Sebastian Ehrentraud: Praktikum an der Ub MedUni Wien

Praktikum in der Bibliothek der medizinischen Universität Wien vom 3.11. – 2.12.2016

An meinem ersten Tag stand ich ein paar Minuten nervös vor der Bibliothek und versuchte mir vorzustellen was mich die nächsten vier Wochen erwarten würde. Bei meiner Vorstellungsrunde durch die Büroräume bemerkte ich erst wie viel im Hintergrund passieren muss, bevor neue Bücher zur Entlehnung bereitstehen können.

Ich wurde gleich von Anfang an von allen Kollegen herzlich willkommen geheißen und dies ließ meine Nervosität schnell verfliegen. Besonders hat mir gefallen, dass ich mich wie ein vollwertiges neues Teammitglied gefühlt habe.

Ich wanderte in der Praktikumszeit von Abteilung zu Abteilung und lernte so sehr viele Bereiche und Prozesse, die im Hintergrund laufen, kennen. Vom Bibliothekskatalog PRIMO zur Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken über die Fernleihe und Inhaltlicher Erschließung neuer Anschaffungen bis zur Adjustierung, eJournals und Entlehnung. Sehr interessant waren auch die Zweigbibliothek der Zahnmedizin, in der ich den Ablauf komprimiert in einer One Person Library beobachten konnte, und auch die Zweigstelle für Geschichte der Medizin im Josephinum. Die Revision historischer Bestände sowie die Provenienzforschung zu NS-Raubgut waren unglaublich faszinierend.

Die meiste Zeit verbrachte ich mit der Aushilfe bei der Adjustierung, im Lesesaal und der Fernleihe, bei dem mir das Suchen und Finden alter Artikel im Magazin der Bibliothek besonders gefiel. Die abwechslungsreichen Aufgaben ließen den Tag vergehen und schon beim nachhause gehen freute ich mich auf den nächsten Arbeitstag im Bauch des AKHs.

Ich lernte in meinem Praktikum mir bis dahin unbekannte Aufgaben moderner Bibliothekare kennen, sowie sehr nette Menschen, die mir ihr Vertrauen schenkten um mir die von ihnen gegebenen Aufgaben auch selbständig durchzuführen. Dadurch konnte ich den Kollegen oft schnell zu Hand gehen, wenn gerade etwas Not am Mann war. Im Fazit kann ich eigentlich nur sagen, dass ich jedem ein Praktikum wie dieses wünsche, ich hatte eine tolle Zeit. Ich bedanke mich für die erhaltene Möglichkeit und wir werden uns wiedersehen.

Sebastian Ehrentraud

Weitere Berichte über Praktika an der UB Med Uni Wien im Van Swieten Blog:

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [12]: Vesalius, Andreas: De Humani corporis fabrica Libri septem. Basel: Per Ioannem Oporinum 1555.

Vesalius, Andreas: De Humani corporis fabrica Libri septem. Basel: Per Ioannem Oporinum 1555.obersteiner_m-hartl
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Heinrich Obersteiner Bibliothek, Sign.: HOB-A-00002]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?pcAvailabiltyMode=false&ct=facet&dummyChar=%E2%99%A5&fn=search&ct=search&vid=UMW&indx=1&dum=true&vl%2836668552UI1%29=all_items&srt=rank&vl%281UI0%29=contains&vl%28D3442612UI0%29=any&frbr=&tab=default_tab&mode=Basic&scp.scps=scope%3A%28UMW_O_SFX%29%2Cscope%3A%28UMW_O_metalib%29%2Cscope%3A%28UMW_aleph_acc%29%2Cprimo_central_multiple_fe&vl%28freeText0%29=HOB-A-00002&submit_button.x=0&submit_button.y=0

Weblog_12-02
Abb. 1     Vesalius, Andreas: De Humani corporis fabrica Libri septem. Basel: Per Ioannem Oporinum 1555.

Andreas Vesalius

Andreas Vesalus (*31.12.1514/01.01.1515 Brüssel, gest. 15.10.1564 Zakynthos) gilt als Begründer der modernen Anatomie. Er war der Sohn eines kaiserlichen Hofapothekers, dessen Familie schon seit Generationen medizinische Berufe ausübte. Bereits als Kind interessierte er sich für das Innere des Körpers und sezierte kleinere Tiere. Nach seinem Schulbesuch in Brüssel begann er seine universitäre Ausbildung 1530 in Löwen, wechselte von 1533 bis 1536 an die medizinische Fakultät von Paris und promovierte schließlich 1537 in Padua, wo er nahtlos eine Professorenstelle für Chirurgie erhielt. Später ging er nach Venedig, sezierte 1540 öffentlich in Bologna und wurde 1544 Leibarzt Kaiser Karl V. (1500-1558) und nach dessen Abdankung 1556 Leibarzt seines Sohnes Philipp II. von Spanien (1527-1598).

Vesalius wurde nach den anatomischen Lehren Galens (129-199) ausgebildet, was zu dieser Zeit allgemein üblich war. Galens Lehren – dieser hatte nie einen Hehl daraus gemacht lediglich Tiere seziert zu haben – wurden von Andreas Vesalius, als einem der ersten seiner Zeit, aufgrund seiner eigenen Erfahrungen in Zweifel gezogen. Er prangerte die unreflektierte Tradierung Galens durch seine Kollegen an und forderte eine neue Anatomie, die sich ausschließlich auf eigene Befunde und Beobachtungen durch Sektionen stützen sollte. Damit führte er morphologisches Denken in die Darstellung der Anatomie ein. Vesals Innovationsschub löste den größten Fortschritt in der Anatomie seit der Antike aus. Angesichts der Erregungen, die Vesals Sektionen auslösten, kam es sogar zu einer kaiserlichen Anfrage an die theologische Fakultät von Salamanca durch Karl V., ob ein katholischer Christ Leichen sezieren dürfe. Die Fakultät bescheinigte, dass die Zergliederung von Leichen für die Erlernung der Heilkunde unerlässlich und daher zulässig sei.

In den Jahren 1538-1542 entstand Vesalius‘ Hauptwerk: De Humani corporis fabrica Libri septem. Es handelt sich um ein prachtvolles Lehrbuch, das mit ca. 200, teilweise ganzseitigen, Illustrationen ausgestattet ist. Die hervorragenden Holzschnitte werden zum Teil Jan Stephan van Calcar (1499-1548), einem Schüler Tizians (1488-1576), zugeschrieben. Vesal zeichnet in diesem Werk, bezugnehmend aus Plinius (23-79), eine Abstammungslinie vom Affen zum Menschen. Vesals Fabrica erschien 1543 in Basel, wo er auch ein anatomisches Kolloquium abhielt und eine Leiche präparierte. Es handelt sich angeblich um Jakob Karrer von Gebweiler, einem Straftäter. Dieses „Vesalsche Skelett“ ist heute noch in der anatomischen Sammlung in Basel erhalten.

Kaiser Karl V würdigte Andreas Vesalius am 21. April 1556, wenige Monate nach dem Erscheinen der zweiten Auflage der Fabrica, mit der Erhebung in den Adelsstand. Er machte ihn zum Pfalzgrafen – Comes Palatinus. In der Urkunde dazu heißt es: „Die sieben Bücher über den Bau des menschlichen Körpers zeugen von einer solchen Gelehrsamkeit und anatomischen Kenntnis, von solch großer Begabung und solchen Fleiß, dass ihnen nichts Gleichwertiges an die Seite gestellt werden kann. Ohne Zweifel sind sie das bedeutendste Werk, das über die Anatomie geschrieben worden ist, und berühmt durch ihre Illustrationen. Alle Studenten der Medizin, alle gelehrten Professoren und die berühmten Ärzte schulden deshalb Vesal großen Dank!“[1] Die Urkunde befindet sich heute im Österreichischen Staatsarchiv.

Weblog_12-01

Abb. 2     Vesalius, Andreas: De Humani corporis fabrica Libri septem. Basel: Per Ioannem Oporinum 1555.

Jan Stephan van Calcar

Jan Stephan von Calcar (*1499 Kleve, gest. 1548 Neapel) war ein Maler und Graphiker der Renaissance. Calcar hat wahrscheinlich ursprünglich in Dordrecht gelebt und gearbeitet bevor er in Venedig in die Schule Tizians eintrat. Seine Werke ähneln denen seines Meisters Tizians so sehr, dass sie oft kaum von diesen zu unterscheiden sind. Calcar lebte nach dem Weggang Tizians aus Venedig, als dieser Hofmaler Karls V. wurde, in Neapel. Es ist heute umstritten, welche und wie viele Illustrationen aus der Fabrica von Calcar stammen. Seine Beteiligung an diesem Werk scheint aber gesichert, er hatte auch schon bei früheren Publikationen Vesals mit diesem zusammen gearbeitet.

Weblog_12-03
Abb. 3     Vesalius, Andreas: De Humani corporis fabrica Libri septem. Basel: Per Ioannem Oporinum 1555.

Vesals De Humani corporis fabrica Libri septem in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin besitzt drei Ausgaben der zweiten Auflage von Vesals De Humani corporis fabrica Libri septem aus dem Jahr 1555.

Ein Exemplar befindet sich in der Heinrich Obersteiner Bibliothek:

obersteiner_m-hartl
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Heinrich Obersteiner Bibliothek, Sign.: HOB-A-00002]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?pcAvailabiltyMode=false&ct=facet&dummyChar=%E2%99%A5&fn=search&ct=search&vid=UMW&indx=1&dum=true&vl%2836668552UI1%29=all_items&srt=rank&vl%281UI0%29=contains&vl%28D3442612UI0%29=any&frbr=&tab=default_tab&mode=Basic&scp.scps=scope%3A%28UMW_O_SFX%29%2Cscope%3A%28UMW_O_metalib%29%2Cscope%3A%28UMW_aleph_acc%29%2Cprimo_central_multiple_fe&vl%28freeText0%29=HOB-A-00002&submit_button.x=0&submit_button.y=0

Zwei Exemplare befinden sich in der Josephinischen Bibliothek:Joseph_MHartl
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB855/a,b]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183795&pos=1&phys=#

Die zweite Auflage ist ebenso wie die erste in Basel bei Johannes Oporinus (*25.01.1507 Basel, gest. 06.07.1568 Basel), einem Baseler Humanisten und Buchdrucker, erschienen. Sie zeichnet sich durch die besonders schönen Drucktypen des französischen Typografen, Stempelschneiders und Verlegers Claude Garamond (1490-1561) aus, dessen Entwürfe bis ins 17. Jahrhundert Maßstab für die Druckereien in Holland, Deutschland und Italien blieben.

Weblog_12-04
Abb. 4     Vesalius, Andreas: De Humani corporis fabrica Libri septem. Basel: Per Ioannem Oporinum 1555.

Quellen:

Putscher, Marlene: Ein Totentanz von Tizian. Die 17 großen Holzschnitte zur Fabrica Vesals (1538-1542). In: Metanoeite. Wandelt euch durch neues Denken. Festschrift für Professor Hans Schadewaldt zur Vollendung des 60. Lebensjahres. Düsseldorf: Triltsch 1983. S. 23-40.

Lindeboom, Gerrit A.: Andreas Vealius and his opus magnum. A biographical sketch and an introduction to the Fabrica. Nieuwendijk: de Forel 1975.

Petrucelli, R. Joseph: Giorgio Vasari’s attribution of the Vesalian illustrations to Jan Stephan of Calcar: a further examination. In: Bulletin of the history of medicine. (45) 1971. S. 29-37)

Weinberg, M. H.: Lebensbild. Andreas Vesalius 1514-1564. In: Münchner medizinische Wochenschrift. (106/40) 1964. S. 2007-2012.

Rath, Gernot: Andreas Vesal im Lichte neuer Forschungen. (= Beiträge zur Geschichte der Wissenschaft und der Technik, Bd. 6). Wiesbaden: Steiner 1963.

Mani, Nikolaus: Vesals erste Anatomie in Bologna 1540. Ruben Erikssons Veröffentlichungen eines Augenzeugenberichts. In: Gesnerus. (17) 1960. S. 42-52.

Proper, Robert: Jan Stephan van Calcar: a little known self-portrait. In: Bulletin of the history of medicine. (32) 1959. S. 466-469.

Text: Harald Albrecht

[1] Rath, Gernot: Andreas Vesal im Lichte neuer Forschungen. (= Beiträge zur Geschichte der Wissenschaft und der Technik, Bd. 6). Wiesbaden: Steiner 1963. S. 6.

Alle Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien–>

Datenbank des Monats – Faculty of 1000

Datenbank des Monats – Faculty of 1000

F1000 ist eine Review-Datenbank. Eine Gemeinschaft von mehr als 10.000 WissenschaftlerInnen kommentiert und bewertet mittels eines eigenen Ranking-Systems publizierte Arbeiten im Bereich der Medizin und Biologie aus ca. 5000 Fachzeitschriften. Teilweise sind die Artikel als freie Volltexte über eine direkte Verlinkung zu den Online-Journalen verfügbar. Über Linkresolver können eigene Lizenzen zu Volltexten eingebunden werden.

Verfügbar: Für den Campus der MedUni Wien lizenziert und freigeschaltet.
Fachgebiete: Biologie
Medizin
Schlagwörter: Aufsatz
Medizin
Ranking
Biologie
Erscheinungsform: WWW (Online-Datenbank)
Datenbank-Typ:
Fachbibliographie
Volltextdatenbank
Verlag: Faculty of 1000 Ltd

Faculty of 1000–>LINK

Für den Campus der MedUni Wien lizenziert und freigeschaltet
 

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [11]: Ludwig Braun und der erste wissenschaftliche Dokumentarfilm aus dem Jahr 1896: „Über Herzbewegung und Herzstoss“, Jena 1898. Ein Buch schreibt Filmgeschichte.

Ludwig Braun und der erste wissenschaftliche Dokumentarfilm aus dem Jahr 1896: „Über Herzbewegung und Herzstoss“, Jena 1898. Ein Buch schreibt Filmgeschichte.

Im Jahr 1898 erschien vom österreichischen Mediziner Ludwig Braun (1867-1936) das Buch „Über Herzbewegung und Herzstoss“ im Verlag Gustav Fischer in Jena, das als Habilitationsschrift an der Medizinischen Fakultät eingereicht und approbiert worden ist. Diese Buch erzählt aber auch die Geschichte eines Durchbruchs in der medizinisch-wissenschaftlichen Forschung und Lehre durch eine neue technische Entwicklung: die des wissenschaftlichen Dokumentarfilms. Das Buch befindet sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Braun, Ludwig: Über Herzbewegung und Herzstoss. Jena: Fischer 1898.
neuburger_m-hartl
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 10.431]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=11986979&pos=9&phys=

Ludwig Braun wurde als Sohn von Hermann und Dorothea Braun am 12. August 1867 in Ungarisch-Ostrau (Uherský Ostroh, heute Tschechien) geboren. 1885 begann er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er am 21. März 1891 mit seiner Promotion abschloss. Unmittelbar danach trat er als Aspirant in den Dienst des Allgemeinen Krankenhauses in Wien ein. Seine weitere Laufbahn führte ihn als Sekundararzt und als Abteilungsarzt 1895 an die III. medizinische Abteilung, wo er bis 1897 tätig war. 1900 habilitierte er sich im Fach „innere Medizin“, nachdem er bereits nach der Einreichung seiner Habilitationsschrift zum Privatdozenten ernannt worden war.

braun
Abb. 1: Ludwig Braun. Aus:
Mitteilungsblatt der Vereinigung jüdischer Ärzte, Mai 1936.

Seine Forschungsarbeit im Rahmen seiner Habilitation führte ihn auf das Feld der Herzchirurgie. Spätestens seit 1894 beschäftigte er sich konkret mit dem Mechanismus der Herzbewegungen. Dazu angeregt wurde Ludwig Braun durch einen von ihm über mehrere Tage beobachten Krankenfall im Mai des Jahres 1894 im Allgemeinen Krankenhaus, bei dem er bei einem durch eine Schussverletzung laborierenden Patienten die Bewegung des Herzens „auf das genaueste Verfolgen konnte“[1]. Indessen Folge war er auf der Suche nach einer Methode die Bewegungsabläufe und Zwischenformen der Abläufe des Herzens exakt darzustellen. Diese Suche brachte ihn an das Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie zu Salomon Stricker (*01.01.1834 Waag-Neustadl, gest. 02.04.1898 Wien), der das Institut seit 1868 leitete und neu eingerichtet hatte. Dieses Institut gehörte zu den technisch innovativsten Forschungseinrichtungen seiner Zeit. Die Suche und Entwicklung von Formen und Methoden zur Visualisierung des Experimentalunterrichtes und deren Einsatz in Lehre und Forschung besaß seit den 1880er Jahren bei Stricker einen exponierten Stellenwert. Hier wurden schon seit 1881 an Projektionsmethoden- und Apparaturen zur Verbesserung der Forschung und vor allem des anschaulichen Lehrunterrichts experimentiert. Hier führte Stricker erstmals das „methodische Schulexperiment“ als medizinisches Unterrichtsfach an der Fakultät ein. Salomon Stricker begleitet nicht nur die Habilitationsarbeit von Braun, sondern hier am Institut wurden im Herbst 1896 die entscheidenden Experimente, die letztlich zum ersten wissenschaftlichen Dokumentarfilm führten, durchgeführt.

Am Beginn seiner Arbeit bewegte sich Braun noch in den traditionellen Methoden der Darstellung von Bewegungsabläufen, wie sie in der Mitte der 1890er Jahre in der Medizin verfügbar waren. Dazu zählte vor allem die Fotografie, als Mittel Bewegungsabläufe mit Hilfe der sogenannten Serienfotografie nachzustellen, bzw. die Stroboskopie. Noch an seinem am 21. Oktober 1896 gehaltenen Vortrag zu seinen Forschungen im Wiener Medizinischen Klub unter dem Titel „Der Ausdruck der Herzbewegungen an der Thoraxwand“ erwähnte Braun sein wenige Tage später unternommenes Experiment einer erstmaligen filmischen Aufnahme eines pulsierenden Herzens mit keinem Wort.[2]

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1896&size=45&page=1049

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1896&size=45&page=1077

Sein Experiment, einen narkotisierten Hund am offenen Herzen zu filmen, erfolgte am 19./20. November 1896 mit einem von der Firma Lechner konstruierten „Kinematographen“ am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie. Die in Wien ansässige Firma Lechner, die sich im Besitz von Wilhelm Müller befand, der noch als Buchhändler und Verlegertätig tätig war, zählte zu dieser Zeit zur angesehensten und technisch innovativsten Firma und war auf dem Gebiet der Herstellung hochwertiger Fotoapparate und Fotoartikeln spezialisiert. Wilhelm Müller konstruierte 1896 einen Apparat zur Herstellung von Filmen, bzw. zu deren Projektion, den er erstmals im Juli 1896 in Wien einen kleinen Kreis von Fotografen zur Vorführung von Filmen (Straßenszenen) vorstellte. Diese neue technische Entwicklung, ging auf die als Erfinder des modernen Films geltenden Brüdern August und Louis Lumiére zurück, die im März 1895 erstmals in Lyon einen „Kinematographen“ konstruierten, der sowohl als Kamera als auch als Projektor konzipiert worden war, und nunmehr von der Firma Lechner in einer modifizierte Version gebaut wurde.

film
Abb. 2: Filmstreifen aus der Habilitationsschrift: Über Herzbewegung und Herzstoss.
Die Aufnahmen enthielten zirka 25-30 Bilder pro Sekunde. (Wiener Zeitung, 25.11.1896, S. 9).

film2

Abb. 3: Filmstreifen aus der Habilitationsschrift: Über Herzbewegung und Herzstoss.

film3

Abb. 4: Grafische Darstellung des von der Firma Lechner 1896 hergestellten Filmapparates.
Aus: Über Herzbewegung und Herzstoss.

Bereits am 11. Dezember 1896, wenige Wochen nach seinem Vortrag vor dem Wiener Medizinischen Klub, präsentierte Braun in einer Sitzung der Gesellschaft der Ärzte erstmals seine neue Methode der Visualisierung der Herzbewegungen. Der Titel seines Vortrages – „Zur Methode der graphischen Darstellung der Herzbewegung“ – weist bereits auf den von ihm beigemessenen Stellenwert dieser Methode und auf der von ihm gesuchten Darstellungsform des Bewegungsablaufes und des Studiums des Herzens hin: des ersten wissenschaftlichen Films, den Braun noch als „lebende Photographie“ bezeichnete.[3]

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1896&page=1134&size=45

Im Jänner 1897 kam es zu ersten öffentlichen Vorstellung des Films und zu einer ersten öffentlichen Thematisierung dieses Erfolges für dessen weitere Bedeutung in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre.[4]

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=18970126&seite=5&zoom=51&query=%22ludwig%2BBraun%22&ref=anno-search

Ein Jahr später, im September 1897, stellte Braun seine Arbeit im Rahmen der 69. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zum Thema „Die wissenschaftliche Photographie und ihre Anwendung auf den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaften und Medizin“[5] in Braunschweig vor.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1897&page=1017&size=45

Noch im selben Jahr 1897 wurde am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie als Folge der Studie von Braun die „Kinemathographie“ als Unterrichtsmethode und damit erstmalig der Film als Lehrmittel an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien eingeführt. Während dieser Zeit erfolgten am Institut weitere Filmaufnahmen, die heute nicht mehr erhalten sind.

Braun erkannte aber auch bereits den über die Forschung hinausgehenden Wert, der sich mit der Möglichkeit mit der künftigen Produktion von wissenschaftlichen Filmen im medizinischen Unterricht an Universitäten aber auch – und hier erwies er sich als Vordenker – zur Popularisierung der wissenschaftlichen Forschung eröffnete: Wissenschaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der Film gilt heute als Verschollen. Verschollen, wie zahlreiche Filme aus der Zeit der „Zweiten Medizinischen Schule“, die einer jahrzehntelang unnachgiebig praktizierten und von Unbedarftheit getriebenen Räumungs- Auslagerungs- und Entsorgungswut unwiederbringlich zum Opfer gefallen sind. Heute sind nur mehr die an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin überlieferten Schriften von Ludwig Braun, und vor allem seine Habilitationsschrift, Zeugen jener Tage und damit die einzig erhalten wahren „Denkmäler“.

Im Jahre 1910 erfolgte die Ernennung von Ludwig Braun zum a.o. Professor. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Medizinischen Fakultät arbeitete er Chefarzt der Krankenkasse „Einigkeit“ sowie seit 1910 als Primararzt und – neben Robert Breuer (1869-1936) – als Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung im Spital der „Israelitischen Kultusgemeinde, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1936 tätig war. Darüber hinaus war er Mitglied der „k.k. Gesellschaft der Ärzte in Wien“, der „Gesellschaft für innere Medizin“, der „Morphologisch-physiologischen Gesellschaft in Wien“ und des „Vereins für Psychiatrie und Neurologie in Wien“.

Sein weiterer Karriereweg als Wissenschafter verlief brüchig. Während des Ersten Weltkrieges musste er sich in einem gegen ihn angestrengten Prozess vor dem Senat des Heeresdivisionsgerichtes wegen des „Verbrechens des Missbrauches der Amts- und Dienstgewalt durch Geschenkannahmen in Amtssachen“ und wegen Vergehens des Wehrgesetzes verantworten. Er wurde beschuldigt als Konstatierungsarzt des Garnisonsspitals Nr. 2 niedrige Tauglichkeitsbescheinigungen erstellt bzw. die Entziehung der Wehrplicht ermöglicht zu haben. Er verbrachte drei Monate in Untersuchungshaft. Der Prozess begann im August 1917 und endete im September 1917 mit einem Freispruch in allen Anklagepunkten. Nichts desto trotz war der Prozess von öffentlichen Anschuldigungen begleitet und Ludwig Braun von einer durch öffentliche Stigmatisierung verursachten Rufschädigung betroffen. Die Folgewirkung dieser Kampagne ereilte Braun aber erst Jahre später. Nach seinem Freispruch stellte Braun im Oktober 1917 den Antrag an die Medizinische Fakultät eine Disziplinaruntersuchung über sein Verhalten in dieser Angelegenheit vorzunehmen, um damit endgültig seine Rehabilitation wieder zu erreichen. Die Kommission des akademischen Senats kam erst im Juni 1920 zu einem Ergebnis, konstatierte eine „Verletzung der Standespflicht“ und entzog Ludwig Braun die Lehrberechtigung, womit er von einer weiteren universitären Laufbahn abgeschnitten wurde. Braun dürfte hier den antisemitisch motivierten Säuberungsbestrebungen zum Opfer gefallen sein, die seit den frühen 1920er Jahren an der Wiener Universität auf der Ebene der Personalpolitik praktiziert wurde.

Braun arbeitete in den folgenden Jahren weiter auf dem Gebiet der Herzpathologie, publizierte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu Herzerkrankungen, darunter das 1903 veröffentlichte und 1913 nochmals aufgelegte Lehrbuch:

Braun, Ludwig: Therapie der Herzkrankheiten. Berlin u. Wien: Urban & Schwarzenberg 1903.
neuburger_m-hartl
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 3.970]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8549369&pos=3&phys=

Einem breiteren Publikum bekannt machten ihn die Publikationen zweier weiterer Monografien: „Herz und Psyche. Wien 1920“ und:

Braun, Ludwig: Herz und Angst. Eine ärztliche psychologische Studie. Wien: Deuticke 1932.
neuburger_m-hartl
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: SA 2.108]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=11986922&pos=0&phys=

Darüber hinaus war er in der Tuberkulosebekämpfung aktiv. Seine Vortragstätigkeit an der Fakultät blieb jedoch nur mehr auf der Ebene von Fortbildungskursen beschränkt. Von 1926 an bis zu seinem Tod im Jahr 1936 war er Präsident der „Vereinigung jüdischer Ärzte“, über deren und seine Tätigkeit die Zeitschrift „Mitteilungsblatt der Vereinigung jüdischer Ärzte“ Auskunft gibt:

Mitteilungsblatt der Vereinigung jüdischer Ärzte : Offizielles Organ. Wien: Paul Goldberg. [1].1934-5.1938. [damit Erscheinen eingestellt]
neuburger_m-hartl
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 8.977]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8615111&pos=1&phys=

Seit spätestens Ende der 1920er Jahren näherte sich Braun dem Feld der Euthanasie an, wobei er sich auf den deutschen Rechtswissenschaftler und Strafrechtsexperten Karl Binding (*04.06.1841 Frankfurt/M., gest. 07.04.1920 Freiburg/Breisgau) berief, der mit seinen Publikationen die spätere NS-Euthanasie legitimierte. Braun sprach sich für die Tötung unrettbarer Kranker und Verwundeter sowie unheilbar „Verblödeter“ aus (Braun, Ludwig: „Euthanasie“: Vortrag gehalten im Akademischen Verein für medizinische Psychologie. 1. Teil. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 6. 02.02.1929. S. 171-173 und 2. Teil: Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 7. 09.02.1929. S. 208-214).

Ludwig Braun verstarb am 8. Mai 1936. Einen seiner Nachrufe verfasste sein langjähriger Freund aus Studienzeiten, Siegmund Freud, für das „Mitteilungsblatt der Vereinigung jüdischer Ärzte“ (Nr. 29. 1936, S. 6). Seine Ehefrau Gabrielle Ella Braun wurde nach dem „Anschluss“ im März 1938 aus ihrer Wohnung nach Wien II., Böcklinstraße 35 – eine sogenannte Sammelunterkunft für Juden – deportiert. Sie verstarb am 28. Juli 1942 im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde, einen Tag vor ihrer festgesetzten Deportation in das KZ Theresienstadt.

Text: Walter Mentzel

Literatur und Quellen:

Archiv der Universität Wien, Med. Fak. Senat, S 792, Personalblatt Ludwig Braun.

Archiv der Universität Wien, Med. Dekanat, Zl. 1.621/1920 Disziplinarkommission gegen Ludwig Braun.

Stricker, Salomon: 30 Jahre experimentelle Pathologie. Herrn Prof. Dr. S. Stricker zur Feier seines 25jährigen Jubiläums als ordentlicher Professor der allgemeinen und experimentellen Pathologie und zur Erinnerung an den 30jährigen Bestand des Institutes für experimentelle Pathologie in Wien gewidmet von Freunden und Schülern. Leipzig u. Wien: Deuticke 1898.

Wiener Klinischen Wochenschrift.

Wiener Medizinische Wochenschrift.

[1] Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 50, 5.12.1896, S. 2177.

[2] Diese erste Darstellung seines Forschungsgebietes erfolgte von ihm im November/Dezember 1896 und wurde in zwei Teilen in der Wiener Medizinischen Wochenpresse (Nr. 49, 28.11.1896, S. 2121-2125, Nr. 50, 5.12.1896, S. 2177-2183) abgedruckt.

[3] Dieser Bericht über sein im November 1896 gelungene Experiment mit der Firma Lechner sind wenige Tage später, am 17. Dezember 1896 (Nr. 51, S. 1206-1207) in der Wiener Klinischen Wochenschrift und am 19. Dezember 1896 in der Wiener Medizinischen Wochenschrift (Nr. 52, S. 2291).

[4] Neue Freie Presse, 26.1.1897, S. 5

[5] „Die Anwendung der Kinematographie für das Studium und die objektive Darstellung der Herzbewegung“. Abgedruckt in: Wiener Medizinische Wochenpresse, Nr. 44, 30.10.1897, S. 2025-2028.

Alle Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien–>

Vortrag: REINE NERVENSACHE? PSYCHIATRIE UND NEUROLOGIE ZWISCHEN TOKIO UND WIEN UM 1900

BERNHARD LEITNER: REINE NERVENSACHE? PSYCHIATRIE UND NEUROLOGIE ZWISCHEN TOKIO UND WIEN UM 1900

„Die Gründung des Institutes für Anatomie und Physiologie des Zentralnervensystems durch Heinrich Obersteiner in Wien im Jahre 1882 kann zweifellos als Geburtsstunde der Neurologie betrachtet werden. Im Vortrag von Bernhard Leitner wird der Frage nachgegangen, warum in diesem Labor schon nach wenigen Jahren besonders viele japanische Psychiater tätig werden sollten…“

Vortrag von Bernhard Leitner

Mo 16.01.2017, 18:15

IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften

Reichsratsstraße 17

1010 Wien

Bernhard Leitner studierte Japanologie und Philosophie in Wien und Tokio. 2015 war er Toshiba International Foundation Fellow und von 2013 bis 2016 uni:docs Fellow am Institut für Ostasienwissenschaften. Derzeit ist Bernhard Leitner IFK_Junior Fellow. Der profunde Kenner Obersteiners und seines Institutes beforscht für seine Studien regelmäßig die Heinrich Obersteiner Bibliothek in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

http://www.ifk.ac.at/index.php/events-detail/events/712

obersteiner_mhartl

Gastautor: Prof. Dr. Hermann AICHMAIR: Augen – Amulette, Brillen, Optik [31]: Augenamulette, Augenvotive, Augenvotivbilder und alte Brillen

Gastautor: Prof. Dr. Hermann AICHMAIR: Augen – Amulette, Brillen, Optik [31]: Augenamulette, Augenvotive, Augenvotivbilder und alte Brillen

Noch 1945 konnte man in Mariazell (Steiermark) die sogenannten Schluckbilder kaufen.
Diese Bildchen waren etwa so groß wie eine Briefmarke, auf denen die Mariazeller-Muttergottes abgebildet war. Sie konnten als Bogen erworben werden, ein oder auch mehrere Bildchen
wurden herunter geschnitten und verschluckt. Ähnliches wurde auch dadurch erzielt, dass man bestimmte Koranpassagen auf die Innenseite Schreckstein von der Wallfahrts· einer Tasse oder Schale schreibt, Wasser eingießt und solange rührt, bis sich die Schrift aufgelöst hat. Das Wasser mit den darin gelösten heiligen Worten muss vom Patienten getrunken werden.

Der Schreckstein stellte ebenfalls eine geistliche Medizin dar. Als Material wurde Speckstein, Serpentin aber auch  gebrannter Ton verwendet. Je nach Herkunftsort war entweder die Muttergottes (Mariazell) oder die hl. Dreifaltigkeit (Sonntagberg) dargestellt. Der Schreckstein wurde sowohl als Amulettt an der Fraisenkette getragen als auch geschabt in Wasser getrunken.

Schreckstein

Alle Beiträge–>Augenheilkunde

Text: Hermann AICHMAIR, MEIDLING BLÄTTER DES BEZIRKSMUSEUMS, Heft 59, 2003
Fotos: Sammlung Hermann Aichmair Bezirksmuseum Meidling

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Gabriele Possanner, die erste Medizinerin der ruhmreichen Österreichisch – Ungarischen Monarchie…

Eine Heroin(e): Gabriele Possanner,
die erste Medizinerin der ruhmreichen Österreichisch – Ungarischen Monarchie..

Dr. Gabriele Baronin Possanner, geborene Freiin von Ehrenthal (geb.1860 Ofen, gestorben 1940 in Wien), hatte heldenhaft gekämpft, um die Jahrhundertwende, wie noch keine Frau zuvor. Einsam, auf der Bühne des Absurden.

p1

»Das Absurde« sagt Camus, »entsteht aus der Gegenüberstellung des Menschen, der fragt, mit der Welt, die vernunftwidrig schweigt.« – und – „Die Erfahrung des Absurden sei nur der Ausgangspunkt und nicht das Ende..“

Wie oft mag sie sich am Ende ihrer Kräfte gefühlt haben, die mit Recht als eine wahre Heldin zu bezeichnende Gabriele Possanner? Eine waschechte Österreich-Ungarische war sie, mit Wurzeln in Kärnten. Sie hat sich’s frecherweise angelegt mit der dekadent-hochnasigen Verhinderungs-Hofräte-Phalanx, mit den Innen-, Kultus- und den Unterricht-Ministern, Rektoren, Dekanen, um letztendlich als unterthänigste Bittstellerin ein Gesuch an ,Seine Allerhöchste Katholische und Apostolische Majestät, den Kaiser von Österreich, König von Böhmen und Apostolischen König von Ungarn etc. , den gnädigen FRANZ-JOSEPH-DEN-ERSTEN zu richten.

Nostrifizier’n wollt’s halt – in Österreich sogar! Unerhört! So eine Weibsbild, so ein vorlautes noch dazu – sapperlott, was  ist ihr denn da° eing’fa°ll’n?

„Da° könnt‘ ja jede(R) kommen! So giebt es nichts Widerwärtigeres, als ein die gesteckten Grenzen überschreitendes Mannweib!“ (1)

dsc02326

1894 hatte sie promoviert – in der Schweiz (eine zweite Reifeprüfung wurde verlangt!) Dissertation: Über die Lebensdauer nach dem Auftreten von Retinitis albuminurica – Sie hatte sich schon während des Studiums intensiv mit Augenheilkunde auseinandergesetzt. Hierzulande musste sie nochmals alle Prüfungen ablegen. 1897, im Alter von 37 Jahren: Promotion in Wien. Die Rede des Rektors galt..“der muthigen siegreichen Vorkämpferin um die Erweiterung der Frauenrechte’ “ (2)

‚Sapperlott – durchg’setzt hat sie sich dann dochnoch, das Mäderl, das eigensinnige‚ – gegen all die Mannderleut, die dickschädlert’n!

Praktische Ärztin ist sie geworden, in Wien, am Alsergrund; im Spital hat’s auch gearbeitet, um Caritas-Kinder hat sie sich gekümmert. Zum Medizinalrat wurde sie sogar ernannt. (3)

Epilog: Nur der Ausgangspunkt sei das Absurde..

possannercoal2

1 http://geschichte.univie.ac.at/de/biblio?f[author]=5024: S. Stipsits, Die konstruierte Devianz – Argumente gegen das Frauenstudium und Analyse der Umstände, die 1900 dennoch zur Zulassung“, in Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich, B. Bolognese-Leuchtenmüller und Horn, S. Wien: , 2000, S. 37-40.

2 Die Feierliche Inauguration des Rectors der Wiener Univ. für das Studienjahr 1897/98 (1897), 6-7.)

3 http://www.gabrielepossanner.eu/Gabriele-Possanner/

http://ub.meduniwien.ac.at/BG/personen/Possanner_Gabriele_CM.pdf

Weitere Artikel von Prof. Dr.Heilig–>

EINLADUNG–>

Diese  Wirklichkeit – und andere..

Erfahrenes und Erlesenes, vorgetragen und interpretiert
von Mag. Katharina und Prof. Peter Heilig

Außerdem: Ausstellung: „Skizzen“ (ph: ‚Hafer-Stiche‘ / Übermütigkeiten).

ZEIT: Mittwoch, 29.3.2017,19 Uhr,

ORT: Otto-Mauer-Zentrum, (Halbstock links; Lift).

Währinger Straße 2-4,
A-1090 Wien

 

Weblog der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien