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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [267]: Engel, Paul – Endokrinologe, Schriftsteller, NS-Verfolgter

Engel, Paul – Endokrinologe, Schriftsteller, NS-Verfolgter

Autor: Walter Mentzel

Published online: 31.01.2024

Keywords: Endokrinologe, Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie, Schriftsteller, NS-Verfolgter, Medizingeschichte, Wien, Uruguay, Kolumbien, Ecuador

Paul Engel wurde als Sohn des aus Libomysl in Böhmen stammenden Landwirtes und späteren Textilfabrikanten Julius Engel (1866-1955) und der aus Pilsen stammenden Klara (1885-?), geborene Rosenfeld, am 7. Juni 1907 in Wien geboren.

Engel studierte seit dem Wintersemester 1926/27 an der Universität Wien Medizin und promovierte am 24. Februar 1933. Während des Studiums trat er dem Sozialistischen Studentenbund bei, sowie kurzfristig der Akademischen Legion des Republikanischen Schutzbundes.

Schon während seines Studiums arbeitete und forschte er schwerpunktmäßig am Institut für Medizinische Chemie und am Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität Wien. An dem unter der Leitung von Professor Otto von Fürth (1867-1938) stehenden Institut für Medizinische Chemie, zu dessen persönlichen Mitarbeiter er rasch aufstieg, erschien von ihm 1931 seine erste Studie „Über die Verwertung der Pentosane im tierischen Organismus“. 1933 kam seine bereits 1930 fertiggestellte Arbeit „Über die Assimilierbarkeit und Toxizität razemischer Milchsäure“ in der Biochemischen Zeitschrift (Bd. 229, H. 4-6) heraus.

Etwa zu selben Zeit führte er auch Forschungsarbeiten am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie, dem S. Canning-Childs-Spital und dem Forschungsinstitut in Wien durch. Bereits 1931 erschien seine Arbeit „Ueber das Auftreten von Menformon im Blute männlicher Hunde nach Radium-Bestrahlung“. Unter der Leitung des am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie lehrenden Professors Fritz Silberstein (1888-1974) verfasste er mit diesem zwischen 1932 und 1933 gemeinsam mit dem S. Canning Childs-Spital und Forschungsinstitut in Wien mehrere Arbeiten unter den Titeln „Über das Auftreten eines Brunststoffes in Blut und Geweben unter pathologischen Verhältnissen“, „Über das Vorkommen einer östrogenen Substanz in der Epiphyse“ und „Über das Auftreten eines Brennstoffes in Blut und Geweben unter pathologischen Verhältnissen: III. Mitteilung“. Zwei weitere Studien publizierte er gemeinsam mit Silberstein und dessen Assistentin, der Bakteriologin Klara Molnar (1907-1957): „Über das Auftreten eines Brunststoffes in Blut und Geweben unter Pathologischen Verhältnissen: VII. Mitteilung: Über Zerstörung von Menformon im Blut und in Organen“ und „Über das Auftreten eines Brunststoffes in Blut und Geweben unter pathologischen Verhältnissen: VI. Mitteilung: Vergleich der im Blut und Organen nachweisbaren Brunststoffmengen“. Zuvor veröffentlichte er mit Molnar die Arbeit „Das Auftreten und Verschwinden einer östrogenen Substanz der Bakterienkulturen“ in den IV. Mitteilungen der Wiener klinischen Wochenschrift.

Nach dem Studium begann er an der II. Chirurgischen Universitätsklinik ein Praktikum als Hilfsarzt, widmete sich hier der Hormonforschung und publizierte in den Jahren 1934 und 1935 unter dem Vorstand Professor Wolfgang Denk (1882-1970) die Arbeiten „Zirbeldrüse und Hypophysäres Wachstum“, „Zirbeldrüse und gonadotropes Hormon“, „Sexualhormone und Hypophysenwachstum“, „Ueber das Vorkommen einer wasserlöslichen, Allen-Doisy-Test gebender Substanz im menschlichen Blute“, „Über den Einfluß von Hypophysenvorderlappenhormonen und Epiphysenhormon auf das Wachstum von Impftumoren“, „Untersuchungen über die Wirkung der Zirbeldrüse“, und „Antigonadotropes Hormon in Zirbeldrüse, Blut und Organen“ und „Wachstumsbeeinflussende Hormone und Tumorwachstum“.

Emigration und Beginn der schriftstellerischen Laufbahn

Aufgrund der demokratiezerstörenden Tendenzen in Österreich und seiner Erlebnisse als Arzt im Bürgerkrieg im Februar 1934 sowie des zunehmend grassierenden Antisemitismus wuchs in ihm immer mehr der Wunsch Europa zu verlassen und auszuwandern. Seit 1934 bewarb er sich um verschiedene Stellen im Ausland – wozu er seine Publikationen in Form von Sonderdrucken den in Betracht kommenden Arbeitgebern und Wissenschaftlern in Kanada und den USA u.a. zukommen ließ, darunter auch einem Endokrinologen aus Uruguay. Auf Einladung des Gründers der Lehrkanzel für Endokrinologie in Montevideo, Juan Cesar Mussio Fournier (1890-1961), emigrierte er im Frühjahr 1935 nach Uruguay und nahm die ihm angebotene Stelle als Labormitarbeiter im Krankenhaus Pasteur in Montevideo an. In Montevideo heiratete er per Ferntrauung seine langjährige Lebensgefährtin in Wien, Josefine Monath (1909-1993). Bereits im Februar 1936 kehrte er aus familiären Gründen – seine Ehefrau konnte, seine Eltern wollten Wien nicht verlassen – nach Wien zurück und arbeitete als Hilfsarzt für Gynäkologie an der I. Universitätsklinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, wo er seine Hormonforschungen fortsetzte und seine erste Monografie „Die physiologische und pathologische Bedeutung der Zirbeldrüse“ publizierte. Bereits Anfang 1938 bemühte er sich wiederum um ein Visum für Kolumbien und emigrierte kurz nach dem „Anschluss“ im März 1938 mit Unterstützung des wissenschaftlichen Leiters einer Pharmafirma von Wien über Hamburg nach Kolumbien, wo er als Vertreter der Pharmafirma seinen Unterhalt verdiente. Seine Bekanntschaft mit dem Politiker und Rektor einer Privatuniversität, Jorge Elicer Gaitan (1903-1948), ermöglichte ihm zunächst einen Kurs für Endokrinologie zu halten. Nachdem er im Juli 1938 den Titel eines a.o. Professors erhalten hatte, verhalf ihm seine Lehrtätigkeit zu Visa für seine Ehefrau, seinen Eltern und seinem Bruder Walter Engel (1908-2005), die damit Ende 1938 aus Wien nach Kolumbien ausreisen konnten.

1939 bekam er einen Lehrstuhl für das Fach Biologie, danach auch für Anthropologie, an der Universidad Libre in Bogota. Da er diese Lehrtätigkeit unentgeltlich ausübte, behielt er seine Stelle als Pharmavertreter, später arbeitete er als Vertreter der US-Firma Mead Johnson & Co. Während dieser Jahre publizierte er 1939 die in Paris erschienene Arbeit „Untersuchungen über den Hahnenkammtest zum Nachweise des Männlichen Hormons“, weiters veröffentlichte er während des Krieges noch in der Zeitschrift „Internationaal Tijdschrift voor Pharmacodynamie en Therapie“ die Studie „Cancerogenic agents. Irradiation and chemical cancerogenic substances“.

Ab 1942 engagierte er sich im Comité de los Austriacos Libres, der Vereinigung der österreichischen Exilierten. Nach dem Krieg arbeitete er bei der Firma Hormona, einer Tochterfirmer jenes Unternehmens, das ihm 1938 die Ausreise nach Kolumbien ermöglichte, und konnte hier seine wissenschaftliche Arbeit in deren Laboratorium fortsetzen. Weiters erhielt er eine ordentliche Professur für Pharmakologie an der Pharmazeutischen Fakultät der Universidad Nacional. 1948 publizierte er hier für die Wiener klinische Wochenschrift „Myosarkom in der Bauchhöhle einer mit Benzopyren an der Haut gepinselten Ratte“.

Im Oktober 1950 nahm Engel die Stelle eines wissenschaftlichen Beraters eines ecuadorianischen Pharmazie-Unternehmens an und arbeitete bis 1955 in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, später übersiedelte seine gesamte Familie nach Ecuador. Nachdem er von der Firma gekündigt worden war, unterrichtete er ab 1958 Philosophie des 20. Jahrhunderts an der Staatsuniversität von Ecuador, zeitgleich wurde er zum Professor für Biologie und Allgemeine Pathologie an der Zahnärztlichen Fakultät der Universidad Central in Quito, und danach zum Ordinarius für Klinische Endokrinologie bestellt. Ab 1961 führte er noch eine Facharztpraxis zur Behandlung von Drüsenerkrankungen mit Sekretionen, die er jedoch mangels zahlungsfähiger Patienten wieder einstellen musste.

Während er in den 1960er und 1970er Jahren noch zahlreiche Fachkongresse in Europa und den USA besuchte, verlagerte sich sein Arbeitsschwerpunkt zunehmend auf seine schriftstellerische Tätigkeit. Da seine deutschsprachigen Manuskripte von österreichischen und westdeutschen Verlagen rundum auf Ablehnung stießen, erschienen sie ausschließlich in der DDR. In den 1960er Jahren bekam Engel mehrere Literaturpreise in Ecuador, 1972 und 1977 erhielt er von der DDR die Auszeichnung der Ehrennadel der Liga für Völkerfreundschaft überreicht. Insgesamt sind von Engel drei Erzählungen, siebzehn Romane, ein Theaterstück und elf Sachbücher erhalten. 2022 gab der österreichische Schriftsteller Erich Hackl seine Autobiografie im Verlag Atelier heraus und versah es mit einem Vorwort.

Viga Diego, Die Unpolitischen, (Hrsg. v. Erich Hackl), Edition Atelier Wien, Wien 2022.

Sein Nachlass befindet sich heute im Deutschen Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main.

Engel verstarb am 27. August 1997 in Quito in Ecuador.

Quellen:

Felden Dietmar, Diego Viga. Arzt und Schriftsteller, Leipzig 1987.

Maurer Paul Pinchas, Paul Engel (alias Diego Viga), Österreichischer Exilschriftsteller und Arzt, Zeuge der Verfolgung, Emigrant, Jerusalem 2019.

Viga Diego, Die Unpolitischen, (Hrsg. v. Erich Hackl), Edition Atelier Wien, Wien 2022.

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1907, Engel Paul.

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch, 1935, Engel Paul, Josefine Monath (2.10.1935).

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0997, Engel Paul (Nationalien Datum: 1926/27).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 197-0116, Engel Paul (Rigorosum Datum: 22.2.1933).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 194-1001, Engel Paul (Promotion Datum: 24.2.1933).

Literatur:

Fürth, Otto von und Paul Engel: Über die Verwertung der Pentosane im tierischen Organismus. Aus dem Institut für medizinische Chemie der Wiener Universität. Ausgeführt mit Unterstützung der Seegen-Stiftung der Akademie der Wissenschaften in Wien. Sonderdruck aus: Biochemische Zeitschrift. Berlin: Verlag von Julius Springer 1931.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Ueber das Auftreten von Menformon im Blute männlicher Hund nach Radium-Bestrahlung. Aus dem Institut für Allgeine und Experimentelle Pathologie der Universität und dem S. Canning Childs-Spital und Forschungsinstitut in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1931.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Silberstein, Fritz und Paul Engel: Ueber das Auftreten eines Brunststoffes in Blut und Geweben unter pathologischen Verhältnissen. V. Mitteilung; Einfluß der Kastration. Aus dem Institut für Allgemeine u. Experimentelle Pathologie der Universität und dem S. Canning Childs-Spital und Forschungsinstitut in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1933.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Silberstein, Fritz und Paul Engel: Über das Vorkommen einer östrogenen Substanz in der Epiphyse. Aus dem Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität und dem S. Canning Childs-Spital und Forschungsinstitut Wien. Sonderdruck aus: Klinische Wochenschrift. Berlin: Verlag von Julius Springer 1933.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Silberstein, Fritz und Paul Engel: Über das Auftreten eines Brennstoffes in Blut und Geweben unter pathologischen Verhältnissen. III. Mitteilung. Sonderdruck aus: Zeitschrift für Krebsforschung. Berlin: Verlag von Julius Springer 1932.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Silberstein, Fritz, Engel Paul und K. Molnar: Über das Auftreten eines Brunststoffes in Blut und Geweben unter Pathologischen Verhältnissen. VII. Mitteilung: Über Zerstörung von Menformon im Blut und in Organen. Aus dem Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität und dem S. Canning-Childs-Spital und Forschungsinstitut in Wien. Sonderdruck aus: Klinische Wochenschrift. Berlin: Verlag von Julius Springer, München: J.F. Bergmann 1933.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Silberstein, Fritz, Engel, Paul und K. Molnar: Über das Auftreten eines Brunststoffes in Blut und Geweben unter pathologischen Verhältnissen. VI. Mitteilung: Vergleich der im Blut und Organen nachweisbaren Brunststoffmengen. Aus dem Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität und dem S. Cannings-Childs-Spital und Forschungsinstitut in Wien. Berlin: Verlag von Julius Springer, München: J.F. Bergmann 1933.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Zirbeldrüse und Hypophysäres Wachstum. Aus der II. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. Dr. W. Denk). Sonderdruck aus: Klinische Wochenschrift. Berlin: Verlag von Julius Springer 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Zirbeldrüse und gonadotropes Hormon. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin. Berlin: Verlag von Julius Springer 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Sexualhormone und Hypophysenwachstum. Sonderdruck aus: Klinische Wochenschrift. Berlin: Verlag von Julius Springer 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Ueber das Vorkommen einer wasserlöslichen, Allen-Doisy-Test gebender Substanz im menschlichen Blute. Aus der II. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. W. Denk). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Über den Einfluß von Hypiphysenvorderlappenhormonen und Epiphysenhormon auf das Wachstum von Impftumoren. Aus der II. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien. Vorstand: Professor Dr. W. Denk. Sonderuck aus: Zeitschrift für Krebsforschung. Berlin: Verlag von Julius Springer 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Untersuchungen über die Wirkung der Zirbeldrüse. Aus der II. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. Dr. W. Denk). (Mit 1 Textabbildung). Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin. Berlin: Verlag von Julius Springer 1934.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Engel, Paul: Antigonadotropes Hormon in Zirbeldrüse, Blut und Organen. Aus der II. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Prof. Dr. W. Denk). Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin. Berlin: Verlag von Julius Springer 1935.

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Engel, Paul: Wachstumsbeeinflussende Hormone und Tumorwachstum. Aus der II.Chirurgischen Universitätsklinik in Wien. (Vorstand: Professor Dr. W. Wenk). Sonderdruck aus Zeitschrift für Krebsforschung. Berlin: Verlag von Julius Springer 1935.

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Engel, Paul: Untersuchungen über den Hahnenkammtest zum Nachweise des Männlichen Hormons. Aus der Veterinaermedizinischen Fakultaet (Direktor Dr. J. Verlasquez) der Universidad Nacional und der Endokrinolog. Lehrkanzel im „Curso de Extension Universitaria“ der Universidad Libre (Prof. Dr. Paul Engel) in Bogota, Colombia. Sonderdruck aus: Archiv internationales de pharmacodynamie et de therapie. Paris: 1939.

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Engel, Paul: Cancerogenic agents. Irradiation and chemical cancerogenic substances. Sonderdruck aus: Internationaal Tijdschrift voor Pharmacodynamie en Therapie. Brugge: Sinte Catharina Drukkerij 1941.

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Engel, Paul: Myosarkom in der Bauchhöhle einer mit Benzopyren an der Haut gepinselten Ratte. Aus der Lehrkanzel für Biologie (Prof. Dr. P. Engel) der Universidad Libre de Colombia, und der Lehrkanzel für Pharmakodynamie der Pharmazeutischen Fakultät (Prof. Encargrado: Dr. P. Engel) der Universidad Nacional, Bogota, Kolumbien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Springer Verlag 1948.

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Letzte Aktualisierung: 2024 01 31

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [264]: Armin Seidl – Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Dermatologe, NS-Verfolgter

Armin Seidl (Seidel) – Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Dermatologe, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 18.01.2024

Keywords: Dermatologe, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Ambulatorium des Verbandes der Genossenschaftskrankenkassen Wiens und Niederösterreich, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Armin Seidl wurde als Sohn des aus Budapest stammenden Jakab David Seidl (Anton) (1869-1934) und Katharina (Katalin), geborene Hoffennreich (*1869 Budapest), am 16. März 1888 in Budapest geboren. Nachdem er das Maximiliansgymnasium in Wien absolviert hatte, begann er 1910 mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien und promovierte am 24. März 1920.

Während des Ersten Weltkrieges publizierte er 1917 an der II. Abteilung für Geschlechts- und Hautkrankheiten im AKH Wien bei Professor Salomon Ehrmann (1854-1926) „Über extragenitale Syphilisinfektionen zur Kriegszeit“.[1]

Nach seiner Promotion führte er als Facharzt für Geschlechts- und Hautkrankheiten eine private Arztpraxis in Wien 7, Stiftgasse 15 und später ab 1932 in Wien 6, Gumpendorferstraße 5. Weiters arbeitete er am Ambulatorium des Verbandes der Genossenschaftskrankenkassen Wiens und Niederösterreich in der Ordination für Haut- und Geschlechtskrankheiten bei dem Dozenten Alfred Perutz (1885-1934), einem ehemaligen Schüler von Salomon Ehrmann, wo er 1922 den Aufsatz „Pellogon, ein neues Balsamikum für die interne Gonorrhöebehandlung“ veröffentlichte.[2] Daneben war er als Sportmediziner im Wiener Fußballverband tätig, in den 1920er Jahren als Vizepräsident des Sportklub Rudolfshügel, als Präsident des Straf- und Meldeausschuss (Struma), einem Sportgericht der Wiener Amateur-Fußballliga, sowie als Vorstandsmitglied im Wiener Fußball-Verband. 1926 veröffentlichte er den Artikel „Die Disziplin der Berufsspieler“.[3]

Seidl, der jüdischer Herkunft war, flüchtete nach dem „Anschluss“ im März 1938 wegen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach England, wo er zunächst bis 1940 als „enemy alien“ interniert wurde, und am 15. Februar 1942 in London verstarb. Seine Mutter Katharina wurde in das Ghetto Theresienstadt deportiert, und am 28. September 1942 ermordet. Seinem Bruder Wilhelm (*1896) und seinen Schwestern Elisabeth (*1891) und Margarete (*1894) gelang die Flucht aus Österreich.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0669, Seidl Armin (Nationalien Datum: 1910/11).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0723, Seidl Armin (Rigorosum Datum: 20.3.1920).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 192-0196, Seidl Armin (Promotion Datum: 24.3.1920).

AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 33.783, Seidl Armin.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Seidl Katharina.

Österreich, Wien, jüdische Auswanderungsanträge, Auswanderungskartei der IKG Wien, Wilhelm, Elisabeth, Margarethe Seidl.

Find A Grave Index, Armin Seidl (Wiener Zentralfriedhof).

Literatur:

Seidel, Armin: Über extragenitale Syphilisinfektionen zur Kriegszeit. Aus der II. Abteilung für Geschleschts- und Hautkrankheiten des k.k. Allgemeinen Krankenhauses in Wien (Vorstand Prof. Dr. S. Ehrmann). Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 50, 1917, Sp. 2223-2231.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 19, 1922, Sp. 834-835.

[3] Neues Wiener Journal, 4.4.1926, S. 36-37.

Normdaten (Person): Seidl, Armin: BBL: 42789; GND: 1316336921;

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Letzte Aktualisierung: 2024 0118

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [263]: Feitler, Alfred – Frauenarzt in Wien, NS-Verfolgter

Feitler, Alfred – Frauenarzt in Wien, NS-Verfolgter

Autor: Walter Mentzel

Published online: 15.01.2024

Keywords: Frauenarzt, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Alfred Georg Feitler wurde am 12. September 1880 als Sohn von Josef Feitler (1848-1921) und Eleonore, geborene Weiss (1853-1934) in Oponoschitz (heute Tschechien) geboren. Seit 1926 war er mit Leonie Wechsler (1900-?) verheiratet, mit der er die Tochter Anneliese (1929-?) hatte.

Er besuchte in Wien das Josefstädter Gymnasium[1] und begann danach mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er am 2. Juni 1905 mit seiner Promotion abschloss. Seinen Militärdienst absolvierte er danach beim Infanterieregiment Oskar II Friedrich König von Schweden und von Norwegen Nr. 10, wo er 1906 zum Assistenzarzt [2]und 1911 zum Oberarzt ernannt wurde.[3] Am Ersten Weltkrieg nahm Feitler als Regimentsarzt der Reserve teil.

Vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete er an der I. Universitäts-Frauenklinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, wo er 1908 bei Professor Friedrich Schauta (1849-1919) die Arbeit „Ueber Nabelversorgung“ publizierte. Daneben führte er als Frauenarzt bis 1938 eine private Arztpraxis in Wien 7, Mariahilferstraße 106.

Feitler, Alfred: zirka 1944. New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Alfred George Feitler, 11 Jan 1944.

Feitler und seine Familie, die wegen ihrer jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ im März 1938 von den Nationalsozilisten verfolgt wurden, gelang die Flucht nach London/England, von wo Alfred, Leonie und seine Tochter Anneliese im November 1938 mit der SS Hansa von Southampton in die USA emigrierten, wo sie sich in New York niederließen und er als Arzt arbeitete.

Feitler verstarb am 6. Juni 1956 in New York.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0557, Feitler Alfred (Nationalien Datum 1902/03).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-079b, Feitler Alfred (Rigorosum Datum 29.5.1905).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-0220, Feitler Alfred (Promotion Datum 2.6.1905).

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1926, Feitler Alfred, Wechsler Leonie.

ÖStA, VVSt., VA, Zl. 12.338, Feitler Alfred.

New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957, 6251 – vol. 13457-13458, Nov 17, 1939; NARA microfilm publication T715 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), Feitler Alfred, Leonie, Anneliese.

New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Alfred George Feitler, 11 Jan 1944.

United States 1950 Census, Alfred Futler and Leonie Futler, 11 April 1950.

Find a grave: Feitler Alfred.

Literatur:

Feitler, Alfred: Ueber Nabelversorgung. Aus der I. Universitäts-Frauenklinik in Wien (Vorstand: Hofrat Prof. Schauta). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Jahresbericht des Josefstädter Obergymnasium, Wien 1897, S. 62.

[2] Die Zeit, 29.5.1906, S. 3.

[3] Neue Freie Presse, 9.2.1911, S. 25.

Normdaten (Person): Feitler, Alfred: BBL: 42787; GND: 1315937034;

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BBL: 42787 (15.01.2024)
URL: https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=42787

Letzte Aktualisierung: 2024 01 15

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [261]: Seidmann, Simon – Arzt im Allgemeinen Krankenhaus Wien, NS-Verfolgter

Seidmann, Simon – Arzt im Allgemeinen Krankenhaus Wien, NS-Verfolgter

Autor: Walter Mentzel

Published online: 11.01.2024

Keywords: Allgemeines Krankenhaus Wien, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter

Simon Seidmann, Sohn des aus Zaleszczyki in Galizien stammenden Kaufmannes Moses Seidmann (1875-?) und Chaje (1874-?) wurde am 21. Dezember 1906 in Laszkowka im Bezirk Kotzmann in der Bukowina (heute: Laschkowka/Kitsman/Ukraine) geboren. Er kam 1908 mit seinen Eltern und seinen Brüdern Robert und Leon nach Wien. 1936 heiratete er in der Leopoldgasse in Wien 2 die Ärztin Dr. phil. Pepi Klein (*2.8.1902 Boryslaw/Galizien).

Seit 1926 studierte er an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 3. Februar 1932 mit seiner Promotion ab. Während des Studiums nahm er den Namen Erwin an. Nach dem Studium arbeitete er am Allgemeinen Krankenhaus an der III. Medizinischen Abteilung unter dem Vorstand Professor Hermann Schlesinger (1866-1934), wo er 1933 seine Arbeit „Über das Fehlen von arteriellen Pulsen an den unteren Extremitäten“ veröffentlichte, und danach an der IV. Medizinischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien unter dem Vorstand Professor Maximilian Weinberger (1875-1954). Hier publizierte er 1936 „Über Fieber- und Schmerzbekämpfung durch Pyrasulf“.[1] Daneben führte er seit 1932 eine Arztpraxis in Wien 2, Vorgartenstraße 186, und danach ab 1933 in Wien 9, Türkenstraße 25.

Neben seiner Tätigkeit am Allgemeinen Krankenhaus Wien veröffentlichte er Artikel in der Zeitschrift „Die Frau und Mutter“, 1937 „Über Kleiderhygiene, Leitsätze für das Übergangswetter[2] und die „Ernährung des heranwachsenden Kindes“.[3] In der Märznummer des Jahres 1938 erschien von ihm sein letzter Artikel unter dem Titel „Das Kind im Frühling“.[4] In der selben Zeitschrift erschien auch von seiner Ehefrau Pepi Seidmann im Februar 1938 der Aufsatz „Die Pubertät“.[5]

Erwin und Pepi Seidmann lebten 1938 in Wien 11, Hauffgasse 14/19. Beide wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ im März 1938 von den Nationalsozialisten verfolgt. Sie wurden nach Riga deportiert und ermordet, und beide 1947 vom Landesgericht für Zivilrechtsachen für tot erklärt.[6] Seinen Eltern sowie seinen Geschwistern Robert, Leon und Emilie (1916-?) gelang im November 1939 die Flucht über Göteborg in Schweden in die USA.

Quellen:

IKG Wien, Trauungsbuch, 1936, Seidmann Erwin, Klein Pepi (2.8.1936).

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-1038, Seidmann Simon (Nationalien Datum: 1926/27).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 197-0738, Seidmann Simon (Rigorosum Datum: 23.1.1932).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 194-0686, Seidmann Simon (Promotion Datum: 1926/27).

Österreich, Wien, jüdische Auswanderungsanträge, Auswanderungskartei der IKG Wien, Seidmann Moses, Chaje, Emilie.

Liste der Namen jüdischer Einwohner Lettlands, das Ergebnis einer Forschung des Zentrums für Judaistik der Universität Lettland unter der Leitung von Prof. Ruvin Ferber und in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Historischen Archiv Lettlands, 2002.

DÖW, Seidmann Erwin, Pepi.

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 12.331, Seidmann Erwin

ÖStA, AdR, E-uReang, FLD, Zl. 16.413, Seidmann Erwin Dr.

Yad Vashem, Seidmann Erwin, Pepi.

Literatur:

Seidmann, Simon: Über das Fehlen von arteriellen Pulsen an den unteren Extremitäten. Aus der III. med. Abteilung des Wiener allgemeinen Krankenhauses (Vorstand: Hofrat Prof. Dr. Hermann Schlesinger). Sonderdruck aus: Archiv für innere Medizin. Wien: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1933.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 6, 1936, S. 165-166.

[2] Die Frau und Mutter, H. 9, 1937, S. 20

[3] Die Frau und Mutter, H. 11, 1937, S. 18.

[4] Die Frau und Mutter, H. 3, 1938, S. 20.

[5] Die Frau und Mutter, H. 2, 1938, S. 20.

[6] Wiener Zeitung, 26.10.1947, S. 6.

Normdaten (Person): Seidmann, Simon: BBL: 42783; GND: 1315527340;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [259]: Jonas, Siegfried – Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, NS-Verfolgter

Jonas, Siegfried – Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, NS-Verfolgter

Autor: Walter Mentzel

Published online: 19.12.2023

Keywords: Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, Brigitta-Spital, Wien, NS-Verfolgter

Siegfried Jonas wurde am 31. Mai 1874 als Sohn des in Budapest geborenen Großhändlers Ignaz Jonas (1842-1916) und der Wienerin Jeanette („Jenny“) (1855-1938), geborene Heitner, in Wien geboren. Seit 1906 war er mit Nina Fuchs (1882-1972) verheiratet, mit der er die beiden Kinder Susanne, verheiratete Kleiner (29.3.1907-) und Hans Georg (2.7.1908-) hatte.

Nachdem er das k.k. Staatsgymnasium in Wien Leopoldstadt absolviert hatte, studierte er an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 26. Mai 1900 mit seiner Promotion ab. Danach eröffnete er eine private Arztpraxis in Wien 2, Große Mohrengasse 38,[1] die er nach dem Ersten Weltkrieg nach Wien 1, Eßlinggasse 18 verlegte. Er arbeitete zunächst im Spitalsdienst des Allgemeinen Krankenhauses in Wien und zwischen 1904 und 1910 als Assistent an der Abteilung der Wiener allgemeinen Poliklinik bei Professor Leopold Oser (1839-1910). 1905 publizierte er eine an der IV. medizinischen Abteilung des AKH durchgeführten Studie „Ueber die Wirkung des Atropinderivates Eumydrin auf die Nachtschweisse der Phthisiker“.

Laboratorium für radiologische Diagnostik und Therapie im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Jonas spezialisierte sich auf das Gebiet der Magen- und Darmerkrankungen und arbeitete in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg am Laboratorium für radiologische Diagnostik und Therapie im AKH Wien eng mit dem Radiologen Guido Holzknecht (1872-1931) zusammen, mit dem er auch eine Reihe von Arbeiten publizierte. Darunter 1906 „Ueber Antiperistaltik des Magens“ und „Die radiologische Diagnostik der raumbeengenden Bildungen des Magens, entwickelt an palpalen Tumoren“.[2] Zusammen mit Holzknecht publizierte er 1907 „Die Ergebnisse der radiologischen Untersuchung palpabler Magentumoren, verwendet zur Diagnose nicht palpabler[3] und 1908 „Die radiologische Diagnostik der intra- und extraventrikulären Tumoren und ihre spezielle Verwertung zur Frühdiagnose des Magencarcinoms“.

In den folgenden Jahren entstanden hier 1909 die Publikationen „Ueber die Entwicklungsstadien der Pylorusstenose und ihre klinisch-radiologische Diagnostik“, „Zur Pathologie und Diagnostik des spastischen Sanduhrmagens“, im selben Jahr „Ueber radiologische Indikationen für operative Eingriffe am Magen“, und 1910 „Ueber das Ermüdungsstadium der Pylorusstenose und seine Therapie“ und „Ueber die radiologische Feststellung gewisser Krankheitsbilder des Magens“.[4]

1911 veröffentlichte er „Über die Störung der Magenmotilität bei Ulcus ad pylorum und die spastische Pylorusstenose“ und „Ueber die Abhängigkeit der Darmmotilität vom motorischen und sekretorischen Verhalten des Magens“, 1912 „Zur Symptomatologie der beginnenden Pylorusstenose“ und „Über das Verhältnis zwischen Stuhlbild und Darmmotilität und die wechselnden Stuhlbilder der Hyperacidität und der Achylie“ sowie 1913 „Ueber das Verhalten verschiedenartiger Strikturen im Magen und Duodeum bei Milchdiät und ein Verfahren zur Diagnostik spastisch-ulzeröser Strikturen daselbst

1913 nahm Jonas an der 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte teil.[5]

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges rückte Jonas als Assistenzarzt in Przemysl zum Militärdienst ein, wo er im Herbst 1914 die Belagerung der Stadt erlebte und nach dem Fall von Przemysl in russische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er im Dezember 1917 nach Wien zurückkehrte.[6] 1918 erfolgte seine Ernennung zum Landsturmassistenzarzt.[7] 1919 erschien von ihm die am Erzherzog-Rainer-Militärspital am Röntgeninstitut entstandene Arbeit „Ueber die Druckpunkte des Ulcus ventriculi und duodeni und ihre Objektivierung durch die erhöhte Kontraktilität der Muskulatur; Latenz und Akuität des Geschwüres“.

Primarius am Brigitta-Spital in Wien

Von 1920 bis 1924 fungierte er als Primarius und Vorstand des Ambulatoriums für Magen- und Darmkrankheiten am Brigitta-Spital in Wien 20. Während dieser Jahre publizierte er 1923 „Zur Symptomatologie des latenten Ulkus“,[8] und zuvor 1922 an der II. medizinischen Universitätsklinik im AKH Wien „Über die Initialkrämpfe des Ulkus, ihre Typen, Pathogenese und ihr Verhältnis zur Cholelithiasis“.

1925 erschien von ihm „Ueber die erhöhte Kontraktilität des Rectus abdominis als Zeichen der Perigastritis und als Floriditätssymptom des Magengeschwüres[9] und im Jahr 1926 anlässlich er 5. Tagung der Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Wien „Über das sogenannte Divertikel der Kardia“.[10]

Jonas war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien und der Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien.[11]

Foto: Siegfried Jonas, zirka 1940. New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records.

Jonas und seine Familie wurden nach dem „Anschluss“ im März 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Jonas und seine Ehefrau Nina flüchteten im Sommer 1939 nach England, wo sie in Borough of Willesden in Middlesex lebten. Im März 1940 emigrierten sie mit der SS Samaria von Liverpool nach New York, wo sie sich in New Jersey niederließen und 1945 die US-Staatsbürgerschaft annahmen. Seinem Sohn Hans Georg gelang die Flucht nach Palästina, seine Tochter Susanne flüchtete ebenfalls nach New York/USA.

Siegfried Jonas verstarb 1954 in New Jersey.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1874, Jonas Siegfried.

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1906, Jonas Siegfried.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0466, Jonas Siegfried (Nationalien Datum: 1894/95).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-0456, Jonas Siegfried (Promotion Datum: 26.5.1900).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., VA, Zl. 4.353, Jonas Siegfried.

New York, New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957, 6450-vol 13884-13885, Mar 13, 1940; citing NARA microfilm publication T715 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), Jonas Siegfried, Nina.

New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Petitions for naturalization and petition evidence 1945 box 1035, no 518401-518541; citing NARA microfilm publication M1972, Southern District of New York Petitions for Naturalization, 1897-1944. Records of District Courts of the United States, 1685-2009, RG 21. National Archives at New York, Jonas Siegfried.

Literatur:

Jonas, Siegfried: Ueber die Wirkung des Atropinderivates Eumydrin auf die Nachtschweisse der Phthisiker. Aus der IV. med. Abteilung des k.k. Allgemeinen Krankenhauses in Wien (Vorstand: Prof. Dr. Friedrich Kovacs). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber Antiperistaltik des Magens. Aus dem Laboratorium für Radiologische Diagnostik und Therapie im k.k. Allgemeinen Krankenhause in Wien (Leiter: Priv.-Doz. Dr. Holzknecht). Sonderdruck aus: Deutsche medizinische Wochenschrift. Berlin: Druck von G. Bernstein 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Holzknecht, Guido und Siegfried Jonas: Die radiologische Diagnostik der intra- und extraventrikulären Tumoren und ihre spezielle Verwertung zur Frühdiagnose des Magencarcinoms. Wien: Perles 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 17990]

Jonas, Siegfried: Ueber die Entwicklungsstadien der Pylorusstenose und ihre klinisch-radiologische Diagnostik. Aus dem Röntgenlaboratorium im k.k. Allgemeinen Krankenhause in Wien (Leiter: Priv.Doz. Dr. Holzknecht). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Siegfried, Jonas: Zur Pathologie und Diagnostik des spastischen Sanduhrmagens. Aus dem Röntgen-Laboratorium im k.k. Allgemeinen Krankenhause in Wien (Leiter: Privatdozent Dr. Holzknecht). Sonderdruck aus: Wiener klinische Rundschau. Wien: Buchdruckerei Max Werthner 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber radiologische Indikationen für operative Eingriffe am Magen. Sonderdruck aus: Centralblatt für die Grenzgebiete der Medizin und Chirurgie. Naumburg: Lippert & Co. 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried; Ueber das Ermüden der Pylorusstenose und seine Therapie. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siefried: Über die Störung der Magenmotilität bei Ulcus ad pylorum und die spastische Pylorusstenose. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungs-Krankheiten. Berlin: Medizinischer Verlag von S. Karger 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber die Abhängigkeit der Darmmotilität vom motorischen und sekretorischen Verhalten des Magens. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bartelt 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Zur Symptomatologie der beginnenden Pylorusstenose. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien Verlag von Moritz Perles, k. und k. Hofbuchhandlung 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Über das Verhältnis zwischen Stuhlbild und Darmmotilität und die wechselnden Stuhlbilder der Hyperacidität und der Achylie. Sonderdruck aus: Archiv für Verdauungs-Krankheiten. Berlin: Medizinisher Verlag S. Karger 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber das Verhalten verschiedenartiger Strikturen im Magen und Duodeum bei Milchdiät und ein Verfahren zur Diagnostik spastisch-ulzeröser Strikturen daselbst. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1913.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Ueber die Druckpunkte des Ulcus ventriculi und duodeni und ihre Objektivierung durch die erhöhte Kontraktilität der Muskulatur; Latenz und Akuität des Geschwüres. Aus dem Erzherzog Rainer-Militärspitals in Wien (Kommandant: Generalstabsarzt Prof. Johann Fein) Interne Abteilung (Chefarzt: Stabsarzt Dr. Julius Grötzinger), Röntgeninstitut (Vorstand: Regimentsarzt Priv.-Doz. Dr. Martin Haudek). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1919.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Jonas, Siegfried: Über die Initialkrämpfe des Ulkus, ihre Typen, Pathogenese und ihr Verhältnis zur Cholelithiasis. Aus der II. medizinischen Universitätsklinik in Wien (Vorstand: Hofrat Prof. Dr. N. Ortner). Sonderdruck aus: Medizinische Klinik. Berlin: Druck von L. Schuhmacher 1922.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1900, Sp. 1605.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1906, S. 1389-1394; Nr. 29, 1906, Sp. 1454-1458; Nr. 30, 1906, Sp. 1507-1511; Nr. 31, 1906, Sp. 1545-1552; Nr. 32, 1906, Sp. 1598-1605.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 5, 1907, Sp. 222-227; Nr. 6, 1907, Sp. 278-282; Nr. 7, 1907, Sp. 335-340; Nr. 8, 1907, Sp. 391-395.

[4] Medizinische Klinik, Nr. 22, 1910, S. 854-858.

[5] Neue freie Presse, 2.10.1913, S. 19-20.

[6] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.5.1915, S. 10; Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1919, Sp. 1379-1380.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1918, Sp. 1071.

[8] Medizinische Klinik, Nr. 34, 1923, S. 1161-1164.

[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1925, Sp. 1879-1887.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 36, 1926, Sp. 1062-1067.

[11] Mitteilungen der Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde, Wien 1904.

Normdaten (Person): Jonas, Siegfried: BBL: 42738; GND: 1314013564;

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Letzte Aktualisierung: 2023 1219

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [255]: Rudolf Paul Königstein – Professor für Interne Medizin und Tropenkrankheiten, NS-Verfolgter

Rudolf Paul Königstein – Professor für Interne Medizin und Tropenkrankheiten, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 28.11. 2023

Keywords: Innere Medizin, Tropenkrankheiten, Primarius, Krankenhaus Wien-Lainz, Shanghai, NS-Verfolgter, Medizingeschichte, Wien

Rudolf Paul Königstein war der Sohn des Mediziners Robert Königstein und Marianne, geborene Riesz, und wurde am 10. Jänner 1915 in Wien geboren. Er war der Cousin von Professor Hans Königstein.

Nachdem er im Juni 1933 die Matura abgelegt hatte, studierte Königstein an der Universität Wien Medizin und war im Sommersemester 1938 im 10. Semester inskribiert. Am 7. März 1938 bekam er das Absolutorium ausgestellt. Schon seit 1. April 1936 war er als „Demonstrator“ am Institut für medizinische Chemie bei Professor Otto Fürth (1867-1938) als Mitarbeiter tätig. Für das Sommersemester 1938 erhielt er im Rahmen des Numerus clausus für jüdische Studierende die Zulassung zum Studium bis zum Semesterende, sein Studium konnte er jedoch nicht mehr abschließen. Als Mitarbeiter der Fakultät erfolgte schon am 31. März 1938 seine Entlassung.

Rudolf Paul Königstein, zirka 1955: Wiener Stadt- und Landesarchiv, Ärztekammer Wien, A1, Personalakten, Königstein Rudolf.

Königstein gelang wie seinem Vater Robert die Flucht nach Shanghai. Hier setzte er sein Medizinstudium an der St. John’s University fort, promovierte am 31. Mai 1941, und arbeitete danach bis 1945 als Laborarzt im internationalen Ghetto Shanghais. Von 1946 bis 1951 war er als Arzt in Hangzhou an der anglikanisch-neuseeländischen Mission tätig. 1951 emigrierte er im Zuge der Indoktrinierungskampagne Maos nach Wien, wo er jene Prüfungen zum letzten Rigorosum nachholte, die er im Sommersemester 1938 nicht mehr absolvieren konnte. Sein in Shanghai erworbenes Doktorat wurde am 15. Dezember 1951 von der Universität Wien nostrifiziert, mit 1. Juni 1955 bekam er die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin. Königstein arbeitete in den folgenden Jahren als Assistent und Oberarzt an der III. medizinischen Abteilung (Stoffwechselabteilung) des Krankenhaus Wien-Lainz, später erfolgte seine Ernennung zum Primarius des Altersheimes in Lainz.

Hier publizierte er 1952 „Die medizinische Entwicklung in China“ und „Fortschritte auf dem Gebiet der Malariaforschung“, sowie 1967 „Diabetes mellitus und Saluretika“.

Im Februar 1969 habilitierte er sich zum Privatdozenten und bekam die Lehrbefugnis für Interne Medizin verliehen und im Juli 1976 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors für Interne Medizin und Tropenkrankheiten an der Universität Wien verliehen. Am 31. Oktober 1979 ging er als Primarius in Pension und führte danach seine private Arztpraxis, die er seit 1963 betrieb, weiter. Er verstarb am 15. Juli 1985 in Wien.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, 1915, Königsstein Paul Rudolf.

AUW, Nationalen MED 1937-1938, Rektorat, Zl. 680 I/1937/38, Königstein Rudolf Paul.

WStLA, Ärztekammer Wien, A1, Personalakten, Königstein Rudolf.

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Königstein Rudolf.

Friedhofsdatenbank Wien, Königstein Rudolf Paul.

Literatur:

Königstein, Paul Rudolf: Die medizinische Entwicklung in China. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Hollinek 1952.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 21636]

Königstein, Paul Rudolf: Fortschritte in der Malariaforschung. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Brüder Hollinek 1952.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 24307]

Königstein, Rudolf Paul: Diabetes mellitus und Saluretika. Stuttgart: G. Thieme 1967.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-25374]

Normdaten (Person): Königstein, Rudolf: BBL: 42616; GND: 1311716122;

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BBL: 42616 (28.11.2023)
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Letzte Aktualisierung: 2023 11 28

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [253]: Königstein, Hans – Dermatologe, NS-Verfolgter

Königstein, Hans – Dermatologe, NS-Verfolgter

Autor: Walter Mentzel

Published online: 20.11.2023

Keywords: Hans (Johannes) Königstein, Dermatologe, Rothschild-Spital, NS-Verfolgter, Medizingeschichte, Wien, Jerusalem

Hans (Johannes) Königstein wurde am 2. September 1878 als Sohn des Mediziners Leopold Königstein und Henriette Leontine, geborene Héndlé, in Wien geboren. Er war seit 1912 mit Anna Catharina Wilhelmine Johanna Josefa Franziska Dukat (8.3.1882) verheiratet, mit der er die drei Kinder Josef (18.1.1913 Wien, gest. 1.3.1994 Pennsauken, New York/USA), Henriette (23.2.1915 Wien, 1938 Studentin) und Leopold (*15.1.1918 Wien, studierte 1938 Medizin) hatte.

Königstein studierte in Bern und an der Universität Wien Medizin, wo er am 22. Juli 1903 promovierte. 1903 publizierte er am I. Anatomischen Institut „Notitz zu einer Cetaceenlunge (Delphinus delphis) mit 2 Abbildungen“ und „Die Function der Muskulatur in der Amphibienlunge. 1. Anatomischer Theil“. 1906 veröffentlichte er am Physiologischen Institut „Über das Schicksal der nicht-ejakulierten Spermatozoen“ und 1907 „Die Veränderungen der Genitalschleimhaut während der Gravidität und Brunst bei einigen Nagern

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Königstein an der II. Abteilung für Geschlechts- und Hautkrankheiten im Allgemeinen Krankenhaus unter dem Vorstand Professor Salomon Ehrmann (1854-1926). Hier erschienen von ihm 1909 die Arbeiten „Über postmortale Pigmentbildung“, 1910 „Ueber die Beziehungen gesteigerter Pigmentbildung zu den nebennieren“ sowie „Sensibilitätsstörung bei Vitiligo“ und 1911 „Über Neurosen der Hautgefäße“.

Foto: Hautarzt 5, 1954, S. 336

Begründer und Leiter der dermatologischen Abteilung im Rothschild-Spital

Seit 1912 leitete er das von ihm eingerichtete dermatologische Ambulatorium im Rothschild-Spital, ein Jahr später erfolgte seine Ernennung zum Privatdozenten für Geschlechts- und Hautkrankheiten an der Universität Wien.[1] Während des Ersten Weltkrieges war Königstein im k.u.k. Reservespital Nyitramolnos (heute: Nitra, Slowakei) stationiert, und publizierte aus der Zentralstelle für venerische Erkrankungen des Militärkommandos Pozsony 1917 über „Liquoruntersuchungen im Sekundärstadium der Lues“. Im selben Jahr bekam er das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration verliehen.[2] 1916 veröffentlichte er den Aufsatz „Über Analogien zwischen Granulationsgeschwülste der Haut“.[3]

1918 verfasste er die Arbeit „Bedeutung der Konstitution für den Verlauf der Syphilis“, die an der dermatologischen Abteilung des AKH in Wien und am dermatologischen Ambulatorium des Rothschild-Spitales entstand. 1920 publizierte er gemeinsam mit Ernst Spiegel (1895-1985) „Zur Pathologie des Nervensystems im frühen Sekundärstadium der Syphilis“ und 1929 „Konstitution und Syphilis“. 1924 erschien von ihm der „Beitrag zu den Beziehungen zwischen Entzündungen und Nervensystem“,[4] ein Jahr darauf nahm er am Dermatologen-Kongress in Dresden teil.[5]

1927 erfolgte seine Ernennung zum Titularprofessor. Königstein war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, in der er 1912 zum Schriftführer im Vorstand gewählt wurde.[6]

Neben seinen regelmäßigen Vorträgen in der Gesellschaft der Ärzte und der Dermatologischen Gesellschaft in Wien referierte Königstein in den 1920er und 1930er Jahren in weiteren wissenschaftlichen Vereinen, darunter in der Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden, als auch in Wiener Volksbildungseinrichtungen[7] sowie in der Sendereihe „Stunde der Volksgesundheit“ im Radio Wien. In den 1930er Jahren unterstützte er den Verein Keren Kayemeth (Jüdischer Nationalfonds) und seit 1936 als Mitglied das Komitee für die Sicherheit und den Wiederaufbau Palästinas.[8] Wie sein Vater Leopold war auch er mit Sigmund Freud (1856-1939) befreundet, und wie sein Vater gehörte er als Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Gesellschaft an.[9] 1913 trat er der Freimaurerloge B’nai Brith ein.

Königstein und seine Familie wurden nach dem „Anschluss“ im März 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Ihm und seiner Ehefrau gelang 1939 die Flucht nach Palästina, wo er als Professor für Dermatologie am Hadassah Hospital der Hebrew University in Jerusalem arbeitete.

Er verstarb am 27. März 1954 in Tel Aviv-Yafo, Israel.

Seine Tochter Henriette (*8.2.1915), verheiratete Graffe, studierte 1938 an der Universität Wien Psychologie und Zoologie, war im Sommersemester 1938 an der Philosophischen Fakultät im 8. Semester inskribiert, und hatte am 17. Februar 1938 das Rigorosum mit Auszeichnung bestanden. Nach dem „Anschluss“ kam es zum Abbruch des Prüfungsverfahren und zu ihrer Vertreibung von der Universität Wien. Ihr gelang die Flucht nach England. In dem von ihr ausgefertigten Fragebogen der Auswanderungsabteilung der IKG Wien, gab sie als Auswanderungsziel England und als Kontakt Sigmund Freud (dessen Adresse in England „noch nicht bekannt“) an. Nach dem Tod ihres Vaters übersiedelte ihre Mutter nach England, wo sie 1958 in Battersea verstarb.

Ihr Bruder Leopold Königstein (*15.1.1918 Wien) war im Sommersemester 1938 an der Medizinischen Fakultät im 4. Semester inskribiert, auch er musste nach dem „Anschluss“ das Studium abzubrechen. Nachdem er von der Universität Wien vertrieben worden (Abgangszeugnis: 13. Mai 1938), erhielt er am 14. September 1938 vom US-Konsulat in Wien ein Einreisevisum für die USA. Am 25. September 1938 flüchtete er mit der SS Paris von Le Havre in Frankreich in die USA und erreichte am 1. Oktober 1938 New York City. Zwischen Februar 1939 bis Juli 1941 setzte er sein Medizinstudium an der Pennsylvania State University in State College fort, bekam danach eine befristete Anstellung in New York, trat im Jänner 1942 in die US-Army ein und diente bis 20. Februar 1946 – davon zwischen Juni 1945 und Februar 1946 in Europa. Im Oktober 1943 bekam er die US-Staatsbürgerschaft und änderte seinen Namen in Leo Kingston. Er lebte später in Pennsylvania und heiratete Doris J. Schambelan. Er starb am 16. Jänner 1993.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, 1878, Königsstein Johannes.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0526, Königstein Johann (Nationalien Datum: 1898/99).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-1332, Königstein Johann (Promotion Datum: 22.7.1903).

UAW, Med. Fak., Personalakten, MED PA 877 Königstein, Hans, 20. Jh. (Personalakt)

Leopold Arzt, In Memoriam Hans Königstein, in: Hausarzt 5, 1954, S. 336.

UAW, Nationale MED 1937-1938, Königstein Leopold.

New York, New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957, vol 13408-13409, Sep 30, 1939, NARA microfilm publication T715 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), Königstein Leopold.

United States World War II Army Enlistment Records, 1938-1946, Leo Kingston, enlisted 23 Jan 1942, Cp Upton, Yaphank, New York, United States; Electronic Army Serial Number Merged File, ca. 1938-1946, The National Archives: Access to Archival Databases (AAD) NARA NAID 1263923, National Archives at College Park, Maryland.

Auswanderungsabteilung der IKG Wien, Königstein Henriette.

Gedenkbuch der Universität Wien: Königstein Henriette, Königstein Leopold (Kingston).

Literatur:

Königstein, Hans: Notitz zu einer Cetaceenlunge (Delphinus delphis) mit 2 Abbildungen. Aus dem I. anatomischen Institut (Hofrat Prof. E. Zuckerkandl) in Wien. Sonderdruck aus: Anatomischer Anzeiger. Jena: Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Pohle) 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Die Function der muskulatur in der Amphibienlunge. 1. Anatomischer Theil (hierzu Tafel III). Aus dem I. anatomischen Institut in Wien (Hofrath Prof. E. Zuckerkandl). Sonderdruck aus: Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Bonn: Verlag von Emil Strauss 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Über das Schicksal der nicht-ejakulierten Spermatozoen (hierzu Tafel I.). Aus dem physiologischen Institute der Universität Wien. Sonderdruck aus: Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Bonn: Verlag von Martin Hager 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Die Veränderungen der Genitalschleimhaut während der Gravidität und Brunst bei einigen Nagern. Aus dem physiologischen Institute der Universität Wien. Sonderdruck aus: Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Bonn: Verlag von Martin Hager 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Über postmortale Pigmentbildung. Sonderdruck aus: Münchener medizinische Wochenschrift. München: Lehmann 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Ueber die Beziehungen gesteigerter Pigmentbildung zu den Nebennieren. Aus der Abteilung für Geschlechts- und Hautkrankheiten des allg. Krankenhauses in Wien (Vorstand: a.O. Prof. S. Ehrmann). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Sensibilitätsstörung bei Vitiligo. Aus der II. Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten des Allgemeinen Krankenhauses in Wien (Vorstand: a.o. Prof. S. Ehrmann). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hess, Leo und Hans Königstein: Über Neurosen der Hautgefäße. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Braumüller 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 23262]

Königstein, Hans und Paul Goldberg: Liquoruntersuchungen im Sekundärstadium der Lues. Aus der Zentralstelle für venerische Erkrankungen des Militärkomando Pozsony, k.u.k. Reservespital Nyitramolnos (Spitalskommandant: Oberstabsarzt I. Kl. Dr. Desiderius v. Tornay). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1917.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans: Bedeutung der Konstitution für den Verlauf der Syphilis. Aus der dermatologischen Abteilung des k.k. Allgemeinen Krankenhauses (Vorstand: Professor Dr. S. Ehrmann) und aus dem dermatologischen Ambulatorium des Rothschild-Spitales. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts- Buchhändler 1918.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans und Ernst Spiegel: Zur Pathologie des Nervensystems im frühen Sekundärstadium der Syphilis. I. Mitteilung. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere. Leipzig: Druck der Spamerschen Buchdruckerei 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Königstein, Hans und Leopold Wertheim: Konstitution und Syphilis. Sonderdruck aus: Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten. Berlin: Verlag von Julius Springer 1929.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 2.9.1913, S. 391.

[2] Neue Freie Presse, 9.1.1918, S. 7.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1916, Sp. 1060-1062.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 52, 1924, Sp. 2802-2805.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.10.1925, S. 34.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 16, 1912, Sp. 1088.

[7] Kleine Volks-Zeitung, 13.11.1935, S. 8.

[8] Der Tag, 3.1.1936, S. 8.

[9] Minutes of the Vienna Psychoanalytic Society, Bd. 1, 1906-1908, 1962, S. 391.

Normdaten (Person): Königstein, Hans: BBL: 42533; GND: 128227605;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [250]: Grünwald, Hermann Friedrich – Internist, NS-Verfolgter

Grünwald, Hermann Friedrich – Internist, NS-Verfolgter

Autor: Walter Mentzel

Published online: 06.11.2023

Keywords: Hermann Friedrich Grünwald, Internist, Allgemeine Poliklinik Wien, NS-Verfolgter, Arzt, Medizingeschichte, Wien

Hermann Friedrich Grünwald wurde als Sohn des aus Kaschau in Ungarn (heute: Kosice/Slowakei) stammenden Rechtsanwalts Dr. Ludwig Grünwald (-1910), und Regine, geborene Weinberg, am 29. Jänner 1880 in Wien geboren. Seit 1911 war er mit Benita Liss (*24.10.1879 Wien) verheiratet.

Grünwald studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 21. Dezember 1904. Danach arbeitete er an der der II. Medizinischen Klinik bei Professor Edmund Neusser (1852-1912) und bei Dietrich Gerhardt (1866-1921) in Basel. Zuletzt gehörte er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Assistent des Professors und Vorstandes der neurologischen Abteilung, Lothar von Frankl-Hochwart (1862-1914), dem Personalstand der Allgemeinen Poliklinik in Wien an.

Grünwald publizierte bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, beginnend 1903 mit der Arbeit „Zur vergleichenden Anatomie der Kleinhirnarme“ aus dem Institut für Anatomie und Physiologie des Centralnervensystems in der Zeitschrift „Arbeiten aus dem Neurologischen Institut an der Universität Wien“. In derselben Schriftenreihe erschien von ihm 1907 „Zur Frage des Bromgehaltes im Epiletikergehirne“.

Am Pharmakologischen Institut der Universität Wien publizierte er 1908 „Über die Lebenswichtigkeit der Chloride für den Organismus“, 1909 „Beiträge zur Physiologie und Pharmakologie der Niere“ und  „Zur Kenntnis des Pikrotoxins und seiner Beziehungen zum autonomen Nervensystem“, 1912 „Zur Frage der Digitalisspeicherung im Herzen“ und o.J. „Über Scillaren. Nach Versuchen am isolierten Froschherzen

Aus seiner Tätigkeit am Chemischen Laboratorium der Allgemeinen Poliklinik in Wien erschien von ihm 1907 „Zur Frage des Blutnachweises in den Fäces“.

An der II. Medizinischen Klinik veröffentlichte er 1905 die Arbeit „Zur Frage der medikamentösen Beeinflussung nephritischer Albuminurien“, 1906 „Beiträge zu funktionellen Nierendiagnostik“, 1909 gemeinsam mit Karl Stejskal (1872-1945) „Ueber die Abhängigkeit der Kampfer-Glukuronsäurepaarung von der normalen Funktion der Leber“ und 1910 „Über die Abhängigkeit des Glykogengehaltes der Leber von der Nierenfunktion“. An der Medizinischen Klinik in Basel verfasste er die Studie „Zur Kenntnis der Thrombose der Arteria profundus/a cerebri

Im Ersten Weltkrieg war Grünwald in Przemysl als Landsturmarzt stationiert und geriet nach der Belagerung und Eroberung der Festungsstadt im April 1915 in russische Kriegsgefangenschaft,[1] aus der er 1920 nach Wien zurückkehrte.[2] Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er bis 1938 als Facharzt für Innere Medizin in Wien 8, Piaristengasse 56.

Hermann Friedrich und Benita Grünwald waren wegen ihrer jüdischen Herkunft der NS-Verfolgung ausgesetzt. Hermann Friedrich Grünwald verstarb am 10. Mai 1942 und seine Ehefrau Benita am 6. April 1942 in einer sogenannten Sammelwohnung in Wien 2, Praterstraße 13/26 vor ihrer Deportation.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1880, Grünwald Hermann Friedrich.

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1879, Liss Benita.

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1911, Grünwald Hermann Friedrich, Liss Benita.

UAW, Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0561, Grünwald Hermann Friedrich (Nationalien Datum: 1902/03).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign., 190-0126, Grünwald Hermann Friedrich (Promotion Datum: 21.12.1904).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 19.283, Grünwald Hermann Friedrich.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Grünwald Hermann Friedrich und Benita

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Grünwald Hermann Friedrich , Benita.

Literatur:

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur vergleichenden Anatomie der Kleinhirnarme. Sonderdruck aus: Arbeiten aus dem Neurologischen Institut an der Wiener Universität. Leipzig, Wien: Deuticke 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 22965]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage des Bromgehaltes im Epileptikergehirne. Festschrift. Sonderdruck aus: Arbeiten aus dem Neurologischen Institute. Wien, Leipzig: Franz Deuticke 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Über die Lebenswichtigkeit der Chloride für den Organismus. Aus dem pharmakologischen Institut in Wien. Sonderdruck aus: Zentralblatt für die Physiologie. Wien: k.u.k. Hofdruckerei Carl Fromm 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Beiträge zur Physiologie und Pharmakologie der Niere. Aus dem pharmakologischen Institut zu Wien. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Kenntnis des Pikrotoxins und seiner Beziehungen zum autonomen Nervensystem. Aus dem pharmakologischen Institut zu Wien. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Verlag von Leipzig: F.C.W. Vogel 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage der Digitalisspeicherung im Herzen. Aus dem pharmakologischen Institut in Wien. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Über Scillaren. Nach Versuchen am isolierten Froschherzen. Ausgeführt mit Unterstützung der Fürst Liechtenstein-Spende. Aus dem Pharmakologischen Institut der Universität Wien. (Mit 7 Kurven). Sondredruck: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel o.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage des Blutnachweises in den Fäces. Aus dem chemischen Laboratorium der Wiener Allgemeinen Poliklinik. Vorstand Prof. Dr. J. Mauthner. Sonderdruck aus: Zentralblatt für innere Medizin. Leipzig: Verlag von Breitkopf & Härtel 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Frage der medikamentösen Beeinflussung nephritischer Albuminurien. Aus der II. medizinischen Klinik der Universität Wien. Vorstand: Hofrat Prof. v. Neusser). Sonderdruck aus: Zentralblatt für innere Medizin. [Leipzig]: 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Beiträge zur funktionellen Nierendiagnostik. Aus der II. medizinischen Klinik der Universität Wien (Vorstand: Hofrat Prof. v. Neußer). Sonderdruck aus: Deutsches Archiv für klinische Medizin. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Stejskal, Karl und Hermann Friedrich Grünwald: Ueber die Abhängigkeit der Kampfer-Glukuronsäurepaarung von der normalen Funktion der Leber. Aus der II. medizinischen Klinik in Wien. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller, k.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich : Über die Abhängigkeit des Glykogengehaltes der Leber on der Nierenfunktion. Sonderdruck aus: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Grünwald, Hermann Friedrich: Zur Kenntnis der Thrombose der Arteria profundus/a cerebri. Aus der medizinischen Klinik in Basel. (Mit 2 Abbildungen). Sonderdruck aus: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Neue Freie Presse, 13.5.1915, S. 6.

[2] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 21.11.1920, S. 11.

Normdaten (Person): Grünwald, Hermann Friedrich: BBL: 42429; GND: 1308366825;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [249]: Baar, Heinrich – Kinderarzt im St. Anna Kinderspital, Pathologe, NS-Verfolgter: Wien, Birmingham, Maine

Baar, Heinrich – Kinderarzt im St. Anna Kinderspital, Pathologe, NS-Verfolgter: Wien, Birmingham, Maine

Autor: Walter Mentzel

Published online: 19.10. 2023

Keywords: Heinrich Siegfried Baar, Kinderarzt, Pathologe, NS-Verfolgter, St. Anna Kinderspital, Medizingeschichte, Wien, Birmingham, Maine

Heinrich Siegfried Baar wurde am 15. Februar 1892 in Jagielnica bei Tarnopol in Galizien (heute: Yahilnytsya/Ternopil/Ukraine) als Sohn von Julius Baar (1869-?) und Henriette Ohrenstein (1870-?) geboren. Seit 1921 war er mit der Medizinerin Ida Türkl (23.12.1894 Troppau, gest. 1975 Birmingham/England) verheiratet, mit der er die Tochter Stella Baar (1921-2004) hatte.

Baar studierte, nachdem er die Schule in Tarnopol absolviert hatte, an der Universität Wien Philosophie (Promotion 1914), und arbeitete daneben an der biologischen Station in Lunz am See und an der zoologischen Station Triest. Ab dem Wintersemester 1914/15 studierte er – mit Unterbrechungen wegen seines Militärdienstes – an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 30. Juli 1919 mit seiner Promotion ab.

Danach begann er als Assistent des Kinderarztes und Primarius Romeo Monti (1877-1933) am St. Anna Kinderspital in Wien, und leitete zwischen 1928 und 1938 hier als Vorstand die Ambulanz. Seine wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte lagen auf dem Gebiet der Hämatologie, Infektionskrankheiten und Tetanus.

Oglinda Lumii 1929, S. 558.

Zwischen 1920 und 1937 publizierte er: 1920 gemeinsam mit Matija Ambrozic „Ein Fall von Makrogenitosomia praecox und Nebennierentumor bei einem 3 jährigen Mädchen“, 1921 „Ueber den diagnostischen Wert der Globulinvermehrung im Liquor cerebrospinalis bei Erkrankung des Kindesalters“, 1922 „Zur Kenntnis der lymphatischen Reaktion“, 1924 „Untersuchungen über die pressorische Adrenalinwirkung im Kindesalter“ und „Xanthomatose ohne Hypercholesterinämie bei einem 2 1/4 Jahre alten Knaben“, 1925 „Über den Einfluß von Proteinkörperinjektionen auf den Stoffwechsel des Alkaptonurikers“, 1926 „Adrenalinleukocytose und Asrenalinhypertonie in ihren Wechselbeziehungen“, 1928 veröffentlichte er mit Eugen Stransky (1891-1975 gemeinsam die Arbeit „Die klinische Hämatologie des Kindesalters“, 1932 mit Hans Benedict „Über Scharlach und Masern, sowie Masernproohylaxe auf Scharlachabteilungen“,[1] und 1937 „Über die Feitüchtigkeit bei maligner Diphterie (Zugleich ein Beitrag zur Frage der Alauntoxoid-Immunisierung)“. Weiters o.J. „Über akute aleukozytämische Leukämie im Kindesalter

Baar, der wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt und im August 1938 aus dem St. Anna Kinderspital entlassen wurde, flüchtete im Dezember 1938 nach England, wo er bis 1957 am Department für Pathologie am Children’s Hospital Birmingham, M.D. Birmingham arbeitete. 1963 erschien in den USA seine Arbeit „Disorders of the blood and blood-forming organs in childhood“.Danach übersiedelte er in die USA, wo er von 1958 bis 1965 am Pineland Hospital und Training Center in Pownal, Maine für die pathologische und klinische Forschung tätig war. 1964 wurde er Founder Fellow am College of Pathologists in London, weiters war er Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien und der Royal Society of Medicine in London.

Baar verstarb am 21. Februar 1967 in Birmingham, England.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0681, Baar Heinrich (Nationalien Datum 1914/15).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 191-1606, Baar Heinrich Siegfried (Promotion Datum: 30.7.1919).

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., VA, Zl. 84 und 85, Baar Heinrich Siegfried.

ÖStA, AdR, E-uReang, Hilfsfonds, Abgeltungsfonds 2.147, Baar Heinrich.

ÖStA, AdR, E-uReang, FLD 19.909, Baar Heinrich.

WStLA, VEAV, 1.3.2.119.A41, C 336, Bezirk: 7, Baar Heinrich.

Journal of the Main Medical Association, 1967, S. 90.

England and Wales Death Registration Index 1837-2007, Ida Baar, 1975.

Find a grave: Baar Heinrich und Ida (Quinton Cemetery, Halesowen, Metropolitan Borough of Dudley, West Midlands, England).

Literatur:

Baar, Heinrich und Matija Ambrozic: Ein Fall von Makrogenitosomia praecox und Nebennierentumor bei einem 3 jährigen Mädchen. Aus dem St. Anna-Kinderspitale in Wien und dem path.-anatom. Institute der Universität Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für Kinderheilkunde. Berlin: Verlag von Julius Springer 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Ueber den diagnostischen Wert der Globulinvermehrung im Liquor cerebrospinalis bei Erkrankung des Kindesalters. Aus dem St. Anna-Kinderspitale in Wien (Vorstand: Prim. Dr. Romeo Monti). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller 1921.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Zur Kenntnis der lymphatischen Reaktion. Aus dem St. Anna-Kinderspitale, Direktor: Prim. Dr. Romeo Monti. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Rikola Verlag 1922.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Untersuchungen über die pressorische Adrenalinwirkung im Kindesalter. Aus dem St. Anna-Kinderspitale in Wien – Primarius: Dr. Romeo Monti. (Mit 2 Abbildungen im Text). Sonderdruck aus: Zeitschrift für Kinderheilkunde. Wien: Verlag von Julius Springer 1924.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Xanthomatose ohne Hypercholesterinämie bei einem 2 1/4 Jahre alten Knaben. Aus dem St. Anna-Kinderspitale in Wien – Primarius: Dr. Romeo Monti. Sonderdruck aus: Zeitschrift für Kinderheilkunde. Wien: Verlag von Julius Springer 1924.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Über den Einfluß von Proteinkörperinjektionen auf den Stoffwechsel des Alkaptonurikers. Aus dem St. Anna-Kinderspital in Wien (Direktor: Prim. Dr. Romeo Monti). Sonderdruck aus: Klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Julius Springer 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Adrenalinleukocytose und Asrenalinhypertonie in ihren Wechselbeziehungen. Aus dem St. Anna-Kinderspitale in Wien (dirigierender Primararzt Dr. Romeo Monti). Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin. Berlin: Verlag von Julius Springer 1926.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich und Eugen Stransky: Die klinische Hämatologie des Kindesalters. Leipzig u.a.: Deuticke 1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte, Sign.: GÄ-21939]

Baar, Heinrich: Über die Feitüchtigkeit bei maligner Diphterie (Zugleich ein Beitrag zur Frage der Alauntoxoid-Immunisierung). Aus dem St. Anna-Kinderspitale (Direktor: Doz. Dr. H. Orel) und dem Staatlichen seotherapeutischen Institute in Wien, Abteilung für Serumsgewinnung (Vorstand: Dr. N. Kovács). Sonderdruck aus: Klinische Wochenschrift. Berlin: Verlag von Julius Springer, München: J.F. Bergmann 1937.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Über akute aleukozytämische Leukämie im Kindesalter. Aus dem St.-Anna Kinderspitale (Primarius Dr. Romeo Monti) und dem pathologisch-anatomischen Institute der Universität Wien. Sonderdruck aus: Jahrbuch für Kinderheilkunde. Berlin: Verlag von S. Karger o.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Baar, Heinrich: Disorders of blood and blood-forming organs in childhood. With 135 tables. Basel u.a.: Karger 1963.

[Universitätsbibliothek AKH/Magazin, Sign.: 2017-01769]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 39, 1932, S. 1221-1225.

Normdaten (Person): Baar, Heinrich: BBL: 42315; GND: 1042688907;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [248]: Berliner, Max – Chefarzt im Sanatorium Purkersdorf, Hietzing und Perchtoldsdorf, NS-Verfolgter

Berliner, Max – Chefarzt im Sanatorium Purkersdorf, Hietzing und Perchtoldsdorf, NS-Verfolgter

Autor: Walter Mentzel

Published online: 06.10.2023

Keywords: Max Berliner, Internist, Physikalische Medizin, Sanatorium Purkersdorf (Westend), Parksanatorium Hietzing, Waldsanatorium Perchtoldsdorf, NS-Verfolgter, Medizingeschichte, Wien

Max Berliner, geboren am 24. September 1883 in Sereth in der Bukowina (heute: Siret/Rumänien) als Sohn von Adolf Berliner (zirka 1849-1928) und Anette (1855-1930), lebte seit 1903 in Wien, wo er an der Universität Medizin studierte. Er war während des Studiums als Aspirant und Hospitant an der Internen Abteilung der Allgemeinen Poliklinik in Wien bei Professor Emil Ritter Stofella d’Alta Rupe (1935-1912)[1] und danach als Aspirant an der Universitäts-Kinderklinik bei Professor Theodor Escherich (1857-1911) tätig. Während dieser Jahre hielt er 1908 einen Vortrag vor der Gesellschaft für physikalische Medizin,[2] sowie 1909 vor der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien.[3] 1909 publizierte er an der Kinderklinik „Ein Fall von Agenesie des Ober- und Mittelohrlappens der rechten Lunge mit Dextroversio cordis“ sowie im selben Jahr „Zur Prognose der Poliomyelitis anterior acuta“. Danach arbeitete er als Demonstrator an der Universitäts-Kinderklinik und im April 1910 erfolgte seine Ernennung zum Sekundararzt am Wilhelminenspital. Zuvor hatte er im Jänner 1910 sein letztes Rigorosum abgelegt und erhielt am 2. September 1910 seine Promotion. Neben seiner Facharztausbildung für Innere Medizin und physikalische Heilmethoden begann er als Assistenzarzt am Parksanatorium in Purkersdorf zu arbeiten, wo er 1912 zum Chefarzt bestellt wurde.[4] Im selben Jahr übernahm er die Geschäftsführung des Parksanatoriums Hütteldorf-Hacking.[5]

1913 erfolgte gemeinsam mit Gertrude Bien (1881-1940) seine Wahl zum Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien,[6] sowie seine Aufnahme in die Gesellschaft der Ärzte in Wien.[7]

Während des Ersten Weltkrieges überließ er zunächst einen Teil des Parksanatoriums für die Betreuung von Kriegsverletzten,[8] danach kam das Sanatorium als Evakuationsanstalt angegliedert an das Militärkommando Wien. Er selbst nahm zunächst als Landsturm-Assistenzarzt und ab 1916 als Landsturm-Oberarzt am Ersten Weltkrieg im Reservespital Nr. 16 in Wien 17 teil.[9] 1915 erhielt er das Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration als Auszeichnung.[10]

Nach dem Krieg führte er als Gesellschafter und Chefarzt das Parksanatorium in Hütteldorf-Hacking weiter. 1925 kam es zunächst zur Auflösung und zur Liquidation der Gesellschaft,[11] und danach zur Weiterführung als Betriebsgesellschaft unter einer neuen Geschäftsführung. Berliner behielt die Funktion eines Chefarztes bis 1927. In diesem Jahr übernahm er gemeinsam mit Karl Feiler (1874-1941) die Leitung des Sanatoriums Purkersdorf (Westend).[12]

1928 publizierte Berliner als Funktionär des Zentralverbandes der Heilstätten Österreichs den Artikel „Die Sanatorien Österreichs“.[13] 1932 erhielt er den Titel eines Medizinalrates verliehen.[14]

Im Dezember 1936 übernahm er wieder nach einer Änderung des Gesellschaftsvertrages neben seiner Funktion als Chefarzt die Geschäftsführung und Leitung des Parksanatoriums Hütteldorf-Hacking,[15] die er bis zum „Anschluss“ im März 1938 behielt. Danach kam es zur „Arisierung“ des Sanatoriums.

Weiters hatte er noch bis 1936 die Funktion eines Chefarztes in dem sich im Besitz von Oskar Mautner (1883-1944) befindenden Waldsanatoriums Perchtoldsdorf. Oskar Mautner war jüdischer Herkunft und wurde 1942 ins KZ Brünn-Theresienstadt/Terezin deportiert und 1944 im KZ-Dachau ermordet.[16]

Berliner war Mitglied der Freimaurer B’nai Brith, Loge Wahrheit.

Max und seine Ehefrau Gertrud, geborene Wendriner, mit der er seit 1920 verheiratet war, und sein in Wien am 3. April 1921 geborener Sohn Walter, waren wegen ihrer jüdischen Herkunft der NS-Verfolgung ausgesetzt. Max Berliner wurde nach dem „Anschluss“ von den Nationalsozialisten verhaftet. Seine rasche Freilassung erfolgte nur wegen des Einsatzes eines hohen Wiener Polizeioffiziers, dessen Sohn bei Berliner vor dem „Anschluss“  in ärztlich Behandlung stand. Unmittelbar danach gelang es ihm mit Unterstützung des Königs von Jugoslawien, Peter II Karađorđević (1923-1970), mit seiner Ehefrau und seinem Sohn die Ausreise nach Jugoslawien. Nach einigen Monaten übersiedelte die Familie nach Menton in Südfrankreich und ein Jahr später nach England, wo Max seine Tätigkeit als Arzt aufnahm.

 Er verstarb am 29. März 1947 in Surrey in England.[17]

Seine Ehefrau Gertrud emigrierte 1948 in die USA. Walter Berliner wurde nach Kriegsausbruch zunächst als „enemy alien“ auf der Isle of Man und danach in Bombay in Indien interniert. Nach seiner Freilassung emigrierte er im August 1941 mit der SS President Grant nach New York, wo er nach dem Krieg die das KZ Auschwitz und Bergen Belsen überlebende und 1947 in die USA emigrierte Lillian (10.12.1928 Cluj/Rumänien) heiratete. Die Geschichte der Familie Berliner und die Umstände ihrer Flucht hielt Lillian Berliner in ihrem 2009 erschienenen Buch „And The Month Was May. A Memoir“ fest.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch, Max Berliner.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0590, Berliner Max (Nationalien Datum: 1906-07).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0023, Berliner Max (Rigorosen Datum: 18.1.1910).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-1021, Berliner Max (Promotion Datum: 9.2.1910).

Arolsen-Archiv, Arolsen-Archiv, Inhaftierungsdokumente, Deportationen und Transporte, AJDC Berlin Kartei (Deportationen): Berliner Max.

Arolsen-Archiv, Arolsen-Archiv: Inhaftierungsdokumente, Deportationen und Transporte, AJDC Berlin Kartei (Deportationen): Berliner Gertrud.

Arolsen Archiv, Registrierungen und Akten von Displaced Persons, Kindern und Vermissten, Aufenthalts- und Emigrationsnachweise, Emigrationen, Passagierlisten und sonstige Zusammenstellungen über emigrierte Personen, DE Registrierungen und Emigration überwiegend aus Deutschland,DE I Zeitraum 1946-1952 (hauptsächlich IRO-Unterstützung) Berliner Walter.

Auswanderungskartei der IKG Wien, Berliner Max

Auswanderungskartei der IKG Wien, Berliner Walter.

National Archive (GB), Home Office: Aliens Department: Internees Index, 1939-1947, Internees at Liberty in the UK, Prisoners of War, 1715-1947, Max Berliner, 1939-1942.

New York Book Indexes to Passenger Lists, 1906-1942, NARA microfilm publication T612 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), Berliner Walter.

New York, New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957, NARA microfilm publication T715 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), Berliner Walter.

New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Petitions for naturalization and petition evidence 1943 box 826, no 452901-453250, NARA microfilm publication M1972, Southern District of New York Petitions for Naturalization, 1897-1944. Records of District Courts of the United States, 1685-2009, RG 21. National Archives at New York, Berliner Walter.

England and Wales Death Registration Index 1837-2007, Max Berliner.

Find a grave: Walter Berliner gestorben 17.8.1989 in New York.

Berliner Lillian, And The Month Was May. A Memoir, Bloomington 2009.

Literatur:

Berliner, Max: Ein Fall von Agenesie des Ober- und Mittelohrlappens der rechten Lunge mit Dextroversio cordis. Aus der k.k. Universitäts-Kinderklinik (Vorstand: Hofrat Prof. Dr. Th. Escherich). Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Berliner, Max: Zur Prognose der Poliomyelitis anterior acuta. Aus der k.k. Universitäts-Kinderklinik (Vorstand: Hofrat Prof. Escherich). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1.8.1906, S. 8.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 9, 1908, Sp. 474.

[3] Wiener klinische Rundschau, Nr. 17, 1909, S. 263.

[4] Czernowitzer Tagblatt, 24.12.1912, S. 4.

[5] Wiener Zeitung, 25.12.1912, S. 788.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 32, 1913, S. 1995.

[7] Die Zeit, 16.4.1913, S. 5.

[8] Wiener Stadt- und Vorstadt-Zeitung, 27.7.1914, S. 4.

[9] Der Militärarzt, Nr. 14, 1916, Sp. 270; Wiener Zeitung, 27.8.1918, S. 2.

[10] Neue Freie Presse, 30.10.1915, S. 10.

[11] Wiener Zeitung, 18.7.1925, S. 447.

[12] Neues Wiener Journal, 15.6.1927, S. 9.

[13] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 13, 1928, S. 414-416.

[14] Wiener Zeitung, 6.3.1932, S. 1.

[15] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 42, 1936, S. 1184.

[16] https://www.holocaust.cz/en/database-of-victims/victim/108984-oskar-mautner/ Stand: 03.10.2023; https://www.lettertothestars.at/himmelsbriefe8edd.html?s=1&opfer__id=48552 Stand: 03.10.2023

[17] Wiener klinische Wochenschrift, 1947, S. 551.

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Letzte Aktualisierung: 2023 10 06

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