) Potential Health Impact of Environmental Micro- And Nanoplastics PollutionReview  J Appl Toxicol , 40 (1), 4-15  Jan 2020

Rhodes CJ  (2019) Solving the Plastic Problem: From Cradle to Grave, to Reincarnation. Sci Prog, 102, 218-248

Poma  A (2019) In Vitro Genotoxicity of Polystyrene Nanoparticles on the Human Fibroblast Hs27 Cell Line Nanomaterials (Basel)9 (9) Prog, 102 (3), 218-248

Cui R (2017) Polystyrene Nanoplastics Inhibit Reproduction and Induce Abnormal Embryonic Development in the Freshwater Crustacean Daphnia Galeata Sci Rep, 7 (1), 12095 

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Wissen-Basis-Wissen oder die Laubbläser (lat.: Flatus dordis)

Wissen-Basis-Wissen oder die Laubbläser (lat.: Flatus dordis)

„Die ganze Geschichte der Logik besteht in der Definition eines akzeptablen Begriffs der Dummheit.“ Umberto Eco

Evidence basiertes Wissen ist die Antwort auf ‚Daten‘ des Desinformationszeitalters. Verborgen im Datenmüll (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?s=gigo) finden sich die falsifizierten Fakten (Popper), die Basis des Wissens, Grundlagen der Forschung.

Alternativ und Fake wurden zu Unwörtern. Absurde ‚Laubbläser‘-Methoden sind en vogue, alternativ zur Ratio. Grundlagenforschung, unlukrativ und unattraktiv für profitorientierte Systeme, wird weggefegt mit groben Straßenbesen oder Laubbläsern des Überwachungs-Kapitalismus (purgamenta scientiarum?).

Das Profitstreben, scheinbar die einzige treibende Kraft, hatte sich jedoch ad absurdum geführt, permanent. Die Oekonomik ähnelt bereits fatal betrügerischen Pyramidenspielen der Kryptowährungen. Die Desinformationsflut bugsierte zu guter Letzt auch noch die Politologie auf das Niveau astrologischer Pseudowissenschaft.

Shoshanna Zuboff, ‘The True Prophet of Information Age‘, ausgezeichnet mit dem Axel Springer Award 2019, kämpft wie Don Quijote unermüdlich gegen die Windmühlen des ‘Surveillance Capitalism’. Vor ‚verborgener Logik‘ warnt sie. Oder meinte sie ‚verbogene‘ Logik? „Der Kampf gegen Hunger und Fehlernährung wird nicht enden, solange die ‚Logik des Marktes‘ vorherrscht und man um jeden Preis nach Profit strebt“ (Jorge Mario Bergoglio, vulgo Papst Franziskus, am 16.10.19).

Apropos: auf die Frage nach der ‚Logik des Profitstrebens‘ kommt kein Echo aus Internet-Fundi, aus den vereinbarungsgemäß Alles Wissenden.

In der Beweistheorie Mathematischer Logik sprächen deren ‚formale Beweise‘ eine deutliche Sprache: „Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Das a priori machthungriger, geldgieriger, gewissenloser Mega-Konzerne birgt im Keim nicht nur Dekadenz sondern auch Autophagie, schlussendlich.

Resumé: “Surveillance giants threaten human rights”.  Amnesty International Nov. 2019
Epilog: „Die Welt gehört verändert. Der Anfang der Veränderung aber geschieht immer im Herzen eines einzelnen Menschen“ – und –  „Es wäre geradezu kindisch an ein mögliches Übel in der Zukunft die Maßstäbe von heute anzulegen.“  Leopold Ungar.

Ad: Advertisement (-walze)

*Trend.at-Coverstory: „Shitcoin,“ Kryptowährung

Flatus (lat. blasen) – dordis (des Laubes), Desinformationszeitalter-Denkfehler-Metapher.

Zuboff S (2019) The Age of Surveillance Capitalism. The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. New York, NY

Milborn C, Breitenecker M (2018) Change the Game. Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern. Brandstätter

https://www.welt.de/wirtschaft/article203213488/Axel-Springer-Award-Oekonomin-Shoshana-Zuboff-in-Berlin-ausgezeichnet.html?wtrid=onsite.onsitesearch

https://amnesty.azureedge.net/media/6430/amnesty-surveillance-giants_bericht-november-2019.pdf?mode=pad&rnd=132186473750000000

www.youtube.com/watch?v=ScsVe6nktk4

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Alan Turing (1912 – 1954)

Alan Turing, 1912 – 1954

„Can a computer be so desperate it commits suicide?”  
“Could you repeat the question?” The program stops.

Indizien ließen Zweifel an dem kolportierten Suicid Alan Turings aufkommen. Auch der inkriminierte, mit Cyanid präparierte Apfel – aus dem Reich der Märchen – war nie analysiert worden.

Vernetzt über Zeit und Raum, wie im ‚Reich der Ideen‘ (Plato), sind Erkenntnisse und Resultate der Mathematik- und der Grundlagen-Forschung in einem wissenschaftlichen Langzeitgedächtnis gespeichert um weiterentwickelt und falsifiziert (Popper) zu werden. Leibniz, das Universalgenie,  schätzte die Sprache der Mathematik; dies erklärt den Leitgedanken ‚Calculemus‘: „Lasset uns rechnen“ und die Entwicklung seiner Rechenmaschine, welche alle vier Grundrechnungsarten ermöglichte. Die Maschine Pascals, (Addition/Subtraktion, Bj. 1642) die ‚Pascaline‘, hatte ihn dazu inspiriert. Er hoffte, dass Rechenmaschinen in seiner ‚Best(möglichen)en aller Welten‘ imstande wären ethische Werte kritisch zu beurteilen, quasi zu berechnen; dadurch könnten sogar Richter überflüssig werden, meinte dieser große Denker und liebenswürdige Optimist.

Aus vernetzten wissenschaftlichen Wurzeln entwickelten sich über die Einflüsse von Boole, Babbage, Frege, Russel und Hilbert (‚Entscheidungsproblem‘, Decision Problem) ein zunächst noch zartes heranreifendes Pflänzchen; besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Church (‚Arithmetic is undeciable‘) und Neumann sowie Goedel (Incompleteness Theorem, Halteproblem), dessen Werk Alan Turing fortsetzte. Als Jugendlicher hatte ihn Relativitätstheorie und Kryptographie fasziniert; später galt sein Interesse mathematischer Logik; er zählte bald trotz seiner Jugend zu den führenden Mathematikern des Landes und brachte alle Voraussetzungen für die schwierige Aufgabe mit, die auf ihn wartete, der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt – des Gottes Kairós.

Die Zeit war reif für die ‚universelle Maschine‘ des Alan Turing und seine bahnbrechende Publikation “On computable numbers, with an application to the ‚Entscheidungsproblem‘“; diese beinhaltet eine Computer-Theorie, deren Bedeutung erst später erkannt worden war. Bei Anbruch des Krieges, im Jahr 1939 wurde Turing zum Leiter des Dechiffrierteams ernannt. Er entwickelte mit seinem Team (einer Frau und sechs Männern) eine Maschine, die beim Decodieren des kompliziert zu knackenden Enigma-Systems der deutschen Wehrmacht mit Erfolg eingesetzt wurde.  

Die Aufgabe schien zunächst unlösbar; doch mithilfe dieses (ab 1943) einsatzbereiten Computer-Vorläufers konnten  die verschlüsselten Funksprüche des gesamten deutschen Funkverkehrs dechiffriert werden. Alan Turing, ein eigenbrötlerischer ‚Nerd‘, „der sich selbst als eine Art Computer betrachtete“, hatte seine Mathematik-Karriere unterbrochen um mit seiner Krypto-Analyse der Fish-Verschlüsselungen – “save much of the world (including Germany) from heinous tyranny.” (Jack Good, Codebrakers).

Was hätte Turing geplant und mit bewährter Durchschlagskraft in die Tat umgesetzt, in einem Leben nach 1954? Mit Sicherheit hätte er konsequent weiterentwickelt. Möglicherweise hätte er eine Alan-Turing-‘Artificial-Intelligence‘ kreiert, eine die von überflüssigem Ballast befreit wäre. Die Frage, ob Turing-Maschinen und ihre Epigonen denken können, wäre für ihn jedenfalls kein Thema gewesen:

„The original question, can machines think I believe to be too meaningless to deserve discussion“

“Artificial intelligence is impossible.” Eric Holloway (2018).                                                                   

Da künstliche ‘Intelligenz’ mehrfach überzeugend in Abrede gestellt worden war – “how could the intelligent arise from operations which were themselves totally routine and mindless, entirely without intelligence?” (https://plato.stanford.edu/entries/turing/) ist ein präziser, sinnvoller Terminus  vorzuziehen, zum Beispiel:

Analysis Instrument(-ation), –Analyzer, -Evaluator etc. Vorausgesetzt, dass alle Daten Evidenz-basiert wären – ein a priori – könnte das System diagnostizieren, Differential-Diagnosen erstellen, evaluieren und prognostizieren (Akronym AImed), ein schlankes Instrument, frei von fehlerhaften und  unpräzisen Daten, welche unbemerkt im System landen. Besonders entbehrlich wären die ‚wissenschaftlichen‘ Einträge von Auftrag-Arbeiten.

Die Resultate, Analysen, Diagnosen und Prognosen müssten jedes Mal kritischer Prüfung und sachkundiger ‚NI‘-Expertise unterzogen werden. Beim Erstellen von Prognosen ist feinfühlige Umsicht geboten. Negative, zu vermeidende Beispiele wären: medizinische ‘AI‘-Resultate, ohne Erläuterungen oder mit irreführenden Erklärungen an Patienten abgegeben und weitergeleitet, aus den Händen ungeschulten oder nicht ausreichend ausgebildeten Personals. Allzu viel Porzellan wurde bereits zerschlagen: „Frau/Herr Doktor, werde ich nun blind? Bekomme ich Alzheimer? Sagen Sie mir bitte, wann?“ E. Topol: „Medicine has become inhuman.“

„Stephen Hawking sah in A.I. die Totenglocken der menschlichen Zivilisation“ – Recht hätte er jedoch nur im Falle einer absolut ‚autonom‘ agierenden, unkontrollierten A.I. – einem ‚unguided missile‘. „Ich finde nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur.“  JWG, Faust I     

Epilog: Turings Orakel (nicht ‚oracle‘) – “Beware of Secret Service and undesired toxic side effects“

Patera V: Alan’s Apple: Teuscher C, Ed. (2004) Alan Turing. Life and Legacy of a Great Thinker, 9-41. Springer

Copeland J (2004) The essential Turing. The ideas that gave birth to the computer age. Oxford NY

https://museumsfernsehen.de/meilensteine-des-wissens-meisterwerke-der-kunst-pascaline/

Artificial Intelligence: Sie wird uns knechten. Oder umgekehrt.

https://www.turing.ethz.ch/alan-turing/turing-s-death.html

Strathern P (1989) Turing & der Computer. Fischer

Topol E (2019) Deep Medicine. How Artificial Intelligence Can Make Healthcare Human Again. Basic Books, NY

AImed  : ein Vorschlag – Analysis Instrument (medicine) oder Analytical Instrumentation etc.

NI: Natürliche Intelligenz; diese schuf, nur am Rande erwähnt, all die ‚künstlichen‘ Spielarten der diversen ‚Tools‘.

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: „Dritte Augen“

Dritte Augen

 „But Earthshaker Poseidon is a stubborn god, constantly enraged about the Cyclops, the onewhose eye Odysseus destroyed.” Odyssey Book 1

Das “Dritte Auge” hat Geschichte – nicht nur als “Ontogenese, welche die Phylogenese wiederholt ”.  Dieses unpaarige Parietalorgan bestätigt die biogenetische Grundregel:  Die Vorgänger unserer Zirbeldrüse, Glandula Pinealis, Epiphysis (ἐπίφυσις – aufsitzend, ‚outgrowth‘) im Epithalamus – finden sich in Crustaceae, in Insekten und in den Vertebraten. Bei verschiedenen Reptilien und Amphibien wird das Endvesikel des Diencephalons außen sichtbar – als komplett ausgebildetes „drittes Auge“, mit Linsen-ähnlichen Strukturen und „Retinae“, ausdifferenzierte Netzhäute mit radial arrangierten Sinneszellen.

Die dorsalen Projektionen des Diencephalons verloren im Lauf der Entwicklungsgeschichte ihre ursprünglich photoreziptiven Eigenschaften, wurden zu neuroendokrinen Drüsen. Die „Trilateralen Retinoblastome“, maligne Tumore des Frühkindesalters („gelbes Katzenauge“), lassen die enge Verwandtschaft dieser hochdifferenzierten Strukturen erkennen. 

„Dritte“ retinale Rezeptoren, intrinsisch photosensitive Melanopsin-Retinale-Ganglienzellen (MRGC), verdrahtet mit „Metronomen“, den selbst-oszillierenden Neuronen des Suprachiasmatischen Nucleus  (SCN) und der Zirbeldrüse steuern unsere Biorhythmen – Licht-abhängig.              

                                                                                        

Für René Descartes („esprits animaux“) hatte die Zirbeldrüse besondere Bedeutung. Aus Sinnesorganen und Blut „flössen Teilchen in dieses unpaarige Organ“ postulierte er: Ein „spiritus animalis“ entstünde in der Epiphyse. „Es gibt eine kleine Drüse im Gehirn, in der die Seele ihre Funktion spezieller ausübt als in jedem anderen Teil des Körpers“. Er war Spätaufsteher; Königin Cristine von Schweden war schon um fünf Uhr morgens hellwach und beorderte ständig den geplagten Philosophen unbarmherzig „mitten in der Nacht“ zu sich, bis es einfach zu viel wurde*. Er erkrankte bald an einer schweren Lungenentzündung und starb.

„Dritte Augen“ finden sich in Mythen, Märchen und Legenden, aber auch in Esoterik-Milieus. Die jahrtausende alte Esoterik der abendländischen Philosophiegeschichte mit ihren Gelehrten, Kirchenvätern und Mystikern geriet beinahe in Vergessenheit um heutzutage von Profit-orientierter „Esoterik“ abgelöst zu werden. In der aesthetischen Theologie und in der Philosophie fernöstlicher Denker existiert ein vollständig anderes, nicht vergleichbares „Drittes Auge“.

Das strahlende ‚Dritte Auge‘ – des Gottes Siva (oder Netra), findet sich ikonographisch, in Bildern Sivas und anderer Manifestationen, auch in buddhistischer Gottheiten, sowohl in philosophischen als auch religiösen Abhandlungen, metaphorisch, als das Auge der Weisheit, als „Drittes Auge des mystischen Intellekts“ (Raimon Panikkar). Netra Tantra, „Third Eye and Overcoming Death“ ist eine der grundlegenden Schriften des Trika Saivismus in Kashmir. Entstanden um das siebente bis achte Jahrhundert, dominieren der ‚Herr der Unsterblichkeit‘ (Amrtesa), das ‚Dritte Auge‘ und ’nondualistisches‘ Denken diese Schriften.

Netra Tantra fand, trotz seiner Bedeutung bisher nie den Weg nach Europa. Bettina Bäumer ist es zu danken, dass sie uns erstmals Einblick gewährt in diese faszinierenden Welten und dass sie uns die Augen öffnete für Parallelen, Übereinstimmungen und Gleichklänge mit Griechischen und Christlichen Traditionen: Das innere Auge, das Auge der Seele (Plato), das Sonnengleiche – (Enneaden), das Auge des Geistes (Corpus Hermeticum), – des Herzens,  das Auge Gottes..

Der Göttliche Dialog zwischen Siva und Devi zieht sich als roter Faden durch das Werk – Siva beantwortet Fragen und Bitten und Gebete: Das Dritte Auge der Gottheit strahlt, brennt, erlöst, befreit, vermittelt engültige Erkenntnis, überwindet Zeit und Tod (‚Mrtujit‘). Devi, die zauberhaft lächelnde „Große Mitleidige“ (atikarunyamayi) fragt gezielt diesen Gott, ‚der große Wunder wirkt‘, als Erstes, womit das Leiden, die Krankheit, das Elend, die quälende Angst und der Tod (auch unzeitig/zu früher -) für immer verbannt werden können. Erst dann wird das ‚Dritte Auge‘ zum zentralen Thema:                              

Das All-Sehende, All-Wissende, feurige, unbesiegbare ‚Dritte‘ Auge, „welches Zeit und Tod verglühen lässt, Göttliches und Geschöpfe vereint, mit Höchster Lebensenergie, mit Reinem Wissen (Nonduality) und mit dem Nektar der Unsterblichkeit erfüllt“.

„That Eye is praised in a powerful smile  –  of the complete Oneness of all things“

 

Bäumer Sharada Bettina (2019):  The Yoga of the Netra Tantra. Third Eye and Overcoming Death. (Shivam Srivastava, Ed.) DK Printworld, ND

*Klassisches Beispiel einer ‘Chronodisruption’  – ständige Störung des circadianen Rhythmus; dies kann dem Immunsystem schaden, ebenso wie ein zu früher Schulbeginn samt der Strafverschärfung „Sommerzeit“.

Gender: „beyond“

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Gastautor Rector emeritus Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c Wolfgang Schütz: MEDICAL HUMANITIES

MEDICAL HUMANITIES

Autor: Rector emeritus Em.Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Wolfgang Schütz

Mit dem Begriff Medical Humanities wird ein multi- und interdisziplinäres Feld der Me­dizin be­zeichnet, das so­wohl die Naturwissenschaften, als auch die Geistes‑ und Sozial­wissen­schaften sowie die Künste umfasst. Das Konzept der Medi­cal Humanities berück­sich­tigt in der Me­di­zin auch die sozialen und kulturellen Kom­po­nenten, untersucht ihre Zusammenhänge und bindet ihre Erfahrungen ein. Die in vielen Län­dern schon etablierte Disziplin erlaubt den Blick über die natur­wissen­­schaftlich ge­prägte und Techno­logie-be­stimmte Medizin hinaus, zum Beispiel auf den kulturell geprägten Umgang mit Krank­heit und Tod.

Drei wesentliche Gründe lassen einen Fokus auf Medical Humanities auch in Österreich als notwendig er­scheinen:

    • Medizin wird in den Pflichtcurricula in Form streng strukturierter Module gelehrt, die nur we­nig Mög­lich­keiten bieten, auch deren Vernetzung mit Geistes‑ und Sozial­wissen­­schaf­ten sowie mit den Künsten zu beleuchten. Diese Strukturierung erwies sich im Rahmen der Er­stel­lung des Grundkonzepts für die der­­­zeitigen Curricula – im Zeit­raum 1998–2002 – als not­wen­dig, wo noch freier Zugang mit über 4.000 Studien­an­fängern herrschte (weit weniger als die Hälfte beendeten ihr Studium). Seit dem Jahr 2006 finden aber Aufnahmetests für eine vorgegebene Zahl von derzeit 1.620 Stu­­dien­plätzen statt, die nun durchwegs von Studierenden mit hoher Eignung für ein Stu­dium belegt sind. Damit den zukünftigen ÄrztInnen ein interdisziplinäres Medizinstudium nach inter­nationalen Standards angeboten werden kann, muss die bisherige strenge Struk­­turierung gelockert wer­den. Zusätzlich sol­len Medical Humanities auch ein Lehr‑ und Forschungsfeld für kultur- und sozial­wissen­schaftliche Studienrichtungen wer­den.
    • Das Credo der „Evidenz-basierten Medizin“, die den jeweiligen wissenschaftlichen Gold­­standard für die Hei­lung einer Krankheit definiert, wechselt immer mehr zu einem Credo der eng mit der Digitalisierung ein­hergehenden „Personalisierten Medizin“, wo die Hei­lung des Kranken im Mittelpunkt steht. Ihr Schwer­punkt liegt auf der gene­ti­schen Ausge­stal­tung (dem Genom) der PatientInnen, wobei so genannte Bio­marker Aus­kunft über den Zu­sam­menhang einzelner Gene sowie über Zellmerkmale ver­mit­teln. Viele ge­netische Da­ten sind aber von unklarer Relevanz oder erbringen für die Pa­tientInnen gar belastende In­formationen ohne Ein­griffsmöglichkeit. Auch droht ein Kon­trollverlust für die miss­bräuch­liche Ver­wen­dung von Pa­tientInnendaten von Arbeit­gebern und Versicherungen. Die Bezeichnung „per­so­nalisiert“ selbst ist irre­füh­rend, denn diese Medizin hat nichts mit mehr persönlicher Zu­wendung den Pa­tientIn­nen gegen­über zu tun, sie basiert vielmehr auf einer Hochtechno­logie, die dem Arzt-Pa­tienten-Verhältnis nicht för­der­lich ist. „Per­so­nalisierte Medi­zin“ oder „Präzisions­medi­zin“ wird zunehmend zur „Biomarker-Strati­fied Medicine“. Die Begriffe „Krank­heit“ und „Gesundheit“, die einem soziokulturellen Wandel unter­worfen sind, müssen da­her ständig neu definiert werden.
    • Die Spitäler in Europa entwickeln sich immer mehr zu globalen Orten. So haben auf den Am­bulanzen im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) bereits > 60% aller Pa­tien­tInnen einen Migrations­hinter­grund, etwa 20% sprechen gar nicht oder nur sehr ge­brochen deutsch. Dieser Anteil an Menschen mit Mi­­gra­tions­hintergrund in den Spitals­ambulanzen ist deutlich größer als deren Anteil inner­halb der Wie­ner Be­völ­kerung (43%) bzw. der gesamtösterreichischen Bevölkerung (28%). Es sind PatientIn­nen mit teil­weise nie­dri­gem Bil­dungsgrad, mit Gewalterfahrung, von ländlicher Her­kunft und mit patriar­cha­lischen Werte­­normen, die Religion hat einen ho­hen Stellen­wert. So entstehen Konflikte mit den modernen Krank­heits­auf­­fas­sungen von ÄrztIn­nen, Pflegekräften und PatientInnen aus verschiedensten Kulturkreisen.

Medical Humanities leisten für die Medizin einen wesentlichen Beitrag zur Responsible Science-Initiative der EU. „Responsible Science“, im EU-Kon­text auch als „Responsible Re­search and Innovation“ (RRI) bezeichnet, bindet die Gesellschaft aktiv in For­schungs- und In­novationsprozesse ein, um aktuelle Herausforderungen effektiver und im Einklang mit den Wer­ten, Erwartungen und Bedürfnissen der Gesellschaft bewältigen zu können. Ziel der Medi­cal Humanities ist, in medizinischen und Gesundheits­berufen einen ver­ant­wortungs­­vollen Umgang mit dem technisch-wissenschaftlichen Fort­schritt zu vermitteln und für die Bedeutung eines empathischen Arzt-Patienten-Ver­hält­nisses in der Behand­lung eines multikulturellen PatientInnen­-Kol­lek­tivs zu sensibilisieren.

Veranstaltungshinweis:

International Conference Medical Humanities – Interactions between Medicine and the Arts

Logo: MMag.Margrit Hartl

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Kunstlicht verursacht Schäden. Auch irreversible. Die Antwort darauf? LICHTHYGIENE

Kunstlicht verursacht Schäden. Auch irreversible. Die Antwort darauf?

LICHTHYGIENE

P Heilig

Lichthygiene als umfassendes Maßnahmenpaket wäre die  Antwort auf all die zunehmend potentiell „phototoxischen“ Licht-Belastungen. Erste Lichtschäden manifestieren sich bereits in den Augen von Kleinkindern. Blendende Intensitäten der Photoblitze in den Augen Neugeborener gefährden deren vulnerable, noch nicht ausgereiften Netzhäute. Regel Nummer eins: Blendung vermeiden – immer- und als Empfehlung: den direkten Blick auf – womöglich blendende – Lichtquellen vermeiden.

Auf energiereiches, grell bläulichweiß strahlendes Elektronik-‚Spielzeug‘ starrt schon die Kinder-Peergroup, aus kurzer Distanz, stundenlang.. Zu den oben erwähnten Lichtschäden-‚Starterpaketen‘ gesellen sich weitere unerwünschte Wirkungen, vor denen nicht gewarnt wird: „Wenn schwarzer Text auf weißem Hintergrund gelesen wird, reduziert dies nach einer Stunde die Dicke der Chorioidea; beim Lesen weißen Textes auf schwarzem Hintergrund nimmt die Aderhautdicke zu.“ Sowohl beim Menschen als auch im Tierexperiment konnte gezeigt werden, dass dünnere Chorioidea eine Myopie-Entwicklung begünstigt, während dickere Aderhaut dies verhindert: „Black text on white paper heavily overstimulated retinal OFF-pathways.“
(https://ub.meduniwien.ac.at//?p=31486)

Von Krabbelstuben über Kindergärten, Fabriken, Büros, Einkaufstempel, beim Sport („TV-taugliche High Intensity z.B. LEDs“), auf Bühnen, bei „Events“, in Discos, bis zu Alters- und Pflegeheimen etc. wird überdosiert blaustichiges, potentiell phototoxisches Licht in die Augen der nicht vorgewarnten Opfer gestrahlt. (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=22675)

Blendungen und Ablenkungen durch überdosiertes Kunstlicht nehmen zu, unsinnigerweise besonders im Straßenverkehr. Zunehmend wurde die Intensität von KFZ-Scheinwerfern, Tagfahrlichtern, Warn- und Signallichtern etc. gesteigert. Derartige, meist blaustichige ‚Blendlaternen‘ irritieren, blenden und verringern die Gesamt-Straßenverkehrsicherheit.  Mittlerweile klagen so gut wie alle befragten Patienten, aber auch junge Personen mit gesunden Augen, über Blendungen im Straßenverkehr. Verirrte Lichtstrahlen isotrop strahlender HI-LED-DRL-Leuchten sind kontraproduktiv. Die Licht-Intensitäten liegen oft weit über sinnesphysiologischen Erfordernissen.

Visuelle Systeme detektieren bereits einzelne (!) Photone. Retinale Adaptation ermöglicht Anpassung an einen ~1012 – fach höheren (d.h. helleren) Photonenfluss. Die Wieder-Erholungzeit nach Lichtstress (retinal recovery time) verlängert sich mit zunehmendem Alter, vor Allem dann, wenn die Netzhaut bereits irreversibel vorgeschädigt ist – z.B. aufgrund zeitlicher Summationen akuter und chronischer überdosierter Lichtbelastungen. Licht-‚Überakzentuierungen‘ (DRL z.B.) können vom retinalen Niveau über komplexe kognitive (störanfällige) Prozesse bis zur praefrontalen Verarbeitung schwerwiegende Wahrnehmungsausfälle (Inattentional Blindness etc.) samt möglicher fataler Folgen, in erster Linie  im Strassenverkehr, verursachen.

Die Zahl der bei Straßenverkehr-Unfällen verletzten und getöteten Kinder nimmt seit dem nicht ‚Evidenz-basierten‘ “Licht-am-Tag“ Modus bedenklich zu (Lichtquellen: KFZ- etc. -Scheinwerfer, Zusatzleuchten, Tagfahrlichter* = Daytime Running Lights/DRL). Derartige Licht-Stimuli bei Tageslicht lenken die Aufmerksamkeit der KFZ-Lenker von schwächeren Verkehrsteilnehmern unweigerlich ab (ganz besonders gefährdet: Kinder, besondes am ‚Schutz‘(!)weg). Die Erklärung: „Inattentional Blindness“ durch kapazitiven Overflow (Überstimulation) der Arbeits- und visuellen Kurzzeit-Speicher des ZNS samt begreiflicher Fehl-Urteile fehlinformierter Jurisprudenz – in Folge. 

Dauerlicht in Privat-Gärten schadet Flora und Fauna und hält keinen einzigen Einbrecher fern. Auch ‚Rottweilerlicht-Strahler‘  – maximal helle Scheinwerfer zum ‚Schutz‘ offenbar wertvoller Latifundien und Gebäude – schrecken Kriminelle keineswegs ab.

Nächtlich verirrtes Kunstlicht darf nicht von außen in Schlafräume eindringen („Light Trespassing“); selbst erstaunlich geringe Lichtintensitäten können „Chronodisruption“ mit unerwünschten (unter Anderem gesundheitlichen -) Folgen verursachen.

Lichtwerbung, besonders enervierend in „dynamisch“, blinkender Ausführung oder als ‚laufende Bilder‘, irritiert, lenkt ab, auch bei schwacher Lichtintensität – dies erweist sich als besonders problematisch am Straßenrand. Der ablenkend-aufmunternde, immerhin überschwellige Schriftzug – „Schau auf die Straße!“ – stimmt zumindest nachdenklich.

Straßenbeleuchtung: „Full-Cut-Off Leuchten“ (null UV-Emission und reduzierter Blau-Anteil), ohne aberirrende Lichtstrahlen über die Horizontale, werden gefordert. http://www.hellenot.org/themen/gesetz-norm-und-leitfaden/

Fahrrad-, E-Roller, „E-Toy“-Lichter sowie zahllose weitere unsägliche Light-Pollution- erzeugende „Contraptions“ im Straßenverkehr verstoßen gegen gesetzliche Bestimmungen, blinken, blenden und lenken zum Teil stärker ab als manch fehlentwickelte KFZ-Leuchte. Jeder Lichtstimulus, auch in periphere Gesichtsfeld-Anteile projiziert, löst zwangsläufig visuell-kognitive Prozesse aus, die im ZNS ‚verrechnet‘ werden: Worst case-scenario bzgl. Überdosis und Überstimulation: Inattentional Blindness. http://lightmare.org/

Der schlechte Ruf macher Statistik birgt einen kaum jemals erwähnten Systemfehler in sich (‚bias‘): „Near misses“, Beinahe-Kollisionen. Die jeweilige Analyse bedarf eines bis heutzutage noch nicht berücksichtigten Korrekturfaktors. Risikoforscher kalkulieren mit Risiko-Wahrscheinlichkeiten – aufgrund  von Wahrnehmungsforschungen (psychometrisches Paradigama). Konkret: Ablenkungen durch Licht- Überstimulation erhöhen signifikant das Risiko von Unfällen.

„Zeitgeberhygiene“, ein Terminus Technicus aus den Werkzeugkästen der Chronobiologen ließe auf einen etwas behutsameren Umgang mit chronobiologischen Erfordernissen hoffen; Im Klartext: Vermeiden von Chronodisruptionen; späterer Schulbeginn, zurück zur Natur, das hieße – dem ungestörten Dunkel der Nacht, zu Lichtintensitäten und Spektren, welche sinnesphysiologische Gegebenheiten und Kapazitäten berücksichtigen, dem Vermeiden verirrter Lichtstrahlen – zur Unzeit, am falschen Ort, zur falschen Zeit, in die falsche Richtung (Beispiel: isotrope DRL-Strahlen) etc.

Auch die mit Recht zu befürchtende epigenetische Prägung im Sinne weiterer Dosissteigerungen der grell-‚blaustichigen‘ Droge Kunstlicht blieben nächsten Generationen – wäre zu hoffen – erspart.

Lichthygiene könnte unbemerkte, unerwünschte Gewöhnungen dieser und auch folgender Generationen an immer höhere, unphysiologische, potentiell phototoxische  Lichtintensitäts-Niveaus verhindern – und damit auch den Faktor Lichtschäden als Noxe in der Pathogenese der Maculadegenerationen, aber vor Allem die weltweit sich besorgniserregend ausbreitende Myopie-Epidemie endlich eindämmen.

Dunkler Hintergrund, auf allen Monitoren, auch auf Smartphone-Displays, wird zum Gebot der Stunde. Blaue Schrift (S-cones fehlen im Netzhautzentrum) wird obsolet. Gelbliches Licht verbessert messbar das Kontrastsehen, streut und blendet weniger, ist kaum jemals potentiell phototoxisch (verglichen mit energiereichem kurzwellig dominiertem Licht) und – senkt, im Tierversuch gemessen, den Augendruck. (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=33336)

Epilog: Allgemein wäre wärmeres, niemals überdosiertes Kunstlicht wünschenswert. Die Augen der ganz Jungen und der Alten bedürfen besonders des Schutzes vor energiereichem bläulich-intensivem Licht (cave zeitliche Summation von Lichtnoxen). Der Trend zu aggressiv- kaltweißem Licht wird eines Tages in Vergessenheit geraten sein. Das oft überdosiert-intensive kurzwellige Ende des Spektrums – bis ~ 450 nm – wäre durchaus entbehrlich, vor Allem die ‚blue peaks‘ im Spektrum der meisten LEDs). Eines Tages wird auch die kontraproduktive ‚Light-Pollution‘ Geschichte sein – eines Tages – vielleicht.

*Licht-am-Tag/Tagfahrlicht gefährdet ALLE nichtmotorisierten Straßenverkersteilnehmer (v.A. Kinder): “Das Tagfahrlicht verstößt gegen The Convention Concerning The Power of Authority; The Law in Respect of the Protection of Infants (1969); The Bond of Protection; The Principle of Equality; Declaration of Human Rights (1948) Article 3; The Laws of Logic; Public Ethics and Morals.

Eine EU-Tagfahrlicht-Richtlinie wäre schwerlich mit der Erklärung der Rechte des Kindes von 1959 in Einklang zu bringen, nach der Kinder besonderen Schutz genießen. Auch Art. 2 Abs. 1 des Internationalen Paktes vom 19.12. 1966 über bürgerliche und politische Rechte räumt jedem Kind das Recht auf diejenigen Schutzmaßnahmen durch die Gesellschaft und den
Staat ein, die seine Rechtsstellung als Minderjähriger erfordert.

Eine Gefährdung insbesondere von Kindern durch das zwingende, staatlich angeordnete Fahren mit Taglicht könnte diesen Schutzpflichten und -rechten widersprechen“
(Attorney- at-Law Dr. G. G. Sander, M.A., Mag. rer. publ.).

Aleman AC et al (2018) Reading and Myopia: Contrast Polarity Matters. Scientific Reportsvolume 8, Article number: 10840.  doi: 10.1038/s41598-018-28904-x.

Interest: no

Gender: beyond

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: TiefseeTiefen

Marine Biome

Unzählige Mikroorganismen, insgesamt ~ 1030  Bakterien und Archaea, beeinflussen das Klima dieses Planeten seit etwa 3.8 Milliarden Jahren.  An die 1011  Menschen bewohnten bisher die Erde und verdank(t)en unter Anderem diesen Mikroorganismen ihr Leben.   DOI: 10.1038/s41579-019-0222-5. Nun warnt die Wissenschaft vor dem Klimawandel im Anthropozän und vor widrigen Einflüssen auf die „microbial unseen majority“. Unvorstellbar große Mengen von Mikroorganismen, die marinen Biome, breiten sich über ungefähr siebzig Prozent der Gesamtoberfläche dieses Planeten aus; sie werden im Zusammenhang mit Klima kaum jemals erwähnt, merkwürdigerweise.

Im ewigen eisigen Dunkel der Tiefsee sind hydrothermale Quellen,“schwarze Schlote“ verborgen – an den Schwachstellen der Erdkruste, dort wo Kontinentalplatten abtauchen oder auseinander driften. Glühendes Magma erhitzt Meerwasser und Schwefelverbindungen, Schwermetalle etc. auf hunderte Grade. In diesem lebensfeindlichen, sauren Milieu schwarzer – und weißer Raucher entstand das Leben. Thermopile chemoautotrophe Bakterien gewinnen Primärenergie durch Chemosynthese, reduzieren CO2 (http://www.geo.tu-freiberg.de/Hauptseminar/2008/antje_lenhart.pdf) und dienen Würmern, Muscheln, Crustaeae und sogar Fischen als Nahrung. Effektive symbiotische Bakterien-Lebens-Gemeinschaften optimieren und stabilisieren das Nahrungsangebot dieser Extrem-Zonen.

Erzschlämme an diesen Plattenrändern wecken Begierlichkeiten der „Deep Sea Miners“ (Tiefsee-Mineure); Polymetallknollen (v.A. in der Clarion-Clipperton-Zone), Mangan, Nickel, Kobalt, Kupfer, Massivsulfide, Schwermineralseifen, Molybdän, Selen etc. üben unwiderstehliche Anziehung auf Industrienationen  aus. Tonnenschwere Walzen- und Fräsen-Roboter brechen den Meeresboden auf. Aufgewühltes Schlamm/Metallgemisch, samt ‚Beifang‘, wird auf Aufbereitungschiffe gepumpt. Lärm, Vibrationen, Licht, Sedimentwolken, Schadstoffe (s. Nahrungskette) verursachen Schäden, deren Ausmaße nicht abschätzbar sind.  http://www.ozeanien-dialog.de/?p=1561

Methanhydrate aus der Tiefe sollen den globalen Energiehunger stillen. Von irreparablen Schäden an der Biodiversität abgesehen, drohen Methan-Freisetzungen mit unkalkulierbaren Klimaschaden-Risken. https://www.deepwave.org/nein-zum-raubbau-an-der-tiefsee/

Mikroben bauen bis zu 90 Prozent klimarelevanter Gase – in erster Linie Methan ab und verhindern dadurch schädliche Auswirkungen auf das globale Klima. Röhrenwürmer – bis zu 60 cm in den Boden gebohrt, pumpen Meerwasser in tiefere Schichten; dort verarbeiten Mikroorganismen Methan als biologische Filter für Treibhausgase. Dadurch entweicht kaum Gas ins Meereswasser – ein subtil aufeinander abgestimmtes  Equlibrium. Nach Zerstörung eines derartigen Öko-Gleichgewichtes kann bestenfalls nach Jahrzehnten – mit einer effizienten Wiederbesiedlung gerechnet werden. https://www.mpg.de/12419708/methan-filter-in-der-tiefsee-entsteht-erst-nach-jahrzehnten

Seismologie:

Änderungen der Scherspannung an Plattenrändern können  Scherbrüche und in der Folge Tsunamis induzieren. Anthropogen ausgelöste Änderungen tektonischer Coloumbspannungsraten sind auch in noch so raffiniert programmierten Seismizitätsmodellen schwer zu beurteilen und bezüglich einer Wahrscheinlichkeitsvorhersage extrem problematisch. Erdbeben auf Tag, Stunde und Magnitude genau zu prognostizieren, ist unmöglich.

Hier ein Beispiel für hochdifferenzierte Symbiose im Ozean:

Kentrophoros, eine Riesenzelle, in sandigen Meeresböden beheimatet, beherbergt Milionen schwefeloxydierender Symbionten – Wimpertierchen/Kentron-Bakterien, welche Abfallprodukte ihrer Wirte in Biomasse umwandeln können. Damit ist verbunden: die Fixierung von CO2. DOI: 10.1128/mBio.01112-19

Circulus vitiosus-‚Symbiosen‘:

Symbiosen zwischen Wirtschaft und Ressourcenverschwendender Rüstungsindustrie sind en vogue. Prosperierende BIP-Wirtschaftwachstumspiralen (Biswanger) gedeihen gut auf seltenen Erden und seltener werdenden Metallen – in Zukunft aus den Tiefen der Meere? Prospektoren, Spezialisten für „Abbauwürdigkeit“ von Lagerstätten läuteten einen ‚deep layer gold rush‘ ein – „Tiefsee-Goldrausch“ samt irreparabler Kollateralschäden: Die Zerstörung von Biotopen samt Aufwirbelns potentiell toxischer Abraum-Sedimentwolken; diese werden durch Meeres-Strömungen unkontrollierbar verteilt. Weiters sind zusätzliche massive  Gefährdungen des bereits bedrohten Fischbestandes zu befürchten.

Geschädigte marine Biome schaden dem Klima und Ökosystemen im Anthropozän-Circulus Vitiosus und – der Klimawandel schadet vice versa den den Mikroorganismen.  

https://dredging.org/news/news/ceda-deep-sea-mining-information-portal-goes-live/detail_news=0048_000334_000000

http://nabf219anw2q7dgn1rt14bu4.wpengine.netdna-cdn.com/files/2016/06/Resource_Roulette-1.pdf

https://dev.deepwave.org/environmental-groups-call-for-a-u-turn-on-deep-sea-mining/

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: MRGC, eine retinale Schlüssel-Zelle

In Concept Ophthalmologie 6/2019:

MRGC, eine retinale Schlüssel-Zelle

Peter Heilig

Geblendetes, „blindes“Mäuschen Illustrationen: PeterHeilig

Intrinsisch photosensitive Melanopsin exprimierende retinale Ganglienzellen haben Schutzfunktionen.

Zapfen und Stäbchen neugeborener,
noch blinderMäuse sind auch
elektrophysiologisch stumm.
Dennoch meiden die Tiere grelles
Licht (light aversion), denn die
MRGC (Melanopsin exprimierenden
retinalen Ganglienzellen)
bzw. ipRGC (intrinsisch photosensitive
Melanopsin exprimierende
retinale Ganglienzellen) sind in
dieser frühen Phase bereits depolarisierend
aktiv und werden
damit einer besonderen Aufgabe
gerecht:demSchutzderNetzhaut
vor Lichtschäden.

In chronobiologischen Studien
haben diese Zellen manch tückischen
Streich gespielt: In klinisch
blinden Vergleichsgruppen fanden
sich Retinae mit intakten
MRGC; dies verwässerte die Resultate
circadianer Studien (circadian
photoentrainment) durch Melatonin-
Suppression (Hannibal et al.
2004), denn die widerstandsfähigen
MRGCs (Cui et al. 2015) können
unter anderem hereditäre
mitochondriale Neuropathien
überleben, z. B. Lebersche Hereditäre
Opticus-Neuropathie LHON),
AD-Opticusatrophie, retinale Dystrophien
(Keeler prophezeite die
Funktionen der MRGCs bereits im
Jahre 1928, Sekaran et al. 2003,
Warren et al. 2006, Li et al. 2008).

Fünf Untergruppen derMRGC waren
bekannt, bis nun eine sechste,
die M6-Zelle, entdeckt wurde
(Quattrochi et al. 2019). MRGCEigenschaften
wurden gelegentlich
vereinfacht dargestellt, jedoch:
„… signal transduction in
ipRGCs ismore complex than originally
thought“, kritisierte Detwiler
(2018, Sonoda et al. 2018) mit
Recht. Ein Beispiel: „Polychromatisches
Licht war wirkungsvoller in
der Unterdrückung nächtlichen
Melatonins als monochromatisches
blaues Licht“ (Revell et al.
2007, Souman et al. 2018). Synaptische
Inputs über die Verdrahtung
mit Stäbchen und Zapfen machen
dieses Phänomen verständlich.

Einige ausgewählte MRGC-Funktionen:
Photoentrainment (nonimage
forming visual functions),
Pupillar-Reflex, grobes Formensehen
(pattern vision), die Fähigkeit
der MRGC-Dendriten, direkt
auf Licht zu reagieren (Berson et
al. 2002), Kontrastsehen (Potackal
et al. 2018). Große Bereiche von
Hell- und auffällig langsamer
Dunkeladaptation: „Dark adaptation
in ipRGCs ismuch slower than
in rods and cones. Even after one
hour, ipRGCs appear to continue
todarkadapt –anexact timepoint
for full dark adaptation is not feasible
with electrophysiological
approaches … the authors estimate
the time course to be at least
several hours“ (Wong et al. 2005).
Die „langsamen elektrophysiologischen
Potentiale“, wie die klinischer
Elektro-Okulogramme (Thaler,
Heilig 1974), stehen offenbar
mit diesen trägen adaptativen
MRGC-Prozessen in Verbindung.

Farbsehen – „changes in light colour,
not intensity, are the primary
determinants of natural circadian
activity“ (Pauers et al. 2012, Stabio
et al. 2018), auch „low level light
detection“, „Raumgeber“ (Spitschan
et al. 2017), Kontrastfunktionen
und Regulierung des Augendrucks:
Gelbfilter (465-480 nm) reduzierten
im Tierexperiment den
Augendruck um erstaunliche 45
Prozent via Melanopsin-Melatonin-
Einfluss auf die Kammerwasser-
Produktion (Lledo et al. 2019).

Degeneration und Verlust von
MRGCs kann circadiane Funktionen
in Form von Schlafstörungen
beeinträchtigen (Ortuno-Lizaran
et al. 2018), z. B. durch Morbus
Parkinson,Diabetesmellitus,Morbus
Alzheimer, Smith-Margenis
Syndrome (Barboni et al. 2018),
weit fortgeschrittenes Glaukom
(Obara et al. 2016). Retinale Lichtschäden
werden passager (?) von
reduzierten Melanopsin-Expressionen
(down regulation) begleitet
(Garcia-Ayuso et al. 2017).

Eine subretinale humane Melanopsin-
Gentherapie (ectopic expression
of melanopsin) in Endstadien
retinaler Dystrophien
und -Degenerationen wird weiterhin
als eine vielversprechende
mögliche Option – „Longterm-
Restauration“ – erforscht (De Silva
et al. 2017, Ameline et al.
2017).

Epilog: Scheinbar Widersprüchliches
erinnert an Teilchen- und
Wellencharakter des Photons; je
nach Untersuchungsmethode
und Interpretation offenbaren
sich verschiedene Facetten der
MRGC-Familie (expression of
mRGSc). Anatomische Asymmetrien
und Dynamik in Krankheitsverläufen,
z. B. „Ab-accumulation
bei Morbus Alzheimer (La
Morgia et al. 2015) oder Experimenten
wie chronische (LP-OHT)
oder akute (A-OHT) okuläre Hypertension
und nach intraorbitalerOpticNerve
Transection (ONT)
oder Crush (ONC ;Vidal Sanz et al.
2017, Sanchez Migallion et al.
2018), Ischämie, Lichtschäden,
vergleichende Forschung (Jeong
et al. 2018), genetisch-selektive
Melanopsin-Deletion (Wang et
al. 2017) etc. eröffnen immer
neue Aspekte samt zukünftigen
therapeutischen und prophylaktischen
Möglichkeiten.

Besonders eindrucksvoll ist die
signifikante Reduktion der
Kammerwasserproduktion
durch Gelbfilter (Lledo et al. 2019) – ein
weiterer Hinweis auf die potienziell
schädigende nicht nur phototoxische
Wirkung kurzwellig
dominierenden Kunstlichts (blue
enriched glaringwhite light).

Literatur:
1. Quattrochi LE et al. (2019) The
M6 cell: A small-field bistratified
photosensitive ganglion cell. J
CompNeurol 1;527 (1): 297-311
2. Lledo VE et al. (2019) Yellow Filter
Effect on Melatonin Secretion
in the Eye: Role in IOP Regulation.
J Current Eye Research 44
(6):614-618

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