Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [307]: Bardach, Hermann – Dentist und praktischer Arzt, NS-Verfolgter

Bardach, Hermann – Dentist und praktischer Arzt, NS-Verfolgter

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 04.11.2024

Keywords: Zahnarzt, Medizingeschichte, Wien, NE-Verfolgter

Hermann Bardach wurde als Sohn des aus Lemberg stammenden und in Wien praktizierenden Dentisten Max Bardach (1830-1903) und Fanny (1843-1920), geborene Marx, am 30. Jänner 1868 in Wien geboren. 1908 heiratete er Regine Sachs (Sax) (22.12.1872-), mit der er den Sohn Gustav Bardach (31.10.1910 Wien) hatte. Seine Schwester Marie Bardach (1873-?) war mit Emil Hammerschlag, dem Sohn des Bibliothekars der IKG Wien, Samuel Hammerschlag (1826-1904), und seine Schwester Leontine Bardach (1866-1934) mit dessen Sohn, dem Internisten Albert Hammerschlag (1863-1935), verheiratet.

Bardach studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 21. März 1891. Seinen Militärdienst schloss er im Mai 1891 mit seiner Ernennung zum Assistenzarzt der Reserve ab.[1] Danach arbeitete Bardach zunächst als Dentist in seiner und bis zum Tod seines Vaters Max Berdach im Jahr 1903 gemeinsam geführten Ordination in Wien 1, Brandstätte 6, und publizierte zahlreiche Artikel in der Österreichisch-ungarischen Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde wie 1897 „Einige Bemerkungen zur Technik der approximalen Amalganfüllung in Frontzähnen“,[2] „Cyste vor einem retinierten Eckzahn“,[3] „Ein Vorteil beim Anlegen des Kofferdam“,[4] oder in der Österreichische Zeitschrift für Stomatologie „Eine Modifikation der Richmond-Krone“.[5] Die Ordination führte er nach dem Tod seines Vaters einige Jahre gemeinsam mit dem Dentisten Adolf Weiß als „zahnärztliches Atelier“, bis er sie nach Wien 19, Pokornygasse 25, verlegte.

Weitere Publikationen erschienen von ihm 1907 „Ein Schuh zur Prophylaxe und für leichte Formen von Pes valgus staticus“, 1908 „Über Gummi-Einlagen in orthopädischen Schuhen“,[6] 1909 „Elastisches Heftpflaster“ und 1911 „Weitere Mitteilungen über das elastische Heftpflaster“, sowie 1925 „Sauerstoffwirkung, erhöht durch naszierendes Chlor“.

Am Ersten Weltkrieg nahm Bardach, nachdem er im Dezember 1914 vom Oberarzt zum Regimentsarzt befördert wurde, aktiv bei der Landwehre teil.[7] 1915 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, die er in Omsk und danach in Taschkent verbrachte.[8] Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft im Jahr 1918 [9] führte er ab Mai 1919 seine Ordination in Wien 1, Börseplatz 6.[10]

1929 nahm Bardach am 1. Internationalen physiatrischen Kongress in Wien teil, wo es zur Vorstellung des Filmes „Verkühle dich täglich“ des gleichnamigen Wiener Vereins kam, dem er als Mitglied und Eisschwimmer angehörte und im Film mitwirkte.[11]

Nostalgia Vienna

Bardach war Mitglied des Zentralvereines der österreichischen Stomatologen. 1934 nahm er an der Tagung des Verbandes der zahnärztlichen Vereine Österreichs am Physiologischen Institut der Universität Wien teil, wo er in seinem Referat neue Füllungsmittel zum Schutz des Zahnmarks vorstellte.[12]

Hermann Bardach und seine Familie waren wegen ihrer jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ im März 1938 von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten bedroht. Bardach verstarb am 6. Februar 1940 in Wien 1, Salzgries 16. Seinem Sohn Gustav gelang über England 1939 die Flucht in die USA. Seine Ehefrau Regine wurde am 20. Juni 1942 von Wien in das Ghetto Theresienstadt deportiert und ermordet.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1868, Bardach Hermann.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0221, Bardach Hermann (Nationalien Darum 1886/87).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-32a, Bardach Hermann (Rigorosum Darum 1888).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 187-128, Bardach Hermann (Promotion Darum 21.3.1891).

Arolsen-Archiv, Inhaftierungsdokumente, 1.2 Verschiedenes, 1.2.1 Deportationen und Transporte, 1.2.1.1 Deportationen, Deportationen aus dem Gestapobereich Wien (1939-1945), Transport 28: Deportation von Wien nach Theresienstadt, 20.06.1942, Bardach Regine

Auswanderungsabteilung der IKG Wien, jüdische Auswanderungsanträge, 1938-1939, Bardach Gustav.

United States Index to Alien Case Files, 1940-2003, Immigration, Alien Registration Number, Index to Alien Case Files at the National Archives at Kansas City, ca. 1975 – 2012, NAID 5821836, Records of U.S. Citizenship and Immigration Services, 2003 – 2004, RG 566, National Archives at Kansas City, Gustav Bardach.

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Bardach Hermann

Literatur:

Bardach, Hermann: Ein Schuh zur Prophylaxe und für leichte Formen von Pes valgus staticus. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles k.u.k. Hofbuchhandlung 1907.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Bardach, Hermann: Elastisches Heftpflaster. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Wilhelm Braumüller, k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Bardach, Hermann: Weitere Mitteilungen über das elastische Heftpflaster. Sonderdruck aus: Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k Hof- und Universitäts-Buchhändler 1911.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Bardach, Hermann: Sauerstoffwirkung, erhöht durch naszierendes Chlor. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Verlag Julius Springer 1925.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Die Presse, 10.5.1891, S. 4.

[2] Österreichisch-ungarische Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, H. 1, 1898, S. 99-111.

[3] Österreichisch-ungarische Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, Bd. 19, 1903, S. 193-194.

[4] Österreichisch-ungarische Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, H. 1, 1905, S. 70-71.

[5] Österreichische Zeitschrift für Stomatologie, H. 3, 1906, S. 65-69.

[6] Internationale klinische Rundschau, Nr. 39, 1908, S. 614.

[7] Die Zeit, 8.12.1914, S. 4.

[8] Neues 8 Uhr Blatt, 6.4.1916, S. 3.

[9] Österreichisch-Ungarische Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde 3.4.1918.

[10] Arbeiter Zeitung, 18.5.1919, S. 10.

[11] Freiheit, 30.8.1929, S. 3.

[12] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 10.6.1934, S. 9.

Normdaten (Person): Bardach, Hermann: BBL: 45246; GND: 1346377804;

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL: 45246 (04.11.2024)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=45246

Letzte Aktualisierung: 2024 11 04

Logo Margrit Hartl

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [306]: Vajda, Ladislaus – Dermatologe, Leiter der „Privatheilanstalt Dr. Ladislaus von Vajda“ und Abteilungsleiter für Syphilis am Kaiser Franz Josef-Ambulatorium

Vajda, Ladislaus – Dermatologe, Leiter der „Privatheilanstalt Dr. Ladislaus von Vajda“ und Abteilungsleiter für Syphilis am Kaiser Franz Josef-Ambulatorium

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 04.11.2024

Keywords: Dermatologe, Privatheilanstalt, Kaiser Franz Josef-Ambulatorium, Medizingeschichte, Wien

Ladislaus (Laszlo) von Vajda wurde als Sohn des Bürgermeisters von Nagykörös, Laszlo Vajda, und Susanne, geborene Gal, am 1. März 1847 in Nagykörös in Ungarn geboren. Nachdem er 1864 das Gymnasium in Nagykörös absolviert hatte, studierte er an der Universität Wien Medizin. Am 31. Jänner 1870 promovierte er zum Doktor der Medizin, am 3. Februar 1870 erhielt er den Titel Magister der Geburtshilfe und am 27. Juli 1870 promovierte er zum Doktor der Chirurgie.

1869/70 leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger und Assistenzarzt an der Abteilung für Syphilis und Hautkrankheiten bei Professor Albert Reder (1826-1904) im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien ab.[1] 1871 erfolgte seine Ernennung zum Reserveoberarzt im Spital des k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 12.[2]

Von November 1871 bis 1875 war er zuerst als Sekundararzt und ab 1873 als Assistenzarzt im Allgemeinen Krankenhaus in Wien an der Klinik für Syphilis bei Karl Ludwig Sigmund (1810-1883) und bei Hermann von Zeisel (1817-1884) tätig. 1871 erhielt er eine Auszeichnung von der k.k. nö. Statthalterei anlässlich seines Einsatzes während der Typhusepidemie in Wien im Jahr 1870. 1872 publizierte er an der Klinik „Lostorfer’sche Syphiliskörperchen[3] (Teil 2) und 1875 „Beiträge zur Anatomie der syphilitischen Papeln der Geschlechtstheile“. Nachdem er 1875 als Assistent emeritierte, erfolgte 1876 seine Habilitation im Fach Syphilis und die Verleihung des Titel eines Privatdozenten.[4]

In den folgenden Jahren veröffentlichte er 1880 seinen im Dezember 1879 gehaltenen Vortrag in der Gesellschaft der Ärzte zu „Kann die während der Schwangerschaft acquirierte Syphilis der Mutter auf das Kind (in utero) übertragen werden? [5] und im selben Jahr gemeinsam mit Heinrich Paschkis (1849-1923) die Monografie „Über den Einfluss des Quecksilbers auf den Syphilisprocess mit Berücksichtigung des sogenannten Mercurialismus“. 1882 erschien von ihm „Ueber einige seltenere Befunde bei der chronischen Blennorrhöe der männlichen Harnröhre“,[6] und 1901 der Aufsatz „Ueber ein Urethro-Calibromanometer und dessen Anwendung“.

Vajda war 1897 Mitbegründer des Ärztlichen Vereins für den 7. Wiener Gemeindebezirk, weiters gehörte er seit 1875 als ordentliches Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien an,[7] sowie seit 1890 als korrespondierenden Mitglied der „Société de Dermatologie et de Syphiligraphie“ in Paris.[8] 1912 wurde er zum Ehrenmitglied der Accademia Fisico-Chimica Italiano in Palermo gewählt.[9]

Privatheilanstalt Dr. Ladislaus von Vajda

1885 erhielt er von der niederösterreichischen Statthalterei die Bewilligung zur Errichtung einer Privatanstalt in Wien 8, Blindengasse 29, die er bis 1901 leitete.

Ambulatorium Mariahilf und Abteilungsvorstand am Kaiser Franz Josef-Ambulatorium

Weiters war Vajda seit 1894 als Arzt am Ambulatorium in Mariahilf (Wien 6, Esterhazygasse 31) und von 1897 bis zu seinem Tod als Abteilungsleiter für Syphilis am Kaiser Franz Josef-Ambulatorium tätig, wo er auch seit 1900 Vorlesungen und Kurse hielt.[10]

Ladislaus von Vajda verstarb am 17. Juni 1916 in Wien.[11] Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen u.a. aus einer Reihe von Liegenschaften und Häusern, das er testamentarisch zu einem Teil seiner Geburtsstadt hinterließ. Einen weiteren Teil aus dem Vermögensnachlass widmete er testamentarisch einem zu schaffenden Wohltätigkeits-Stiftungsstipendium für Student:innen, das heute noch an der Universität Wien als „Dr. Ladislaus Vajda-Stiftung“ existiert. Seine Privatbibliothek überließ er der Universität in Debrecen.[12]

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-403, Vajda (Promotion Datum: 27.7.1870).

UAW, Rektoratsarchive, Akademischer Senat, Akten-Sonderreihe, S 304 Personalblätter, Senat S 304.1313 Vajda Ladislaus.

WStLA, Sonderregistraturen, Stiftungen, Magistrat Stiftsbriefe, 1.2.4.7.1.A1.1007, Ladislaus Vajda Nagy-Köröser Advokat seines gleichnamigen Sohnes des Wiener Arztes Stiftung (Dr. Ladislaus Vajda-Stiftung).

WStLA, Sonderregistraturen, Stiftungen, Magistrat Stiftsbriefe, 1.2.4.7.1.A1.325 – Ladislaus Vajda, Nagy Köröser Arztstiftung, (6.12.1963).

Privatheilanstalt des Dr. Ladislaus von Vajda, VIII. Bezirk, Blindengasse Nr. 29 in Wien. In: Jahresbericht des Wiener Stadtphysikates über seine Amtsthätigkeit sowie über die Gesundheitsverhältnisse Wiens und der städtischen Humanitäts-Anstalten in den Jahren 1885 und 1886, (Hg. vom Wiener Stadtphysikat), Wien 1887, S. 355-356.

Heil- und andere Humanitätsanstalten. In: Bericht über die Sanitären Verhältnisse und Einrichtungen im Erzherzogthume Österreich unter der Enns für das Jahr 1896, (Hg. von der k.k. Nieder-Österreichischen Statthalterei), Wien 1897, S. 130-225.

Literatur:

Vajda, Ladislaus: Beiträge zur Anatomie der syphilitischen Papeln der Geschlechtstheile. (Hiezu Tafel VII.) Sonderdruck aus: Medizinische Jahrbücher. O.O.: 1875.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Vajda, Ladidlaus und Heinrich Paschkis: Über den Einfluß des Quecksilbers auf den Syphilisprocess mit Berücksichtigung des sogenannten Mercurialismus. Klinische und chemische Untersuchungen. Wien: Braumüller 1880.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 135]

Vajda, Ladislaus: Ueber ein Urethro-Calibromanometer und dessen Anwendung. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Referenzen:

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 17, 1870, Sp. 27, Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 22.2.1870, S. 88.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 14, 1871, Sp. 327.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 8, 1872, Sp, 174-176; Nr. 9, 1872, Sp. 197-200.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 13, 1876, Sp. 309.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 30, 1880, Sp. 837-841; Nr. 31, 1880, Sp. 865-869; Nr. 32, 1880, Sp. 894-899.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 37, 1882, Sp. 1097-1102; Nr. 38, 1882, Sp. 1133-1136.

[7] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 20.4.1875, S. 136.

[8] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 3, 1890, Sp. 126.

[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 25, 1912, Sp. 1718.

[10] Wiener klinische Rundschau, Nr. 39, 1900, S. 788.

[11] Verzeichnis der Verstorbenen / verl. und hrsg. vom Wiener Magistrate. Wien: Magistrat, 1767-1942 : (1916)

[12] Die Zeit, 26.6.1916, S. 3.

Normdaten (Person): Vajda, Ladislaus : BBL: 45244; GND: 1346325766;

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL: 45244 ( 04.11.2024)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=45244

Letzte Aktualisierung: 2024 11 04

Logo Margrit Hartl

„Blatt für Blatt – die Schätze der Josephinischen Bibliothek“

„Blatt für Blatt – Die Schätze der Josephinischen Bibliothek“

In einer exklusiven Führung zeigt Bibliothekar Harald Albrecht die einzigartigen Schätze aus dem wertvollen Bestand der  Josephinischen Bibliothek.
Präsentiert werden historische Bücher beginnend vom Ursprung des Buchdrucks über anatomische Darstellungen der Renaissance bis hin zu prachtvollen barocken Pflanzenbüchern.

Termine: Donnerstag, 5.12.2024, um 18 Uhr

Dauer: 60 Minuten

Eintritt: 16 Euro

Aufgrund der eingeschränkten Teilnehmer:innenzahl, ersuchen wir um rechtzeitige Voranmeldung unter: info@josephinum.ac.at
oder (+43) 1 40160 26005

Josephinum
Medizinhistorisches Museum Wien
Währinger Straße 25, 1090 Wien
www.josephinum.ac.at

Harald Albrecht, BA, M.A. LIS
Leiter der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Datenbank des Monats: Lernplattform AMBOSS für Studierende und Angehörige der MedUni Wien 

Die Lernplattform AMBOSS steht allen Studierenden und Angehörigen der MedUni Wien zur Verfügung.

AMBOSS vereint Lernprogramm und Nachschlagewerk zu einer adaptiven medizinischen Wissensplattform und ist geeignet für alle Studierenden im vorklinischen und klinischen Studienabschnitt.

Neuen AMBOSS-Account erstellen und Campuslizenz aktivieren:

  1. Im Browser die AMBOSS-SSO-Page öffnen.
  2. Die eigene universitäre E-Mail-Adresse eingeben.
  3. Auf “Anmeldung über deine Institution” klicken.
  4. Den weiteren Registrierungsschritten folgen und Account einrichten.
  5. Die Campuslizenz wird automatisch im eigenen Account aktiviert.
  6. Der SSO-Login funktioniert aktuell nur im Browser. Für den Login in die AMBOSS-Apps sowie das AMBOSS Add-on für Anki bitte den Link Passwort vergessen? verwenden und manuell ein Passwort einrichten.

Sollten Sie bereits einen mit der MedUni Wien verknüpften AMBOSS-Account haben und die Aufforderung erhalten, die Lizenz zu erneuern, finden Sie hier eine Anleitung dafür.

Scientific Writing Hacks: Academic Integrity: Diplomarbeiten professionell betreuen

Hack #45:

Academic Integrity: Diplomarbeiten professionell betreuen

In der Veranstaltung können Betreuer:innen von MedUni Wien Hochschulschriften erfahren, wie Abschlussarbeiten konform der definierten Standards und Formvorschriften und des Leitfadens für das Erstellen von Hochschulschriften zu erstellen sind.

Termin: 21. November 2024, von 13–17 Uhr

Anmeldung und weitere Informationen –>hier

Scientific Writing Hacks: Elsevier-Webinar: „How gen-AI can support the research workflow & identify emerging trends“

Hack #44:

Am 21. November 2024 findet um 16 Uhr das kostenlose englischsprachige Webinar „How genAI can support the research workflow & identify emerging trends“ statt.

Die Anmeldung ist über folgenden Link möglich.

Haoyong Lan von der Carnegie Mellon University wird in der Online-Veranstaltung u.a. auf folgende Themen eingehen:

  • Verfassen präziser Prompts in generativen KI-Tools
  • innovative Recherche mittels Scopus AI

>>Scientific Writing Hacks

Neuzugänge an der Zweigbibliothek für Zahnmedizin

Die Zweigbibliothek für Zahnmedizin erweitert ihren Bestand kontinuierlich um zahlreiche interessante Neuerwerbungen.
Hier finden Sie die Liste der erworbenen Bücher:

  • Jivraj, S.: Graftless solutions for the edentulous patient, 2. Afl., 2023, 1 Stk.
  • Vanini, L.: Esthetics Funftion Posture, 1. Afl., 2024, 1 Stk.
  • Shah, P.: Beyond the Single Tooth, 1. Afl., 2023, 1 Stk.
  • Bertani, P.: Tooth or Implant, 1. Afl., 2024, 1 Stk.
  • Dawson, P.: Functional Occlusion, 1. Afl., 2007, 1 Stk.
  • Fayad, M.: 3D imaging in endodontics, 2. Afl., 2023, 1 Stk. 
  • Kesting, M.: Chirurgie der Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten, 1. Afl., 2024, 1 Stk. 
  • Odell, E.: Cawson’s Essentials of Oral Pathology and Oral Medicine, 10. Afl., 2024, 1 Stk.
  • Phelps, C.: The Complete Book on Dental Marketing, 1. Afl., 2022, 1 Stk.
  • Banerjee, A.:A Clinical Guide to Advanced Minimum Intervention Restorative Dentistry, 1. Afl., 2024, 1 Stk.
  • Gisco, A.: Dental Management Manual in the Post Covid-19 Era, 1. Afl., 2021, 1 Stk.
  • Shaikh, K.: Artificial intelligence in dentistry, 1. Afl., 2023, 1 Stk.                       
  • Kochaji, N.: Clinical oral pathology, 1. Afl., 2024, 1 Stk.                                   
  • Germain, L.: Cosmetic Injectibles and Therapeutics, 1. Afl., 2023, 1 Stk.    
  • Delantoni, A.: Digital dentistry, 1. Afl., 2024, 1 Stk.                                       
  • Shapira, E.: Geriatric dentistry, 1. Afl., 2023, 1 Stk.                                          
  • Mheissen, S.: Orthodontic evidence, 1. Afl., 2023, 1 Stk.                                       
  • Rasse, M.: Surgery of Craniosynostosis and Related Midface Deformities, 1. Afl., 2024, 10 Stk.    
  • Yu, H.: Digital removable partial denture technology, 1. Afl., 2023, 1 Stk. 
  • Eliyas, S.: The Periodontic-Endodontic Interface, 1. Afl., 2024, 1 Stk.  
  • Hollins, C.: Basic Guide to Dental Procedures, 3. Afl., 2024, 1 Stk.
  • Sabbagh, J.: Bulk fill resin composites in dentistry, 1. Afl., 2024, 1 Stk.
  • Chiapasco, M.: Manual of oral surgery, 3. Afl., 20218, 1 Stk.
  • Castelluci, E.: Microsurgical Endodontics, 1. Afl., 2019, 1 Stk.
  • Grumezescu, A.: Nanobiomaterials in Dentistry, 1. Afl., 2016, 1 Stk.
  • Karoussis, I.: Peri-Implantitis, 1. Afl., 2024, 1 Stk. 

>>Suche im Bibliothekskatalog
>>Öffnungszeiten

Scientific Writing Hacks: Publication Integrity Week 2024

Hack #43:

Die Publication Integrity Week 2024 findet von 18. November 2024 bis 22. November 2024 online statt.

Die Publication Integrity Week 2024 ist für alle Mitgliedern kostenlos. Nicht-Mitglieder können gegen eine Gebühr an ausgewählten Sitzungen teilnehmen und einige Sitzungen sind sogar kostenlos.
Registrierung und weitere Informationen finden Sie >>hier.

Scientific Writing Hacks: SAVE THE DATE: European Conference on Ethics and Integrity in Academia 2025

Hack #42:

European Conference on Ethics and Integrity in Academia 2025

Die Konferenz soll Forschende, Lehrende und Fachleute aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen, um kritische Fragen der akademischen Integrität, der Forschungsintegrität und der Forschungsethik zu erörtern.

Programm >>hier

********************

Gastautor Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig: Ver-rückte Zeit

Ver-rückte Zeit

Autor: Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig

 

„Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.“   Erich Kästner

Über tempus – die Zeit – ließe es sich trefflich philosophieren, von Vorsokratikern (πάντα ῥεῖ –  panta rhei – Heraklit) „alles fließt“ – über Newton: „sie tickt gleichmäßig..“ bis zu Albert Einstein, der meinte, dass die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur eine hartnäckige Illusion wäre“ – in diesem unserem Raum-Zeit-Kontinuum und der vielzitierten Krümmung. Dazu mischen sich ziemlich verrückte Vorstellungen: „a photon can spend a negative amount of time in an atom cloud“ (Angulo et al 2024) https://arxiv.org/pdf/2409.03680.  Zum Stillstand kam ein Photon experimentell schon vor längerer Zeit (Bajcsy M et al (2003) „Stationary pulses of light in an atomic medium“  Nature;426(6967):638-41) und damit stockte vielleicht auch die ‚Zeit‘, die so genannte. Zeitdilatation, Lorentz-Faktor und „bewegte Uhren gehen langsamer“ etc. werden hier nur kurz erwähnt. Auch dass die Zeit still stünde ab dem Erreichen des Ereignishorizonts schwarzer Löcher und in deren Inneren eine von außen nicht erreichbare Zukunft existiere („wir wissen es nicht“ – A. Ghez) sprengt die Vorstellungskraft – wie gewohnt in der wunderlichen Welt der Quantenphysik. (Heilig P (2013) Quantenphysik und Auge: quantum satis est https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=16917)

Dem Otto Normalverbraucher liegt dies stagelgrün auf – es hat keine Bedeutung für ihn. Die ‚Zeit-Umstellung‘, alle Jahre wieder – wider Vernunft – stört jedoch seine Kreise. 1916 wollte das Deutsche Reich Energie sparen – für den Ersten Weltkrieg – und ’stellte die Zeit um‘ – sine effectu. Energie wurde weder damals noch heute gespart – auf diese Weise. Im Jahr 1947 gab es sogar eine Deutsche Doppelte Sommerzeit (zwei Stunden), nur so lange, bis die Allierten diese absurde Regelung abstellten um die in der Nachkriegszeit geschwächte bis ausgemergelte Bevölkerung nicht noch mehr zu belasten.
Das Drehen an der Uhr gelingt beinahe überall, nur nicht im Körper, an der inneren Uhr. Oszillatoren befinden sich im suprachiasmatischen Nucleus (SCN), Bio-Metronome geben den Takt vor, die zirkadianen Rhythmen. Dies manifestiert sich auch im Früh- und Spät-Aufsteher- Typus – genetisch determiniert. Ein Schulfreund wurde immer erst am späten Vormittag endgültig munter, abgesehen von den Weck-Wirkungen nachbarlicher Rempler – inklusive blauer Flecken, welche ihm ein Schulkamerad regelmäßig verpasste – wohlmeinend. Das leidige Problem mit dem Wachwerden begleitete ihn auch während seines gesamten Berufslebens – bloß die Rempler fehlten.

Die Chronotypen unterscheiden sich hinsichtlich Leistungsvermögen, Körpertemperatur, Hormonspiegel und Vigilanz in unterschiedlichen Tageszeiten voneinander. Dieses Faktum lässt sich weder durch Belohnung noch Bestrafung oder gar Überredung der zur Unzeit geweckten Kinder egalisieren – ‚Eulen‘ oder ‚Lerchen‘-Typen bleiben wie in Stein gemeißelt. (Heilig P (2014) Aus dem Takt geraten „unsere Zeit?“ https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=18817

Die Suizidrate (zweithäufigste Todesrate -) Jugendlicher nimmt zu. Chronische Müdigkeit provoziert Dysphorien und Depressionen bis zum ’suicidal behavior‘ (Gagliano A et al (2024) Neurodevelopmental Disorders and Suicide. J Clin Med;13(6):1627). Chronisch gestörte Biorhythmen praedisponieren dazu; dieser Kausalzusammenhang wird jedoch unterschätzt. Stichwort Chronodisruption: Melanopsin-Ganglienzellen (ipRGC) der Netzhaut reagieren auf Licht via SCN – auch zur Unzeit –  und stören über viele Stunden die zirkadianen Rhythmen – nicht selten chronisch. (Heilig P (2019) MRGC, eine retinale Schlüssel-Zelle (Conc Ophthalmol 6/2019, 23-24).

Kinder sind die am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmer – Wo? Ausgerechnet am ‚Schutz’weg, zynischerweise. Seit wann? Besonders seit Licht Am Tag oder Tagfahrlicht (daytime running lights – DRL). Überakzentuierte, grell bläulichweiß strahlende KFZ-Lichter lenken die Aufmerksamkeit auf sich. Nicht überakzentuierte – unbeleuchtete – schwächere Verkehrsteilnehmer, speziell Kinder und Jugendliche, könnten dadurch übersehen oder besser formuliert, nicht wahrgenommen werden (QED):  Trotz hoher Konzentration und Aufmerksamkeit können Wahrnehmungstörungen klar und deutlich gesehene verkehrsrelevante Objekte scheinbar verschwinden lassen: potentielle Unfall-Lenker nähern sich einem scheinbar leeren Zebrastreifen (jedoch darauf: ein Kind mit Warnweste am Schulweg) – infolge Ablenkung durch das zunehmende Übermaß heller, bewegter isotroper Lichtstimuli. Fazit: Distraction Blindness – durch Überlastung bzw. overflow der visual short term- und working memories im ZNS. DRL verstoßen gegen Artikel Drei der Menschenrechte. 
http://www.lightmare.org/docs/Austrian_Opthalmologic_Society_bans_DRL_duskofdrl.pdf.
http://www.lightmare.org/docs/ReflImprim.pdf

Epilog: Ein Arbiter, ein fiktiv ‚übergeordneter‘ Schiedsrichter, etwa Petronius, ein Mann von Esprit und Stil, schenkte (conj.) der Nacht wieder ihr samtenes Dunkel. Er verbäte sich jegliches Kunstlicht bei ausreichend hellem Tageslicht und die mehr Schaden als Nutzen verursachende ‚Summertime‘ zerzauste er – ‚pure, easy and elegant‘ in einem geistvoll kritischen Satyricon der Moderne.

Die Sonne stünde am Zenith des Himmelsgewölbes  – exakt in der Mitte des Tages.

LICHT-AUSSCHALTER (spesenfrei) sind indiziert – in der ‚Talsohle‘ des Anthropozän.. 

Einstein A: (1972) „The distinction between the past, present and future is only a stubbornly persistent illusion“ NY Times 1972 12 1)

Chronodisruption: Lichtstimuli (Smartphone, Tablet, Gaming etc.) knapp vor – bis weit in die Schlafenszeit hinein haben auf Dauer unerwünschte bis fatale Folgen: chronische Müdigkeit/gestörte Biorhythmen, Dysphorien und Depressionen bis (Prae-)Suizidalität.

Heilig P (2024) Retinales Pigmentepithel https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=45005

Petronius (14-66 (?)): ‚arbiter elegantiarum‘: – „einer der Größten der Weltliteratur“

 isotrop: in alle Richtungen abstrahlend

Gender: beyond

Interest: no conflict

_________________________

Interessenkonflikt:
Der Autor erklärt, dass bei der Erstellung
des Beitrags kein Interessen –
konflikt im Sinne der Empfehlung des
International Committee of Medical
Journal Editors bestand.

Korrespondenzadresse:
Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
Augenheilkunde und Optometrie
peter.heilig@univie.ac.at

Weitere Beiträge »