Archiv der Kategorie: News

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Öffnungszeiten Weihnachten & Jahreswechsel 2017/2018

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Wissenschaftliche Bibliothek

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Weihnachtskarte
Grafik: MMag. Margrit Hartl

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Datenbank des Monats – VuMedi

Vumed

Datenbank des Monats – VuMedi

VuMedi ist eine Video-Lernplattform für Ärzte. Initial ist eine Registrierung mit Angabe des medizinischen Fachbereiches nötig. Die Datenbank ist ein sogenanntes „You tube“  für Chirurgen. Über 100000 Ärzte verwenden Vumedi.

Inhalt: >5000 Videos.

Die Datenbank beinhaltet auch seltene Pathologien und Komplikationen und ermöglicht den Vergleich verschiedener Behandlungs- und Operationsmethoden.

https://www.vumedi.com

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [50]: Freund, Leopold: Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte. 1903

Freund, Leopold: Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte. Mit 110 Abbildungen und 1 Tafel. Berlin und Wien: Urban & Schwarzenberg 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 44004]

http://search.obvsg.at/primo_library/

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Leopold Freund. Bildersammlung Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-001678-0005

Leopold Freund (*05.04.1868 Miscovice/heute: Tschechische Republik, gest. 07.01.1943 Brüssel) war ein österreichischer Radiologe jüdischer Herkunft und gilt als Begründer der Röntgentherapie. Nach dem Besuch einer Realschule in Budweis/České Budějovice und eines Gymnasiums in Wien begann er mit dem Studium der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, das er am 23.02.1895 mit seiner Promotion abschloss. Danach war er im Allgemeinen Krankenhaus und in der Wiener Poliklinik tätig, seine Hauptarbeitsgebiete waren die Dermatologie an der Klinik für Syphilidologie und Dermatologie und die Kinderheilkunde. Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) im Jahr 1895 sowie im folgenden Jahr der Entdeckung der Radioaktivität durch Antoine Henri Becquerel (1852-1908) und der erstmaligen Anwendung beim Patienten durch Leopold Freund in Wien wurde die Basis für die Strahlentherapie geschaffen. „Leopold Freund war 1896 durch eine Zeitungsnotiz auf die biologische Wirkung der Röntgenstrahlen aufmerksam geworden. In der Sitzung der Gesellschaft der Ärzte am 15. Jänner 1897 konnte er sie an dem später so berühmt gewordenen Fall eines achtjährigen Mädchens mit Tierfellnaevus erweisen.“[1] Leopold Freund verwendete als erster zielbewusst und konsequent die biologischen Wirkungen der Röntgenstrahlen für therapeutische Zwecke, zunächst bei Hauterkrankungen und später auch bei tiefer gelegenen Organen.

Abb. 2    Titelblatt: Freund: Grundriss der gesammten Radiotherapie […]. Berlin und Wien: 1903.

Leopold Freund war von 1899-1913 Assistent und von 1913-1920 Laboratoriumsleiter der Wiener Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten. 1904 habilitierte er sich mit einer Arbeit über medizinische Radiologie. 1914 wurde er zum ao. Professor ernannt, 1935 Ehrenmitglied der österreichischen Röntgengesellschaft und 1937 wurde ihm der Titel eines Hofrates verliehen. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde ihm im Mai 1938 die Venia Legendi entzogen. Freund floh gemeinsam mit seiner Frau Stefanie nach Belgien, wo er sich auf Einladung der belgischen Regierung in Brüssel niederließ. Hedy Freund-Eibuschutz, Leopold Freunds Nichte berichtet in ihren Erinnerungen an ihren Onkel: „Als Hitler 1938 nach Österreich kam, konnte es der von vielen österreichischen und ausländischen Universitäten geehrte ,Herr Hofrat‘ nicht fassen, dass auch für ihn eine Welt zum Einsturz gekommen war. Als er von der Gestapo inhaftiert wurde und sich dagegen mit den Worten: ,Ich bin doch der Begründer der Röntgentherapie!‘ wehrte, antwortete man ihm: ,A so a jüdische Wissenschaft interessiert uns nicht.‘“[2] Siehe dazu auch die Sonderblog-Serie „Vertrieben 1938“ auf der Homepage der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=620

Abb. 3    Widmung Leopold Freund an Gustav Riehl

Leopold Freund publizierte über 250 wissenschaftliche Beiträge, davon überwiegend Artikel zur therapeutischen Anwendung der Röntgenstrahlen, aber auch zur Röntgendiagnostik.

Sein 1903 erschienener „Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte“ ist das erste ausschließlich der Strahlentherapie gewidmete Lehrbuch der Welt. Das in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin vorhandene Exemplar der Erstausgabe enthält eine handschriftliche Widmung Leopold Freunds an seinen Kollegen, den Dermatologen Gustav Riehl (1855-1943): „Herrn Professor Dr. G. Riehl in ausgezeichneter Hochachtung überreicht vom Verfasser“. Das Buch kam als Geschenk von Riehls Sohn, Gustav Riehl jun. (1894-1981) – ebenfalls Professor für Dermatologie – im Juli 1974 in den Bestand der Bibliothek.

Quellen:

Freund Leopold. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Bände III-IV: Nachträge und Ergänzungen. Dritter Band Aba-Kom. Hildesheim, Zürich und New York: Georg Olms Verlag 2002. S. 453.

Freund, Leopold, Radiologe. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. 1 A-Q. München: K.G. Saur 2002. S.192.

Kaiser, Ernst: Wiens große Röntgenologen L. Freund, R. Kienböck, G. Holzknecht. In: Kunst des Heilens. Aus der Geschichte der Medizin und Pharmazie. Niederösterreichische Landesausstellung 1991. Katalog des NÖ Landesmuseums. (Neue Folge 276) 1991. S. 813-816.

Freund-Eibuschutz, Hedy: Erinnerungen an den Begründer der Röntgentherapie. Prof. Dr. Leopold Freund zum 100. Geburtstag. In: Aufbau. (5. April) 1968. S. 20.

Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965.

Freund Leopold, Röntgenologe. In: Österreichisches biographisches Lexikon. I. Band (A-Glä). Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1957. S.359.

[1] Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965. S. 343.

[2] Freund-Eibuschutz, Hedy: Erinnerungen an den Begründer der Röntgentherapie. Prof. Dr. Leopold Freund zum 100. Geburtstag. In: Aufbau. (5. April) 1968. S. 20.

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Van Swieten Blog: MMag. Margrit Hartl

DIPLDISS-COACHING – „Gecoachtes Searching für MedUni Wien-DiplomandInnen / DissertantInnen“- TERMIN: 13. Jänner 2017

DiplDiss-Coaching  – „Gecoachtes Searching für MedUni Wien-DiplomandInnen/DissertantInnen“

Ein kostenfreies Angebot für Studierende der MedUni Wien

Vortragende: Dr. Eva Chwala

Grundlagen der Literaturrecherche

  • Auswahl der Datenbanken
  • Suchstrategien
  • Freies Arbeiten – Betreuung bei der Recherche

Samstag,
13. Jänner 2017

von 9:30 – 12:30 im Vortragsraum der UB MedUni

Email-Anmeldung: eva.chwala@meduniwien.ac.at
mit Angabe der Bibliotheks-ID Nr. ($A………)


 

„1. Weltkrieg & Medizin“ [47]: Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ / PARDUBICE in Böhmen 1914 – 1918, Folge 8.3.2 – Ärztinnen und Ärzte

Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ / PARDUBICE  in Böhmen 1914 – 1918

Folge 8.3.2 – Ärztinnen und Ärzte

Die Ärzte im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 (1915-1918)

 F (2.Teil)

FISCHER, Oskar

Geboren am 12. April 1876 in einer deutschsprachigen Familie mit jüdischen Wurzeln in Schlan/Böhmen https://de.wikipedia.org/wiki/Slan%C3%BD, gest. am 28. Februar 1942 im KZ Theresienstadt  https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Theresienstadt.

Er studierte an der medizinischen Fakultät der deutschen Universität in Prag und an der Universität in Straßburg. Seine Promotion feierte er am 19. Mai 1900 in Prag.

Im Juni 1907 erhielt er seine Zulassung als Privatdozent für Psychiatrie an der deutschen Universität in Prag.

In diesem Jahr erschien in der „Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie“ (Band 22, Seite 361-372) sein Aufsatz „Miliare Nekrosen mit drusigen Wucherungen der Neurofibrillen, eine regelmässige Veränderung der Hirnrinde bei seniler Demenz“.

Zur selben Zeit hatte auch der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer https://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Alzheimer dieselben Beobachtungen wie Fischer gemacht. Und ebenfalls publiziert. Die Benennung dieser neuen Krankheit (nach Alois Alzheimer) erfolgte allerdings später durch Emil Kraepelin https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Kraepelin in seinem Lehrbuch der Psychiatrie 1911.

Die Spannungen vor dem Zweiten Weltkrieg, der wachsende Antisemitismus und Eifersucht unter Fachleuten aus Prag und aus München, die sich auch mit diesem Problem beschäftigten, führten dazu, dass Oskar Fischers Forschungsergebnisse vergessen wurden. Erst nach dem Krieg wurden sie wieder entdeckt.

Dank dieser Forschungen wurde damals von der Fachöffentlichkeit vorgeschlagen, dass die Krankheit „Alzheimer-Demenz“ in „Alzheimer-Fischer-Krankheit“ umbenannt werden sollte.

Dazu siehe auch:

Oskar Fischer and the study of dementia https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2668940/

1908 erwarb er zusammen mit Dr. Leo Kosak Schloss Weleslawin  http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tsa&datum=19080606&query=%22oskar+fischer%22&ref=anno-search&seite=5 (heute ein Stadtteil von Prag). Beide ließen es dann zu einem „Sanatorium für Nerven- und Geisteskranke“ umbauen, in dem z. B. in den dreißiger Jahren Frau Charlotte Masaryk, Ehefrau von Thomas G. Masaryk https://de.wikipedia.org/wiki/Tom%C3%A1%C5%A1_Garrigue_Masaryk, behandelt wurde.

Im Ersten Weltkrieg wirkte Fischer als Neurologe im Garnisonspital Nr. 11 in Prag, bis er im Jänner 1917 dem Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz zur Verfügung gestellt wurde. Hier arbeitete er in der 4. Abteilung/Sektion (Neurologische Abteilung) bis September 1918.

In diese Zeit fallen:

– 7. November 1917 Ernennung zum außerordentlicher Universitätsprofessor für Psychiatrie an der Deutschen Universität in Prag http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=pab&datum=19171107&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Boskar%2Bfischer%22&provider=P02&ref=anno-search

und

– eine „zweifelhafte Publikation“ von Fischer mit dem Titel „Zur faradischen Therapie der hysterischen Lähmungen“.

In dieser Arbeit sind zwei Todesfälle durch den Gebrauch von Sinusströmen beschrieben, die sich im Jahre 1916 in der deutschen psychiatrischen Klinik in Prag ereignet haben. Anderseits enthielt die Arbeit eine detaillierte Beschreibung der Umstände eines weiteren Todesfalles im k. u. k. Reservespital Leitmeritz (Befund: „funktionelle Neurose“[Hysterie, Neurasthenie]). Hier war der böhmische Infanterist A. S. (der zuvor im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz in medizinischer Behandlung stand) im August 1916 während der elektrischen Behandlung plötzlich verstorben.

Die Veröffentlichung von Fischers Arbeit wurde vom Kriegsministerium als „in der gegenwärtigen Form zur Veröffentlichung als nicht geeignet“ befunden.

Es dauerte allerdings mehr als ein Jahr, bis das Kriegsministerium in Wien (aufgrund Bekanntwerdens eines weiteren Todesfalls im September 1917 in Deutschland) mit folgendem Erlass reagierte:

„Da demnach die Sinusströme selbst bei vorsichtiger Anwendung in unberechenbarer Weise das Leben des Patienten gefährden können, wird die Anwendung des Sinusstromes in den Militärsanitätsanstalten überhaupt verboten und ist diese gefährliche Behandlungsmethode im Bedarfsfalle durch den ungefährlichen faradischen Strom zu ersetzen.“

– 1916 – 1918:Oskar Fischer und Raffael Schermann

https://en.wikipedia.org/wiki/Raffael_Schermann

  1. Mai 1918 Der Fall Schermann

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=fdb&datum=19180530&seite=7&zoom=33&query=%22dr%2Boskar%2Bfischer%22&provider=P02&ref=anno-search

  1. Juni 1918 Spekulation auf niedrige Instinkte – Der Fall „Schermann“

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dti&datum=19180604&seite=5&zoom=33&query=%22dr%2Boskar%2Bfischer%22&provider=P02&ref=anno-search

Nach dem Ersten Weltkrieg als Buch erschienen:

  1. November 1924 Buchanzeige Experimente mit Raphael Schermann

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=obc&datum=19241121&query=%22dr+oskar+fischer%22&ref=anno-search&seite=6

Der „Fall Dr. Franz Halbhuber“ – Oskar Fischer als „Anzeiger“ und Zeuge

  1. April 1923 Der Irrsinnige als Kommandant eines Militärspitals – Wer über das Schicksal der Soldaten zu entscheiden hatte – der Fall „Dr. Franz Halbhuber“

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19230417&seite=7&zoom=33&query=%22dr%2Boskar%2Bfischer%22&provider=P03&ref=anno-search

  1. April 1923 Enthüllungen über ärztliche Kriegsverbrecher

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19230418&query=%22franz+halbhuber%22&ref=anno-search&seite=1

  1. August 1923 „Franz Halbhuber“ gestorben

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19230811&query=%22franz+halbhuber%22&ref=anno-search&seite=7

Zwei Publikationen aus dem Bestand der Medizinischen Universität Wien/ Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin: http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8568495&pos=98&phys=

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8568497&pos=99&phys=

Oskar Fischer als Mitglied des „Vereins deutscher Ärzte in Prag“

1903: Verein Deutscher Ärzte in Prag, Sitzung vom 6. Februar 1903

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=klr&datum=19040004&query=((text:%22oskar+fischer%22))&ref=anno-search&seite=744

1904: Verein Deutscher Ärzte in Prag, Sitzung vom 27. Mai 1904

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=klr&datum=19050004&query=((text:%22oskar+fischer%22))&ref=anno-search&seite=717

1904: Verein Deutscher Ärzte in Prag, Sitzung vom 28. Oktober 1904

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=klr&datum=19050004&query=((text:%22oskar+fischer%22))&ref=anno-search&seite=732

Oskar Fischer als „Amateurfotograf:

1906: Oskar Fischer als „Atelierwart des Klubs der deutschen Amateurfotographen in Prag“

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19060525&query=%22oskar+fischer%22&ref=anno-search&seite=3

  1. Oktober 1909 Der Klub deutscher Amateurphotographen eröffnet Herbstsaison mit Referat von Oskar Fischer über die „Dresdner Internationale Photographische Ausstellung“

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19091010&query=%22oskar+fischer%22&ref=anno-search&seite=12

  1. Oktober 1909 „Ausgezeichneter Bericht von Dr. Oskar Fischer…“

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19091017&query=%22oskar+fischer%22&ref=anno-search&seite=12

  1. November 1910: Ankündigung: Oskar Fischer – „Laternbildervortrag über Mikrophotographie“

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19101127&query=%22oskar+fischer%22&ref=anno-search&seite=12

  1. Dezember 1919 Bericht über Fischers Vortrag über „Mikrophotographie“

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19101218&query=%22oskar+fischer%22&ref=anno-search&seite=11

Biografie (in tschechischer Sprache)

https://cs.wikipedia.org/wiki/Oskar_Fischer

FISCHL, Emil

Er wurde am 15. September 1872 in Prag geboren/gestorben am 28. Februar 1925. Medizin studierte er in Prag, wo er schließlich am 14. Dezember 1896 „sub auspiciis imperatoris“ promovierte. 

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=18961219&query=%22emil+fischl%22&ref=anno-search&seite=5

Bereits vor seiner Promotion war er „Operationszögling an der chirurgischen Klinik des Professor Wölfer in Prag“. https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Anton_W%C3%B6lfler

Im Ersten Weltkrieg leistete er vom 30. September 1914 bis 2. Juli 1916 als „freiwilliger Arzt unentgeltliche Dienste“ im Vereinsreservespital vom Roten Kreuz in Prag.

  1. Februar 1915 Dankschreiben an Dr. Fischl

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19150227&query=%22dr+e+fischl%22&ref=anno-search&seite=5

Vom 2. Juli 1916 bis Mitte April 1917 war er dem Spital – nach neuerlicher Einberufung zum Militär – dann dienstzugeteilt.

Mitte April 1917 wurde er ins Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 nach Pardubitz versetzt.

Am 13. August 1917 stellte er ein Ansuchen um Versetzung nach Prag, was im September 1917 bewilligt wurde.

 Publikationen:

1897 Über den Einfluß der Abkühlung auf die Disposition zur Infection IN: Zeitschrift für Heilkunde, Band 18, S. 321

1898 Über zwei Fälle einer seltenen Darmverletzung IN: Bruns Beiträge zur klinischen Chirurgie, Band 22, Seite 811

FLESCH, Julius

Geboren am 1. Dezember 1871 in Ungarisch-Wieselburg/Mosonmagyaróvár   https://de.wikipedia.org/wiki/Mosonmagyar%C3%B3v%C3%A1r; gest. 11. Mai 1942 in Maly Trostinec/Weissrussland   https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Maly_Trostinez.

Er war praktischer Arzt in Wien, war 20 Jahre lang Assistent an der Wiener Poliklinik und Stellvertreter Professor Moriz Benedikts           https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Moriz_Benedikt.

Er verfasste verschiedene wissenschaftliche Werke und war Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses des Doktorenkollegiums der Universität Wien und Begründer der Wiener Seminare für die Ausbildung von Wiener Ärzten. Fast sämtliche Professoren beteiligten sich an den Seminarvorträgen.

Seine Verwendung im Ersten Weltkrieg:

 – 15. August 1914 bis 1. Mai 1916 freiwillig und unentgeltlich im Reservespital Nr. 11 in Wien

– 1. Mai 1916 bis 1. Dezember 1916: im Reservespital Nr. 18 (Brigittenau) – im Reservespital Nr. 20 (Floridsdorf) – und im Reservespital Nr. 18 (Wien, früher 6., dann 12. Bezirk Rückergasse)

– 1. Dezember 1916 bis 1. Mai 1917 im Kriegsgefangenenlager Wieselburg     https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsgefangenenlager_Wieselburg

– 1. Mai 1917 bis 16. November 1917 als Chefneurologe im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz

– 16. November 1917 bis Anfang Juli 1918 in Theresienstadt im Garnisonspital Nr. 13, auf der internen Abteilung, dann wieder nach Wien versetzt.

Sein bekanntestes Buch:

Berufskrankheiten des Musikers. Ein Leitfaden der Berufsberatung für Musiker, Musikpädagogen, Ärzte und Eltern. Celle 1925

Darüber siehe auch: 15. Mai 1925 Beitrag über sein Buch http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19250515&query=%22dr+flesch%22&ref=anno-search&seite=7

Noch zu seiner Biographie:

  1. Mai 1896 Verlobungsanzeige

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=mzt&datum=18960504&query=%22julius+flesch%22&ref=anno-search&seite=2

  1. Februar 1903 Todesanzeige der Mutter

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19030201&seite=65&zoom=33&query=%22dr%2Bjulius%2Bflesch%22&provider=P03&ref=anno-search

  1. Juli 1907 Todesanzeige des Vaters

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19070709&seite=8&zoom=33&query=%22dr%2Bjulius%2Bflesch%22&provider=P03&ref=anno-search

  1. Jänner 1909 Zeuge im Prozess gegen „Dr. Eugen de Blowitz“ – Ein vielseitiger Hochstapler

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19090106&seite=2&zoom=73&query=%22julius%2Bflesch%22&ref=anno-search

  1. März 1911 Ohnmachts-Epidemie in der Telephon-Zentrale

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19110309&seite=6&zoom=62&query=%22julius%2Bflesch%22&ref=anno-search

  1. September 1924 Wieder ein Prozeß wegen § 144

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19240926&query=%22julius+flesch%22&ref=anno-search&seite=9

  1. Juli 1925 Der nervöse Sänger – Psychopathische Stimmbandstörungen

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19250730&query=%22julius+flesch%22&ref=anno-search&seite=8

1931: Sechzigster Geburtstag

2002 wurde ein Julius-Flesch-Institut für Musikergesundheit und Musikermedizin an der Universität Mozarteum in Salzburg gegründet   http://www.musikermedizin-lahme.de/eisam-salzburg/

FREYSTADTL, Desiderius/Desider

Geboren 1870, gestorben 18. Jänner 1938 in New York.

Er war Facharzt für physikalische Therapie und Hydrotherapie (und königlich ungarischer Honved-Regimentsarzt).

Er betrieb ab 1896 in Wien ein Institut für Heilgymnastik und war an der Wiener Poliklinik angestellt.

Im Ersten Weltkrieg war er von Ende 1916 bis Ende Juli 1917 im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz in der 4. Abteilung/Sektion tätig gewesen.

Am 28. Juli 1917 suchte er um Versetzung nach Baden bei Wien ins dortige Garnisonsspital Nr. 27 an; nach Bewilligung seines Ansuchens wurde statt ihm der Arzt Emanuel SEDLAK von ebendiesem Spital nach Pardubitz versetzt.

In Baden war er vom 1. Oktober 1918 bis 7. November 1918 Chefarzt der Offiziersabteilung bis zum Kriegsende – als ungarischer Staatsbürger wurde er an diesem Tag aus dem Dienst entlassen.

Weiteres zu seiner Biographie:

  1. November 1896 Eröffnung Institut für schwedische Heilgymnastik und Massage

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=18961119&query=%22freystadtl%22&ref=anno-search&seite=4

  1. März 1898 Anzeige Heilanstalt

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=18980327&query=%22freystadtl%22&ref=anno-search&seite=15

  1. September 1898 elektrische Lichtbade- und Wasserheilanstalt

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=18980904&query=%22freystadtl%22&ref=anno-search&seite=5

FRIEDLÄNDER, Walter

Geboren am 4. Februar 1891 in Wien, gestorben am 15. August 1939 in Schanghai.

Er studierte Medizin in Wien, wo er auch am 12. Jänner 1915 promovierte.

Im Krieg war er in folgenden Spitälern tätig:

– 20. Mai 1915 bis 23. August 1915 im Kriegsgefangenenlager Hart/Amstetten (Chefarzt der Spitalsabteilung für nichtinfektiöse Kranke)

– 23. August 1915 bis 14. Oktober 1916 Arzt im B.J.5 und Sekundararzt (Chirurgie) im Krankenspital der Pulverfabrik Blumau bei Felixdorf

– Februar 1917 bis Juni 1917 im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz in der 1. Abteilung/Sektion

FRIEDMANN, Josef

Geboren am 8. August 1879 in Wien, heimatzuständig nach Eibenschitz/Mähren https://de.wikipedia.org/wiki/Ivan%C4%8Dice.

Er studierte Medizin an der Universität in Wien und promovierte hier am 29. April 1904; er spezialisierte sich in den Fächern Dermatologie und Neurologie.

War im Ersten Weltkrieg:

– 25. Juli 1914 bis 30. September 1914 Bataillonschefarzt des LIR Nr. 14

Reservespital Nr. 18 in Wien

– seit 16. Oktober 1916 im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz; war hier als Dermatologe tätig

– 1. Oktober 1917 bis 3. September 1918 im Reservespital Nr. 2 in Wien

Ordination in Wien (nach LEHMANN online 1914: Dr. der gesamten Heilkunde, Assistent der Poliklinik, 2. Bezirk, Taborstraße 44)

1922 Aufsatz in der Wiener Medizinischen Wochenschrift: Beitrag zur Kasuistik extragenitaler Primäraffekte

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1922&page=912&size=45

Siehe auch:

  1. März 1899 als Kassenarzt bei der Czernowitzer Gebietskrankenkasse angestellt

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=bup&datum=18990326&query=%22edmund+fuchs%22&ref=anno-search&seite=11

  1. April 1909 er war auch für das jüdische Waisenhaus in Czernowitz tätig

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=bup&datum=19090401&query=%22edmund+fuchs%22&ref=anno-search&seite=3

FUCHS, Carl Edmund

Geboren 1857, heimatzuständig Papa/Ungarn     https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A1pa- Er war vor dem Krieg Ohren- und Augenarzt in Czernowitz https://de.wikipedia.org/wiki/Czernowitz.

Er war im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz tätig seit 5. Oktober 1915. Mit Übernahme des Spitals in die Heeresverwaltung in der zweiten Hälfte des Jahres 1916 ist er aus dem Dienststand ausgeschieden.

FUCHS, Ernst

Geboren 1878 in Prag, studierte er Medizin an der deutschen Universität Prag und promovierte hier am 16. Juli 1904. Er übersiedelte später nach Karbitz https://de.wikipedia.org/wiki/Chaba%C5%99ovice.

Er arbeitete im Kriegsspital/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz in der 5. Abteilung/Sektion.

Ende Jänner 1917 war er im Reservespital in Komotau tätig. https://de.wikipedia.org/wiki/Chomutov.

Text: Reinhard Mundschütz

Folge 8.3.1 – Ärztinnen und Ärzte (1.Teil D-F)

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Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Schrödinger, Quantencomputer und – „beyond“

Schrödinger, Quantencomputer und – „beyond“


Erwin Schrödinger:
. . aber im Privatleben mich nur mehr mit Philosophie zu befassen – ich hatte soeben mit großer Begeisterung Schopenhauer und durch ihn die Einheitslehre der Upanishaden kennengelernt.“

 

Er sah, dass die Philosophie durchaus die Physik beeinflussen könne und – “wenn die physikalische Welt real ist, ist sie holistisch – sie ist nicht bloß die Summe voneinander trennbarer Teile“.

 

Die buddhistische Weisheitslehre bemüht sich das Unaussprechbare durch einander widersprechende Aussagen auszudrücken: Ein Ding sei weder A noch Nicht-A, aber doch sei es nicht ein „Weder-A noch Nicht-A“, noch könne man sagen, es sei „sowohl A als Nicht-A“

 

 

Dies erinnert verblüffend an Schrödingers berühmtes Katzenparadoxon:

Im Prinzip der Zustandsunterscheidung – eine ‚Superposition‘ der Zustände:

ψ lebendig + ψ tot“.

 

sadasattvena bhavanam yukta dvitayi gatih

tam ullanghya tritiyasmai namas citraya sambhave“ (2.1) – ebenso diese Verse:

 

There are two ways associated with existing things: being and non-being.

I offer my hommage to the wonderful Sambhu who transcends them, being the third“.

 

 


Shiva is praised being BEYOND the duality of real and unreal, and hence as the ‚third‘ one transcending the two states.

 

Ein dritter Seins-Zustand, welcher die anderen transzendiert.

 

Utpaladeva’s Sivastotravali (Sanskrit-Sammlung mystischer Verse und Hymnen)

 

 


Westlichem Denken bleibt der Zugang zu dieser fernen Welt zwar verwehrt – und doch finden sich Anklänge, Analogien und Spuren in dritten (Seins-) Zuständen des Okzidents:

 

Das „Beyond“ – ein Darüber, die Transzendenz der Theologie sowie die „coincidentia oppositorum“ oder die Auferstehung im christlichen Glauben sind einige Beispiele dafür.

 

Überlagerungen, Superpositionen: „ . . dass das Atom eine Reihe überlagerter Zustände passiert, Ψ = c1 Ψ1 + c2 Ψ2, wobei c1 und c2 stetige Funktionen in t sind.“ (Heisenberg)

 

Die Null und die Eins des Quantencomputers (statt Null oder Eins unserer PCs) – samt einem merkwürdigen „beyond“ ist nur den auserwählten Experten verständlich. Dazu kommt der noch mehr Fragen aufwerfende Nebensatz, dass –

Kausalität keine Notwendigkeit für das logische Denken sei..“

Erwin Schrödinger: „ . . dass der lebenden Materie, die sich nicht den heute bekannten Gesetzmäßigkeiten der Physik entzieht, wahrscheinlich noch andere Gesetze der Physik zu Grunde liegen. Diese sind uns bislang allerdings unbekannt. Sollten sie aber erst einmal entdeckt sein, werden sie zu einem integralen Bestandteil dieser Wissenschaft.“

 

 

Ein Ausflug in die Welt der Photonen:

 

„Drei Polarisationsrichtungen des Photons: „Eine beliebig kleine, aber endliche Restmasse m würde die Existenz von Longitudinalwellen und Photonen erlauben und daher eine dritte unabhängige Polarisationsrichtung einführen. Im thermischen Gleichgewicht, wie bei der Strahlung des Schwarzen Körpers, würden die drei Polarisationsrichtungen gleiche Anteile von Impuls und Energie aufweisen, bei einer Gleichverteilung über die Freiheitsgrade. Der Strahlungsdruck und die Konstanten im Stefan’schen und Planck’schen Gesetz sollten dann Werte annehmen, die 3/2-mal so groß wären, wie die tatsächlich gefundenen. Ist das der Beweis, dass die Photonenmasse tatsächlich exakt gleich Null sein muss?

 

Die Maxwell-Gleichungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur transversale elektromagnetische Wellen in Vakuum zulassen. Im 19. Jahrhundert wurde das als Inkompressibilität des lichtspendenden Äthers interpretiert, im 20. Jahrhundert dann als die verschwindende Restmasse des Photons. Eine beliebig kleine, aber endliche Restmasse m würde die Existenz von Longitudinalwellen und Photonen erlauben und daher eine dritte unabhängige Polarisationsrichtung einführen.“

 

Neben der viel zitierten Wellen- und Teilchen-Natur des Lichtes geriet der Spin des Photons (Pauli, Solvay Conference, 1927) ein wenig in Vergessenheit, jedoch zu Unrecht. Die hohe Komplexität und gleichsam gedankenschnelle Geschwindigkeit visueller und kognitiver Prozesse ließen sich mit dem Spin der Photonen als zusätzlichem Träger von Information wahrscheinlich besser erklären als dies bisher der Fall war.

 

Der „Nontrivial Biophysics und -Biochemistry“, der Quantenphysik, den Superpositionen, dem „spukhaften“ (lt. Einstein) Entanglement, der Verschränkung etc. gehören die Zukunft.

 

Epilog: „Ein Mann, dem es gelingt sich selbst niemals zu widersprechen, steht unter starkem Verdacht überhaupt nichts gesagt zu haben.“ Miguel Unamuno.

Addendum: Manches Mal könnte es sich nur um einen scheinbaren Widerspruch handeln. Das Veredictum läge dann darüber – beyond – in „anderen . . Gesetzen der Physik.“

 

Torella Raffaele, Bäumer Bettina (Ed) (2010) Utpaladeva, Philosopher of Recognition. Indian Institute of Advanced Studies. p16

Moore WJ (2015) Erwin Schroedinger, Eine Biographie. Theiss, WBG Darmstadt,

(1994) A Life of Erwin Schrödinger. The Syndicate of the Press of the University of Cambridge, England

 

 

Gender: beyond.

 

Weitere Beiträge: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?s=heilig

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„Phantasie“

Erfahrenes und Erlesenes

vorgetragen und interpretiert von Katharina und Peter Heilig.

Phantasie ist nicht den Träumern und Phantasten reserviert.
Sie ist unverzichtbar  für das Gedanken-zu-Ende denken  und für umsichtig-nüchternes Erwägen aller, auch ausgefallener Möglichkeiten. Ein musikalisch begleiteter Abend, der durch Phantasien und Träume führt.

Am Donnerstag, 01. 03. 2018 um 19 Uhr

Im Otto Mauer Zentrum (Eintritt frei)

1090 Wien, Währingerstraße 2-4, Halbstock (Mezzanin) links

 

 

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [49]: Die Sammlung „Chirurgische Gremien“

Die Sammlung „Chirurgische Gremien“ („Chyrurgisches Gremium Klosterneuburg“ u.a.) an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Text: Dr. Walter Mentzel

Die Einführung der sogenannten „chirurgischen Gremien“ im Erzherzogtum Österreich (mit Ausnahme von Dalmatien, Krain und dem Küstenland) erfolgte mit dem kaiserlichen Patent vom 10. April 1773. Damit sollte die regionale medizinische Versorgung der Bevölkerung „in jedem Kreis oder Viertel eines Landes“ gewährleistet und verbessert werden,[1] in deren Mittelpunkt die Gremien als institutionalisierte Sanitätseinrichtungen standen. In den folgenden Jahren kam es durch Erlässe und Verordnungen zur Standardisierung dieser regionalen Sanitätsorganisationseinheiten, zu einer Präzisierung und Systematisierung der Ausbildungs- und Prüfungsnormen inklusive ethischer Reglements für Wundärzte und der Abgrenzung der medizinischen Aufgabengebiete zwischen den „Wundärzten“ und den sogenannten Kreisärzten. Diese Gremien waren zunächst für Barbiere und Bader zusammen mit Chirurgen und Wundärzten in Form von Zwangsgenossenschaften organisiert. Beispielsweise konstituierten sich Gremien in Niederösterreich in Traiskirchen, Klosterneuburg, Bruck an der Leitha, Piesting, Aspang, St. Pölten, Melk, Waidhofen an der Ybbs, Seitenstetten, Tulln, Oberhollabrunn, Gaunersdorf, Enzersdorf, Sitzendorf, Krems, Pöggstall, Weitra, Waidhofen an der Thaya, Horn und Korneuburg.[2]

Diese Gremien waren auf Verordnungswege durch den Staat angehalten durch Ankauf medizinische Bibliotheken aufzubauen, um die Literaturversorgung an die Mitglieder zu organisieren, deren Ausbildungsstandard zu heben und sie zu einer kontinuierlichen Weiterbildung zu verpflichten. Die vorgesehenen Inventarisierungsmaßnahmen weisen auf einen durchwegs systematischen Bibliotheksaufbau hin. Dazu wurden Formulare gedruckt, um die jährlichen Bücherankäufe zu erfassen und zu dokumentieren. Die in der Sanitäts-„Ordnung für die Wundärzte auf dem Lande vom 20. August 1790“ festgeschriebenen Bestimmungen zur Organisation der „chirurgischen Gremien“ enthielten unter Punkt 6 folgende Anweisungen für die Bibliotheken:

Wenn die Gremien mit den nöthigen Instrumenten versehen sind, werden ihnen von Seiten der medicinischen Fakultät diejenigen Bücher und literarischen Journale angezeigt werden, welche zur weiteren Ausbildung der Landwundärzte dienen können, und die das Gremium sich allmählich anschaffen wird. Auch diese sollen den Mitgliedern des Gremiums zum Lesen mitgetheilt werden, damit ihnen die Verbesserung und neue Entdeckungen in ihrer Kunst nicht unbekannt bleiben.“

In der Verordnung Nr. 5.886 der Niederösterreichischen Regierung vom 15. Juni 1803 hieß es dazu präzisierend:

„Sechstens: da der Hauptzweck des Gremiums ist, durch das Zusammentragen einiger geringen Taxen die nötihgen Bücher zu kaufen, deren Anschaffung für jeden einzelnen Wundarzt zu kostspielig ist; so muss vorzüglich darauf gesehen werden, dass jährlich einige der neuesten Instrumente und Bücher aus dem Casse-Reste angeschafft werden“. […] „Achtens: Ebenso sollen die besten medicinischen Schriften angeschafft werden, und zum Lesen den Mitgliedern mit den obigen Vorsichten mitgetheilt werden.“ […] „Vierzehntens: Den Lehrlingen sind während der Lehrzeit auch aus der Büchersammlung des Gremiums Bücher zu geben, deswegen auch solche Bücher anzuschaffen sind, die ihren Begriffen und Fähigkeiten angemessen sind.“[3]

An der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden sich heute Überreste dieser ehemaligen Bibliotheken der verschiedenen lokalen Gremien, wie dem chirurgischen Gremien Wiener Neustadt, Sitzendorf, Klosterneuburg oder Korneuburg. Sie gehören zu den ältesten überlieferten medizinischen Buchbeständen dieser Gremien.

Abb. 1   Exlibris „CHIRURGISCHES GREMIUM WR. NEUSTADT“ aus:

Summarium des Neuesten aus der gesammten Medicin, eine systematisch geordnete Uebersicht aller literarischen Erscheinungen in der ärztlichen Wissenschaft und Kunst, kritischen Zeitschriften, Literatur-Zeitungen, klinischen Jahrbüchern und ähnlichen periodischen Collectiv-Schriften. Dritter Band. Leipzig: bei C.H.F. Hartmann 1829.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6073/2,3,2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183010&pos=4&phys=#

Abb. 2   Exlibris „EIGENTHUM DES CHIR. GREMIUMS IN SITZENDORF“ aus:

Beobachtungen und Abhandlungen aus dem Gebiete der gesammten praktischen Heilkunde von österreichischen Ärzten. Vierter Band. Wien: Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold 1824.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6067/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6172422&pos=0&phys=

Abb. 3   Exlibris „Eigenthum des chirurgischen Gremium in Korneuburg“ aus:

Medicinische Jahrbücher des kais. königl. österreichischen Staates. Unter Mitwirkung mehrerer Ärzte und Naturforscher. Neun u. vierzigster u. fünfzigster Band, oder neueste Folge XL. und XLI. Band. Wien: Bei Braumüller und Seidel 1844.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6060/49-50]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177472#

Abb. 4   Exlibris: „Dem Chyrurgischen Gremio im Bezirk von Closterneuburg zugehörig 1806“ aus:

Neues Journal der ausländischen medizinisch-chirurgischen Literatur. Vierten Bandes erstes Stück. Nürnberg und Sulzbach: in der I E. Seidelschen Kunst- und Buchhandlung 1805.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB6057/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177645&pos=3&phys=#

Das „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“

Vom „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“ – dem im 19. Jahrhundert größten existierenden „chirurgischen Gremium“ – ist eine umfangreiche, sieben Bände umfassende handschriftliche Sammlung, erhalten, die detaillierte Informationen und Aufzeichnungen über dessen Tätigkeit im Zeitraum von 1803 bis 1868, die Namen der ausgebildeten Ärzte, Hinweise zur Organisation des Gremiums anhand der Rechnungsunterlagen und dessen personelle Zusammensetzung in Form von Mitgliederverzeichnisse enthalten.

Gremial-Buch des Chyrurgischen Gremii zu Klosterneuburg No. 1-2. Klosterneuburg: 1803-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/1-2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6176116&pos=0&phys=

Protocole Nro. 2, deren Herren Wundärzte, welche seit dem Jahr 1830 dem Chyrurgischen Gremium zu Klosterneuburg einverleibt wurden, so wie deren seit dem Jahre 1834 aufgedungenen und freigesprochenen Lehrjungen. Klosterneuburg: 1830-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6180925&pos=4&phys=

Gestions-Protokoll für das chirurgische Gremium Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1845.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/3]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6175850&pos=1&phys=

Rechnungshauptbuch für das chirurgische Gremium des Klosterneuburger Physicats vom Jahr 1840. Klosterneuburg: 1840-1865.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6181096&pos=1&phys=

Nahmentliches Verzeichnis der Mitglieder des chirurgischen Gremiums zu Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1868.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/5]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183789&pos=4&phys=

Namen-Verzeichnis deren bey dem chirurgischen Gremio des Klosterneuburger Districts aufgedungenen und freygesprochenen Lehrjungen: Klosterneuburg: 1840-1866.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/6]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6179917&pos=0&phys=

Kranken-Aufnahms-Protokoll des Klosterneuburger Chirurgischen Gremium, angefangen vom 10. Juny 1833. Klosterneuburg: 1844-1867.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB5850/7]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6178014&pos=3&phys=

Mit der Gewerbeordnung 1859 wurde die ärztliche und wundärztliche Tätigkeit von der Anwendung gewerblicher Bestimmungen ausgenommen. 1871 erfolgte die Aufhebung der chirurgischen Lehranstalten – stattdessen wurde das medizinische Studium 1872 verpflichtend eingeführt – und 1876 wurde das Verbot der Vornahme innerlicher Kuren durch Wundärzte aufgehoben und Wundärzte mit Ärzten gleichgestellt. Mit der Errichtung der Ärztekammern durch das Gesetz vom 22.12.1891 entfiel der Zweck der „chirurgischen Gremien“.[4] Schon ab den 1860er Jahren befanden sich die „chirurgischen Gremien“ in Auflösung. 1860 existierten offiziell noch 60 Gremien in der cisleithanischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie, Ende des 19. Jahrhunderts bestanden noch formal 53 mit 866 Mitgliedern. Im Juli 1895 wurde durch das Ministerium des Inneren die Aufhebung der chirurgischen Gremien beschlossen und im April 1896 ein entsprechender Antrag dem Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates zugewiesen. Mit der am 12. Mai 1896 in das Abgeordnetenhaus eingebrachten Regierungsvorlage wurden die vermögensrechtlichen Angelegenheiten geregelt, indem das Vermögen der Gremien an die Ärztekammern überging. Die Auflösung der Gremien wurde schließlich im November 1899 durch den Reichsrat beschlossen.

Quellen:

Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[1] Gesundheitsordnung vom 10.4.1773. Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

[2] Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

[3] Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift, 1896, S. 927-928, Wiener Zeitung, 11.11.1899, S. 2.

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Van Swieten Blog: MMag. Margrit Hartl

TOP-JOURNAL des Monats: JOURNAL OF THE AMERICAN COLLEGE OF CARDIOLOGY (Impact Factor: 19.896 )

Die Universitätsbibliothek stellt DIE medizinischen Top-Journals am Campus der MedUni Wien und via Remote Access  zur Verfügung.

Das  TOP-JOURNAL des Monats im Van Swieten Blog ist:
JOURNAL OF THE AMERICAN COLLEGE OF CARDIOLOGY

 

Die ersten 20% der Zeitschriften eines bestimmten Fachgebietes im Journal Citation Reports JCR (geordnet nach der Höhe des Impact Factors) sind TOP-JOURNALE.

Mit dem Impact Factor 19.896 zählt JOURNAL OF THE AMERICAN COLLEGE OF CARDIOLOGY zu den Top-Journalen in der Kategorie:

CARDIAC & CARDIOVASCULAR SYSTEMS – SCIE

Languages

ENGLISH

50 Issues/Year;

Alle eJournals finden Sie hier–>Link

Gastautor: Prof. Dr. Hermann AICHMAIR: Augen – Amulette, Brillen, Optik [45]: Das Auge in Malerei, Musik und Literatur

Gastautor: Prof. Dr. Hermann AICHMAIR: Augen – Amulette, Brillen, Optik [45, letzter Beitrag]: Das Auge in Malerei, Musik und Literatur

Hans Sachs hat schon 1554 einen Schwank mit dem Titel geschrieben: „Eulenspiegels Disputation mit einem Bischof ob dem Brillenmachen“. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Sachs

Als letztes Beispiel soll der Schriftsteller Ivan Klima angeführt sein, der in seinem Buch „Liebende für eine Nacht, Liebende für einen Tag“ eine Kurzgeschichte über Brillen aufnahm.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ivan_Kl%C3%ADma

Gerade die letztbehandelten Bereiche Malerei, Musik und Literatur lassen sich viel weiter ausdehnen als es hier geschah. Die angeführten Beispiele sind exemplarisch zu verstehen.

Brillenbehaelter
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Text: Hermann AICHMAIR, MEIDLING BLÄTTER DES BEZIRKSMUSEUMS, Heft 59, 2003
Fotos: Sammlung Hermann Aichmair Bezirksmuseum Meidling

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [48]: Schnitzler, Johann: Klinischer Atlas der Laryngologie nebst Anleitung zur Diagnose und Therapie der Krankheiten des Kehlkopfes und der Luftröhre. 1895

Schnitzler, Johann: Klinischer Atlas der Laryngologie nebst Anleitung zur Diagnose und Therapie der Krankheiten des Kehlkopfes und der Luftröhre. Mit 186 Abbildungen auf 28 chromolith. Tafeln und 56 Holzschnitten im Texte. Wien und Leipzig: Wilhelm Braumüller 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 32358]

http://search.obvsg.at/primo_library/

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Joahnn Schnitzler

Johann Schnitzler (*10.04.1835 Nagybajom/Ungarn, gest. 02.05.1893 Wien) gilt als Wegbereiter der modernen Laryngologie. Heute ist er vor allem als Vater des Arztes und Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862-1931) bekannt. Er war jüdischen Glaubens und wuchs in Nagykanizsa/Großkanizsa (Ungarn) als Sohn eines Tischlermeisters auf, wo er das Untergymnasium besuchte. Ab 1851 wurde er in Pest (Budapest) in einem Obergymnasium unterrichtet. 1855 begann er mit dem Studium der Medizin in Budapest, das er ab 1858 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien fortsetzte und 1860 mit seiner Promotion abschloss. Im Anschluss daran bildete er sich in interner Medizin, zuerst bei Joseph Skoda (1805-1881) und dann bei Johann von Oppolzer (1808-1871), dessen Zweiter Assistent er 1863 wurde, weiter aus. Auf Anregung von Johann von Oppolzer wandte sich Schnitzler der Laryngologie zu. Er habilitierte sich 1864 für Perkussion und Auskultation sowie für die Krankheiten der Atmungs- und Kreislauforgane. 1878 wurde er zum a.o. Titularprofessor und 1880 zum a.o. Professor an der Universität Wien ernannt. Daneben lehrte er von 1874-1878 Physiologie und Pathologie der Stimme am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde (heute: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien).

Abb. 2    Schnitzler: Klinischer Atlas der Laryngologie […]. Wien: 1895. Tafel VIII.

1872 gehörte Johann Schnitzler zu den Mitbegründern der Allgemeinen Poliklinik Wien. Hier leitete er die laryngologische Abteilung und war ab 1884 ärztlicher Direktor der Anstalt. Er zeichnete auch für die Übersiedlung der Allgemeinen Poliklinik 1892 verantwortlich, die damals nach modernsten Prinzipien in einem neu errichteten Gebäude nach den Plänen von Andreas Streit (1840-1916) in Wien 9., Mariannengasse 10, eingerichtet wurde. Schnitzler entfaltete in der Poliklinik eine umfangreiche Lehr- und Forschungstätigkeit, die dem Kehlkopfspezialisten internationale Anerkennung eintrug. Er verfasste mehr als 150 fachwissenschaftliche Publikationen und war an der Gründung und Herausgabe mehrerer medizinischer Zeitschriften beteiligt. Er wandte als einer der ersten die Inhalationstherapie an, führte die pneumatische Therapie und die Hypnose in der Laryngologie ein, konstruierte einen Respirationsapparat, zählte zu den Pionieren der Galvanokaustik, befasste sich ab 1873 mit den Neurosen des Kehlkopfs und hielt ab 1884 propädeutische Vorlesungen über Laryngo- und Rhinoskopie. Besonders sein von seinem Schwiegersohn und Assistenten Markus Hajek (1861-1941) mithilfe seines Sohnes Arthur Schnitzler 1895 postum veröffentlichtes Werk „Klinischer Atlas der Laryngologie“ stellte ein Standardwerk und wichtigen Behelf für das junge Fach dar. – Markus Hajek war mit Schnitzlers Tochter Gisela (1867-1953) verheiratet. Er habilitierte sich 1897 in Laryngologie, wurde 1919 o. Prof. an der Universität Wien und leitete bis 1933 die Laryngo-rhinologische Universitäts-Klinik im AKH. Markus Hajek wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 aus Österreich vertrieben und starb 1941 in London.

Abb. 3    Schnitzler: Klinischer Atlas der Laryngologie […]. Wien: 1895. Titelblatt.

Johann Schnitzler war auch in Theaterkreisen ein gefragter Arzt. Adolf von Sonnenthal (1834-1909) sowie Charlotte Wolter (1834-1897) und viele weitere Sänger der Hofoper konsultierten ihn. Dadurch kam auch sein Sohn Arthur früh in Kontakt mit der Theaterwelt. Dieser verwendete Einzelnes aus Johann Schnitzlers Leben als Anregung für sein Ärztedrama „Professor Bernardi“ (1912).

Quellen:

Schnitzler Johann. In: Österreichisches biographisches Lexikon. X. Band Savinšek Slavko – Schober Ernst. Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1994. S. 410-411.

Prof. Dr. Johann Schnitzler. In: Die feierliche Inauguration des Rectors der Wiener Universität für das Studienjahr 1893/94 am 26. October 1893. Wien: Selbstverlag der k.k. Universität 1893. S. 11-12.

Johann Schnitzler +. In: Wiener klinische Wochenschrift. (6/19) 1893. S. 357.

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