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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [84]: Zum 100. Todestag von: Adler, Victor: Alkoholismus und Gewerkschaft. Referat, gehalten auf dem Fünften österreichischen Gewerkschafts-Kongreß 1907 zu Wien.

Zum 100. Todestag von:

Adler, Victor: Alkoholismus und Gewerkschaft. Referat, gehalten auf dem Fünften österreichischen Gewerkschafts-Kongreß 1907 zu Wien. Wien: Verlag des Arbeiter-Abstinenten-Bundes in Oesterreich 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 1657]

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Victor Adler

Victor Adler (24.06.1852 Prag, gest. 11.11.1918), Begründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, dessen Todestag sich am 11. November 2018 zum 100 Mal jährte, stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, die 1855 von Prag nach Wien übersiedelt war. Durch Realitätengeschäfte gelang es seinem Vater Salomon Markus Adler ein beträchtliches Vermögen zu erwerben. Victor Adler besuchte in Wien das Schottengymnasium und begann danach ein Studium der Chemie an der Universität Wien. 1872 wechselte er an die Medizinische Fakultät der Universität Wien um Medizin zu studieren. Das Studium beendete er erfolgreich 1876 mit seiner Promotion. Danach spezialisierte er sich als Assistenzarzt bei Theodor Meynert (1833-1892) im Fach Psychiatrie. Ab 1882 wohnte er in der Berggasse 19 am Wiener Alsergrund (ab 1891 lebte und praktizierte Sigmund Freud in einem neugebauten Haus an dieser Adresse), wo er auch seine 1879 eröffnete Privatpraxis einrichtete und bis 1889 als Armenarzt, ab 1883 auch als Nervenarzt arbeitete.

Victor Adler war Mitglied er Burschenschaft Arminia Wien und ursprünglich deutschnational eingestellt, aber da seine sozialen Forderungen in der deutschnationalen Bewegung kaum Gehör fanden und vor allem wegen des rasch ansteigenden Antisemitismus kehrte er dieser Gruppierung den Rücken und schloss sich einem sozialdemokratisch geprägten Arbeiterbildungsverein an. Auf einer Studienreise 1883 durch die Schweiz, Deutschland und England traf er sich mit Friedrich Engels (1820-1895), August Bebel (1840-1913) und Wilhelm Liebknecht (1826-1900) – vor allem mit den beiden Ersteren verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Mit dem von seinem Vater geerbten Vermögen gründete er 1886 die Wochenzeitung „Gleichheit“, in der er eine Reihe aufsehenerregender Artikel über das Elend der Wiener Ziegelarbeiter publizierte. Nach dem Verbot der „Gleichheit“ durch die Zensur gründete er 1889 die Arbeiter-Zeitung. Sie erschien anfangs zweiwöchentlich, ab Oktober 1889 wöchentlich und ab 1895 als Tageszeitung. Sie hatte bis 1991 als Parteizeitung der SPÖ bestand.

Am Hainfelder Parteitag 1889 gelang es Victor Alder die unterschiedlichen Flügel der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen unter seinem Vorsitz zu einen und die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zu gründen. „Wegen seiner rastlosen und unerschrockenen Parteiarbeit wurde er zwischen 1887 und 1889 17mal gerichtlich verurteilt und verbrachte über 18 Monate im Arrest.“[1] 1901 wurde Victor Adler in den Niederösterreichischen Landtag und 1905 in den Reichstag als Abgeordneter der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei gewählt. Er hatte 1907 erheblichen Anteil an der Durchsetzung des allgemeinen Männerwahlrechts und engagierte sich gegen den drohenden Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Trotzdem stellte er sich – ähnlich dem deutschen Burgfrieden – zu Beginn des Ersten Weltkrieges gegen großen Widerstand des linken Flügels seiner eigenen Partei hinter die Regierung des Kaisers. Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 1918 wurde Victor Adler, der zu diesem Zeitpunkt bereits schwer erkrankt war, von Karl Renner (1870-1950) in die provisorische Regierung als Staatssekretär des Äußeren (Außenminister) berufen. In dieser Funktion trat er für den Anschluss „Deutsch-Österreichs“ an das Deutsche Reich ein. Am 9. November 1918 hielt Adler seine letzte Rede im Staatsrat. Er verstarb am 11. November, nur einen Tag vor der Ausrufung der Republik.

Die Zweibibliothek für Geschichte der Medizin hat in ihren Beständen folgendes Werk von Victor Adler:

Adler, Victor: Alkoholismus und Gewerkschaft. Referat, gehalten auf dem Fünften österreichischen Gewerkschafts-Kongreß 1907 zu Wien. Wien: Verlag des Arbeiter-Abstinenten-Bundes in Oesterreich 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 1657]

Abb. 2    Titelblatt: Adler: Alkoholismus und Gewerkschaft […]. Wien: 1907.

Quellen:

Adler, Victor (Dr. Fritz Tischler). In: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Hrsg.: Österreichische Nationalbibliothek. Bd. 1. A-I. 1-4541. München: K. G. Saur 2002. S. 16-17.

Adler Viktor, Politiker. In: Österreichisches biographisches Lexikon. Hrsg.: Österreichische Akademie der Wissenschaften. I. Band (A-Glä). Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1957. S. 7-9.

[1] Adler Viktor, Politiker. In: Österreichisches biographisches Lexikon. Hrsg.: Österreichische Akademie der Wissenschaften. I. Band (A-Glä). Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1957. S. 7.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [81]: Vertriebene Mediziner: Revolution 1848: Der Balneologe und Stoffwechselforscher Joseph Seegen

Vertriebene Mediziner: Revolution 1848: Der Balneologe und Stoffwechselforscher Joseph Seegen

Text: Dr. Walter Mentzel

Der Mediziner Joseph Seegen (1822-1904) nahm ein Jahr nach seiner Promotion an der Universität Wien als Mitglied der „Akademischen Legion“ an der Revolution von 1848 in Wien teil. Er gehörte zu den Mitbegründern des „Akademischen Rede- und Lesevereins in Wien“, der sich zum Ziel setzte Personal für die künftige parlamentarische Vertretung in Form einer politischen Bildungsanstalt auszubilden und zu rekrutieren,[1] und war Mitglied des unter dem Vorsitz von Adolf Fischhoff (1816-1893) bestehenden „Ausschuss der Bürger, Nationalgarde und Studenten zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit und für die Wahrung der Volksrechte“.[2] Von Seegen sind aus dem Jahr 1848 zwei schriftliche Quellen überliefert, die von seinem Engagement berichten und seine Intentionen in der Revolution von 1948 darlegen.

Abb. 1    Joseph Seegen, aus: Das interessante Blatt. 4/1904. S. 7.

1848 gab er gemeinsam mit Heinrich Kern die Flugschrift „An die Studenten Wiens!“ heraus, das mit den Worten begann: „Brüder! Der Kampf der Märztage war der Kampf der Gesinnung und des kräftig erwachten politischen Bewusstseins gegen das System der Knechtung und Entgeistigung, der Sieg war jener des Geistes […]“.

https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/titleinfo/2012306

Ebenfalls 1848 publizierte er gemeinsam mit dem in Wien 1849 zum Dr. der Medizin promovierten Journalisten und Schriftsteller Max Schlesinger (1822-1881) ein dreibändiges „Populäres Staats-Lexikon“ mit dem Untertitel: „politisches ABC für’s Volk. Ein unentbehrlicher Führer im constitutionellen Staat“. Mit dieser – ursprünglich in Form von Einzelheften publizierten und wöchentlich erscheinenden Schriftenreihe – sollte der Bevölkerung die Grundbegriffe der Demokratie und der republikanischen Regierungsform näher gebracht werden.

Joseph Seegen wurde am 22. Mai 1822 als Sohn des jüdischen Kaufmannes Lion Seegen und seiner Mutter Anna Seegen, geborene Brod, in Polná/Böhmen geboren. Er studierte zunächst zwischen 1840 und 1842 in Prag Philosophie und danach Medizin. Ab 1845 führte er in Wien das Medizinstudium bei Johann Oppolzer (1808-1871) fort und schloss es 1847 mit seiner Promotion ab. Von ihm besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin seine am 6. August 1847 an der Universität Wien approbierte Dissertation.[3]

Seegen, Joseph: Dissertatio Inauguralis Geologico-Chemica De Aquis Soteriis In Ratione Geologico-Chemica, Quam Consensu Et Auctoritate Illustrissimi Ac Magnifici Domini Praesidis Et Directoris, Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani, Nec Non Clarissimorum Ac Celeberrimorum D. D. Professorum pro Doctoris Medicinae Laurea Summisque In Medicina Honoribus Et Privilegiis Rite Et Legitime Obtinendis in antiquissima et celeberrima Universitate Vindobonensi publicae disquisitioni submittit Josephus Seegen, Bohemus Polnaensis. In theses adnexas disputabitur in Universitatis aedibus die […] mensis Augusti 1847. Vindobonae: Typis Caroli Ueberreuter 1847.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D-3955]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8420675&pos=0&phys=

Abb. 2    Titelblatt: Seegen: […] De Aquis soteriis […]. Wien: 1847.

Nach der Niederschlagung der Revolution flüchtete er, um einer drohenden Verhaftung zu entgehen, aus Wien nach Paris, wo er an der Sorbonne bei dem französischen Physiologen Claude Bernard (1813-1878) studierte und sein Interesse an der Geologie und der Heilquellenkunde vertiefte. Nachdem er 1850 nach Wien zurückgekehrt war, unternahm er eine mehrjährige Reisetätigkeit als ärztlicher Reisebegleiter eines Privatpatienten, die ihn nach Italien, Südfrankreich, England und Deutschland führte. Von 1853 bis 1884 lebte und arbeitete er in Karlsbad (Karlovy Vary)/Böhmen als Kurarzt und betrieb daneben seine wissenschaftlichen Forschuschngen auf dem Gebiet der Balneologie weiter, zu dessen wichtigsten Vertretern er zu dieser Zeit zählte. 1854 habilitierte er sich an der Wiener Universität bei dem Internisten Johann Oppolzer. Seine Habilitationsschrift legte er unter dem Titel „Die naturhistorische Bedeutung der Mineralquellen. Eine Skizze vorgelegt dem k.k. Wiener medizinischen Professorenkollegium zum Behufe der Habilitation als Docent der Balneologie“ vor. Mit Oppolzer gründete er auch 1856 den „Verein für Heilquellenkunde in Österreich“ und wandte sich endgültig der Balneologie zu. 1859 erfolgte seine Ernennung zum a.o. Professor für Balneologie an der Universität Wien, womit er zum ersten Vertreter dieses Fach in Wien wurde.

1857 und 1858 veröffentlichte Seegen sein zweibändiges Werk, das lange Zeit als Standardwerk auf diesem Gebiet galt:

Seegen, Joseph: Compendium der allgemeinen und speciellen Heilquellenlehre. Wien: Braumüller 1857-1858.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 28748/1-2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8643842&pos=4&phys=

Seine Untersuchungen des Karlsbader Heilwassers und dessen physikalischen und chemischen Eigenschaften führten ihn zu klinischen Studien über den Stoffwechsel und zur Stoffwechselforschung, die in den folgenden Jahren seinen Arbeitsschwerpunkt bildeten. Bekannt wurden dabei seine Studien auf dem Gebiet der physiologischen Zersetzung der Eiweißkörper im tierischen Organismus, die damit zusammenhängende Stickstoffausscheidung und die Zuckerbildung im Tierkörper, insbesondere der Leber.

Seine zahlreichen Aufsätze und Abhandlungen, die seine zwischen 1860 und 1904 erfolgten Forschungen zur Balneologie, zum Stoffwechsel und der Diabetes dokumentieren, sind an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin erhalten:

Seegen, Joseph: Gesammelte Abhandlungen über Zuckerbildung in der Leber. Berlin: Hirschwald 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 53379]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8643834#

Die Ergebnisse seiner Forschungen zum Stoffwechsel publizierte er 1887 gesammelt:

Seegen, Joseph: Studien über Stoffwechsel im Thierkörper. Gesammelte Abhandlungen. Beriln: Hirschwald 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 9929]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8643844&pos=0&phys=

Seegen engagierte sich darüber hinaus für die Etablierung des Faches Hygiene und befürwortete dafür eine eigene Lehrkanzel an der Universität Wien. Seine Vorstellungen publizierte er 1872 in der „Wiener Medizinischen Wochenschrift“.[4] In diesem Kontext befasste er sich mit ernährungsphysiologischer Forschung und trat für eine ausgewogene Ernährung breiter Bevölkerungsschichten ein, wozu er zur Umsetzung auch den Staat in seiner Pflicht sah. Aufgrund des Fehlens eines eigenen Laboratoriums für seine Experimente und Studien nahm Seegen einige Jahre am Josephinum Aufenthalt, später richtete er ein privates Laboratorium in einer angemieteten Wohnung und in seiner Villa in Bad Aussee ein.

Seegen war seit 1901 Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er verstarb am 14. Jänner 1904 in Wien. 1910 hielt der Chemiker und Mediziner Ernst Ludwig (1842-1915), anlässlich der Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an Seegen an der Universität Wien (heute in den Arkaden der Universität Wien), einen Nachruf, der in der „Wiener Medizinischen Wochenschrift“ abgedruckt ist.

Ludwig, Ernst: Josef Seegen. Festrede. Sonderabruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. (10/60) 1910. Wien: Perles 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 6957]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8608441&pos=0&phys=

Literatur:

Spitta Anna, Der Balneologe und Stoffwechslforscher Josef Seegen (1822-1904), phil.Dipl.

Quellen:

Archiv der Universität Wien, Med. Fak., Dekanat, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Nr. 176-634, Seegen Josef.

[1] Wiener Zuschauer. Zeitschrift für Gebildete, 26.7.1848, S. 8. Wiener Zeitschrift, 21.4.1848, S. 3. Allgemeine Österreichische Zeitschrift für den Landwirth, Forstmann und Gärntner. Ein Centralblatt für die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung und praktischer Erfahrung, 10.4.1848, S. 6-8.

[2] Der Humorist, 17.7.1848, S. 1.

[3] Archiv der Universität Wien, Med. Fak., Dekanat, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Nr. 176-634, Seegen Josef.

[4] Seegen Joseph, Die Bedeutung der Hygiene und ihre Stellung im medizinischen Unterricht, in: Wiener Medizinischen Wochenschrift, Nr. 4, 1872, S. 87-91 sowie Nr. 5, 1872, S. 111-115.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [80]: Spiegel-Adolf, Anna Simona: Die Globuline. Mit 68 Abbildungen und 300 Tabellen. 1930.

Spiegel-Adolf, Anna Simona: Die Globuline. Mit 68 Abbildungen und 300 Tabellen. (= Handbuch der Kolloidwissenschaften in Einzeldarstellungen/4). Dresden und Leipzig: Verlag von Theodor Steinkopff 1930

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 341/4]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Portrait: Anna Simona Spiegel-Adolf

Anna Simona Spiegel-Adolf (*23.02.1893 Wien, gest. 1983 Chicago/Illinois) wurde als Tochter des Juristen Jaques Adolf und dessen Frau Hedwig (geb. Spitzer) in Wien geboren. Sie war mit dem österreichischen Neurologen jüdischer Herkunft Ernst Adolf Spiegel (1895-1985) verheiratet. Nachdem sie 1913 die Matura abgelegt hatte, studierte sie ab dem Wintersemester 1913 an der Wiener Medizinischen Fakultät. Sie arbeitete während ihrer Studienzeit drei Jahre am Institut für Histologie und Bakteriologie, davon zwei Jahre als Demonstratorin. Auch am Institut für medizinische Chemie arbeitete sie noch während ihrer Studienzeit halbtägig – aus dieser Zeit stammt auch ihre erste wissenschaftliche Publikation. Am 23. Dezember 1918 wurde Anna Simona Adolf zur Doktorin der gesamten Heilkunde an der Universität Wien promoviert.

Im Anschluss an ihre Promotion arbeitete sie erst bei Richard Paltauf (1858-1924) in der Prosektur der Wiener Rudolfstiftung, danach am Neurologischen Institut bei Otto Marburg (1874-1948). Parallel dazu absolvierte sie am Institut für Chemie Praktika. Ab 1919 war sie am Universitätslaboratorium für physikalisch-chemische Biologie tätig, dem sie ab 1923 als unbesoldete Assistentin angehörte. „In den folgenden Jahren beteiligte sie sich durch Abhaltung von Kursen auch am Unterrichtsbetrieb des Institutes und ab 1927 arbeitete sie auch im Laboratorium für Lichtbiologie und Lichtpathologie unter Hausmann [Walter Hausmann (1877-1938), Anm.] am physiologischen Institut der Universität Wien, um die Anwendungsmöglichkeiten der physikalischen Chemie und Kolloidchemie auf medizinische Fragestellungen hin zu studieren.“[1] Darüber hinaus war sie für zwei Jahre bei Rudolf Kraus (1868-1932) am serotherapeutischen Institut für die Moorkommission des Volksgesundheitsamtes tätig. 1930 unternahm sie eine dreimonatige Vortragsreise nach Nordamerika. Zwischen 1917 und 1930 publizierte Anna Simona Spiegel-Adolf 43 wissenschaftliche Arbeiten. „Dementsprechend eindeutig fiel auch das Votum der letzten Sitzung des Professorenkollegiums auf ihr Ansuchen um Verleihung der Venia legendi hin aus: 22 Ja- standen 2 Nein-Stimmen gegenüber, so dass sie mit 4 Juli 1931 zum Privatdozenten für angewandte medizinische Chemie mit besonderer Berücksichtigung der biologisch-physikalischen Chemie und medizinischen Kolloidchemie ernannt wurde.“[2] Sie war die zweite Frau, die sich an der Universität Wien im Fach Medizin habilitierte.

1931 wurde Anna Simona Spiegel-Adolf als Professorin an die Temple-University in Philadelphia berufen, wo sie das Fach physikalische und Kolloidchemie einrichtete und auch Vorständin des neu errichteten Instituts wurde. „Um ihre Assistentenstelle in Wien behalten zu können, musste sie sich immer wieder von ihren Vorlesungsverpflichtungen beurlauben lassen […]. Zuletzt suchte sich am 3. September 1936 mit der Begründung an, dass sie in Wien derzeit keine Erwerbsmöglichkeit sähe. Sie bot jedoch an, ihrer Vorlesungsverpflichtung in Form von mehrwöchigen Kursen nachzukommen. Obwohl sich Prof. Pauli [Wolfgang Pauli (1869-1955), Anm.] für sie einsetzte mit dem Hinweis, ihre in Amerika gemachten Studien seine von allgemeinem Interesse für die Fakultät, wurde ihr Ansuchen abgelehnt.“[3] Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde ihr aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ihre Venia legendi – ihre Lehrbefugnis – entzogen. Da sie jedoch seit 1934 auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, blieb sie in den USA und leitete bis 1966 an der Temple-University in Philadelphia das Institut für physikalische und Kolloidchemie. Anna Simona Spiegel-Adolf starb 1983 in Chicago.

Im Juni 2010 wurde das neu errichtete Anna Spiegel Forschungsgebäude der Medizinischen Universität Wien nach ihr benannt.

Abb. 2    Titelblatt: Spiegel-Adolf: Die Globuline. Dresden […]: 1930.

Quellen:

9915 Spiegel-Adolf, Anna Simona (Mona Spiegel-Adolf). In: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. Bis 20. Jahrhundert. Hrsg: Österreichische Nationalbibliothek. Band 3. S-Z. 8923-11742. Register. München: K. G. Saur 2002.

Horn, Sonia: Spiegel-Adolf, Anna Simona. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 699-701.

Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 117-138.

Spiegel-Adolf, Mona (Anna Simona; 1893-). In: Encyclopedia Judaica. Volume 5. C-DH. Jerusalem: Keter Publishing House Jerusalem Ltd. 1972. S. 397.

[1] Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 132.

[2] Horn, Sonia: Spiegel-Adolf, Anna Simona. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 700.

[3] Horn, Sonia: Spiegel-Adolf, Anna Simona. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 700.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [77]: Todesopfer der Revolution 1848: Comfort, Richard: Dissertatio Inauguralis Medico-Pharmagologica De Guajaco…Theses adnexae defendentur in aedibus Universitatis die. Wien: Typis Congregationis Mechitaristicae 1835.

Todesopfer der Revolution 1848: Comfort, Richard: Dissertatio Inauguralis Medico-Pharmagologica De Guajaco, Quam Consensu Et Auctoritate Excellentissimi Ac Illustrissimi Domini Praesidis Et Directoris Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani Nec Non Clarissimorum Et Celeberrimorum D. D. Professorum Pro Doctoris Medicinae Laurea Rite Obtinenda In Antiquissima Ac Celeberrima Scientiarum Universitate Vindobonensi Publicae Disquistioni Submittit Richardus Comfort, Pressburgensis. Theses adnexae defendentur in aedibus Universitatis die. Wien: Typis Congregationis Mechitaristicae 1835.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D2310]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8416839&pos=0&phys=

Text: Dr. Walter Mentzel

Richard Comfort gehörte zu den Todesopfern der Revolution von 1848 und zu jenen Medizinern, die sich während des Revolutionsjahres am aktivsten für eine umfassende demokratische Staatsreform Österreichs einsetzten. Comfort wurde am 24.10.1810 in Pressburg/Ungarn (heute: Bratislava/Slowakei) geboren und studierte an der Universität Wien Medizin, wo er 1835 zum Doktor der Medizin und Pharmakologie promovierte. Von ihm besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin seine 1835 an der Universität Wien approbierte Dissertation.[1]

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Comfort ab 1844 als sogenannter „Pensionär“ am Tierarznei-Institut in Wien.[2] Seine Forschungen und Vorträge wurden in den 1840er Jahren u.a. in den „Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien“ publiziert. Einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit bekannt wurde er durch seine 1839 veröffentlichte Arbeit über die Heilmethoden des Homöopathen Samuel Hahnemann (1755-1843), worin er auch seine Überlegungen zu einer Theorie und Systematik der Homöopathie anstellte.

Comfort, Richard: Über Hahnemann‘s Heilmethoden. Wien: Verlag von J. G. Heubner 1839.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 49144]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8555951&pos=3&phys=#

In den ersten Monaten der Revolution veröffentlichte er eine Reihe von Schriften und Flugblättern. Bereits am 27. März 1848 publizierte er im Verlag Klopf und Eurich die Druckschrift „Beiträge und Gedanken über eine Reform in Österreich“, die auf sein bereits zehn Jahre zuvor fertiggestelltes jedoch ungedruckt gebliebenes Manuskript aufbaute und worin er neben einer Staatsreform auch für eine Demokratisierung des Schul- und Wissenschaftssystems und für ein Zurückdrängung des religiösen Einflusses der Kirche plädierte. Am 4. April 1848 erschien von ihm die bei Franz Edlen von Schmid gedruckte Flugschrift „Für Juden-Emancipation“, in der er die vollständige Gleichberechtigung der jüdischen Mitbürger forderte. Am 13. April 1848 folgten die von ihm verfassten Blätter „Zu spät! Ein ernstes Wort zu seiner Zeit“ (Wien Schaumburg & Comp. 1848), wo er wiederum Vorschläge für eine weitgehende Reform des Österreichischen Staatswesens unterbreitete. Ebenfalls im selben Jahr erschien von ihm bei Sallmayer in Wien die Schrift: „Die Regierungsformen aller Staaten. Zur leichteren Beurtheilung unserer Verfassungs-Urkunde“.

Comfort, der neben seinem schriftstellerischen Wirken überaus aktiv an den Vorgängen der Revolution teilnahm, wurde – im 37. Lebensjahr stehend – während der am 6. Oktober 1848 stattgefundenen weitläufigen Straßenkämpfe zwischen den kaiserlichen Truppen und der aufständischen Bevölkerung in Wien in der Inneren Stadt durch eine Stichwunde tödlich verletzt. Er verstarb im Allgemeinen Krankenhaus Wien.[3]

Quellen:

Archiv der Universität Wien, Med. Fak., Dekanat, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Nr. 170 – Rigorosenprotokoll (1821-1871) und Nr. 175 – Promotionsprotokoll (1818-1840).

Österreichische Vierteljahreszeitschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde. Herausgegeben von den Mitgliedern des Wiener k.k. Thierarznei-Institutes, Bd. 47, Wien 1877.

Fischer, Isidor: Wiens Mediziner und die Freiheitsbewegung des Jahres 1848. (= Wiener medizingeschichtliche Beiträge 1) Wien: 1935.

[1] Archiv der Universität Wien, Med. Fak., Dekanat, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Nr. 170 – Rigorosenprotokoll (1821-1871) und Nr. 175 – Promotionsprotokoll (1818-1840).

[2] Österreichische Vierteljahreszeitschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde. Herausgegeben von den Mitgliedern des Wiener k.k. Thierarznei-Institutes, Bd. 47, Wien 1877, S. 123.

[3] Verzeichnis der Todten und Blessierten am 6. und 7. October 1848, in: Dunder W.G., Denkschrift über die Wiener October-Revolution: Ausführliche Darstellung aller Ereignisse […], Wien 1849. Wiener Zeitung, 3.12.1848, S. 7.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [76]: Zum 50. Todestag von: Jellinek, Stefan: Elektropathologie. Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom in klinischer und forensischer Darstellung. 1903.

Zum 50. Todestag von: Jellinek, Stefan: Elektropathologie. Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom in klinischer und forensischer Darstellung. Mit 72 Abbildungen und 4 chromolithographischen Tafeln. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3194]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1     Stefan Jellinek: https://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/76/83/7ed133fef0111ef2d0e388b6f004.jpg

Gallery: https://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0010294.html

Wellcome Collection gallery (2018-04-01): https://wellcomecollection.org/works/zwb48zet

Stefan Jellinek (*29.05.1871 Prerau/heute: Přerov, Tschechische Republik, gest. 02.09.1968 Edinburgh), dessen Todestag sich am 2. September 2018 zum 50. Mal jährte, war ein österreichisch-britischer Mediziner, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 aus Österreich vertrieben wurde. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Jellinek begann zu Beginn der 1890er Jahre mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er 1898 mit seiner Promotion abschloss. Er wandte sich zunächst der Inneren Medizin zu und arbeitete an der III. Medizinischen Klinik bei Leopold von Schrötter (1837-1908). Von 1903 bis 1908 war er Assistent am Wiedner Krankenhaus.

Abb. 2     Titelblatt: Jellinek: Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom […]. Stuttgart: 1903. Mit einer handschriftlichen Widmung von Stefan Jellinek an Hermann Nothnagel (1841-1905).

Bereits 1898 begann Stefan Jellinek mit seinen elektropathologischen Studien. „Im September 1898 fing er an, bei achtzig Wiener Elektrizitätsarbeitern und auch bei sich selbst die Faktoren der Stromeinwirkung und Stromanwendung zu studieren. Systematisch und planmäßig. Und ebenso systematisch und planmäßig begann er gleichzeitig alles Material zu sammeln, das bei elektrischen Unfällen mitspielte.“[1] Seine Forschungen galten besonders den Gefahren der Elektrizität für den Menschen. Neben der Untersuchung der Unfallsituation – dabei untersuchte er auch Menschen, die vom Blitz getroffen wurden – beschäftigte er sich mit der Histopathologie des elektrischen Traumas. Jellinek veröffentlichte eine Theorie vom elektrischen Scheintod, nach der er – im Gegensatz zur damals weit verbreiteten Meinung – Reanimationsversuche nach Elektronunfällen empfahl. Nach Jellinek sollen Wiederbelebungsversuche erst beim Einsetzen von Totenflecken aufgegeben werden, bis dahin können sie zum Erfolg führen.

Abb. 3     Jellinek: Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom […]. Stuttgart: 1903. S. 123.

„Gemeinsam mit dem Dermatologen Gustav Riehl [(1855-1943), Anm.] und dem Chirurgen Anton von Eiselsberg [(1860-1939), Anm.] war er am Allgemeinen Wiener Krankhaus maßgeblich an der praktischen Behandlung von Patienten nach Stromunfällen beteiligt; mit Alexander Kolisko [(1857-1918), Anm.] untersuchte er die histologischen Veränderungen in den Organen nach der Elektrizitätseinwirkung.“[2] Stefan Jellinek habilitierte sich 1908 auf dem Gebiet der Inneren Medizin mit Schwerpunkt Elektropathologie an der Universität Wien. Nachdem die Universität Wien einen eigenen Lehrstuhl für Elektropathologie eingerichtet hatte – den ersten weltweit – wurde er 1928 zum a.o. Professor und 1929 zum Ordinarius für Elektropathologie der Universität Wien und der Technischen Hochschule (heute Technische Universität Wien) ernannt.

1909 gründete er das Elektropathologische Museum, in welchem Präparate von Elektrounfällen gesammelt wurden, um die Forschungen zu Unfallverhütung und Heilung von Folgeschäden voranzutreiben. Das Museum wurde 1936 in die Universität Wien eingegliedert. 2002 kam die Sammlung in den Besitz des Technischen Museums in Wien. Teile der Sammlung können dort besichtigt werden, der Rest ist in den Pathologisch-Anatomischen Sammlungen im Narrentrum untergebracht. Stefan Jellinek musste nach dem „Anschluss“ 1938 aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus Österreich fliehen. Er flüchtete nach Großbritannien, wo er bis 1948 am Queen’s College in Oxford unterrichtete. Er blieb nach dem Zweiten Weltkrieg in Großbritannien, kehrte aber immer wieder als Gastprofessor nach Wien zurück. Er starb am 2. September 1968 in Edinburgh.

Neben zahlreichen anderen Schriften Jellineks besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin eine Ausgabe seines 1931 erschienen Werks „Elektroschutz in 132 Bildern“, das vor allem durch seine moderne graphische Umsetzung unter Mitarbeit der Wiener Graphiker Franz Danilowitz, Franz Roubal (1889-1967), Eduard Stella (1884-1955), Franz Wacik (1883-1938) und Hubert Lingner (Einbandgestaltung) besticht:

Jellinek, Stefan: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien, Leipzig: Deutscher Verlag für Jugend und Volk Gesellschaft M.B.H. 1931.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: I46628]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

Abb. 4     Umschlag: Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931.

Abb. 5     Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931. S. 24.

Abb. 6     Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931. S. 72.

Abb. 7     Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931. S. 129.

Quellen:

Jellinek, Stefan. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 309.

Brücke, Franz Theodor: Der elektrische Unfall. In memoriam Professor Dr. Stefan Jellinek. Sonderabdruck aus: Österreichische Ärztezeitung. (23/20) 1968. Wien: Österreichische Ärztekammer 1968.

Lesky, Erna: Professor Jelineks elektropathologisches Museum. In: Ciba Symposium. (9/5) 1961. S. 248-252.

[1] Lesky, Erna: Professor Jelineks elektropathologisches Museum. In: Ciba Symposium. (9/5) 1961. S. 248-249.

[2] Jellinek, Stefan. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 309.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [71]: Restitutionsfall: Stefan Auspitz von Artenegg

Restitutionsfall: Stefan Auspitz von Artenegg

Text: Dr. Walter Mentzel

Im April 2018 führte die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien die Restitution im Fall „Stefan Auspitz“ an dessen Erbberechtigten/RechtsnachfolgInnen durch, nachdem am Standort Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin drei Bücher aus der ehemaligen Privatbibliothek von Stefan Auspitz als entzogenes Raubgut identifiziert werden konnte. Bei den nunmehr restituierten Büchern handelt es sich um:

Rosenberger, Eugenie: Felix Du Bois-Reymond 1782-1865. Berlin: Mayer & Jensen 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 18066]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8634046&pos=0&phys=

Helmholtz, Hermann von.: Vorlesungen über die elektromagnetische Theorie des Lichts. Hrsg. von Arthur König und Carl Runge. Bd. 5. Hamburg, Leipzig: Voss 1897.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 18072/5]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8583915&pos=1&phys=

Francé, Raoul Heinrich: Der heutige Stand der Darwin’schen Fragen. Eine Wertung der neuen Tatsachen und Anschauungen. 2. umgearbeitete Auflage. Leipzig: Thomas 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 10377]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8570024&pos=0&phys=

Alle drei als geraubt identifizierten Bücher tragen als Provenienzmerkmal den handschriftlichen Vermerk: „Stefan Auspitz“, die mit jener von Stefan Auspitz 1938 abgegebenen Unterschrift unter seine Vermögensanmeldung bei der im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit eingerichteten Vermögensverkehrsstellem übereinstimmt.

Abb. 1.   Handschriftlicher Vermerk: „Stefan Auspitz“

Die drei an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin eruierten Bücher aus der Privatbibliothek Stefan Auspitz wurden laut handschriftlichen Eintragungen vom ehemaligen Institut für Geschichte der Medizin am 13. und 26. April sowie am 19. November 1948 vom Wiener Antiquariat Alfred Wolf, einem im NS-Bücherraub aktiv involvierten Unternehmen, käuflich erworben. Die Bücher dürften entweder aus dem Warenlagerbestand der „Möbelverwertungsstelle“ der Vugesta – einer mit der Gestapo kooperierenden Organisation, die in der Speditionsbranche angesiedelt war und eine zentrale Rolle bei der Beschlagnahmung, Entziehung und Verwertung von Mobilien einnahm – oder direkt im Zuge der von Stefan Auspitz getätigten Notverkäufe in das Warenlager dieses Antiquariates einverleibt worden sein.

Stefan Auspitz (von Artenegg) wurde am 11. Oktober 1869 in Wien als Sohn von Carl Auspitz (*4.11.1824 Wien, gest. 18.8.1914 Gastein) und Mathilde Auspitz (*1.2.1883 Wien, gest. 13.12.1910 Wien), geborene Porges, geboren. Auspitz stammte aus einer großbürgerlichen jüdischen Familie und war an dem von seinem Großvater Samuel Auspitz (*12.3.1795 Bzenec/Hodonin/Mähren, gest. 30.6.1867 Baden bei Wien) gegründeten Bankhaus „Auspitz Lieben & Co“ beteiligt und stand dieser ab 1906 – nach dem Tode seines Onkels, Rudolf Auspitz – vor. Nachdem das Bankhaus infolge der Weltwirtschafts- und Finanzkrise 1931 Konkurs anmelden musste und einen Ausgleich anstrebte, haftete Auspitz mit seinem gesamten Privatvermögen für die Bank.

Auspitz hatte seine Privatbibliothek bereits im Jahr 1934 an den Schweizer Industriellen Dr. Harald Paul Reininghaus (*1898, gest. 1972) übertragen, der mit der Nichte von Auspitz, Lilian Auspitz (*20.7.1904 Wien, gest. 1978), der Tochter des Bruders von Stefan Auspitz, Theodor Auspitz (*16.3.1861 Wien, gest. 27.7.1939), verheiratet war. Die Bibliothek verblieb jedoch weiterhin in der Privatwohnung von Stefan Auspitz in Wien I, Schwarzenbergstraße 3.

Stefan Auspitz kam im November 1940 wegen des Besuches einer Parkanlage und Unterlassung seiner Kennzeichnungspflicht als „Jude“ in eine zehntägige-Gestapohaft und wurde am 9. Oktober 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Wenige Tage nach seiner Deportation erfolgte die Beschlagnahmung und vollständige Plünderung sämtlicher Einrichtungsgegenstände der Wohnung von Stefan Auspitz durch die Gestapo. Die Bücher aus der Bibliothek kamen daraufhin in die zentrale „Möbelverwertungsstelle von jüdischen Umzugsgut“, eine von der Gestapo eingerichteten Nebenstelle der Vugesta, die die Räumung der Wohnungen deportierter Juden und Jüdinnen in Wien durchführte.

Stefan Auspitz heiratete am 29. November 1944 im KZ Theresienstadt die Witwe Josefine Weisz, geborene Fasal, (*3.10.1875 Troppau/Österreichisch-Schlesien). Beide überlebten den Holocaust durch die Befreiung der Roten Armee im Mai 1945 und kehrten nach Wien zurück. Er verstarb am 17. Dezember 1945 in Wien an den Folgen der KZ-Haft.

Quellen:

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., VA., Zl. 11.686, Stefan Auspitz.

ÖStA, AdR, E-uReang. FLD, Zl. 27.093, Stefan Auspitz.

ÖStA, AdR, E-uReang Hilfsfonds Sammelstellen A und B/Sammler A/B/Liegenschaften u.a./Verkauf SSt. .Zl. 6.020 Auspitz Stefan.

WStLA, VEAV, Wien, Zl. 1306, Zl. 1181, Bezirk: 1.

Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaustopfer, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien.

Yad Vashem/Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer.

Friedhofsdatenbank der IKG Wien.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [67]: Bosnien: Leopold Glück – Leiter des Landesspitals in Sarajewo und Autor des Werkes: Skizzen aus der Volksmedicin und dem medicinischen Aberglauben in Bosnien und der Hercegovina. 1894

Bosnien: Leopold Glück – Leiter des Landesspitals in Sarajewo und Autor des Werkes: Skizzen aus der Volksmedicin und dem medicinischen Aberglauben in Bosnien und der Hercegovina. Wien: In Commission bei Carl Gerold’s Sohn 1894.

Text: Walter Mentzel

Leopold Glück (1854-1907) war vor dem Ersten Weltkrieg ein international angesehener Dermatologe und Lepraforscher, Gründer des Zentrums für die Behandlung von Lepra und Leiter des Landeskrankenhauses in Sarajevo. Darüber hinaus arbeitete er in Bosnien-Herzegowina auf dem Gebiet der Ethnologie, der Anthropologie und der vergleichenden Philologie.

Leopold (Littmann) Glück wurde 1854 in Neu Sandec (heute: Nowy Sącz/Polen) in Galizien geboren, war jüdischer Herkunft und seit 1880 mit Paulina Glück (geb. 1859, gest. nach 1941), geborene Fink, verheiratet. 1873 begann er mit dem Studium der Medizin an der Universität in Krakau (Promotion 1879) und setzte danach an der Medizinischen Fakultät in Wien seine Ausbildung bei Ferdinand von Hebra (1816-1880) im Fach Dermatologie fort. 1881 eröffnete er zunächst eine ärztliche Praxis, die er jedoch bald aufgab, um seine Karriere als Dermatologe in Bosnien-Herzegowina, das seit 1878 unter österreichischer Verwaltung stand, fortzusetzen. In den ersten zwei Jahren arbeitete er in Prnjavor, danach als Distriktarzt in Foca (um 1884), Travnik und Zenica (um 1890). Im April und Mai 1884 veröffentlichte er in der Wiener medicinischen Presse (Nr. 172 und 173) zwei Arbeiten Über die Sanitäts-Verhältnisse unseres „Occupations-Gebietes“, insbebsondere über einige daselbst beobachtete Infections-Krankheiten und 1889 Über das Alter, den Ursprung und die Benennung der Syphilis in Bosnien und der Hercegovna. In: Archiv für Dermatologie und Syphilis. (21) 1889. S. 347-348.

1894 wurde er an das am 3. Juli desselben Jahres eröffnete Landespital in Sarajewo berufen, wo er zunächst als Primarius den Abteilungen für Dermatologie und Syphilis vorstand,[1]und danach bis zu seinem Tode 1907 die Leitung des größten Krankenhauses in Bosnien inne hatte. Auf seine Initiative gingen auch die hier eingerichtete Abteilung und das Heim für Leprakranke zurück. Daneben widmete er sich als Landessanitätsrat dem Aufbau und der Organisation der medizinischen Verwaltung in Bosnien-Herzegowina. Er publizierte zahlreiche medizinisch-wissenschaftliche Arbeiten in in- und ausländischen Zeitschriften. Neben Publikationen in bosnischen Zeitschriften erschienen zahlreiche seiner Arbeiten in der Wiener Medizinischen Wochenschrift – darunter:

  • Über die Bedeutung des Guberwassers in der Therapie der Hautkrankheiten. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (50/40) 1900. Sp. 1880-1883.
  • Zur Differentialdiagnose zwischen Lepra nervorum und Syringomyelie. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (48/25) 1898. Sp. 1214-1218.
  • Über den leprösen Initialaffect. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (51/29) 1901. Sp. 1377-1380.
  • Über das sogenannte Profeta’sche Gesetz.In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (52/9) 1902. Sp. 406-410.
  • Zur Kenntnis der Verbreitungsweise der Lepra. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (53/38) 1903. Sp. 1765-1771.
  • Zur Kenntnis der Verbreitungsweise der Lepra (Fortsetzung). In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (53/39) 1903. Sp. 1831-1835.
  • Zur Charakteristik der erworbenen recenten Syphilis der Kinder. In: Wiener Medizinischen Wochenschrift. (55/43) 1905. Sp. 2061-2067.
  • Die Behandlung der Larynxsyphilis mit hochdosierten intramuskulären Sublimatinjektionen. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (47/1) 1897. Sp. 7-10.
  • Tabes dorsalis und Syphilis. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (46/7) 1896. Sp. 251-255.

Weitere Arbeiten als Wissenschafter und Arzt am Landeskrankenhaus in Sarajevo finden sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien und zwar:

Glück, Leopold: Mitteilungen aus der Abtheilung für Syphilis- und Hautkranke des Bosnisch-Hercegovinischen Landesspitales in Sarajevo (1. Juli 1894-31. December 1896). Wien: Safar 1898.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: I1939]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8575500#

Glück, Leopold: Über die Behandlung der Syphilis mit hochdosierten intramasculären Sublimatinjektionen. Sonderabdruck aus: Therapeutische Wochenschrift (41) 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8434289&pos=5&phys=

Glück, Leopold: Ein Beitrag zur Contagienlehre der Syphilis im 16. Jahrhundert. Sonderabdruck aus: Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. (45) 1879.


[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8434290&pos=6&phys=

Ethnologische – Anthropologische Arbeiten

Neben seiner medizinisch-wissenschaftlichen und ärztlichen Tätigkeit beschäftigte er sich in Bosnien-Herzegowina mit anthropologischen und ethnologischen Themen, unternahm archäologische Ausgrabungen und stellte philologische Studien an. In diesem Zusammenhang forschte er zur sogenannten „Volksmedizin“ in Bosnien vor der Okkupation Österreich-Ungarns. 1898 erschien von ihm dazu in Sarajevo, die von der Landesregierung Bosnien und Herzegowina herausgegebene Arbeit: „Medcinische Volksterminologie in Bosnien und der Hercegovina, unter Berücksichtigung der Nachbarländer“, die eine Sammlung medizinischer Benennungen enthält, die er auf seinen Reisen durch Bosnien zusammenstellte.[2] Weitere Publikationen waren:

  • Die Tätowierung der Haut bei Katholiken Bosniens und der Herzegowina. In: Wissenschaftliche Mittheilungen aus Bosnien und der Herzegowina. (2) 1894. S. 400-461.
  • Physische Beschaffenheit der Bevölkerung Bosniens. In: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Bosnien-Hercegowina. Wien: k.k. Hofstaatsdruckerei 1901. S. 284.
  • Albanien und Macedonien. Eine Reiseskizze. Würzburg 1892.
  • Die volksthümliche Behandlung der Syphilis in Bosnien und der Herzegowina. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (40/8) 1890. Sp. 300-303.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&qid=AEO433KFFVO0U54I5S7JLH2UYOEZPC&datum=1890&page=160&size=45

  • weiters: (Fortsetzung). (40/9) 1890. S. 350-353.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&qid=C4ZVQYG2ZLNJRHDXW04QNXJR28ME55&datum=1890&page=185&size=45

Eine seiner bekanntesten Arbeiten veröffentlichte er 1894 unter dem Titel:

Glück, Leopold. Skizzen aus der Volksmedicin und dem medicinischen Aberglauben in Bosnien und der Hercegovina. Sonderabdruck aus: Wissenschaftliche Mittheilungen aus Bosnien und der Hercegovina. Wien: In Commission bei Carl Gerold’s Sohn 1894.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 7644]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8575501

Abb. 1   Titelblatt: Glück, Leopold: Skizzen aus der Volksmedicin […]. Wien: 1894.

1895 wurde Leopold Glück von der Münchner anthropologischen Gesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt.[3] In Sarajewo arbeitete er auch mit dem hier als Sanitätschef des 15. Armeekorps stationierten Anthropologen Augustin Weisbach (1837-1914) zusammen, der seine Ausbildung an der medizinisch-chirurgischen Josephsakademie in Wien erhalten hatte. Weisbach hatte seine Karriere als Assistent beim Pathologen und Anatomen Josef Engel (1816-1899) am Josephinum begonnen und unternahm seit 1891 am Landesmuseum in Sarajevo anthropologische Studien.

Ein Brief (ein Blatt) von Asaf Sarac über Dr. Josef Glück (Sarajevo) adressiert an das ehemalige Institut für Geschichte der Medizin aus dem Jahr 1957 findet sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: Abschr. 803]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8636951&pos=0&phys=#

Eine frühe Darstellung zu Leopold Glück stammt vom Dermatologen Dr. Josip Fleger (1896-1966): Leopold Glück. In: Lijecnicki Vjesnik. (4) 1931. S. 419-429. Hier findet sich auch eine Publikationsliste der von Glück in bosnischen Zeitschriften verfassten Aufsätze und Artikel.

( https://library.foi.hr/m8/S01101/1931/1931_00004.pdf )

Leopold Glück verstarb am 9. Oktober 1907 in Sarajewo und hinterließ neben seiner Ehefrau zwei Söhne: Aleksander Glück (1884-1925), der nach dem Studium an der Medizinischen Fakultät in Wien wie sein Vater als Dermatologe und Venerologe arbeitete und nach beruflichen Stationen in Krakau und Wien in Sarajevo die Forschungen seines Vaters zur Syphilis fortsetzte. Sein zweiter Sohn, Władysław Glück (1886-1942), studierte in Wien Rechtswissenschaften und lebte ab 1919 in Polen, wo er sich für die polnisch-jugoslawischen Beziehungen engagierte und jugoslawische Literatur ins Polnische übersetzte.

[1] Welt-Neuigkeits-Blatt, 13.7.1894, S. 2.

[2] Agramer Zeitung, 2.5.1898, S. 5.

[3] Agramer-Zeitung, 15.2.1895, S. 6.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [65]: Barach, Adam: Die brom- und jodhaltigen alkalinischen Heilquellen und das Eisen- und Kohlenwasserstoffgas-Wasser zu Iwonicz im Königreich Galizien, mit besonderer Berücksichtigung der Heilkräfte…therapeutisch dargestellt. Lemberg. 1842.

Barach, Adam: Die brom- und jodhaltigen alkalinischen Heilquellen und das Eisen- und Kohlenwasserstoffgas-Wasser zu Iwonicz im Königreich Galizien, mit besonderer Berücksichtigung der Heilkräfte der einzelnen Bestandtheile der jod- und bromhaltigen Mineralwässer und der Wirkungen dieser Heilquellen im Allgemeinen, historisch topographisch, naturhistorisch und therapeutisch dargestellt. Lemberg, Stanislawów und Tarnow: In Commission bei Joh. Millikowski 1842.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 47444]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8540681&pos=0&phys=#

Text: Dr. Walter Mentzel

Adam (Ascher) Barach (*10.03.1803 Lemberg/Galizien, gest. 03.04.1867 Lemberg/Galizien) war praktischer Arzt, Spitalsleiter und Schriftsteller, mit Nanette Nina Mina Barach (*etwa 1813, gest. 27.06.1883 Wien) verheiratet und jüdischer Herkunft. Mit seiner Ehefrau hatte er die beiden Söhne Dr. Sigmund Barach (1834-1885), Professor der Philosophie und Professor für Ästhetik an der Universität Wien und Innsbruck,[1] Eugen Barach (*09.09.1836 Lemberg) sowie eine Tochter, Emilie Eywodzoff, geborene Barach. Sein Bruder Moritz Barach-Märzroth (1818-1888) war ein in Wien lebender bekannter Schriftsteller, Journalist und Herausgeber.

Neben seinen Arztberuf, den er in Lemberg ausübte, war er auch langjähriger Gemeinderat und ab 1839 im Gemeindevorstand von Lemberg tätig, wo er sich unter anderem für den Ausbau des Schul- und Bildungswesens und der Errichtung von sozialen Einrichtungen wie Waisenhäusern einsetzte. Ein weiteres Betätigungsfeld für sein Engagement fand er in der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg.[2] Im September 1847 nahm er den Doppelnamen Barach-Rappaport, den Nachnamen seines ebenfalls in Lemberg lebenden Schwiegervaters und Arztes, Dr. Jacob Rappaport (1775-1855), an.[3]

Barach studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte im Semester 1831/32 zum Doktor der Medizin und der Chirurgie.[4] Nach seiner Rückkehr nach Lemberg arbeitete er als praktischer Arzt sowie als Spitalsarzt. Er galt als sozial engagierter Arzt, der für ein ethisch-humanistisches Berufsbild der Ärzteschaft warb. In diesem Sinn publizierte er 1847 einen Aufsatz unter dem Titel „Über das Vertrauen des Publikums zum ärztlichen Stande“[5]. Bekannt wurde er auch als Schriftsteller belletristischer Publikationen, die er u.a. unter dem Pseudonym „Blau“ veröffentlichte sowie als Autor in Zeitungen wie der „Wiener allgemeinen Theaterzeitung“.[6]

In den 1840er Jahren wandte er sich der Balneologie zu. 1842 veröffentlichte er seine Studie zu den Heilquellen in Iwonicz (heute: Iwonicz-Zdrój/Polen: deutsch Iwonitz-Bad), einer an den nördlichen Abgängen der Karpaten im Kreis Sanok liegende zirka 1.500 Einwohner zählende Ortschaft, die seit dem Bestand des Kurbades im Jahr 1838 zunehmend frequentiert wurde und durch die Erweiterung der Infrastruktur und der Errichtung weiterer Badeanstalten expandierte. Barach wurde zu dieser Studie vom Gubernialrat, Landespromedikus in Galizien, Direktor der medizinisch-chirurgischen Lehranstalt in Lemberg und korrespondierendem Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, Dr. Carl Ignaz Stransky, bewogen,[7] und erhielt dafür schon 1843 von Kaiser Franz Joseph (1830-1916) die goldene „Gelehrten-Medaille“ als Auszeichnung.[8] Damit schuf Barach die wissenschaftliche Grundlage zur Aufwertung der Heilquelle und des Kurortes, der nunmehr eine größere Publizität und einen europaweiten Bekanntheitsgrad erhielt.[9] Die Arbeit Barachs enthält einen historisch-topografischen und landeskundlichen Einleitungsteil, in dem er potentielle Kurgäste anzusprechen versuchte, während der Hauptteil die Ergebnisse der durchgeführten physikalisch-chemischen Untersuchungen der Quelle, der darin enthaltenen mineralischen Bestandteile, und die zu erzielenden therapeutischen Wirkungen, behandelt.

Abb. 1    Titelblatt: Barach: Die brom- und jodhaltigen alkalischen Heilquellen […]. Lemberg […]: 1842.

Eine weitere balneologische Arbeit verfasste er 1846 unter dem Titel: „Bemerkungen über einige in Heilung der Krankheiten durch Kaltwassergebrauch zu Gräfenberg fördernde Heilpotenzen, als Beitrag zur näheren Kenntnis und Würdigung der Kaltwasserheilanstalt zu Gräfenberg Nach eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Gebhardt und Reisland: Lemberg 1846.[10]

Aufgrund seines wissenschaftlichen Schaffens wurde er 1855 als Mitglied in das Wiener Doctoren-Collegium der Medizinischen Fakultät der Universität Wien aufgenommen.[11] Weiters war er Mitglied der Gesellschaft der Ärzte und Naturforscher zu Jassy.[12]

Adam Barach-Rappaport verstarb am 3. April 1867 in Lemberg an Typhus.

[1] Die Presse, 30.6.1883, S. 1.

[2] Allgemeine Zeitung des Judenthums. Ein unparteiisches Organ für alle jüdischen Interessen, 26.12.1853, S. 673; Allgemeine Zeitung des Judenthums. Ein unparteiisches Organ für alle jüdischen Interessen, 12.6.1843, S. 353; Lemberger Zeitung, 9.6.1842, S. 3.

[3] Wiener Zeitung, 25.9.1847, S. 416; Neues-Fremden-Blatt, 7.4.1867, S. 4.

[4] Medicinische Jahrbücher des k.k. österreichischen Staates. Hrsg. von Dr. A. J. Freyherrn von Stifft, redigiert von Dr. Joh. Nep. Edlen von Raimann. Carl Gerold: Wien 1833, Bd. 13, S. 324.

[5] Der Humorist, 2.2.1847, S. 106-108.

[6] Neues-Fremden-Blatt, 7.4.1867, S. 4; Wiener Zeitung, 4.10.1845, S. 7. Got Jerzy, Das österreichische Theater in Lemberg im 18. und 19. Jahrhundert. Aus dem Theaterleben der Vielvölkermonarchie, (= Theatergeschichte Österreichs 10/4), Wien 1997, S. 479.

[7] Schematismus der Königreiche Galizien und Lodomerien. Für das Jahr 1843, Lemberg 1843, S. 28.

[8] Wiener Zeitung, 1.3.1843, S. 1; Sonntagsblätter, 5.3.1843, S. 239.

[9] Wiener Medizinische Wochenschrift, 1.10.1859, S. 651-654.

[10] Carl Christian Schmidt’s Jahrbücher der in- und ausländischen Gesamten Medicin. Redigiert von Alexander Goeschen. Otto Wigand: Leipzig 1847, Bd. 55, S. 375.

[11] Wiener Medizinische Wochenschrift, 6.10.1855, S. 646. 20.10.1855, S. 679.

[12] Vierteljahresschrift für die praktische Heilkunde, 4. Teil, 1844, S. 227.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [64]: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber die Behandlung des grauen Staares an der ophthalmologischen Klinik der Josephs-Akademie. Inaugural-Dissertation. Wien. 1844.

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber die Behandlung des grauen Staares an der ophthalmologischen Klinik der Josephs-Akademie. Inaugural-Dissertation. Wien: Gedruckt bei Carl Ueberreuter 1844.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D4917]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

 Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Eduard Jaeger von Jaxtthal. Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-002217-0002

Eduard Jaeger von Jaxtthal (*25.06.1818 Wien, gest. 05.07.1884 Wien), dessen Geburtstag sich am 25. Juni 2018 zum 200sten Mal jährt, stammte aus einer Wiener Ophthalmologendynastie. Sein Großvater mütterlicherseits war Georg Josef Beer (1763-1821) – der Begründer der weltweit ersten Universitäts-Augenklinik, die 1812 in Wien eröffnet wurde. Sein Vater war der bekannte Wiener Ophthalmologe Friedrich Jäger von Jaxtthal (1784-1871). Eduard Jaeger von Jaxtthal studierte an der medizinisch-chirurgischen Josefs-Akademie, an der sein Vater seit 1825 Professor für Ophthalmologie war, Medizin und promovierte hier 1844 mit einer augenheilkundlichen Schrift: „Ueber die Behandlung des grauen Staares an der ophthalmologischen Klinik der Josephs-Akademie.“

Abb. 2    Titelblatt: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber die Behandlung des grauen Stares […]. Wien: 1844.

Schon seit 1841 hatte sich Eduard Jaeger von Jaxtthal an der Privatklinik seines Vaters mit Staroperationen beschäftigt und sich wegen seiner manuellen Geschicklichkeit frühzeitig großes Ansehen als Kataraktchirurg erworben. 1853 habilitierte er sich an der Universität Wien im Fach Augenheilkunde. Seine Habilitationsschrift erschien 1854 als Buch, das seinem Freund, dem berühmten Berliner Ophthalmologen Albrecht von Graefe, gewidmet ist:

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber Staar und Staaroperationen nebst anderen Beobachtungen und Erfahrungen aus seines Vaters Dr. Friedrich Jaeger, k.k. Professors etc. etc. und aus der eigenen ophthalmologischen Praxis. Mit 10 lithographierten Tafeln. Wien: Verlag von L. W. Seidel 1854.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 28969]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8590305&pos=0&phys=#

„Darin beschrieb Jaeger als von ihm selbst konstruiertes neues Instrument einen Ophthalmostat zur sicheren Fixierung des Auges durch zwei kleine zusammengefügte Pinzetten beim Sehnenschnitt. Weiters gab er eine Augenpinzette an, die mit einem verschiebbaren Röhrchen zum Entfernen dünnhäutiger, zäher Starmassen verbunden war. Hervorzuheben ist seine technischen Modifizierung des nur drei Jahre zuvor von Hermann von Helmholtz (1821-1894) erfundenen Augenspiegels, wodurch Jaeger die praktikablere Untersuchung des Augenhintergrundes im aufrechten Bild ermöglichte.“[1]

Abb. 3    Tafel II [Augenspiegel]: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ueber Staar und Staaroperationen […]. Wien: 1854.

Weiters waren in diesem Werk erstmals Jaegers Schrift-Skalen, bestehend aus 20 Leseproben mit normiert ansteigender Schriftgröße als Anhang beigefügt, die noch heute zur Prüfung der Sehschärfe verwendet werden. Ebenfalls 1855 veröffentlichte er die „Beiträge zur Pathologie des Auges“, die 1870 nochmals aufgelegt wurden. „Mit minuziöser Genauigkeit beschrieb er darin seine neuen Entdeckungen und bildete sie in einer natürlichen Schönheit ab, die im 19. Jahrhundert nicht mehr erreicht wurde: die atrophische Aushöhlung des Sehnerven, dessen bläuliche Färbung, die Doppelrandigkeit der Nervenfasern, die abnorme Verteilung der Netzhautgefäße, die Veränderungen bei Diabetes mellitus u.s.w.“[2]

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Beiträge zur Pathologie des Auges. Mit Abbildungen im Farbendruck. Wien: Aus der Kaiserlich-Königlichen Hof- und Staatsdruckerei 1855.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: I45626]

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Abb. 4    Tafel II: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Beiträge zur Pathologie des Auges […]. Wien: 1855.

Abb. 5    Tafel VI: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Beiträge zur Pathologie des Auges […]. Wien: 1855.

Eduard Jaeger von Jaxtthal wurde 1856 zum außerordentlichen Professor an der Universität Wien ernannt und erhielt im Jahr 1857 eine eigene Augenabteilung im Allgemeinen Krankenhaus. 1869 stellte er sein monumentales Hauptwerk fertig:

Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ophthalmologischer Hand-Atlas. Wien: Druck und Verlag der K.K. Hof- und Staatsdruckerei 1869.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Reuter Bibliothek, Sign.: RB-905]

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Welcher Aufwand für die Darstellungen dabei betrieben wurde erläutert der Autor selbst im Vorwort: „Mit welcher Genauigkeit ich bei der Herstellung der Bilder vorging, ist allein schon aus dem zu entnehmen, dass ich in jedem einzelnen Falle zuerst eine Entwurf vom aufrechten und vom umgekehrten Spiegelbilde aus führte, um durch sich ergebende Differenzen auf einzelne Fehler aufmerksam zu werden, sowie dass ich grossentheils allein zur Anfertigung der dem Bilde zu Grunde gelegten Handzeichnung (d. i. zum Abzeichnen des Objectes, nicht zur Ausführung des Bildes) 20 bis 30, selbst 40 bis 50 und mehr Sitzungen zu 2 bis 3 Stunden und darüber für jeden einzelnen Fall benöthigte.“[3]

Abb. 6    Tafel XXIV: Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ophthalmologischer Hand-Atlas. Wien: 1869.

Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Eduard Jaeger von Jaxtthal 1883, als er erster Ordinarius und Vorstand der neugeschaffenen zweiten Universitäts-Augenklinik wurde. Er stand dieser Klinik allerdings nur etwas mehr als ein Jahr vor. Eduard Jaeger von Jaxtthal starb am 5. Juli 1884 nach langer, schwerer Krankheit.

Quellen:

Schmidt-Wyklicky, Gabriela und Helmut Gröger: Die Gründung der II. Universitätsaugenklinik in Wien 1883 und ihr erster Vorstand Eduard Jaeger von Jaxtthal 1883-1884. In: Spektrum der Augenheilkunde (26/2012). S. 296-302.

Runge, Paul E.: Eduard Jaeger’s test-types (Schrift-Scalen) and the historical development of vision tests. O.O.: [Selbstverlag] [2000].

Sablik, Karl: Eduard Jaeger von Jaxtthal (1818-1884). In: Arzt, Presse, Medizin (52) 1978. S. 6-8.

[1] Schmidt-Wyklicky, Gabriela und Helmut Gröger: Die Gründung der II. Universitätsaugenklinik in Wien 1883 und ihr erster Vorstand Eduard Jaeger von Jaxtthal 1883-1884. In: Spektrum der Augenheilkunde (26/2012). S. 297.

[2] Sablik, Karl: Eduard Jaeger von Jaxtthal (1818-1884). In: Arzt, Presse, Medizin (52) 1978. S. 7.

[3] Jaeger, Eduard von Jaxtthal: Ophthalmologischer Hand-Atlas. Wien: Druck und Verlag der K.K. Hof- und Staatsdruckerei 1869. S. V.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [63]: Jäger von Jaxtthal, Friedrich: Dissertatio de Keratonyxidis usu…et Chirurgiae Kirchbergensis. In Theses adnexas disputabitur in Universitatis aedibus die 24. Mensis Decembris 1812. Wien: Typis Antonii de Haykul 1812.

Jäger von Jaxtthal, Friedrich: Dissertatio de Keratonyxidis usu quam annuentibus Illustrissimo ac Magnifico Domino Praeside et Directore, ac Clarissimis D.D. Professoribus, pro facultate praxeos medicae in ditionibus austriacis exercendae, rite obitenda in Antiquissima ac Celeberrima Universitate Vindobonensi, disquisitioni publicae submittit Medic. et Chirurgiae Kirchbergensis. In Theses adnexas disputabitur in Universitatis aedibus die 24. Mensis Decembris 1812. Wien: Typis Antonii de Haykul 1812.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D2876]

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 Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Friedrich Jäger von Jaxtthal. Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-002216-0002

Friedrich Jäger von Jaxtthal (*04.19.1784 Kirchberg an der Jagst/Fürstentum Hohenlohe [heute: Baden-Württemberg], gest. 06.12.1871 Wien) stammte aus einer mehrere Generationen umspannendenden württembergischen Ärzte- und Naturforscherfamilie. Sein Vater, Christoph Friedrich Jäger (1735-1802) war der Leibchirurg des Fürsten Karl Eugen von Württemberg (1728-1793). Schon als Knabe fungierte Friedrich als Gehilfe seines Vaters. Er studierte von 1803-1805 Medizin in Würzburg, danach in Wien an der k.k. Militärärztlichen Akademie im Josephium und zuletzt in Landshut, wo er 1808 zum Doktor der Medizin und Chirurgie promoviert wurde. Noch im gleichen Jahr kehrte er nach Wien zurück, und diente 1809 im Krieg gegen Napoleon (1769-1821) als Militär-Oberarzt in Niederösterreich und Ungarn. 1812 promovierte er ein zweites Mal mit der Schrift „Dissertatio de Keratonyxidis […]“an der Universität Wien.

Abb. 2    Titelblatt: Jäger: Dissertatio de Keratonyxidis […]. Wien: 1812.

In Wien wurde er Assistent des Ophthalmologen Georg Josef Beer (1763-1821) an dessen 1812 gegründeten weltweit Ersten Universitäts-Augenklinik, die 2018 ihr 200-jähriges Jubiläum zur Erhebung zum Ordinariat (1818) feiert. Friedrich Jäger von Jaxtthal heiratete 1815 Beers Tochter Therese. 1817 wurde er Leibarzt des Fürsten Klemens Wenzel Nepomuk Lothar von Metternich (1773-1859), den er von da an bei zahlreichen Reisen begleitete. Nach dem Tod des Schwiegervaters leitete er zwar einige Zeit die Erste Universitäts-Augenklinik interimistisch, jedoch wurde nicht er, sondern ein anderer Schüler Beers, Anton von Rosas (1791-1855), zu dessen Nachfolger bestimmt. Friedrich Jäger von Jaxtthal wurde 1825 zum Professor für Ophthalmologie an der k.k. Militärärztlichen Akademie im Josephium berufen. Diese Stelle bekleidete er bis 1848. Danach widmete er sich ausschließlich seiner Privatpraxis. 1839 hatte er Anteil an der Gründung und personellen Ausstattung der medizinischen Schule des Sultans Mahmud II. (1785-1839) in Galata Serail.

Auf den hervorragenden Operateur Friedrich Jäger von Jaxtthal – der 1859 in den Adelsstand erhoben wurde – „geht der Linearschnitt zur Ausziehung von partiellen, geschrumpften und häutigen Staren zurück; er führte eine neue Ektropium-Operation ein und eine Trichiasis-Operation ohne Knorpelverletzung. Verdienstvoll sind auch seine Verfahren der künstlichen Pupillenbildung durch Iridektomie sowie durch Abtragung der Iris vom Ciliarligament und die Vervollkommnung der Diszissionstechnik. Er erdachte mehrere neue Instrumente, ließ die Instrumentenmacher an der Leiche ausbilden und begründete so die W[iene]r okulist[ische] Instrumentenerzeugung.“[1] Seine Leistungen auf diesen Gebieten wurden international anerkannt, und auch seine didaktischen Fähigkeiten waren weithin gefragt. Zu seinen berühmtesten Schülern zählen neben seinem Sohn Eduard Jaeger von Jaxtthal (1818-1884), Julius Sichel (1802-1868), Johannes Traugott Dreyer (1804-1871) und Albrecht von Graefe (1828-1870).

Schriftlich hinterließ der Jaxtthal neben seiner beiden Dissertationen nur sehr wenig – darunter eine auf Befehl der österreichischen Regierung verfasste Abhandlung über Trachom, auch ägyptische Körnerkrankheit genannt – eine bakterielle Entzündung des Auges, die zur Erblindung führen kann:

Jäger von Jaxtthal, Friedrich: Die Egyptische Augen-Entzundung (Ophthalmia egyptica). Zufolge allerhöchsten Auftrags herausgegeben. Wien: Bei I.G. Ritter v. Mösle’s Witwe & Braumüller 1840.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 40363]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

Abb. 3    Titelblatt: Jäger: Die Egyptische Augen-Entzundung […]. Wien: 1840.

Quellen:

Schmidt-Wyklicky, Gabriela und Helmut Gröger: Die Gründung der weltweit ersten Universitäts-Augenklinik in Wien 1812 und ihre Erhebung zum Ordinariat 1818. In: Spektrum der Augenheilkunde (26/2012). S. 273-282.

Jäger von Jaxtthal, Friedrich Ritter, Ophthalmologe, * 4.9. 1784 Kirchberg/Jagst, + 26.12. 1871 Wien. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. 1 A-Q. München: K.G. Saur 2002. S. 305.

Schneider, Maria: Dr. Med. Friedrich Jäger Ritter von Jaxtthal (1784-1871). Augenarzt zu Wien und Leibarzt des Fürsten Metternich. Autobiographie mit Kommentar. (= Medizin & Gesellschaft/Bd. 4). Münster: Lit Verlag 1989.

Jaeger von Jaxthal (Christoph) Friedrich, Ophthalmologe. In: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950. III. Band (Hüb-Knoll). Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965. S. 58.

Jaeger, (Christoph) Friedrich Ritter von Jaxtthal. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Dritter Band Haaf-Lysons. 2. Aufl. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg 1931. S. 406.

[1] Jaeger von Jaxthal (Christoph) Friedrich, Ophthalmologe. In: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950. III. Band (Hüb-Knoll). Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965. S. 58.

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