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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [102]: Barth, Joseph: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: bey Anton Gassler Buchhändler 1786.

Barth, Joseph: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: bey Anton Gassler Buchhändler 1786.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-842]

 Text: Dr. Walter Mentzel

   

 

Abb. 1    Portait: Joseph Barth

Joseph Barth (*18.10.1745 in La Valetta/Malta, gest. 07.04.1818 Wien) war Augenarzt und Anatom. In einem Nekrolog hieß es 1818 zu seiner sehr frühen Hinwendung auf die Anatomie, dass er „schon in seiner frühesten Jugend einen solchen unwiderstehlichen Hang zur Zergliederungskunst besaß, dass er schon damals kein Bedenken trug, sich auf alle Art und Weise nicht nur Tierkörpper, sondern auch menschliche Cadaver zu verschaffen“.[1]

Barth studierte zunächst in Rom und darauf in Wien Medizin, wo er das Studium 1772 abschloss und sich danach bei Michael John Baptiste de Wenzel (1724-1790) an der Universität Wien zum Staroperateur und durch Anton von Störck (1731-1803) zum Chirurgen ausbilden ließ. 1773 erhielt Barth das Lektorat und 1774 die ordentliche Professur in den Fächern Augenheilkunde und Anatomie; eine erstmalige öffentliche Professur in diesem Fach an einer Universität. Zwei Jahre später wurde er Leibarzt von Kaiser Joseph II (1741-1790) und eröffnete eine Augenheilanstalt an der er tausende Staroperationen durchführte. Daneben modernisierte er an der Universität Wien den anatomischen Unterricht u.a. schuf er eine Sezieranstalt zu Übungszwecken für Studierende, einen erstmals amphitheatralisch angelegten anatomischen Lehrsaal sowie eine Fachbibliothek, gespeist aus seiner Privatbibliothek und ein Museum, in dem er anatomisch-pathologische Präparate herstellte und sammelte und, die nach dem Ankauf von Joseph II den Kern der Anatomischen Sammlung der Universität Wien bildeten. Ebenso schuf er eine Sammlung chirurgischer Instrumente. 1789 begann Barth im Auftrag des Kaisers an der seit 1785 bestehenden k.k. medizinisch-chirurgische Josephs-Akademie (Josephinum) mit der Ausbildung von Augenärzten.

Abb. 2    Titelblatt: Barth: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: 1786.

Barth, Joesph: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: bey Anton Gassler Buchhändler 1786.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-842]

Abb. 3    Barth: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: 1786. Tafel II.

Abb. 4    Barth: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: 1786. Tafel II.

Zu seinen berühmtesten Schülern zählen Johann Adam Schmidt (1759-1809) und Georg Joseph Beer (1763-1821). Beer begründete 1812 die erste ordentliche Lehrkanzel für Augenheilkunde im Allgemeinen Krankenhaus sowie die erste Universitäts-Augenklinik der Welt. Beer fertigte auch die Vorlagen (61 gezeichnete Tafeln) zum Hauptwerk von Barth „Anfangsgründe der Muskellehre“ aus dem Jahr 1786 an. Nach der von ihm angestrebten Beendigung seiner universitären Lehrtätigkeit 1791, im Todesjahr von Joseph II, widmete sich Barth nur mehr seiner privaten Anstalt. Joseph Barth starb am 7. April 1818 in Wien.

Abb. 5    Barth: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: 1786. Tafel VI.

Abb. 6    Barth: Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: 1786. Tafel VI.

Quellen:

Barth, Joseph, Ophthalmologe, Archäologe, *18.10.1745 La Valetta (Malta), +7.4.1818 Wien. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 34.

Beer, Joseph Georg: Nekrolog. In: Vaterländische Blätter. 29.4.1818. S. 1.

[1] Vaterländische Blätter, 29.4.1818, S. 1.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [64]: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber die Behandlung des grauen Staares an der ophthalmologischen Klinik der Josephs-Akademie. Inaugural-Dissertation. Wien. 1844.

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber die Behandlung des grauen Staares an der ophthalmologischen Klinik der Josephs-Akademie. Inaugural-Dissertation. Wien: Gedruckt bei Carl Ueberreuter 1844.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D4917]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

 Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Eduard Jaeger von Jaxtthal. Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-002217-0002

Eduard Jaeger von Jaxtthal (*25.06.1818 Wien, gest. 05.07.1884 Wien), dessen Geburtstag sich am 25. Juni 2018 zum 200sten Mal jährt, stammte aus einer Wiener Ophthalmologendynastie. Sein Großvater mütterlicherseits war Georg Josef Beer (1763-1821) – der Begründer der weltweit ersten Universitäts-Augenklinik, die 1812 in Wien eröffnet wurde. Sein Vater war der bekannte Wiener Ophthalmologe Friedrich Jäger von Jaxtthal (1784-1871). Eduard Jaeger von Jaxtthal studierte an der medizinisch-chirurgischen Josefs-Akademie, an der sein Vater seit 1825 Professor für Ophthalmologie war, Medizin und promovierte hier 1844 mit einer augenheilkundlichen Schrift: „Ueber die Behandlung des grauen Staares an der ophthalmologischen Klinik der Josephs-Akademie.“

Abb. 2    Titelblatt: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber die Behandlung des grauen Stares […]. Wien: 1844.

Schon seit 1841 hatte sich Eduard Jaeger von Jaxtthal an der Privatklinik seines Vaters mit Staroperationen beschäftigt und sich wegen seiner manuellen Geschicklichkeit frühzeitig großes Ansehen als Kataraktchirurg erworben. 1853 habilitierte er sich an der Universität Wien im Fach Augenheilkunde. Seine Habilitationsschrift erschien 1854 als Buch, das seinem Freund, dem berühmten Berliner Ophthalmologen Albrecht von Graefe, gewidmet ist:

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber Staar und Staaroperationen nebst anderen Beobachtungen und Erfahrungen aus seines Vaters Dr. Friedrich Jaeger, k.k. Professors etc. etc. und aus der eigenen ophthalmologischen Praxis. Mit 10 lithographierten Tafeln. Wien: Verlag von L. W. Seidel 1854.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger  Bibliothek, Sign.: 28969]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8590305&pos=0&phys=#

„Darin beschrieb Jaeger als von ihm selbst konstruiertes neues Instrument einen Ophthalmostat zur sicheren Fixierung des Auges durch zwei kleine zusammengefügte Pinzetten beim Sehnenschnitt. Weiters gab er eine Augenpinzette an, die mit einem verschiebbaren Röhrchen zum Entfernen dünnhäutiger, zäher Starmassen verbunden war. Hervorzuheben ist seine technischen Modifizierung des nur drei Jahre zuvor von Hermann von Helmholtz (1821-1894) erfundenen Augenspiegels, wodurch Jaeger die praktikablere Untersuchung des Augenhintergrundes im aufrechten Bild ermöglichte.“[1]

Abb. 3    Tafel II [Augenspiegel]: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber Staar und Staaroperationen […]. Wien: 1854.

Weiters waren in diesem Werk erstmals Jaegers Schrift-Skalen, bestehend aus 20 Leseproben mit normiert ansteigender Schriftgröße als Anhang beigefügt, die noch heute zur Prüfung der Sehschärfe verwendet werden. Ebenfalls 1855 veröffentlichte er die „Beiträge zur Pathologie des Auges“, die 1870 nochmals aufgelegt wurden. „Mit minuziöser Genauigkeit beschrieb er darin seine neuen Entdeckungen und bildete sie in einer natürlichen Schönheit ab, die im 19. Jahrhundert nicht mehr erreicht wurde: die atrophische Aushöhlung des Sehnerven, dessen bläuliche Färbung, die Doppelrandigkeit der Nervenfasern, die abnorme Verteilung der Netzhautgefäße, die Veränderungen bei Diabetes mellitus u.s.w.“[2]

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Beiträge zur Pathologie des Auges. Mit Abbildungen im Farbendruck. Wien: Aus der Kaiserlich-Königlichen Hof- und Staatsdruckerei 1855.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: I45626]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8590289#

Abb. 4    Tafel II: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Beiträge zur Pathologie des Auges […]. Wien: 1855.

Abb. 5    Tafel VI: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Beiträge zur Pathologie des Auges […]. Wien: 1855.

Eduard Jaeger von Jaxtthal wurde 1856 zum außerordentlichen Professor an der Universität Wien ernannt und erhielt im Jahr 1857 eine eigene Augenabteilung im Allgemeinen Krankenhaus. 1869 stellte er sein monumentales Hauptwerk fertig:

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ophthalmologischer Hand-Atlas. Wien: Druck und Verlag der K.K. Hof- und Staatsdruckerei 1869.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Reuter Bibliothek, Sign.: RB-905]

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Welcher Aufwand für die Darstellungen dabei betrieben wurde erläutert der Autor selbst im Vorwort: „Mit welcher Genauigkeit ich bei der Herstellung der Bilder vorging, ist allein schon aus dem zu entnehmen, dass ich in jedem einzelnen Falle zuerst eine Entwurf vom aufrechten und vom umgekehrten Spiegelbilde aus führte, um durch sich ergebende Differenzen auf einzelne Fehler aufmerksam zu werden, sowie dass ich grossentheils allein zur Anfertigung der dem Bilde zu Grunde gelegten Handzeichnung (d. i. zum Abzeichnen des Objectes, nicht zur Ausführung des Bildes) 20 bis 30, selbst 40 bis 50 und mehr Sitzungen zu 2 bis 3 Stunden und darüber für jeden einzelnen Fall benöthigte.“[3]

Abb. 6    Tafel XXIV: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ophthalmologischer Hand-Atlas. Wien: 1869.

Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Eduard Jaeger von Jaxtthal 1883, als er erster Ordinarius und Vorstand der neugeschaffenen zweiten Universitäts-Augenklinik wurde. Er stand dieser Klinik allerdings nur etwas mehr als ein Jahr vor. Eduard Jaeger von Jaxtthal starb am 5. Juli 1884 nach langer, schwerer Krankheit.

Quellen:

Schmidt-Wyklicky, Gabriela und Helmut Gröger: Die Gründung der II. Universitätsaugenklinik in Wien 1883 und ihr erster Vorstand Eduard Jaeger von Jaxtthal 1883-1884. In: Spektrum der Augenheilkunde (26/2012). S. 296-302.

Runge, Paul E.: Eduard Jaeger’s test-types (Schrift-Scalen) and the historical development of vision tests. O.O.: [Selbstverlag] [2000].

Sablik, Karl: Eduard Jaeger von Jaxtthal (1818-1884). In: Arzt, Presse, Medizin (52) 1978. S. 6-8.

[1] Schmidt-Wyklicky, Gabriela und Helmut Gröger: Die Gründung der II. Universitätsaugenklinik in Wien 1883 und ihr erster Vorstand Eduard Jaeger von Jaxtthal 1883-1884. In: Spektrum der Augenheilkunde (26/2012). S. 297.

[2] Sablik, Karl: Eduard Jaeger von Jaxtthal (1818-1884). In: Arzt, Presse, Medizin (52) 1978. S. 7.

[3] Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ophthalmologischer Hand-Atlas. Wien: Druck und Verlag der K.K. Hof- und Staatsdruckerei 1869. S. V.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [63]: Jäger von Jaxtthal, Friedrich: Dissertatio de Keratonyxidis usu…et Chirurgiae Kirchbergensis. In Theses adnexas disputabitur in Universitatis aedibus die 24. Mensis Decembris 1812. Wien: Typis Antonii de Haykul 1812.

Jäger von Jaxtthal, Friedrich: Dissertatio de Keratonyxidis usu quam annuentibus Illustrissimo ac Magnifico Domino Praeside et Directore, ac Clarissimis D.D. Professoribus, pro facultate praxeos medicae in ditionibus austriacis exercendae, rite obitenda in Antiquissima ac Celeberrima Universitate Vindobonensi, disquisitioni publicae submittit Medic. et Chirurgiae Kirchbergensis. In Theses adnexas disputabitur in Universitatis aedibus die 24. Mensis Decembris 1812. Wien: Typis Antonii de Haykul 1812.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D2876]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

 Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Friedrich Jäger von Jaxtthal. Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-002216-0002

Friedrich Jäger von Jaxtthal (*04.19.1784 Kirchberg an der Jagst/Fürstentum Hohenlohe [heute: Baden-Württemberg], gest. 06.12.1871 Wien) stammte aus einer mehrere Generationen umspannendenden württembergischen Ärzte- und Naturforscherfamilie. Sein Vater, Christoph Friedrich Jäger (1735-1802) war der Leibchirurg des Fürsten Karl Eugen von Württemberg (1728-1793). Schon als Knabe fungierte Friedrich als Gehilfe seines Vaters. Er studierte von 1803-1805 Medizin in Würzburg, danach in Wien an der k.k. Militärärztlichen Akademie im Josephium und zuletzt in Landshut, wo er 1808 zum Doktor der Medizin und Chirurgie promoviert wurde. Noch im gleichen Jahr kehrte er nach Wien zurück, und diente 1809 im Krieg gegen Napoleon (1769-1821) als Militär-Oberarzt in Niederösterreich und Ungarn. 1812 promovierte er ein zweites Mal mit der Schrift „Dissertatio de Keratonyxidis […]“an der Universität Wien.

Abb. 2    Titelblatt: Jäger: Dissertatio de Keratonyxidis […]. Wien: 1812.

In Wien wurde er Assistent des Ophthalmologen Georg Josef Beer (1763-1821) an dessen 1812 gegründeten weltweit Ersten Universitäts-Augenklinik, die 2018 ihr 200-jähriges Jubiläum zur Erhebung zum Ordinariat (1818) feiert. Friedrich Jäger von Jaxtthal heiratete 1815 Beers Tochter Therese. 1817 wurde er Leibarzt des Fürsten Klemens Wenzel Nepomuk Lothar von Metternich (1773-1859), den er von da an bei zahlreichen Reisen begleitete. Nach dem Tod des Schwiegervaters leitete er zwar einige Zeit die Erste Universitäts-Augenklinik interimistisch, jedoch wurde nicht er, sondern ein anderer Schüler Beers, Anton von Rosas (1791-1855), zu dessen Nachfolger bestimmt. Friedrich Jäger von Jaxtthal wurde 1825 zum Professor für Ophthalmologie an der k.k. Militärärztlichen Akademie im Josephium berufen. Diese Stelle bekleidete er bis 1848. Danach widmete er sich ausschließlich seiner Privatpraxis. 1839 hatte er Anteil an der Gründung und personellen Ausstattung der medizinischen Schule des Sultans Mahmud II. (1785-1839) in Galata Serail.

Auf den hervorragenden Operateur Friedrich Jäger von Jaxtthal – der 1859 in den Adelsstand erhoben wurde – „geht der Linearschnitt zur Ausziehung von partiellen, geschrumpften und häutigen Staren zurück; er führte eine neue Ektropium-Operation ein und eine Trichiasis-Operation ohne Knorpelverletzung. Verdienstvoll sind auch seine Verfahren der künstlichen Pupillenbildung durch Iridektomie sowie durch Abtragung der Iris vom Ciliarligament und die Vervollkommnung der Diszissionstechnik. Er erdachte mehrere neue Instrumente, ließ die Instrumentenmacher an der Leiche ausbilden und begründete so die W[iene]r okulist[ische] Instrumentenerzeugung.“[1] Seine Leistungen auf diesen Gebieten wurden international anerkannt, und auch seine didaktischen Fähigkeiten waren weithin gefragt. Zu seinen berühmtesten Schülern zählen neben seinem Sohn Eduard Jaeger von Jaxtthal (1818-1884), Julius Sichel (1802-1868), Johannes Traugott Dreyer (1804-1871) und Albrecht von Graefe (1828-1870).

Schriftlich hinterließ der Jaxtthal neben seiner beiden Dissertationen nur sehr wenig – darunter eine auf Befehl der österreichischen Regierung verfasste Abhandlung über Trachom, auch ägyptische Körnerkrankheit genannt – eine bakterielle Entzündung des Auges, die zur Erblindung führen kann:

Jäger von Jaxtthal, Friedrich: Die Egyptische Augen-Entzundung (Ophthalmia egyptica). Zufolge allerhöchsten Auftrags herausgegeben. Wien: Bei I.G. Ritter v. Mösle’s Witwe & Braumüller 1840.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 40363]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

Abb. 3    Titelblatt: Jäger: Die Egyptische Augen-Entzundung […]. Wien: 1840.

Quellen:

Schmidt-Wyklicky, Gabriela und Helmut Gröger: Die Gründung der weltweit ersten Universitäts-Augenklinik in Wien 1812 und ihre Erhebung zum Ordinariat 1818. In: Spektrum der Augenheilkunde (26/2012). S. 273-282.

Jäger von Jaxtthal, Friedrich Ritter, Ophthalmologe, * 4.9. 1784 Kirchberg/Jagst, + 26.12. 1871 Wien. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. 1 A-Q. München: K.G. Saur 2002. S. 305.

Schneider, Maria: Dr. Med. Friedrich Jäger Ritter von Jaxtthal (1784-1871). Augenarzt zu Wien und Leibarzt des Fürsten Metternich. Autobiographie mit Kommentar. (= Medizin & Gesellschaft/Bd. 4). Münster: Lit Verlag 1989.

Jaeger von Jaxthal (Christoph) Friedrich, Ophthalmologe. In: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950. III. Band (Hüb-Knoll). Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965. S. 58.

Jaeger, (Christoph) Friedrich Ritter von Jaxtthal. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Dritter Band Haaf-Lysons. 2. Aufl. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg 1931. S. 406.

[1] Jaeger von Jaxthal (Christoph) Friedrich, Ophthalmologe. In: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950. III. Band (Hüb-Knoll). Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965. S. 58.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [31]: Friedrich Dimmer: Beiträge zum wissenschaftlichen medizinischen (Lehr-) Film und zur medizinischen Fotografie auf dem Gebiet der Augenheilkunde

Friedrich Dimmer: Beiträge zum wissenschaftlichen medizinischen (Lehr-) Film und zur medizinischen Fotografie auf dem Gebiet der Augenheilkunde

Friedrich Dimmer (*7.11.1855 Prag, gest. 7.3.1926 Wien) war ein österreichischer Ophthalmologe. Er studierte an den Universitäten Prag und Wien (Promotion 1878) Medizin und begann seine universitäre Laufbahn als Assistent an beiden Augenkliniken im Allgemeinen Krankenhaus. 1885 habilitierte er sich im Fach Ophthalmologie. Er wurde als Vorstand und Ordinarius an vier Augenkliniken berufen: an jene der Universität Innsbruck (1895-1900), Graz (1900-1910) und zuletzt an die I. Augenklinik (1910-1915) und danach an die II. Augenklinik in Wien, der er bis zu seinem Tod vorstand. Sowohl in Graz als auch in Wien galt er als Erneuerer und Modernisierer der Augenkliniken. Dimmer ist heute vor allem für seine Arbeiten um die Konstruktion einer Apparatur zur Fotografie des Augenhintergrunds (Funduskamera) bekannt.

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Abb. 1 Friedrich Dimmer: Radierung von Max Schneider

Bereits 1887 erschien von ihm die Monografie „Der Augenspiegel und die ophthalmoskopische Diagnostik. Leipzig: Toeplitz & Deuticke, die dreimal – zuletzt 1921 – aufgelegt wurde und zu einem Standardwerk der Augenheilkunde gehörte.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 47929]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560626&pos=2&phys#

Eine Rezension der 3. Auflage findet sich in der Wiener Medizinischen Wochenschrift, Nr. 11, 1922, S. 497-499.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&qid=E2RKJXQWJIJFWC2R4I2KLSFPGTHGHQ&datum=1922&page=262&size=45

Dimmer als wissenschaftlicher Lehrfilmer

Wenig bekannt sind heute seine Leistungen auf dem Gebiet des medizinischen Filmes. Im Filmarchiv Austria befinden sich heute neun Filme aus dem Bereich der Augenheilkunde, die alle an der II. Augenklinik der Medizinischen Fakultät der Universität Wien zwischen den Jahren 1922 und 1923 entstanden und von Friedrich Dimmer ausgeführt worden sind. Bei mindestens zwei Filmen wirkte der Assistent von Dimmer, Gustav Guist, mit. Diese Stummfilme sind als wissenschaftliche Lehrfilme konzipiert und durchgeführt worden. Die technische Ausführung gestaltete die Staatliche Filmhauptstelle („Bundesfilmhauptstelle“), die zu dieser Zeit noch wissenschaftliche Lehrfilme für ein Fachpublikum aber auch für eine breitere Öffentlichkeit herstellt.1
Alle neun sind als 35 mm Filme erhalten.

  1. Filmtitel: Entfernung des linken Augapfels (Enucleatio bulbi)

Ausführende/Mitwirkende: Guist Gustav, Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: ca. 5 min/ca. 100 m

  1. Filmtitel: Schiel-Operation (Vorlagerung und Tenotomie)

Ausführende/Mitwirkende: Guist Gustav, Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: ca. 6 min/ca. 120 m

  1. Filmtitel: Entfernung des Tränensackes

Ausführende/Mitwirkende: Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: ca. 5 min/93 m

  1. Filmtitel: Entropium-Operation am Unterlid

Ausführende/Mitwirkende: Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: 3 ½ min./ca. 97 m

  1. Filmtitel: Die Ptosis-Operation nach Hess

Ausführende/Mitwirkende: Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1923

Filmlänge: Zeit/Länge: ca. 6 min./153 m

  1. Filmtitel: Entfernung einer nach Kuhhornstoß unter die Bindehaut luxierte Linse

Ausführende/Mitwirkende: Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: ca. 3 min./62 m

  1. Filmtitel: Staroperation

Ausführende/Mitwirkende: Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: Ca. 5 ½ min./100 m

  1. Filmtitel: Ausschneiden eines Vorfalles der Regenbogenhaut

Ausführende/Mitwirkende: Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: ca. 1 min./32 m

  1. Filmtitel: Glaukom-Operation

Ausführende/Mitwirkende: Dimmer Friedrich

Herstellungsdatum: 1922

Filmlänge: Zeit/Länge: ca. 8 ½ min./150 m

Dimmer und seine physikalisch-optischen Forschungen unter Anwendung der Fotografie

Dimmers Forschungsarbeiten und Interessen auf dem Gebiet der physikalisch-optischen Anwendungsbereiche- und Praktiken der Fotografie begannen schon früh als Assistent an der Augenklinik unter Ferdinand Artl (1812-1887). Sie schlugen sich darüber hinaus in der Mitgliedschaft in der „Photographischen Gesellschaft“ in Wien (ab 1908) oder der „Österreichische Gesellschaft für Stereoskopie“ (ab 1931)2 nieder. In zahlreichen fotografischen Fachzeitschriften wurden seine Arbeiten auf dem Gebiet der fotografischen Medizintechnik über drei Jahrzehnte thematisiert und vorgestellt.

Zunächst beschäftigte er sich mit den Lichtreflexen der Netzhaut. Ihm gelang es an der Augenklinik in Innsbruck erstmalig fotografische Bilder des Augenhintergrundes zu erzeugen, die er 1899 am IX. Internationalen Ophthalmologen-Kongress in Utrecht präsentierte. Zur Verbesserung der Ergebnisse arbeitete er in weiterer Folge mit der Akademie der Wissenschaften in Wien und der Firma Zeiss in Jena zur technischen Konstruktion einer Apparatur zusammen, die reflexfreie fotografische Aufnahmen des Augenhintergrundes ermöglichten und die er 1901 fertigstellte.

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Abb. 2  Apparat zur Fotografie des Augenhintergrundes. Aus: Photographische Correspondenz, März 1908, S. 110.

1906 verfügte er bereits über Alben mit über 250 fotografischen Aufnahmen und ein Jahr später veröffentlichte er dazu eine Monografie: Dimmer Friedrich: Die Photographie des Augenhintergrundes. Wiesbaden: Bergmann 1907.

Ein Jahr später verfasste er in der „Photographischen Correspondenz“ einen Artikel unter dem Titel, „Die Photographie des Augenhintergrundes“, in dem er detailliert die technische Konstruktion seiner Apparatur darlegte.3

Dimmers Apparatur war aber nicht nur Thema zahlreicher Fachartikel in medizinischen und fototechnischen Zeitschriften, sondern auch Gegenstand bei zahlreichen wissenschaftlichen Ausstellungen; darunter an der Universität Graz im Mai/Juni 1902 (“Internationale Ausstellung für Amateur-Photographie“)4, der Photographischen Gesellschaft in Wien 1904 („Wissenschaftliche Photographie und Glasphotogramme“), in Berlin 1906, Dresden 1909,5 und im September 1913 an der Universität Wien anlässlich der 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Wien (“Die Anwendung der Photographie im Dienste der Naturwissenschaften und Medizin“).

Die Herausgabe des von ihm verfassten und von seinem Assistenten Arnold Pillat (1891-1975) fertiggestellten „Atlas photographischer Bilder des menschlichen Augenhintergrundes“. Leipzig: Deuticke 1927, erlebte Dimmer nicht mehr: er verstarb wenige Monate vor der Drucklegung. Ein von Adalbert Fuchs verfasster Nekrolog zu Friedrich Dimmer findet sich in der Wiener Medizinischen Wochenpresse, Nr. 11, 13.3.1926, S. 339-340.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1926&page=293&size=45

Literatur zu Friedrich Dimmer:

Helmut Gröger, Gabriela Schmidt-Wyklicky: Friedrich Dimmer. Vorstand beider Universitäts-Augenkliniken in Wien: I. Augenklinik 1910 bis 1915. II. Augenklinik 1916 bis 1926. In: Spektrum der Augenheilkunde : Zeitschrift der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, Volume 26, Issue 6, 2012.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA6496]

http://search.obvsg.at/

Literatur von Friedrich Dimmer in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Dimmer, Friedrich: Der Augenspiegel und die ophthalmoskopische Diagnostik. 3. Aufl. Leipzig und Wien: Deuticke 1921.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64802]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560628&pos=4&phys#

Dimmer. Friedrich: Zur Reform des medizinischen Unterrichtes. Sonderabdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien und Leipzig: Braumüller 1918.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 13839]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560637&pos=10&phys#

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 69061]

http://search.obvsg.at/

Dimmer, Friedrich: Ein Fall von Schimmelpilzerkrankung des Auges. Sonderabdruck aus: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde. Stuttgart: Enke 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 13266]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560632&pos=7&phys#

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Dimmer, Friedrich: Zur Ätiologie des Frühjahrskatarrhs der Conjunctiva. Sonderabdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien und Leipzig: Braumüller: 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8429063&pos=0&phys#

Dimmer, Friedrich: Der Augenspiegel und die ophthalmoskopische Diagnostik. 2. Aufl. Leipzig und Wien: Deuticke 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 56826]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560627&pos=3&phys#

Dimmer, Friedrich: Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Macula lutea des Menschen. Leipzig und Wien: Deuticke 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 46265]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560629&pos=5&phys#

Dimmer, Friedrich: Die ophthalmoskopischen Lichtreflexe der Netzhaut. Leipzig und Wien: Deuticke 1891.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 9878]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560636&pos=9&phys#

Dimmer, Friedrich: Der Augenspiegel und die ophthalmoskopisehe Diagnostik. Leipzig und Wien: Toeplitz & Deuticke 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 47929]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8560626&pos=2&phys#

Dimmer, Friedrich: Ein Fall von Stichverletzung des Auges. Sonderabdruck aus: Zentralblatt für praktische Augenheilkunde. Leipzig: Veit & Co. 1885.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8429070&pos=5&phys#

Dimmer, Friedrich: Ein Fall von metastatischer Chorioiditis nach der Extraktion eines Mahlzahnes. Sonderabdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: 1883.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8429069&pos=4&phys#

Dimmer, Friedrich: Zur Casuistik der congenitalen Anomalien des Auges. Sonderabdruck aus: Archiv für Augenheilkunde. Wiesbaden: Bergmann o. J.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8429066&pos=2&phys#

Dimmer, Friedrich: Entgegnung an Herrn Prof. Borysiekiewicz. Sonderabdruck aus: Wiener medizinische Blätter. Wien: Bergmann & Co. o. J.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8429067&pos=3&phys#

Text: Walter Mentzel

1 Der Filmbote. Zeitschrift für alle Zweige der Kinematographie, Nr. 13, 31.3.1923, S. 47.

2 Das Lichtbild, Nr. 7, 1931, S. 12.

3 Photographische Correspondenz, März 1908, S. 106-110.

4 Photographische Correspondenz, 1902, S. 424.

5 Zeitschrift für wissenschaftliche Photographie, 1909, S. 443.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [22]: Josef GRÜNFELD – Syphilidologe und Urologe

Josef GRÜNFELD – Syphilidologe und Urologe

Text: Dr. Walter Mentzel, Harald Albrecht, BA

Josef Jehuda Grünfeld wurde am 19. November 1840 als Sohn von Samuel Grünfeld und Rachel, geborene Roth, in Györke in Ungarn (heute: Durkov/Slowakei) geboren. Er war mit Sofie Schneider (1856-1946) verheiratet, eines seiner Kinder war sein Sohn Richard Leo Grünfeld (1874-1914), der ebenfalls die berufliche Laufbahn eines Mediziners einschlug.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Kaschau (heute: Košice/Slowakei) und der Matura 1861, studierte er zuerst an der Universität in Budapest und danach an der Universität Wien Medizin. Aufgrund seiner schlechten finanziellen Situation, die ihn zwang nebenbei als Lehrer zu arbeiten, verzögerte sich sein Studium, das er schließlich 1867 mit seiner Promotion zum Doktor der Medizin und im selben Jahr mit dem Magister der Geburtshilfe abschloss. 1869 promovierte er noch zum Doktor der Chirurgie. Nachdem er einige Zeit im Wiener Allgemeinen Krankenhaus zuerst an einer chirurgischen, danach an einer internen Abteilung gearbeitet hatte, trat er als Assistent in die Abteilung von Carl Ludwig Sigmunds (1810-1883), der späteren Klinik für Syphilidologie und Dermatologie, ein. Grünfeld initiierte im Oktober 1869 die Gründung des „Ärztlichen Lesezimmers im allgemeinen Krankenhause in Wien“, der Vorgängerinstitution der heutigen Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit am AKH führte er ab 1873 in Wien eine Arztpraxis.

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Abb. 1    Josef Grünfeld. Josephinum – Medizinische Sammlungen, MedUni Wien. Sign.: MUW-FO-IR-001869-0001

Grünfeld war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, des Wiener Medizinischen Doctoren-Collegiums sowie korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Warschau. Weiters war er Vorstand der österreichisch-israelitischen Union in Wien und Mitglied des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Grünfeld und seine Ehefrau Sofie, die auch in der österreichischen Frauenbewegung aktiv war und 1939 wie ihre Kinder wegen ihrer jüdischen Herkunft in die USA flüchteten musste, wo sie 1946 verstarb, engagierten sich in zahlreichen Initiativen zur Bekämpfung der Armut, der Kinderfürsorge und in jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen. Als Mediziner unterstützten er an der Universität den „Verein zur Unterstützung mitteloser israelitischer Studierender“ als dessen Präsident und als Ehrenpräsident und Mitbegründer den „Arbeitsvermittlungsverein für jüdische Hochschüler“.

1900 publizierte er im Israelitischen Kalender für 5661 (1900/1902) „Die Geschichte des jüdischen Spitals in Wien und dessen Wandlungen seit dem Mittelalter“. [Neuburger-Bibliothek, Sign. 2901] und 1902 in der Monatsschrift der Österreichisch-israelitischen Union die Arbeit „Antiseptik und Judenthum“

[Neuburger-Bibliothek, Sign. 12446]

Bereits als Student beschäftigte er sich mit der Augenheilkunde und verfasste mit dem Privat-Dozenten an der Augenklinik in Wien, Max Tetzer (*1834, gest. 28.4.1866 Wien), ein „Compendium zur Augenheilkunde“ [Neuburger Bibliothek, Sign. 3953], das erst nach dem Tode von Tetzer erschien.

Josef Grünfeld zählt zu den Pionieren der Endoskopie und Begründer der modernen Harnspiegelung. Noch vor der Einführung der elektrischen Lichtquelle in die Endoskopie durch Max Nitze (1848-1906) konstruierte er ein Zystoskop, das vorne trichterförmig ausgestaltet war und einen Konduktor zur Erleichterung der Einführung in die Harnblase besaß. Ab 1872 entwickelte Grünfeld, inspiriert von Benjamin Tarnowski (1838-1906), einen eigenen Harnröhrenspiegel als reine Lufturethroskopie mit Lichteinspiegelung und demonstrierte seine Methode erstmals am 13. Februar 1874 in der k.k. Gesellschaft der Ärzte in Wien. 1876 sah er mit seinem Urethroskop erstmals – allerdings nur bei Frauen – die Uretermündung (Harnleitermündung), 1885 entfernte er als erster kleine Blasentumore durch einen offenen Tubus unter Sicht.

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und dem an der Medizinischen Fakultät zusehends wachsenden Antisemitismus blieb Grünfeld lange Zeit die Habilitierung verwehrt. Erst durch die Intervention Theodor Billroths (1829-1894) konnte er sich 1881 für Dermatologie und Syphilidologie habilitieren.[1] 1885 wurde er zum Abteilungs-Vorstand an der für ihn geschaffenen II. Dermatologischen Abteilung der Wiener Allgemeinen Poliklinik berufen, der er bis zu seiner Emeritierung 1907 vorstand und wo er auch Patienten mit urologischen Erkrankungen betreute.

1881 erschien von ihm die Arbeit „Die Endoskopie der Harnröhre und Blase“


[Neuburger-Bibliothek, Sign. LS-32380/51].

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Abb. 2    Endoskopische Untersuchung: Grünfeld: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Stuttgart: 1881. S. 68.

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Abb. 3    Instrumente: Grünfeld: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Stuttgart: 1881. S. 189.

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Abb. 4    Endoskopische Bilder: Grünfeld: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Stuttgart: 1881. Tafel III.

Grünfeld verstarb am 14. Mai 1910 in Wien.
 

Abb. 5    Neue Freie Presse 15.5.1910, S. 98.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Sterbebuch 1910, Grünfeld Josef.

AUW, Rektoratsarchive, Akademischer Senat, Akten-Sonderreihe, Personalblätter, Senat S 304.399 Grünfeld Josef.

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-79r, Grünfeld Josef (Rigorosen Datum 1866).

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-128, Grünfeld Josef (Promotions- Sponsionsdatum, 12.2.1867).

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-288, Grünfeld Josef (Sponsionsdatum Chirurgie, 21.5.1869).

Homepage: European Museum of Urology. Stand: 27.03.2017.
http://history.uroweb.org/biographies/gruenfeld-josef/

Reuter, Matthias A.: Geschichte der Endoskopie. Handbuch und Atlas Band 1-4. Stuttgart und Zürich: Karl Krämer Verlag 1998.

Klein-Bäringer, Salomon: Privatdozent Dr. Josef Grünfeld. 1840-1910. Separatabdruck von: Medicinische Blätter. Wochenschrift für die gesamte Heilkunde. (26) 1910. Wien: Verlag der „Medicinischen Blätter“ 1910.

Klein-Bäringer, Salomon: Privatdozent Dr. Josef Grünfeld. 1840-1910. Separatabdruck von: Medicinische Blätte. Wochenschrift für die gesamte Heilkunde. (26) 1910. Wien: Verlag der „Medicinischen Blätter“ 1910. S. 3.

Reuter, Matthias A.: Geschichte der Endoskopie. Handbuch und Atlas Band 1-4. Stuttgart und Zürich: Karl Krämer Verlag 1998. S. 63.

Homepage: European Museum of Urology. Stand: 27.03.2017 http://history.uroweb.org/biographies/gruenfeld-josef/

Literaturliste:

Von Josef Grünfeld besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin im Bestand der Separata-Bibliothek eine Reihe von Arbeiten.

Grünfeld, Josef: Die Geschichte des jüdischen Spitales in Wien und dessen Wandlungen seit dem Mittelalter. Sonderdruck aus: Kalender für Israeliten. Wien: Druck und Verlag von Moritz Waizner & Sohn 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 2901]

Grünfeld, Josef: Antiseptik und Judenthum. Vortrag, gehalten in der Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union“ am 25. Jänner 1902. Sonderdruck aus: Monatsschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Wien: Buchdruckerei „Indurstrie“ 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 12446]

Tetzer, Max und Josef Grünfeld: Compendium der Augenheilkunde. Nach weil. Dr. Max Tetzer’s systematischen Vorträgen. Mit 3 lithographirten Tafeln. Wien: Verlag von Sallmayer & Comp. 1870.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 3953]

Grünfeld Josef: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Mit 22 Holzschnitten und 3 Tafeln in Farbendruck. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1881.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: LS-32.380/51]

[1] Klein-Bäringer, Salomon: Privatdozent Dr. Josef Grünfeld. 1840-1910. Separatabdruck von: Medicinische Blätter. Wochenschrift für die gesamte Heilkunde. (26) 1910. Wien: Verlag der „Medicinischen Blätter“ 1910. S. 3.

Keywords:
Augenheilkunde, Josef Grünfeld, Syphilidologie, Urologie, Wien, Dermatologe, Syphilis, Medizingeschichte, Arzt

Normdaten (Person) Grünfeld, Josef:  GND134060628; BBL: 27489

Bio-bibliografisches Lexikon (BBL)/Liste aller Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien

Josef Grünfeld in: Wikipedia – Die Freie Enzyklopädie: URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Grünfeld (Stand: 16.02.2022)

Bitte zitieren als VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der MedUni Wien, BBL: 27489 (30.03.2017); Letzte Aktualisierung: 2022 02 16
Online unter der URL: https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=27489

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