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Literaturhinweis

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [127]: Moritz Bauer – Gründer des Kuhpocken-Impf-Institutes in Wien und Mitbegründer des Ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens

Moritz Bauer – Gründer des Kuhpocken-Impf-Institutes in Wien und Mitbegründer des Ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens

Text: Dr. Walter Mentzel

Moritz Elias Bauer wurde am 25. Februar 1844 in Wien auf der Wieden als Sohn des Händlers Aron Bauer und seiner Frau Barbara, geborene Breuer, geboren, und war seit 1874 mit Mathilde Bauer, geborene Trebitsch (6.12.1851 Wien, gest. 6.3.1909 Wien), verheiratet. Bauer studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und schloss das Studium 1869 mit seiner Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde ab. Danach arbeitete als Arzt in Wien Margareten, wo er am Mittersteig seine Arztpraxis führte und bis zu seinem Tod wohnhaft war.

Nach Studienreisen nach Holland und Deutschland gründete er 1885 das vom k.k. Ministerium des Inneren konzessionierte Kuhpocken-Impfinstitut Österreich-Ungarns in Wien 4.

Abb. 1    Allgemeine Wiener medizinische Zeit. 28.5.1895. S. 256.

Zur Propagierung und Information der Impfungen generell hielt er in den 1880er Jahren regelmäßig Vorträge vor dem Unterstützungs-Verein für Hebammen.[1] Bauer war in zahlreichen Standesorganisationen der Wiener Ärzteschaft vertreten. Darunter als Mitbegründer und späterer Präsident[2] des 1874 gegründeten „Ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens“,[3] als Mitglied des Geschäftsrates des Wiener Doctoren-Collegiums[4], als Vorstandsmitglied der Witwen- und Waisensozietät,[5] und als Funktionär und Delegierter der Ärztekammer für Niederösterreich und später für Wien. Weiters war er Präsidiumsmitglied und später Obmann[6] im 1913 gemeinsam vom Wiener medizinischen Doctoren-Collegium mit den wirtschaftlichen Organisationen der Ärzte gegründeten Genossenschaft Ärztliches Zentral-Spar- und Kreditinstitut, sowie seit 1920 Mitglied des neugegründeten Zentralhilfskomitees der Ärzte Österreichs.[7]

Er war weiters Mitarbeiter des von Anton Bum (1856-1925) redigierten „Therapeutischen Lexikon für praktische Ärzte, Leipzig 1891“, der Wiener medizinischen Presse und der Mitteilungen des Wiener medizinischen Doctoren-Collegiums. 1908 wurde ihm der Titel eines kaiserlichen Rates[8] und 1920 vom Präsidenten der Nationalversammlung der Titel eines Obermedizinalrates verliehen.[9]

In der Separata-Bibliothek der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befindet sich eine Arbeit von Moritz Bauer:

Bauer, Moritz: Antiseptik bei der Impfung. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Presse. Wien: Urban & Schwarzenberg 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Und eine weitere in der Neuburger Bibliothek an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Moritz Bauer: Die Schutzimpfung und ihre Technik mit besonderer Berücksichtigung der Impfschäden, ihrer Verhütung und Behandlung. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 28408]

Moritz Bauer verstarb 87-jährig am 7. Oktober 1930 im Sanatorium Fürth in Wien.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1863 (nachträglicher Eintrag), Bauer Moritz.

AUW, Med. Fak, Nationalien/Studienkataloge 1862-1938, Sign. 134, Zl. 16, Bauer Moritz (Nationalien Datum 1866/67).

AUW, Med. Fak, Rigorosenprotokoll 1821-1871, Sign. 170, Zl. 23r, Bauer Moritz (Rigorosum 1869).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Bauer Mathilde.

Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Bauer Moritz.

[1] Hebammen-Zeitung. 30.8.1888. S. 1.

[2] Wiener Zeitung. 16.3.1920. S. 2.

[3] Wiener Medizinische Wochenschrift. 27.3.1920. Sp. 667; Neues Wiener Journal. 8.10.1930. S. 9.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift. 23.3.1889. Sp. 451.

[5] Internationale klinische Rundschau. Nr. 20. 1906. Sp. 393.

[6] Wiener klinische Rundschau. 9.11.1913. S. 803; Wiener Zeitung. 22.4.1914. S. 510; Wiener Medizinische Wochenschrift. 27.3.1920. Sp. 667.

[7] Wiener Medizinische Wochenschrift. 27.3.1920. S. 498; Scholz, Joseph: Fünfundzwanzig Jahre des ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke. Wiens: Verlag des ärztlichen Vereins der südlichen Bezirke Wiens 1899.

[8] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 8.12.1908. S. 547.

[9] Wiener Zeitung. 23.9.1920. S. 1.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [126]: Carl Berdach – Bezirksarzt in Wien, NS-Verfolgter

Carl Berdach – Bezirksarzt in Wien, NS-Verfolgter

Text: Dr. Walter Mentzel

Carl Berdach war ein langjährig in Wien tätiger Bezirksarzt. Geboren am 19. Oktober 1863 als eines von sieben Kindern von Josua Berdach (1831-1905) und Rosa (1838-1920), geborene Berdach, war er der Cousin des Mediziners Julius Berdach. Nach dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er 1887 mit der Promotion abschloss, begann er als Aspirant an der II. Medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien bei Prof. Heinrich von Bamberger (1822-1988).

In der Separata-Bibliothek der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befindet sich eine Arbeit von Carl Berdach:

Berdach, Carl: Beiträge zur Wirkung des Antipyrin. Aus der medizinischen Klinik des Herrn Hofrathes Prof. v. Bamberger. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Selbstverlag 1888.

 

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Nach dem Tod von Bamberger wechselte Berdach als Sekundararzt an die I. chirurgische Abteilung des AKH in Wien zu Prof. Josef Weinlechner (1829-1906). Hier publizierte er 1889 „Ein Fall von primärem Sarkom der Nebenniere nebst einigen diagnostischen Bemerkungen“.[1] Im selben Jahr wurde er auch zum Krankenkassenarzt des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft bestellt.[2] Ab 1890 stand er im Personalstand des Stadtphysikats der Gemeinde Wien und war als städtischer Bezirksarzt zunächst im Vierten Wiener Gemeindebezirk,[3] ab 1892 im Fünften und von 1896 bis 1922 im Zweiten Wiener Gemeindebezirk tätig.[4] 1913 erfolgte seine Ernennung zum Oberbezirksarzt des 2. Bezirkes. Nach seinem Ausscheiden als Oberbezirksarzt war er als praktischer Arzt im Zweiten Wiener Gemeindebezirk tätig.

Berdach war Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien, Obmann des Wohlfahrtsvereines für Hinterbliebene der Ärzte Wiens und Niederösterreich,[5] stellvertretender Obmann des 1875 gegründeten Ärztlichen Vereines im 2. Wiener Gemeindebezirk,[6] und im Geschäftsrat des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegium tätig.[7]

Berdach, der jüdischer Herkunft war, wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und nach dem „Anschluss“ in eine Sammelwohnung in Wien 1, Neutorgasse 15/7 zwangsumgesiedelt, wo er mit seinem Cousin Julius Berdach und dessen Familie bis zu ihrer Deportation lebte. Carl Berdach wurde am 14. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und am 1. Jänner 1943 ermordet. Seinem Sohn Otto Berdach, der ebenfalls in Wien als Mediziner tätig war, gelang die Flucht in die USA. Er verstarb im Oktober 1970 in Aurora, Illinois.

Quellen:

Wiener Communal-Kalender und Städtisches Jahrbuch. Wien: 1890-1922. Findbuch ÖStA, AdR, VA, 18.682, Berdach Carl (19.10.1863).

Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch 1863, Berdach Carl.

AUW, Med. Fak, Nationalien/Studienkataloge 1862-1938, Sign. 134, Zl. 147, Berdach Karl Nationalien (1882/83).

AUW, Med. Fak, Rigorosenprotokoll (1872-1894), Sign. 177, Zl. 26a, Berdach Karl (Rigorosum 1884).

AUW, Med. Fak, Promotionsprotokoll (1874-1890), Sign. 186, Zl. 2.050, Berdach Karl (Promotion 14.7.1887).

Arolsen-Archiv, Inhaftierungsdokumente, Deportationen und Transporte, Deportationen aus dem Gestapobereich Wien (1939-1945), Transport 31: Deportation von Wien nach Theresienstadt, 14.07.1942 (Berdach Karl).

Opferdatenbank: Ghetto Theresienstadt: Berdach Carl.

[1] Wiener Medizinische Wochenschrift. 9.3.1889. Sp. 357-359 und 16.3.1889. Sp. 385-388.

[2] Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe). 1.9.1889. S. 4.

[3] Wiener Zeitung. 25.12.1890. S. 35.

[4] Wiener Communal-Kalender und Städtisches Jahrbuch. Wien: 1890-1922.

[5] Wiener Medizinische Wochenschrift. 28.4.1934. S. 508.

[6] Wiener Medizinische Wochenschrift. 15.1.1910. Sp. 182.

[7] Internationale klinische Rundschau. Nr. 24/26. 1919. S. 143. Wiener Medizinische Wochenschrift. 2.10.1937. S. 1031.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [125]: Julius Berdach – Werksarzt, Leiter der Radium-Heilanstalt St. Pölten, NS-Verfolgter

Julius Berdach – Werksarzt, Leiter der Radium-Heilanstalt St. Pölten, NS-Verfolgter

Text: Dr. Walter Mentzel

Julius Berdach wurde am 11. November 1864 in Tyrnau in Ungarn (heute: Trnava/Slowakei) als Sohn von Adam Zadik Berdach und Julie Jittel (1841-1895), geborene Sidon, geboren, und war der Cousin des Mediziners Carl Berdach. Berdach studierte an der Universität Wien Medizin und arbeitete nach der Promotion im Jahr 1891 als Kassenarzt in Wien 2.[1] Von 1895 bis 1910 war er als Gerichtsarzt und Werksarzt im Bergrevier in Trifail (heute: Terbovlje) sowie im Bruderladespital in Trifail als Primararzt und daneben ehrenamtlich als Schularzt tätig. 1908 erschien von ihm ein Artikel zur Schularztfrage in der Steiermark.[2] 1900 erschien von ihm eine Arbeit über die 1898 in Trifail auftretende Meningitis-Epidemie,[3] 1901 seine Studie zu „Zwei Fälle von Stromeyer’sche Verrenkungsbrüche“[4] und 1902 ein Aufsatz „Ein Fall von traumatischer, isolierter Luxation des Metacarpus indicis“.[5] 1904 publizierte er die beiden Arbeiten „Beitrag zur Kenntnis der traumatischen Lucation der Handgelenke“[6] und „Beitrag zur Kasuistik der Interphalanealluxation“.[7]

In der Separata-Bibliothek der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden sich fünf Arbeiten von ihm:

Berdach, Julius: Beitrag zur Kasuistik der Interphalangealluxation. Aus dem Bruderladespital in Trifail. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Berdach, Julius: Beitrag zur Kenntnis der traumatischen Luxation der Handgelenke. Aus dem Bruderlade-Spital in Trifail. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien und Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1904.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Berdach, Julius: Bericht über die Meningitis-Epidemie in Trifall im Jahre 1898 (Mit 1 Abbildung im Text und 1 Tafel). Sonderdruck aus: Deutsches Archiv für Klinische Medicin. Leipzig: Druck von August Pries 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Berdach, Julius: Mittheilungen aus der ärztlichen Praxis. Zwei Fälle von „Stromeyer´schen Verrenkungsbrüchen“. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Berdach, Julius: Ein Fall von traumatischer, isolirter Luxation des Metacarpus indicis. Aus dem Bruderladespital in Trifail. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien und Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1902.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges leitete er zunächst das Militärspital in Stockerau, wohin er auch seine private Arztpraxis verlegte. Danach war er ab 1916 als Chefarzt im Flecktyphusspital in Gröding und zuletzt im Kriegsspital in St. Pölten im Einsatz. Hier arbeitete er ab 1916 auch als Kassenarzt.[8] 1925 wurde er mit der Leitung des im selben Jahr eröffneten Radium-Heilanstalt in St. Pölten betraut.[9] In den frühen 1930er Jahren hielt er Radiovorträge im Rahmen der Sendereihe „Stunde der Kammer für Arbeiter und Angestellte“.[10] 1935 erhielt er den Titel eines Medizinalrates.[11]

Julius Berdach und seine Familie waren jüdischer Herkunft und wurden im Juni 1938 von St. Pölten nach Wien zwangsumgesiedelt, wo er mit seiner Ehefrau Olga (1865-1942) und seinem Cousin Carl Berdach in einer Sammelwohnung in Wien 1, Neutorgasse 15/7 lebte und von wo sie gemeinsam am 14. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Julius Berdach wurde am 16.3.1943, seine Ehefrau Olga am 15.11.1942 ermordet. Seine Tochter Michaela Ellyson (Edelstein) (*17.1.1893) sowie deren Tochter Daisy Agnes (*16.3.1920 Wien), die zuletzt ebenfalls in einer Sammelwohnung in Wien 1, Neutorgasse 15 lebten,  wurden am 17. Juli 1942 in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.

Quellen:

AUW, Med. Fak, Nationalien/Studienkataloge (1862-1938), Sign. 134, Zl. 223 Berdach Julius (Nationalien Datum 1886/87).

AUW, Med. Fak, Promotionsprotokoll (1890-1894), Sign. 187, Zl. 456, Berdach Julius (Promotion 23.12.1891)

ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt, VA, Zl. 8.903, Berdach Julius (11.11.1864).

Olga, geborene Reiner. Geb. 12.2.1865 Wien.

Memorbuch: Juden in St. Pölten.

Arolsen-Archiv, Inhaftierungsdokumente, Deportationen und Transporte, Deportationen aus dem Gestapobereich Wien (1939-1945), Transport 31: Deportation von Wien nach Theresienstadt, 14.07.1942 (Berdach Julius und Olga).

Opferdatenbank: Ghetto Theresienstadt: Berdach Julius.

[1] Wiener Medizinische Wochenschrift. 20.2.1892. Sp. 329.

[2] Grazer Tagblatt. 2.9.1908. S. 4.

[3] Internationale klinische Rundschau. Nr. 8. 1901. S. 133.

[4] Wiener Klinische Wochenschrift. 19.9.1901. S. 892-894.

[5] Wiener Klinische Wochenschrift. 11.9.1902. S. 940-942.

[6] Wiener Klinische Wochenschrift. 25.2.1904. S. 215-218.

[7] Wiener Klinische Wochenschrift. 29.9.1904. S. 1033-1034.

[8] St. Pöltner Bote. 6.7.1916. S. 5.

[9] St. Pöltner Bote. 16.7.1925. S. 4.

[10] Radio Wien. 30.1.2.1932. S. 48.

[11] Wiener Medizinische Wochenschrift. 6.4.1935. Sp. 423.

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