Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig: BIXONIMANIA & CO

BIXONIMANIA & CO
Autor: Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig

“Bixonimania is a condition caused by excessive exposure to blue light“.

Sir Karl Popper
(möglicherweise in statu perplexitatis)

“Beware of false knowledge. It is more dangerous than ignorance“.
(George Bernard Shaw)

Bixonimania is a condition caused by excessive exposure to blue light” which promts ‚patients‘ to visit an ophthalmologist.
Perplexity’s AI answer engine outlined its prevalence on April 27, 2024. However, this fake disease was invented by scientists, but Perplexity told people it was real [1]. Moreover, fake papers on Bixonimania were cited in peer-reviewed literature.

Der Begriff erinnert an Loriots Steinlaus [2] oder an das „Photo-Oculodynia-Syndrom (ICD 11: „not found“). Suchmaschinen bleiben die Antwort schuldig. Sie informieren über „Regionale Sympatholysis“ und „Botulinum-Toxin-Behandlungen“ bis zu „Beta-Blockers, Calcium Channel Blockers, Anticonvulsants, and CGRP Inhibitors“.
Immerhin wird auch „avoiding intense light“ erwähnt, ein geradezu prophetisch/prophylaktischer Schlusssatz, vorausgesetzt man nähme – vorausschauend – eine kleine Korrektur vor: „preventing intense light“ [3].

„… Perplexity ist eine Alternative zu konventionellen Suchmaschinen und bietet mit KI-Integration viel mehr Möglichkeiten und oft bessere Antworten“ (Perplexity.ai – Die beste KI-Suchmaschine [4]).
Na dann …

perplexity: “state of being confused or bewildered“
(Merriam Webster Cambridge Dictionary)

Perplexität: ratloses und verwirrtes Verhalten, Konfusion,
Widersprüchlichkeit (Jurisprudenz)

Epilog:
Autokorrektur-Hoppala (?);  vielleicht war etwa „Komplexität“ gemeint.

 

Literatur:

1. Stokel-Walker C (2026): Scientists invented a fake disease. AI told people it was real.
Nature News Feature, 7. April 2026

2. Dailymotion (2015): Loriots Steinlaus
https://www.dailymotion.com/video/x2mc4e7

3. Heilig P (2023): LICHTEMPFINDLICHKEIT – Photophobie
https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=42279

4. Meixner T, Ruof J (2024): Perplexity.ai – Die beste KI-Suchmaschine.
https://digitaleprofis.de/kuenstliche-intelligenz/ki-tools/perplexity-mehr-als-eine-ki-suchmaschine/

 

Gender: beyond
Interest: no conflict
AI/KI- free wording (exc. citations)

_________________________

Interessenkonflikt:
Der Autor erklärt, dass bei der Erstellung
des Beitrags kein Interessen –
konflikt im Sinne der Empfehlung des
International Committee of Medical
Journal Editors bestand.

Gastautor:
Korrespondenzadresse:
Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
Augenheilkunde und Optometrie
peter.heilig@meduniwien.ac.at
_________________________

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Upcoming Webinars for scientific writing and publishing from Springer Nature

 

 

Springer Nature is offering online seminars in May and
June covering topics related to scientific writing
and publishing.

Participation is free.

Dates and registration links can be found on the
following webpage:

https://www.springernature.com/gp/open-science/oa-agreements#c27846888

Online-Schulung Datenbanken Psychologie am 6. 5. 2026, 10-11 Uhr.

Registrierungslink:
https://events.teams.microsoft.com/event/699a2c8f-bc70-4509-9fb0-68e9a57784b0@8ac76c91-e7f1-41ff-a89c-3553b2da2c17

Am 6. Mai 2026 findet von 10 bis 11 Uhr ein Webinar der Firma OVID statt, dass  sich mit den Datenbanken APA PsycInfo, APA PsycArticles sowie PSYNDEX beschäftigt:

    • Welche Stärken zeichnen die einzelnen Datenbanken aus?
    • Für welche Fragestellungen lohnt sich welche Ressource – und warum?
    • Wie ergänzen sich internationale und deutschsprachige Inhalte im Arbeitsalltag?

Anhand ausgewählter Beispiele wird gezeigt, wie sich die drei Datenbanken über Ovid kombinieren lassen und welchen Mehrwert dies für Recherche, Entscheidungsfindung und Qualität der Ergebnisse bietet.

Die Veranstaltung richtet sich an:

    • Forschende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Lehrende
    • Bibliothekar:innen, Fachreferent:innen und Informationsspezialist:innen
    • Psycholog:innen und klinisch tätige Fachpersonen in Forschung und Praxis
    • Mitarbeitende in medizinischen, behördlichen oder forensischen Kontexten

Mag. Karin Cepicka erhält Ehrennadel der MedUni Wien

Die Leiterin der Universitätsbibliothek der MedUni Wien, Mag. Karin Cepicka, bekam von Rektor Markus Müller die Ehrennadel der MedUni Wien für besondere Verdienste um die Medizinische Universität Wien verliehen.

Cepicka leitete die Bibliothek nach dem plötzlichen Tod ihres Vorgängers, Mag. Bruno Bauer, seit Dezember 2020. Mit 30. April 2026 tritt sie den wohlverdienten Ruhestand an.

Neben der Bewältigung der Covid-19 Krise fiel etwa auch der Aufbau der Plagiatsprüfungsstelle an der Bibliothek in die Zeit ihrer Leitung. Mit Karin Cepicka an der Spitze stellte sich die Bibliothek der MedUni Wien zahlreichen Herausforderungen einer sich stets wandelnden Hochschul- und Bibliothekslandschaft und konnte, dank ihrer umsichtigen und vorausschauenden Leitung, das Ziel, die größte und innovativste medizinische Fachbibliothek Österreichs zu sein, hervorragend erfüllen.

Wir wünschen Karin Cepicka alles Gute für ihren nächsten Lebensabschnitt und bedanken uns für ihre langjährige, herausragende Arbeit als Kollegin und Leiterin!

Testzugang: TRIP Database Pro Version 21.4.-4.6.2026

*English version below*

Bis zum 4. Juni 2026 steht allen Angehörigen der MedUni Wien ein kostenloser Testzugang zur Pro Version der TRIP Database zur Verfügung. Der Zugriff funktioniert über die gewohnte URL; Layout und Funktionalitäten sind für die Dauer des Testzugangs angepasst. Es ist keine gesonderte Registrierung erforderlich.

TRIP enthält medizinische Fachliteratur, Patient:inneninformationen, Bilder und Videos mit dem Fokus auf evidenz-basierter Medizin.
Die Treffer können nach dem Typ der Evidenz gemäß der Evidenzpyramide gefiltert werden, was eine schnelle Auswahl klinisch relevanter Literatur ermöglicht.

Folgende Zusatzfunktionen bietet die Pro Version gegenüber der Free Version:

Folgende Youtube-Videos bieten eine gute Einstiegshilfe in die Suche mithilfe der TRIP Database.

Personen, die einen kostenlosen Account in TRIP anlegen, erhalten obendrein per E-Mail Literaturempfehlungen zu ihren Interessensgebieten.

MedUni Vienna offers a free trial of the Pro Version of the TRIP Database to its staff and students until 4th June 2026. Access to this version works via the default URL, the page’s layout and functionalities have been adapted for the duration of the trial period. It is not necessary to set up a TRIP account in order to access the Pro Version.

TRIP contains medical literature, patient information, images and videos with a focus on evidence-based medicine.
The results may be filtered by their level of evidence according to the evidence pyramid, which helps in identifying relevant literature more quickly.

The Pro version offers the following additional features compared to the Free version:

The following Youtube-Videos provide some general information on how to search on TRIP.

Persons that register for a free TRIP account are being updated via e-mail with literature recommendations matching their fields of interest.

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [367]: Gottlieb, Leopold – Balneologe, Radiumtherapeut, ärztlicher Leiter der Radium-Kuranstalt in St. Joachimsthal, Oberbezirksarzt im Statthalterei-Department Böhmen

Gottlieb, Leopold – Balneologe, Radiumtherapeut, ärztlicher Leiter der Radium-Kuranstalt in St. Joachimsthal, Oberbezirksarzt im Statthalterei-Department Böhmen

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 14.04,2026

Keywords: Balneologe, Radiumtherapeut, Radium-Kuranstalt, Oberbezirksarzt, Medizingeschichte, Böhmen, St. Joachimsthal, Wien

Leopold Gottlieb wurde am 17. März 1852 in Kardas Recic in Böhmen (heute: Kardašova Řečice/Tschechien) als Sohn des Strohhändlers Gabriel Gottlieb (1809-1896) und Johanna (1812-1870), geborene Straus, geboren. Er war mit Caroline Fürth (1858-1932) verheiratet; aus dieser Ehe ging der Sohn Erich Gottlieb-Fürth hervor.

Nach dem Schulabschluss in Neuhaus (heute: Jindřichův Hradec/Tschechien) studierte er Medizin an der Universität Wien, wo er am 14. Juni 1878 promovierte. Anschließend war er bis 1886 als Arzt in Kardas Recic tätig. Im Jahr 1889 wurde er zum Bezirksarzt in Joachimsthal (heute: Jáchymov/Tschechien) ernannt. 1892 folgte seine Ernennung zum Sanitätsassistenten für den Sanitätsbezirk Joachimsthal,[1] 1894 zum landesfürstlichen Bezirksarzt[2] und 1910 schließlich zum Oberbezirksarzt.[3] 1895 hatte Gottlieb vom Minister des Inneren eine besondere Anerkennung für seine Verdienste bei der Abwehr der Cholera in Böhmen erhalten.[4] 1908 wurde ihm der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen.[5]

Radium-Kuranstalt Joachimsthal

In Joachimsthal befasste sich Gottlieb mit der Erforschung und den Möglichkeiten der medizinischen Nutzung des Radiums, das 1898 von der Physikerin Marie Curie (1867-1934) gemeinsam mit Pierre Curie (1859-1906) im Joachimsthaler Uranerz entdeckten worden war und wofür beide 1903 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Zunächst richtete er in einer Bäckerei eine provisorische Badeeinrichtung ein, in der er durch die Auslaugung von Abfallrückständen aus der Uranfabrik in Jáchymov Radium und Polonium gewonnen werden konnten. Die darauf gerichtete Aufmerksamkeit sowie die Messung der Radioaktivität erfolgten in Zusammenarbeit mit seinem Partner Josef Step (1863-1926), Oberbergrat und Leiter der Bergbau- und Hüttenverwaltung in Jáchymov.

Moderne illustrierte Zeitung für Reisen und Sport, Nr. 7, 1912, S. 17.

1906 erhielt Gottlieb vom Ackerbauministerium die Genehmigung zur Entnahme radioaktiven Grubenwassers aus dem Danielli-Stollen der Elias-Grube des Uranbergwerkes in Joachimsthal zur therapeutischen Nutzung in Radiumbädern.[6] 1907 berichtete er in der Zeitschrift „Illustriertes Bade-Blatt“ über „Die Wirkung und Anwendung der Joachimsthaler radioaktiven Grubenwässer“.[7]

1908 wurde die Radiumquelle provisorisch in Betrieb genommen, zugleich begann die Planung einer Badeanstalt für die dort angebotene Radiumtherapie sowie eines Kurhotels in Joachimsthal,[8] die 1910/11 fertiggestellt wurden. Ebenfalls 1910 veröffentlichte er die Studie „Die Joachimsthaler radioaktiven Wässer in der Therapie“.

Moderne illustrierte Zeitung für Reisen und Sport, Nr. 7, 1912, S. 29.

Die internationalen Kurgäste wie der britische König Edward VII (1841-1910) und der Schriftsteller Karl May (1842-1912) belegen die internationale Attraktivität des Kurortes.

Seit 1912 lebte er in Prag.

Leopold Gottlieb verstarb am 21. Juni 1916 in Aussig an der Elbe (heute: Ústí nad Labem/Tschechien).

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0096, Gottlieb Leopold (Nationalien Datum: 1874/75).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-109a, Gottlieb Leopold (Rigorosum Datum: 1875).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-793, Gottlieb Leopold (Promotion Datum: 14.6.1878).

Literatur:

Gottlieb, Leopold: Die Joachimsthaler radioaktiven Wässer in der Therapie. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles, k. und k. Hofbuchhandlung 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Prager Abendblatt, 26.8.1892, S. 3.

[2] Prager Abendblatt, 12.8.1894, S. 5.

[3] Teplitz-Schönauer Anzeiger, 21.12.1910, S. 13.

[4] Prager Tagblatt, 6.5.1895, S. 4.

[5] Deutsch-Englischer-Reise Courier, Nr. 2, 1908, S. 9.

[6] Neue Freie Presse, 8.4.1907, S. 8.

[7] Illustriertes Bade-Blatt

[8] Prager Tagblatt, 15.9.1908, S. 4.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  49274 (14.04.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=49274

Letzte Aktualisierung: 2026.04.14

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [366]: Schlesinger, Hermann – Internist, Neurologe im Franz Josefs-Ambulatorium, Franz-Josefs-Spital und Allgemeinen Krankenhaus in Wien

Schlesinger, Hermann – Internist, Neurologe im Franz Josefs-Ambulatorium, Franz-Josefs-Spital und Allgemeinen Krankenhaus in Wien

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 09.04,2026

Keywords: Internist, Neurologe, Franz Josefs-Ambulatorium, Franz-Josefs-Spital, Allgemeines Krankenhaus Wien, Medizingeschichte, Wien

Hermann Schlesinger wurde am 2. Juni 1866 als Sohn von Max Jakob Marcus Schlesinger (1835-1919) und Katharina (zirka 1841-1907), geborene Weiss, in Pressburg in Ungarn (heute: Bratislava/Slowakei) geboren. 1899 heiratete er Bertha Angeline Pollack von Parnau (1877-1958). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Eva Helene (1900-1930), verheiratete Pollak, Friedrich (1904-1971) und Andrea (?).

Schlesinger absolvierte 1884 das k.k. Maximiliangymnasium[1] in Wien (9. Bezirk) und begann anschließend das Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 25. Jänner 1890 mit der Promotion abschloss. Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde er im April 1890 zum militärärztlichen Eleven der Reserve beim Garnisonsspital Nr. 2 in Wien ernannt.[2] Danach führte er eine ärztliche Praxis in Wien 9, Alserstraße 4, und später in Wien 1, Ebendorferstraße 10.

Seine Ausbildung begann Schlesinger in weiterer Folge als Aspirant an der I. Psychiatrischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien bei Theodor Meynert (1833-1892). Noch im selben Jahr wechselte er als Assistent zu Hermann Nothnagel (1841-1905) an die I. Medizinische Klinik und wurde 1892 Sekundararzt bei Leopold Schrötter (1837-1908) an der III. Medizinischen Klinik. Zu seinen weiteren Lehrern zählten der Ophthalmologe Ernst Fuchs (1851-1930), der Dermatologe Moritz Kaposi (1837-1902) und Heinrich Obersteiner jun. am Neurologischen Institut, der maßgeblich sein Interesse an der Neurologie prägte.

Bereits früh trat Schlesinger mit zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten hervor. 1891 veröffentlichte er die Studie „Ueber einoge Symptome der Tetanie“, gefolgt von der 1892 herausgegebenen Arbeit an der dermatologischen Klinik „Beiträge zu den Sensibilitäts-Anomalien bei Lupus“. Am Ersten Öffentlichen Kinder-Krankeninstitut publizierte er gemeinsam mit August Hock (1865-1932) die Untersuchung „Blutuntersuchungen bei Kindern“. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten neurologische Erkrankungen des Rückenmarkes, insbesondere Syringomyelie, zu der er mehrere Studien vorlegte, die erstmals 1892 in der Monografie „Die Syringomyelie“ zusammengefasst wurden; eine zweite, erweiterte Auflage erschien 1902 unter denselben Titel. Mit dem „Aerztlichen Handbüchlein für hygienisch-diätetische, hydrotherapeutische, mechanische und andere Verordnungen“ veröffentlichte Schlesinger 1894 ein praxisorientiertes Werk, das bis in die 1920er Jahre wiederholt neu aufgelegt wurde und 1921 seine 12. Auflage erreichte.

Ab 1894 war Schlesinger als Assistent an der III. medizinischen Klinik tätig, wo er sich im Fach innere Medizin habilitierte und im Dezember 1895 als Privatdozent bestätigt wurde.[3] Im November 1902 wurde ihm als Privatdozent die Titularprofessur verliehen;[4] 1920 erfolgte seine Ernennung zum a.o. Professor an der Universität Wien.[5]

Franz Josefs-Ambulatorium und Franz-Josefs-Spital

Seit 1899 war er zunächst am Franz-Josefs-Ambulatorium (Mariahilfer Ambulatorium) tätig. In der Folge wirkte er als Primarius und wurde 1901 zum Vorstand der II., ab 1905 der III. Medizinischen Abteilung Franz-Josefs-Spitals bestellt. In diesem Umfeld entstanden mehrere klinische Arbeiten darunter „Hydrops hypostrophos – Ein Beitrag zur Lehre der acuten angioneurotischen Oedeme“, „Über Meningitis cerebrospinalis epidemica im höheren Lebensalter“, „Die Spitalsbehandlung der Lungentuberkulose“ sowie „Magenblutungen im Verlaufe des Typhus abdominalis“.

III. Medizinische Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Im Jahr 1908 kehrte er an das Allgemeine Krankenhaus zurück, wo er als Nachfolger von Professor Norbert Ortner (1865-1935) die Leitung der III. medizinischen Abteilung übernahm.[6]

Während des Ersten Weltkrieges veröffentlichte Schlesinger eine Reihe von Arbeiten, darunter „Über Sensibilitätsstörungen von spino-segmentalem Typus bei Hirnrindenläsionen nach Schädelschußverletzungen“, „Der klinische Verlauf der Tuberkulose bei Soldaten“ die zweibändige Monografie „Die Krankheiten des höheren Lebensalters“. „Erkrankungen des Nervensystems durch Nährschaden und Hunger“. Für seine Verdienste wurde ihm 1916 das Offiziersehrenzeichen vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration verliehen.[7]

Während und nach dem Krieg widmete sich Schlesinger verstärkt der Tuberkulosebekämpfung. Seit 1919 gehörte gemeinsam mit Ludwig Teleky (1872-1957), Alfred Götzl (1873-1946), Franz Vollbracht (1870-1932) und Sigmund Tennenbaum (1857-1923) dem Vollzugsausschuss für Tuberkulosefürsorge an.[8]

Mitte der 1920er Jahre veröffentlichte er eine dreibändige Monografie unter dem Titel „Syphilis und innere Medizin“. Seine umfangreiche wissenschaftliche Produktion – sie umfasst mehr als 400 Publikationen – wird heute in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin aufbewahrt. Nach seinem Tod ging zudem seine private Bibliothek als Nachlass an die Gesellschaft der Ärzte in Wien über.

Darüber hinaus war Schlesinger als Vortragender in Fortbildungskursen für praktische Ärzte sowie für die Krankenpflege sowohl am Franz Josefs-Spital als auch am Allgemeinen Krankenhaus engagiert. Er fungierte als Mitherausgabe des „Zentralblattes für die Grenzgebiete zwischen innerer Medizin und Chirurgie“ sowie des „Wiener Archivs für innere Medizin“ und war zudem als Bibliothekar des Ärztlichen Lesezimmers im Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig.[9]

Schlesinger trat auch als Initiator und Begleiter im Bereich des Krankenhausausbaues hervor. So war er am Ausbau des Franz-Josefs-Ambulatoriums, am 1906 erfolgten Bau des Kinderpavillons im Franz-Josefs-Spital sowie am Spital der Wiener Kaufmannschaft beteiligt. Während des Ersten Weltkrieges wirkte er maßgeblich an der Errichtung einer Heilanstalt für tuberkuloseerkrankte Soldaten im Anschluss an das Sanatorium in Pernitz im Wienerwald mit,[10] die im Juni 1916 eröffnet wurde.[11]

Seit 1890 war Schlesinger Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Darüber hinaus gehörte er der Gesellschaft für innere Medizin in Wien, dem Verein für Psychiatrie und Neurologie in Wien, der Gesellschaft für Neurologie in Moskau sowie der Gesellschaft deutscher Nervenärzte an. Er war korrespondierendes Mitglied der Societé de Neurologie de Paris und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Ärzte in Athen. Zudem war er als Mitglied im Verein „Viribus unitis“ Hilfsverein für Lungenkranke aktiv.[12]

Gemeinsam mit Max Herz (1865-1956) war er 1892 Mitbegründer und Präsident des Wiener Medizinischen Clubs, aus dieser Vereinigung ging später die Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde hervor. Schlesinger war Träger des Ottomanischen Mecidiye-Ordens;[13] 1919 wurde ihm der Titel eines Hofrates verliehen.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit publizierte Schlesinger regelmäßig in Tageszeitungen und äußerte sich dort zu medizinischen und gesundheitspolitischen Fragen. Darüber hinaus war Mitglied der Künstler- und Gesellschaftsvereinigung Schlaraffia.

Hermann Schlesinger verstarb am 29. März 1934 in Wien.

Schlesinger Hermann: Die Stunde, 31.3.1934, S. 3.

Nach seinem Tod erschien 1936 sein von Fritz Redlich (1910-2004) überarbeitetes Manuskript „Nährschäden des Nervensystems“.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1866, Schlesinger Hermann.

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1899, Schlesinger Hermann, Pollak Bertha.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0318, Schlesinger Hermann (Nationalien Datum: 1886/87).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-370b, Schlesinger Hermann (Rigorosum Datum: 1887).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-2762, Schlesinger Hermann (Promotion Datum: 25.1.1890).

Literatur:

Schlesinger, Hermann: Ueber einoge Symptome der Tetanie. Aus der medicinischen Klinik des Herrn Hofrath Prof. Nothnagel in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für klinische Medizin. Berlin: Gedruckt bei L. Schumacher 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Beiträge zu den Sensibilitäts-Anomalien bei Lupus. Aus der dermatologischen Klinik des Herrn Prof. Kaposi in Wien. Sonderdruck aus: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1892.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hock, August und Hermann Schlesinger: Blutuntersuchungen bei Kindern (vorläufige Mittheilung). Aus dem I. öffentlichen Kinderkrankeninstitut in Wien (Direktor: Prof. Kassowitz). Sonderdruck aus: Centralblatt für klinische Medicin. Leipzig: Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann. Die Syringomyelie. Eine Monographie. Leipzig: Deuticke 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 11080]

Schlesinger, Hermann: Die Syringomyelie. Eine Monographie. 2. vollst. umgearb. u. bedeut. verm. Aufl. Leipzig, Wien: Deuticke 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 3027]

Schlesinger, Hermann: Aerztliches Handbüchlein für hygienisch-diätetische, hydrotherapeutische, mechanische und andere Verordnungen. Eine Ergänzung zu den Arzneivorschriften; für den Schreibtisch des praktischen Arztes. 5. Aufl. Frankfurt a.M.: Alt 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-20155]

Schlesinger, Hermann: Hydrops hypostrophos – Ein Beitrag zur Lehre der acuten angioneurotischen Oedeme. Aus dem Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium in Wien. Sonderdruck aus: Münchener medicinische Wochenschrift. München: E. Mühlthaler’s kgl. Hof-Buchdruckerei 1899.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Über Meningitis cerebrospinalis epidemica im höheren Lebensalter. Aus dem k.k. Kaiser Franz Joseph-Spitale in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles, k. und k. Hofbuchhandlung 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Die Spitalsbehandlung der Lungentuberkulose. Aus der II. medizinischen Abteilung des k. k. Kaiser Franz Joseph-Spitales in Wien (Vorstand Prof. H. Schlesinger). Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Magenblutungen im Verlaufe des Typhus abdominalis. Aus dem k.k. Kaiser Franz Josef-Spitale in Wien. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungskrankheiten mit Einschluss der Stoffwechselpathologie und der Diätetik. Berlin. Verlag von S. Karger 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Über Sensibilitätsstörungen von spino-segmentalem Typus bei Hirnrindenläsionen nach Schädelschußverletzungen. Aus der III. medizinischen Abteilung des Prof. Dr. H. Schlesinger im k. k. Allgemeinen Krankenhause in Wien. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1915.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Der klinische Verlauf der Tuberkulose bei Soldaten. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Gesellschafts-Buchdruckerei Brüder Hollinek 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Die Krankheiten des höheren Lebensalters. Bande 1 und 2. Wien: Hölder 1914-1915.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-18062]

Schlesinger, Hermann: Erkrankungen des Nervensystems durch Nährschaden und Hunger. Aus dem neurologischen Institut (Vorstand: Prof. O. Marburg) und der III. medizinischen Abteilung des allgemeinen Krankenhauses in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Leipzig: Druck der Spamerschen Buchdruckerei 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Schlesinger, Hermann: Syphilis und innere Medizin. Band 1 bis 3. Wien: Springer 1925-1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21339]

Schlesinger, Hermann: Nährschäden des Nervensystems. Das Manuskript von Professor Hermann Schlesinger ist nach seinem Tode von Dr. Fritz Redlich in Wien überarbeitet worden. Sonderdruck aus: Handbuch der Neurologie. Berlin: Verlag von Julius Springer 1936.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Jahresbericht des k.k. Maximilian-Gymnasiums in Wien, Wien 1884, S. 38.

[2] Wiener Zeitung, 1.4.1890, S. 3.

[3] Neue Freie Presse, 20.12.1895 (Abend-Ausgabe), S. 1.

[4] Wiener Zeitung, 25.11.1902, S. 1.

[5] Medizinische Klinik, 29.1.1920, S. 4.

[6] Die Zeit, 5.5.1908, S. 3.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 22, 1916, Sp. 851.

[8] Arbeiter Zeitung, 10.12.1909, S. 5.

[9] Neue Freie Presse, 3.8.1894, S.

[10] Neue Freie Presse, 23.3.1916, S. 10.

[11] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 11.6.1916, S. 19.

[12] Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinzausgabe), 5.6.1916, S. 11.

[13] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 14.7.1914, S. 286.

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Letzte Aktualisierung: 2026.04.09

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Neuerwerbungen: April 2026

Der Bestand der Bibliothek wird durch zahlreiche interessante Neuerwerbungen laufend erweitert. Stöbern Sie in unserer virtuellen Buchausstellung, lesen Sie die eBooks. Ein Großteil der neu erworbenen Literatur wird in der Buchausstellung im Lesesaal präsentiert. Diese Bücher können Sie vormerken und nach der Ausstellung ausleihen.
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