Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [370]: Lerch, Alexander – Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Brüder, Wiener Gemeinderat

Lerch, Alexander – Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Brüder, Wiener Gemeinderat

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 01.06.2026

Keywords: Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Medizingeschichte, Wien

Alexander Lerch wurde am 17. September 1842 als Sohn von Genofeva (-1873) Lerch, geborene Hauer, und des Mediziners Johann Alexander Lerch (1813-1897) in Wien geboren. Sein Vater wirkte zunächst als Armenarzt in Wien, nahm an der Revolution 1848 teil, arbeitete später als Ordinarius am Spital der Barmherzigen Brüder in Wien und stand der Medizinischen Fakultät der Universität Wien von 1847 bis 1849 als Dekan vor. Darüber hinaus gehörte er zwischen 1863 und 1866 sowie erneut zwischen 1879 und 1887 als Mitglied der liberalen Mittelpartei dem Wiener Gemeinderat an. Im Jahr 1877 veröffentlichte er die „Mittheilungen aus dem Spitale der barmherzigen Brüder in Wien“. Seit 1868 war Lerch mit Karolina Cäcilia Theresia Kutschera (1845) verheiratet.

Nachdem Lerch 1860 am Schottengymnasium in Wien maturiert hatte,[1] studierte er an der Universität Wien Medizin. Am 27. März 1866 promovierte er zum Doktor der Medizin und Magister der Gynäkologie, am 12. April 1867 zum Doktor der Chirurgie. Ebenfalls 1866 wurde er in das Medizinische Doktoren-Kollegium aufgenommen.[2] In der Folge arbeitete als Arzt im Zweiten Wiener Bezirk Leopoldstadt, wo er in der Karmelitergasse 12 ordinierte und wohnhaft war.

Darüber hinaus war Lerch als Chefarzt der seit 1867 bestehenden Donauregulierungskommission tätig. In dieser Funktion war er für die Erstellung und Überwachung der sanitären Reglements verantwortlich, die für die beim Donauausbau eingesetzten tausenden Wanderarbeiter aus den Kronländern der Monarchie galten.

Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder und Ordinarius der medizinischen Abteilung

Von 1888 bis 1913 war Lerch – wie zuvor sein Vater – Ordinarius am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt und hatte zugleich die Leitung des Spitals inne. Bereits seit 1866 war er dort als Sekundararzt tätig, beziehungsweise übernahm er die Vertretung seines Vaters.[3] Im Jahr 1894 veröffentlichte er hier die Arbeit „Ein Fall von Milzbrand“.[4] Seine Tätigkeit im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder fiel in eine wichtige Ausbauphase des Hauses, gerade in den 1880er und 1890er Jahren wurde das Krankenhaus erheblich erweitert und modernisiert.

Mitglied des Wiener Gemeinderates und Mitbegründer des Wiener Fortschrittsklubs

1887, ein Jahr vor dem Ausscheiden seines Vaters aus dem Wiener Gemeinderat, kandidierte Lerch für den von ihm mitbegründeten liberalen Fortschrittsklub und gehörte dem Wiener Gemeinderat bis September 1895 an. Ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit lag im Bildungswesen. Er war Mitglied des Bezirks- und Landesschulrates für die Stadt Wien.[5] Neben seiner Tätigkeit im Gemeinderat fungierte er als Obmann-Stellvertreter des Fortschrittsklubs im Zweiten Bezirk, der in den 1880er Jahren zum liberalen Vereinsmilieu Wiens gehörte und eng mit den Bildungs- und Kommunalreformen verbunden war.[6]

Darüber hinaus engagierte sich Lerch in zahlreichen sozialen und karitativen Einrichtungen. Er wirkte im Wiener Frauenheim,[7] war Gründer und Obmann der Sektion Leopoldstadt des Vereins gegen Verarmung und Bettelei, mehr als dreißig Jahre lang Obmann im Leopoldstädter Humanitätsverein sowie seit spätestens 1879 Vorstandsmitglied des Leopoldstädter Frauen-Wohltätigkeits-Verein.[8] Zudem war er in den 1880er Jahren im Deutschen Schulverein vertreten und gehörte dem Ortschulrat der Leopoldstadt an. Im Jahr 1885 hielt er vor dem Lehrerverein des Bezirkes einen Vortrag den er unter dem Titel „Ueber die Stellung des Lehrers“ veröffentlichte. 1896 wurde er zum k.k. niederösterreichischen Landesschulrat gewählt.[9]

Lerch wirkt außerdem in zahlreichen ärztlichen Interessensvertretungen mit, darunter als Vizepräsident des Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Instituts des Österreichischen Ärzteverbandes sowie zeitweilig als Obmann des Ärztlichen Vereins im Zweiten Wiener Bezirk. Dort hielt er 1881 einen Vortrag, der im selben Jahr unter dem Titel „Der Mutterhals als Geburtshinderniss“ publiziert wurde. 1896 erfolgte seine Wahl zum Vorsitzenden des Centralkomités der ärztlichen Bezirksvereine Wiens.[10] 1882 hatte er vor dem Fortschritts-Club einen Vortrag gehalten, der im Selbstverlag unter dem Titel „Ueber die sanitären Verhältnisse des II. Bezirkes“ erschien. Darin setzte er sich mit den Folgen des rasanten Bevölkerungswachstums sowie der hygienisch problematischen Verbauung der Leopoldstadt nach der Donauregulierung auseinander.

Alexander Lerch verstarb verarmt am 9. Juni 1921 in Wien.

Lerch Alexander, Todesanzeige; Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 10.6.1921, S. 12.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-149r, Lerch Alexander (Rigorosum Datum: 1865).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-42, Lerch Alexander (Promotion Datum: 27.3.1866).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-107, Lerch Alexander (Promotion Datum: 12.4.1867).

Matriken der Erzdiözese Wien, 01, Dom- und Metropolitan-Pfarre St. Stephan, Trauungsbuch, 02-090, Folio 261, 22.11.1868, Lerch Alexander Johann, Kutschera Karolina Cäcilia Theresia.

Matriken der Erzdiözese Wien, 02, St. Leopold, 1842, Taufbuch, 01-26c, Folio 309, Lerch Alexander Johann.

Literatur:

Lerch, Alexander: Mitteilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Brüder in Wien. Wien: Braumüller 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1302]

Lerch, Alexander: Der Mutterhals als Geburtshinderniss. Vortrag gehalten im ärztlichen Vereine des II. Bezirkes in Wien. Sonderdruck aus: Medicinisch-chirurgisches Central-Blatt. Wien: Druck und Verlag von Chr. L. Praetorius 1881.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Jahresbericht Schottengymnasium Wien, Wien 1861, S. 81.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 64, 1866, Sp. 1029.

[3] Mittheilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Brüder in Wien, Wien 1877, S. 7

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 65, 1894, Sp. 1916-1918.

[5] Verwaltungsbericht der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Wien 1887, S. 18.

[6] Neue Freie Presse, 31.7.1880, S. 2.

[7] Jahresbericht des Vereines ‚Wiener Frauenheim‘, Wien 1897, S. 24

[8] Neue Freie Presse, 31.12.1879, S. 5.

[9] Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1896, S. 435.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1896, Sp. 468.

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Letzte Aktualisierung: 2026.06.01

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [369]: Foges, Arthur – Privatdozent für Gynäkologie

Foges, Arthur – Privatdozent für Gynäkologie

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 01.06.2026

Keywords: Gynäkologe, Medizingeschichte, Wien

Arthur (Artur) Foges wurde am 29. Oktober 1868 als Sohn des Knopffabrikanten Josef Foges (1828-1881) und Lucie (Louise) (1834-1889), geborene Flekeles, in Prag geboren. Seit 1897 war er mit Helene Kuffler (1873-1950) verheiratet, mit der er die Kinder Georg (1898-1960), Walter Arthur (1900-1970) und Wolfgang (1910-1986) hatte.

Forges legte 1887 die Matura am Josefstädter Obergymnasium in Wien ab[1] und begann anschließend das Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 24. Juni 1893 mit der Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde abschloss. Seinen Militärdienst beendete er im Mai 1894 als Reserve-Assistenzarzt-Stellvertreter.[2]

Rudolfinerhaus

Danach war Foges bis zu seinem Tod im Jahr 1920 am Rudolfinerhaus in Wien-Döbling tätig. In dieser Zeit veröffentlichte er zahlreiche wissenschaftlichen Arbeiten, darunter 1895 „Tetanus – Antitoxinbehandlung (nach Tizzoni) – Oesophagotomie – Tod“,[3] 1896 „Casuistische Beiträge zur Klinik der Appendicitis simplex“, sowie „Schwangerschaftshypertrophie der Mamae und Nebenmammae“.

1910 erschien sein „Atlas der rectalen Endoskopie“; im selben Jahr erhielt er den Titel eines Privatdozenten für Geburtshilfe und Gynäkologie.[4] Zahlreiche weitere Arbeiten von Foges befinden sich heute in den Beständen der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, darunter die 1906 publizierte Monografie „Physikalische Therapie der Erkrankungen der weiblichen Sexualorgane“.

Neben seiner Tätigkeit am Rudolfinerhaus führte Foges eine private Arztpraxis zunächst in Wien 14, Schönbrunner Straße 63, danach in Wien 8, Wickenburggasse 3, ab 1895 in Wien 9, Rossauer Lände 43 und schließlich ab 1897 in Wien 9, Schlickplatz 4.

Während des Ersten Weltkrieges war er im Vereins-Reservespital Nr. 3, am Standort des Rudolfinerhauses tätig.

Seit 1898 war Foges Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien,[5] des Vereins der Ärzte im 9. Bezirk, sowie des 1907 von Hugo Klein (1863-1937) gegründeten Österreichischen Bundes für Mutterschutz, dem unter anderem auch der Professor für Kinder- und Jugendheilkunde Josef Karl Friedjung (1871-1946), Sigmund Freud (1856-1939), Rosa Mayreder (1858-1938), Julius Ofner (1845-1924) und Marianne Hainisch (1839-1936) angehörten.

1907 zählte er zum Kreis der Mitunterzeichner eines Aufrufes zur Gründung einer Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose.[6]

Volksbildner im Wiener Volksbildungsverein

Foges engagierte sich darüber hinaus im Wiener Volksbildungsverein, in dem er als Vorstandsmitglied tätig war, Vorträge hielt und den Lesehallenfonds des Vereins unterstützte. 1914 verfasste er einen Nachruf auf den Philosophen und Leiter des Wiener Volksbildungsvereines Friedrich Jodl (1849-1914).[7]

Zudem war Foges Mitglied des Wiener Photo-Klubs und nahm gemeinsam mit dem Dermatologen Eduard Schiff (1849-1913) im Jahr 1905 an dessen Ausstellung im Bereich „Photographie als Wissenschaft“ teil.[8]

Auch im Unterstützungsverein für Hebammen engagierte sich Foges und hielt dort regelmäßig Vorträge. 1907 gehörte er zudem zu den Mitunterzeichnern des Aufrufes zur Gründung der Österreichischen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten.[9]

Arthur Foges verstarb am 4. Oktober 1920 in Wien.

Foges Arthur: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 6.10.1920, S. 12.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0369, Foges Arthur (Nationalien Datum: 1890/91).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-100b, Foges Arthur (Rigorosum Datum: 1891).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 187-987, Foges Arthur (Promotion Datum: 24.6.1893).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Foges Arthur.

Literatur:

Foges, Arthur: Casuistische Beiträge zur Klinik der Appendicitis simplex. Aus dem Rudolfinerhause in Wien-Döbling. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1896.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Foges, Arthur: Schwangerschaftshypertrophie der Mamae und Nebenmammae. Aus dem Rudilfinerhaus in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Druck von Friedrich Jasper 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Foges, Arthur: Atlas der rectalen Endoskopie nebst einer Einführung in die Technik der rectalen Endoskopie. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 61344]

Foges, Arthur und Ortfried Otto Fellner: Physikalische Therapie der Erkrankungen der weiblichen Sexualorgane. (= Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen/22) Stuttgart: Enke 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 17918/22]

[1] Jahresbericht des Josefstädter Obergymnasiums, Wien 1888, S. 61

[2] Pester Loyd, 13.4.1894, S. 5.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 24, 1895, Sp. 1057-1059; Nr. 25, 1895, Sp. 1100-1102.

[4] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 3.8.1910, S. 4.

[5] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 14, 1898, S. 355.

[6] Illustriertes Wiener Tagblatt, 21.4.1907, S. 17.

[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 27.1.1914, S. 10.

[8] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 17.4.1905, S. 3.

[9] Illustrierts Wiener Extrablatt, 21.4.1907, S. 19.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

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Letzte Aktualisierung: 2026.06.01

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Datenbank des Monats: Predatory Reports: Datenbank über „Raubjournale“

Die Unterscheidung von seriösen und unseriösen Journals ist mitunter schwierig. Nicht selten wird ein Zeitschriftenname gewählt, der leicht zu einer Verwechslung mit einem etablierten Journal führen kann. Weitere Täuschungsversuche betreffen die Anführung eines Impact Factors, obwohl das Journal nicht ISI-indexiert ist, oder einer intransparenten oder dubiosen Metrik (wie dem „General Impact Factor“).

Die Datenbank „Predatory Reports“ wurde von der Universitätsbibliothek für die MedUni Wien lizenziert. „Predatory Reports“ enthält Informationen zu mehr als 20.000 (!) sogenannten Raubjournalen und steht im Computernetz der MedUni Wien sowie via Remote Access zur Verfügung:

>>Predatory Reports

>>Predatory Reports via Remote Access

PDF-Informationsbroschüre:
Predatory Reports Brochure

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Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig: NERVUS OPTICUS

NERVUS OPTICUS: Retinopetale (efferente -) zentrifugale Axone.
Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig

 

Vorspann:
Die gesamte visuelle retinale Information wird jeweils in Gedankenschnelle optimal aufgearbeitet, umgeformt, umgeschaltet, komprimiert und schließlich im Dritten Retinalen Neuron über den Sehnerv zum Gehirn weitergeleitet.

In den Einzelfasern des Sehnerven – korrekt Tractus Opticus – wird die (Dauer-)aktivität der Ganglienzellen modifiziert. Diese, durch physiologische Sinnesreize ‚codierten‘ Spike-Intervalle tragen die Information. Dies alles klingt zugegebenermaßen kompliziert – ist es auch.

Um ein Beispiel herauszugreifen: Foveale ‚Intelligenz‘. Die hohe Schule des Sehens beginnt in der Retina. Schon in dieser ersten Station startet hochkomplexes Aufarbeiten des Lichtreizes – ‚processing‘ – die Phototransduktion mit den Ionenkanälen und Membranpotentialen, De- und Hyperpolarisierungen, biochemischen Prozessen, etc.
Die Aktionspotentiale, frequenzmodulierte Träger retinal aufgearbeiteter Informationen, zwängen sich durch den Flaschenhals Opticus. Im lateralen Kniehöcker und in der Sehrinde entstehen die Vorstufen der bewegten Bilder, welche ausgeklügelt, in komplexen kognitiven Prozessen ergänzt, korrigiert und angepasst, schließlich – bottom up–top down – weiter auf Hochtouren gebracht werden.
Abgeglichen mit den Daten der visuellen Erinnerungszentren und gleichsam gewürzt mit dem thalamischen Menü der Sinneseindrücke, werden komplexe Seh- und Wahrnehmungspotentiale den präfrontalen Instanzen kredenzt.
(https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=46542).
Damit ist es nicht getan: Bottom Up ist dem System nicht genug, Top Down mischt sich quasi ‚ungefragt‘ in das Geschehen ein.

Hauptteil:
Im Augenblick des Auftreffens von Photonen in der Retina schalten sich bereits retinopetale Axone ein (1) und beeinflussen Prozesse der intrinsic photosensitiven Melanopsin exprimierenden Retinalen Ganglionzellen (ipRGC) (2).
Diese, vielfach vernetzt, auch in der äußeren plexiformen Schicht, modulieren synaptische Inputs zum Zweck optimaler visueller Funktionen. Zum Beispiel: nach Blendung reduzieren sie die retinale Sensitivität. Außerdem beeinflussen sie die intrinsisch-circadianen retinalen Uhren (clock genes) samt Chronobiologie (pacemaking system) sowie die Phagozytose peripherer äußerer Photorezeptor-Segmente (via retinales P.E.) und deren Erneuerung (3). Durchtrennung des Nervus Opticus verhindert daher ein “shifting of the (bio-)rhythm to a new cycle“ (4, 5).
Interokuläre Verbindungen – retino-retinal – zusätzlich zu cortino/subcorticoretinalen ermöglichen einen sog. ‚cross talk‘ (6) bioelektrischer Aktivitäten:
ERG disappeared following acute experimental increase of IOP (um Streulicht-Artefakte auszuschließen), although efferent optic nerve signals from that eye still produced an xERG. Hormonal transmission would seem much too slow to explain xERG response times“ (7).
Der Einfluss efferenter Systeme auf den IOP:
„The neuroregulatory center of intraocular pressure (IOP) is located in the hypothalamus. An efferent neural pathway exists between the hypothalamic nuclei and the autonomic nerve endings in the anterior chamber of the eye.“ (8).
“Ocular hypertension (OHT) induced by the circadian rhythm, occlusion of the iridocorneal angle and glucocorticoids requires activation of transient receptor potential vanilloid isoform 4 (TRPV4), a stretch-activated cation channel, indicating a central role for TRPV4-dependent mechanosensing in trabecular outflow – a novel target for pressure control in glaucoma. Trpv4 knockdown induced IOP lowering in mice with an occluded iridocorneal angle and protected retinal neurons from pressure injury, indicating a central role for TRPV4-dependent mechanosensing in trabecular outflow“ (9,10).

Ein Silberstreif am (Glaukom) Horizont – zumindest ein neuer Denkansatz.

Literatur
1 Ortiz G et al (2017): Efferent influences on the bioelectrical activity of the retina in primates.
Doc Ophthalmol. 2017;134(1):57-73.
DOI: 10.1007/s10633-016-9567-5

2 Joo HR et al (2013): Recurrent axon collaterals of intrinsically photosensitive retinal ganglion cells.
Vis Neurosci. 2013;30(4):175-182.
DOI: 10.1017/S0952523813000199

3 Remé CE et al (1991): The visual input stage of the mammalian circadian pacemaking system: I. Is there a clock in the mammalian eye?.
J Biol Rhythms. 1991;6(1):5-29.
DOI: 10.1177/074873049100600104

4 Teirstein PS et al (1980): Evidence for both local and central regulation of rat rod outer segment disc shedding.
Invest Ophthalmol Vis Sci. 1980;19(11):1268-1273.

5 Heilig P (2025): Retinales Pigmentepithel.
CONCEPT Ophthalmologie. 09/2025:18-19

6 Tang X et al (2016): Retinal cross talk in the mammalian visual system.
J Neurophysiol. 2016;115(6):3018-3029.
DOI: 10.1152/jn.01137.2015

7 Tsai TI et al (2014): Effect of acute intraocular pressure challenge on rat retinal and cortical function.
Invest Ophthalmol Vis Sci. 2014;55(2):1067-1077.
DOI: 10.1167/iovs.13-13003

8 Ma L et al (2023): Paraventricular Hypothalamic Nucleus Upregulates Intraocular Pressure Via Glutamatergic Neurons.
Invest Ophthalmol Vis Sci. 2023;64(12):43.
DOI: 10.1167/iovs.64.12.43

9 Redmon SN et al (2025): TRPV4 controls circadian and pathological ocular hypertension.
J Physiol. 2025;603(14):4091-4111.
DOI: 10.1113/JP288706

10 Žavbi J et al (2026): TRPV4 regulates intraocular pressure through trabecular meshwork contractility and fibrosis.
Channels (Austin). 2026;20(1):2611702.
DOI: 10.1080/19336950.2025.2611702

_________________________

Interessenkonflikt:
Der Autor erklärt, dass bei der Erstellung
des Beitrags kein Interessen –
konflikt im Sinne der Empfehlung des
International Committee of Medical
Journal Editors bestand.

Korrespondenzadresse:
Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
Augenheilkunde und Optometrie
peter.heilig@meduniwien.ac.at
_________________________

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FRESH eBOOKS: Textbook of Bone Marrow Failure; Intravitreale Medikamente : von A bis Z u.v.m.

FRESH eBOOKS: Liste der kürzlich hinzugefügten eBooks
 

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Intravitreale Medikamente : von A bis Z

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Letzte Aktualisierung: 28.05.2026

Neuerwerbungen: Mai 2026

Der Bestand der Bibliothek wird durch zahlreiche interessante Neuerwerbungen laufend erweitert. Stöbern Sie in unserer virtuellen Buchausstellung, lesen Sie die eBooks. Ein Großteil der neu erworbenen Literatur wird in der Buchausstellung im Lesesaal präsentiert. Diese Bücher können Sie vormerken und nach der Ausstellung ausleihen.
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Nature Masterclasses Webinars „Community Insights: Designing Your Research with Assistance from AI“ in June 2026

Artificial intelligence is reshaping how research questions are developed, studies are designed, and methodologies are refined. Used well, AI can help researchers explore existing literature, identify patterns, and strengthen research design. But it also raises important questions around bias, transparency, reproducibility, and responsible use.

This webinar will bring together expert perspectives from across research, publishing, and policy to help researchers use AI confidently and responsibly when designing their research.

This session will help researchers to:

  • Understand how AI can support different stages of research design, from research questions to methodology
  • Evaluate opportunities and limitations when incorporating AI tools
  • Identify key risks, such as bias, reproducibility issues, and over‑reliance, and how to mitigate them
  • Apply AI in ways that strengthen, rather than replace, critical thinking and research expertise

You will have the opportunity to submit your own questions when you register.

Session timings:

  • Wednesday 10th June, 18:00–19:00 (CEST)  –> Register
  • Thursday 11th June, 09:00–10:00 (CEST)  –> Register
  • Thursday 11th June, 15:00–16:00 (CEST)  –> Register

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [368]: Nussbaum, Julius – Oberbezirksarzt in Wien

Nussbaum, Julius – Oberbezirksarzt in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 04.05-2026

Keywords: Städtischer Bezirksarzt, Medizingeschichte, Wien

Julius Nussbaum wurde als Sohn von Abraham Adolf Nussbaum und Rosi Therese, geborene Schrötter, am 2. September 1861 in Ungarisch-Ostrau in Mähren (heute: Uherský Ostroh/Tschechien) geboren. Er war mit Vilma (21.7.1863-) verheiratet.

Nussbaum studierte seit dem Wintersemester 1882/83 an der Universität Wien Medizin und promovierte am 27. März 1886 zum Doktor der gesamten Heilkunde.

Von 1886 bis 1891 war er als Sekundararzt 1. Klasse im Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig und zugleich Assistent am Ambulatorium für Elektrotherapie bei Professor Moritz Rosenthal (1832-1889). Zwischen 1886 und 1888 widmete er sich am I. Neurologischen Institut bei Professor Heinrich Obersteiner jun. (1847-1922) dem Studium des Nervensystems. In diesem Zusammenhang publizierte er die Arbeit „Ueber die wechselseitigen Beziehungen zwischen den centralen Ursprungsgebieten der Augenmuskelnerven“.

Anschließend schlug er die Beamtenlaufbahn eines städtischen Arztes in Wien ein. Im Jänner 1891 wurde er zum provisorischen dritten städtischen Arzt des 2. Bezirks, Leopoldstadt, in Wien ernannt,[1] 1892 erfolgte seine definitive Ernennung zum städtischen Arzt für den 3. Bezirk.[2] 1895 wurde er dem 9. Bezirk, Alsergrund, zugeteilt.[3] 1913 erfolgte seine Ernennung zum Bezirksarzt 1. Klasse (für Armenbehandlung und Totenbeschau),[4] 1914 jene zum Oberbezirksarzt. Er führte eine private Arztpraxis zunächst in Wien 2, Herminengasse 18, anschließend in Wien 9, Alserstraße 4, später in Wien 3, Landstraße Hauptstraße 33[5], danach Löwengasse 29, ab 1895 Wien 9, Lichtensteinstraße 17, ab 1898 Wien 9, Berggasse 17 und zuletzt in Wien 9, Porzellangasse 50.

Nussbaum engagierte sich in ärztlichen Standesorganisationen, insbesondere in der Wiener Ärztekammer, in der er 1898 zum Kammermitglied gewählt wurde,[6] sowie im Ärztlichen Verein im 9. Bezirk, wo er zunächst 1902 zunächst zum zweiten Obmann-Stellvertreter gewählt wurde[7] und die Funktion des Vereinsobmannes übernahm.

Julius Nussbaum verstarb am 23. Oktober 1927 in Wien.

Nussbaum Julius: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 24.10.1927, S. 7.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0190, Nussbaum Julius (Nationalien Datum: 1882/83).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-266b, Nussbaum Julius (Rigorosum Datum: 1883).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-1789, Nussbaum Julius (Promotion Datum: 27.3.1886).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Nussbaum Julius.

Literatur:

Nussbaum, Julius: Ueber die wechselseitigen Beziehungen zwischen den centralen Ursprungsgebieten der Augenmuskelnerven. Aus dem Laboratorium von Prof. Obersteiner zu Wien. Sonderdruck aus: Medizinische Jahrbücher. Wien: Druck von Gottlieb Gistel & Comp. 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

 

[1] Allgemeine Wiener Zeitung, 6.1.1891, S. 10.

[2] Wiener medizinische Zeitung, Nr. 15, 1902, Sp. 604.

[3] Die Presse, 10.11.1889, S. 15.

[4] Illustriertes Wiener Extrablatt, 29.6.1913, S. 4.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 37, 1892, Sp. 1450.

[6] Neues Wiener Journal, 10.2.1898, S. 4.

[7] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 6, 1902, S. 159.

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Letzte Aktualisierung: 2026.05.04

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Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig: BIXONIMANIA & CO

BIXONIMANIA & CO
Autor: Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig

“Bixonimania is a condition caused by excessive exposure to blue light“.

Sir Karl Popper
(möglicherweise in statu perplexitatis)

“Beware of false knowledge. It is more dangerous than ignorance“.
(George Bernard Shaw)

Bixonimania is a condition caused by excessive exposure to blue light” which promts ‚patients‘ to visit an ophthalmologist.
Perplexity’s AI answer engine outlined its prevalence on April 27, 2024. However, this fake disease was invented by scientists, but Perplexity told people it was real [1]. Moreover, fake papers on Bixonimania were cited in peer-reviewed literature.

Der Begriff erinnert an Loriots Steinlaus [2] oder an das „Photo-Oculodynia-Syndrom (ICD 11: „not found“). Suchmaschinen bleiben die Antwort schuldig. Sie informieren über „Regionale Sympatholysis“ und „Botulinum-Toxin-Behandlungen“ bis zu „Beta-Blockers, Calcium Channel Blockers, Anticonvulsants, and CGRP Inhibitors“.
Immerhin wird auch „avoiding intense light“ erwähnt, ein geradezu prophetisch/prophylaktischer Schlusssatz, vorausgesetzt man nähme – vorausschauend – eine kleine Korrektur vor: „preventing intense light“ [3].

„… Perplexity ist eine Alternative zu konventionellen Suchmaschinen und bietet mit KI-Integration viel mehr Möglichkeiten und oft bessere Antworten“ (Perplexity.ai – Die beste KI-Suchmaschine [4]).
Na dann …

perplexity: “state of being confused or bewildered“
(Merriam Webster Cambridge Dictionary)

Perplexität: ratloses und verwirrtes Verhalten, Konfusion,
Widersprüchlichkeit (Jurisprudenz)

Epilog:
Autokorrektur-Hoppala (?);  vielleicht war etwa „Komplexität“ gemeint.

 

Literatur:

1. Stokel-Walker C (2026): Scientists invented a fake disease. AI told people it was real.
Nature News Feature, 7. April 2026

2. Dailymotion (2015): Loriots Steinlaus
https://www.dailymotion.com/video/x2mc4e7

3. Heilig P (2023): LICHTEMPFINDLICHKEIT – Photophobie
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=42279

4. Meixner T, Ruof J (2024): Perplexity.ai – Die beste KI-Suchmaschine.
https://digitaleprofis.de/kuenstliche-intelligenz/ki-tools/perplexity-mehr-als-eine-ki-suchmaschine/

 

Gender: beyond
Interest: no conflict
AI/KI- free wording (exc. citations)

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Interessenkonflikt:
Der Autor erklärt, dass bei der Erstellung
des Beitrags kein Interessen –
konflikt im Sinne der Empfehlung des
International Committee of Medical
Journal Editors bestand.

Gastautor:
Korrespondenzadresse:
Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
Augenheilkunde und Optometrie
peter.heilig@meduniwien.ac.at
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