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200 Jahre Ignaz Semmelweis: Präsentation von Büchern aus der „Neuburger Lesky Bibliothek“ beim Semmelweis-Symposium an der MedUni Wien

The following books will be presented at the
Semmelweis-Symposium at the Medical University of Vienna, June 21st 2018

Semmelweis, Ignaz: The etiology, concept and prohylaxis of childbed fever. Budapest, Vienna and Leipzig: by Hartleben’s publishing company 1861.

[Branch-Library for Medical History/Neuburger-Lesky-Library, call-number: 1185]

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The book is a first edition of Ignaz Philipp Semmelweis’ (1818-1865) main work. It was collected in the Josephinum by the Austrian Military Medical Academy which was founded by Emperor Joseph II (1741-1790) in 1785. The Academy existed until 1918.

After a number of unfavourable foreign reviews of his 1861 book, Semmelweis lashed out against his critics in a series of Open Letters. They were addressed to various prominent European obstetricians, including Späth, Scanzoni, Siebold, and to „all obstetricians“. They were full of bitterness, desperation, and fury and were „highly polemical and superlatively offensive“, at times denouncing his critics as irresponsible murderers or ignoramuses.

Semmelweis, Ignaz: Two open letters to Dr. J. Spaeth and court counsellor Dr. F. W. Scanzoni. Budapest: 1861.

[Branch-Library for Medical History/Neuburger-Lesky-Library, call-number: 6221]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/primo-explore/fulldisplay?docid=UMW_alma2122037260003344&context=L&vid=UMW&lang=de_DE&search_scope=UMW_all&adaptor=Local%20Search%20Engine&isFrbr=true&tab=default_tab&query=any,contains,semmelweis%20spaeth&sortby=rank&mode=Basic

Prof. Joseph Spaeth was born in Bolzano/South Tyrol in 1823 and died in Vienna in 1896. He studied medicine at Vienna University and became a professor for obstetrics at the Military Medical Academy at the Josephinum in 1855. Later on in 1861 he became Professor for obstetrics at the second obstetrical-gynecological clinic of Vienna University at Vienna General Hospital. Semmelweis regarded him as a principal opponent.

Friedrich Wilhelm Scanzoni was born in Prague in 1821 and died in Bavaria in 1891. He studied medicine in Prague. He was a professor of obstetrics at Würzburg University and was an ardent critic of Semmelweis.

The book was collected by the “Wiener Medicinische Doctoren Collegium” which was also located at the Josephinum. It was a forerunner of today’s Medical Association.

Semmelweis, Iganz: two open letters to court counsellor Dr. Eduard Casper Jacob von Siebold and court counsellor Dr. F. W. Scanzoni. Budapest: 1861.

[Branch-Library for Medical History/Neuburger-Lesky-Library, call-number: 6222]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/primo-explore/fulldisplay?docid=UMW_alma2122037220003344&context=L&vid=UMW&lang=de_DE&search_scope=UMW_all&adaptor=Local%20Search%20Engine&tab=default_tab&query=any,contains,semmelweis%20siebold&sortby=rank&offset=0

Eduard Casper Jacob von Siebold was born in Würzburg in 1801 and died in Göttingen in 1861. He was a professor for gynecology worked for Humboldt University in Berlin, Marburg and Göttingen University. He had met Semmelweis in Vienna, who’s theories he could not accept at all.

The book was collected by Max Neuburger (1868-1955). Neuburger founded the Institute for History of Medicine in Vienna before World War One which moved in the Josephinum in 1920 after the Military Medical Academy was closed down. Because of his Jewish origin he had to flee Austria in 1938. He lived in his English exile until the early 1950ies before he returned to Vienna.

Semmelweis, Ignaz: Open letter to all professors of obstetrics. Budapest: 1862.

[Branch-Library for Medical History/Neuburger-Lesky-Library, call-number: 40590]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/primo-explore/fulldisplay?docid=UMW_alma2122037190003344&context=L&vid=UMW&lang=de_DE&search_scope=UMW_all&adaptor=Local%20Search%20Engine&isFrbr=true&tab=default_tab&query=any,contains,semmelweis%20offener%20brief&sortby=rank&offset=0

This book was also collected by the “Wiener Medicinische Doctoren Collegium” which was located at the Josephinum as a forerunner of today’s Medical Association.


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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [30]: Semmelweis, Ignaz Philipp: Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers, 1861.

Semmelweis, Ignaz Philipp: Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers. Pest, Wien und Leipzig: C. A. Hartleben’s Verlags-Expedition 1861.

Neub_MHartl

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 1185]

http://search.obvsg.at/

ABB-01_Ignaz_Semmelweis

Abb. 1    Iganz Philipp Semmelweis

Ignaz Philipp Semmelweis (*01.07.1818 Ofen (Budapest), gest. 13.08.1865 Wien) stammte aus einer Budapester Kaufmannsfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums begann er auf Wunsch des Vaters ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wechselte aber bald zur Medizin. Nachdem er das erste Studienjahr in Wien beendet hatte, verbrachte er das zweite und dritte Studienjahr an der Universität in Budapest, bevor er die beiden letzten Studienjahre wieder in Wien absolvierte. Nach seiner Promotion zum Doctor medicinae 1844, zum Magister der Geburtshilfe 1844 und zum Doctor chirurgiae 1845 begann er 1846 als Assistent bei Johann Klein (1788-1856) in der Ersten Wiener Gebärklinik zu arbeiten.

Zu dieser Zeit war das Wochenbettfieber eine sehr häufige Todesursache in der Gebärklinik. Etwa 15% der Wöchnerinnen der Klinik starben damals im Wochenbett. Bekannt war auch, dass die Sterblichkeitsrate in der I. Klinik, in der Mediziner arbeiteten, wesentlich höher war, als in der II. Klinik, in der die Wöchnerinnen von Hebammen betreut wurden. Semmelweis kam aufgrund seiner Beobachtungen und pathologisch-anatomischen Untersuchungen zum Schluss, dass ein „zersetzter tierisch-organischer Stoff“[1] an den Händen der Geburtshelfer ursächlich für die hohe Mortalität der Wöchnerinnen sei. Ab Mai 1847 wies Semmelweis seine Studenten in der Klinik an sich ihre Hände in einer Chlorkalklösung zu reinigen. Alle Instrumente, Schüsseln und die Wäsche der Wöchnerinnen wurden auf ähnliche Weise desinfiziert. Der Erfolg der getroffen Maßnahmen stellte sich umgehend ein: 1847 starben nur noch 5,04% und 1848 nur noch 1,1% der Entbundenen in der Ersten Gebärklinik. Semmelweis erkannte bereits 1847 den Zusammenhang zwischen Kindbettfieber und Wundinfektionen. In seinem Hauptwerk von 1861 Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers schrieb er: „Der Träger der zersetzten thierisch-organischen Stoffe ist der untersuchende Finger, die operierende Hand, Instrumente, Bettwäsche, die atmosphärische Luft, Schwämme, welche mit decomprimirten Excrementen schwer erkrankter Wöchnerinnen oder anderer Kranken und hierauf wieder mit Kreissenden und Neuentbundenen in Berührung kommen, Leibschüsseln, mit einem Worte Träger des zersetzten thierisch-organischen Stoffes ist alles das, was mit einem zersetzten thierisch-organischen Stoffe verunreinigt ist, und mit den Genitalien der Individuen in Berührung kommt.“[2]

ABB-02_Semmelweis_Aetiologie

Abb. 2    Titelblatt: Semmelweis: Die Aetiologie […]. Pest: Hartleben 1861.

Trotz dieses Erfolges wurden die Arbeiten von Iganz Semmelweis lange Zeit nicht anerkannt. Viele Ärzte wollten nicht wahrhaben, dass sie selbst die Verursacher des Kindbettfiebers waren. Aufgrund von Anfeindungen und Intrigen seiner Kollegen wurde seine Assistenzstelle 1849 nicht verlängert. Semmelweis verließ daraufhin 1850 Wien und wurde 1851 Leiter der Geburtshilfeabteilung in Budapest und ab 1855 Professor für Geburtshilfe. Seinem 1861 erschienen Hauptwerk „Die Aetiologie […]“ blieb ebenfalls der Erfolg verwehrt. Nur wenige Ärzte, darunter die Wiener Mediziner Ferdinand von Hebra (1816-1880), Joseph Skoda (1805-1881) und Carl von Rokitansky (1804-1878) setzten sich für Semmelweis ein. Semmelweis ging nun dazu über die Ärzteschaft in offenen Briefen anzugreifen. Er wurde von drei Ärztekollegen im Juli 1865 ohne Diagnose in die Landesirrenanstalt Döbling eingeliefert. Einigen Quellen zufolge soll Semmelweis‘ Einlieferung auf eine Intrige zurückzuführen sein. Er hatte zuvor wiederholt versucht, seine Kollegen von der Richtigkeit seiner Erkenntnisse zu überzeugen, dennoch war ihm wiederum fast nur Ablehnung entgegengebracht worden.

Semmelweis starb in der Anstalt am 13. August 1865 – dem damaligen Obduktionsbericht zufolge – an einer durch eine kleine Schnittverletzung hervorgerufenen Blutvergiftung. Laut anderen Berichten sei er bei einem Kampf mit dem Anstaltspersonal zu Tode gekommen. Bei einer Exhumierung der sterblichen Überreste Semmelweis‘ 1963 wurden multiple Frakturen an Händen, Armen und am linken Brustkorb festgestellt. Ignaz Philipp Semmelweis hinterließ eine Frau und drei Kinder. Erst eine Ärztegeneration später setzte sich die Umsetzung von Semmelweis‘ Hygienemaßnahmen bei Frauen im Kindbett durch.

Text: Harald Albrecht

Quellen:

Durnová, Anna: In den Händen der Ärzte. Ignaz Philipp Semmelweis. Pionier der Hygiene. St. Pölten, Salzburg und Wien: Residenz Verlag 2015.

Semmelweis, Karl: Dr. Ignaz Philipp Semmelweis. Der Retter der Mütter. Eisenstadt: Eigenverlag 2015.

Nuland, Sherwin B.: The doctor’s plague. Germs, childbed fever, and the strange story of Ignác Semmelweis. New York und London: W.W. Norton & Company 2003.

Wyklicky, Helmut und Manfred Skopec: Iganz Philipp Semmelweis (1818-1865) als Prophet der Bakteriologie. Sonderdruck aus: Hygiene + Medizin. Wiesbaden: mph-Verlag 1983.

[1] Wyklicky, Helmut und Manfred Skopec: Iganz Philipp Semmelweis (1818-1865) als Prophet der Bakteriologie. Sonderdruck aus: Hygiene + Medizin. Wiesbaden: mph-Verlag 1983. S. 396.

[2] Semmelweis, Ignaz Philipp: Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers. Pest, Wien und Leipzig: C. A. Hartleben’s Verlags-Expedition 1861. S. 103-104.

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