Wasserthal, Ignaz – Balneologe in Karlsbad
Autor: Dr. Walter Mentzel
Published online: 27.07.2026
Keywords: Balneologe, Badearzt, Karlsbad, Medizingeschichte, Wien
Ignaz (Ignacy Izaak Aron) Wasserthal wurde am 10. Juli 1840 in Krakau in Galizien (heute: Kraków/Polen) im Kaisertum Österreich als Sohn von Dawid Leibel Wasserthal (1812-1898) und Ester (1810-1875), geborene Lefler, geboren. Seit 1873 war er mit Chana Anna Najman (Neuman) (1855-1919) verheiratet. Aus der Ehe ging der Sohn Jakub (Jakób) Wasserthal (1874-1943) hervor.
Wasserthal studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte am 5. November 1872 zum Doktor der gesamten Heilkunde und am 2. Juli 1873 zum Doktor der Chirurgie.
Anschließend übersiedelte Wasserthal nach Tschenstochau (heute: Częstochowa/Polen) in Russisch-Polen. Dort war er als Fabrikarzt der Jutespinnerei und Weberei „Warta“ tätig und führte daneben eine ärztliche Privatpraxis.
Karlsbad (Karlovy Vary)
Seit etwa 1900 war Wasserthal während der Sommermonate auch als Kur- und Badearzt in Karlsbad tätig. Dort spezialisierte er sich auf Erkrankungen des Verdauungstraktes sowie der Nieren und Harnwege. Aus dieser Tätigkeit gingen mehrere wissenschaftliche Arbeiten hervor, darunter „Über die Bedeutung von Flagellaten im Stuhl bei Achylia gastrica“, „Sur la valeur de la reaction de Molliere (violet de methyle) pour deceler l`acide chlorhydrique libre dans l’estomac“(1907 und 1908), „Ueber Zylindrurie im eiweissfreien Harn und ihre Beziehungen zur chronischen Obstipation“ (1909), sowie kurz vor seinem Tod „Bemerkungen zur Balneotherapie der Harnkrankheiten“.
Posthum erschienen noch „Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usitées en therapeutique“, Les mátieres dialysables du contenu stomacal décelables par la réaction de la ninhydrine“ sowie 1913 eine weitere Fassung von „Recherches sur l’adsorption des ferments digestifs par les poudres usiteés en therapeutique“ und „L’examen microscopique des feces au polariscope“, die er gemeinsam mit René Goiffon (1882-1964) verfasste, der im Laboratorium des Gastroenterologen Albert Mathieu (1855–1917) in Saint-Antoine tätig war. Albert Mathieu, in dessen Laboratorium die Arbeiten entstanden, hatte am Hôpital Saint-Antoine in Paris eine der führenden Schulen der Gastroenterologie begründet und 1907 die Fachzeitschrift Archives des maladies de l’appareil digestif ins Leben gerufen.
Neben der häufig unentgeltlichen Behandlung mittelloser Patienten und Fabrikarbeiter:innen engagierte er sich beim Aufbau von Ferien- und Sommerkolonien für Kinder aus verarmten Elternhäusern in Częstochowa, die er auch medizinisch betreute, um der weit verbreiteten Tuberkulose und Unterernährung entgegenzuwirken.
Wasserthal war Mitglied in regionalen Ärztegesellschaften wie der Ärzteschaft des Gouvernements Piotrków und hielt regelmäßig Fachvorträge.
Wasserthal verstarb am 21. Dezember 1910 während eines Behandlungsaufenthaltes in Berlin, wo er am städtischen jüdischen Friedhof (Berlin-Weißensee) beigesetzt wurde.
Quellen:
UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0085, Wasserthal Isak (Nationalien Datum: 1870/71).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-1166, Wasserthal Isak (Promotion Datum: 5.11.1872).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-828, Wasserthal Isak (Promotion/Chirurgie Datum: 2.7.1873).
Setowski Juliusz: Wassertal (Wasserthal), https://www.czestochowajews.org/wp-content/uploads/WASSERTAL-Ignacy-pp-462-462.pdf
Literatur:
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
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Letzte Aktualisierung: 2026.07.27
