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Gastbeiträge

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Werte . .

Werte . .

Meng-Tse: „Die ursprüngliche Natur des Menschen ist gut“ – „Alle haben ihre ursprüngliche Natur verloren..“ Hsün-Tse.

Die Gedichte des Li Tai-po reimen sich nicht mehr im heutigen Hoch-Chinesisch. Nicht nur diese. Der Dichtkunst wurde im Land der Mitte ein hoher, vielleicht der höchste Rang zugewiesen. Von allen Hochkulturen ist die chinesische nicht die älteste – sie konnte sich jedoch am längsten, über Jahrtausende ohne Störung oder Unterbrechung entfalten. J.W. Goethe (1827) zollte ihr hohes Lob: „Durch strenge Mäßigung in allem habe sich dieses chinesische Reich seit Jahrtausenden erhalten und wird dadurch auch ferner bestehen. Diese Menschen denken, handeln und empfinden fast ebenso wie wir..“ – und: „Beim Übersetzen muß man bis ans Unübersetzbare herangehen; alsdann wird man aber erst der fremden Nation und der fremden Sprache gewahr.“ *

Yüan Mei, ‚größter  chinesischer Dichter des 18. Jahrhunderts‘, bedankte sich humorvoll und mit feiner Klinge für einen bestickten Tabakbeutel, mit dem seine Verse honoriert werden sollten. Er fühle sich geehrt; aber – das Geschenk war bloß Handarbeit einer Dienerin. „Hörtest Du niemals, dass man einmal tausend Seidenballen für ein einziges Wort gab oder zwei schöne Mädchen für einen Vers? Der Austausch eines Werkes der geschickten Finger Deiner Dienerin mit einem Werk meines Geistes bedeutet ein großes Kompliment für sie, aber nur ein kleines für mich. Wenn Du selbst Lanze und Schwert beiseite gestellt, Nadel und Seide genommen hättest, ja dann.. Wie konntest du also versuchen mich wie Ts’ao Ts’ao zu bewirten, indem Du mir so einen kümmerlichen Tabaksbeutel anbotest. Aber – schicke schnell den Beutel und vertraue Deinem Glück auf die Verse.“

Chinesischer Humor ist  ein bemerkenswert sympathischer Wesenszug; dazu ein Beispiel: Zwei uralte chinesische Weise lachten dereinst schallend um die Wette: Jeder prahlte damit ein noch schäbigerer alter Sack zu sein als der Freund. Als seine Zeit gekommen war, soll einer dieser Lebenskünstler lachend gestorben sein, berichtet die Mär. In diesem Sinne schwebt die Philosophie des Lin Yutang leicht wie ein Schmetterling über trüber Schwermut: „Am Ende deines Lebens sollst du dich zurücklehnen und sagen können: Das Ganze war eine hübsche Komödie.

Die hohe Wertschätzung chinesischer Kultur bewog den ewigen Pessimisten Nietzsche, den Begründer der Aufklärung, Immanuel Kant mit einem damals ganz besonderen Ehrentitel zu würdigen: „der Chinese in Königsberg“. Doch auch im Reich der Mitte (中国), machte die Bedeutungsverschlechterung, wie überall vor der ‚Kultur‘ (chinesisch „wei“) nicht halt. Als ‚Mensch und Tun‘ geschrieben, bedeutete dieser Begriff ursprünglich ‚Menschenwerk‘, heute jedoch „falsch“ oder „geheuchelt“. Unerklärlicherweise bergen hohe Kulturen einen Keim der Dekadenz – ab ovo – und landen im schlimmsten Fall unter der ‚Führung‘ konfuser Usurpatoren im Chaos. Staatenbildende Insekten bewahrt offenbar eine Art höherer Intelligenz vor einem solchen Schicksal.  

„Ein politisch Lied, ein garstig Lied, so dachten die Dichter mit Goethen

 und glaubten sie hätten genug getan, könnten sie girren und flöten.

Und wer nicht die Kunst in unserer Zeit weiß gegen die Zeit zu richten,

der werde nun endlich beizeiten gescheit und lasse lieber das Dichten.“   Hoffmann von Fallersleben

Kulturelle Werte: Mäßigung war offenbar das magische Wort und kulturelle Werte das Eigentliche – bis zum Wandel in Unmäßiges, Maßloses und in Schein-Werte: circulus vitiosus globalis oeconomiae: Merkwürdige globale im-Kreis-Verschuldung basierend auf virtuellen Scheinwerten; ein krudes Moebius-Schleifen-Truggebilde, intransparent und undurchschaubar. Fehl-informierte Opfer der ‚Wohlstand‘-Werte-Gesellschaft finden sich – und-hast-du’s-nicht-geseh’n, auf der ‚Kehrseite‘ dieses Systems. Bankenprognosen für 2030 projizieren die USA auf Platz Drei – eine untragbare okzidentale Kränkung, oder gar transitiv – eine orientale- (?).

‚Pandemische‘ Stille lag über der Erde, sogar am Platz des Himmlischen Friedens. Klare Luft, blauer Himmel, Singvögel sangen, Hummeln brummten. Social-Media-Kakophonien verstummten. Kurz. Doch bald darauf füllte die biblische Social Media-Plage geistig-seelische Leere erneut mit Müll logorrhoisch, in Endlos-Déjà-VuWarteschleifen. Ein rosiger Silberstreif am (östlichen) Horizont: Ein Appell zur „Kooperation statt Konfrontation’“. Der Beginn einer neuen Ära ? Womöglich ein hoffnungsträchtiger ‚Pekinger Frühling‘?

Epilog: Tiefe, Weite und Einfachheit charakterisieren die Hohe Alte Kultur, sowie Zartgefühl und als Besonderheit ein Quäntchen Humor. Unreflektiertes ‚China – Bashing‘ – cui bono?

Der Pavillon aus Porzellan

 Mitten in dem kleinen Teiche

Steht ein Pavillon aus grünem

Und aus weißem Porzellan. 

Wie der Rücken eines Tigers

Wölbt die Brücke sich aus Jade

Zu dem Pavillon hinüber. 

In dem Häuschen sitzen Freunde,

Schön gekleidet, trinken, plaudern, –

Manche schreiben Verse nieder. 

Ihre seidnen Ärmel gleiten

Rückwärts, ihre seidnen Mützen

Hocken lustig tief im Nacken. 

Auf des kleinen Teiches stiller

Oberfläche zeigt sich alles

Wunderlich im Spiegelbilde: 

Wie ein Halbmond scheint der Brücke

Umgekehrter Bogen. Freunde,

Schön gekleidet, trinken, plaudern, 

Alle auf dem Kopfe stehend,

In dem Pavillon aus grünem

Und aus weißem Porzellan. Li Tai-po       
Übersetzung Hans Bethge.

* Spiegelbild: 镜像, ‚tuschig‘, Tusche: 墨水, verschwommen, unklar: 模糊,Zurückstrahlen, Spiegelung, Reflexion: 反射; gedankliche Reflexion: 思考 – ‚compound words‘, wie in einem Tuschebild; der wie gemalte Gesamteindruck übermittelt Gedanken und Stimmung – z.B. Li Tai Pos Bild des Porzellan-Pavillons und der Freunde, Poetisches, Schöngeistiges pflegend, gespiegelt im dunklen Wasser.    

Lin Yutang (2004) Die Weisheit des lächelnden Lebens. Insel Tb.

Debon G (Ed), Speiser W (1987) Chinesische Geisteswelt. Zeugnisse aus drei Jahrtausenden. W Dausien.

Gender: beyond

Interest: no conflict of..

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Keiner

Keiner

konnte spöttischer herabblicken als Balzac – in seiner Metamorphose als Bronze-Skulptur.

Die Société des Gens de Lettres hatte Auguste Rodin mit einer ehrenvollen Aufgabe betraut: Ein Denkmal wäre zu gestalten, eine überlebensgroße Statue des bedeutendsten Romanciers seiner Zeit. Man schrieb das Jahr 1891. Rodin ging mit Feuereifer ans Werk – nach 18 Monaten sollte das Monument fertig sein. Er vergrub sich jedoch geradezu in Balzacs Literatur und Korrespondenz, reiste immer wieder nach Touraine, in die Heimatstadt des Dichters, befragte Zeitzeugen – er hatte ja Balzac niemals mit eigenen Augen gesehen -, bemühte den Schneider des Poeten und entwarf unzählige Zeichnungen, Skizzen, Ton- und Gips-Skulpturen, verwarf sie aber wieder, bis er nach sieben langen Jahren endlich das für den Guß fertige Modell präsentierte.

Das Komitee, schwer enttäuscht, beauftragte einen anderen Künstler*: ‚Rodins Entwurf sei geradezu ein „Schändung“ und habe nicht die geringste Ähnlichkeit mit Honoré de Balzac.‘

*„Falguière’s ‚Balzac‘ ist ein törichtes Ding, das vielleicht als große Sache hätte durchgehen können, wenn da nicht der von Rodin wäre“ (zeitgenössische Kritik).

Rodin wollte mit allen Mitteln die Persönlichkeit Balzacs, mehr als oberflächliche, nichtssagende Ähnlichkeit zum Ausdruck bringen – Gestalt werden lassen:

Ich mußte Balzac .. zeigen, atemlos, das Haar in Unordnung, die Augen gedankenverloren auf einen Traum geheftet; ein Genie, das in seinem kleinen Raum Stück für Stück eine ganze Gesellschaft erzeugt, um sie zu stürmischem Leben zu erwecken … einer, der niemals ruht, der die Nacht zum Tag macht“. Als kraftstrotzend trotzigen Titan wollte er ihn darstellen – „moderne Skulpturen müssen (expressiv) übertreiben“, meinte er und –

im poetischen Überschwang des Rainer Maria Rilke: „Und endlich sah er ihn..das Gesicht eines Elementes.. Das war das Schaffen selbst, das sich der Form Balzac’s bediente, um zu erscheinen; des Schaffens Überhebung, Hochmut, Taumel und Trunkenheit..“.

Falsche Bescheidenheit durfte Balzac niemand unterstellen: „Ich suche in der Literatur möglichst viel Platz einzunehmen, damit möglichst wenig Platz für die Dummköpfe übrig bleibt.“

Text-Beispiele aus Balzacs Œuvre : „Ich beschreibe das riesige moderne Ungeheuer (Paris) von allen Seiten. Das ist in allgemeinen Zügen das Spiel, das ich führe. Ich spiegle die ganze Gesellschaft in meinem Kopf wider.“ (Comédie humaine), oder:

Die sich dort versammelten, waren ohne Ausnahme die kläglichsten Köpfe, die armseligsten Geister, die erbärmlichsten Tröpfe (französ.: lamentable, misèrable, infame etc.) in einer Runde von zwanzig Meilen. Die Politik ergoß sich in wortreichen und leidenschaftlichen Trivialitäten..“ – welch beklemmend prophetisches Bild. . (Verlorene Illusionen I, Die zwei Dichter) –

Wie ein Portrait-Karikaturist hatte sich der Bildhauer bemüht Charakterzüge herauszumeisseln und ‚hinter die Kulissen zu blicken‘ oder besser – auf den ‚Grund der Seele‘ seines Modells zu schauen.

Es „wurde .. zu einer Allegorie der künstlerischen Inspiration. In dieser Hinsicht ist das Werk revolutionär.“         http://www.french-artzzz.net/das-denkmal-fuer-balzac-von-auguste-rodin/

Trotz zahlreicher Angebote verkaufte Rodin († am 17. November 1917 in Meudon) die Skulptur nicht einmal an Freunde. Erst im Jahre 1939 wurde Balzacs mächtiges Monument in Meudon aufgestellt – am Boulevard Raspail, nahe einem berühmten Künstlertreff, dem Café Le Dôme. 

Epilog:

Vorausgesetzt, daß sie ihre Betrachter ansprechen, ‚muten‘ wahre Kunstwerke den Bewunderer ‚an‘. Rodins Bronze-Titan tut dies: im ‚Augenblick‘ entsteht ein Dialog; noch nach Jahrzehnten läßt sich dieses unvergessliche Bronze-Antlitz aus dem Gedächtnis abrufen, ganz besonders der Ausdruck, welcher sich mit jedem Blickwinkel und Lichteinfall lebendig zu wandeln scheint.

Anmuten: ‚es berührt mich‘ (Wahrig, Grimm); trefflich Treffendes birgt unser Wort’schatz‘

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Buridans Esel

Buridans Esel

hat gewählt. Nicht artgerechtes Grünzeug sondern Gold-Heu, nach Art eines Midas-Esels quasi. König Midas, personifizierte Torheit und Gier, versteckte schamhaft seine redlich erworbenen Esels-Ohren* unter einer ‘phrygischen Mütze’. Der Barbier verriet jedoch diese Schmach den Binsen am Flussufer – unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Als “Binsenweisheit” verbreitete sich die Nachricht in alle Winde , ”viral” auf Neusprech.

Gier, gepaart mit Torheit, schreibt ständig neue Kapitel (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=34126) heute nicht mehr besungen in den Metamorphosen Ovids, sondern ‘proudly’ dokumentiert und digital gespeichert in Annalen des Anthropozän (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=34126). Immer mehr ‘autokratoide’ Potentaten diktieren „gewissenhaften, ausdrücklichen und umsichtigen Gebrauch der besten Beweise (EBM)ignorierend, irreal, kritiklos und unkorrigierbar (beratungsresistent). Abholzungen borealer Wälder und der Regenwälder (50% mehr als bisher), Tiefsee-Schürfungen, ‘Hydraulic Fracking’ sowie Zerstörung der Habitate etc. belegen dies. Der ‘oekologische Fußabdruck’ mutiert zum Fußtritt. (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=33426).

Rekordhöhen von Rüstungsausgaben verursachen Rekord-Umweltschäden, obwohl sich auch entlang der “Achse des Bösen” bis heute kein satisfaktionsfähiger Feind fand. Besagter Buridan-Esel könnte wahre Werte schaffen: unverzichtbaren Bio-Dünger (‘natural fertilizer’), frei von unerwünschten Wirkungen, bösen Nebenwirkungen und irreparablen Spätschäden – doch dies ist lediglich eine Metapher . .

Am Ende wäre anzumerken, dass sich obige Zeilen ausschließlich auf Historisches/Vergangenes beziehen. Falls, rein theoretisch, ein nicht geschäftsfähiger Desperado wieder einmal vom Demokratie-Austricksen schwadroniert, sollte er Surrogate im Gepäck haben, welche die herkömmliche „Herrschaft des Volkes” an Weitblick und weltmännischer Weisheit überträfen. Anstelle des Atomkoffers (“nuclear football”) wäre ein Remunerationspaket für das unverdient lausig behandelte Dornröschen Gesundheit/Pflege anzuraten.

„Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es schon ist“ – dem unvergessenen Karl Valentin zugeschrieben.

Athena (Pallas (Παλλὰς) heißt Mädchen): Friedens- nicht Kriegs-Göttin; sie schützt Philosophen, Dichter und Redner. Warum nicht Politiker?  Sie sei überaus weise . . „No man shall, under the pretence of an ignorance (of the law), excuse himself from the performance of his own obligations.“ Common Law

https://www.ghazali.org/works/taf-eng.pdf

https://www.nature.com/articles/nature14258

*Der Streit zwischen Phoebus und Pan, J.S. Bach: Kantate

blog: PH: In den Wind gesprochen –

Barbara Tuchman (2001) Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam. Frankfurt am Main. Fischer

Lin Yutang (2004) Weisheit des lächelnden Lebens Nachwort G Goldfuß, Insel, Frankfurt am Main.

Die borealen Wälder umfassen mit etwa 15 Millionen Quadratkilometern mehr als ein Drittel der

weltweiten Waldflächen; die Vernichtung dieser planetaren Lunge wird geflissentlich “übersehen.”

(https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/kahlschlag-im-urwald-fuer-unser-wc-papier)

“Wer unter einer dauerhaften Störung der Geistestätigkeit leidet, die das Urteilsvermögen und die

Willensbildung erheblich beeinträchtigt, ist geschäftsunfähig”: Dismissal or removal from office (time sensitive) https://www.bundesanzeiger-verlag.de/betreuung/wiki/Gesch%C3%A4ftsf%C3%A4higkeit

NN., greeting his Secretary of ‘HUD’: „How are you, Mr. Mayor? How are things in your city?“.

NN: “Let us not forget the world. If creatures (aliens!) attack some other country, we would have to help.”

NN revealed in a handwritten letter to the American people that he had recently been diagnosed with Alzheimer’s disease. “He was actually suffering from the disease while he was in office” – fully operational. https://www.snopes.com/fact-check/ronaldreagan-alzheimers-disease/

Sen S et al (2020) Detection of structural and electrical disturbances in macula and optic nerve in Alzheimer’s patients and their correlation with disease severity. Semin Ophthalmol 18; 1-10

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: In den Wind gesprochen

In den Wind gesprochen

„Quousque tandem, Catilina, abutere patientia nostra?“

Wie lange noch – willst du unsere Geduld mißbrauchen? Cicero, 1. Rede (63 v. Chr.)

„Exogene Depression“ (nicht nur wirtschaftlich -) droht, eine Art Rezidiv der historischen Ökonomischen „Großen Depression“ oder „Langen Deflation“. Prophylaktisch wirkungsvoll gegenzusteuern hieße „ungedeckte Leerverkäufe (Naked Short Selling)“ zu unterbinden samt System-Fehler der Hochfinanz (The Systemic Failure of High Finance. Zero Hedge 8.1. C Hugh-Smith), Flashtrading (drohender Flash Crash), sowie das Abzocken aus Finanzblasen, die Zinsenflaute und Negativzinsen (unvereinbar mit § 488 ff. BGB ), faule, vielversprechende Hypotheken, wie die der nahezu wundergläubigen „Ownership Society“, deren Latifundien samt Aedifizien gnadenlos weggepfändet wurden („there is nothing backing the currencies except the government’s force“), als Folge – wachsende Ungleichheit zu Lasten unterer Einkommensschichten. Experten würden die Katastrophen der Krise “abfedern” (Metapher eines rührend tröstlichen Neologismus).

„(Un-)Vermögensberater“ schwören auf hochriskante Anlagen zum “Zusammensparen” der Rente, empfehlen Hedgefonds und Ähnliches: „Die Haftung von Anlageberatern und Anlagevermittlern gegenüber den oft mehr als fragwürdig beratenen Kunden ist in der Rechtsprechung zentraler Bestandteil“. Die Berufshaftpflicht samt einer oktroyierten Ärzte – „Nachhaftungsversicherung“ sind symptomatisch für Ungleichbehandlung samt krasser Unterschiede in unfair-systematisierten Risken-Verteilungen.

http://www.zerohedge.com/news/2016-01-08/2016-theme-5-systemic-failure-high-finance

Spekulationsgelder der „Oligarchie“ in Immo-Blasen („asset-bubbles“) samt Schulden der unteren „Kasten“, ohne Einkommenszuwachs seit einem halben Jahrhundert kreieren ein von kaltgrellen HI-LED-Spots angestrahltes Sittengemälde samt globaler Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und grotesker Finanzspekulationen an der Grenze zur Kriminalität.

 „Die heute von Makroökonomen verwendeten dynamisch-stochastischen allgemeinen

Gleichgewichtsmodelle (sog. DSGE-Modelle) sind zwar mathematisch hochkomplex, aber

realitätsfern“. Klardoch. https://www.zeit.de/2016/47/oekonomie-geldpolitik-gleichgewicht

Absurditäten, wie Kettenbrief-Kryptowährung-Konstrukte samt unmäßiger Blockchain-Energie-Verschwendung, die Im-Trüben-(Darknet)-Fischer, der „schrankenloses Wirtschaft-Wachstum”– Denkfehler, bis hin zu größenwahnsinnigen Krieg*- Szenarien, sogar im All:  “Ziel ist es bis Ende 2020 eine „United States Space Force“ US-Teilstreitkraft zu gründen. Als ersten Schritt bis hin zur „Aufwertung“ des Weltalls hatte die Nato eine Weltraum-Strategie beschlossen“ (Ansgar Haase, dpa). Der Ruf nach einem Sachwalter wurde laut.

All dies erinnert ein wenig an den Patrizier Catilina, „der von Machtgier getrieben, den Staat gefährdete um „groß zu werden und Mittel zu erlangen das Leben genießen zu können“ (Henrik Ibsen) – und an Cicero, der diesem Treiben ein Ende setzte, ehrenhaft – selbstaufopfernd, staatsmännisch. Er fehlt uns – oder doch nur ein Dichter wie Gabriel García Márquez: „Die Liebe in den Zeiten der C..“ – vielleicht ein Halbgott wie Herakles (Ἡρακλῆς), der den Stall des Augias an nur einem Tag ausmistete (Fünfte Arbeit: die Ströme Alpheos und Peneos „entsorgten“ Uralt-Stallmist und befreiten den König Eurystheus von seinem mythologischen Messie-Syndrom, „spülend“ sozusagen.

Auch die Rhetorik von Politikern bedient sich dieser hübschen Metapher.  Aktuelles Beispiel: “Coronavirus-Börsenspekulationen (QED) sind auszumisten!”  – “Saubere Börsengeschäfte und Spekulationen” suchen die Web Search Engines vergeblich. Das Oxymoron “Responsible Gaming” wäre nun en vogue. Ein “Nachhaltigkeitsthema,” verkündete Ex-StaatsmännIn G., zur Zeit Corporate-Responsibility-Capo eines Glückspiel-Konzerns; Global Market = Responsible (?) Gaming.

 O tempora o mores!” (Cicero) oder: „Sic transit gloria mundi“ mahnende Worte bei der Papst-Inthronisation (Augustinus Patricius Piccolomineus (1488)  Rituum ecclesiasticorum sive sacrarum cerimoniarum S.S. Romanae ecclesiae).: “Gloria” bedeutet Ruhm, Ehre und Zierde, aber eben auch Ruhmsucht und Prahlerei.

Hermes, dem Gott des Handels, wären daher Opfer darzubringen von den “Economists.” Allerdings stahl er schon als Kind seinem Bruder Apollo eine riesige Rinderherde – dieser Hermes, der Gott der Diebe.

Desideratum: “Reparatur der Zukunft”, Ausmisten der Gegenwart und – Reparatur-Zahlungen der “Zukunftsräuber” – in den Wind gesprochen (?)

Epilog: Zukunft des Surveillance Capitalism: Autophagie      https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=34126

Gender: beyond

Interest: no

Lewis M (2015) “Flash Boys: A Wall Street Revolt” W. Norton Company

A growing number of American economists were bullish about growth:

(https://edition.cnn.com/2020/01/27/economy/nabe-growth-gdp/index.html)

* Für die alten Griechen war (auch Wirtschafts-) Krieg eine Erwerbsform wie alle anderen. Der Begriff Weltwirtschaft wuchs dann schlussendlich über sich hinaus – schrankenlos, in geosynchron Orbitales, martialisch Abgestecktes. AufgeWertet.

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Der Laplace’sche Dämon*

Der Laplace’sche Dämon*

Du hast wohl recht, ich finde nicht die Spur von einem Geist – und alles ist Dressur.“ 
Faust I, Eine Tragödie. JWG.

Ein faszinierendes Gedankenexperiment des Pierre Simon de Laplace:

Sein „Dämon“ kenne jedes Teilchen in und auswendig, er könne daher mit seinem fiktiven dämonischen Hebel die Welt aus den Angeln heben, die Zukunft vorhersagen und beeinflussen; All-wissend und -mächtig.

Laplace postulierte die Teilchen-Natur des Lichts. Er glaubte dass eine gewaltige Masse auf der dunklen Seite des Mondes seine ‚gebundene Rotation‘ bewirke. Und – er sagte die Existenz schwarzer Löcher voraus. Doch, zurück zum Dämon, durchwegs negativ konnotiert im christlichen Abendland. In anderen Kulturen kommen auch freundlichere, geradezu liebenswerte Dämo(ö-?)nchen vor, auch weibliche, verführerische.

Die Schöne-Neue-Welt spie nun Dämon-Abarten aus, welche sich unter anderem durch ein Nicht-zu-Ende-Denken auszeichnen. Am Beispiel ‚autonom‘: Es stimmt nachdenklich, wenn dieses Adjektiv durch den Straßenverkehr spukt: autonom – oder „eigenverantwortlich“, ausgewählt aus der Reihe der Synonyme. Juristisch ein Blindgänger, streng genommen. Kein sogenanntes ‚autonomes‘ verkehrsrelevantes Objekt kann eigenverantwortlich ‚handeln‘ oder sogar zur Verantwortung gezogen werden. Denn – das Konstrukt ist hirnlos gewissermaßen, aber auch gewissenlos („unverschuldet..“), exkulpiert und nicht straffähig.

 

Zu hart geurteilt? Ein Beispiel:

„Demnach hatte der Unglücksfahrer, der im März 2018 bei dem Crash auf einem Highway im Silicon Valley sein Leben verlor, die Hände in den letzten sechs Sekunden vor dem Aufprall nicht am Steuer. Der Tempomat war auf 75 Meilen pro Stunde (knapp 121 km/h) eingestellt, obwohl an der Unfallstelle nur 65 Meilen (knapp 104 km/h) erlaubt sind. Drei Sekunden vor dem Crash beschleunigte der Wagen statt zu bremsen oder auszuweichen und prallte schließlich auf die zwei Fahrbahnen trennende Barriere. Deutlich sind Kanten und Rillen zu sehen, die der Tesla-Autopilot im Sonnenlicht für Fahrbahnbegrenzungen gehalten haben könnte.“ ((reu/dpa/cj/cr/brü/lhp) Der vorläufige Unfallbericht des National Transportation Safety Board (NTSB,)

Die Rolle des fiktiv-historischen Laplace‘schen Dämons nehmen nun Programmierer ein, Konstrukteure, Hardware und Unfallforscher, deren jeweils neue Vorgaben zu befolgen und berücksichtigen wären, jedoch – 

alle unterscheiden sich von dem frei erfundenen Genius des Marquis in ganz wesentlichen Punkten: Sie sind weder allwissend noch fehlerfrei.

„Autonome“ Schwachstellen

KFZ-Sensoren: verschmutzt, defekt, überbelichtet, Daten-Overflow, tief-stehende Sonne, Nebel, Unwetter, Schnee, Sandsturm; Plastikfolie (z.B.) wird über die Fahrbahn geweht etc.

Input: schadhafte irreführende Signale und Zeichen, wie z.B. verwischte, verschmutzte Fahrbahnmarkierungen, Schnee, Matsch etc.

Vertrauensgrundsatz: Smartphone-User (oder unbeaufsichtigte Kinder, Personen mit in die Stirne gezogener Kapuze etc.) queren die Fahrbahn plötzlich, unvermutet und unkontrolliert.

Software-Fehler, Hardware-Fehler, ungeklärter Technischer Defekt, auch solche der Assistenz-Systeme, Datenübertragung/Empfang- und Computing-Fehler (~ 5 Gigabyte/min).

Das „Trolley-Dilemma“: wen oder was würden Algorithmen ‚opfern‘ ?

https://philosophynow.org/issues/116/Could_There_Be_A_Solution_To_The_Trolley_Problem

„Beim autonomen Fahren bleiben Sie als Fahrer in der Verantwortung,

 Beim autonomen Fliegen, bei autonomen Drohnen, (AI)“; lückenlose Aufmerksamkeit wäre vorauszusetzen; cave Schrecksekunden.

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E-Mobility “ist die Zukunft?” – mag schon sein, oder nicht (F. Indra), eine von vielen noch immer nicht ganz zu Ende gedachte Zukunft-Vision.

Probleme: Massen-Batterie-Herstellung, Entsorgung/Verwertung, E-KFZ -Brand, sowie (erfahrungsgemäß) unverkäufliche E-Gebrauchtfahrzeuge.

Strom: Kohle, Atom, und speziell im E-Motor“Sport“: Diesel-Aggregate; ein Oxymoron.

Welt-Ökonomie, Negativzinsen (de iure “nicht zulässig?), automatisierte (autonome..?) Börsen-Spekulationen – im Sekundentakt oder rascher, „Social“ Media samt integrierten Schattenseiten, Weltfrieden, Welt-Ernährung, Rüstung, katastrophale Flüchtlings- und Klimapolitik,

AI: dazu Stephen Hawkings Warnung: „Success in creating effective AI could be the biggest event in the history of our civilisation. Or the worst..”

Epilog: ‚Zu Ende gedacht‘ hätte ein neuzeitlicher Dämon manches oder alles anders gemacht, vielleicht…

*DD: Maxwell‘scher Dämon: dieser von J.C. Maxwell Erdachte könnte dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik theoretisch im Sinne einer Entropie-Änderung ‚in die Suppe spucken‘ – als physikalisches System, wenn auch nur imaginiert, unterläge er zwangsläufig ‚Schwankungen‘, womit sich auch diese Theorie ad absurdum führt.

Essai philosophique sur les probabilités. Courcier, Paris 1814

https://archive.org/details/philosophicaless00lapliala/page/n6/mode/2up

http://www.fallwelt.de/welten/mond/farsideGebilde.htm

https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10082256_00007.html

https://www.autobild.de/artikel/autonomes-fahren-crash-eines-tesla-model-x-10516973.html

MAD » MAD #509 – 50 Worst Things About Facebook released by DC Comics on

June 1, 2011.

https://bernardmarr.com/default.asp?contentID=1827

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DRITTE AUGEN (René Descartes und der Sitz der Seele):
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=33913

KUNSTLICHT VERURSACHT SCHÄDEN. AUCH IRREVERSIBLE. DIE ANTWORT DARAUF?
LICHTHYGIENE:
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=33593

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Morton Heilig, (1926 – 1997) „Vater der Virtual Reality“

Morton Heilig, (1926 – 1997) „Vater der Virtual Reality“

Schaden hat Morton Heilig kaum angerichtet. Dieser phantasiebegabte, einfallsreiche VR-Wegbereiter scheiterte jedoch mit seinem Projekt – vor mehr als einem halben Jahrhundert*. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind die Zukunft – on dit. Über mögliche Kollateral- Schäden schweigt man sich zumeist aus: “In fact, some tech experts even proclaimed 2016 as “The Year of VR.” Surprisingly, there has been almost no discussion on the health and safety risks associated with strapping a VR headset over your eyes”.

Als Visionär bechreiben ihn die Biographen. „Sensorama Mashine“ und „Telesphere Mask” hatte er, neben hundert anderen Erfindungen, als Patent angemeldet. Der Vorläufer von Google Maps Street View (seine „Aspen Movie Map“) war ein solches Projekt. In den View Labs (NASA) entwickelte er „Headset and Glove“ für „sight, sound and touch“, geeignet für die Steuerung von Roboter-Greifarmen. „View“ ließ die Architekten virtuelle Konstrukte inspizieren, Auditorien konnten eintauchen in „full immersion theatre experiences“. In Disney Parks sind Heilig-Designs und -Ideen noch immer im Einsatz.

Sein allegorischer Film “Once” (Produktion Marianne Heilig. Direktor, Script, Kamera: Morton Heilig) wurde 1974 in Cannes ausgezeichnet – seine zentrale Aussage:

„Only with the gift of love can Creation finally defeat Destruction.”

Die ‚synästhetische, inmersive Maschine‘, das Sensorama, lieferte Besuchern für 25 Cents zehn Minuten lang die lllusion einer virtuellen Motorradfahrt durch New York inklusive aller Sinneseindrücke, wie Vibrationen, Wind und sogar Geruch-Empfindung. „Diese Innovation war vielleicht zu revolutionär für seine Zeit“ meinte Morton Heilig. Sein »Experience Theater« unterschied sich deutlich von aktuellen VR- und AR– Inszenierungen hinsichtlich möglicher, jedoch ignorierter Gefahren: “There could be health risks when people are immersed in a fully imagined environment, possibly affecting their physical and emotional well-being”; Gesundheits-Risken („VR/AR Health Risks“):

„Können wir uns trotz der gebotenen Informationsflut noch auf den Straßenverkehr – egal ob als Fußgänger oder Autofahrer – konzentrieren? Wird der Gesetzgeber hier eingreifen um uns vor den Gefahren von Augmented Reality Systemen zu schützen?“ Einige Beispiele: Stress oder Beklemmungen können auftreten nach einigen Minuten “Full Occlusion Headset“. ‚Ablenkungsblindheit‘ (Distraction Blindness, Inattentional Blindness etc.): die meisten Unfälle ereignen sich – erwartungsgemäß um die „Pokéstops“.

Drehschwindel-Attacken und Übelkeit/Nausea treten auf sowie und eine merkwürdige Benommenheit (‘wooziness‘) – schwer zu beschreibende Phänomene, die zum Teil auch tierexperimentell nachweisbar waren – “cybersickness” und abnorme EEG-Muster. „Sixty percent of the rats’ neurons simply shut down in virtual reality environments”. Auch über “Eye strain” wurde geklagt – ein dem „Office Eye Syndrom“ verwandtes Phänomen, ausgelöst vor Allem durch reduzierte Lidschlag-Frequenzen sowie gestörten Tränenfilm: ”VR headsets can cause severe eye strain among users. They strain their eyes in order to focus on a pixelated screen that uses a single refractive optic element. Headsets do not usually addresses the optic issues with near-to-eye devices, and they quickly become uncomfortable after a few minutes”. Außerdem besteht ein “Accommodation/Convergence Conflict,” welcher (apparativ zunächst) zu beheben wäre.

Eingeschränkte Gesichtsfelder (Headsets today are at 35 degrees FoV) sind ungewohnt-unphysiologisch; “Headset designers must find a way to maintain a large field of view (FoV) for the users”.

Die VR-Headset-Träger sind möglicherweise schädlicher elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt. “Wearable technology like VR headsets potentially exposes the user to harmful electromagnetic frequency radiation. These devices make use of a wireless connections like Bluetooth or WiFi”).

Die via „Head up Displays, Smart-Glasses, Bionic Contact Lenses“ etc. in die Prozesse der Wahrnehmung eingespielten Zusatz-“Informationen“ – eine Art Überlagerung – wirken als gravierende Störfaktoren und führen im schlimmsten Fall zu ‚Distraction Blindness‘ und ähnlichen Ausfällen sowie verschiedenen weiteren Funktions-Störungen. Analog zu den Ablenkungen durch Tagfahrlichter (DRL) kann es zum kompletten „Auslöschen“ klar und deutlich gesehener Objekte kommen. Overflows in Arbeits-Speichern (visual short term memory, working memory) bewirken, dass Kinder am Schutzweg (z.B.) übersehen, besser gesagt nicht wahrgenommen werden (QED): wie prophezeit – bevor „Licht am Tag/DRL“ als unverbindliche Empfehlung eingeführt wurde („Experiment“ – ein nicht Evidenz-basiertes Procedere), bestätigt durch rezente Unfall-Statistiken: bei Rückgang der Gesamt-Verkehr-Unfallzahlen – ein signifikant zunehmender Anstieg nicht motorisierter Unfall-Opfer im Straßenverkehr, auffallend oft auf „Schutz“wegen und nicht selten am Schulweg.

Die vielen positiven Aspekte von AR und IR müssen hier nicht aufgelistet werden. Dafür sorgen höchst einprägsam “Konditionierung, Manipulation, Programmierung und Fernsteuerung (brainwashing)“ im Rahmen immer aggressiverer Werbungstrategien; siehe https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=34126

Die Behauptung: „AR enhances the Perception of Reality“ hält keiner kritischen Prüfung stand – am Beispiel ‚Pokémon Go‘: vermeidbare, z.T. fatale Komplikationen wie. ‚Ablenkungsblindheit‘ (Distraction Blindness, Inattentional Blindness etc.); die meisten Unfälle ereigneten sich erwarrtungsgemäß rund um die „Pokéstops“. Pokémon Go hat „in den ersten 148 Tagen Schäden von bis zu 7,3 Milliarden (?) Dollar und 30.000 Verletzte sowie 256 Tote verursacht“ in Tippecanoe County/170.000 Einwohner (t-online.de).

*”Because Heilig worked outside of the academic/laboratory/military model, his inventions and theories were ignored or forgotten for thirty years, although key participants in virtual reality research..”   

http://www.telepresenceoptions.com/2008/09/theory_and_research_in_hci_mor/

https://www.vesttech.com/4-health-risks-from-using-virtual-reality-headsets/

http://uschefnerarchive.com/morton-heilig-biography/

https://www.fi.edu/what-is-augmented-reality

Augmented and virtual reality in libraries
Verfasserangabe: edited by Jolanda-Pieta van Arnhem, Christine Elliott
and Marie Rose
Jahr: 2018
Verlag: Lanham, Rowman & Littlefield Publishers

Gender: beyond

Morton Heilig ist lediglich PHs ‚Namensvetter‘

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: PLASTI(C)K: eine Glosse.

PLASTI(C)K: eine Glosse.

Saeculum plasticae, Plastikozoikum, das Plastikzeitalter

„Vielleicht auch war es Sarkastik:

Der Pfennig – Pfefferkuchenmann

ist die freundlichste Form der Plastik“             
Theodor Fontane

Das Homonym Plastik:

Kunst (Skulptur) oder Künstliches (Nano-/Micro-/ bis Macro- Plastik und Plastic-Soup) 

    

Falls es noch Geologen gäbe (coniunctivus irrealis) dereinst, dann beforschten sie eine merkwürdige Schicht:  das „Plastikḗ“-Layer, ein Konglomerat, welches aus feinkörniger Plastik-Matrix bestünde, mit diversen Einsprengungen von länger Haltbarem, wie Trabi-Karosserien zum Beispiel. Unverrottbares auf der Spielwiese der Plastik-Chronologen erzählt die Geschichte einer ‚Plastic Generation‘: Archaeo-Plastologen, buddelnd auf Mega-Plastik-Abraumhalden, könnten auf die Kultur der homo bakeliticus (Frühform) schließen, des homo styroporalis, fluoropolymeralis, polyurethanicus,  polyvinylchloridalis bis zur duroplasticus -Species. Mikrobiom-, Endovasal-, Intraventriculär,-und Ubiquitär-Mikro/Nano-Plastik nährt viele Spekulationen über die Ernährungs-Gewohnheiten der Plastik-Homo-Sapiens-Entwicklungsstufen. „Plastic food for plastic people“ (‘Plasticburger‘ z.B.).

Zehn hoch elf (1011) Exemplare hominum s.* (genetivus pluralis) lebten in Saus und Braus auf diesem Planeten, eine Sekunde lang auf der ‚Kosmogonie-Uhr‘; recht flott schafften sie es, innerhalb eines ‚Sekundenbruchteils‘ ihre Heimstatt abzuwohnen. Mit ‚Makro’Plastik (fiktiver Begriff), gemeint ist die Menge bisher produzierter Kunststoffe gelänge es die Weltkugel sechs Mal mit Folie zu umwickeln, sauber und luftdicht einzupacken um sie vor möglichem Unbill zu bewahren. * ‚homo sapiens‘: „Mmm, leider habe ich von Ihrem Suchwort bisher noch nichts gehört, bitte überprüfen Sie es auf Tippfehler“ (Das Lateinwörterbuch).

Die Oberfläche (diese Fläche ‚geht gegen unendlich‘) des Plastik-Pandora-Büchsen-Inhalts eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Es kann jedoch sein, dass Plastik-Mikro- und Nanopartikel sowie Plastic-Soup sich unerwünscht auf Proteine auswirken sowie pulmonelle, toxikologische, immunologische, hormonelle, vaskuläre, neurologische, bakteriologische, inflammatorische, etc. Wirkungen haben – nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf manch höhere zentralnervöse Funktion, wie zum Beispiel logisches Denken. Und – Zukunft-orientiert – vielleicht bereits jetzt schon auf die Keimbahn..

Die ToDo/HowTo-Listen sind schon längere Zeit in Arbeit. Die Gartenzwerg-Industrie hat bereits auf Bio umgestellt, prophylaktisch. Die Finanzierung für die Mikro-Nano-Plastik/Darm-Mikrobiom-Adipositas-Problem-Forschung scheint gesichert (krisenfest/solide Sparte, subventioniert durch die üblichen verdächtigen Großkotzerne). Mikroplastik-Sichtungen im Bier: jetzt reicht’s aber, sapperlot!

Epilog:

„Wer ängstlich abwägt, sagt gar nichts. Nur die scharfe Zeichnung, die schon die Karikatur streift,                          macht eine Wirkung“.                    Theodor Fontane             

Gender: beyond

https://www.nature.com/articles/s41598-018-22939-w

https://plasticoceans.org/plastic-pollution-research-papers/

https://www.scientificamerican.com/report/how-plastic-became-a-plague/

Chang  X et al (2020) Potential Health Impact of Environmental Micro- And Nanoplastics PollutionReview  J Appl Toxicol , 40 (1), 4-15  Jan 2020

Rhodes CJ  (2019) Solving the Plastic Problem: From Cradle to Grave, to Reincarnation. Sci Prog, 102, 218-248

Poma  A (2019) In Vitro Genotoxicity of Polystyrene Nanoparticles on the Human Fibroblast Hs27 Cell Line Nanomaterials (Basel)9 (9) Prog, 102 (3), 218-248

Cui R (2017) Polystyrene Nanoplastics Inhibit Reproduction and Induce Abnormal Embryonic Development in the Freshwater Crustacean Daphnia Galeata Sci Rep, 7 (1), 12095 

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Wissen-Basis-Wissen oder die Laubbläser (lat.: Flatus dordis)

Wissen-Basis-Wissen oder die Laubbläser (lat.: Flatus dordis)

„Die ganze Geschichte der Logik besteht in der Definition eines akzeptablen Begriffs der Dummheit.“ Umberto Eco

Evidence basiertes Wissen ist die Antwort auf ‚Daten‘ des Desinformationszeitalters. Verborgen im Datenmüll (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?s=gigo) finden sich die falsifizierten Fakten (Popper), die Basis des Wissens, Grundlagen der Forschung.

Alternativ und Fake wurden zu Unwörtern. Absurde ‚Laubbläser‘-Methoden sind en vogue, alternativ zur Ratio. Grundlagenforschung, unlukrativ und unattraktiv für profitorientierte Systeme, wird weggefegt mit groben Straßenbesen oder Laubbläsern des Überwachungs-Kapitalismus (purgamenta scientiarum?).

Das Profitstreben, scheinbar die einzige treibende Kraft, hatte sich jedoch ad absurdum geführt, permanent. Die Oekonomik ähnelt bereits fatal betrügerischen Pyramidenspielen der Kryptowährungen. Die Desinformationsflut bugsierte zu guter Letzt auch noch die Politologie auf das Niveau astrologischer Pseudowissenschaft.

Shoshanna Zuboff, ‘The True Prophet of Information Age‘, ausgezeichnet mit dem Axel Springer Award 2019, kämpft wie Don Quijote unermüdlich gegen die Windmühlen des ‘Surveillance Capitalism’. Vor ‚verborgener Logik‘ warnt sie. Oder meinte sie ‚verbogene‘ Logik? „Der Kampf gegen Hunger und Fehlernährung wird nicht enden, solange die ‚Logik des Marktes‘ vorherrscht und man um jeden Preis nach Profit strebt“ (Jorge Mario Bergoglio, vulgo Papst Franziskus, am 16.10.19).

Apropos: auf die Frage nach der ‚Logik des Profitstrebens‘ kommt kein Echo aus Internet-Fundi, aus den vereinbarungsgemäß Alles Wissenden.

In der Beweistheorie Mathematischer Logik sprächen deren ‚formale Beweise‘ eine deutliche Sprache: „Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Das a priori machthungriger, geldgieriger, gewissenloser Mega-Konzerne birgt im Keim nicht nur Dekadenz sondern auch Autophagie, schlussendlich.

Resumé: “Surveillance giants threaten human rights”.  Amnesty International Nov. 2019
Epilog: „Die Welt gehört verändert. Der Anfang der Veränderung aber geschieht immer im Herzen eines einzelnen Menschen“ – und –  „Es wäre geradezu kindisch an ein mögliches Übel in der Zukunft die Maßstäbe von heute anzulegen.“  Leopold Ungar.

Ad: Advertisement (-walze)

*Trend.at-Coverstory: „Shitcoin,“ Kryptowährung

Flatus (lat. blasen) – dordis (des Laubes), Desinformationszeitalter-Denkfehler-Metapher.

Zuboff S (2019) The Age of Surveillance Capitalism. The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. New York, NY

Milborn C, Breitenecker M (2018) Change the Game. Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern. Brandstätter

https://www.welt.de/wirtschaft/article203213488/Axel-Springer-Award-Oekonomin-Shoshana-Zuboff-in-Berlin-ausgezeichnet.html?wtrid=onsite.onsitesearch

https://amnesty.azureedge.net/media/6430/amnesty-surveillance-giants_bericht-november-2019.pdf?mode=pad&rnd=132186473750000000

www.youtube.com/watch?v=ScsVe6nktk4

Interest: no

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Alan Turing (1912 – 1954)

Alan Turing, 1912 – 1954

„Can a computer be so desperate it commits suicide?”  
“Could you repeat the question?” The program stops.

Indizien ließen Zweifel an dem kolportierten Suicid Alan Turings aufkommen. Auch der inkriminierte, mit Cyanid präparierte Apfel – aus dem Reich der Märchen – war nie analysiert worden.

Vernetzt über Zeit und Raum, wie im ‚Reich der Ideen‘ (Plato), sind Erkenntnisse und Resultate der Mathematik- und der Grundlagen-Forschung in einem wissenschaftlichen Langzeitgedächtnis gespeichert um weiterentwickelt und falsifiziert (Popper) zu werden. Leibniz, das Universalgenie,  schätzte die Sprache der Mathematik; dies erklärt den Leitgedanken ‚Calculemus‘: „Lasset uns rechnen“ und die Entwicklung seiner Rechenmaschine, welche alle vier Grundrechnungsarten ermöglichte. Die Maschine Pascals, (Addition/Subtraktion, Bj. 1642) die ‚Pascaline‘, hatte ihn dazu inspiriert. Er hoffte, dass Rechenmaschinen in seiner ‚Best(möglichen)en aller Welten‘ imstande wären ethische Werte kritisch zu beurteilen, quasi zu berechnen; dadurch könnten sogar Richter überflüssig werden, meinte dieser große Denker und liebenswürdige Optimist.

Aus vernetzten wissenschaftlichen Wurzeln entwickelten sich über die Einflüsse von Boole, Babbage, Frege, Russel und Hilbert (‚Entscheidungsproblem‘, Decision Problem) ein zunächst noch zartes heranreifendes Pflänzchen; besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Church (‚Arithmetic is undeciable‘) und Neumann sowie Goedel (Incompleteness Theorem, Halteproblem), dessen Werk Alan Turing fortsetzte. Als Jugendlicher hatte ihn Relativitätstheorie und Kryptographie fasziniert; später galt sein Interesse mathematischer Logik; er zählte bald trotz seiner Jugend zu den führenden Mathematikern des Landes und brachte alle Voraussetzungen für die schwierige Aufgabe mit, die auf ihn wartete, der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt – des Gottes Kairós.

Die Zeit war reif für die ‚universelle Maschine‘ des Alan Turing und seine bahnbrechende Publikation “On computable numbers, with an application to the ‚Entscheidungsproblem‘“; diese beinhaltet eine Computer-Theorie, deren Bedeutung erst später erkannt worden war. Bei Anbruch des Krieges, im Jahr 1939 wurde Turing zum Leiter des Dechiffrierteams ernannt. Er entwickelte mit seinem Team (einer Frau und sechs Männern) eine Maschine, die beim Decodieren des kompliziert zu knackenden Enigma-Systems der deutschen Wehrmacht mit Erfolg eingesetzt wurde.  

Die Aufgabe schien zunächst unlösbar; doch mithilfe dieses (ab 1943) einsatzbereiten Computer-Vorläufers konnten  die verschlüsselten Funksprüche des gesamten deutschen Funkverkehrs dechiffriert werden. Alan Turing, ein eigenbrötlerischer ‚Nerd‘, „der sich selbst als eine Art Computer betrachtete“, hatte seine Mathematik-Karriere unterbrochen um mit seiner Krypto-Analyse der Fish-Verschlüsselungen – “save much of the world (including Germany) from heinous tyranny.” (Jack Good, Codebrakers).

Was hätte Turing geplant und mit bewährter Durchschlagskraft in die Tat umgesetzt, in einem Leben nach 1954? Mit Sicherheit hätte er konsequent weiterentwickelt. Möglicherweise hätte er eine Alan-Turing-‘Artificial-Intelligence‘ kreiert, eine die von überflüssigem Ballast befreit wäre. Die Frage, ob Turing-Maschinen und ihre Epigonen denken können, wäre für ihn jedenfalls kein Thema gewesen:

„The original question, can machines think I believe to be too meaningless to deserve discussion“

“Artificial intelligence is impossible.” Eric Holloway (2018).                                                                   

Da künstliche ‘Intelligenz’ mehrfach überzeugend in Abrede gestellt worden war – “how could the intelligent arise from operations which were themselves totally routine and mindless, entirely without intelligence?” (https://plato.stanford.edu/entries/turing/) ist ein präziser, sinnvoller Terminus  vorzuziehen, zum Beispiel:

Analysis Instrument(-ation), –Analyzer, -Evaluator etc. Vorausgesetzt, dass alle Daten Evidenz-basiert wären – ein a priori – könnte das System diagnostizieren, Differential-Diagnosen erstellen, evaluieren und prognostizieren (Akronym AImed), ein schlankes Instrument, frei von fehlerhaften und  unpräzisen Daten, welche unbemerkt im System landen. Besonders entbehrlich wären die ‚wissenschaftlichen‘ Einträge von Auftrag-Arbeiten.

Die Resultate, Analysen, Diagnosen und Prognosen müssten jedes Mal kritischer Prüfung und sachkundiger ‚NI‘-Expertise unterzogen werden. Beim Erstellen von Prognosen ist feinfühlige Umsicht geboten. Negative, zu vermeidende Beispiele wären: medizinische ‘AI‘-Resultate, ohne Erläuterungen oder mit irreführenden Erklärungen an Patienten abgegeben und weitergeleitet, aus den Händen ungeschulten oder nicht ausreichend ausgebildeten Personals. Allzu viel Porzellan wurde bereits zerschlagen: „Frau/Herr Doktor, werde ich nun blind? Bekomme ich Alzheimer? Sagen Sie mir bitte, wann?“ E. Topol: „Medicine has become inhuman.“

„Stephen Hawking sah in A.I. die Totenglocken der menschlichen Zivilisation“ – Recht hätte er jedoch nur im Falle einer absolut ‚autonom‘ agierenden, unkontrollierten A.I. – einem ‚unguided missile‘. „Ich finde nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur.“  JWG, Faust I     

Epilog: Turings Orakel (nicht ‚oracle‘) – “Beware of Secret Service and undesired toxic side effects“

Patera V: Alan’s Apple: Teuscher C, Ed. (2004) Alan Turing. Life and Legacy of a Great Thinker, 9-41. Springer

Copeland J (2004) The essential Turing. The ideas that gave birth to the computer age. Oxford NY

https://museumsfernsehen.de/meilensteine-des-wissens-meisterwerke-der-kunst-pascaline/

Artificial Intelligence: Sie wird uns knechten. Oder umgekehrt.

https://www.turing.ethz.ch/alan-turing/turing-s-death.html

Strathern P (1989) Turing & der Computer. Fischer

Topol E (2019) Deep Medicine. How Artificial Intelligence Can Make Healthcare Human Again. Basic Books, NY

AImed  : ein Vorschlag – Analysis Instrument (medicine) oder Analytical Instrumentation etc.

NI: Natürliche Intelligenz; diese schuf, nur am Rande erwähnt, all die ‚künstlichen‘ Spielarten der diversen ‚Tools‘.

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Interest: no

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: „Dritte Augen“

Dritte Augen

 „But Earthshaker Poseidon is a stubborn god, constantly enraged about the Cyclops, the onewhose eye Odysseus destroyed.” Odyssey Book 1

Das “Dritte Auge” hat Geschichte – nicht nur als “Ontogenese, welche die Phylogenese wiederholt ”.  Dieses unpaarige Parietalorgan bestätigt die biogenetische Grundregel:  Die Vorgänger unserer Zirbeldrüse, Glandula Pinealis, Epiphysis (ἐπίφυσις – aufsitzend, ‚outgrowth‘) im Epithalamus – finden sich in Crustaceae, in Insekten und in den Vertebraten. Bei verschiedenen Reptilien und Amphibien wird das Endvesikel des Diencephalons außen sichtbar – als komplett ausgebildetes „drittes Auge“, mit Linsen-ähnlichen Strukturen und „Retinae“, ausdifferenzierte Netzhäute mit radial arrangierten Sinneszellen.

Die dorsalen Projektionen des Diencephalons verloren im Lauf der Entwicklungsgeschichte ihre ursprünglich photoreziptiven Eigenschaften, wurden zu neuroendokrinen Drüsen. Die „Trilateralen Retinoblastome“, maligne Tumore des Frühkindesalters („gelbes Katzenauge“), lassen die enge Verwandtschaft dieser hochdifferenzierten Strukturen erkennen. 

„Dritte“ retinale Rezeptoren, intrinsisch photosensitive Melanopsin-Retinale-Ganglienzellen (MRGC), verdrahtet mit „Metronomen“, den selbst-oszillierenden Neuronen des Suprachiasmatischen Nucleus  (SCN) und der Zirbeldrüse steuern unsere Biorhythmen – Licht-abhängig.              

                                                                                        

Für René Descartes („esprits animaux“) hatte die Zirbeldrüse besondere Bedeutung. Aus Sinnesorganen und Blut „flössen Teilchen in dieses unpaarige Organ“ postulierte er: Ein „spiritus animalis“ entstünde in der Epiphyse. „Es gibt eine kleine Drüse im Gehirn, in der die Seele ihre Funktion spezieller ausübt als in jedem anderen Teil des Körpers“. Er war Spätaufsteher; Königin Cristine von Schweden war schon um fünf Uhr morgens hellwach und beorderte ständig den geplagten Philosophen unbarmherzig „mitten in der Nacht“ zu sich, bis es einfach zu viel wurde*. Er erkrankte bald an einer schweren Lungenentzündung und starb.

„Dritte Augen“ finden sich in Mythen, Märchen und Legenden, aber auch in Esoterik-Milieus. Die jahrtausende alte Esoterik der abendländischen Philosophiegeschichte mit ihren Gelehrten, Kirchenvätern und Mystikern geriet beinahe in Vergessenheit um heutzutage von Profit-orientierter „Esoterik“ abgelöst zu werden. In der aesthetischen Theologie und in der Philosophie fernöstlicher Denker existiert ein vollständig anderes, nicht vergleichbares „Drittes Auge“.

Das strahlende ‚Dritte Auge‘ – des Gottes Siva (oder Netra), findet sich ikonographisch, in Bildern Sivas und anderer Manifestationen, auch in buddhistischer Gottheiten, sowohl in philosophischen als auch religiösen Abhandlungen, metaphorisch, als das Auge der Weisheit, als „Drittes Auge des mystischen Intellekts“ (Raimon Panikkar). Netra Tantra, „Third Eye and Overcoming Death“ ist eine der grundlegenden Schriften des Trika Saivismus in Kashmir. Entstanden um das siebente bis achte Jahrhundert, dominieren der ‚Herr der Unsterblichkeit‘ (Amrtesa), das ‚Dritte Auge‘ und ’nondualistisches‘ Denken diese Schriften.

Netra Tantra fand, trotz seiner Bedeutung bisher nie den Weg nach Europa. Bettina Bäumer ist es zu danken, dass sie uns erstmals Einblick gewährt in diese faszinierenden Welten und dass sie uns die Augen öffnete für Parallelen, Übereinstimmungen und Gleichklänge mit Griechischen und Christlichen Traditionen: Das innere Auge, das Auge der Seele (Plato), das Sonnengleiche – (Enneaden), das Auge des Geistes (Corpus Hermeticum), – des Herzens,  das Auge Gottes..

Der Göttliche Dialog zwischen Siva und Devi zieht sich als roter Faden durch das Werk – Siva beantwortet Fragen und Bitten und Gebete: Das Dritte Auge der Gottheit strahlt, brennt, erlöst, befreit, vermittelt engültige Erkenntnis, überwindet Zeit und Tod (‚Mrtujit‘). Devi, die zauberhaft lächelnde „Große Mitleidige“ (atikarunyamayi) fragt gezielt diesen Gott, ‚der große Wunder wirkt‘, als Erstes, womit das Leiden, die Krankheit, das Elend, die quälende Angst und der Tod (auch unzeitig/zu früher -) für immer verbannt werden können. Erst dann wird das ‚Dritte Auge‘ zum zentralen Thema:                              

Das All-Sehende, All-Wissende, feurige, unbesiegbare ‚Dritte‘ Auge, „welches Zeit und Tod verglühen lässt, Göttliches und Geschöpfe vereint, mit Höchster Lebensenergie, mit Reinem Wissen (Nonduality) und mit dem Nektar der Unsterblichkeit erfüllt“.

„That Eye is praised in a powerful smile  –  of the complete Oneness of all things“

 

Bäumer Sharada Bettina (2019):  The Yoga of the Netra Tantra. Third Eye and Overcoming Death. (Shivam Srivastava, Ed.) DK Printworld, ND

*Klassisches Beispiel einer ‘Chronodisruption’  – ständige Störung des circadianen Rhythmus; dies kann dem Immunsystem schaden, ebenso wie ein zu früher Schulbeginn samt der Strafverschärfung „Sommerzeit“.

Gender: „beyond“

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