Schlagwort-Archive: Maximilian Stoll

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [78]: Zum 200. Todestag von: Hildenbrand, Johann Valentin von…Öffentlicher Professor An Der Universität Zu Wien…1810

Zum 200. Todestag von: Hildenbrand, Johann Valentin von: Joh. Val. Edler Von Hildenbrand, Kaiserl. Königl. Rath, Der Practischen Heilkunde Ord. Öffentlicher Professor An Der Universität Zu Wien, Der Königl. Gesellschaft Der Wissenschaften Zu Göttingen Correspondent, Der Sydenhamischen Gesellschaft Zu Halle, Und Der Physicalisch-Medicinischen Gesellschaft zu Erlangen Ehrenmitglied, Über Den Ansteckenden Typhus. Nebst Einigen Winken Zur Beschränkung Oder Gänzlichen Tilgung Der Kriegspest, Und Mehrerer Anderer Menschenseuchen. Wien: Gedruckt In der Degenschen Buchdruckerey 1810.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-5090]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

Text: Harald Albrecht, BA

  

Abb. 1     Johann Valentin von Hildenbrand. Josephinum, Ethik, Sammlungen, und Geschichte der Medizin, MedUni Wien, FO-IR-000265-0002

Johann Valentin von Hildenbrand (*4.8.1763 Wien, gest. 31.05.1818 Wien), dessen Todestag sich 2018 zum 200. Mal jährte, studierte an der Wiener Medizinischen Fakultät, wo er 1784 promivierte. Maximilian Stoll (1742-1787), einer der führenden Vertreter der Ersten Wiener Medizinischen Schule, zählte zu seinen wichtigsten Lehrern. Nach seiner Promotion wurde er Physikus (Bezirksarzt) in Waidhofen an der Thaya. Aufgrund der schlechten Bezahlung nahm er 1787 eine Stelle als Leibarzt des polnischen Grafen Michael Georg Mniszek (1748-1806) an und folgte diesem nach Wierzbowiec/Вербовець (heute: Ukraine) in Wolhynien/Воли́нь (heute: Ukraine).

Als Leibarzt des Grafen Mniszek erwarb sich Hildenbrand einen sehr guten Ruf, sodass ihm vom polnischen König Stanisław August II. (1732-1798) der Titel eines Hofrates verliehen wurde und er 1793 auf den medizinisch-chirurgischen Lehrstuhl der Universität Lemberg/Lwiw/Львів (heute: Ukraine) berufen wurde. Später wurde er auch Direktor der Medizinischen Fakultät und nach der Vereinigung mit der Universität Krakau/Kraków lehrte er auch dort. 1799 wurde der zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gewählt.

Nachdem Johann Valentin von Hildenbrand 1805 den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen bekommen hatte, übersiedelte er 1807 nach Wien, wo er zum Vorstand der Medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankhaus ernannt wurde. Mit der Bestellung zum Leiter des Wiener Allgemeinen Krankenhauses im Jahre 1811 wurde er gleichzeitig auch Direktor des Wiener Findelhauses. Seine Forschungen fokussierte er mithilfe von Hygro-, Thermo-, Baro- und Anemometermessungen auf Experimente zur Untersuchung von Umwelteinflüssen als Krankheitsursachen. Neben seinem Hauptwerk […] Über Den Ansteckenden Typhus […] verfasste er zahlreiche weitere Schriften, darunter ein Werk für Wundärzte sowie ein Buch über die Pest.

Über Hildenbrands wichtigstes Werk: […] Über Den Ansteckenden Typhus […] aus dem Jahr 1810, schrieb der Pathologe und Pharmakologe Jospeh Johann Knolz (1791-1862) in einem Beitrag in der Wiener medizinischen Wochenschrift (3/1853), den er zuvor in einer Plenarversammlung des Wiener Docotoren-Collegiums als Vortrag gehalten hatte, sehr überschwänglich: „Ausser diesen literarischen Arbeiten hat v. Hildenbrand im Jahre 1810 das ärztliche Publikum mit einem Werke beglückt, das in vielen in- und ausländischen Journalen mit gerechter Bewunderung und grösstem Danke aufgenommen, im 4 fremde Sprachen übersetzt, seither von so vielen berühmten Schriftstellern in ihren Werken benützt, von allen Praktikern am Krankenbette in und ausser Spitälern als Richtschnur zum Beobachten und Handeln unläugbar zur Wohlthat der Menschheit gebraucht wurde, und das trotz der damals herrschend gewesenen naturphilosophischen Kritik, die sich so gerne eine hämische Verdammung aller sublunarischen Werke anmasste, dennoch wegen des rein hippokratischen Geistes, der darin weht, dermassen allgemein beifällig aufgenommen wurde, dass es nicht leicht in der Bibliothek jedes wissenschaftlichen und praktischen Arztes fehlte, – ich meine die wahrhaft klassische Abhandlung über den ansteckenden Typhus.“[1]

Abb. 2    Titelblat: Hildenbrand: […] Über Den Ansteckenden Typhus […]. Wien: 1810.

Quellen:

Hildenbrand, Johann Valentin Edler von, österr. Mediziner, *8.4.1763 Wien, +31.5.1818 Wien. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 281.

Hildenbrand, Valentin von, Mediziner. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950. Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. II. Band (Glae-Hüb). Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1959.

Knolz, Joseph Johann: Ueber die Leistungen Valentin’s von Hildenbrand, als prakt. Arzt, Staatsbeamter und klin. Lehrer an der Wiener Hochschule. Vortrag, gehalten in der wissenschaftl. Plenarversammlung des Doctoren-Kollegiums der mediz. Fakultät am 6. Juni, vom Regierungsrath Dr. J. J. Knoltz in Wien. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (3) 1853. Sp. 391-392, 406-408, 423-425.

[1] Knolz, Joseph Johann: Ueber die Leistungen Valentin’s von Hildenbrand, als prakt. Arzt, Staatsbeamter und klin. Lehrer an der Wiener Hochschule. Vortrag, gehalten in der wissenschaftl. Plenarversammlung des Doctoren-Kollegiums der mediz. Fakultät am 6. Juni, vom Regierungsrath Dr. J. J. Knoltz in Wien. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (3) 1853. Sp. 406.

 Alle Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien–>