Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [228]: Hirsch, Ada – Kinder- und Jugendärztin am Jugendamt der Gemeinde Wien, NS-Verfolgte

Hirsch, Ada – Kinder- und Jugendärztin am Jugendamt der Gemeinde Wien, NS-Verfolgte

Autor: Walter Mentzel

Affiliation: Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien, Österreich

Published online: 20.07.2023

Keywords:  Ada Hirsch, Ada Hirsch-Elias, Kinderärztin, Jugendamt der Gemeinde Wien, NS-Verfolgte, Ärztin, Wien, Medizingeschichte

Ada Hirsch wurde am 28.4.1885 in Wien als Tochter des aus Proßnitz bei Olmütz in Mähren stammenden Buchhalters und späteren Vizepräsidenten und leitenden Verwaltungsrates der Prager Papierfabrik A.G., Emil Hirsch (geb. 10.8.1850 in Prostějov, Olomouc/Tschechien, gest. 8.3.1919 in Prag) und der Wienerin Katharina, geborene Eckstein (geb. 1.3.1862 in Wien, gest. 28.1.1924 in Wien), geboren.

Ada begann 1904 ihr Studium der Medizin an der Universität Prag und führte es an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien bis zu ihrer Promotion fort. Schon vor ihrer Promotion, am 25.11.1910, war sie als Hospitantin an der II. Medizinischen Universitätsklinik tätig, wo sie die mit dem Assistenzarzt Richard Bauer (1879-1959) gemeinsam durchgeführten Untersuchungen 1912 im Aufsatz „Beitrag zum Wesen der Wassermannschen Reaktion“ publizierte. 1913 nahm sie als Referentin an der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Wien teil.[1] Im selben Jahr veröffentlichte sie, die an der Kinderklinik von Professor Clemens von Pirquet (1874-1929) und an der I. Frauenklinik bei Friedrich Schauta (1849-1919) am Allgemeinen Krankenhaus Wien durchgeführte Studie „Die physiologische Ikterusbereitschaft des Neugeborenen“.

Ab zirka 1915 arbeitete sie am Karolinen-Kinderspital und betrieb daneben in Wien 9, Spitalgasse 27 eine Ordination als Kinderfachärztin. Sie war Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien.

Erster Weltkrieg

Ada Hirsch nahm am Ersten Weltkrieg als freiwillige Ärztin nordöstlich von Lemberg im Epidemiespital in Beresteczko (heute: Berestetschko/Ukraine) teil, wofür sie im Juli 1916 als erste von zwei Frauen das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens mit der Kriegsdekoration verliehen bekam.[2] Weiters war sie während des Krieges unterstützendes Mitglied der Gesellschaft zur Fürsorge für Kriegsinvalide.[3]

Kinder- und Jugendärztin am Jugendamt der Gemeinde Wien

Nach dem Krieg gehörte sie 1919 zu den Mitgründerinnen der Organisation der Ärztinnen Wiens, und nahm neben der Vorsitzenden Dora Brücke-Teleky (1879-1963) und Alfreda Seidl (verh. Widerhofer, geb. 1887) sowie Pauline Feldmann (1884-1986) die Funktion einer Schriftführerin ein.[4] Ebenfalls 1919 erhielt sie mit Beschluss des Gemeinderats-Ausschusses der Stadt Wien das Heimat- und Bürgerrecht der Stadt verliehen.[5] Seit spätestens 1925 war sie am Bezirksamt Leopoldstadt neben Professor August Reuss (1879-1954) im Jugendamt II als Leiterin und für die ärztliche Beratung für Säuglinge und Kleinkinder tätig.[6] Daneben arbeitete sie als Fachärztin der Krankenfürsorgeanstalt der Gemeinde Wien und veranstaltete an der Allgemeinen Poliklinik Säuglingspflegekurse.[7] Ab Mitte der 1920er Jahre übernahm sie noch den schulärztlichen Dienst am Mädchen-Realgymnasium in Wien.[8] 1926 publizierte sie an der I. medizinischen Klinik der Deutschen Universität in Prag „Die Wirkung der parenteralen Einverleibung von Proteinkörpern auf das neutrophile Kernbild“.[9]

1936 heiratete sie den Internisten und Professor an der Medizinischen Fakultät in Wien, Herbert Elias (1885-1975), und verlegte ihre Arztpraxis nach Wien 1, Rathausstraße 15.

Ada und ihr Ehemann Herbert Elias, die beide wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, flüchteten nach dem „Anschluss“ über Antwerpen nach Frankreich, von wo sie im Februar 1939 mit der SS Washington in die USA emigrierten und sich in New York niederließen.

New York, U.S. District Court Naturalization Records, 1824-1991, Petitions for naturalization and petition evidence 1944

Sie unterstütze während des Zweiten Weltkrieges u.a. den Pressefonds und die Organisation der österreichischen Sozialisten in den USA, das Austrian Labor Committee.[10]

Ada Elias-Hirsch verstarb am 7. April 1975 in New York.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1885, Hirsch Ada.

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0225, Hirsch Ada (Rigorosum Datum: 23.11.1910).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-1159, Hirsch Ada (Promotion Datum: 25.11.1910).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 10.615, Elias Ada.

ÖStA, AdR, E-uReang, Hilfsfonds, Abgeltungsfonds, Zl. 10.614, Elias Ada Dr.

ÖStA, AdR, E-uReang, Hilfsfonds, Sammelstellen A und B SSt, Zl. 6.758, Elias Ada Dr.

WStLA, VEAV, MA. 1.3.2.119.A41 I-67, Bezirk: 5, Elias Ada Dr.

New York, U.S. District Court Naturalization Records, 1824-1991, Petitions for naturalization and petition evidence 1944 box 905, no 478651-478850; NARA microfilm publication M1972, Southern District of New York Petitions for Naturalization, 1897-1944. Records of District Courts of the United States, 1685 – 2009, RG 21. National Archives at New York, Elias Ada.

Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI), Elias Ada.

Literatur:

Bauer, Richard und Ada Hirsch: Beitrag zum Wesen der Wassermannschen Reaktion. Aus der II. medizinischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Hofrat Prof. E. v. Neusser). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hirsch, Ada: Die physiologische Ikterusbereitschaft des Neugeborenen. Aus der Neugeborenenstation der Kinderklinik (Prof. v. Priquet) an der I. Frauenklinik (Hofrat Prof. Schauta) in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für Kinderheilkunde. Leipzig: Druck der Spamerschen Buchdruckerei 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Medizinische Klinik, 7.9.1913, S. 2049.

[2] Prager Abendblatt, 27.7.1916, S. 4; Teplitz-Schönauer Anzeiger, 29.7.1916, S. 3.

[3] Neue Freie Presse, 11.8.1915, S. 11.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 14, 1919, Sp. 714-715.

[5] Amtsblatt der Stadt Wien, Wien 1919, S. 2438.

[6] Lehmann, Adressbuch, Wien, 1925, Gewerbebehörden, 1925, S. 35.

[7] Die Mutter Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, 1.12.1925, S. 6.

[8] Jahresbericht des Vereines für realgymnasialen Mädchenunterricht Wien 8, Albertgasse, Wien 1927, S. 6

[9] Wiener Archiv für innere Medizin, Hauptteil Teil 1, 1926, S. 453-468.

[10] Austrian Labor Information, H. 7, 1942, S. 11.

Normdaten (Person): Hirsch, Ada: BBL: 41524; GND: 1296850315;

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL: 41524 (20.07.2023)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=41524

Letzte Aktualisierung: 2023 07 31

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Publikation MedUni Wien Mitarbeitende: Hengstenberg, Christian, Univ.-Prof. Dr.med.: Herzgesundheit : schützen, stärken, wiederherstellen

Herzgesundheit : schützen, stärken, wiederherstellen

Hengstenberg, Christian, 1962- [HerausgeberIn]Bergler-Klein, Jutta [MitwirkendeR]
2023
Signatur/Standortangabe: WG-120-33
 
Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems stellen in westlichen Ländern nach wie vor die Todesursache Nummer eins dar. Die Fortschritte in der Medizin können zwar viele, aber nicht alle Probleme abfedern. Gerade in Zusammenhang mit der Herzgesundheit spielen Risikofaktoren eine große Rolle. Diese können aber oftmals durch Veränderungen des Lebensstils beeinflusst werden!
In diesem Buch erklären Christian Hengstenberg und sein Team von der Klinischen Abteilung für Kardiologie derUniversitätsklinikfür Innere Medizin II der Medizinischen Universität Wien gut verständlich und wissenschaftlich fundiert, wie wir unser Herz schützen und stärken können.
Darüber hinaus geben die 32 Autorinnen und Autoren einen Überblick der häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, mit denen die Herzgesundheit wiederhergestellt, oder besser noch: erhalten werden kann.

Testzugang bis 31. 12. 2023: CINAHL ULTIMATE – Literaturdatenbank für die Pflege (mit Volltexten)

„…..CINAHL Ultimate ist die umfangreichste Ressource für die Literaturrecherche in der Pflege und verwandten Gesundheitsbereichen. Die Datenbank bietet Volltexte für eine größere Anzahl der meistgenutzten Zeitschriften und umfasst auch kurze Lektionen, evidenzbasierte Pflegeinformationen, Weiterbildungsmodule und Forschungsinstrumente.“

Diese Literaturdatenbank steht im Computernetz der MedUni Wien und via Remote Access im Testzugang bis Ende des Jahres 2023 zur Verfügung.

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Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien [123]: Verlag Wiley

Open AccessOpen Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien: Verlag Wiley

Für Wissenschaftler:innen der MedUni Wien besteht die Möglichkeit, als Corresponding Author in ca. 1.300 Zeitschriften des Verlages Wiley ohne zusätzliche Bezahlung von Article Processing Charges (APCs) Open Access zu publizieren.  Mehr Infos–>

Im Van Swieten Blog können Sie  kontinuierlich die Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien nachlesen:

Association Between Postresuscitation 12‐Lead ECG Features and Early Mortality After Out‐of‐Hospital Cardiac Arrest: A Post Hoc Subanalysis of the PEACE Study

Francesca Romana Gentile, Enrico Baldi, Catherine Klersy, Sebastian Schnaubelt, Maria Luce Caputo, Christian Clodi, Jolie Bruno, Sara Compagnoni, Alessandro Fasolino, Claudio Benvenuti, Hans Domanovits, Roman Burkart, Roberto Primi, Gerhard Ruzicka, Michael Holzer, Angelo Auricchio, Simone Savastano

J Am Heart Assoc. 2023 May 16; 12(10): e027923. Published online 2023 May 15. doi: 10.1161/JAHA.122.027923

PMCID:

PMC10227321

ArticlePubReaderPDF–1.1MCite

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Ultrasound Neuromodulation as a New Brain Therapy

Roland Beisteiner, Mark Hallett, Andres M. Lozano

Adv Sci (Weinh) 2023 May; 10(14): 2205634. Published online 2023 Mar 24. doi: 10.1002/advs.202205634

PMCID:

PMC10190662

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Identifying patients at risk: multi‐centre comparison of HeartMate 3 and HeartWare left ventricular assist devices

Lieke Numan, Daniel Zimpfer, Osnat Itzhaki Ben Zadok, Emmeke Aarts, Michiel Morshuis, Sabina P.W. Guenther, Julia Riebandt, Dominik Wiedemann, Faiz Z. Ramjankhan, Anne‐Marie Oppelaar, Tuvia Ben‐Gal, Binyamin Ben‐Avraham, Folkert W. Asselbergs, Rene Schramm, Linda W. Van Laake

ESC Heart Fail. 2023 Jun; 10(3): 1656–1665. Published online 2023 Feb 16. doi: 10.1002/ehf2.14308

PMCID:

PMC10192248

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First report on the occurrence of Vibrio cholerae nonO1/nonO139 in natural and artificial lakes and ponds in Serbia: Evidence for a long‐distance transfer of strains and the presence of Vibrio paracholerae

Carmen Rehm, Kathrin Lippert, Alexander Indra, Stoimir Kolarević, Margareta Kračun‐Kolarević, Melanie Leopold, Sophia Steinbacher, Iris Schachner, Lena Campostrini, Alexandra Risslegger, Andreas H. Farnleitner, Claudia Kolm, Alexander K.T. Kirschner

Environ Microbiol Rep. 2023 Apr; 15(2): 142–152. Published online 2023 Feb 13. doi: 10.1111/1758-2229.13136

PMCID:

PMC10103850

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [227]: Berthold Beer – Nervenarzt, Leiter des Instituts für elektromagnetische Therapie, Schriftsteller

Berthold Beer – Nervenarzt, Leiter des Instituts für elektromagnetische Therapie, Schriftsteller

Autor: Walter Mentzel

Affiliation: Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien, Österreich

Published online: 19.07.2023

Keywords: Beer Berthold, Nervenarzt, Elektrotherapie, Institut für elektromagnetische Therapie, Schriftsteller, Arzt, Wien, Medizingeschichte

Berthold Beer wurde am 24. April 1859 in Brünn in Mähren (heute: Brno/Tschechien) geboren. Nachdem er das Gymnasium seiner Heimatstadt absolviert hatte, begann er 1878 an der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er 1882 mit dem Rigorosum abschloss.

1885 wurde er auch zum militärärztlichen Eleven zweiter Klasse des Garnisonsspitals Nr. 5 in Brünn ernannt,[1] 1893 erfolgte seine Ernennung zum Oberarzt.[2]

Ab 1885 arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien an der neurologischen Abteilung für Nervenkranke bei Theodor Meinert (1833-1892), wo er die Neuropathie zu seinem Spezialgebiet machte. Danach arbeitete er bis etwa 1911 an der Klinik für Dermatologie und Syphilis. Seit 1899 führte er eine Ordination als Nervenarzt in Wien 9, Maximilianplatz 13, später Nr. 15. Beer arbeitete auf zahlreichen Gebieten der Medizin. 1894 entwickelte er eine neue Methode „Ueber künstliche Atmung“.[3] Zunehmend beschäftigte er sich mit der Elektrotherapie und dem Elektromagnetismus.

Institut für elektromagnetische Therapie

Seit spätestens 1884 war Beer Mitglied des Elektrotechnischen Vereins in Wien.[4] 1902 eröffnete und leitete er das Institut für elektromagnetische Therapie in Wien 9, Maximilianplatz 14.[5]

Inserat: Wiener klinische Wochenschrift, 30.4.1903, S. 549.

1899 erschien von ihm die Arbeit „Ueber Mitbewegungsphänomene“. 1902 meldeten Beer und der Psychiater Julius Adrian Pollacsek aus Berlin eine Einrichtung zur „Hervorrufung von Vibrationen erkrankter Körperteile“ sowie ein elektromagnetisches Gerät (Spule) zur Behandlung von Neurosen und Depressionen als Patente an.

Medizinjournalist

Beer war ein überaus erfolgreicher und vielseitiger Medizinjournalist. Er war Mitarbeiter internationaler Fachzeitschriften wie „Journal of Anatomy“ und „The Lancet“ oder „Nature“, und Redakteur der „Wiener medizinischen Presse“. Häufig schrieb er Artikel für die Neue Freie Presse wie „Unsere Kinderspitäler[6], für die Zeitschrift Die Zeit („Zur Psychologie der Mode“, H. 54, 1895, „Vom Einflusse der fremden Schulen auf die französische Malerei“, H. 47, 1895) und vor allem für die Zeitung Die Zeit („Ärzteüberfluss und Ärzteverstaatlichung“[7] „Die Cholera und ihre Behandlung“).[8] Weiters war er Redakteur bei der 1905 gegründeten und vom Ingenieur Jacob Hellmann (1868-) herausgegeben und in Wien und Leipzig erschienenen medizinisch-technischen Zeitschrift „Medico-technologisches Journal. Centralblatt für das Gesammtgebiet der medicinischen Technologie“, in der die gesamten Gebiete der medizinischen Technologie, wie Apparatekunde, Mikroskopie, Fotografie, Radiologie u.a. thematisiert werden sollten. Die Zeitschrift wurde bereits 1908 wieder eingestellt.[9]

Auf dem medizinischen Gebiet entwickelte er Massageverfahren („manuelle Methode“) bei Muskelschwund. Vor dem Ersten Weltkrieg schlug er eine Berufung an die Universität in Neuseeland ebenso aus, wie die ihm angebotene Position eines Chefredakteurs bei der Zeitschrift „Nature“, oder die Stelle eines Leibarztes des US-Eisenbahnunternehmers Edward Henry Harriman, da er es vorzog in Wien zu bleiben.

Behandlung von Kriegsinvaliden im Schwarzenberg-Garten im Belvedere und die „Entkrüppelungsstelle“ des Landesverbandes Wien des Zentralverbandes

1914 erschien von ihm in der „Österreichischen Rundschau“ eine Studie über „Entkrüppelungsstellen“, in der er die Errichtung dieser Einrichtungen für Kriegsinvalide anregte, in denen auch über einen längeren Zeitraum Therapieangebote für chronische Leiden angeboten werden sollten.[10] 1915 erschien von ihm die Arbeit „Zur Pathologie und Therapie des Tetanus“.

Anfang 1916 wurde er in einem neu errichteten und dem Roten Kreuz unterstehenden therapeutischen Ambulatorium im Schwarzenberg-Garten in Wien[11] zum ärztlichen Leiter ernannt, wo er seine von ihm ausgearbeitete sogenannte „Wiener manuelle (auch „Wiener Massage“) Methode“ der Massage bei Kriegsinvaliden anwandte. Aus dieser Einrichtung ging nach dem Krieg, die von ihm betreute „Entkrüppelungsstelle des Landesverbandes Wien“ hervor, die Teil der „Entkrüppelungsstelle I des Zentralverbandes der deutsch-österreichischen Kriegsbeschädigten in Wien“ wurde. Seine hier weiter praktizierten Methoden beschrieb er 1926 in seinem Aufsatz „Atrophische Muskeln und ihre Behandlung mittels der Wiener manuellen Methode“. Im selben Jahr forderte er in einem Artikel im Illustrierten Wiener Extrablatt den Aufbau von Spitälern für chronisch Erkrankte und bemängelte die Fürsorgeangebote und Leistungen für diese Patientengruppe.[12] Beer sprach sich vehement gegen die Einbeziehung von Ärzt:innen in das Begutachtungsverfahren und der Beurteilungsfindung über die Zuweisung einer materiellen Entschädigung an Invalide aus.[13]

Nachdem er nach dem Krieg die Staatsbürgerschaft der Tschechoslowakei angenommen hatte, jedoch weiterhin in Wien seinen Lebensmittelpunkt hatte, und er die von ihm abverlangten Prüfungen zur Weiterführung seiner ärztlichen Ordination ablehnte, wurde ihm die Ausübung des Arztberufes als praktischer Arzt versagt. Wegen seiner über viele Jahre gepflogenen unentgeltlichen Behandlung mitteloser Patient:innen lebte er nach dem Krieg bis zu seinem Tod zunehmend verarmt. Er verstarb im Juli 1931 in Wien.

Beer war Mitglied des Wiener Medizinischen Klubs und seit 1894 Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.[14]

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0118, Beer Berthold (Nationalien Datum: 1878/79).

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0146, Beer Berthold (Nationalien Datum: 1882/83).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-24a, Beer Berthold (Rigorosum: 1882).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Beer Berthold.

Literatur:

Beer, Berthold: Ueber Mitbewegungsphänomene. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Blätter. Wien: Verlag der „Wiener medizinischen Blätter“ 1899.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Beer, Berthold: Zur Pathologie und Therapie des Tetanus. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1915.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Die Presse, 23.6.1885, S. 3; Wiener Allgemeine Zeitung, 23.6.1885, S. 15.

[2] Die Presse, 31.10.1893, S. 4.

[3] Wiener medicinische Blätter, Nr. 27, 1894.

[4] Zeitschrift für Elektrotechnik, Teil 5, H. 1, 1884, Verzeichnis der P.T. Herren Mitglieder des Elektrotechnischen Vereines in Wien.

[5] Neues Wiener Journal, 4.11.1902, S. 6.

[6] Neue Freie Presse, 12.4.1900, S. 16-17.

[7] Die Zeit, 2.9.1905, S. 13.

[8] Die Zeit, 2.9.1910, S. 4.

[9] Die Zeit, 14.6.1905, S. 5.

[10] Pester Lloyd, 5.12.1914, S. 3.

[11] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 5.1.1916, S. 11; Die Zeit, 23.8.1917, S. 5; Österreichische Volks-Zeitung, 11.3.1917, S. 4.

[12] Illustriertes Wiener Extrablatt, 11.2.1926, S. 7.

[13] Der Invalide, 15.4.1921, S. 2.

[14] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 14, 1894, S. 259.

Normdaten (Person): Beer, Berthold: BBL: 41500; GND: 117582034;

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL: 41500 (19.07.2023)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=41500

Letzte Aktualisierung: 2023 07 19

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [226]: Gruss, Adolf – Vizepräsident der Ärztekammer Wien, Journalist und Verleger, Obmann des Vereins deutscher Ärzte Österreichs

Gruss, Adolf – Vizepräsident der Ärztekammer Wien, Journalist und Verleger, Obmann des Vereins deutscher Ärzte Österreichs

Autor: Walter Mentzel

Affiliation: Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien, Österreich

Published online: 19.07.2023

Keywords: Gruss Adolf, Ärztekammer Wien, Arzt, Verein deutscher Ärzte Österreichs, Journalist, Verleger, Ärztliche Reform-Zeitung, Wien, Medizingeschichte

Adolf Gruss wurde am 9. März 1854 als Sohn des akademischen Malers Johann Gruss (1820-1901) und Anna Bruder in Leitmeritz in Böhmen (heute: Litoměřice/Tschechien) geboren. 1883 heiratete er Klara Büchner. Nachdem er zunächst ein Doktoratsstudium in Philosophie absolviert hatte, begann er an der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er am 18. Mai 1888 mit der Promotion abschloss. Nach seiner Promotion führte er eine private Ordination in Wien Wieden und war ab 1889 als Krankenkassenarzt des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft tätig.[1] 1896 erfolgte seine Bestellung zum städtischen Arzt in Wien.[2]

Gruss war seit den 1880er Jahren in der Deutschnationalen Partei (Georg Ritter von Schönerer-Richtung) und deren Vorfeldorganisationen und später in der 1903 gegründeten deutsch-radikalen Partei um den Politiker und Herausgeber der Ostdeutschen Rundschau, Karl-Hermann Wolf (1862-1941), aktiv. Im Wiener Gemeindebezirk Wieden stand er als Obmann dem „Deutschen Volksverein“ der deutschnationalen Partei vor,[3] 1889 wurde er zum Obmann des Deutschen Gesangsvereins in Wien gewählt,[4] und 1890 gehörte er wie auch Karl-Hermann Wolf den Leitungsorganen des Vereins „Deutsche Geschichte“[5] an, sowie der im selben Jahr gegründeten Mittelstandsorganisation „Selbsthilfe-Genossenschaft Ostmark“, die bereits einen „Arierparagraphen“ statuarisch aufwies.[6] 1891 kandidierte er für die Deutschnationale Partei im 4. Wiener Gemeindebezirk zum 2. Wahlkörper für den Wiener Gemeinderat auf der mit der Christlichsozialen Partei gemeinsamen Liste der „Antiliberalen Wahlgemeinschaft“.[7]

Journalist, Redakteur, Verleger der Ärztlichen Reform-Zeitung

In diesem Umfeld betätigte sich Gruss schriftstellerisch als auch journalistisch, beispielsweise als Autor im „Deutschnationalen Kalender“, aber auch im Jänner 1899 im von ihm gegründeten und den Interessen der „deutschen Ärzten“ sich verpflichteten „Ärztlichen Reform-Zeitung“, dem Organ des Wiener Ärzte-Vereins und zunächst des Vereins der Ärzte Oberösterreichs, des Pinzgaus, dem Pongau und jener in Schlesien,[8] bei der er als Herausgeber und Schriftleiter fungierte.[9] Hier publizierte er u.a. 1899 „Naturärzte“ und „Die Vergewaltigung der Ärzte durch die Juristen“, 1900 „Berufszwang und Curpfuscherei“ und 1908 „Ein Sanitätsministerium oder eine Zentralstelle für das gesamte Sanitätswesen in Österreich“. 1897 erschien von ihm die Monografie „Über den Ärztestand“ und 1911 „Ärztliche Streiflichter und die Eigenart des ärztlichen Berufes“.

Gründer und Funktionär ärztlicher Standesorganisationen

Neben seinem Engagement in deutschnationalen Organisationen trat Gruss seit den 1890er Jahren als Gründer und Funktionär ärztlicher Standes- und Interessensorganisationen auf, wobei er diese als Instrumentarium für seine politischen Ambitionen zu nutzen verstand. Zunächst war er 1897 Mitbegründer des deutschnational ausgerichteten Wiener Ärztevereines und bis zu seinem Rücktritt 1905 dessen Obmann.[10] Ab 1900 gehörte er dem Präsidium des im Februar 1900 gegründeten „Verband der Ärzte Wiens“ (Präsident Josef Heim) an, wo er auch die Funktion des Vizepräsidenten als Obmann des Wiener Ärztevereins einnahm.[11] In dem im Jahr 1906 gegründeten Reichsverband österreichischer Ärzte erhielt er die Funktion eines Vizepräsidenten, ab 1908 stand er dem Verband als dessen Präsident vor.[12]

Verein deutscher Ärzte:

Im November 1902 kam es zur Konstituierung eines Komitees zur Vorbereitung eines für April 1903 vorzubereitenden Sozialärztlichen Reichskongresses in Wien, das sich zum Ziel setzte einen überregionalen Ärzteverein vorzubereiten, in dem der Wiener Ärztekammerpräsident Ernst Finger (1856-1939) und sein Vize Adolf Gruss mitwirkten.[13] Dieses Vorhaben scheiterte an der von Gruss antisemitisch und antitschechisch motivierten Vorgehensweise.[14] Stattdessen kam es am 31. Mai 1903 in Wien unter dem Vorsitz von Adolf Gruss (1857-1921), Alfred Schmarda (1861-1921) und des Zahnarztes und Mitbegründers der radikal-deutschnationalem Zeitung „Ostdeutschen Rundschau“, Vinzenz Wießner-Freiwaldau, zur Gründung einer überregionalen Organisation für deutschnationale und antisemitische Ärzte: dem Verein deutscher Ärzte, dem auch Ernst Finger angehörte. Auch hier übernahm Adolf Gruss die Obmann-Funktion. Der Verein, der unmittelbar nach seiner Gründung ein Adressbuch „deutsch-arischer“ Ärzte herausgab, konstituierte noch 1903 einen „arischen“ Ausschuss, der in einem Auswahlverfahren die aus dem Kreis der Vereinsmitglieder legitimierte Gruppe um Adolf Gruss, Heinrich Adler (1849-1909), Josef Hein, Karl Jarisch (1839-1915), Josef Scholz (1835-1916), Max Stransky, Wilhelm Svetlich (1849-1914), Alexander Uhlik und Hans Ritter von Woerz, bei der kommenden Wahl zur Ärztekammer in Wien antreten ließ.[15]

Gruss selbst verweigerte als praktizierender Arzt in seiner Ordination die Behandlung jüdischer Patient:innen.[16]

Ärztekammer Wien:

Neben seiner Funktion in der 1906 gegründeten „Wirtschaftlichen Organisation der Ärzte Wiens“, gehörte er seit 1900 als Vorstandsmitglied der Ärztekammer Wien an,[17] ab 1908 nahm er die Funktion des Vizepräsidenten der Wiener Ärztekammer ein, die er bis zu seinem krankheitsbedingten Ausscheiden im Jahr 1920 behielt[18] und provisorisch bis zu seinem Tod 1921 weiterführte.[19] In diesen Funktionen gehörte er auch ab 1900 als Delegierter der Ärztekammer Wien dem niederösterreichischen Landes-Sanitätsrat an.[20]

1919 erfolgt nach seinem Ansuchen krankheitsbedingt seine Pensionierung als städtischer Oberarzt.[21] Im April 1920 erhielt er den Titel des Obermedizinalrates verliehen.[22]

In seinen Funktionen in den ärztlichen Standesvertretungen nahm er auf verschiedenen Ebenen an der Entwicklung des österreichischen Sanitätswesens teil. Bereits 1895 trat er als Obmann des Wiener Ärztevereines in einer Petition an das Abgeordnetenhaus gegen die geplante Abstrafung im Falle einer unterlassenen ärztlichen Anzeigepflicht auf.[23] Als Funktionär der Ärztekammer war er in den parlamentarischen Verhandlungen und in den Ausschüssen des Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates beispielsweise zur Gesetzgebung der Sozialversicherung involviert. 1904 publizierte er zur „Die Anzeigepflicht des Arztes nach § 359 des österr. Strafgesetzes“, 1910 erschien von ihm im Selbstverlag die Arbeit „Der Vorentwurf zu einem österr. Strafgesetzbuche, soweit er ärztliche Interessen berührt“, die 1912 im Verlag der österreichischen Ärztekammer ein weiteres Mal veröffentlicht wurde. 1913 erschien von ihm „Die allgemeinen Fahrlässigkeitsparagraphen (§311 und §312) des Entwurfes eines österreichischen Strafgesetzbuches im Lichte der Eigenart des ärztlichen Berufes“.

Gruss verstarb am 11.November 1921 in Wien. Seinen Nachruf in der Wiener medizinischen Wochenschrift[24] verfasste der Arzt, Mitglied des Vereins Deutscher Ärzte und des Vereins der Ärzte in Wieden und Favoriten und Botaniker August Edler von Hayek.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Dekanat, Rigorosenprotokoll, Sign. 177-117a, Gruss Adolf (Rigorosum Datum: 1887).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-2242, Gruss Adolf (Promotion Datum: 18.5.1888).

Geburts- und Taufbuch, Rk. Erzdiözese Wien, St. Florian, Taufbuch, 1889 Sign. 01-51, Folio 200, Guss Johanna.

Literatur:

Gruss, Adolf: Über den Ärztestand. Wien: Friedrich Schalk’s Verlag 1897.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 12445]

Gruss, Adolf: „Naturärzte“. Sonderdruck aus: Ärztliche Reform-Zeitung. Wien: im Selbstverlag 1899.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Gruss, Adolf: Berufszwang und Curpfuscherei. Sonderdruck aus: Ärztliche Reform-Zeitung. Wien: Im Selbstverlage 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 31996]

Gruss, Adolf: Die Anzeigepflicht des Arztes nach § 359 des österr. Strafgesetzes. Sonderdruck. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Gruss, Adolf: Ein Sanitäts-Ministerium oder eine Zentralstelle für das gesamte Sanitätswesen in Österreich? Referat, gehalten in der Sitzung des Reichsverbandes österreichischer Aerzteorganisationen am 29. März 1908. Wien: Im Selbstverlage 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-806]

Gruss, Adolf: Aerztliche Streiflichter und die Eigenart des ärztlichen Berufes. Vortrag, gehalten in der Hauptversammlung des >Vereines deutscher Aerzte in Oesterreich< am 16. Oktober 1910. [Wien]: [1910].

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 12987]

Gruss, Adolf: Der Vorentwurf zu einem österr. Strafgesetzbuche, soweit er ärztliche Interessen berührt. Referat erstattet im Auftrage des XIV. österr. Aerztekammertages u. der IV. Delegiertenversammlung des Reichsverbandes österr. Aerzteorganisationnen (Vorlage für den XV. Aerztekammertag und die V. Deligiertenversammlung des Reichsverbandes.) Wien: Im Selbstver. des Verf. 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Gruss, Adolf: Entwurf eines österreichischen Strafgesetzbuches, soweit er ärztliche Interessen berührt. Referat für den XVIII. österreichischen Aerztekammertag in Graz. Wien: Verlag des Geschäftsausschusses der österreichischen Aerztekammern 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 17413]

Gruss, Adolf: Die allgemeinen Fahrlässigkeitsparagraphen (§311 und §312) des Entwurfes eines österreichischen Strafgesetzbuches im Lichte der Eigenart des ärztlichen Berufes. Wien: Im Verlage des Geschäftsausschusses der österr. Aerztekammern und des Reichsverbandes österr. Aerzteorganisationen 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 7123]

Gruss, Adolf: Ein noch ungedruckter Brief Billroths. In: Aerztliche Reformzeitung (XV/18) 1913. S. 226-228.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-805]

Referenzen:

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.9.1889, S. 4.

[2] Neues Wiener Journal, 19.3.1896, S. 2.

[3] Ostdeutsche Rundschau, 10.1.1892, S. 5.

[4] Deutsches Volksblatt, 17.11.1889, S. 8.

[5] Ostdeutsche Rundschau, 16.11.1890, S. 3.

[6] Ostdeutsche Rundschau, 23.11.1890, S. 1-2.

[7] Deutsches Volksblatt, 5.4.1891, S. 8.

[8] Rundschau für die Interessen der Pharmacie, Chemie und verwandter Fächer, 1899, S. 591.

[9] Rundschau für die Interessen der Pharmacie, Chemie und verwandter Fächer, 1899, S. 88.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 7, 1905, Sp. 348.

[11] Die Heilkunde. Monatsschrift für praktische Medicin, 1900, S. 374; Deutsches Volksblatt, 21.2.1900, S. 13.

[12] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 22.12.1908, S. 571.

[13] Illustriertes Wiener Extrablatt, 26.11.1902, S, 6.

[14] Leitmeritzer Zeitung, 11.2.1903, S. 12.

[15] Ostdeutsche Rundschau, 18.10.1903, S. 6.

[16] Arbeiter-Zeitung, 9.10.1903, S. 9.

[17] Internationale klinische Rundschau, Nr. 48, 1900, S. 970.

[18] Internationale klinische Rundschau, Nr. 42/43, 1919, S. 238; Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 26.10.1919, S.9.

[19] Neues Wiener Journal, 7.11.1921, S. 7.

[20] Neues Wiener Journal, 29.11.1900, S. 6; Wiener Zeitung, 29.12.1909, S. 2.

[21] Reichspost, 30.3.1919, S. 5.

[22] Neue Freie Presse, 10.4.1920, S. 15.

[23] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 17, 1895, S. 321.

[24] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 49, 1921, Sp. 2189.

Normdaten (Person): Gruss, Adolf: BBL: 41491; GND: 172500699;

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Letzte Aktualisierung: 2023 07 19

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150+ eBooks stehen über die Plattform „ClinicalKey-Student“ zur Verfügung

Die Universitätsbibliothek hat die Plattform „ClinicalKey-Student“ lizenziert, dadurch stehen nun mehr als 150 deutschsprachige  Lehrbücher fix zur Verfügung:

  • 150+ medizinische Fachbücher über 40 Fachgebiete hinweg, u.a. mit Sobotta Atlas, Aktories Pharmakologie, Zeeck Chemie für Mediziner, Trepel Neuroanatomie, Macloads klinische Diagnose, ausgewählten Klinikleitfäden oder dem Herold.
  • 40.000+ Abbildungen mit buchübergreifender Suche und Fachgebietsfiltern
  • Zahlreiche Videos aus den Bereichen Anatomie, Psychiatrie und ChemieKurzanleitung

    1. Auf einem PC im Computernetz der der MedUni Wien http://www.clinicalkey.com/student aufrufen, oder auch via Remote Access von zu Hause aus auf ClinicalKey-Student RA
    2. Sich persönlich mit Name und Universitäts-Email registrieren
    3. Auf „weiter“ klicken
    4. Buch auswählen
    5. Auf ein Kapitel klicken
    6. Die Schaltfläche „Bookshelf starten“ anklicken
    7. Das Buch wird nun im Bookshelf geladen und kann dort gelesen und annotiert werden.

    Eine ausführlichere Anleitung finden sie im folgenden PDF:
    ClinicalKeyStudent MedUni Wien Anleitung

Hier ein paar Titelbeispiele:

Book cover of Anatomie in Fällen - Schnitt und Bildgebung

Book cover of Anatomie in Frage und Antwort

Book cover of Arzneistoffliste kompakt

Book cover of Atlas der Anatomie

Book cover of BASICS Anatomie - Leitungsbahnen

Book cover of BASICS Humangenetik

Book cover of BASICS Immunologie

Book cover of BASICS Klinische Pharmakologie

 

 

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [225]: Alt, Ferdinand – Arzt für Ohrenheilkunde und leitender Arzt der Ohrenabteilung an der Rudolfstiftung

Alt, Ferdinand – Arzt für Ohrenheilkunde und leitender Arzt der Ohrenabteilung an der Rudolfstiftung

Autor: Walter Mentzel

Affiliation: Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien, Österreich

Published online: 18.07. 2023

Keywords: Alt Ferdinand, Arzt der Ohrenheilkunde, Rudolfs-Stiftung, Arzt, Medizingeschichte, Wien

Ferdinand Alt wurde am 26. Dezember 1867 als Sohn von Elias Alt und Rosalie Alt (1828-1907) in Wischau in Mähren (heute: Vyškov/Tschechien) geboren. Er war seit 1900 mit Sidonie Schwarzmann (1877-1966) verheiratet und hatte mit ihr die beiden Kinder Rudolf (1901-1975) und Ana Margaretha (1903-1925).

Alt absolvierte das Gymnasium in Brünn, studierte ab 1887 an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 10. Juni 1893 mit der Promotion ab. Während des Studiums engagierte er sich u.a. als gewähltes Ausschussmitglied der freisinnigen Studenten im medizinischen Unterstützungsverein.[1] Nach dem Studium arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien und durchlief mehrere Abteilungen für innere Medizin und Chirurgie. Hier publizierte er an der I. medizinischen Abteilung im AKH „Traumatische Neurosen oder traumatische Hysterie[2] und „Ein Fall von Morbus Meniere, bedingt durch leukämische Erkrankung des Nervus acusticus“.[3] 1895 trat er zunächst als Demonstrator und 1896 als Assistent in die Ohrenklinik von Professor Josef Gruber (1827-1900) ein, und wurde nach dessen Ausscheiden bis 1900 Assistent von dessen Nachfolger Adam Politzer (1835-1920). 1897 publizierte er hier „Zur Aetiologie der Erkrankungen des schallempfindlichen Apparates“,[4] und 1898 „Zur Pathologie des corticalen Hörcentrums“,[5] und 1900 „Ueber psychische Taubheit“.[6] 1899 habilitierte er sich zum Privat-Dozenten für Ohrenheilkunde,[7] 1909 erfolgte seine Ernennung zum Professor.[8]

Alt arbeitete am Krankenhaus Wieden und im Rudolfsspital, wo er 1900 ein Ambulatorium für Ohrenerkrankte einrichtete, sowie als leitender Arzt im Filialspital des Taubstummeninstitutes des Spitals. Zuletzt übte er von 1910 bis zu seinem Tod die Leitungsfunktion der Ohrenabteilung im Rudolfsspital aus. Weiters befasste er sich mit der Unfallbegutachtung von Ohrenerkrankungen und der Schädigung des Gehörs durch gewerbliche Beschäftigungen, wo er in dem von Ludwig Teleky (1872-1957) herausgegebenen Band der Wiener Arbeiten aus dem Gebiet der sozialen Medizin die Studie zu „Die Begutachtung der Unfallserkrankungen des inneren Ohres“ verfasste. Zahlreiche weitere Arbeiten von Ferdinand Alt befinden sich in den Beständen der Separata Bibliothek und der Neuburger Bibliothek an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

Darüber hinaus engagierte er sich in der Frage des Kinderschutzes sowie während des Ersten Weltkrieges im „Verein Vox – Schutzverband der Schwerhörigen Österreich-Ungarns“.[9] 1916 erhielt er das Offiziersehrenzeichen vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration verliehen.[10]

Alt war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, des Wiener medizinischen Klubs und der Österreichischen otologischen Gesellschaft in Wien, zu dessen Präsident er 1921 gewählt wurde.

Ferdinand Alt verstarb am 6. Jänner 1923 in Wien.

Todesanzeige: Neue Freie Presse, 10.1.1923, S. 14.

Seiner Ehefrau und seinem Sohn Rudolf gelang die Flucht vor den Nationalsozialisten in die USA. Seine Ehefrau verstarb im April 1966 in Newark in New Jersey, sein Sohn 1975 in Monterey in Kalifornien.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign 134-0352, Alt Ferdinand (Rigorosum Datum 1891).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign 177-9b, Alt Ferdinand (Rigorosum Datum 1891).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign 187-934, Alt Ferdinand (Promotion Datum 10.6.1893).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Alt Ferdinand.

Referenzen:

[1] Neue Freie Presse, 25.5.1892, S. 8.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 6, 1895, Sp. 237-241.

[3] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 38, 1896, S. 849-851.

[4] Wiener klinische Rundschau, Nr. 40, 1897, S. 657-658.

[5] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 10, 1898, S. 229-232.

[6] Wiener klinische Rundschau, Nr. 12, 1900, S. 225-228.

[7] Wiener klinische Rundschau, Nr. 24, 1899, S. 397.

[8] Neue Freie Presse, 2.12.1909, S. 3.

[9] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 31.7.1915, S. 15.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 27, 1916, Sp. 1040.

Normdaten (Person): Alt, Ferdinand: BBL: 41465; GND: 127421890;

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BBL: 41465 (18.07.2023)
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Anne Hajek: Praktikum an der UB MedUni Wien

Als Studierende des Universitätslehrgangs „Library and Information Studies“ an der
Österreichischen Nationalbibliothek in Kooperation mit der Universität Wien durfte ich eine
Woche meines Pflichtpraktikums an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität
Wien absolvieren.
An meinem ersten Tag wurde ich morgens von Mag. Lukas Zach MSc in der Bibliothek
empfangen und habe meinen Praktikumsplan für diese Woche erhalten. Außerdem hatte ich
die Möglichkeit die Räumlichkeiten der Bibliothek sowie die Mitarbeitenden kennen zu
lernen. Meine weiteren Stationen für diesen Tag waren die Literaturbeschaffung, wo ich von
ADir Monika Wiesinger betreut wurde, die Abteilung für Inhaltliche Erschließung, wo mir
Birgit Heller MA einen Einblick in ihre Arbeit gewährte und die Wissenschaftlichen Recherche
durch die mich ebenfalls Birgit Heller MA sowie ihre Kollegin Mag. Caroline Reitbrecht
geleitet haben.
Am zweiten Praktikumstag habe ich vormittags einen Einblick in die Arbeitsbereiche
eJournals und Open Access bei Mag. Angelika Hofrichter bekommen. Nachmittags ging es für
mich weiter mit den Tätigkeiten im Literaturlieferdienst, die mir ADir Andrea Straub
nähergebracht hat, sowie dem Thema Linking Software bei Oberrat Mag. Ing. Helmut Dollfuß
MSc, der mir auch einen Einblick das Teaching Library-Konzept der Universitätsbibliothek der
MedUni Wien gegeben hat.
Den dritten Praktikumstag habe ich außerhalb des AKH Wien verbracht. Vormittags durfte ich
die Zweigbibliothek für Zahnmedizin in der Sensengasse kennen lernen und dort von Mag.
Gerhard Grosshaupt MSc alles über die Aufgaben in einer One Person Library erfahren. Den
Nachmittag habe ich in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin in der Währinger
Straße 25 verbracht und dort von Helmut Weinfurter einiges zu den Themen
Provenienzforschung und Tiefenerschließung des Historischen Bestandes gehört. Außerdem
durfte ich einige der wertvollsten Handschriften des Bestandes sowie die
denkmalgeschützten Räumlichkeiten der Josephinischen Bibliothek besichtigen.
Am vierten und fünften Praktikumstag war ich wieder zurück am Hauptstandort der
Universitätsbibliothek im AKH Wien. In diesen zwei Tagen habe ich selbstständige Tätigkeiten
durchführen dürfen. Meine Arbeit umfasste hierbei unter der Betreuung von ADir Mag.
Günter Kindl die Eingabe von Metadaten für ePub, dem Publikationsserver der
Universitätsbibliothek der MedUni Wien sowie die Bereinigung von Datensätzen im
Bibliothekssystem ALMA und das Hineinschnuppern in den systembibliothekarischen Bereich
der Analytics.
Ich bedanke mich bei allen Kolleginnen und Kollegen der Universitätsbibliothek der MedUni
Wien für die interessante und lehrreiche Praktikumswoche mit vielen neuen Einblicke in den
bibliothekarischen Alltag. Vielen Dank, dass ihr mich so freundlich aufgenommen habt und
ich eine Woche lang Teil eures Teams sein durfte.

Alles Gute für die Zukunft und bis bald!
Anne L. Hajek BA MA

Scientific Writing Hacks: Best Practice Programme in Promoting Academic Integrity

Hack #10:  Best Practice Programme in Promoting Academic Integrity

Das Ziel des Programms besteht darin, anhand der ETINED principles relevante Praktiken zur Förderung der akademischen Integrität in europäischen Hochschuleinrichtungen zu verbreiten:

Ethik, Transparenz und Integrität sind grundlegende Voraussetzungen für eine hochwertige Bildung.

Die Förderung der akademischen Integrität und ethischer Grundsätze führt bei Studierenden und Lehrkräften zu einem integritätsbasierten Verhalten und trägt zur Entwicklung einer demokratischen und partizipativen Kultur in Bildungseinrichtungen bei.

–>Best Practice Programme in Promoting Academic Integrity