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DIPLDISS-COACHING – „Gecoachtes Searching für MedUni Wien-Diplomand*innen / Dissertant*innen“- TERMIN: 10.11.2018

Ein kostenfreies Angebot für Studierende der MedUni Wien

Vortragende: Dr. Eva Chwala

  • Grundlagen der Literaturrecherche
  • Auswahl der Datenbanken
  • Suchstrategien
  • Freies Arbeiten – Betreuung bei der Recherche

 Samstag, 10.11.2018

von 9:30 – 12:30 im Vortragsraum der UB MedUni

Email-Anmeldung: eva.chwala@meduniwien.ac.at
mit Angabe der Bibliotheks-ID Nr. ($A………)

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [80]: Spiegel-Adolf, Anna Simona – Mitarbeiterin am Universitätslaboratorium für physikalisch-chemische Biologie, am Laboratorium für Lichtbiologie und Lichtpathologie am Physiologischen Institut der Universität Wien sowie am Serotherapeutischen Institut für Gynäkologie, Professorin an der Temple-University in Philadelphia, NS-Verfolgte

Spiegel-Adolf, Anna Simona – Mitarbeiterin am Universitätslaboratorium für physikalisch-chemische Biologie, am Laboratorium für Lichtbiologie und Lichtpathologie am Physiologischen Institut der Universität Wien sowie am Serotherapeutischen Institut für Gynäkologie, Professorin an der Temple-University in Philadelphia, NS-Verfolgte

Autoren: Harald Albrecht, BA, M.A.LIS, Dr. Walter Mentzel

Published online:

Keywords: Angewandte Chemie, Physikalisch-chemische Biologie, Lichtbiologie und Lichtpathologie, Medizingeschichte, Wien, Philadelphia, NS-Verfolgte

Mona (Anna Simona) Spiegel-Adolf wurde am 23. Februar 1893 als Tochter des Juristen Jaques Adolf aus Przemysl in Galizien und Hedwig, geborene Spitzer, in Wien geboren. 1925 heiratete sie den Neurologen Ernst Adolf Spiegel (1895-1985).

Portrait: Mona (Anna Simona) Spiegel-Adolf

Nachdem sie 1913 die Matura am Mädchen-Lyzeum von Eugenie Schwarzwald (1872-1940) am Kohlmarkt in Wien mit Auszeichnung abgelegt hatte,[1] studierte sie ab dem Wintersemester 1913 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, wo sie am 23. Dezember 1918 zur Doktorin der gesamten Heilkunde an der Universität Wien promovierte. Bereits während ihrer Studienzeit arbeitete sie drei Jahre am Institut für Histologie und Bakteriologie, davon zwei Jahre als Demonstratorin. Auch am Institut für medizinische Chemie arbeitete sie noch während ihrer Studienzeit halbtägig – aus dieser Zeit stammt auch ihre erste wissenschaftliche Publikation, die 1918 am Universitätsinstitut für pathologische Histologie und Bakteriologie in Wien erschienene Arbeit: „Ueber Struma ovarii“.

Im Anschluss an ihre Promotion war sie zuerst bei Richard Paltauf (1858-1924) in der Prosektur der Wiener Rudolfstiftung, danach am Neurologischen Institut bei Otto Marburg (1874-1948) und am Institut für physikalisch-chemische Biologie tätig. Parallel dazu absolvierte sie am Institut für Chemie diverse Praktika.

Aus diesen Jahren stammen von ihr u.a. die Arbeiten aus dem Jahr 1920 „Untersuchungen über physikalische Zustandsänderungen der Kolloide. XXIII.“, aus dem Jahr 1924 „Untersuchung zweier Fälle von Landryscher Paralyse mit dem histologischen Befund einer Poliomyelitis ant.acut“, „Ein Fall von Paraplegie nach Lyssaschutzimpfung“, „Beiträge zur allgemeinen Kolloidchemie. VIII. Zur Analyse und Konstitution des kolloiden Goldes. II.“, aus dem Jahr 1927 „Physikalisch-chemische Untersuchungen bestrahlter Proteine“ und 1930 „Die Globuline“. Diese befinden sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin.

Universitätslaboratorium für physikalisch-chemische Biologie

Seit 1919 war sie am Universitätslaboratorium für physikalisch-chemische Biologie unter dessen Leiter Wolfgang Pauli (1869-1955) tätig, dem sie ab 1923 als unbesoldete Assistentin angehörte, und hier im Kurs- und Unterrichtsbetrieb integriert war. Ab 1927 arbeitete sie auch im Laboratorium für Lichtbiologie und Lichtpathologie unter Walter Hausmann (1877-1938) am physiologischen Institut der Universität Wien, um die Anwendungsmöglichkeiten der physikalischen Chemie und Kolloidchemie auf medizinische Fragestellungen hin zu studieren.[2] 1929 nahm sie als Generalsekretärin am Internationalen Kongress für Lichttherapie in Paris teil.[3] Darüber hinaus war sie zwei Jahre bei Rudolf Kraus (1868-1932) am serotherapeutischen Institut für die Moorkommission des Volksgesundheitsamtes tätig.

Religionspsychologische Gesellschaft und Frauenrechtsaktivistin

1924 gehörte sie der im selben Jahr gegründeten Internationalen religionspsychologischen Gesellschaft in Wien an. Präsident dieser Gesellschaft war der Universitätsprofessor und Dekan der Evangelisch-theologischen Fakultät Karl Beth (1872-1959), Erwin Stransky (1877-1962) fungierte als Vizepräsident.[4]

1927 war sie zusammen mit der Orientalistin und Ehefrau von Karl Beth (1872-1959), Marianne Beth (1890-1984) und Else Ehrlich (1874-1942, ermordet im Ghetto Theresienstadt) Mitbegründerin der Österreichischen Frauenorganisation, wo sie die Funktion einer Vizepräsidentin einnahm.

1928 war sie wiederum mit Marianne Beth und anderen Mitbegründerin des österreichischen Zweigs der International Federation of Business and Professional Women.

1929 war sie Mitbegründerin des österreichischen Zweigs der Soroptimist International (SI), der sich 1921 als internationaler Club konstituiert hatte und sich für Frauenrechte, Bildung, Gleichberechtigung und Frieden einsetzte. Als Präsidentin fungierte hier die Medizinerin Wilhelmine Löwenstein-Brill (1884-1971). In einer Darstellung des Klubs wird sie 1934 mit ihren Worten „Arbeiten in Amerika – leben nur in Österreich“ zitiert.[5]

Habilitierung

Zwischen 1917 und 1930 publizierte Mona (Anna Simona) Spiegel-Adolf 43 wissenschaftliche Arbeiten. „Dementsprechend eindeutig fiel auch das Votum der letzten Sitzung des Professorenkollegiums auf ihr Ansuchen um Verleihung der Venia legendi hin aus: 22 Ja- standen 2 Nein-Stimmen gegenüber.“ [6] Sie wurde mit 4. Juli 1931 zur Privatdozentin für angewandte medizinische Chemie mit besonderer Berücksichtigung der biologisch-physikalischen Chemie und medizinischen Kolloidchemie ernannt und war damit die zweite Frau, die sich an der Universität Wien im Fach Medizin habilitierte.

Temple-University in Philadelphia

1931 wurde Mona (Anna Simona) Spiegel-Adolf, nachdem sie bereits 1930 mit ihrem Ehemann eine dreimonatige Vortragsreise nach Nordamerika unternommen hatte, als Professorin an die Temple-University in Philadelphia berufen, wo sie das Fach physikalische und Kolloidchemie einrichtete und auch Vorständin des neu errichteten Instituts wurde. „Um ihre Assistentenstelle in Wien behalten zu können, musste sie sich immer wieder von ihren Vorlesungsverpflichtungen beurlauben lassen […]. Zuletzt suchte sich am 3. September 1936 mit der Begründung an, dass sie in Wien derzeit keine Erwerbsmöglichkeit sähe. Sie bot jedoch an, ihrer Vorlesungsverpflichtung in Form von mehrwöchigen Kursen nachzukommen. Obwohl sich Prof. Pauli [Wolfgang Pauli, Anm.] für sie einsetzte mit dem Hinweis, ihre in Amerika gemachten Studien seien von allgemeinem Interesse für die Fakultät, wurde ihr Ansuchen abgelehnt.“[7]

Ihr Ehemann Ernest Adolf Spiegel war zu dieser Zeit bereits seit 1930 an die Temple-University in Philadelphia berufen worden. Beide publizierten 1936 zusammen die Studie „Physicochemical Mechanisms in Convulsive Reactivity“.

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde ihr aufgrund ihrer jüdischen Herkunft die Venia legendi – ihre Lehrbefugnis – entzogen. Da sie jedoch seit 1934 auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, blieb sie in den USA und leitete bis 1966 an der Temple-University in Philadelphia das Institut für physikalische und Kolloidchemie. Mona (Anna Simona) Spiegel-Adolf starb am 12. Dezember 1983 in Chicago/Illinois.

Im Juni 2010 wurde das neu errichtete Anna Spiegel Forschungsgebäude der Medizinischen Universität Wien nach ihr benannt.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Adolf Anna Simona (23.2.1893).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 191-1423, Adolf Simone (Promotion Datum: 23.12.1918).

Spiegel-Adolf, Anna Simona (Mona Spiegel-Adolf). In: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. Bis 20. Jahrhundert. Hrsg: Österreichische Nationalbibliothek. Band 3. S-Z. 8923-11742. Register. München: K. G. Saur 2002.

Horn, Sonia: Spiegel-Adolf, Anna Simona. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 699-701.

Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 117-138.

Spiegel-Adolf, Mona (Anna Simona; 1893-). In: Encyclopedia Judaica. Volume 5. C-DH. Jerusalem: Keter Publishing House Jerusalem Ltd. 1972. S. 397.

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938: Anna Simona Spiegel-Adolf.

Literatur:

Spiegel-Adolf, Anna Simona: Ueber Struma ovarii. Aus den k. k. Universitätsinstitut für pathol. Histologie und Bakteriologie in Wien (Vorstand: Prof. Dr. Oskar Stoerk). (Mit 4 Textfiguren). Sonderdruck aus: Archiv für Gynäkologie. Berlin: Verlag von August Hirschwald 1918.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Spiegel-Adolf, Anna Simona: Untersuchungen über physikalische Zustandsänderungen der Kolloide. XXIII. Das Acidalbumin. (Aus dem Laboratorium für physikalisch-chemische Biologie der Universität Wien.) Mit 7 Abbildungen im Text. Sonderdruck aus: Biochemische Zeitschrift. Berlin: Verlag von Julius Springer 1920.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Spiegel-Adolf, Anna Simona: Untersuchung zweier Fälle von Landryscher Paralyse mit dem histologischen Befund einer Poliomyelitis ant.acut. Sonderdruck aus: Jahrbücher für Psychiatrie und Neurologie. Wien, Leipzig: Franz Deuticke 1924.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Spiegel-Adolf, Anna Simon: Ein Fall von Paraplegie nach Lyssaschutzimpfung. Aus der Schutzimpfungsanstalt gegen Wut in der Krankenanstalt „Rudolfstiftung“ (Vorstand: Hofrat Prof. Dr. R. Paltauf.) Sonderdruck aus: Jahrbücher für Psychiatrie und Neurologie. Leipzig, Wien: Franz Deuticke 1924.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Spiegel-Adolf, Anna Simona und Wolfgang Pauli: Beiträge zur allgemeinen Kolloidchemie. VIII. Zur Analyse und Konstitution des kolloiden Goldes. II. (Aus den Universitätslaboratorium für physikalisch-chemische Biologie in Wien). Sonderdruck aus: Kolloid-Zeitschrift. Leipzig: Verlag von Theodor Steinkopff 1924.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Spiegel-Adolf, Anna Simona: Physikalisch-chemische Untersuchungen bestrahlter Proteine. 1. Mitteilung: Die Veränderungen des Seralbumins bei Ultraviolettbestrahlung und ihre Beziehungen zur Hitzegerinnung. Sonderdruck aus: Biochemische Zeitschrift. Berlin: Springer 1927.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 24203]

Spiegel-Adolf, Anna Simona: Die Globuline. Mit 68 Abbildungen und 300 Tabellen. (= Handbuch der Kolloidwissenschaft in Einzeldarstellungen/4) Dresden, Leipzig: Verlag von Theodor Steinkopff 1930.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 341/4]

Spiegel, Ernest und Anna Simona Spiegel-Adolf: Physicochemical mechanisms in convulsive reactivity. Sonderdruck aus: Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine. 1936.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Jahresbericht des Mädchen-Lyzeums am Kohlmarkt, Wien 1913, S. 110.

[2] Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 132.

[3] Photographische Correspondenz, Nr. 6, 1929, S. 186.

[4] Neue Freie Presse, 3.7.1924, S. 9.

[5] Telegraf, 22.2.1934, S. 12.

[6] Horn, Sonia: Spiegel-Adolf, Anna Simona. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 700.

[7] Horn, Sonia: Spiegel-Adolf, Anna Simona. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 700.

Normdaten (Person): Spiegel-Adolf, Mona: BBL: 31332; GND: 127944494;

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Most Wanted Book

Unter den am meisten vorgemerkten Büchern der letzten Buchausstellung ist:

Sexualität und Trauma : Grundlagen und Therapie traumaassoziierter sexueller Störungen

Büttner, Melanie [HerausgeberIn]. [VerfasserIn]
Anderson-Schmidt, Heike [VerfasserIn]
Clement, Ulrich, 1950- [VerfasserIn eines Geleitwortes]
Sack, Martin,, 1961- [VerfasserIn eines Geleitwortes]
Schattauer GmbH [VerlegerIn]
2018
 
Signatur: WM-611-8
 

Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien [29]: Springer-Verlag

Open Access-Publizieren ohne Zusatzkosten für AutorInnen der MedUni Wien

Die Medizinische Universität Wien hat mit dem Springer-Verlag ein neues Lizenzmodell „Springer Compact“ vereinbart. Publiziert kann in über 1.600 Subskriptionszeitschriften von Springer Open Access ohne zusätzliche AutorInnengebühren werden.  Mehr Infos–>

Im Van Swieten Blog können Sie  kontinuierlich die Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien nachlesen:

Influence of training level on cervical cone size and resection margin status at conization: a retrospective study

Eliana Montanari, Christoph Grimm, Richard Schwameis, Lorenz Kuessel, Stephan Polterauer, Chiara Paternostro, Heinrich Husslein

Arch Gynecol Obstet. 2018; 297(6): 1517–1523. Published online 2018 Mar 30. doi: 10.1007/s00404-018-4761-1

PMCID:

PMC5945722

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Reliability of sonographic fetal weight estimation in triplet pregnancies: a retrospective cohort study

Sophie Pils, Stephanie Springer, Rudolf Seemann, Verena Wehrmann, Christof Worda, Johannes Ott

Arch Gynecol Obstet. 2018; 297(6): 1441–1447. Published online 2018 Mar 17. doi: 10.1007/s00404-018-4746-0

PMCID:

PMC5945739

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How accurate are prenatal tractography results? A postnatal in vivo follow-up study using diffusion tensor imaging

Jae W. Song, Gerlinde M. Gruber, Janina M. Patsch, Rainer Seidl, Daniela Prayer, Gregor Kasprian

Pediatr Radiol. 2018; 48(4): 486–498. Published online 2018 Mar 17. doi: 10.1007/s00247-017-3982-y

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PMC5857276

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Alle Beiträge zu Open Access–>

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [79]: Mediziner in der Revolution 1848: Kapper, Siegfried: Dissertatio Inauguralis Medico-Practica…In Theses adnexas disputabitur in aedibus Universitatis die 2. Mensis Januarii 1847

Mediziner in der Revolution 1848 – Siegfried Kapper

Text: Dr. Walter Mentzel

Siegfried Salomon Kapper gehörte zu den aktivsten und engagiertesten Medizinern während der 1848er Revolution in Wien. Er nahm am 13. März 1848 an der Versammlung im niederösterreichischen Landhaus teil, auf der Adolf Fischhof (1816-1893) seine Rede zur Pressefreiheit hielt und wurde in jene Delegation gewählt, die als Deputation vor den Ständen im Landhaus die Forderungen der Revolutionäre vertreten sollte. Er war Mitglied der Nationalgarde, in den Führungsorganen der Akademischen Legion tätig, und verfasste als Journalist zahlreiche Artikel mit der er die Revolution zu unterstützen und mit seinen Gedichten („Voran“, „Chorgesang der Wiener Studentenlegion“, „Auferstehung“, „Das Schmelzer Grab“, „Befreite Lieder“, „Dem jungen Österreich“) voranzutreiben versuchte. Kapper veranstaltete 1848 am „Theater an der Wien“ ein Feierkonzert mit, aus dessen Reinerlös die Errichtung des Denkmales für die „Märzgefallenen“ finanziert werden sollte. Im Juni 1848 kandidierte er für die erste Volksvertretung Österreichs, den konstituierenden Reichstag.[1] Ebenso nahm er als Mediziner im ärztlichen Dienst in einem Notspital im Wiener Augarten an den Oktoberkämpfen um Wien teil. Danach arbeitete er für Zeitungen in denen er über die weitere Entwicklung und über die Niederschlagung der Revolution berichtete. Seine zeitgenössischen Darstellungen und Berichte zählen heute noch zu den detailliertesten und durch ihre Informationsdichte sich auszeichnenden Arbeiten zu den Ereignissen von 1848.

Siegfried Kapper. Lithographie von Eduard Kaiser. 1848.

Siegfried (Isaac Salomon) Kapper wurde am 21. März 1820 als eines von neun Kindern des jüdischen Lehrers Joseph Hermann Kapper (1775-1845) und der Sara Franziska, geborene Rosenball, in Smíchov in Prag geboren. Er war mit Anna Hartmann, der Schwester seines Studienkollegen und Freundes Moritz Hartmann (1821-1872), der ebenfalls an der Revolution von 1848 in Wien teilnahm und als dessen Chronist gilt, verheiratet. Nachdem er zunächst zwischen 1836 und 1839 an der Prager Universität Philosophie studiert und danach ein Jahr lang in Russland als Hauslehrer gearbeitet hatte, begann er 1841 an der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er 1847 mit der Promotion u.a. bei Carl von Rokitansky (1804-1878), Josef Skoda (1805-1881) und Ernst von Feuchtersleben (1806-1849) abschloss. Bereits während seines Studiums war er schriftstellerisch tätig und veröffentlichte in einer Reihe von Zeitungen (Österreichisches Morgenblatt[2], Sonntags-Blätter[3], Bohemia, Constitutionelles Blatt, Wiener Zeitung u.a.), schrieb Libretti für Opern und begann sich mit der tschechischen und südslawischen Literatur und deren Übersetzung zu beschäftigten. Daneben schrieb für jüdische Zeitschriften (Kalender und Jahrbuch für Israeliten/1845, 1847) und publizierte sogenannte jüdische Ghettoliteratur. Er gilt als ein prominenter Vertreter des deutsch-tschechischen Judentums.[4]

Von ihm besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin seine 28 Seiten umfassende, im Jahr 1847 an der Universität Wien approbierte Dissertation, die er dem Wiener Arzt Dr. Johann Joseph Tedesco (1803-1870) widmete und in der er sich mit der Wirkung der Heilquelle im Kurort Gleichenberg befasste.

Kapper, Siegfried: […] De Fonte Constantino Gleichenbergensi, […]. Wien: Typis Carolii Ueberreuter 1847.


Titelblatt: Kapper: […] De Fonte Constantina Gleichenbergensi, […]. Wien: 1847.

Im Jahr seiner Promotion übersiedelte Kapper von Wien in das heutige Kroatien, wo er sich in Karlstadt (heute: Karlovac) niederließ und eine Arztpraxis eröffnete. Im Februar 1848 kam er zunächst auf einer Durchreise nach Wien und nahm angezogen von den Ereignissen an der Freiheitsbewegung teil. Trotz seines maßgebenden Engagements wurde er nach der Niederschlagung der Revolution am 9. November 1848 in die Medizinische Fakultät aufgenommen und konnte weiterhin als Arzt in Karlstadt seine Arbeit verrichten. Von hier aus unternahm er in den folgenden Jahren mehrere ausgedehnte Reisen durch das südliche Ungarn und die slawischen Gebiete des Osmanischen Reichs (Bosnien, Herzegowina, Montenegro und Serbien), die sich in zahlreichen ethnografischen, kultur- und literaturhistorischen Werken und Reiseberichten niederschlugen. Daneben belegte er 1849 an der Medizinischen Fakultät einen praktischen Kurs zur Geburtshilfe, den er 1850 abschloss, und erhielt 1851 sein Zeugnis über das Rigorosum im Fach Chirurgie, das er bei Johann Dumreicher (1815-1880) absolviert hatte. 1854 übersiedelte Kapper nach Böhmen und ließ sich in Dobris in der Nähe von Prag nieder. Nachdem er 1859 am österreichisch-italienischen Krieg als Feldarzt in einem Militärspital in Verona teilgenommen hatte, arbeitete er ab 1860 wieder als Arzt in Jungbunzlau und ab 1867 in Prag. Neben seinem Beruf als Arzt war er stets schriftstellerisch tätig. Seine Werke werden heute „wiederentdeckt“ und neu aufgelegt. Kappers Verdienst als Schriftsteller war u.a. die südslawische Literatur in die deutsche Sprache zu übersetzen und sie im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Er verstarb am 7. Juni 1879 während eines Kuraufenthaltes in Pisa in Italien, wo er auch beerdigt wurde.

Quellen:

AUW, Med. Fak., Dekanat, Rigorosenprotokolle (1821-1871), Sign. 170-121a, Kapper Siegfried (Rigorosum Datum 1846).

AUW, Rektorat, Med. Fakultät, Promotionsprotokoll 1840-1854, Sign. 176-589, Kapper Siegfried (Promotion Datum 26.1.1847).

AUW, Med. Fak., Dekanat, Rigorosenprotokolle (1821-1871), Sign. 170-123r, Kapper Siegfried (Rigorosen Datum 1851).

Donath, Oskar: Siegfried Kapper als Ghettodichter. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. H. 9/10 (September/Oktober). 1912. S. 513-545.

Kapper, Siegfried. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. (Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica, Band 13:). München 2005, S. 257–266.

Literaturliste:

Kapper, Siegfried: Dissertatio Inauguralis Medico-Practica De Fonte Constantino Gleichenbergensi, Quam Consensu Et Auctoritate Illustrissimi Ac Magnifici Domini Præesidis Ac Directoris, Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani nec non Clarissimorum Ac Celeberrimorum D. D. Professorum pro Doctoratus Medicinae Laurea rite obtinenda in antiquissima ac celeberrima Universitate Vindobonensi publicae disquisitioni submittit Segofredus Kapper, e Smichow in Bohemia. In Theses adnexas disputabitur in aedibus Universitatis die 2. Mensis Januarii 1847. Wien: Typis Carolii Ueberreuter 1847.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/historische Dissertationsbibliothek, Sign.: D-2937]

Keywords:

1848, Adolf Fischhof, Carl von Rokitansky, Dissertation, Ernst von Feuchtersleben, Johann Dumreicher, Jospeh Skoda, Mediziner, Revolution, Schriftsteller, Siegfried Kapper, Wien, Arzt

[1] Wiener Zeitung. 28.6.1848. S. 2.

[2] Österreichisches Morgenblatt. 27.2.1841. S. 1.

[3] Sonntags-Blätter für heimathliche Interessen. 10.4.1842. S. 1.

[4] Donath, Oskar: Siegfried Kapper als Ghettodichter. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. H. 9/10 (September/Oktober). 1912. S. 513-545.

Normdaten (Person) Kapper, Siegfried : BBL: 31287; GND116053755

Bio-bibliografisches Lexikon (BBL)/Liste aller Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien

Bitte zitieren als VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, BBL: 31287 (11.10.2018); Letzte Aktualisierung: 2022 05 16
Online unter der URL: https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=31287
Van Swieten Blog Logo Margrit Hartl

DIPLDISS-COACHING – „Gecoachtes Searching für MedUni Wien-Diplomand*innen / Dissertant*innen“- TERMIN: 10.11.2018

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 Samstag, 10.11.2018

von 9:30 – 12:30 im Vortragsraum der UB MedUni

Email-Anmeldung: eva.chwala@meduniwien.ac.at
mit Angabe der Matrikelnr.

TOP-JOURNAL des Monats: LANCET (Impact Factor 53.254)

Die Universitätsbibliothek stellt DIE medizinischen Top-Journals am Campus der MedUni Wien und via Remote Access  zur Verfügung.

Das  TOP-JOURNAL des Monats im Van Swieten Blog ist:

LANCET

Zu den Volltexten: Jg. 345, H. 8941 (1995) –

Die ersten 20% der Zeitschriften eines bestimmten Fachgebietes im Journal Citation Reports JCR
(geordnet nach der Höhe des Impact Factors) sind TOP-JOURNALE.

Mit dem Impact Factor 53.254 (2017) zählt LANCET zu den Top-Journalen in der Kategorie: Medicine, General & Internal – SCIE

ISSN: 0140-6736
eISSN: 0140-6736
52 issues/year
 

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [78]: Zum 200. Todestag von: Hildenbrand, Johann Valentin von…Öffentlicher Professor An Der Universität Zu Wien…1810

Zum 200. Todestag von: Hildenbrand, Johann Valentin von: Joh. Val. Edler Von Hildenbrand, Kaiserl. Königl. Rath, Der Practischen Heilkunde Ord. Öffentlicher Professor An Der Universität Zu Wien, Der Königl. Gesellschaft Der Wissenschaften Zu Göttingen Correspondent, Der Sydenhamischen Gesellschaft Zu Halle, Und Der Physicalisch-Medicinischen Gesellschaft zu Erlangen Ehrenmitglied, Über Den Ansteckenden Typhus. Nebst Einigen Winken Zur Beschränkung Oder Gänzlichen Tilgung Der Kriegspest, Und Mehrerer Anderer Menschenseuchen. Wien: Gedruckt In der Degenschen Buchdruckerey 1810.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-5090]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

Text: Harald Albrecht, BA

  

Abb. 1     Johann Valentin von Hildenbrand. Josephinum, Ethik, Sammlungen, und Geschichte der Medizin, MedUni Wien, FO-IR-000265-0002

Johann Valentin von Hildenbrand (*4.8.1763 Wien, gest. 31.05.1818 Wien), dessen Todestag sich 2018 zum 200. Mal jährte, studierte an der Wiener Medizinischen Fakultät, wo er 1784 promivierte. Maximilian Stoll (1742-1787), einer der führenden Vertreter der Ersten Wiener Medizinischen Schule, zählte zu seinen wichtigsten Lehrern. Nach seiner Promotion wurde er Physikus (Bezirksarzt) in Waidhofen an der Thaya. Aufgrund der schlechten Bezahlung nahm er 1787 eine Stelle als Leibarzt des polnischen Grafen Michael Georg Mniszek (1748-1806) an und folgte diesem nach Wierzbowiec/Вербовець (heute: Ukraine) in Wolhynien/Воли́нь (heute: Ukraine).

Als Leibarzt des Grafen Mniszek erwarb sich Hildenbrand einen sehr guten Ruf, sodass ihm vom polnischen König Stanisław August II. (1732-1798) der Titel eines Hofrates verliehen wurde und er 1793 auf den medizinisch-chirurgischen Lehrstuhl der Universität Lemberg/Lwiw/Львів (heute: Ukraine) berufen wurde. Später wurde er auch Direktor der Medizinischen Fakultät und nach der Vereinigung mit der Universität Krakau/Kraków lehrte er auch dort. 1799 wurde der zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gewählt.

Nachdem Johann Valentin von Hildenbrand 1805 den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen bekommen hatte, übersiedelte er 1807 nach Wien, wo er zum Vorstand der Medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankhaus ernannt wurde. Mit der Bestellung zum Leiter des Wiener Allgemeinen Krankenhauses im Jahre 1811 wurde er gleichzeitig auch Direktor des Wiener Findelhauses. Seine Forschungen fokussierte er mithilfe von Hygro-, Thermo-, Baro- und Anemometermessungen auf Experimente zur Untersuchung von Umwelteinflüssen als Krankheitsursachen. Neben seinem Hauptwerk […] Über Den Ansteckenden Typhus […] verfasste er zahlreiche weitere Schriften, darunter ein Werk für Wundärzte sowie ein Buch über die Pest.

Über Hildenbrands wichtigstes Werk: […] Über Den Ansteckenden Typhus […] aus dem Jahr 1810, schrieb der Pathologe und Pharmakologe Jospeh Johann Knolz (1791-1862) in einem Beitrag in der Wiener medizinischen Wochenschrift (3/1853), den er zuvor in einer Plenarversammlung des Wiener Docotoren-Collegiums als Vortrag gehalten hatte, sehr überschwänglich: „Ausser diesen literarischen Arbeiten hat v. Hildenbrand im Jahre 1810 das ärztliche Publikum mit einem Werke beglückt, das in vielen in- und ausländischen Journalen mit gerechter Bewunderung und grösstem Danke aufgenommen, im 4 fremde Sprachen übersetzt, seither von so vielen berühmten Schriftstellern in ihren Werken benützt, von allen Praktikern am Krankenbette in und ausser Spitälern als Richtschnur zum Beobachten und Handeln unläugbar zur Wohlthat der Menschheit gebraucht wurde, und das trotz der damals herrschend gewesenen naturphilosophischen Kritik, die sich so gerne eine hämische Verdammung aller sublunarischen Werke anmasste, dennoch wegen des rein hippokratischen Geistes, der darin weht, dermassen allgemein beifällig aufgenommen wurde, dass es nicht leicht in der Bibliothek jedes wissenschaftlichen und praktischen Arztes fehlte, – ich meine die wahrhaft klassische Abhandlung über den ansteckenden Typhus.“[1]

Abb. 2    Titelblat: Hildenbrand: […] Über Den Ansteckenden Typhus […]. Wien: 1810.

Quellen:

Hildenbrand, Johann Valentin Edler von, österr. Mediziner, *8.4.1763 Wien, +31.5.1818 Wien. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 281.

Hildenbrand, Valentin von, Mediziner. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950. Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. II. Band (Glae-Hüb). Graz, Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1959.

Knolz, Joseph Johann: Ueber die Leistungen Valentin’s von Hildenbrand, als prakt. Arzt, Staatsbeamter und klin. Lehrer an der Wiener Hochschule. Vortrag, gehalten in der wissenschaftl. Plenarversammlung des Doctoren-Kollegiums der mediz. Fakultät am 6. Juni, vom Regierungsrath Dr. J. J. Knoltz in Wien. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (3) 1853. Sp. 391-392, 406-408, 423-425.

[1] Knolz, Joseph Johann: Ueber die Leistungen Valentin’s von Hildenbrand, als prakt. Arzt, Staatsbeamter und klin. Lehrer an der Wiener Hochschule. Vortrag, gehalten in der wissenschaftl. Plenarversammlung des Doctoren-Kollegiums der mediz. Fakultät am 6. Juni, vom Regierungsrath Dr. J. J. Knoltz in Wien. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (3) 1853. Sp. 406.

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