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„Blatt für Blatt – die Schätze der Josephinischen Bibliothek und mehr…“

Blatt für Blatt

Die Schätze der Josephinischen Bibliothek und mehr…

In exklusiven Führungen präsentieren unsere Bibliothekare die einzigartigen Schätze aus dem wertvollen historischen Bestand der Josephinischen Bibliothek.

An auserwählten Abenden erhalten Sie zusätzlich zum aktuellen Thema eine Spezialführung in der Sammlung der anatomischen Wachsmodelle im Josephinum oder im Narrenturm.

Die nächster Termin:

08.05.2018, 18.30 – 19.30 Uhr Dermatologie

Ort
Josephinum – Medizinische Sammlungen
Eingang im Ehrenhof links, 1.Stock, Währingerstraße 25, 1090 Wien

Eintritt
10€

***Aufgrund der sehr eingeschränkten Teilnehmerzahl bitten wir um rechtzeitige Voranmeldung unter: josephinum@meduniwien.ac.at oder (+43) 1 40160 26000***

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: „Otto Lechner: Der Kanari oder Die Macht der Musik“

Otto Lechner:
Der Kanari oder Die Macht der Musik

In seiner Antrittsrede in der Augartenstadt war zu hören: „Sie werden jetzt vielleicht sagen, wir hätten einen Vogel… ich sage ihnen: wir werden diesen Vogel fliegen lassen..“ so   sprach der Designierte Bürgermeister der Augartenstadt,
OTTO LECHNER, der Akkordeonist, ein strahlender Stern an unserem Musikhimmel. Und eines Tages erzählte er die unvergessliche Episode von der der Daumsltant ihrem Kanari:

„Ich war fünf Jahre alt und ging mit meiner Oma zur Großtante um ihr zum Geburtstag zu gratulieren.

FranzOnkel und Daums(ch)l wohnten in einem kleinen Haus. Sie hatten keinen Radio und Fernseher sowieso nicht.

Sie hatten nix – nur einen Kanarivogel. Ich bin hingekommen – mit meiner Ziehharmonika um der Daumsl zum Achtziger zu gratulieren – und spiel den Schneewalzer (mein normales Repertoire). Der Karienvogel, der wahrscheinlich in seinem Leben zum ersten Mal Musik gehört hat, hat  ang’fangen zum Singen, dass es einfach eine Freude war!

Und ich spiel, wie gesagt, den Schneewalzer und dann kommt: ‚Oide, geh ziag ma de Schuach aus‘ – und ich hör auf mit dem Lied – es ist ganz still – und alle weinen. Es hat sich herausgestellt, dass den Kanarivogel der Schlag getroffen hat!

 

Er ist vor lauter Aufregung vom Spriesserl g’fall’n und war tot. So hab ich der Daumschl ihren Kanari mit Musik um die Ecke gebracht. Dann wird man entweder Musiker oder net. Und so erwirbt man ein gewisses Bewusstsein für die Macht der Musik.“

Diese unübertreffliche „Moritat“ braucht weder Kommentar noch Ergänzung

http://ottolechner.at/

Weitere Beiträge: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?s=heilig

Einladung zu „VERSTRICKTES VERWIRRTES ENTWIRRTES ENTWICKELTES“

„1. Weltkrieg & Medizin“ [54]: Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ / PARDUBICE in Böhmen 1914 – 1918, Folge 8.8 – Ärztinnen und Ärzte

Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ / PARDUBICE  in Böhmen 1914 – 1918

Folge 8.8 – Ärztinnen und Ärzte

Die Ärzte im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 (1915-1918)

P

PACHNER, Wilhelm

Geboren 1838 war er vor dem Krieg heimatzuständig in Marienbad https://de.wikipedia.org/wiki/Marienbad.

Hier arbeitete er als Vertreter des Kurarztes Dr. Franz Perko (dieser promovierte 1893 an der deutschen Universität in Prag, arbeitete dann am gerichtsmedizinischen Institut ebenda, war praktischer Arzt in Nürschan https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BD%C5%99any bei Pilsen und Mitglied des Wiener medizinischen Doktorenkollegiums) im Hotel „Zum Kaiser von Österreich“.

Nach Kriegsbeginn meldete er sich zum Dienst im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz, wo er vom 30. August 1915 an bis zur Übernahme des Spitals in der zweiten Hälfte des Jahres 1916 durch die Heeresverwaltung arbeitete.

Aufgrund seines hohen Alters wurde er von der k. u. k. Armee nicht mehr übernommen.

PAOLAZZI, Hektor/Etore

Geboren 1867 war er vor dem Krieg Gemeindearzt in Spormaggiore https://de.wikipedia.org/wiki/Spormaggiore.

Er war im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz seit 1. Juni 1916 bis zum Kriegsende tätig.

PAPPENHEIM, Martin Moritz

Er wurde am 4. November 1881 in Preßburg https://de.wikipedia.org/wiki/Bratislava als Sohn eines Lehrers geboren. Von 1899 bis 1905 studierte er an der Universität Wien Medizin. Nach der Promotion war er 1906/07 Assistent an der Psychiatrischen Klinik in Prag, danach bis 1911 an der Psychiatrischen Klinik in Heidelberg.

Im Ersten Weltkrieg im Range eines Regimentsarztes eingerückt betreute er als Gefängnispsychiater den Attentäter von Sarajevo, Gavrilo Princip https://de.wikipedia.org/wiki/Gavrilo_Princip.

1915 habilitierte er sich als Privatdozent an der Universität in Wien in den Fächern Neurologie und Psychiatrie.

Vom September 1916 bis April 1917 leitete er als Chefarzt die neurologische Abteilung im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz.

Im April 1917 wurde er nach Wien versetzt in die neugeschaffene neurologische Station des Kriegsspitals in Grinzing, vom 1. Juni 1917 bis Dezember 1918 war er Leiter der Nervenabteilung im Kriegsspital in Grinzing.

Er war aktiver Sozialdemokrat und besuchte 1920/21 die Sowjetunion. 1922 wurde Pappenheim Vorsteher der neurologischen Abteilung am Krankenhaus Lainz und 1924 außerordentlicher Professor für Neurologie und Psychiatrie der Universität Wien.

Ab 1928 war er Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, er gehörte zum engeren Kreis um Sigmund Freud.

Pappenheim kehrte 1934, nach dem Scheitern der Februaraufstände in Österreich, auf Anraten von Freunden, von einer Palästinareise nicht mehr zurück, sondern ließ sich dort nieder.

Zur Person siehe auch:

http://ub.meduniwien.ac.at/blog/?tag=martin-pappenheim-1881-1943

Publikationen – Auswahl Bücher:

Die Neurosen und Psychosen des Pubertätsalters. Berlin. 1914

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8578047&pos=0&phys=

Die Lumbalpunktion – Anatomie, Physiologie, Technik, Untersuchungsmethoden, diagnostische und therapeutische Verwertung. Wien 1922

Gavrilo Princips Bekenntnisse – ein geschichtlicher Beitrag zur Vorgeschichte des Attentates von Sarajevo ; zwei Manuskripte Princips ; Aufzeichnungen seines Gefängnispsychiaters Dr. Pappenheim aus Gesprächen von Feber bis Juni 1916 über das Attentat, Princips Leben und seine politischen und sozialen Anschauungen. Wien 1926

Allgemeine Grundlagen der Reflexologie des Menschen – Leitfaden für das objektive Studium der Persönlichkeit. Hrsg von Bechterev, Vladimir Michailovič (1857-1927) und Pappenheim, Martin. Leipzig, Wien 1926

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8622816&pos=8&phys=

Neurosen und Psychosen der weiblichen Generationsphasen. Wien, Berlin 1930

Publikationen – Auswahl Artikel:

1916 Über Neurosen bei Kriegsgefangenen

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1916&size=45&page=711

1918 Über Kriegsneurosen bei türkischen Soldaten zusammen mit Victor Kraus PDF–>

1919 Die diagnostische und therapeutische Bedeutung der Lumbalpunktion

  1. Teil

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1919&size=45&page=560

  1. Teil

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1919&size=45&page=588

1919 Zur Frage der durch die Grippe verursachten Nervenschädigung mit Berücksichtigung des Liquorbefundes (Wiener klinische Wochenschrift Nr. 15, 1919)

1921 Klinische Beiträge zur Frage der Sensibilitätsstörung bei Oblongataherden, zusammen mit Karl Gross (Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, Band 63, 1921, S. 93ff.)

1923 Über die Veränderungen des Liquor cerebrospinalis  bei der nichtnervösen Lues und über ihre prognostische Bedeutung (Archiv für Dermatologie und Syph Band 144, Heft 1)

1923 Neueres über Lumbalpunktion (Jahreskurse ärztliche Fortbildung, Jahrgang 1923, Maiheft)

1925 Die Anwendung der Lumbalpunktion in der Oto- und Rhinologie

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1925&size=45&page=632

1926 Trigeminusneuralgie durch Druck der arteriosklerotisch veränderten Art. basilaris   auf den Trigeminusstamm

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=19260003&query=((text:%22martin+pappenheim%22))&ref=anno-search&seite=88

1927 Zisternenpunktion oder Lumbalpunktion

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=19270003&query=((text:%22martin+pappenheim%22))&ref=anno-search&seite=1078

1928 Syphilis und multiple Sklerose, zusammen mit Eugen Pollak

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=19280003&query=((text:%22martin+pappenheim%22))&ref=anno-search&seite=859

1929 Eunuchoidie und Zwergwuchs

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=19290003&query=((text:%22martin+pappenheim%22))&ref=anno-search&seite=220

1932 Die offene psychiatrische Krankenabteilung als Mittelpunkt der psychischen Hygiene (Wiener klinische Wochenschrift 1932, Nr.12)

1932 Zur Frage des Übertritts von Wassermann-Reaginen aus dem Blut in den Liquor

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=19320003&query=((text:%22martin+pappenheim%22))&ref=anno-search&seite=334

Pappenheim beschäftigte sich im Krieg auch mit Kriegsneurosen und deren Behandlung

Dazu siehe:

  1. November 1918 Organisatorisches über Kriegsneurosen und –psychosen http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1918&page=925&size=45&qid=4IDOWRGFDNA33GSKDCOYKBMA0TVDM8

10, Mai 1919 Zur Behandlung der Kriegsneurosen von Artur Schüller

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=19190003&query=((text:kriegsneurosen))&ref=anno-search&seite=497

  1. Oktober 1920 Schwere Anschuldigungen gegen Professor Wagner-Jauregg und andere Ärzte

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19201014&query=%22martin+pappenheim%22&ref=anno-search&seite=8
siehe auch Oskar Fischer –>PDF

  1. Oktober 1920 Professor Kornfeld über die faradische Methode

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19201015&query=%22martin+pappenheim%22&ref=anno-search&seite=5

  1. Oktober 1920 Die Untersuchung gegen Professor Wagner-Jauregg

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19201015&query=%22kriegsneurosen%22&ref=anno-search&seite=5

  1. Oktober 1920 Die Verhandlung gegen Prof. Wagner-Jauregg

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19201016&query=%22kriegsneurosen%22&ref=anno-search&seite=7

  1. Oktober 1920 Die Behandlung der Kriegsnervösen

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19201021&seite=6&zoom=33&query=%22kriegsneurosen%22&ref=anno-search

Komnacky, Christina: „Kriegszitterer“ – Posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten im und nach dem Ersten Weltkrieg

http://othes.univie.ac.at/45735/1/48021.pdf

siehe auch:

Zucha, Rudolf O.: Kriegsneurosen: Konflikt Wagner-Jauregg vs. Sigmund Freud

https://ppp.bsa.at/sites/default/files/ppp-kriegsneurosen_0.pdf

1931 zu Princip siehe noch:

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dkb&datum=19310630&query=%22martin+pappenheim%22&ref=anno-search&seite=5

PAUL, Ignaz

Geboren 1888 war er heimatzuständig nach Wollein https://de.wikipedia.org/wiki/M%C4%9B%C5%99%C3%ADn. Vor Kriegsbeginn vertrat er hier den praktischen Arzt.

Seit 16. März 1915 war er tätig im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz. Kurz vor Kriegsende 1918 findet sich sein Name nicht mehr in der Ärzteliste dieses Spitals.

PLANANSKY, Josef

Aus Senftenberg/Böhmen https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%BDamberk stammend, war seit 1907 Distriktsarzt im Gerichtsbezirk Senftenberg https://de.wikipedia.org/wiki/Bezirk_Senftenberg tätig.

Im Range eines Regimentsarztes bei Kriegsbeginn zur Armee einberufen, wurde er dem Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 zur Dienstleistung in der 6. Abteilung/Sektion zugeteilt, gilt im Personalstandverzeichnis aus dem Jahr 1918 dieses Spitals als „auf unbestimmte Zeit enthoben.“

PLEŠINGER, Emil

Geboren 1870 in Kasanice/Nähe Kuttenberg https://de.wikipedia.org/wiki/Kutn%C3%A1_Hora in Böhmen, studierte er an der böhmischen Universität in Prag Medizin und promovierte hier am 31. Jänner 1902.

Bei Kriegsbeginn war er als Primararzt in der dermatologischen Abteilung des Spitals der Barmherzigen Brüder in Prag tätig, daneben betrieb er auch eine Ordination in Prag.

Am 26. September 1917 wurde er in das Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 nach Pardubitz zur Dienstleistung einberufen und wurde der 7. Abteilung/Sektion (das war das Offiziersspital) zugeteilt. Seinem Ansuchen um Versetzung nach Prag im März 1918 wurde nicht stattgegeben.

POLAK, Otto/Ottokar

Geboren 1869, war er heimatzuständig in Stelcoves bei Buschtiehrad https://de.wikipedia.org/wiki/Bu%C5%A1t%C4%9Bhrad

Vor dem Krieg war er von 1902 an Primararzt im Bezirkskrankenhaus Böhmisch Brod gewesen.

Nach Kriegsbeginn meldete er sich zur Dienstleistung ins Kriegsspital/Reservespital Nr. in Pardubitz und war hier seit 30. Mai 1915 als Chirurg tätig.

Er verstarb 1947.

Über seine Tätigkeit und seine Erfahrungen in dieser Zeit publizierte er mehrere Artikel (in tschechischer Sprache) in der Zeitschrift Časopis lékařů českých:

1916 Nr. 41

Prvních 5000 propuštěných vojínů ve stanici pro raněné a nemocné v P. (Barákový oddíl.)

1917 Seite 493ff und Seite 536ff und Seite 578ff:

Přehled operativni  činnosti v. c. a k. reservni nemocnici čis. 2. v. P. I. odděl. 

PRAŽAK, Richard

1887 geboren war er heimatzuständig im Bezirk Reichenau a. d. Knieschna https://de.wikipedia.org/wiki/Rychnov_nad_Kn%C4%9B%C5%BEnou.

Er absolvierte sein Medizinstudium an der böhmischen Universität in Prag, und ließ sich nach dem Studium zum Bakteriologen ausbilden.

Seit 1. Juli 1915 war er angestellt im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz, ab Ende Jänner 1917 arbeitete er im Kriegsgefangenenlager Theresienstadt

https://de.wikipedia.org/wiki/Terez%C3%ADn.

PROKOP, Josef

Geboren am 2. Februar 1870 in Trebnitz https://de.wikipedia.org/wiki/T%C5%99ebenice in Böhmen studierte er zehn Semester Medizin an der deutschen Universität in Prag und promovierte hier zum Doktor der gesamten Heilkunde am 12. November 1897.

Am 21. März 1892 rückte er als „einjährig freiwilliger Mediziner auf Staatskosten“ zum Infanterieregiment Nr. 92 ein. Nach Absolvierung seines Militärdienstes nahm er eine Stelle als praktischer Arzt in Eulau https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%ADlov%C3%A9_u_D%C4%9B%C4%8D%C3%ADna an.

 1914 – 1918:

—  vom  1. September 1915 bis 15. März 1916:

     Reservespital in Reichenberg

—  vom 15. März 1916 bis 25. Juli 1916:

     Garnisonsspital Nr. 1 in Wien als Sekundararzt in der 2. Krankenabteilung eingeteilt

—  25. Juli 1916 bis 31. Juli 1918:

     Sanitätskraftwagenkolonne Nr. 31

—  Ab 1. August 1918 bis Kriegsende im:

    Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz

PROSCH, Alexander

Geboren 1873 in Aussig https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Ast%C3%AD_nad_Labem arbeitete er nach seinem Medizinstudium als Assistent des Oto-Rhino-Laryngologen Otto Piffl https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Piffl. Danach bekam er eine Stelle im Allgemeinen Krankenhaus in Prag.

Am 25. Jänner 1908 wurde ihm die Leitung einer eigenen Abteilung für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrankheiten im Stephanshospital in Reichenberg (= öffentliches allgemeines Krankenhaus) mit 10 Betten übertragen.

Im 1. Weltkrieg war er von Mitte 1916 bis Anfang 1917 im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz als Oto-Rhinologe und als Sektionskommandant tätig.

Seine letzte Station im Weltkrieg war das Reservespital in Reichenberg, dem er bis Kriegsende angehörte.

Text: Reinhard Mundschütz

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [62]: Emanuel Berghoff – Medizinhistoriker und Widerstandskämpfer. Herausgeber der Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger im Jahr 1948 – Teil 2

1938/1945 Emanuel Berghoff – Medizinhistoriker, Widerstandskämpfer und Herausgeber der Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger im Jahr 1948 – Teil 2

Text: Dr. Walter Mentzel

Im Jahr 1948 erschien aus Anlass des 80. Geburtstages des österreichischen Medizinhistorikers und Gründers des Institutes für Geschichte der Medizin am Standort des Josephinum in Wien, Max Neuburger (1868-1955), eine von seinem langjährigen „Schüler“ und Mitarbeiter, Emanuel Berghoff (1896-1974), herausgegebene Festschrift unter dem Titel:

Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger. Mit 91 internationalen medicohistorischen Beiträgen. (= Wiener Beiträge zur Geschichte der Medizin/2). Hrsg.: Emanuel Berghoff. Wien: Verlag Wilhelm Maudrich 1948.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: K16771/2]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

 

Abb. 1    Titelblatt: Festschrift zum 80. Geburtstag Max Neuburgers. Wien: 1948.

Diese Festschrift hatte zum Zeitpunkt ihres Erscheinens eine mehr als zehnjährige Geschichte hinter sich. Berghoff, der schon die Arbeiten an der 1928 zum 60. Geburtstag Neuburgers herausgegebenen Festschrift übernommen hatte,[1] übernahm auch für die 1938 als Sammelband konzipierte Publikation zu dessen 70. Geburtstag die Redaktion. Zur gleichen Zeit schrieb Berghoff an einer ebenso für das Jahr 1938 geplanten Biografie über das Leben und wissenschaftliche Wirken Max Neuburgers, die wie die Festschrift erst zehn Jahre später 1948 publiziert werden konnte.

Berghoff, Emanuel: Max Neuburger. Werden und Wirken eines österreichischen Gelehrten. Mit einem Vorwort von Dr. Henry E. Sigerist. (= Wiener Beiträge zur Geschichte der Medizin/III). Hrsg.: Emanuel Berghoff. Wien: Verlag Wilhelm Maudrich 1948.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: K 16771/3]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8544224&pos=34&phys=

Abb. 2    Titelblatt: Berghoff: Max Neuburger. […] Wien: 1948.

Da nach dem „Anschluss“ sowohl Max Neuburger als auch Emanuel Berghoff von der NS-Verfolgung betroffen waren – Berghoff wurde aus „politischen und rassischen“ Gründen verfolgt – konnte die Drucklegung der Festschrift nicht wie geplant verwirklicht werden. Die bis März 1938 eingelangten Manuskripte der Autoren der Festschrift gelangten zunächst bedingt durch die Flucht von Berghoff nach Jugoslawien, wo er im Rahmen des im September 1938 stattgefundenen 11. Internationalen Kongresses für Geschichte der Medizin in Dubrovnik die Drucklegung der Festschrift zu bewerkstelligen versuchte, davon jedoch wegen der „dort schon unsicher gewordenen politischen Verhältnisse“ wieder Abstand nehmen musste. Nachdem sich Berghoff nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien der Widerstandsbewegung von Josip Broz Tito (1892-1980) angeschlossen hatte und er nach seiner Festnahme in das KZ Groß Rosen deportiert worden war, lag das weitere Schicksal der Manuskripte in den Händen seiner Ehefrau Anna Maria Berghoff (*21.2.1907, gest. 1989 Wien), die laut der von Berghoff nach 1945 getroffenen Darstellung die Manuskripte in Sicherheit bringen konnte.[2] Nach der Rückkehr von Berghoff nach Wien im Sommer 1945 standen sie so wieder für eine Drucklegung zur Verfügung.

Von den 91 österreichischen vor allem aber internationalen Autoren, die am Sammelband mitwirkten, hatten 20 ihre Manuskripte für die für Publikation bis zum Jahresbeginn 1938 abgegeben. Ihre nunmehr 1948 publizierten Aufsätze sind am Beginn der Texte in Fußnoten mit dem Hinweis „1938 als Manuskript eingelangt“ versehen.

Abb. 3    Aus: Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger. Mit 91 internationalen medicohistorischen Beiträgen. (= Wiener Beiträge zur Geschichte der Medizin/2). Hrsg.: Emanuel Berghoff. Wien: Verlag Wilhelm Maudrich 1948.

Einige dieser Autoren waren bei Erscheinen der Festschrift 1948 bereits verstorben, andere waren zu dieser Zeit im Exil. Max Neuburger, dem die Festschrift galt, lebte zum Zeitpunkt der Erscheinung des Sammelbandes 1948 nach seiner Emigration in London bei seinem Sohn in Buffalo/USA. Er kehrte erst 1952 nach Wien zurück. Die Festschrift lässt sich damit als Dokument jener nach dem März 1938 an der Medizinischen Fakultät durch das NS-Regime stattgefundenen Verfolgungen aber auch als Mahnmal der Verfolgungsgeschichte jüdischer Mediziner in Europa von 1933 bis 1945 lesen.

Zu den mit dem Vermerk „1938 als Manuskript eingelangt“ versehenen Autoren zählt zunächst der Beitrag des Herausgebers Emanuel Berghoff selbst, der mit einem Aufsatz über „Die Ausbildung zum ärztlichen Beruf im Wandel der Zeit“ im Band vertreten ist.

Ein Artikel mit dem Titel „Zur Wohnungsfrage im Alten Wien“ stammt vom Dozenten für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät und Chefarzt der Tuberkulosefürsorge der Stadt Wien, Alfred Götzl (1873-1946), der aufgrund seiner jüdischen Herkunft der NS-Verfolgung ausgesetzt war und dem es gelang mit seiner Familie nach San Francisco/USA zu flüchten.

Ein weiterer bereits 1938 abgegebener Beitrag stammte von dem deutschen Pathologen und Medizinhistoriker Edgar Goldschmid (1881-1957), der 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft vor den Nationalsozialisten in die Schweiz flüchtete und als Medizinhistoriker an der Universität Lausanne unterrichtete. Er ist mit einem 1938 abgegebenen Beitrag „Handzeichnungen chirurgischer Erkrankungen von J. E. Klemm (1817-1822)“ vertreten.

Ein Aufsatz über „Medizinisches aus einer alten Chronik“ stammt vom polnischen Gynäkologen Jan Lachs (1869-1954), der nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen wegen seiner jüdischen Herkunft der Verfolgung ausgesetzt war. Lachs überlebte den Holocaust als Arzt und Leiter der Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung des israelitischen Krankenhauses in Krakau und nach der Liquidierung des Krakauer Ghettos in einem Versteck. 1947 habilitierte er sich im Fach Geschichte der Medizin und der Pharmazie.

Vom Prof. für Kinderheilkunde Ernst Mayerhofer (1877-1957), der seit 1923 in Zagreb arbeitete, stammt der 1938 abgegebene Aufsatz „Paediatrie und Volksmedizin (mit besonderer Berücksichtigung der Südslawen)“. Der Aufsatz enthält die Anmerkung: „Zagreb, Juni 1938; damals wegen der Zustände im Okkupationsbereich nicht zum Drucke gelangt: Der Autor“.

Ein Aufsatz „Über eine arabische Krankenhauspharmakopöe aus Kairo (um 1200 N. Chr.)“ kam vom deutsch-ägyptischen Augenarzt und Medizinhistoriker Max Meyerhof (1874-1945). Meyerhof der jüdischer Abstammung war, wurde in Hildesheim geboren, studierte in Heidelberg, Freiburg, Berlin und Straßburg Medizin, arbeitete ab 1898 an verschiedenen Augenkliniken in Deutschland und eröffnete 1902 in Hannover eine eigene Praxis. Bereits 1903 emigrierte er nach Ägypten und eröffnete in Kairo eine Augenpraxis für Verarmte. Er gehörte ab 1913 zu den Mitherausgebern der „Revue médical d’Égypte“. Ab den 1920er Jahren widmete er sich auch orientalistischen, philologischen und medizinhistorischen Studien und war Übersetzer arabischer medizinischer Text-Überlieferungen. 1932 erhielt er das Angebot den Lehrstuhl für Medizingeschichte an der Universität Leipzig zu übernehmen, das er aufgrund des anwachsenden Antisemitismus und dem Aufstieg der Nationalsozialisten ablehnte. Er gab seine deutsche Staatsbürgerschaft auf, nahm 1936 die ägyptische Staatsbürgerschaft an und engagierte sich in einem jüdischen Hilfswerk für die aus Europa geflüchteten Juden. Am 20. April 1945 starb Meyerhof in Kairo, wo er auf dem jüdischen Friedhof beerdigt wurde.

Beiträge von zwei wegen ihrer jüdischen Abstammung 1938 verfolgten Mitgliedern der Wiener Medizinischen Fakultät stammen vom Radiologen und Röntgenologen, Prof. Leopold Freund (1868-1943), der 1943 im Exil in Brüssel unter ungeklärten Umständen verstarb. Sein 1938 abgegebener Aufsatz lautete: „Ein Beitrag zur Geschichte der Entstehung der Röntgentherapie“. Der zweite Aufsatz stammt vom Laryngologen Prof. Emil Fröschels (1884-1972) der den Titel „Ein Versuch, von der Medizin aus die Entstehung und Bedeutung einer Hyroglyphe zu erklären“ trägt. Fröschels flüchtete 1939 in die USA, wo er seine wissenschaftliche Karriere zunächst als Research Professor an der Washington Universität, danach als Direktor der Speech and Voice Clinic des Mount Sinai Hospitals in New York und an der Speech and Voice Clinic am Beth David Hospital in New York fortsetzte.

Weitere 1938 eingebrachte Aufsätze kamen vom französischen Bibliothekar, Medizinhistoriker und Mediziner Ernest Wickersheimer (1880-1965), von dem in Chicago wirkenden Kinderarzt, Isaac Abt (1867-1955), vom in Deutschland geborenen US-Bakteriologen Charles Frederick Bolduan (1873-1950), vom US-Neurologen Robert Foster Kennedy (1884-1952) und vom britischen Medizinhistoriker und Präsidenten der History of medical Society und der Royal society of medicin, D’Arcy Power (1855-1941). Aus Rumänien kamen 1938 Beiträge von Constantin Ion Parhon (1874-1969), George Zaharia Petrescu (1874–1954) und Hector Sarafidi/Έκτωρ Σαραφίδης (1872-1950), sowie aus Polen ein Aufsatz vom Gründer des Institutes für Geschichte der Medizin und Philosophie an der Jagiellonen-Universität in Krakau, Władysław Szumowski (1875-1954). Ein weiterer 1938 abgelieferter Beitrag stammt von dem mit dem italienischen Faschismus sympathisierenden und involvierten italienischen Medizinhistoriker Davide Giordano (1864-1954).

Quellen:

Archiv der Universität Wien, Dekanat der Medizinischen Fakultät, Zl. 41/1945-1946 Institut für Geschichte der Medizin

Wiener Stadt- und Landesarchiv:

WStLA, Selbstverwaltungskörper, Ärztekammer Wien, Personalakt Ärztekammer Wien 2.10.1. A1 Berghoff Emanuel Personalakt Ärztekammer.

WStLA, M.Abt. 119, Gelöschte Vereine, Akt 1.3.2.119.A32. Zl. 8.857/1931 Akademische freie Vereinigung für medizinische Geistesgeschichte.

[1] Festschrift zur Feier seines 60. Geburtstages am 8. Dezember 1928. Max Neuburger gewidmet von Freunden, Kollegen und Schülern. (= Internationale Beiträge zur Geschichte der Medizin). Wien: Verlag des Fest-Komitees 1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 6043]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

[2] Berghoff, Emanuel: Max Neuburger. Werden und Wirken eines österreichischen Gelehrten. Mit einem Vorwort von Dr. Henry E. Sigerist. (= Wiener Beiträge zur Geschichte der Medizin/III). Hrsg.: Emanuel Berghoff. Wien: Verlag Wilhelm Maudrich 1948. S. Vorwort.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [61]: Emanuel Berghoff – Medizinhistoriker und Widerstandskämpfer. Herausgeber der Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger im Jahr 1948 – Teil 1

1938/1945 Emanuel Berghoff – Medizinhistoriker und Widerstandskämpfer. Herausgeber der Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger im Jahr 1948 – Teil 1

Text: Dr. Walter Mentzel

Emanuel Berghoff war Mediziner, praktizierender Zahnarzt und arbeitete ab den 1920er Jahren bis 1938 als Medizinhistoriker eng mit Max Neuburger (1868-1955) am Josephinum zusammen. Nach 1945 versuchte er erfolglos an der Tradition von Max Neuburger anzuknüpfen.

Berghoff wurde am 1. Jänner 1896 als Sohn von Lazar Berghoff und Antonia Berghoff, geborene Beilich, in Suceava/Suczawa/Szucsáva/Сучава in der Bukowina (heute: Rumänien) geboren. Sein Vater war Veterinärmediziner und arbeitete zunächst als Bezirkstierarzt in Suceava und nach seiner Ernennung zum Bezirksobertierarzt (1909) in Gura Humorului/Gura Humora/גורא הומאָרא und zuletzt in Czernowitz/Bukowina. Emanuel Berghoff war seit 1936 mit Anna Maria Berghoff (*21.2.1907, gest. 1989 Wien), geborene Pisa, verheiratet.[1] Er absolvierte das Gymnasium im Juni 1914 am 1. Staatsgymnasium in Czernowitz, nahm am Ersten Weltkrieg als Sanitätskadett teil[2] und rüstete 1919 im Reserve Spital Klosterneuburg ab.[3] Das Studium der Medizin an der Medizinischen Fakultät Medizin in Wien schloss er am 27.11.1922 mit der Promotion ab, wonach er u.a. an der dermatologischen Abteilung bei Prof. Gabriel Nobl (1864-14.3.1938) arbeitete. Seine anschließende fachärztliche Ausbildung im Fach Zahnheilkunde und Kieferheilkunde bei Rudolf Weiser (1859-1928) und Hans Pichler (1877-1949) schloss er 1923 am zahnärztlichen Institut ab und eröffnete 1924 als Facharzt für Zahn- Mund und Kieferheilkunde eine Ordination in Wien, die er bis 1938 führte.[4] Daneben arbeitete an der Schulärztlichen Klinik und am Krankenkassenambulatorium für Industrieangestellte in Wien.

Abb. 1    Archiv Sammlungen Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-AS-003329.

Seit den frühen 1920er Jahren war er in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs (SdAPÖ) in der Erwachsenen- und Volksbildung aktiv, wo er sich als Journalist und Vortragender Themen des Mutterschutzes und der Kindererziehung aus medizinsicher Sicht sowie der Lebensreform und der Körperkultur widmete und sich bei den „Naturfreunden“ in der Bezirksgruppe Josefstadt engagierte.[5] Er bot einmalwöchentlich unentgeltliche ärztliche Beratung an,[6] arbeitete in der vom „Bund für Mutterschutz“ organisierten „Arbeitsgemeinschaft für Mutter- und Erziehungsberatung“ („Muttergemeinschaft“)[7] und veröffentlichte laufend Artikel in der Arbeiter-Zeitung, wie im Dezember 1924 zur „Bedeutung der Mundpflege für die Volkswohlfahrt“,[8] zur „Erkrankung des Zahnfleisches als Gewebekrankheit“,[9] zum Thema „Was soll man essen?“[10] Weiters publizierte er zahlreiche Artikelserien in der 1924 von der 1938 von den Nationalsozialisten vertriebenen Gina Kaus (1893-1985) herausgegebenen Zeitschrift „Bundes für Mutterschutz“. In der Zeitschrift „Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, Säuglingshygiene und Kindererziehung“ behandelte er Themen wie: „Die Bedeutung der Mundpflege für das Kind“[11], oder „Die sogenannten Zahnungskrankheiten“[12], „Einfluss der Rachitis auf die Zahnentwicklung[13], „Fleisch- oder Pflanzennahrung?“[14], „Hygiene des Mundes“[15], „Der Einfluss der Ernährung auf die Zähne“[16], „Stiefkinder der Natur“ (über missgebildete Kinder)[17] und „Kind und Sonne“.[18] Ab 1927 war er Referent im Verband der sozialistischen Arbeiterjugend.[19]

Emanuel Berghoff am Institut für Geschichte der Medizin

Neben seiner Tätigkeit als Zahnarzt arbeitete Berghoff seit spätestens 1928 bei Max Neuburger am Institut für Geschichte der Medizin am Josephinum zu medizinhistorischen Themen und publizierte regelmäßig. Er galt in den 1930er Jahren als „Schüler“ Max Neuburgers. In den 1930er Jahren schrieb er einige medizinhistorische Aufsätze in der Wiener medizinischen Wochenschrift unter der Rubrik: „Aus dem Medikohistorischen Institut der Wiener Universität. Vorstand Professor Dr. med. et. phil. M. Neuburger“. Darunter 1930: „Der Anteil der Wiener Schule an der Entwicklung der Lokalanästhesie“,[20] 1932 „Ein Verteidiger des Paracelsus im 17. Jahrhundert in Altösterreich“,[21] 1933 „Franz Anton Mesmer (1733-1833) Anlässlich seines 200. Geburtstages“,[22] 1935 der Aufsatz „Verlebendigung der Medizingeschichte“[23] den er Max Neuburger widmete und 1937 „Zahnärztliches in August Gottlieb Richters ‚Anfangsgründe der Wundarzneykunst‘“.[24] 1937 erschien seine Monografie: 

Berghoff, Emanuel: Religion und Heilkunde im Wandel der Zeiten. Mit 21 Abbildungen. Wien: Verlag Ars Medici 1937.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 9616]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8544232&pos=40&phys=

Abb. 2    Titelblatt: Berghoff: Religion und Heilkunde […]. Wien: 1937.

Diese und weitere zahlreiche Artikel und Aufsätze zu medizinhistorischen Themen, die Berghoff in Fachzeitschriften publizierte finden sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

Der Verein „Akademische freie Vereinigung für medizinische Geistesgeschichte und praktische Medizin“ am Josephinum

Berghoff war in der von Max Neuburger 1931 gegründeten „Akademische freie Vereinigung für medizinische Geistesgeschichte und praktische Medizin“, die sich dem Studium der „medizinischen Geistesgeschichte und medizinischer Klassiker […] auf ihre Bedeutung für die Praxis der Gegenwart zu fördern […] und allgemeine Probleme des Arzttums und der ärztlichen Wissenschaft im Sinne einer medizinischen Weltanschauung“ widmete, Mitglied, Referent und Schriftführer.[25] Die Ziele und den historischen Kontext der Vereinsgründung beschreibt Isidor Fischer (1868-1943) 1932 in der Wiener Medizinischen Wochenschrift.[26] Der Verein wurde nach dem „Anschluss“ vom Stillhaltekommissar Vereine, Organisationen und Verbänden laut § 3 des Gesetzes über die Überleitung und Eingliederung von Vereinen, Organisationen und Verbänden, GBl. Nr. 136/1938, aufgelöst. Ebenfalls seit spätestens 1931 war er in der „Gesellschaft für Volksbildung“ aktiv, in dessen Vorstand er auch gewählt worden war.[27]

Verfolgung und Widerstand

Berghoff war nach dem „Anschluss“ aufgrund seiner jüdischen Herkunft (er trat zum röm. kath. Glauben über) der NS-Verfolgung ausgesetzt und verlor seine ärztliche Praxisberechtigung aufgrund der 4. Verordnung zum Reichsbürgergesetz, das die Approbationen jüdischer Ärzte aufhob.[28] Laut seinen nach 1945 gemachten Angaben, floh er im September 1938 wegen seiner Verfolgung aus „politischen und rassischen“ Gründen aus Österreich. Ebenfalls nach seinen eigenen Aussagen schloss er sich nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien der Widerstandsbewegung von Josip Broz Tito (1892-1980) – der kommunistischen „Volksbefreiungsarmee“ an – wo er als Chefarztstellvertreter bei Partisaneneinheiten in der Gruppe Dalmatien, Abschnitt Split zum Einsatz kam. Nach seiner Festnahme wurde er im August 1944 in das KZ Groß Rosen deportiert, wo er 1945 befreit wurde.

Nach seiner Rückkehr nach Wien im Mai 1945 setzte er seine Arbeit als Zahnmediziner nach der Wiedereröffnung seiner zahnärztlichen Praxis bis zu seiner Pensionierung fort. Seine Bemühungen im Juli 1945 beim kommunistischen Staatssekretär für Volksaufklärung, Unterricht, Erziehung und Kultus, Ernst Fischer (1899-1972), als Nachfolger von Max Neuburgers zum Leiter des Institutes für Geschichte der Medizin am Josephinum bestellt zu werden, scheiterten, da der zu dieser Zeit amtierende Direktor des Wiener AKH, Leopold Schönbauer (1888-1963), sich bereits zum provisorischen Leiter des Institutes inthronisiert hatte und diese bis zur Bestellung von Erna Lesky (1911-1986) 1960 nicht mehr abgab. Seine Vergangenheit in einer kommunistischen Widerstandsorganisation dürfte den Ausschlag für seine Ablehnung gegeben haben. Damit war für Berghoff die weitere Karriere als institutionalisierter Medizinhistoriker versperrt und die Chance einer Anknüpfung, Tradierung und Weiterentwicklung der vor 1938 von Max Neuburger und Isidor Fischer geprägten medizinhistorischen „Schule“ abgeschnitten worden.

Nach 1945 publizierte Berghoff weitere medizinhistorische Arbeiten, war Schriftleiter der Zeitschrift Hygiene, Zeitschrift für Fragen der prophylaktischen Medizin (= Organ der Österreichischen Gesellschaft für prophylaktische Medizin) und Redakteur der Internationalen Zeitschrift für prophylaktische Medizin und gab 1948 die Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger heraus.

Festschrift zum 80. Geburtstag von Max Neuburger. Mit 91 internationalen medicohistorischen Beiträgen. (= Wiener Beiträge zur Geschichte der Medizin/2). Hrsg.: Emanuel Berghoff. Wien: Verlag Wilhelm Maudrich 1948.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: K16771/2]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

Abb. 3    Umschlag: Festschrift zum 80. Geburtstag Max Neuburgers. Wien: 1948.

Seine weiteren Bemühungen um die Übernahme der Leitung des Institutes für Geschichte der Medizin, scheiterten unter anderem auch, da er sich mit Max Neuburger nach dessen Rückkehr aus dem Exil nach Österreich überworfen hatte. Emanuel Berghoff verstarb am 23.9.1974 in Wien.

Quellen:

Archiv der Universität Wien, Dekanat der Medizinischen Fakultät, Zl. 41/1945-1946 Institut für Geschichte der Medizin.

Wiener Stadt- und Landesarchiv:

WStLA, Selbstverwaltungskörper, Ärztekammer Wien, Personalakt Ärztekammer Wien 2.10.1. A1 Berghoff Emanuel Personalakt Ärztekammer.

WStLA, M.Abt. 119, Gelöschte Vereine, Akt 1.3.2.119.A32. Zl. 8.857/1931 Akademische freie Vereinigung für medizinische Geistesgeschichte.

[1] WStLA, Selbstverwaltungskörper, Ärztekammer Wien, Personalakt Ärztekammer Wien 2.10.1. A1 Berghoff Emanuel Personalakt Ärztekammer. Friedhofsdatenbank Wien. Weiters: Bukowinaer Post, 22.11.1910, S. 3,

[2] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 5, 1917, S. 276.

[3] Archiv – Sammlungen am Josephinum: Sign. AS-001423 Berghoff Emanuel.

[4] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 12..3.1924, S. 11.

[5] Arbeiter Zeitung, 10.4.1930, S. 11. Der Wiener Bote (Die Naturfreunde), 1930 H. 9/10, S. 6.

[6] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 16.12.1925, S. 14.

[7] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 16.6.1926, S. 2.

[8] Arbeiter Zeitung, 6.12.1924, S. 11.

[9] Arbeiter Zeitung, 14.3.1925, S. 9.

[10] Arbeiter Zeitung, 5.8.1925, S. 9.

[11] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 1.3.1925, S. 6-7.

[12] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 1.6.1925, S. 6-7.

[13] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 15.7.1925, S. 2.

[14] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 1.9.1925, S. 6.

[15] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 1.10.1925, S. 2.

[16] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 16.12.1925, S. 10.

[17] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 1.4.1926, S. 11.

[18] Die Mutter. Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 16.6.1926, S. 8.

[19] Arbeiter-Zeitung, 11.1.1928, 25.5.1928, S. 10, 5.12.1928, S. 9, 27.3.1929, S. 9.

[20] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 30, 1930, S. 995-996.

[21] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 38, 1932, S. 1192-1194.

[22] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1933, S. 797-798.

[23] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 50, 1935, S. 1381-1382.

[24] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 2, 1937, S. 57-59.

[25] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 48, 1931, S. 1608. Nr. 12, 1932, S. 404.

[26] Zur Gründung der „Akademischen Vereinigung für medizinische Geistesgeschichte und praktische Medizin“ in: Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 7, 1932, S. 228-229.

[27] Neue Freie Presse, 23.3.1931, S. 4.

[28] GBl. Nr. 320 vom 9.8.1938, Kundmachung des Reichstatthalters in Österreich, wodurch die Vierte Verordnung zum Reichsbürgerschaftsgesetzt vom 25. Juli 1938 bekannt gemacht wird.

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Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien [21]: Published online 2017 Sep

Open Access-Publizieren ohne Zusatzkosten für AutorInnen der MedUni Wien

Die Medizinische Universität Wien hat mit dem Springer-Verlag ein neues Lizenzmodell „Springer Compact“ vereinbart. Publiziert kann in über 1.600 Subskriptionszeitschriften von Springer Open Access ohne zusätzliche AutorInnengebühren werden.  Mehr Infos–>

Im Van Swieten Blog können Sie  kontinuierlich die Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien nachlesen:

[68Ga]Pentixafor-PET/MRI for the detection of Chemokine receptor 4 expression in atherosclerotic plaques

Xiang Li, Daniel Heber, Tatjana Leike, Dietrich Beitzke, Xia Lu, Xiaoli Zhang, Yongxiang Wei, Markus Mitterhauser, Wolfgang Wadsak, Saskia Kropf, Hans J. Wester, Christian Loewe, Marcus Hacker, Alexander R. Haug

Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2018; 45(4): 558–566. Published online 2017 Sep 21. doi: 10.1007/s00259-017-3831-0

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PMC5829117

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Management and clinical outcome of stable coronary artery disease in Austria: Results from 5 years of the CLARIFY registry

Irene M. Lang, Roza Badr-Eslam, Nicola Greenlaw, Robin Young, Philippe Gabriel Steg

Wien Klin Wochenschr. 2017; 129(23): 879–892. Published online 2017 Sep 14. doi: 10.1007/s00508-017-1248-1

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PMC5860132

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Intestinal microbiome-gut-brain axis and irritable bowel syndrome

Gabriele Moser, Camille Fournier, Johannes Peter

Wien Med Wochenschr. 2018; 168(3): 62–66. Published online 2017 Sep 8. doi: 10.1007/s10354-017-0592-0

PMCID:

PMC5860136

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Significant Liver-Related Morbidity After Bariatric Surgery and Its Reversal—a Case Series

Magdalena Eilenberg, Felix B. Langer, Andrea Beer, Michael Trauner, Gerhard Prager, Katharina Staufer

Obes Surg. 2018; 28(3): 812–819. Published online 2017 Sep 30. doi: 10.1007/s11695-017-2925-x

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PMC5803276

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Implementing diffusion-weighted MRI for body imaging in prospective multicentre trials: current considerations and future perspectives

M. deSouza, J. M. Winfield, J. C. Waterton, A. Weller, M.-V. Papoutsaki, S. J. Doran, D. J. Collins, L. Fournier, D. Sullivan, T. Chenevert, A. Jackson, M. Boss, S. Trattnig, Y. Liu

Eur Radiol. 2018; 28(3): 1118–1131. Published online 2017 Sep 27. doi: 10.1007/s00330-017-4972-z

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Postoperative radiotherapy for prostate cancer: Morbidity of local-only or local-plus-pelvic radiotherapy

 

Strahlenther Onkol. 2018; 194(1): 23–30. Published online 2017 Sep 19. doi: 10.1007/s00066-017-1215-9

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PMC5752744

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Multimodality locoregional treatment strategies for bridging HCC patients before liver transplantation

 
 

Eur Surg. 2017; 49(5): 236–243. Published online 2017 Sep 4. doi: 10.1007/s10353-017-0487-8

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Pharmacokinetics of doripenem in plasma and epithelial lining fluid (ELF): comparison of two dosage regimens

 
 

Eur J Clin Pharmacol. 2017; 73(12): 1609–1613. Published online 2017 Sep 17. doi: 10.1007/s00228-017-2327-y

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MGMT and MSH6 immunoexpression for functioning pituitary macroadenomas

 
 

Pituitary. 2017; 20(6): 643–653. Published online 2017 Sep 12. doi: 10.1007/s11102-017-0829-3

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HPV prevalence in vulvar cancer in Austria

 
 

Wien Klin Wochenschr. 2017; 129(21): 805–809. Published online 2017 Sep 7. doi: 10.1007/s00508-017-1255-2

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DIPLDISS-COACHING – „Gecoachtes Searching für MedUni Wien-Diplomand*innen / Dissertant*innen“- TERMIN: 05.05.2018

DiplDiss-Coaching  – „Gecoachtes Searching für MedUni Wien-Diplomand*innen/Dissertant*innen“

Ein kostenfreies Angebot für Studierende der MedUni Wien

Vortragende: Mag. Brigitte Wildner

  • Grundlagen der Literaturrecherche
  • Auswahl der Datenbanken
  • Suchstrategien
  • Freies Arbeiten – Betreuung bei der Recherche

Samstag,
05.05.2018

von 9:30 – 12:30 im Vortragsraum der UB MedUni

Email-Anmeldung: brigitte.wildner@meduniwien.ac.at
mit Angabe der Bibliotheks-ID Nr. ($A………)

ACHTUNG: Notstromtest am Di, 29.05.2018, Ub ab 16 Uhr geschlossen!

Notstromtest!

Gem. Mitteilung  wird der Notstromtest am Di, 29.05.2018
 
durchgeführt.

Aus diesem Grund wird die Universitätsbibliothek ab 16:00 Uhr geschlossen.

Öffnungszeiten des Studierendenlesesaals regulär:
9:00 bis 21:30 Uhr. Bitte beachten Sie, dass es zu Strom(Licht)abschaltungen kommen wird.

Bücher können in die Rückgabebox im Studierendenlesesaal eingeworfen werden.

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [60]: Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz, Köln: In Kommission bei Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965.

Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz, Köln: In Kommission bei Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: WM006]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Erna Lesky. Bildersammlung Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-000594-0029

Erna Lesky, geborene Klingenstein, (*22.05.1911 Hartberg/Stmk., gest. 28.11.1986 Innsbruck) stammte aus einer oststeirischen Kaufmannsfamilie. Nach Abschluss der Volks- und Bürgerschule in Hartberg besuchte sie das Akademische Gymnasium in Graz, wo sie 1931 maturierte. Sie studierte anschließend erst in Innsbruck, dann in Wien Medizin und wurde 1936 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien promoviert. Danach folgte eine Fachausbildung in Kinderheilkunde in Innsbruck. 1939 heiratete Erna Klingenstein den klassischen Philologen und späteren Rektor der Universität Wien (1963/64) Albin Lesky (1896-1981). Von 1940 bis 1949 arbeitete sie als Kinderärztin in Innsbruck sowie für die Säuglings- und Kinderfürsorge in Tirol. Erna Lesky war ebenso wie ihr Ehemann Albin Mitglied der NSDAP.

1949 beendete Erna Lesky ihre Karriere als Medizinerin und zog gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Wien, wo sie ein Studium der Altphilologie und Geschichte begann. Lesky promovierte 1956 an der Universität Wien im Fach Geschichte. Nur ein Jahr später, 1957, erfolgte ihre Habilitation für Geschichte der Medizin, am gleichen Tag wie Marlene Jantsch (1917-1994), ebenfalls Medizinhistorikerin. Beide Frauen waren Rivalinnen um die Nachfolge Leopold Schönbauers (1888-1963) als Leiterinnen des Instituts für Geschichte der Medizin im Josephinum. Erna Lesky konnte sich gegen ihre Konkurrentin durchsetzen und wurde „1960 mit Leitung des Instituts für Geschichte der Medizin in Verbindung mit einem Lehrauftrag betraut.“[1] 1959 erschien Leskys Dissertation „Staat und Heilkunde im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus“ als Buch unter dem Titel:

Lesky, Erna: Österreichisches Gesundheitswesen im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus. (= Archiv für österreichische Geschichte/(1) 122). Wien: In Kommission bei Rudolf M. Rohrer 1959.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: GW004]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

Erna Lesky, die zu Beginn der 1960er Jahre auf den Berufungslisten der Universitäten Berlin, Hamburg und Göttingen stand, wurde 1962 zur außerordentlichen Professorin der Universität Wien und zur Vorständin des Instituts für Geschichte der Medizin ernannt, um ihren Fortgang zu verhindern. 1966 erfolgte schließlich ihre Berufung als ordentliche Professorin – sie war somit die erste Ordinaria in der Geschichte der Universität Wien. Erna Lesky, die während ihrer Laufbahn 269 wissenschaftliche Publikationen verfasste, formulierte bei ihrem Antritt als Leiterin des Instituts für Geschichte der Medizin zwei Ziele, die sie erreichen wollte:

„Das Institut für Geschichte der Medizin sollte ein gut funktionierendes Dokumentations-, Informations- und Forschungszentrum für das Fach Medizingeschichte sein. Und die historischen Bestände der Universitätskliniken und Institute der Medizinischen Fakultät der Universität Wien sollten im Josephinum vereint und durch eine fachgemäße Bearbeitung wissenschaftlich erschlossen werden.“ [2]

1979 – im Jahr ihrer Emeritierung – resümierte Lesky im Fachjournal „Labor aktuell“ über ihr diesbezügliches Wirken „Noch 1960 waren Institut und Josephinum in einem deplorablen Zustand. Durch die Generalsanierung […] gelang es, dieses einzigartige Erbe Alt-Österreichs, das Josephinum […] mit seinen kostbaren Schätzen nicht nur zu retten, sondern das medizinhistorische Institut zu einem internationalen Zentrum medizinhistorischer Forschung auszubauen. Heute [1979, Anm.] besitzt dieses Forschungs- und Dokumentationszentrum eine durch Autoren- und Schlagwortkataloge fachgemäß erschlossene Bibliothek von ca. 80.000 Bänden, ein ebenso erschlossenes Bildarchiv von ca. 30.000 Objekten, eine reichhaltige Handschriften-Sammlung und eine sehr informative Ausstellung über die Entwicklung der Wiener Medizin […].“[3]

 Erna Lesky wurde 1979 emeritiert. Zu ihren wichtigsten Schriften – das auch heute noch als Standardwerk gilt – zählt zweifelsohne ihr 1965 (und in zweiter Auflage 1978) erschienenes Werk: „Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert.“

Abb. 2    Titelblatt: Lesky: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz, Köln: 1965.

Quellen:

Bauer, Bruno: Erna Lesky als Bibliothekarin, Archivarin und Dokumentarin am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien. In: Van Swieten Blog: Homepage der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. Stand: 09.04.2018. https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=18864

Gröger, Helmut: Lesky, Erna, geb. Klingenstein. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 465-468.

[1] Gröger, Helmut: Lesky, Erna, geb. Klingenstein. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 465.

[2] Bauer, Bruno: Erna Lesky als Bibliothekarin, Archivarin und Dokumentarin am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien. In: Van Swieten Blog: Homepage der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. Stand: 09.04.2018. https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=18864

[3] Bauer, Bruno: Erna Lesky als Bibliothekarin, Archivarin und Dokumentarin am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien. In: Van Swieten Blog: Homepage der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. Stand: 09.04.2018. https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=18864

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Datenbank des Monats – EU Clinical Trials Register

Datenbank des Monats – EU Clinical Trials Register

Das EU Clinical Trials Register ist ein seit 2011 bestehendes Register über seit 2004 innerhalb der EU und dem europäischen Wirtschaftsraum laufende und abgeschlossene Arzneimittelstudien.
Es enthält die Rahmendaten der Studien, wie Studiendesign, Urheber, Wirkstoff, Anwendungsgebiet, Status (authorisiert, laufend, abgeschlossen), nicht das Ergebnis.
Suchoptionen/Datenexport: Das Portal bietet einige Recherchefunktionen (v.a. nach Studiendesign und Rekrutierung).

Frei zugängliche Online-Datenbank

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