Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [357]: Syrski, Simon – Zoologe und Mediziner in Triest und Lemberg

Syrski, Simon – Zoologe und Mediziner in Triest und Lemberg

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 02.02.2026

Keywords: Mediziner, Zoologe, Ichthyologe, Medizingeschichte, Triest, Lemberg, Wien

Simon (Szymon) Syrski wurde am 24. Oktober 1824 in Lubnie in Galizien (heute: Lubny/Ukraine) geboren. Er besuchte Schulen in Jaslo, Przemysl und Krakau und studierte anschließend an den Universitäten in Krakau (1853-1858), London sowie Wien (ab 1859/60) Medizin. Sein Studium schloss er am 19. Mai 1865 an der Universität Wien mit der Promotion ab. Zu seinen Lehrern zählten unter anderem der Leiter des Zootomischen Instituts Carl Bernhard Brühl (1820-1899) sowie der Anatom Josef Hyrtl (1810-1894). Bereits während seines Studiums unternahm Syrski zu Ausbildungszwecken Reisen nach Italien und Paris, wo er unter anderem bei dem Zoologen André Marie Constant Duméril (1774-1860) und Henri Milne Edwards (1800-1885) studierte. Über diese Aufenthalte berichtete er 1865 in einer Artikelserie in der Wiener medizinischen Wochenschrift unter dem Titel „Medicinisches aus Italien und Frankreich“.[1]

Museo Civico di Storia Naturale, Triest

Nachdem Syrski 1866 für kurze Zeit an der Universität in Warschau vergleichende Anatomie gelehrt hatte, wurde er noch im selben Jahr zum Konservator und Vorstand des städtischen naturhistorischen Museums in Triest bestellt, wo er eine Sammlung aufbaute. Von dort aus widmete er sich mit Forschungen zur Adelsberger Grotte (heute: Postojna/Slowenien), zur Landwirtschaft im Karstgebiet, zur Austernkultur an der adriatischen Küste sowie zu Algen und Fischen. 1874 publizierte er für die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien die Arbeit „Über die Reproductions-Organe der Aale“, auf die sich 1876 Sigmund Freud bei seinen Studien zur Reproduktion von Aalen bei seinem Aufenthalt in Triest bezog. 1868 nahm er auf dem Schiff Fiume an der Erforschung der adriatischen Küste teil.[2] In Triest war er zudem auch Mitglied des Triester adriatisch-naturwissenschaftlichen Vereins und bis 1874 Präsident der adriatisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaft.

Simon Syrski: Wedrowiec, Serya 3, Nr. 1, 1877, S. 1.

Österreichisch-ungarische Ostasien-Expedition (1868–1871)

Im Oktober 1868 nahm Syrski von Triest aus als Berichterstatter an der ersten österreichischen ostasiatischen Expedition auf der Fregatte „Donau“ teil. Als Mitglied des Expeditionsteams wirkte er an der Vorbereitung der wirtschaftlichen Interessen der Habsburgermonarchie mit, insbesondere im Hinblick auf landwirtschaftliche Produktion, den Abschluss von Handelsverträgen und den Ausbau von Handelsbeziehungen mit den asiatischen Staaten Siam, China und Japan sowie den südamerikanischen Ländern Peru und Chile. Sein fachlicher Schwerpunkt lag auf der chinesischen Seidenraupenzucht sowie der Berichterstattung zur Landwirtschaft und Agrarproduktion, einschließlich der Analyse der Produktionsbedingungen, Ertragsmethoden und Exportfähigkeit. Diese Aufgaben erhielt er aufgrund seiner einschlägigen Erfahrungen mit der Seidenraupenzucht, die er zuvor zweieinhalb Jahre auf dem Gut des Grafen Maran Hutten-Czapski (1816-1875) in Wolhynien gesammelt hatte.[3] Zu den publizistisch-wissenschaftlichen Akteuren zählten unter anderem Karl von Scherzer (1821-1903) (Koordinator und Herausgeber der Berichte) sowie Simon Syrski, der insbesondere Beiträge zur Landwirtschaft und Seidenkultur verfasste. Ein zentraler Bericht über die die Expedition und Syrskis Beiträge erschien unter dem Titel „Fachmännische Berichte über die österreichisch-ungarische Expedition nach Siam, China und Japan. (1868-1871). Im Auftrage des k.k. Handelsministeriums redigirt und herausgegeben von Dr. Karl von Scherzer, Stuttgart 1872“. Eine weitere Darstellung der Expedition wurde 1872/72 in dem Journal Österreichische botanische Zeitschrift veröffentlicht.[4] Für seine Tätigkeit während der Expedition erhielt Syrski 1871 das Ritterkreuz des Franz-Josef-Orden verliehen.[5]

SMS Donau

Nach seiner Rückkehr nach Triest veröffentlichte er eine weitere Artikelserie unter dem Titel „Europäische Medizin in Japan“.[6]

Das „Wiener Aquarium“ auf der Weltausstellung 1873

Im Februar 1872 wurde Syrski als Mitglied in das Ausstellungskomitee zur Weltausstellung (Ausstellungskommission im Küstenland) auf dem Gelände des Wiener Praters berufen,[7] zumal er bereits Pläne für ein unterseeisches Aquarium im Rahmen einer geplanten zoologischen Beobachtungsstation in Triest entworfen hatte. Das Wiener Aquarium und Vivarium entstand am Beginn der Prater-Hauptallee, wofür Syrski auch eine Sammlung präparierter Meerestiere aus dem Museum in Triest zur Verfügung stellte. Das Schauaquarium bestehend aus einer Süß- und einer Seewasserabteilung mit insgesamt 41 Wasserbehältern wurde am 29. Juni 1873 eröffnet.

Wiener Aquarium, Wiener Weltausstellungs-Zeitung, Nr. 7, 1873, S. 109.

Für diese Arbeit er hielt Syrski im Oktober 1873 die Nobilitierung „österreichischer Adel mit Nachsicht der Taxen“.[8] Im September 1875 nahm er an einer geologischen und botanischen Forschungsreise auf der Inselgruppe Pelagosa (heute Palagruza/Kroatien) teil.[9]

Mit Entschließung vom 25. Dezember 1875 wurde Syrski zum ordentlichen Professor der Zoologie an der Universität in Lemberg ernannt.[10] Dort lehrte er bis zu seinem Tod 1882. Darüber hinaus übernahm der ab 1878 die Leitung des zoologischen Museums der Universität Lemberg, betreute das naturhistorische Kabinett der Universität und unterrichtete an der chemischen Abteilung der Technischen Hochschule. Zusätzlich war er in Lemberg als Referent des Pädagogischen Vereins tätig, unter anderem im Rahmen populärwissenschaftlicher Vortragsreihen für Frauen,[11] sowie Mitglied und der Realschul-Prüfungskommission.[12]

Ab 1865 war er Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien, ab 1877 der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Krakau und Mitglied der polnisch naturwissenschaftlichen Nikolaus Kopernikus Gesellschaft.

Simon Syrski verstarb am 13. Jänner 1882 in Lemberg.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 181-1284, Syrski Simon (Promotion Datum: 19.5.1865).

Literatur:

Syrski, Simon: Über die Reproductions-Organe der Aale. Vorgelegt in der Sitzung am 16. April 1874. Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien: In Commission bei Carl Gerold’s Sohn 1874.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 89, 1865, Sp. 1617-1620; Nr. 100, 1865. Sp. 1803-1806; Nr. 101, 1865, Sp. 1823-1825; Nr. 102, 1865, Sp. 1839-1842.

[2] Neue Freie Presse, 4.3.1868, S. 6.

[3] Die Presse, 1.10.1868, S. 8.

[4] Österreichische botanische Zeitschrift, Nr. 1, 1872, S. 24-32; Nr. 6, 1872, S. 198-201.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 4.10.1871, S. 2.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 31, 1870, Sp. 704.

[7] Neue Freie Presse, 22.2.1872, S. 13.

[8] Wiener Zeitung, 1.11.1873, S. 390.

[9] Neues Fremden-Blatt, 23.9.1875, S. 1.

[10] Neue Freie Presse, 7.1.1876, S. 2.

[11] Allgemeine Zeitschrift für Lehrerinnen, 5.9.1877, S. 5.

[12] Wiener Zeitung, 22.11.1880, S.3.

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Letzte Aktualisierung: 2026.02.02

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