TERMIN:
Di. 13.11.2018 von 10.00 – 11.00 Uhr.
im Studierendenlesesaal der Universitätsbibliothek
Das Angebot umfasst alle
medizinischen Fachbereiche.
Studierendenlesesaal AKH/Ebene 5C


Mediziner in der Revolution 1848 – Siegfried Kapper
Siegfried Salomon Kapper gehörte zu den aktivsten und engagiertesten Medizinern während der 1848er Revolution in Wien. Er nahm am 13. März 1848 an der Versammlung im niederösterreichischen Landhaus teil, auf der Adolf Fischhof (1816-1893) seine Rede zur Pressefreiheit hielt und wurde in jene Delegation gewählt, die als Deputation vor den Ständen im Landhaus die Forderungen der Revolutionäre vertreten sollte. Er war Mitglied der Nationalgarde, in den Führungsorganen der Akademischen Legion tätig, und verfasste als Journalist zahlreiche Artikel mit der er die Revolution zu unterstützen und mit seinen Gedichten („Voran“, „Chorgesang der Wiener Studentenlegion“, „Auferstehung“, „Das Schmelzer Grab“, „Befreite Lieder“, „Dem jungen Österreich“) voranzutreiben versuchte. Kapper veranstaltete 1848 am „Theater an der Wien“ ein Feierkonzert mit, aus dessen Reinerlös die Errichtung des Denkmales für die „Märzgefallenen“ finanziert werden sollte. Im Juni 1848 kandidierte er für die erste Volksvertretung Österreichs, den konstituierenden Reichstag.[1] Ebenso nahm er als Mediziner im ärztlichen Dienst in einem Notspital im Wiener Augarten an den Oktoberkämpfen um Wien teil. Danach arbeitete er für Zeitungen in denen er über die weitere Entwicklung und über die Niederschlagung der Revolution berichtete. Seine zeitgenössischen Darstellungen und Berichte zählen heute noch zu den detailliertesten und durch ihre Informationsdichte sich auszeichnenden Arbeiten zu den Ereignissen von 1848.
Siegfried Kapper. Lithographie von Eduard Kaiser. 1848.
Siegfried (Isaac Salomon) Kapper wurde am 21. März 1820 als eines von neun Kindern des jüdischen Lehrers Joseph Hermann Kapper (1775-1845) und der Sara Franziska, geborene Rosenball, in Smíchov in Prag geboren. Er war mit Anna Hartmann, der Schwester seines Studienkollegen und Freundes Moritz Hartmann (1821-1872), der ebenfalls an der Revolution von 1848 in Wien teilnahm und als dessen Chronist gilt, verheiratet. Nachdem er zunächst zwischen 1836 und 1839 an der Prager Universität Philosophie studiert und danach ein Jahr lang in Russland als Hauslehrer gearbeitet hatte, begann er 1841 an der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er 1847 mit der Promotion u.a. bei Carl von Rokitansky (1804-1878), Josef Skoda (1805-1881) und Ernst von Feuchtersleben (1806-1849) abschloss. Bereits während seines Studiums war er schriftstellerisch tätig und veröffentlichte in einer Reihe von Zeitungen (Österreichisches Morgenblatt[2], Sonntags-Blätter[3], Bohemia, Constitutionelles Blatt, Wiener Zeitung u.a.), schrieb Libretti für Opern und begann sich mit der tschechischen und südslawischen Literatur und deren Übersetzung zu beschäftigten. Daneben schrieb für jüdische Zeitschriften (Kalender und Jahrbuch für Israeliten/1845, 1847) und publizierte sogenannte jüdische Ghettoliteratur. Er gilt als ein prominenter Vertreter des deutsch-tschechischen Judentums.[4]
Von ihm besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin seine 28 Seiten umfassende, im Jahr 1847 an der Universität Wien approbierte Dissertation, die er dem Wiener Arzt Dr. Johann Joseph Tedesco (1803-1870) widmete und in der er sich mit der Wirkung der Heilquelle im Kurort Gleichenberg befasste.

Titelblatt: Kapper: […] De Fonte Constantina Gleichenbergensi, […]. Wien: 1847.
Im Jahr seiner Promotion übersiedelte Kapper von Wien in das heutige Kroatien, wo er sich in Karlstadt (heute: Karlovac) niederließ und eine Arztpraxis eröffnete. Im Februar 1848 kam er zunächst auf einer Durchreise nach Wien und nahm angezogen von den Ereignissen an der Freiheitsbewegung teil. Trotz seines maßgebenden Engagements wurde er nach der Niederschlagung der Revolution am 9. November 1848 in die Medizinische Fakultät aufgenommen und konnte weiterhin als Arzt in Karlstadt seine Arbeit verrichten. Von hier aus unternahm er in den folgenden Jahren mehrere ausgedehnte Reisen durch das südliche Ungarn und die slawischen Gebiete des Osmanischen Reichs (Bosnien, Herzegowina, Montenegro und Serbien), die sich in zahlreichen ethnografischen, kultur- und literaturhistorischen Werken und Reiseberichten niederschlugen. Daneben belegte er 1849 an der Medizinischen Fakultät einen praktischen Kurs zur Geburtshilfe, den er 1850 abschloss, und erhielt 1851 sein Zeugnis über das Rigorosum im Fach Chirurgie, das er bei Johann Dumreicher (1815-1880) absolviert hatte. 1854 übersiedelte Kapper nach Böhmen und ließ sich in Dobris in der Nähe von Prag nieder. Nachdem er 1859 am österreichisch-italienischen Krieg als Feldarzt in einem Militärspital in Verona teilgenommen hatte, arbeitete er ab 1860 wieder als Arzt in Jungbunzlau und ab 1867 in Prag. Neben seinem Beruf als Arzt war er stets schriftstellerisch tätig. Seine Werke werden heute „wiederentdeckt“ und neu aufgelegt. Kappers Verdienst als Schriftsteller war u.a. die südslawische Literatur in die deutsche Sprache zu übersetzen und sie im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Er verstarb am 7. Juni 1879 während eines Kuraufenthaltes in Pisa in Italien, wo er auch beerdigt wurde.
Quellen:
AUW, Med. Fak., Dekanat, Rigorosenprotokolle (1821-1871), Sign. 170-121a, Kapper Siegfried (Rigorosum Datum 1846).
AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Promotionsprotokoll 1840-1854, Sign. 176-589, Kapper Siegfried (Promotion Datum 26.1.1847).
AUW, Med. Fak., Dekanat, Rigorosenprotokolle (1821-1871), Sign. 170-123r, Kapper Siegfried (Rigorosen Datum 1851).
Donath, Oskar: Siegfried Kapper als Ghettodichter. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. H. 9/10 (September/Oktober). 1912. S. 513-545.
Kapper, Siegfried. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. (Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica, Band 13:). München 2005, S. 257–266.
Literaturliste:
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/historische Dissertationsbibliothek, Sign.: D-2937]
Keywords:
1848, Adolf Fischhof, Carl von Rokitansky, Dissertation, Ernst von Feuchtersleben, Johann Dumreicher, Jospeh Skoda, Mediziner, Revolution, Schriftsteller, Siegfried Kapper, Wien, Arzt
[1] Wiener Zeitung. 28.6.1848. S. 2.
[2] Österreichisches Morgenblatt. 27.2.1841. S. 1.
[3] Sonntags-Blätter für heimathliche Interessen. 10.4.1842. S. 1.
[4] Donath, Oskar: Siegfried Kapper als Ghettodichter. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. H. 9/10 (September/Oktober). 1912. S. 513-545.
Normdaten (Person) Kapper, Siegfried : BBL: 31287; GND: 116053755
Bitte zitieren als VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, BBL: 31287 (11.10.2018); Letzte Aktualisierung: 2022 05 16
Online unter der URL: https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=31287

Alle eBooks des Verlages Thieme stehen vom 1. Oktober bis zum 30. November 2018 für das Computernetz der MedUni Wien im Volltext zur Verfügung.
=>Link zur Thieme Plattform „eRef“
Liste der einzelnen eBooks mit Link:
Ein kostenfreies Angebot für Studierende der MedUni Wien
Vortragende: Dr. Eva Chwala
Samstag, 10.11.2018
von 9:30 – 12:30 im Vortragsraum der UB MedUni
Email-Anmeldung: eva.chwala@meduniwien.ac.at
mit Angabe der Matrikelnr.
Die Universitätsbibliothek stellt DIE medizinischen Top-Journals am Campus der MedUni Wien und via Remote Access zur Verfügung.
Das TOP-JOURNAL des Monats im Van Swieten Blog ist:
LANCET
Zu den Volltexten: Jg. 345, H. 8941 (1995) –
Die ersten 20% der Zeitschriften eines bestimmten Fachgebietes im Journal Citation Reports JCR
(geordnet nach der Höhe des Impact Factors) sind TOP-JOURNALE.
Mit dem Impact Factor 53.254 (2017) zählt LANCET zu den Top-Journalen in der Kategorie: Medicine, General & Internal – SCIE
Zum 200. Todestag von: Hildenbrand, Johann Valentin von: Joh. Val. Edler Von Hildenbrand, Kaiserl. Königl. Rath, Der Practischen Heilkunde Ord. Öffentlicher Professor An Der Universität Zu Wien, Der Königl. Gesellschaft Der Wissenschaften Zu Göttingen Correspondent, Der Sydenhamischen Gesellschaft Zu Halle, Und Der Physicalisch-Medicinischen Gesellschaft zu Erlangen Ehrenmitglied, Über Den Ansteckenden Typhus. Nebst Einigen Winken Zur Beschränkung Oder Gänzlichen Tilgung Der Kriegspest, Und Mehrerer Anderer Menschenseuchen. Wien: Gedruckt In der Degenschen Buchdruckerey 1810.
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-5090]
https://ubsearch.meduniwien.ac.at/
Text: Harald Albrecht, BA
Abb. 1 Johann Valentin von Hildenbrand. Josephinum, Ethik, Sammlungen, und Geschichte der Medizin, MedUni Wien, FO-IR-000265-0002
Johann Valentin von Hildenbrand (*4.8.1763 Wien, gest. 31.05.1818 Wien), dessen Todestag sich 2018 zum 200. Mal jährte, studierte an der Wiener Medizinischen Fakultät, wo er 1784 promivierte. Maximilian Stoll (1742-1787), einer der führenden Vertreter der Ersten Wiener Medizinischen Schule, zählte zu seinen wichtigsten Lehrern. Nach seiner Promotion wurde er Physikus (Bezirksarzt) in Waidhofen an der Thaya. Aufgrund der schlechten Bezahlung nahm er 1787 eine Stelle als Leibarzt des polnischen Grafen Michael Georg Mniszek (1748-1806) an und folgte diesem nach Wierzbowiec/Вербовець (heute: Ukraine) in Wolhynien/Воли́нь (heute: Ukraine).
Als Leibarzt des Grafen Mniszek erwarb sich Hildenbrand einen sehr guten Ruf, sodass ihm vom polnischen König Stanisław August II. (1732-1798) der Titel eines Hofrates verliehen wurde und er 1793 auf den medizinisch-chirurgischen Lehrstuhl der Universität Lemberg/Lwiw/Львів (heute: Ukraine) berufen wurde. Später wurde er auch Direktor der Medizinischen Fakultät und nach der Vereinigung mit der Universität Krakau/Kraków lehrte er auch dort. 1799 wurde der zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gewählt.
Nachdem Johann Valentin von Hildenbrand 1805 den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen bekommen hatte, übersiedelte er 1807 nach Wien, wo er zum Vorstand der Medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankhaus ernannt wurde. Mit der Bestellung zum Leiter des Wiener Allgemeinen Krankenhauses im Jahre 1811 wurde er gleichzeitig auch Direktor des Wiener Findelhauses. Seine Forschungen fokussierte er mithilfe von Hygro-, Thermo-, Baro- und Anemometermessungen auf Experimente zur Untersuchung von Umwelteinflüssen als Krankheitsursachen. Neben seinem Hauptwerk […] Über Den Ansteckenden Typhus […] verfasste er zahlreiche weitere Schriften, darunter ein Werk für Wundärzte sowie ein Buch über die Pest.
Über Hildenbrands wichtigstes Werk: […] Über Den Ansteckenden Typhus […] aus dem Jahr 1810, schrieb der Pathologe und Pharmakologe Jospeh Johann Knolz (1791-1862) in einem Beitrag in der Wiener medizinischen Wochenschrift (3/1853), den er zuvor in einer Plenarversammlung des Wiener Docotoren-Collegiums als Vortrag gehalten hatte, sehr überschwänglich: „Ausser diesen literarischen Arbeiten hat v. Hildenbrand im Jahre 1810 das ärztliche Publikum mit einem Werke beglückt, das in vielen in- und ausländischen Journalen mit gerechter Bewunderung und grösstem Danke aufgenommen, im 4 fremde Sprachen übersetzt, seither von so vielen berühmten Schriftstellern in ihren Werken benützt, von allen Praktikern am Krankenbette in und ausser Spitälern als Richtschnur zum Beobachten und Handeln unläugbar zur Wohlthat der Menschheit gebraucht wurde, und das trotz der damals herrschend gewesenen naturphilosophischen Kritik, die sich so gerne eine hämische Verdammung aller sublunarischen Werke anmasste, dennoch wegen des rein hippokratischen Geistes, der darin weht, dermassen allgemein beifällig aufgenommen wurde, dass es nicht leicht in der Bibliothek jedes wissenschaftlichen und praktischen Arztes fehlte, – ich meine die wahrhaft klassische Abhandlung über den ansteckenden Typhus.“[1]
Abb. 2 Titelblat: Hildenbrand: […] Über Den Ansteckenden Typhus […]. Wien: 1810.
Quellen:
Hildenbrand, Johann Valentin Edler von, österr. Mediziner, *8.4.1763 Wien, +31.5.1818 Wien. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 281.
Hildenbrand, Valentin von, Mediziner. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950. Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. II. Band (Glae-Hüb). Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1959.
Knolz, Joseph Johann: Ueber die Leistungen Valentin’s von Hildenbrand, als prakt. Arzt, Staatsbeamter und klin. Lehrer an der Wiener Hochschule. Vortrag, gehalten in der wissenschaftl. Plenarversammlung des Doctoren-Kollegiums der mediz. Fakultät am 6. Juni, vom Regierungsrath Dr. J. J. Knoltz in Wien. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (3) 1853. Sp. 391-392, 406-408, 423-425.
[1] Knolz, Joseph Johann: Ueber die Leistungen Valentin’s von Hildenbrand, als prakt. Arzt, Staatsbeamter und klin. Lehrer an der Wiener Hochschule. Vortrag, gehalten in der wissenschaftl. Plenarversammlung des Doctoren-Kollegiums der mediz. Fakultät am 6. Juni, vom Regierungsrath Dr. J. J. Knoltz in Wien. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (3) 1853. Sp. 406.
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Auch heuer beteiligt sich die Universitätsbibliothek wieder am Medizincurriculum Wien, mit der Lehrveranstaltung:
„Die Wege zum elektronischen und gedruckten Volltext„.
Rund 750 MedizinstudentInnen der MedUni Wien nehmen im Laufe von Block 7 “Wissenschaft und Medizin“ (SSM1 im 3. Semester) an dieser Lehrveranstaltung teil, die von 6 MitarbeiterInnen der Universitätsbibliothek abgehalten wird.
Die Lehrveranstaltung der Bibliothek findet vom 3. bis zum 5. Oktober 2018 statt. Während dieser drei Tage wird es im Lesesaal etwas lebhafer als sonst zu gehen. Wir bitten um Verständnis.
Am 2. Oktober 2018 waren 40 Schüler des Lehrganges „Pflegefachassistenz“ der Schule für allg. Gesundheits- und Krankenpflege des Wilhelminenspitals zu Besuch, aufgeteilt auf 2 Gruppen.
Am Programm stand eine Führung durch die Bibliothek, eine Erklärung der Katalogsuche und betreutes Recherchieren nach Fachliteratur aus Büchern, eBooks und eJournals.
Der Bestand der Bibliothek wird durch zahlreiche interessante
Neuerwerbungen laufend erweitert.
Ein Großteil der neu erworbenen Literatur wird in der Buchausstellung im Lesesaal präsentiert.
Neuerwerbungsliste Oktober 2018
Neuromagie und Unfälle
Allabendlich überlisten Magier auf der Bühne die kognitiven Prozesse ihres Auditoriums: Trickreich angewandte Neuromagie (‚magicology‘). Von magischen Cercles mit ihrer Mikromagie bis zur Groß-Illusion abgesehen, dürfen wir im Grunde unseren Augen nicht immer trauen. Vermeidbare Unfälle, vor Allem im Straßenverkehr, könnten die Folge sein.
Trompe l-Oeil/Trompe l’Esprit: Täuschung der Sinne/Täuschung des Sinnes (https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=25819). http://www.michaelbach.de/ot/
Visuelle, kognitive und multisensorische Illusionen, Neuronale Adaptation, Nachentladung,Blendung, Netzhaut-Wiedererholungszeit (Retinal recovery time), Nachbilder, das cerebrale ‚Wirklichkeit‘-Konstrukt, Motion Induced -, Inattentional-, Change-,Choice Blindness, ’stehende Welle der Unsichtbarkeit‘ etc, Masking, Camouflage, Tarnung, Mimikri, Signalfäschung, Somatolyse, Exogenous attentional capture, Sensory capture, Passive misdirection, Overt and covert misdirection, Time misdirection, Expectations and Assumptions, Superstimulus, habituation/dishabituation (Kandel) etc. – alles Prozesse, die bei Mann und Maus im ZNS fest verdrahtet sind und unveränderlich so bleiben werden – Liste nicht vollständig. (http://www.sleightsofmind.com/media/standingwave)
Magier, Zauberkünstler, Ballsportler via Dribbling-, Fußball-, Handball-, Basketball-Tricks etc.), Trickbetrüger und Hacker nützen die Schwächen unserer Aufmerksamkeits- und Wahrnehmung-Systeme. Sie führen uns an der Nase herum. Beratungsresistente Verkehrs-Experten gefährden ständig Leib und Leben – wider besseres Wissen.
“Gesehen” wird streng genommen gar nichts: Lichtstimuli, Signale und Muster werden nach hierarchischen Kriterien verarbeitet (processing), über den Thalamus, mit einem “Menue” aller Sinneseindrücke weitergeleitet zum Cortex und über -zig neuronale Schaltkreise als zunehmend detaillierte Informationen aufgearbeitet, verglichen (bottom up – top down via inferotemporalen Cortex, Hippocampus, Colliculus sup., praefrontalen Cortex etc.) mit Erwartungen, Erfahrungen und Vermutungen. Schließlich entsteht die scheinbar wirkliche Wahrnehmung; diese ist jedoch ein gelegentlich grob von der Realität abweichendes Konstrukt höchst komplexer und damit auch fehlanfälliger Vorgänge:
„Linienbus kollidiert mit Bahn (18.9.18). Buslenkerin starb an der Unfallstelle. Einsatzfahrzeug kollidiert mit.., Radfahrer wird von Bahn -, von Straßenbahn -, Kind wird am Schutzweg von PKW, oder LKW oder . . erfasst.“
ad ‚hierarchisch‘: Stärkere, dominierende Stimuli (Tagfahrlicht, Spotlights, Scheinwerfer..) ‚fangen‘ die Aufmerksamkeit; der ’sensory input‘ wird neuronal verstärkt. Zugleich werden die umliegenden Regionen des visuellen Raums aktiv unterdrückt. Die schwächeren, weniger auffälligen Inputs (Bild des Kindes am Schutzweg) werden im schlimmsten Fall ‚ausgelöscht‘, das heißt nicht wahrgenommen (QED).
Weder gespannte Aufmerksamkeit, noch Trainings-Effekte, auch nicht Erwartungshaltung, Habituation oder wasauchimmer es sonst noch gäbe, können die möglichen – wie oben skizziert – fatalen Folgen vermeiden. Auch ohne statistisch und wissenschaftlich (EBM) basierte Analyse leuchtet ein, dass JEDES ‚verkehrsrelevante‘ Objekt exakt gleich viel Aufmerksamkeit verdient – und dass Ablenkungen wie zum Beispiel Überstimulationen (Tagfahrlicht/LichtamTag uÄ.) laufend fatale Unfälle (Kind am Schutzweg) provozieren.
Epilog: Ablenkung ist out. Multitasking geht gar nicht.
Einladung zu „VERSTRICKTES VERWIRRTES ENTWIRRTES ENTWICKELTES“