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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [370]: Lerch, Alexander – Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Brüder, Wiener Gemeinderat

Lerch, Alexander – Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Brüder, Wiener Gemeinderat

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 01.06.2026

Keywords: Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Medizingeschichte, Wien

Alexander Lerch wurde am 17. September 1842 als Sohn von Genofeva (-1873) Lerch, geborene Hauer, und des Mediziners Johann Alexander Lerch (1813-1897) in Wien geboren. Sein Vater wirkte zunächst als Armenarzt in Wien, nahm an der Revolution 1848 teil, arbeitete später als Ordinarius am Spital der Barmherzigen Brüder in Wien und stand der Medizinischen Fakultät der Universität Wien von 1847 bis 1849 als Dekan vor. Darüber hinaus gehörte er zwischen 1863 und 1866 sowie erneut zwischen 1879 und 1887 als Mitglied der liberalen Mittelpartei dem Wiener Gemeinderat an. Im Jahr 1877 veröffentlichte er die „Mittheilungen aus dem Spitale der barmherzigen Brüder in Wien“. Seit 1868 war Lerch mit Karolina Cäcilia Theresia Kutschera (1845) verheiratet.

Nachdem Lerch 1860 am Schottengymnasium in Wien maturiert hatte,[1] studierte er an der Universität Wien Medizin. Am 27. März 1866 promovierte er zum Doktor der Medizin und Magister der Gynäkologie, am 12. April 1867 zum Doktor der Chirurgie. Ebenfalls 1866 wurde er in das Medizinische Doktoren-Kollegium aufgenommen.[2] In der Folge arbeitete als Arzt im Zweiten Wiener Bezirk Leopoldstadt, wo er in der Karmelitergasse 12 ordinierte und wohnhaft war.

Darüber hinaus war Lerch als Chefarzt der seit 1867 bestehenden Donauregulierungskommission tätig. In dieser Funktion war er für die Erstellung und Überwachung der sanitären Reglements verantwortlich, die für die beim Donauausbau eingesetzten tausenden Wanderarbeiter aus den Kronländern der Monarchie galten.

Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder und Ordinarius der medizinischen Abteilung

Von 1888 bis 1913 war Lerch – wie zuvor sein Vater – Ordinarius am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt und hatte zugleich die Leitung des Spitals inne. Bereits seit 1866 war er dort als Sekundararzt tätig, beziehungsweise übernahm er die Vertretung seines Vaters.[3] Im Jahr 1894 veröffentlichte er hier die Arbeit „Ein Fall von Milzbrand“.[4] Seine Tätigkeit im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder fiel in eine wichtige Ausbauphase des Hauses, gerade in den 1880er und 1890er Jahren wurde das Krankenhaus erheblich erweitert und modernisiert.

Mitglied des Wiener Gemeinderates und Mitbegründer des Wiener Fortschrittsklubs

1887, ein Jahr vor dem Ausscheiden seines Vaters aus dem Wiener Gemeinderat, kandidierte Lerch für den von ihm mitbegründeten liberalen Fortschrittsklub und gehörte dem Wiener Gemeinderat bis September 1895 an. Ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit lag im Bildungswesen. Er war Mitglied des Bezirks- und Landesschulrates für die Stadt Wien.[5] Neben seiner Tätigkeit im Gemeinderat fungierte er als Obmann-Stellvertreter des Fortschrittsklubs im Zweiten Bezirk, der in den 1880er Jahren zum liberalen Vereinsmilieu Wiens gehörte und eng mit den Bildungs- und Kommunalreformen verbunden war.[6]

Darüber hinaus engagierte sich Lerch in zahlreichen sozialen und karitativen Einrichtungen. Er wirkte im Wiener Frauenheim,[7] war Gründer und Obmann der Sektion Leopoldstadt des Vereins gegen Verarmung und Bettelei, mehr als dreißig Jahre lang Obmann im Leopoldstädter Humanitätsverein sowie seit spätestens 1879 Vorstandsmitglied des Leopoldstädter Frauen-Wohltätigkeits-Verein.[8] Zudem war er in den 1880er Jahren im Deutschen Schulverein vertreten und gehörte dem Ortschulrat der Leopoldstadt an. Im Jahr 1885 hielt er vor dem Lehrerverein des Bezirkes einen Vortrag den er unter dem Titel „Ueber die Stellung des Lehrers“ veröffentlichte. 1896 wurde er zum k.k. niederösterreichischen Landesschulrat gewählt.[9]

Lerch wirkt außerdem in zahlreichen ärztlichen Interessensvertretungen mit, darunter als Vizepräsident des Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Instituts des Österreichischen Ärzteverbandes sowie zeitweilig als Obmann des Ärztlichen Vereins im Zweiten Wiener Bezirk. Dort hielt er 1881 einen Vortrag, der im selben Jahr unter dem Titel „Der Mutterhals als Geburtshinderniss“ publiziert wurde. 1896 erfolgte seine Wahl zum Vorsitzenden des Centralkomités der ärztlichen Bezirksvereine Wiens.[10] 1882 hatte er vor dem Fortschritts-Club einen Vortrag gehalten, der im Selbstverlag unter dem Titel „Ueber die sanitären Verhältnisse des II. Bezirkes“ erschien. Darin setzte er sich mit den Folgen des rasanten Bevölkerungswachstums sowie der hygienisch problematischen Verbauung der Leopoldstadt nach der Donauregulierung auseinander.

Alexander Lerch verstarb verarmt am 9. Juni 1921 in Wien.

Lerch Alexander, Todesanzeige; Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 10.6.1921, S. 12.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-149r, Lerch Alexander (Rigorosum Datum: 1865).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-42, Lerch Alexander (Promotion Datum: 27.3.1866).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-107, Lerch Alexander (Promotion Datum: 12.4.1867).

Matriken der Erzdiözese Wien, 01, Dom- und Metropolitan-Pfarre St. Stephan, Trauungsbuch, 02-090, Folio 261, 22.11.1868, Lerch Alexander Johann, Kutschera Karolina Cäcilia Theresia.

Matriken der Erzdiözese Wien, 02, St. Leopold, 1842, Taufbuch, 01-26c, Folio 309, Lerch Alexander Johann.

Literatur:

Lerch, Alexander: Mitteilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Brüder in Wien. Wien: Braumüller 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1302]

Lerch, Alexander: Der Mutterhals als Geburtshinderniss. Vortrag gehalten im ärztlichen Vereine des II. Bezirkes in Wien. Sonderdruck aus: Medicinisch-chirurgisches Central-Blatt. Wien: Druck und Verlag von Chr. L. Praetorius 1881.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Jahresbericht Schottengymnasium Wien, Wien 1861, S. 81.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 64, 1866, Sp. 1029.

[3] Mittheilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Brüder in Wien, Wien 1877, S. 7

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 65, 1894, Sp. 1916-1918.

[5] Verwaltungsbericht der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Wien 1887, S. 18.

[6] Neue Freie Presse, 31.7.1880, S. 2.

[7] Jahresbericht des Vereines ‚Wiener Frauenheim‘, Wien 1897, S. 24

[8] Neue Freie Presse, 31.12.1879, S. 5.

[9] Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch, Wien 1896, S. 435.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1896, Sp. 468.

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Letzte Aktualisierung: 2026.06.01

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