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Gastbeiträge

Dr. Werner Horvath: Mythologie, Kunst und Medizin – Pandora und die Seuchen

Mythologie, Kunst und Medizin – Pandora und die Seuchen

Pandora ist eine Figur aus der griechischen Mythologie. Auf Anweisung von Zeus wurde sie von Hephaistos aus Lehm als erste Frau geschaffen. Sie war ein Teil der Strafe für die Menschheit wegen des durch Prometheus gestohlenen Feuers. Prometheus’ Bruder Epimetheus heiratete sie gegen dessen Rat.

Zeus wies Pandora an, den Menschen eine Büchse zu schenken und ihnen mitzuteilen, dass sie unter keinen Umständen geöffnet werden dürfe. Doch sogleich nach ihrer Heirat öffnete Pandora diese Büchse. Daraufhin entwichen aus ihr alle Laster und Untugenden, Krankheiten und Seuchen. Zuvor hatte die Menschheit keine Übel, Mühen oder Krankheiten und auch den Tod nicht gekannt.

Das Bild „Die Seuchen – Pandora und Epimetheus“, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm von Werner Horvath, nimmt diese Thematik auf. Aus der geöffneten Büchse der Pandora entweichen die verschiedenen Krankheitserreger der großen Seuchen und zwar mikrobiologisch richtig dargestellt.

Die Reihenfolge der Seuchen auf dem Bild ist keine zufällige, sondern sie folgt deren chronologisch dokumentiertem  Auftreten über die Jahrhunderte. Den Erkrankungen der Antike wie  „Attische Seuche“ oder „Antoninische, Cyprianische und Justinianische Pest“, ist ein bestimmter Erreger nicht mit Sicherheit zuzuweisen. Aber dass es sich beim sog.  „Schwarzen Tod“, der 1346 – 1353 in der Alten Welt etwa 25 Millionen Tote forderte, um  die Pest gehandelt hat, gilt dagegen als sicher. So ist auch auf dem Bild ganz unten der Erreger der Pest dargestellt, nämlich das Bakterium Yersinia pestis.

Es folgt von unten nach oben Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis, der um 1500 neu in Europa auftrat und seuchenartig grassierte. 30 Jahre später forderten Pockenviren in Mexiko 5 – 8 Millionen Tote und zwar vorwiegend Indianer. Pest und Pocken traten im Lauf der Jahrhunderte immer wieder auf. Um 1813 brach das Fleckfieber in Mainz aus, verursacht durch Rickettsien, die ebenso auf dem Bild dargestellt sind (ca. 30.000 Opfer). Es folgten Cholera (Erreger Vibrio cholerae, ein begeißeltes Bakterium), Poliomyelitis hervorgerufen durch Viren, und um 1900 dann Typhus in Südafrika mit ca. 58000 Betroffenen und  9000 Toten. Auch die „Spanische Grippe“, hervorgerufen durch die Virusgruppe Influenza, schlug um 1920 mit bis zu 50 Millionen Toten zu Buche. Seit 1980 ist das HIV-Virus weltweit bekannt und kostete bis 2016 bereits 36 Millionen Menschen durch „AIDS“ den Tod. Zika-Virus, Ebola und Dengue-Fieber ergänzen die Palette. Auch sie sind auf dem Gemälde zu sehen.

Auf diese Weise wird durch die stark an die mikrobiologische Realität angelehnte künstlerische Darstellung der Seuchenerreger ein großer Bogen von der griechischen Mythologie bis hin zur modernen Medizin gespannt. Auf die nicht minder interessante  Geschichte des Titanen Epimetheus, der im Hintergrund dargestellt ist, soll hier nicht näher eingegangen werden.

Weitere Gastbeiträge von Dr. Werner Horvath–>

Aktuelle Ausstellung von Dr. Werner Horvath:
Ausstellung des Österreichischen Ärztekunstvereines in der Galerie der Eingangshalle des AKH Wien
STILLLEBEN
1090, Währinger Gürtel 18-20 
 Dauer: 7. bis 30. November

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Der blinde Mann, der sehen kann. Der Zauber des Lichts.

Der blinde Mann, der sehen kann. Der Zauber des Lichts.

„Doch da war das Licht. Das Licht übte auf mich einen geradezu faszinierenden Zauber aus. Jeden Tag danke ich dem Himmel, dass er mich schon als Kind, im Alter von nicht ganz acht Jahren, blind werden ließ. Ich weiß, daß ich seit dem Tag, an dem ich blind wurde, niemals unglücklich gewesen bin.. Ich sah das Licht. Ich sah es, obwohl ich blind war. Auch die Farben – alle Farben des Prismas – bestanden weiterhin. Das Licht breitete seine Farben auf Dinge und Wesen. Sie waren alle in einer Weise farbig gegenwärtig, wie ich es niemals vor meiner Erblindung gesehen hatte. Das Licht war für mich der Grund des Lebens. Ich ließ es emporsteigen wie Wasser in einem Brunnen und ich freue mich ohne Ende.“

Lusseyran erlebt und „sieht“ – gewissermaßen – intensiver als viele seiner Freunde und Kollegen. Er erhält Auszeichnungen in der Schule, wird Professor renommierter Universitäten und ‚Mastermind‘ einer Resistance-Gruppe, nahezu unfehlbar bei der heiklen Auswahl potentieller Mitstreiter. „Die Freude kommt nicht von außen; sie ist in uns, was immer uns geschieht. Das Licht kommt nicht von außen; es ist in uns, selbst wenn wir keine Augen haben.“

Schon Shankara (~788 – 820 n Chr) meinte, dass wir die Wirklichkeit nur unvollkommen erfassen. „In mir selbst ist das unendliche ungeteilte Meer der Freude. Darüber weht der Wind der Maya und schafft die Dinge dieser Welt. Und löst sie wieder auf, den Wogen gleich.“

Unsere vermeintliche Wirklichkeit, ein komplexes Konstrukt kognitiver Prozesse, aufbauend auf höchst lückenhaften „Daten“, darf auch heute bis zu einem gewissen Grad als Illusion definiert werden. Lusseyran hatte das Glück – so empfand er es – nicht abgelenkt von trügerischen visuellen Stimuli dieses ‚innere Licht‘ als beglückende Freude zu (er)leben.   

https://faszinationmensch.com/2013/03/09/wie-wirklich-ist-die-wirklichkeit-ist-alles-nur-illusion/  (W Singer, Max Planck Inst. f. Hirnforschung)

‚Wenn die Katze aus dem Haus ist, haben die Mäuse Kirtag‘ – dies gilt offenbar auch für das ZNS – nicht nur beim Träumen, sondern auch bei fehlerhaftem bis fehlendem visuellen ‚Input‘. Ein Zuviel (Blendung, Inattentional Blindness durch Überstimulation – siehe Tagfahrlicht) oder Zuwenig (Nicht-Erkennen, Fehlinterpretationen etc.) kann grobe Störungen verursachen: Schlichtes Unscharf-Sehen, Dyschromatopsien (erworbene Farbsinnstörungen) bis Amaurose, (Pseudo-)Halluzinationen, ‚amorph‘ oder strukturiert (z.B. Festungs-Skotom der Migraine Ophtalmique), Mikropsien, Makropsien, Dysmorphopsien, Polyopsien, Telopsien/Pelopsien etc. Komplexere zentrale Sehstörungen können sich als Gesichter, karikaturhafte Fratzen und sogar als bizarre szenische Abläufe manifestieren.  (Schiefer U et al Praktische Neuroophthalmologie (2003) Kaden).

Von klinisch relevanten pathologischen Befunden abgesehen (Neuro-Ophthalmologie) können ‚Genussmittel‘, Drogen, Toxine, Medikamentenüberdosierungen und -Nebenwirkungen, aber auch Trance (Initiationsriten mit Nahrung- und Flüssigkeit-Entzug), psychische  Erkrankungen, Temporallappen-Epilepsie ((pseudo-)religiöse Erfahrungen, ‚Damaskus-Erlebnisse‘, Visionen) etc. für Anarchie und Chaos im ZNS verantwortlich gemacht werden. Die normalerweise geordneten Bottom Up-Top Down-Pozesse laufen dann aus dem Ruder. Aufklärung und beratende Gespräche haben auf diesem Gebiet besondere Bedeutung um Ängste oder Panikreaktionen Betroffener zu verhindern – und um verunsicherten Patienten mögliche Nicht-Evidence-Basierte-Maßnahmen alternativer ‚Experten‘ oder Esoterik-Scharlatane zu ersparen.

Epilog: Über Euphorie durch Licht-Halluzination wird selten berichtet, ausgenommen in den beeindruckenden Schilderungen von Nahtod-Erlebnissen. „Das Licht kam näher und näher und drehte sich und brachte Fäden aus reinem, hellen Licht hervor, die hier und da mit Gold gesprenkelt waren .. es war die eigenartigste schönste Welt, die ich je gesehen hatte. Großartig, lebendig, ekstatisch, atemberaubend.. (Eben A (2014) Blick in die Ewigkeit. Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen. Ansata.) 

Lusseyran J (1981) Das wiedergefundene Licht. Die Autobiographie eines Menschen, den seine Blindheit sehen lehrte. Klett-Cotta; Ullstein

Ramachandran VS, Blakeslee S (2002) Die blinde Frau, die sehen kann. Rätselhafte Phänomene unseres Bewußtseins. Rororo

Arcaro M J et al (2018) Psychophysical and neuroimaging responses to moving stimuli in a patient with the Riddoch phenomenon due to bilateral visual cortex lesions.  Neuropsychologia – available online May 2018 (Riddoch phenomenon: robust and reliable spared functionality of the middle temporal motion complex (MT+) bilaterally)

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Neuromagie und Unfälle

Neuromagie und Unfälle

Allabendlich überlisten Magier auf der Bühne die kognitiven Prozesse ihres Auditoriums: Trickreich angewandte Neuromagie (‚magicology‘). Von magischen Cercles mit ihrer Mikromagie bis zur Groß-Illusion abgesehen, dürfen wir im Grunde unseren Augen nicht immer trauen. Vermeidbare Unfälle, vor Allem im Straßenverkehr, könnten die Folge sein.

Trompe l-Oeil/Trompe l’Esprit: Täuschung der Sinne/Täuschung des Sinnes (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=25819). http://www.michaelbach.de/ot/

Visuelle, kognitive und multisensorische Illusionen, Neuronale Adaptation, Nachentladung,Blendung, Netzhaut-Wiedererholungszeit (Retinal recovery time), Nachbilder, das cerebrale ‚Wirklichkeit‘-Konstrukt, Motion Induced -, Inattentional-, Change-,Choice Blindness, ’stehende Welle der Unsichtbarkeit‘ etc, Masking, Camouflage, Tarnung, Mimikri, Signalfäschung, Somatolyse, Exogenous attentional capture, Sensory capture, Passive misdirection, Overt and covert misdirection, Time misdirection, Expectations and Assumptions, Superstimulus, habituation/dishabituation (Kandel) etc. – alles Prozesse, die bei Mann und Maus im ZNS fest verdrahtet sind und unveränderlich so bleiben werden – Liste nicht vollständig. (http://www.sleightsofmind.com/media/standingwave)

Magier, Zauberkünstler, Ballsportler via Dribbling-, Fußball-, Handball-, Basketball-Tricks etc.), Trickbetrüger und Hacker nützen die Schwächen unserer Aufmerksamkeits- und Wahrnehmung-Systeme. Sie führen uns an der Nase herum. Beratungsresistente Verkehrs-Experten gefährden ständig Leib und Leben – wider besseres Wissen.

“Gesehen” wird streng genommen gar nichts: Lichtstimuli, Signale und Muster werden nach hierarchischen Kriterien verarbeitet (processing), über den Thalamus, mit einem “Menue” aller Sinneseindrücke weitergeleitet zum Cortex und über -zig neuronale Schaltkreise als zunehmend detaillierte Informationen aufgearbeitet, verglichen (bottom up – top down via inferotemporalen Cortex, Hippocampus, Colliculus sup., praefrontalen Cortex etc.) mit Erwartungen, Erfahrungen und Vermutungen. Schließlich entsteht die scheinbar wirkliche Wahrnehmung; diese ist jedoch ein gelegentlich grob von der Realität abweichendes Konstrukt höchst komplexer und damit auch fehlanfälliger Vorgänge:

„Linienbus kollidiert mit Bahn (18.9.18). Buslenkerin starb an der Unfallstelle. Einsatzfahrzeug kollidiert mit.., Radfahrer wird von Bahn -, von Straßenbahn -, Kind wird am Schutzweg von PKW, oder LKW oder . . erfasst.“

ad ‚hierarchisch‘: Stärkere, dominierende Stimuli (Tagfahrlicht, Spotlights, Scheinwerfer..) ‚fangen‘ die Aufmerksamkeit; der ’sensory input‘ wird neuronal verstärkt. Zugleich werden die umliegenden Regionen des visuellen Raums aktiv unterdrückt. Die schwächeren, weniger auffälligen Inputs (Bild des Kindes am Schutzweg) werden im schlimmsten Fall ‚ausgelöscht‘, das heißt nicht wahrgenommen (QED).

Weder gespannte Aufmerksamkeit, noch Trainings-Effekte, auch nicht Erwartungshaltung, Habituation oder wasauchimmer es sonst noch gäbe, können die möglichen – wie oben skizziert – fatalen Folgen vermeiden. Auch ohne statistisch und wissenschaftlich (EBM) basierte Analyse leuchtet ein, dass JEDES ‚verkehrsrelevante‘ Objekt exakt gleich viel Aufmerksamkeit verdient – und dass Ablenkungen wie zum Beispiel Überstimulationen (Tagfahrlicht/LichtamTag uÄ.) laufend fatale Unfälle (Kind am Schutzweg) provozieren.

 

Epilog: Ablenkung ist out. Multitasking geht gar nicht.

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Einladung zu „VERSTRICKTES VERWIRRTES ENTWIRRTES ENTWICKELTES“

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Myopie und die Müller’sche ‚Stützzelle‘.

Myopie und die Müller’sche ‚Stützzelle‘.

P. Heilig

Concept Ophthalmologie 6/2018, 30-31

Die triviale „Stützfunktion“ retinaler Müllerglia wird übertroffen durch manch raffiniertere Eigenschaft und Fähigkeit – eine soll hier erwähnt werden: Die optische Lichtleiterfunktion der Müllerzelle und ihr Bildtransfer durch die höchst komplex aufgebaute invertierte Vertebraten-Retina mit minimaler Verzerrung, reduzierter Streuung und kaum nennenswerten Verlusten.

Die Retina spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Entstehung emmetroper Achsenlängen des Auges. Die Feinabstimmung des Bulbuswachstums durch spezifische retinale Zelltypen und molekulare Prozesse konnte bisher noch nicht mit ausreichender Sicherheit definiert werden. Die retinale ON-Delayed-Retinal-Ganglienzelle (OND-RGC) lieferte erstmals eine Erklärung für Zusammenhänge zwischen Lichtstimulus-Spektren, retinalen Elementen und Myopisierungs-Tendenzen.

Auch eine Gliazelle – „Müller glia-derived PRss56“ (eine Serine Protease) beeinflusst als bisher unbekannter Faktor die sensiblen, fein aufeinander abgestimmten prae- und postnatalen Emmetropisierungs-Prozesse. Genetische Inaktivierung von PRss56 verursacht myopisierende Zunahme der Bulbus-Achsenlänge im Mäuse-Modell. Versuchstiere mit einer Null-Mutation des Transkriptionsfaktors Egr1 und  Bulbusachsen-Elongation i.e. Achsen-Myopie lieferten recht „brauchbare“ Resultate. Die Autoren prophezeien infolgedessen eine  prophylaktische oder möglicherweise therapeutische Anwendung ihrer Erkenntnisse bei der weltweit grassierenden  Myopisierung, eine Entwicklung mit endemischen Ausmaßen.

Besonders lässt eine Randbemerkung bezüglich der Heterogenität von Müller Zell-Populationen aufhorchen. Eine Subgruppe, lokalisiert vor allem in peripheren retinalen Arealen (“enriched in the peripheral region of the retina“) liefert Hinweise auf unterschiedliche retinale Funktionen der glialen Müllerzellen-Subspecies (“diverse retinal functions“). Dies erinnert an die Subpopulationen und Heterogenität intrinsic photosensitiver Melanopsin-exprimierender retinaler Ganglienzellen (MRGC) sowie Unterschiede hinsichtlich spektraler Sensitivität und Funktion. Beide oben erwähnten Zelltypen wurden jedoch traditionellerweise schlicht und vereinfachend als homogene Gruppen  eingestuft (“..traditionally been viewed as a homogeneous cell population“).

Das Nachdenken über mögliche Einflüsse peripherer retinaler Areale auf Myopisierungs-Prozesse hat noch keine konkreten oder sogar verwertbaren Ergebnisse gebracht. Vielleicht spielen die einzigartigen Lebend-Lichtleiter-Eigenschaften der in peripheren Netzhautarealen lokalisierten Müllerzellen (s. oben) eine gewisse Rolle. Apropos Licht: Erhöhte Lichtintensität rückt mehr und mehr in den Vordergrund bei der verzweifelt bemühten ‚Myopie-Prophylaxe‘. Die  häufig vom Sonnenlicht- abweichende Kunstlicht-Spektren werden jedoch allgemein zu wenig berücksichtigt. Während der Epoche kontinuierlicher (incandescent -) Glühbirnen-Kunstlicht-Spektren hielt sich die Myopie-Entstehung und deren Zunahme in Grenzen. Parallel mit der Entwicklung kurzwellig dominierten Kunstlichts (‚blue enriched white light‘) wurden und werden Trends rapider Zunahme axialer Bulbusachsen-Elongationen beobachtet. 

Die Licht-Industrie wird schon sehr lange und immer wieder über die Fehlentwicklung „Bläulich dominiertes Kunstlicht“ informiert – Brindley (S-cones: 1954): „..liefern keinen wesentlichen Beitrag zu Sehschärfe oder Formensehen“. Diverse Monitore und (HI-)LEDs etc. projizieren vornehmlich kurzwellig dominierte Spektren – nicht zuletzt in Kinder(!)-Augen. Die Entwicklung  hat sich in eine Sackgasse mit überdosiert grell-bläulichweiß dominierten Scheinwerfern und Tagfahrlichtern verirrt und findet offenbar nur sehr schwer wieder heraus. Tagfahrlichter (DRL) verursachen (‚worst case – since the advent of DRL‘) ‚Inattentional Blindness‘ und verschulden dadurch immer mehr Verkehrsunfälle mit Kindern, der seit DRL-Einsatz am stärksten gefährdeten Gruppe im Straßenverkehr.

Ad „Barrierefreiheit“: Blaue Schrift (s. Brindley) wird weltweit von nicht ausreichend informierten Web-Designern oder Programmierern für besonders wichtige Texte und Überschriften eingesetzt. Nicht nur Sehbehinderten wird damit ein Bärendienst erwiesen. Dunkler Hintergrund mit heller Schrift (reduzierte integrale Helligkeit, geringere und spätere ‚Office-Eye-Syndrome Symptomatik), Software, Apps, Filter, Brillen zur Blaulichtreduktion etc. können Abhilfe schaffen. Blaue Schrift verschwimmt oder verschwindet (Sehstörungen, trockenes Auge etc) geradezu am dunklen Hintergrund.

Funktionsausfälle bis zu ‚legal blindness‘ (retinale Lichtschäden, Myopie, AMD etc.) nehmen zu; Aufgabe einer prophylaktischen Ophthalmologie (siehe Lichthygiene) wäre es zu informieren und kontraproduktive Trends zu verhindern. Als Desideratum ist eine Rückkehr zu physiologischen Bedingungen zu fordern – ein Zurück zu natürlichen Kunstlicht-Spektren und -Intensitäten, ein Vermeiden der untragbaren ‚Light-Pollution‘, das Verbot von Tagfahrlicht und suffiziente Förderungen der Myopie-Grundlagenforschung. 

Epilog: Alle retinalen Funktionen konnten noch immer nicht erforscht und entschlüsselt werden; eine Synopsis mit Denk- und Lösungsansätzen lässt noch auf sich warten – ein wenig?

Franze K et al (2007) Müller cells are living optical fibers in the vertebrate retina. PNAS104 (20): 8287-8292

Mani A, Schwartz GW ( 2017)  Circuit Mechanisms of a Retinal Ganglion Cell with Stimulus-Dependent Response Latency and Activation Beyond Its Dendrites. Curr Biol.  20;27(4):471- 482.

Detwiler PB (2018)  Phototransduction in Retinal Ganglion Cells. Yale J Biol Med.  91(1): 49–52.

Paylakhi S et al (2018) Müller glia-derived PRSS56 is required to sustain ocular axial growth and prevent refractive error. PLOS. https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1007244

Heilig P (2017) Mini-Traumata, diverse. ConceptOphthalmologie 8, 28-29..

Heilig P Kunstlicht in unseren Augen https://www.youtube.com/watch?v=k9k_wG5lacA

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Kreativität

Kreativität  

„Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden. Man muss sie
auch gehen lassen“ Jean Paul

Elton Mayo untersuchte bereits in den Dreißiger Jahren des vorigen
Jahrhunderts, wie sich Beleuchtung auf die Produktivität von Arbeitern auswirkt (Hawthorne Werke): „Gar nicht“, lautete das
Untersuchungs-Ergebnis. Sehr im Gegensatz zu den „Stachanow“ – Methoden der Modern Times. Gnadenlos wird heute, als „Golden Standard“ mit grell-bläulich-weißem Kunstlicht ’stimuliert‘ um Vigilanz, Arbeitslust und Kaufwut zu erhöhen. ‚Kaltes‘, grelles kurzwellig dominiertes Kunstlicht (blue-rich-white-glaring light) strahlt in Krabbelstuben, Kindergärten, Schulen, Einkaufszentren, Büros, Fabriken, sogar in Altersheimen. „Blaulicht-Wecker“ hämmern grelle kurzwellige Lichtblitze in schlaftrunkene Gesichter und blenden dunkeladaptierte Augen, nur damit der „Motor“ unmittelbar nach dem Aufwachen auf Hochtouren läuft –
cui bono? Eine „Chronodisruption für geplagte, unmöglich
„umprogrammierbare“ Langschläfer, i.e. ungesunder frühmorgendlicher Stress.

Davon unterscheidet sich die Philosophie eines Kollegen, eines erfolgreichen und besonders aktiven Kollegen aus Indien. Seine Empfehlung lautet: „Wake up nicely!“ Möglicherweise ließe sich diese umsichtige und weise Empfehlung als prophylaktische Maßnahme auch gegen das laufend zunehmende ‚Burn out‘-Syndrom anwenden. Wenn endlich einmal
die der Chronobiologie von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt wird, etwa durch spätere Beginnzeiten der Schulen, die überfällige Abschaffung der Sommerzeit etc. dann wären bessere Leistungen (siehe PISA-Studie) zu erwarten. Ließen ‚Erzieher‘ den Kindern mehr Freiheit, dann könnte sich
deren Kreativität besser entfalten. Noch eine Metapher aus dem
Indischen: „Solange Kinder klein sind, gib ihnen tiefe Wurzeln, wenn sie älter geworden sind, gib ihnen Flügel“.

In der ältesten Augenklinik der Erde kamen die Ärzte vor mehr als
zweihundert Jahren mit erstaunlich geringen Licht-Intensitäten zurecht und leisteten unter diesen Bedingungen kaum weniger als die Belegschaften der Neuzeit in ihren schmerzhaft hell erleuchteten Instituten und Kliniken. Leonardo da Vincis geniale Kreativität entfaltete sich nicht deshalb, weil grelle blaustichige Beleuchtung „Motor“ oder „Stimulans“ seiner unbegreiflich vielseitigen, nieerlahmenden Schaffenskraft war. Das Spektrum seiner Lichtquellen ähnelte fatal dem der guten alten, aber ‚verbotenen‘ Glühbirne.

„So fördert Dämmerlicht kreatives Denken.. In einem Experiment sollten die Teilnehmer einen Außerirdischen zeichnen. Im Dämmerlicht von 150 Lux entstanden ausgefallene, abstrakte  Kreaturen, bei heller Beleuchtung von 1.500 Lux waren die Zeichnungen weniger phantasiereich. Nur selten
machen wir uns klar, dass die Beleuchtung unser Denken beeinflusst. High   – Intensitiy – LEDs und ähnliche Blendlaternen in unserer Arbeitswelt blenden Kreativität aus. Denn oft kann weniger Licht für mehr Erkenntnis sorgen.“

Neugier und Kreativität finden wenig Anerkennung nach frustrierenden – “Friday afternoon experiments” zum Beispiel. „Publish or perish“, aber unbedingt Positiva, lautet noch immer die Devise. „Creatively obtained negative results” werden selten honoriert – allein Erfolge, präsentiert im blendenden Rampen-Scheinwerferlicht. Ausgefallene Ideen waren es häufig, vom „Mainstream“ abweichende, welche den Boden für wertvolle
Neuerungen bereiteten. Der Schluss-Satz in Csikzszentmihayis Buch lautet: „Und was letztendlich wirklich zählt, ist nicht, ob ihr  Name an einer anerkannten Entdeckung klebt, sondern ob sie ein erfülltes und kreatives Leben geführt haben.“

Epilog: „.. So dim, dim the lights! Turn down the lights I want some
atmosphere..“ Bill lHaley

Yoshiike T et al (2018) Effects of bright light exposure on human fear
conditioning, extinction, and associated prefrontal activation. Physiol
Behav; 194:268-276
Csikzszentmihayi M (2015) Flow und Kreativität. e-book.
Gassmann O (2015) Kreativcode Hanser
Reckwitz A (2012) Die Erfindung der Kreativität. suhrkamp taschenbuch
wissenschaft
https://www.psychologytoday.com/blog/freedom-learn/201209/children-s-freedom-has-declined-so-has-their-creativity
Moore A (August 2017) Crediting curiosity and creativity in young
scientists: Beyond the standard publication record …BioEssays 39, 8
Editorial
https://www.elsevier.com/authors-update/story/innovation-in-publishing/why-science-needs-to-publish-negative-results
http://www.nature.com/nature/journal/v471/n7339/full/471448e.html?foxtrotcallback=true

Interest: no
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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Historia Ophthalmologiae

Historia Ophthalmologiae

Widerstände galt es zu überwinden – ständig und unaufhörlich – in der ruhmreichen Geschichte der Wiener Augenklinik(en).  

Ungewöhnlich war freilich das fortgeschrittene Alter des eben berufenen Klinikvorstandes (II.Universitäts-Augenklinik in Wien, ab 1883) Eduard Jaeger von Jaxtthal (1818-1884). Auch sein Großvater, Georg Joseph Beer (1763 – 1821) hatte sehr spät eine Augenklinik übernommen – es war bekanntlich die erste der Welt – und ist erst 55jährig, ein Jahr vor seinem Schlaganfall, der ihn zur Resignation zwang, und drei Jahre vor seinem Tode – im Jahre 1818 – Ordinarius geworden.“ 

„Bis Georg Joseph Beer seine Vision – die Gründung einer Augenklinik an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und damit verbunden die Schaffung der Augenheilkunde als neue, selbstständige ärztliche Disziplin – im Jahr 1812 werden sah, musste er genau 25 Jahre um Anerkennung ringen.1806 erkannte die Wiener Sanitätsbehörde Beers Bemühungen erstmals an und verlieh seiner privaten Armenordination Öffentlichkeitsrecht“. https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=27130

„Nachdem Beer durch seinen klinischen Privat-Unterricht zum wissenschaftlichen Emporkommen der Augenheilkunde nach besten Kräften das Seinige beizutragen bemüht war, legte er der Hochlöblichen k. k. Studien-Hofkommission einen von ihm entworfenen Plan zum öffentlichen klinischen Unterricht in den Augenkrankheiten vor, welchen Seine Majestät der Kaiser in jeder Hinsicht allergnädigst durch Hofresolution zu genehmigen geruhte.“ http://www.augen.co.at/special_2012/pdf/56-57_WieAllesBegann.pdf

„Vorerinnerung“  ( GJ Beer:Auszug aus dem Tagebuch eines praktischen Augenarztes) S.1 und 2 (jpg)

https://wog.meduniwien.ac.at/og-archiv/pdf/1799-MUW11A000700-beer-tagebuch.pdf

Bereits 34 Jahre vor der Systemisierung der Zweiten Universitäts-Augenklinik war ein vom Innenministerium befürworteter Vorschlag dem Kultusministerium unterbreitet worden. „Bei der außerordentlichen Zunahme der Frequenz würde der Übelstand geradezu gefährlich werden“ (Stellwag 1883)“. ‚Vorderhand auf sich beruhen lassen‘ – hatte die Devise gelautet, in k.k. Verhinderungshofrat-Beamtendeutsch – vierunddreißig lange Jahre.

Vor hundert Jahren hatte Prof. F. Dimmer für eine Reform des medizinischen Unterrichts plädiert: „Ferner erblickt man einen schweren Fehler darin, dass die Studierenden in theoretischer Richtung nicht ausreichend vorgebildet an das Studium etc..“

(Separatdruck aus der Wiener Klinischen Wochenschrift 1918  4, 71)

sine effectu: „Heilig, heut‘ hab‘ ich einen Brief ans Ministerium geschrieben, den müssen Sie sich unbedingt anschauen“ (Josef Böck. Leider war auch diesem pointiert stilistischen Meisterwerk kein Erfolg beschieden – nach uralter Tradition. „Die Beamten: die werd’n bleib’n“. Anton Kuh.

Epilog:

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis  – auch wenn sich die Zeiten ändern, ändert sich diese Gesellschaft – wir?

Wyklicky H (1984) Zur Geschichte der Augenheilkunde in Wien. 100 Jahre II. Universitäts-Augenklinik. Brandstätter.

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Bedroh(n)ung

  Bedroh(n)ung

 

Experten warnen: Insekten (Bienen!) und Vögel werden weniger. Handel und Industrie füllen entstehende Lücken mit Drohnen,

Lücken in der Schrott-Kontamination, welche sich von den Sphären des Alls bis in die Tiefen des Meeres ausbreitet. Drohnen drohen die letzte Bastion zu erobern, den Himmel über uns. Bedroh(n)lich.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, taucht ein Drohnen-Schatten auf, eine potentiell tödliche Gefahr, nicht nur für das Wild. KFZ-Lenker, überrascht und wie gebannt auf dieses Flug- Objekt starrend, könnten so ‚Straßenverkehrsrelevante Objekte‘ übersehen. Drohnen verursachen fatale Ablenkungen sowie kognitive Ausfälle, schlimmer als ‚Licht-am-Tag‘- Stimuli und ‚Tagfahrlichter‘ (Daytime Running Lights/DRL). Siehe ‚Inattentional Blindness‘.

Kritik an Drohnen entzündet sich in erster Linie an den unbemannten ferngesteuerten Tötungsmaschinen, zu deren Opfern mittlerweile tausende Zivilisten (inklusive Kinder) zählen. „Wenn die Entscheidung über Leben und Tod ausgelagert wird, ist am Ende niemand mehr für die Menschen verantwortlich, die umkommen. Sowohl Befehlshaber als auch Programmierer können sich von der Tat distanzieren “ (N. Schörnig).

„ Inzwischen ist der klassische Pilot zum Auslaufmodell geworden. US-Militärs (und andere) bilden heute mehr Drohnenpiloten als konventionelle Kampfflieger aus. Die meisten von ihnen sind Zivilisten, die das reale Schlachtfeld, etwa in den Bergen Afghanistans oder in den Wüsten Jemens, niemals betreten werden.

Wie in einem Computerspiel töten sie Menschen, die sich viele tausend Kilometer entfernt befinden, per Knopfdruck, bevor sie wie andere Menschen mit einem normalen Arbeitsalltag ihre Schicht beenden, Feierabend machen und nach Hause zu ihren Familien gehen. »Es ist so, als ob man auf Ameisen tritt und danach nicht mehr daran denkt«, gab etwa Michael H., ein ehemaliger Drohnenoperator der US-Luftwaffe, später zu Protokoll. Während seiner sechsjährigen »Karriere« saß H. im Luftwaffenstützpunkt Creech in Las Vegas und tötete mit dem Joystick in der Hand Menschen in Afghanistan. Wer sie gewesen sind, weiß er nicht. Obwohl H. seine Verbrechen offen zugibt und sich gegen den Drohnenkrieg ausspricht, können die Angehörigen seiner Opfer nicht auf Entschädigung oder die Aufarbeitung seiner Taten hoffen“.

Technische Defekte, Software/Programmier-Probleme, Computerviren, Trojaner etc., Hacker, Terroristen, Drohnen-Abstürze (über dem Apple-Hauptquartier, M. Hirscher – Attacke usw.), Paket-Abstürze, Störungen des Flugverkehrs (Gesetzeslücken nach wie vor), Datenschützer: „schwere Eingriffe in Grundrechte“, „Verstöße gegen Völkerrecht“ und „Beihilfe zu Kriegsverbrechen durch Kampf-Drohnen“, seit vielen Jahren juristisch ungeklärte Versicherungspflicht für UAV (unmanned areal vehicles) auch hinsichtlich der Polizei-Drohnen, welche weltweit „im großen Stil in Verwendung“ sind, als Schwarm z.T.

dauerhaft in der Luft – „nicht generell zulässig“, samt Kollisionen und Abstürzen, Übergänge zu und Vermischung mit militärischen Einsätzen, autonome Drohnen (‚unguided missiles‘), Drogen-Drohnen etc. (Liste nicht vollständig).

Niemand will Drohnen-Piloten ihr Hobby madig machen. Und niemand zweifelt an wertvollen Drohnen-Einsätzen. Wenn oben skizzierte Probleme behoben, ethische, rechtliche, Versicherungs- und Verkehrs-technische Fragen beantwortet sowie Rahmenbedingungen abgesteckt sein werden, dann mögen die UAVs ihre Kreise ziehen, ohne unerwünschte Wirkungen und schädliche Nebenwirkungen (NW), vergleichbar Therapieformen in der Medizin. „Hersteller haften“. Nicht nur sie.

Noch hängt der Himmel nicht voller Drohnen; abwarten und Tee trinken.

Feroz E (2017) Tod per Knopfdruck. Westend.de

Robert Y (1962) Der Krieg der Knöpfe (La guerre des boutons) pfiffig-erfrischender Filmklassiker, Gesellschaftskritik; nach einem Roman von Louis Pergaud (1912)
 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783845265636-178/kampfdrohnenpiloten-und-  ptbs-fuersorgepflicht-des-staates-bei-psychischen-belastungen-der-soldaten-in-der- bundeswehr

Platon Nomoi; Gesetze VIII “Wenn Du Frieden willst, plane Krieg” Interest: no

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Einladung zu „VERSTRICKTES VERWIRRTES ENTWIRRTES ENTWICKELTES“

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: „Otto Lechner: Der Kanari oder Die Macht der Musik“

Otto Lechner:
Der Kanari oder Die Macht der Musik

In seiner Antrittsrede in der Augartenstadt war zu hören: „Sie werden jetzt vielleicht sagen, wir hätten einen Vogel… ich sage ihnen: wir werden diesen Vogel fliegen lassen..“ so   sprach der Designierte Bürgermeister der Augartenstadt,
OTTO LECHNER, der Akkordeonist, ein strahlender Stern an unserem Musikhimmel. Und eines Tages erzählte er die unvergessliche Episode von der der Daumsltant ihrem Kanari:

„Ich war fünf Jahre alt und ging mit meiner Oma zur Großtante um ihr zum Geburtstag zu gratulieren.

FranzOnkel und Daums(ch)l wohnten in einem kleinen Haus. Sie hatten keinen Radio und Fernseher sowieso nicht.

Sie hatten nix – nur einen Kanarivogel. Ich bin hingekommen – mit meiner Ziehharmonika um der Daumsl zum Achtziger zu gratulieren – und spiel den Schneewalzer (mein normales Repertoire). Der Karienvogel, der wahrscheinlich in seinem Leben zum ersten Mal Musik gehört hat, hat  ang’fangen zum Singen, dass es einfach eine Freude war!

Und ich spiel, wie gesagt, den Schneewalzer und dann kommt: ‚Oide, geh ziag ma de Schuach aus‘ – und ich hör auf mit dem Lied – es ist ganz still – und alle weinen. Es hat sich herausgestellt, dass den Kanarivogel der Schlag getroffen hat!

 

Er ist vor lauter Aufregung vom Spriesserl g’fall’n und war tot. So hab ich der Daumschl ihren Kanari mit Musik um die Ecke gebracht. Dann wird man entweder Musiker oder net. Und so erwirbt man ein gewisses Bewusstsein für die Macht der Musik.“

Diese unübertreffliche „Moritat“ braucht weder Kommentar noch Ergänzung

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Geist und Ungeist

„Alles Leben in Staat und Gesellschaft beruht auf der stillschweigenden Voraussetzung, dass der Mensch nicht denkt“.                      Karl Kraus

In jeder (‚hohen‘) Kultur schlummert ab der Stunde ihrer Entstehung ein Keim der Dekadenz. Die Rangordnung der Werte ändert sich, ungeprüftes, unverdautes ‚Wissen‘ wird nach oben gespült, basierend auf zweifelhafte Quellen. Der Mangel an wissenschaftlichen Gremien und institutionalisierten Peer Reviews, verzerrte Darstellungen, politische oder extremistische Einflüsse, Esoteriker- und Geschäftemacher, Lobbyisten-Einflüsse, wertloses ‚Kübelwissen‘ (Sir Karl Popper) begräbt (.., Ethik..) Fundiertes, Kritisches und – Weises. Garbage in Garbage Out (Gigo). Untiefen entstehen – samt ’spirituellem Faulschlamm‘.

Hohlköpfe steigen auf in höchste Positionen (Peter’s Principle, Founder’s Law); in  dünner Luft dieser anthropogen modifizierten Atmosphäre (s. Treibhausgase) materialisieren sich einsam getroffen unreflektierte Spontan-Entscheidungen. Kritik, ‚Shitstorm‘ oder gar karikaturistisch-kabarettistische Überhöhungen dieser zur Regel gewordenen Realsatire führen zu nichts. Die Wurzeln des ‚Mysteriums‘ Dummheit (L. Ungar) verzweigen sich tiefer.  Auch der Pseudowissenschaft, Pseudoreligiösem, Fake-.., Postfaktisch- Alternativem  oder anderen, vermutlich einer Art Kanaksprak entnommenen Phänomenen sollte das oben erwähnte Dilemma nicht angelastet werden.

Auch wissenschaftlich dokumentierte überdurchschnittliche ‚Intelligenz‘ einer starken, leitende Funktionen innehabenden Figur hülfe nicht. Wie so oft sollte das Übel an der Basis (besser – Wurzel?) gesucht werden. Genetik und Epigenetik seien hier ausnahmsweise ausgeklammert. Redlich erworbene Dummheit infolge ab ovo oktroyierten Fehlverhaltens bedarf nicht einmal einer  Feindbild-schaffenden Institution. Fehlende Anerkennung des Kindes und all der verunsicherten „perspektivelosen“ Heranwachsenden reicht. Noch schlimmer: Lieblosigkeit, an Bedingungen orientierte Zuneigung – „Leistung muss erbracht werden“, sonst.., Herabminderung, Verächtlich-Machen, das im – Stich – Lassen, Gewalt-Anwendung etc.

Ernst Pöppel absolvierte fünf verschiedene IQ – Tests: die Ergebnisse variierten zwischen 105 bis 145. Ein zwölfjähriges Mädchen „versagte“ beim ersten – uninteressiert-lustlos durchgeführten IQ-Test: Quote 80. Darauf meinte der erfahrene Schulpsychologe: „Das kannst du aber besser!“ Das Resultat betrug – nach wenigen Minuten – 128.

Südkorea lag häufig im Spitzenfeld internationaler PISA-Test-Vergleiche. Ein „überdurchschnittlich begabter“ Student dieses Landes „mit unglaublichem Wissen“ absolvierte sein Doktorandenstudium an der Müncher L.-Maximilian- Universität: „In der kreativen Phase als Wissenschaftler war er ein absoluter Versager. Er konnte sich keine ungewöhnlichen Zusammenhänge vorstellen, keine neuen Studien designen, keine neuen Ideen entwickeln – das ist die ‚PISA-Dummheit‘, ein Beispiel rein reproduktiver „Intelligenz!“

‚Moderne‘, mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Multiple Choice Tests prüfen Inselbegabungs-‚Wissen‘ künftiger humaner ‚Robo-Savants‘ – für virtuelle Duelle mit Megagewinn – versprechenden Computern, beworben mit: „Dr. G. ist besser als alle Mediziner!“ – und prompt klingelt es in Mega-Konzern ‚Registrierkassen‘. 

Geist und Ungeist

Ameisen- und Bienenforscher gewähren Einblicke in exzellent funktionierende Tierstaaten-Systeme. Über Jahrmillionen bleiben höchst komplexe Ordnung-Systeme strörungsfrei erhalten. Im Gegensatz dazu ’nimmt die Entropie‘ homo sapiens gesteuerter Strukturen ‚zu‘. Ihre Welt-Ordnung geriet ins Trudeln. So als hätte ein Ungeist von dem verletzlichen kleinen blauen Planeten  Besitz ergriffen, so als triebe ein ZNS-Parasit in den höheren Leithammel-Ebenen sein Unwesen. „Eine Tierart, die zur Staatenbildung schreitet ohne den Egoismus einzuschränken, wird zugrunde gehen.“                                   (E. Schrödinger).  

Der Geist in der Materie (Teilhard de Chardin, Charon, Kruse), Science and Spirituality (Bäumer), Mind and Matter (Schrödinger), tit for tat, Prisoner’s Dilemma, Spieltheorie, mutual aid (Kropotkin), gift economy, Christmas truce (Weihnachtsfrieden), reciprocal altruism (Trivers) – liefern ernstzunehmende Hinweise auf das Wirken des Geistes in der Kosmogenese, in jeder Neu- und Umgestaltung, in ethischer Grundhaltung – als unentbehrlicher Garant für ein erträgliches, friedliches Zusammen- und Weiterleben.

Das Bewusstsein, kein Zustand sondern vielmehr ‚ein Strom‘, dynamisch fließend macht uns zu Spielern, aber auch zu Regisseuren des Geschehens im „Strom, der mich davonträgt, doch ich bin der Strom“ (Jorge Luis Borges) – in Oliver Sacks (2017) Der Strom des Bewusstseins. Über Kreativität und Gehirn, rowohlt. Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges – bewusst oder ‚halb‘ – bewusst geplant oder erträumt, wirkt und webt zwischen Thalamus und Cortex – um zu werden – um vielleicht endlich eine bessere Wirklichkeit zu werden, – besonders im Sinne junger und kommender Generationen.

„This world could be free, this world could be one,

  this could be heaven for everyone“          Queen

Pöppel E, Wagner B (2013)  Dummheit. Warum wir heute die einfachsten Dinge nicht mehr wissen. Riemann, München.

Stein H (2008) Endlich Nichtdenker. Handbuch für den überforderten Intellektuellen. Eichborn, Frankfurt

Tuchmann B (2001) Die Torheit der Regierenden. Fischer

Obiger Text bezieht sich auf keine der lebenden oder verstorbenen Personen; Etwaige Ähnlichkeiten sind rein zufällig.

Interest: no

Gender: beyond

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Im Rampenlicht

Im Rampenlicht

Peter Heilig
Concept Ophthalmologie 2/2018, 37-38

Der scheinbar unvermeidliche Blick in moderne Lichtquellen löst immer häufiger Unbehagen aus: Blendung, manchmal bis an Schmerzgrenzen, ist ein ernstzunehmendes Warnsignal des Körpers. High-Intensity-LEDs (HI-LED) haben den Markt erobert und verirren sich wie auch diverse andere grell bläulich-weiß strahlende Leuchtmittel allzu oft mit potentiell phototoxischem Licht ins Auge.

Aufgabe einer noch zu gründenden „prophylaktischen Ophthalmologie“ wäre es, ausführlich über Forderungen der Lichthygiene [1] zu informieren. Akute Lichtschäden ließen sich vermeiden, vielleicht auch chronische, vorausgesetzt, dass Beleuchtungspolitik und Lichtindustrie mitspielten. Retinale Lichtschäden summieren sich subklinisch über Jahre; spätere Therapieversuche sind entmutigend [2].

Offenbar unausrottbare Termini technici (Misnomer) aus der Diktion der  Lichttechnikindustrie wie „physiologische Blendung“ und „psychologische Blendung“ sind extrem irreführend. Mag sein, dass solche in sich widersprüchliche und merkwürdige Begriffe zur Verharmlosung mit beitragen, denn bedenkenlos bis gedankenlos wird immer öfter mit schmerzhaft hellem, die Netzhaut gefährdendem Licht manipuliert. Grelles Rampenlicht wird neuerdings als „origineller“ Regieeinfall eingesetzt. Potentiell phototoxisches Effektlicht strahlt immer öfter ohne Vorwarnung in die Augen eines ungeschützt ausgelieferten Auditoriums. Dunkeladaptierte Netzhäute sind – noch dazu bei weiter Pupille besonders vulnerabel. Die hochentwickelten Lichtmessgeräte zertifizierter Lichttechniker können beim besten Willen keine relevanten Ergebnisse liefern, sie sind gleichsam indolent, das heißt blendungs- und schmerzunempfindlich. Auch Laserpointer kamen auf Bühnen bereits zum Einsatz; keines der Lichtopfer ist jemals vor dem Einsatz von Blendlaternen, Lichtkanonen oder Lasern um sein Einverständnis gefragt worden, ob es ihm recht wäre, dass seine Netzhaut überstrahlt werden möge – falls ja, wie intensiv, mit welchen Wellenlängen und wie lange.

 

Voraussetzung wäre eine ausführliche schriftlich Einführung über die zu erwartende retinale Lichtbelastung und Informationen über die sogar Experten fremde Lichteinheit Troland [3] etc. Als Apriori wäre die Exkulpierung der Veranstalter für den Fall möglicher Netzhaut-Lichtschäden denkbar – samt Abschluss einer Großschaden-Versicherung.

Mit „light trespassing“, „light spill“ etc. – einer Art inneren Hausfriedensbruchs durch grobstören des Licht – wäre niemand einverstanden, genauso wenig mit verirrtem Licht der Straßenbeleuchtung oder dynamischnervendem Lichtwerbungsflackern bis hinein in den Schlafraum. Und kaum jemand würde zustimmen, dass seine Netzhaut mit überdosiertem, potentiell phototoxischem Licht bestrahlt wird, aus Jux und Tollerei sozusagen.

Bleibende Schäden

Zeitliche Summation kann auch bei scheinbar schwacher Lichtexposition bleibende Schäden verursachen [2]. Besonders gefährdet sind Patienten mit bereits bestehenden Lichtschäden, Netzhautdystrophien, -degenerationen, Diabetes, Porphyrie, Lupus erythematodes, chronischer aktinischer Dermatitis, solarer Urticaria, vor allem während der Behandlung mit Photosensitizern und verschiedenen Psychopharmaka (Lithium, Phenothiazinen, Psoralen etc.), antiarrhythmischen  Präparaten  (Amiodarone z.B.), Antimalaria und Antirheumatika; auch Melatonin kann, zur falschen Zeit verabreicht, die Netzhaut photosensibilisieren.

UVA und sichtbares kurzwelliges Licht können, ähnlich wie bei Lichttherapie (brightlight  therapy) über Tetrazyklin, Hydrochlorothiazin, Sulfonamide und trizyklische Antidepressiva (Imipramine, Nortriptyline, Desipramine, Amitriptyline) Photosensibilisierung auslösen [5].

Die klaren Medien junger Augen

– etwa bis zu einem Alter von 20 bis 40 Jahren – lassen wesentlich mehr Licht (vor allem kurzwelliges) bis zur Netzhaut vordringen als dies im Alter der Fall ist. Discotheken-Schwarzlicht, Party-Lichteffekte,  Lichtorgeln,  LED-  und Laser-Effekte sowie diverse Scheinwerfer hinterlassen mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Alter zunächst unerkannte, jedoch diskrete bleibende Spuren.

Blendungsempfindlichkeit lässt sich nicht quantifizieren. Sehbehinderte Personen sind besonders empfindlich. Sportler blicken zwangsläufig in gleißende HI- LED-„Sternenhimmel“ beim Indoor-Overhead-Schlag, Korbwurf, Sky Ball etc., erleuchtet von TV-tauglichen grell bläulich-weißen Strahlern.

Ein paar Worte noch zur Blendung:

  • Discomfort Glare, also irritierende, störende Blendung, ist vor allem mit Ablenkung verbunden.
  • Disability Glare: Schwere Blendung führt zu vorübergehender Desorientierung und hat eine lange retinale Erholungszeit (retinal recovery time) – cave im Straßenverkehr!
  • Verirrte Lichtstrahlen aus KFZ-Scheinwerfern blenden, bereits auch Fahrradlichter.

Warnlichter, Tagfahrlichter (DRL) etc. produzieren potentiell fatale Ablenkungseffekte auch bei Tageslicht. Die über Schmerzschwellen liegenden Blau- und Springlicht-Warnleuchten der Einsatzfahrzeuge, in Kombination mit gehörschädigendem Folgetonhorn, sind sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Wildwuchs im Kunstlichtdschungel und die unkontrollierte Zunahme potentiell phototoxischer Lichtintensitäten haben ein Limit überschritten und ein Ausmaß angenommen, welches nicht nur unserer Augengesundheit abträglich ist.

Epilog

Jegliche Form der Blendung muss unbedingt vermieden werden. HI-LED dürften nur mit Diffusoren geliefert werden. Das Tageslichtspektrum ist immer vorzuziehen. Denn davon abweichende Kunstlichtspektren werden seit Kurzem verdächtigt, an der besorgniserregenden Zunahme von Myopien mitbeteiligt zu sein – siehe OND-RGC [6].

Literatur:

  1. https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?s=lichthygiene
  2. https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=27664
  3. Troland LT (1917) On the measurement of visual stimulation intensities. J Exp Psychol 2, 1 -33.
  4. Cideciyan AV, Jacobson SG, Aleman TS, Gu D, Pearce-Kelling SE, Sumaroka A, Acland GM, Aguirre GD (2005) In vivo dynamics of retinal injury and repair in the rhodopsin mutant dog model of human retinitis pigmentos Proc NatlAcad Sci USA102 (14): 5233–5238
  5. https://www.cet.org/therapy/ bright-light-exposure-risks/
  6. http://www.news-medical.net/ news/20170206/Northwestern Medicine-scientists-discover- retinal-cell-that-may-cause- myopiaspx
  7. https://youtu.be/k9k_wG5lacA

Korrespondenzadresse:

Univ.-Prof. Dr. Peter Heilig
Augenheilkunde und Optometrie
Nussberggasse 11c
A-1190 Wien Österreich
peter.heilig@univie.ac.at

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