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Helene WASTL (1896-1948): Vertrieben 1938 [136]

VERTRIEBEN 1938 [136] UPDATE

Helene WASTL (1896-1948)

* 03.05.1896 Wien, gest. August 1949 Philadelphia (USA)
1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Physiologie

Biographische Informationen zu Helene WASTL (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 280.
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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [74]: Chiari, Ottokar: Chirurgie des Kehlkopfes und der Luftröhre. Mit 244 Textabbildungen, 1916.

Chiari, Ottokar: Chirurgie des Kehlkopfes und der Luftröhre. Mit 244 Textabbildungen. (= Neue deutsche Chirurgie/Bd. 19). Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1916.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 55916/19]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8554571&pos=2&phys=

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Titelblatt: Chiari: Chirurgie des Kehlkopfes und der Luftröhre. Stuttgart: 1916.

Ottokar von Chiari (*01.02.1853 Prag, gest. 12.05.1918 Puchberg am Schneeberg/Niederösterreich), dessen Todestag sich im Mai 2018 zum 100. Mal jährte, war der erste Ordinarius für Laryngologie in Österreich. Er stammte aus einer österreichisch-italienischen Familie die zahlreiche Juristen, Mediziner und Politiker hervorbrachte. Sein Vater Johann Baptist Chiari (1817-1854) war Gynäkologe – er war ursprünglich Professor in Prag, lehrte aber ab 1854 bis zu seinem Tod an der medizinisch-chirurgischen Josephs Akademie im Josephinum in Wien. Sein Bruder Hans Chiari (1851-1916) war Professor für Pathologie. Er war 1874/75 Assistent von Carl von Rokitanksy (1804-1878).

Ottokar von Chiari absolvierte in Wien das Schottengymnasium und studierte anschließend an der medizinischen Fakultät in Wien Medizin, wo er 1877 zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert wurde. Seine Lehrer waren: Joseph Hyrtl (1810-1894), Joseph Skoda (1805-1881), Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892), Carl von Rokitansky und Ferdinand von Hebra (1816-1880). Nach einer zusätzlichen chirurgischen Ausbildung in der Klinik von Johann von Dumreicher (1815-1880) wurde er 1879 Assistent an der laryngologischen Klinik von Leopold von Schrötter (1837-1908).

Abb. 2    Chiari: Chirurgie des Kehlkopfes und der Luftröhre. Stuttgart: 1916. S. 163.

Ottokar von Chiari habilitierte sich 1882 im Fach Laryngo-Rhinologie und leitete vorerst ein Ambulatorium für Hals- und Nasenkranke an der Klinik von Hermann Nothnagel (1841-1905), später bekam er ein eigenes Ambulatorium im Direktionsgebäude des Allgemeinen Krankenhauses, wo er auch gut besuchte Kurse über Laryngo-Rhinoskopie abhielt. Chiari wurde 1891 zum außerordentlichen Professor ernannt und 1893 wurde ihm eine eigene Abteilung an der Wiener Poliklinik übertragen. 1899 wurde Chiari Leiter der laryngologischen Universitätsklinik und 1900 zu deren Vorstand ernannt. „1907 erhielt er Titel und Charakter eines o. Professors, 1912 wurde er – als erster Vertreter seines Faches in Österreich – o[rdentlicher, Anm.]. Professor.“[1] Chiari publizierte zahlreiche grundlegende laryngo-rhinologische Untersuchungen und führte die bis dahin von Chirurgen vorgenommenen laryngologischen Operationmethoden in sein neues Fachgebiet ein. 1916 wurde er, der auch die Bronchitis von Kaiser Franz Joseph (1830-1916) behandelt hatte, in den Freiherrenstand erhoben.

Hermann Marschik (1878-1969) schrieb 1919 über seinen Lehrer Chiari: „O. v. Chiaris überragende Bedeutung liegt darin, daß er frühzeitig bemüht war, der Laryngologie, die einst nur ein Nebenfach der internen Medizin war, zur Selbständigkeit zu verhelfen, die Rhinologie, ehedem ein Teilfach der Otologie, anzugliedern und das Ganze zu einem Teilfach der Chirurgie zu gestalten, wo es seinem Wesen nach auch hingehört. An dem Aufschwung, den die Laryngo-Rhinologie während seines Lebens genommen hat, hat er hervorragenden Anteil.“[2]

Abb. 3    Chiari: Chirurgie des Kehlkopfes und der Luftröhre. Stuttgart: 1916. S. 178.

Quellen:

Chiari, Ottokar Frh. von. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 104-105.

Chiari, Ottokar Freiherr von. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Hrsg. von Isidor Fischer. Zweite und dritte unveränderte Auflage. Erster Band Aaser-Komoto. München und Berlin: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1962. S. 242.

Schönbauer, Leopold: Chiari, Ottokar Frhr. v. [seit 1916]. In: Neue deutsche Biographie. Bd. 3. Bürklein-Ditmar. München: Duncker und Humblot 1957. S. 203.

Marschik, Hermann: Den Manen O. v. Chiaris. Sonderabdruck aus: Monatsschrift für Ohrenheilkunde und Laryngo-Rhinologie (53/2). Wien und Berlin: Urban & Schwarzenberg: 1919.

[1] Schönbauer, Leopold: Chiari, Ottokar Frhr. v. [seit 1916]. In: Neue deutsche Biographie. Bd. 3. Bürklein-Ditmar. München: Duncker und Humblot 1957. S. 203.

[2] Marschik, Hermann: Den Manen O. v. Chiaris. Sonderabdruck aus: Monatsschrift für Ohrenheilkunde und Laryngo-Rhinologie (53/2). Wien und Berlin: Urban & Schwarzenberg: 1919. S. 82.

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Anna Simona SPIEGEL-ADOLF (1893-1983): Vertrieben 1938 [111]

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Anna Simona SPIEGEL-ADOLF (1893-1983)

    1. * 23.02.1893 Wien
    1.   gest. 1983 Chicago, Illinois (USA)
    1. Vater: Jacob Adolf
    1. Mutter: Hedwig Spitzer
    1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Medizinische Chemie

Biographische Informationen zu Anna Simona SPIEGEL-ADOLF (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 229-230. –
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Otto FÜRTH (1867-1938): Vertrieben 1938 [35]

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Otto FÜRTH (1867-1938)

    1. * 18.11.1867 Strakonitz, Böhmen
    1. + 07.06.1938 Wien
    1. Vater: Josef Fürth
    1. Mutter: Wilhelmine Forchheimer
    1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Medizinische Chemie

Biographische Informationen zu Otto FÜRTH (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 69-70. – Otto FÜRTH (1867-1938): Vertrieben 1938 [35] weiterlesen

Wolfgang PAULI (1869-1955): Vertrieben 1938 [90]

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Wolfgang PAULI (1869-1955)

    1. * 11.09.1869 Prag
    1. gest. 04.11.1955 Zürich
    1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Medizinische Chemie

Biographische Informationen zu Wolfgang PAULI (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 187-188.
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Rudolf PASCHKIS (1879-1964): Vertrieben 1938 [89]

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Rudolf PASCHKIS (1879-1964)

    1. * 19.01.1879 Wien
    1. gest. 04.02.1964 New York City, New York (USA)
    1. Vater: Heinrich Paschkis
    1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Chirurgie

Biographische Informationen zu Rudolf PASCHKIS (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 185-186.
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Martin PAPPENHEIM (1881-1943): Vertrieben 1938 [88]

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Martin PAPPENHEIM (1881-1943)

    1. * 04.11.1881 Pozsony (Ungarn)
    1. gest . 26.11.1943 Tel Aviv, Palästina
    1. Vater: Max Pappenheim
    1. Mutter: Regina Sprecher
    1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Psychiatrie und Neurologie

Biographische Informationen zu Martin PAPPENHEIM (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 183-184.
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Balint ORBAN (1899-1960): Vertrieben 1938 [87]

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Balint ORBAN (1899-1960)

    1. * 24.03.1899 Temesvar (Ungarn)
    1. gest. 01.06.1960 Chicago, Illinois (USA)
    1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Zahnheilkunde

Biographische Informationen zu Balint ORBAN (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 181-182.
Balint ORBAN (1899-1960): Vertrieben 1938 [87] weiterlesen

Leopold FREUND (1868-1943): Vertrieben 1938 [31]

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Leopold FREUND (1868-1943)

    1. * 04.04.1868 Miskowitz (Böhmen)
    1. + 07.01.1943 Brüssel
    1. Vater: Jakob Freund
    1. Mutter: Marie Sprinzels
    1938 im Lehrkörper der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Fach: Radiologie

Biographische Informationen zu Leopold FREUND (PDF) im Repositorium der Ub Med Uni Wien. – Auszug aus: Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938:Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 59-61b. –
Leopold FREUND (1868-1943): Vertrieben 1938 [31] weiterlesen

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [73]: Revolution 1848: Der Revolutionär und Mediziner Adolf Fischhof im Revolutionsjahr 1848 und seine 1845 am Josephinum vorgelegte Dissertation: Fischhof, Adolf

Revolution 1848: Der Revolutionär und Mediziner Adolf Fischhof im Revolutionsjahr 1848 und seine 1845 am Josephinum vorgelegte Dissertation: Fischhof, Adolf: Dissertatio Inauguralis Medica De Pilorum Defluvio, Quam Consensu Et Auctoritate Illustrissimi Ac Magnifici Domini Praesidis Ac Directoris, Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani, Nec Non Clarissimorum Ac Celeberrimorum D.D. Professorum Pro Doctoris Medicinae Laurea Nummisque In Arte Medica Honoribus Et Privilegiis Rite Obtinendis In Antiquissima Ac Celeberrima Universitate Vindobonensi Publicae Eruditorum Disquisitioni Submittit Adolphus Fischhof, Hungarus Pestinensis. In theses adnexas disputabitur in aedibus Universitatis die […] mensis […] 1845. Wien: Typis Josephi de Hirschfeld 1845.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/ Medizinhistorische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D2464]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8417362&pos=0&phys=

Text: Dr. Walter Mentzel

Ärzte und Studenten an der Medizinischen Fakultät und am Josephinum waren in Wien an der Revolution von 1848 der Größe ihrer Berufs- und Standesgruppe nach überproportional vertreten. Sie nahmen für ihr Engagement politische und soziale Veränderungen herbeizuführen und ihrem Eintreten für Reformen der Universitätsausbildung und der Wissenschaftsorganisation ihre berufliche und bürgerliche Existenz in Kauf. Manche mussten aus Österreich fliehen, wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt, oder verloren ihre staatsbürgerlichen Rechte, die sei meist erst 20 Jahre später – zu Beginn der „liberalen Ära“ – mit dem im Staatsgrundgesetz von 1867 („Dezemberverfassung“) enthaltenen Grundrechtskatalogen wiedererlangten.

Abb.: 1 Adolf Fischhof

Einer von ihnen war der bis in die Märztage 1848 weitgehend unbekannte Sekundararzt am Wiener Allgemeinen Krankenhaus, Adolf Fischhof (*8.12.1816 Ofen (Budapest), gest. 23.3.1893 Emmersdorf/Klagenfurt). Fischhof, der aus einer armen jüdischen Familie stammte und zwischen 1836 und 1844 in Wien an der Medizinischen Fakultät studierte, formulierte in einer öffentlichen Ansprache am 13. März 1848 im niederösterreichischen Landhaus vor einer Versammlung von Demonstranten das Programm der Revolution: Pressefreiheit, Geschworenengerichte, Freiheit der Lehre und das Zusammenwirken aller Nationen Österreichs. Mit seiner Rede erreichte er nicht nur eine immense öffentliche Bekanntheit, sondern wurde in den folgenden Monaten zu einer der führenden Persönlichkeiten der Revolution von 1848. Der Medizinhistoriker Isidor Fischer (1868-1943) schrieb 1935 in seiner Arbeit zu „Wiens Mediziner und die Freiheitsbewegung des Jahres 1848“ dazu: „Es war das erste freie Wort, das in Österreich gesprochen worden ist“ und zitierte Fischhof auf dieser Versammlung mit den Worten: „Ich habe es gewagt, ich bin Dr. Fischhof.“

Adolf Fischhof nahm während der Revolution eine führende Position in der Akademischen Legion – einer bewaffneten Studentenschaft – ein, in der er als Kommandant des Mediziner-Corps die stärkste Gruppe der Akademiker und Studenten führte, die sich neben Hörern der Medizinischen Fakultät auch aus Schülern der medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie rekrutierte. Ihr gehörten Professoren wie Ferdinand von Hebra (1816-1880), Carl von Rokitansky (1804-1878)und Joseph Skoda (1805-1881) an. Er war in dem im Mai 1848 geschaffenen „politischen Zentralkomitee“ sowie im Studentenkomitee tätig und nahm als Präsident des Sicherheitsausschusses der Stadt Wien eine weitere Schlüsselrolle in einem während der Revolution geschaffenen zentralen Organ ein. Im Juni 1848 kandidierte er neben einer Reihe von Medizinern auf der Liste der Abgeordneten zum konstituierenden österreichischen Reichstag und kam neben dem Mediziner Joseph Goldmark (1818-1881), der nach der Niederschlagung der Revolution „in Abwesenheit“ zum Tode verurteilt wurde und nach Amerika flüchtete, in einem Auswahlverfahren in den engeren Kandidatenkreis.[1] Nachdem er zum Reichstagsabgeordneten im konstituierenden Reichstag gewählt worden war, erfolgte am 18. Juli 1848 seine Ernennung zum Ministerialrat im Ministerium des Inneren, wo er dem Sanitätsreferat vorstand und diese Stellung bis Oktober 1848 behielt.

Nach der Niederschlagung der Revolution verlor Fischhof seine staatsbürgerlichen Rechte, wurde inhaftiert und nach einer neunmonatigen Haft im Dezember 1849 entlassen.[2] Erst 1864 beantragte das Medizinische Doctoren-Collegium auf den Weg eines Gnadengesuches seine Rehabilitierung und die Wiederherstellung seiner „politischen Rechte“.[3] Gleichzeitig wurde er weiterhin von Konservativen als „Agitator von 1848“ angefeindet.[4] Im Jänner 1867 wurde er schließlich von Kaiser Franz Joseph (1830-1916) amnestiert und rehabilitiert.[5] Danach engagierte er sich neben seiner Arbeit in seiner ärztlichen Praxis politisch – auch in Publikationen – weiter in Verfassungsfragen und des Ausgleichs mit Ungarn und trat wie schon im März 1848 weiterhin für eine Zusammenarbeit aller Nationen der Habsburgermonarchie auf der Basis einer liberalen Staatsordnung ein.

Von Adolf Fischhof besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin seine 1845 approbierte Dissertation.

Abb.: 2 Fischhof: Dissertatio Inauguralis […]. Wien: 1845.

Fischhof, Adolf: Dissertatio Inauguralis Medica De Pilorum Defluvio, Quam Consensu Et Auctoritate Illustrissimi Ac Magnifici Domini Praesidis Ac Directoris, Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani, Nec Non Clarissimorum Ac Celeberrimorum D.D. Professorum Pro Doctoris Medicinae Laurea Nummisque In Arte Medica Honoribus Et Privilegiis Rite Obtinendis In Antiquissima Ac Celeberrima Universitate Vindobonensi Publicae Eruditorum Disquisitioni Submittit Adolphus Fischhof, Hungarus Pestinensis. In theses adnexas disputabitur in aedibus Universitatis die […] mensis […] 1845. Wien: Typis Josephi de Hirschfeld 1845.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/ Medizinhistorische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D2464]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8417362&pos=0&phys=

Quellen:

Fischer, Isidor: Wiens Mediziner und die Freiheitsbewegung des Jahres 1848. (= Wiener medizingeschichtliche Beiträge 1) Wien: 1935.

Häusle, Wolfgang: Die Revolution von 1848 und die Wiener Mediziner. In: Österreichische Ärztezeitung. (15/16) 1973. S. 883-885

[1] Wiener Zeitung, 23.6.1848, S. 3.

[2] Die Presse, 4.12.1849, S. 2.

[3] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 26.4.1864, S. 5-6

[4] Das Vaterland, 24.1.1866, S. 2.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, 1867, S. 95.

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