Archiv der Kategorie: Literaturhinweis

Literaturhinweis

Neuerwerbungen im September`17:

Der Bestand der Bibliothek wird durch zahlreiche interessante
Neuerwerbungen laufend erweitert.

Ein Großteil der neu erworbenen Literatur wird in der Buchausstellung im Lesesaal präsentiert.

Alle Neuerwerbungen finden Sie im Katalog–>LINK

Beispiele:

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Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie
Strutz, Jürgen [HerausgeberIn] Arndt, Olaf [HerausgeberIn]
2017
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false
Cardiovascular medicine
Morris, Paul [VerfasserIn] Morton, Allison [VerfasserIn] Warriner, David [VerfasserIn]

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Herz-Kreislauf-System : Integrative Grundlagen und Fälle
Noble, Alan [VerfasserIn] Johnson, Robert [VerfasserIn] Thomas, Alan [VerfasserIn] Bass, Paul [VerfasserIn]
2017

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Demenzen
Wallesch, Claus-Werner, 1953- [HerausgeberIn] Förstl, Hans, 1954- [HerausgeberIn]
2017

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Mein erster Dienst – Anästhesie
Fink, Tobias, 1979- [VerfasserIn] Kiefer, Daniel Lorenz, Dominik
2017

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Memorix Zahnmedizin
Weber, Thomas, 1952- [VerfasserIn]
2017

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [38]: Frankl, Viktor E.: … trotzdem ja zum Leben sagen. Drei Vorträge gehalten an der Volkshochschule Ottakring. Wien

Frankl, Viktor E.: … trotzdem ja zum Leben sagen. Drei Vorträge gehalten an der Volkshochschule Ottakring. Wien: Franz Deuticke 1946.

http://search.obvsg.at/primo_library

Abb. 1    Viktor Emil Frankl

Viktor Emil Frankl (*26.03.1905 Wien, gest. 02.09.1997 Wien), dessen Todestag sich am 2. September 2017 zum 20. Mal jährte, war ein österreichischer Neurologe und Psychiater. Er gilt als Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse sowie der Dritten Wiener Schule der Psychotherapie. Sein Werk … trotzdem ja zum Leben sagen […] (engl.: Man’s search for meaning: An introduction to logotherapy), worin er seine Erfahrungen als Häftling mehrerer nationalsozialistischer Konzentrationslager verarbeitete und einer breiten Öffentlichkeit darlegte, wurde in 26 Sprachen übersetzt und verkaufte sich über 12 Millionen Mal.

Viktor E. Frankl wuchs mit seinen Geschwistern Walter und Stella in einer jüdischen Beamtenfamilie in der Wiener Leopoldstadt auf. Seine Mutter stammte aus Prag, sein Vater aus Südmähren. Schon seine Schulzeit war geprägt von seinem Interesse für Psychologie und Psychoanalyse. Bereits mit 15 Jahren korrespondierte er mit Sigmund Freud (1856-1939). So erschien auch seine erste Publikation 1924, ein Jahr nach seiner 1923 abgelegten Matura, in der Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse auf ausdrückliche Empfehlung Freuds. Viktor E. Frankl studierte Medizin an der Universität Wien und promovierte 1930. Noch während seiner Studienzeit verkehrte er mit Individualpsychologen, wie Alfred Adler (1870-1937). Frankl publizierte 1925 in der Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie seine Arbeit Psychotherapie und Weltanschauung und gründete die Zeitschrift Der Mensch im Alltag, die er bis zum Bruch mit Alfred Adler 1927 leitete. Adler schloss Frankl wegen „Unorthodoxie“ aus dem Verein für Individualpsychologie aus. Frankl, der seit 1924 Obmann der Sozialistischen Mitschüler Österreichs war, gründete ab 1928 mehrere Jugendberatungsstellen und organisierte 1930 zur Zeit der Zeugnisvergabe eine besondere Beratungsinitiative, woraufhin sich in Wien die Zahl der Suizidversuche von SchülerInnen deutlich reduzierte. Dieser Erfolg machte auch die internationale Fachwelt auf ihn aufmerksam.

Abb. 2    Viktor Emil Frankl

Von 1933 bis 1937 leitete Viktor E. Frankl im Psychiatrischen Krankenhaus Wien am Rosenhügel den sogenannten „Selbstmörderinnenpavillon“, wo er als Oberarzt jährlich bis zu 3.000 selbstmordgefährdete Frauen betreute. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde ihm aufgrund seiner jüdischen Herkunft verboten „arische“ Patienten zu betreuen. 1940 übernahm er die Leitung der neurologischen Abteilung des Rothschild-Spitales, dem einzigen Krankenhaus in Wien, in dem Juden und Jüdinnen noch behandelt wurden. Obwohl ihm das US-Konsulat in Wien 1941 ein Visum für die Vereinigten Staaten in Aussicht stellte verzichtete er auf die Fluchtmöglichkeit, da er seine Eltern nicht in Wien zurücklassen wollte. Viktor E. Frankl wurde gemeinsam mit seiner Frau Tilly 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Sein Vater wurde hier 1943 ermordet. 1973 schrieb Frankl über seinen Vater im KZ: „Bevor er im Lager Theresienstadt Hungers starb, wurde der Herr Direktor einmal dabei angetroffen, wie er aus einer leeren Tonne den Rest von Kartoffelschalen herauskratzte.“[1] Die Nationalsozialisten ermordeten seine Mutter ebenso wie sein Bruder Walter in den Gaskammern von Ausschwitz. Frankls Ehefrau Tilly wurde im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet. Frankl selbst deportierten die Nazis am 19. Oktober 1944 von Theresienstadt nach Ausschwitz von wo er einige Tage später ins KZ-Außenlager Kaufering III und am 5. März 1945 ins KZ-Außenlager Kaufering VI, dem sogenannten Lager Türkheim, beides Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, verschleppt wurde. Am 27. April 1945 erlebte Frankl seine Befreiung im Lager Türkheim durch die US-Armee.

Abb. 3    Titelblatt: Frankl: … trotzdem ja zum Leben sagen […]. Wien 1946.

Viktor E. Frankl verarbeitete seine Eindrücke und Erfahrungen in dem Buch … trotzdem ja zum Leben sagen. Drei Vorträge gehalten an der Volkshochschule Ottakring. Wien: Franz Deuticke 1946. Er vertrat schon kurz nach Ende des Krieges die Ansicht, dass vor allem Versöhnung einen sinnvollen Ausweg aus der Katastrophe des Weltkrieges und des Holocaust weisen könne. Der Titel des Buches enthält das Zitat: „trotzdem Ja zum Leben sagen“ aus dem Refrain des Buchenwaldliedes des KZ-Häftlings Fritz Löhner-Beda (1883-1942), einem österreichischen Librettisten, Schlagertexters und Schriftstellers. Im Buch geht es zunächst um die Auswirkung der Lagerhaft in einem KZ auf die Häftlinge, aber auch um die Beziehungen zwischen den Häftlingen.

Die zentrale Erfahrung im Konzentrationslager war für Frankl, dass es möglich ist, auch noch unter inhumansten Bedingungen einen Sinn im Leben zu sehen. So beschreibt er, dass diejenigen Häftlinge eine bessere Chance hatten, zu überleben, die jemanden hatten, der auf sie wartet. Für Frankl selbst war es die Vorstellung, dass er in der Zukunft Vorlesungen über die Auswirkungen des Lagers auf die Psyche halten werde. Auch in späteren Jahren stand für Frankl die Sinnfrage stets im Zentrum seiner Arbeiten zur Suizidprävention. Darüber entspann sich auch ein längerer Dialog zwischen Frankl, der nach dem Krieg auch im Fach Philosophie promovierte, und dem Philosophen Martin Heidegger (1889-1976).

Viktor E. Frankl kehrte 1945 wieder zurück nach Wien. 1946 wurde er zum Vorstand der Wiener Neurologischen Poliklinik berufen, die er bis 1971 leitete. Nach seiner Habilitierung 1949 erhielt er 1955 den ordentlichen Professorentitel der Universität Wien für Neurologie und Psychiatrie. Zahlreiche Gastprofessuren führten ihn unter anderem in die USA an die Universitäten Harvard und Stanford. Die U.S. International University in Kalifornien errichtete eigens für ihn eine Professur für Logotherapie, die von Frankl geschaffene Psychotherapierichtung. Frankl entwickelte verschiedene Methoden der Psychotherapie, die teils auch von anderen therapeutischen Richtungen übernommen wurden – die „paradoxe Intention“, die „Dereflexion“, die „Einstellungsänderung“, das „Logodrama“, die „existenzanalytische Traumdeutung“, den „sokratischen Dialog“ und andere.

Von 1947 bis zu seinem Tod war er in zweiter Ehe mit Eleonore Katharina Schwindt verheiratet, mit der er auch eine Tochter hatte. Viktor Emil Frankl verstarb 92-jährig am 2. September 1997 in Wien. Er galt als einer der größten Fachleute auf seinem Gebiet. Er verfasste 32 Bücher und erhielt weltweit 29 Ehrendoktorate. Sein wohl weltweit bekanntestes Buch – die amerikanische Ausgabe seines „…trotzdem ja zum Leben sagen […]“ ist laut Library of Congress „one of the ten most influential books in the USA“. 1992 wurde in Wien das Viktor Frankl Institut (http://logotherapy.univie.ac.at/d/institut_agenda.html) gegründet und seit 2015 gibt es in Wien auch ein Viktor Frankl Museum (https://www.franklzentrum.org/museum/das-museum.html).

Folgende weitere Erstausgaben wichtiger Werke Frankls aus der Nachkriegszeit befinden sich in den Beständen der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Frankl, Viktor E.: Ärztliche Seelsorge. Wien: Franz Deuticke 1946.

http://search.obvsg.at/primo_library/

Frankl, Viktor E.: Die Psychotherapie in der Praxis. Eine kasuistische Einführung für Ärzte. Wien: Franz Deuticke 1947.

http://search.obvsg.at/primo_library/

Text: Harald Albrecht

Quellen:

Kasper, Siegfried: Nachruf auf Prof. Viktor E. Frankl. In: Die Universität. (3) 1997. S. 11.

Doering, Dieter: Die Logotherapie Viktor Emil Frankls. (= Kölner medizinhistorische Beiträge, 19) Köln: Univ.-Diss. 1981

Univ.-Prof. Dr. Viktor Frankl. In: Österreicher, die der Welt gehören. Hrsg. von Mobil Oil Austria Aktiengesellschaft. Wien: Mobil Oil Austria AG 1979. S. [44]-53.

Asperger, Hans: Laudatio für Professor Dr. Viktor E. Frankl anläßlich der feierlichen Überreichung des Innitzer-Preises. In: Österreichische Ärztezeitung. (33/3) 1978. S. 146-147.

Frankl, Viktor E.: Viktor E. Frankl. In: Psychotherapie in Selbstdarstellungen. Hrsg. von Ludwig J. Pongratz. Bern, Stuttgart und Wien: Verlag Hans Huber 1973. S. 177-204.

Fabry, Joseph B.: Das Ringen um Sinn. Logotherapie für den Laien. Stuttgart: Paracelsus Verlag 1973.

[1] Frankl, Viktor E.: Viktor E. Frankl. In: Psychotherapie in Selbstdarstellungen. Hrsg. von Ludwig J. Pongratz. Bern, Stuttgart und Wien: Verlag Hans Huber 1973. S. 177.

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Univ Prof. Dr. Christian Loewe im Gespräch mit PEOPLE: Menschen und Medizin im Wiener AKH


Univ Prof. Dr. Christian Loewe im Gespräch mit PEOPLE: Menschen und Medizin im Wiener AKH 3/2017:

Zur kompletten Ausgabe –>LINK

PEOPLE: MENSCHEN und Medizin im Wiener AKH, herausgegeben von der B & K Bettschart und Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH, steht unter der Schirmherrschaft des Vereins zur Förderung von Wissenschaft und Forschung in den Neuen Universitätskliniken am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien.
PEOPLE ist ein Gratis-Magazin und berichtet viermal im Jahr über die beeindruckenden Leistungen der Spitzenmedizin ebenso wie über die neuesten Einsichten zur Gesundheitsvorsorge und zur Lebensstil-Medizin. Die redaktionellen Beiträge werden von erfahrenen Medizinjournalisten unter der fachlichen Beratung der wissenschaftlich tätigen Mediziner des Wiener Allgemeinen Krankenhauses in einem allgemein verständlichen Stil geschrieben.
PEOPLE wird in einer Auflage von 70.000 Exemplaren gedruckt und flächendeckend an zentralen Punkten des AKH, im Hanusch-Krankenhaus und in den Kassenambulatorien der Wiener GKK verteilt und an alle niedergelassenen Ärzte in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland versendet.

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TOP-JOURNAL des Monats: IMMUNITY (Impact Factor: 22.845)

Die Universitätsbibliothek stellt DIE medizinischen Top-Journals am Campus der MedUni Wien und via Remote Access  zur Verfügung.

Das  TOP-JOURNAL des Monats im Van Swieten Blog ist:
IMMUNITY

Zu den Volltexten: Jg. 1, H. 1 (1994) –

Die ersten 20% der Zeitschriften eines bestimmten Fachgebietes im Journal Citation Reports JCR (geordnet nach der Höhe des Impact Factors) sind TOP-JOURNALE.

Mit dem Impact Factor 22.845 zählt  IMMUNITY zu den Top-Journalen in der Kategorie:

IMMUNOLOGY – SCIE

Languages

ENGLISH

12 Issues/Year;

Alle eJournals finden Sie hier–>Link

NEU: Empfohlene Lehrbücher

NEU: Empfohlene Lehrbücher:

Atlas der Anatomie : drei Bände und Tabellenheft / Friedrich Paulsen, Jens Waschke (Hrsg.) ; Sobotta. – 24. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017. – ISBN 978-3-437-44010- 6Band 1 .Allgemeine Anatomie und Bewegungsapparat. – 24. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-437-44021-2

Atlas der Anatomie : drei Bände und Tabellenheft / Friedrich Paulsen, Jens Waschke (Hrsg.) ; Sobotta. – 24. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017. – ISBN 978-3-437-44010- 6Band 2 .Innere Organe. – 24. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-437-44022-2

Atlas der Anatomie : drei Bände und Tabellenheft / Friedrich Paulsen, Jens Waschke (Hrsg.) ; Sobotta. – 24. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017. – ISBN 978-3-437-44010- 6Band 3 .Kopf, Hals und Neuroanatomie. – 24. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-437-44023-6

Atlas der Anatomie : drei Bände und Tabellenheft / Friedrich Paulsen, Jens Waschke (Hrsg.) ; Sobotta. – 24. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017. – ISBN 978-3-437-44010-6Tabellen .Tabellen zu Muskeln, Gelenken und Nerven : Tabellen passend zur 24. Auflage des Sobotta-Atlas. – 3. Auflage . – München : Elsevier, Urban & Fischer, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-437-44014-4

Trappe, Hans-Joachim, ca. 20./21. Jh.: EKG-Kurs für Isabel / Hans-Joachim Trappe, Hans-Peter Schuster. – 7., überarbeitete und erweiterte Auflage . – Stuttgart ; New York : Georg Thieme Verlag, [2017], 2017 . – ISBN 978-3-13-240799-2

Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie : für Studenten der Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie, Chemie und Biologie sowie für Ärzte, Tierärzte und Apotheker / Klaus Aktories, Ulrich Förstermann, Franz Hofmann, Klaus Starke ; begründet von W. Forth, D. Henschler und W. Rummel ; mit Textbeiträgen von K. Aktories [und 48 weiteren]. – 12. Auflage . – München : Elsevier, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-437-42525-7
 

Taschenlehrbuch Humangenetik / herausgegeben von Jan Murken, Tiemo Grimm, Elke Holinski-Feder, Klaus Zerres. – 9., teilaktualisierte Auflage . – Stuttgart : Thieme, [2017], 2017 . – ISBN 978-3-13-241687-1

Lehrbuch der Frauenheilkunde / hrsg. von P. Husslein …. – Wien [u.a.] : Maudrich1 .Gynäkologie / J. C. Huber …, 2001 . – ISBN 3-85175-750-5

Trepel, Martin, 1967-: Neuroanatomie : Struktur und Funktion / Martin Trepel. – 7. Auflage . – München : Elsevier, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-437-41288-2

Ernährung und Verdauung : MCW – Block 13 / Michael Trauner (Hg.). – 12., überarbeitete Auflage . – Wien : Facultas, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-7089-1607-1 Broschur

Physiologie / Herausgegeben von Hans-Christian Pape, Armin Kurtz, Stefan Silbernagl ; begründet von Rainer Klinke und Stefan Silbernagl ; mit Beiträgen von Bernhard Brenner [und 31 weiteren]. – 7., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage . – Stuttgart ; New York : Georg Thieme Verlag, [2014], 2014 . – ISBN 978-3-13-796007-2 gebunden.
 
Aumüller, Gerhard, 1942-: Anatomie / Gerhard Aumüller, Gabriela Aust, Jürgen Engele [und 14 weitere]. – 4., aktualisierte Auflage . – Stuttgart : Thieme, [2017], 2017 . – (Duale Reihe). – ISBN 978-3-13-241752-6
 
Zeeck, Axel, 1939-: Chemie für Mediziner / Axel Zeeck (Hrsg.) ; A. Zeeck, S. Grond, S.C. Zeeck. – 9. Auflage . – München : Elsevier, 2017, 2017 . – ISBN 978-3-437-42445-8 : circa EUR 35.99 (DE), circa EUR 37.00 (AT)
 
Niethard, Fritz U., 1945-: Orthopädie und Unfallchirurgie / Fritz Uwe Niethard, Joachim Pfeil, Peter Biberthaler. – 8., unveränderte Auflage . – Stuttgart : Thieme, [2017], 2017 . – (Duale Reihe). – ISBN 978-3-13-241748-9
 

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [37]: Preindlsberger, Josef – Gynäkologe, Chirurg, Vorstand des bosnisch-herzegowinischen Landesspitals in Sarajewo

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 22.07.2025

Keywords: Gynäkologe, Chirurg, Landesspital Sarajewo, Medizingeschichte, Bosnien-Herzegowina, Sarajewo, Wien

Joseph Preindlsberger wurde am 6. März 1863 als Sohn des Kaufmannes und Firmenchefs Josef Preindlsberger und Johanna Preindlsberger, geboren Koch, in Wien geboren. 1881 begann er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er am 12. März 1887 mit seiner Promotion abschloss. 1896 heiratete er in Sarajewo die Journalistin, Komponistin und Schriftstellerin Milena Mrazović (1863-1927).

Nach seiner Promotion absolvierte er seinen Militärdienst im Garnisons-Spital Nr. 1 in Wien[1] und begann seine Ausbildung zum Gynäkologen bei Carl von Braun-Fernwald (1822-1891) an der Gynäkologischen Klinik und danach bis 1893 als Assistent von Professor Josef Weinlechner (1829-1906) an der I. Chirurgischen und Gynäkologischen Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus in Wien.

Bosnisch-herzegowinisches Landesspital (Allgemeines Krankenhaus) Sarajewo

Nach der Eröffnung des „Allgemeinen Krankenhauses in Sarajewo“ im Herbst 1893 kam es zu einer Reihe von Besetzungen ärztlicher Funktionen durch Wiener Mediziner, darunter wurde Josef Preindlsberger zum Vorstand und Primarius der chirurgischen Abteilung ernannt.[2] Über seine Tätigkeit in den ersten Jahren am Landesspital finden sich Hinweise in den Mitteilungen aus der chirurgischen Abteilung des bosnisch-hercegovinischen Landespitals in Sarajevo für die Jahre 1894-1896, 1897-1900 sowie in den von Otto von Weiss (1857-1901) herausgegebenen und von Preindlsberger geordneten und ergänzten „Mittheilungen aus der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung des Bosnisch-Hercegovinischen Landesspitals in Sarajevo für die Jahre 1897-1900“.

Seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte er vor allem in medizinischen Fachzeitschriften wie „Internationale klinische Rundschau“, „Wiener medizinischen Wochenschrift“, „Wiener klinischen Wochenschrift“, „Wiener medizinischen Presse“ und in der „Wiener klinischen Rundschau“. Sie befinden sich heute in der Separata-Sammlung an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin. Preindlsberger wurde zum Landessanitätsrat ernannt, 1909 erfolgte seine Ernennung zum Regierungsrat.[3] Von ihm stammt auch die Abhandlung zur „Volksmedizin“ Bosnien-Herzegovinas, die unter dem Titel Beiträge zur Volksmedizin in Bosnien, in den Wissenschaftlichen Mittelungen aus Bosnien und der Herzegowina (H. 8, 1902, S. 215-229) erschien.

Am Ersten Weltkrieg nahm Josef Preindlsberger als Militärarzt teil. Im November 1914 wurde er zum Oberstabsarzt ernannt[4] und leitete in dieser Funktion ein chirurgisches Operationsteam an der Balkanfront in Serbien (Valjevo), Montenegro, Mazedonien und in Albanien. Ab 1916 war er an der Isonzo-Front in Italien tätig, wo er der mobilen Chirurgengruppe zugeteilt war[5] und danach beim Militärkommando Sarajewo. Ebenfalls 1916 erhielt er das Offizierskreuz des Franz Joseph-Ordens mit dem Bande des Militärverdienstkreuzes,[6] und im Februar 1918 bekam er vom Kaiser Franz Joseph den österreichischen Adelstand verliehen.[7]

1919 kehrte er mit seiner Ehefrau Milena, nachdem sie vom neuen SHS-Staat (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) aus Bosnien abgeschoben worden waren, nach Wien zurück. Josef Preindlsberger arbeitete seither als Facharzt für Chirurgie und fungierte in den 1920er Jahren als Vorsitzender des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums. Preindlsberger war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.

Preindlsberger starb am 13. Dezember 1938 in Wien. Sein Nachlass befindet sich heute im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-294a, Preindlsberger Josef (Rigorosum Datum: 1884).

UAW, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-1958, Preindlsberger Josef (Promotion Datum: 12.3.1887).

Dzambo Jozo: Milena Preindlsberger-Mrazović – eine Publizistin zwischen Folklore und Modernität, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.), „Wir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen …“. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie – der südslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 173-214.

Fuchs Brigitte: „Ärztinnen für Frauen“. Eine feministische Kampagne zwischen Wien, Prag und Sarajewo, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.): „Wir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen …“. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie – der südslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 94-127.

Lindemann Kristina: Explaining Bosnia – Milena Preindlsberger-Mrazović, and Austria’s own ‘Orient’, in: Zimmermann Tanja, Jakir Aleksandar (Hg.): Europe and the Balkans. Decades of „Europeanization“? Würzburg: 2015. S. 161-170.

Literatur:

Preindlsberger, Josef: Mitteilungen aus der chirurgischen Abteilung des bosnisch-herzegovinischen Landesspitales in Sarajevo für die Jahre 1894-1896, 1897-1900. Sonderdruck aus: Jahrbuch des bosnisch-hercegovinischen Landesspitals in Sarajevo. Wien: 1897/1900, Sarajevo: 1897-1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 8766]

Weiss, Otto von: Mittheilunen aus der geburtshilflich-gynäkologischen Abtheilung des Bosn.-Herceg. Landesspitales in Sarajevo für die Jahre 1897-1900. Geordnet und ergänzt von Josef Preindlsberger. Sonderdruck aus: Jahrbuch des bosnisch-hercegovinischen Landesspitals in Sarajevo. Sarajewo: Landesdruckerei 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 8669]

[1] Neue Freie Presse, 7.5.1887, S. 3.

[2] Internationale klinische Rundschau, 6.8.1893, S. 1220.

[3] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 20.7.1909, S. 327.

[4] Der Militärarzt, 13.11.1914, S. 518.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 2.12.1914, S. 11.

[6] Wiener Zeitung, 18.4.1916, S. 3.

[7] Bosnische Zeitung, 28.2.1918, S. 4.

Normdaten (Person): Preindlsberger, Josef : BBL: ; GND:

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  28074 (22.07.2025)
URL: https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=28074

Letzte Aktualisierung: 2025.07.220

Logo Margrit Hartl

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [36]: Rokitansky, Carl von: Dissertatio inauguralis medica de Varioloide Vaccinica.

Rokitansky, Carl von: Dissertatio inauguralis medica de Varioloide Vaccinica. Qaum Consensu et Auctoritate Excellentissimi Ac Illustrissimi Domini Praesidis Et Directoris, Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani, nec non Clarissimorum D.D. Professorum pro Doctoris Medicinae Laurea Rite Obtinenda in antiquissima ac celeberrima Universitate Vindobonensi publicae disquisitioni submittit Carolus Rokitansky, Bohemus Reginaehradecensis ad C.R. Musaeum pathologicum Practicans non stipendiatus. In Theses adnexas disputabitur in Universitatis aedibus die 1. Martii Anni MDCCCXXVIII. Wien: Typis Congregationis Mechitaristicae 1828.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D3749]

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb

Abb. 1    Carl von Rokitansky

Carl von Rokitansky (*19.02.1804 Königgrätz/(heute Tschechien), gest. 23.07.1878 Wien) gilt neben Joseph Skoda und Ferdinand von Hebra als Begründer der II. Wiener Medizinischen Schule im 19. Jahrhundert. Er stammte aus Königgrätz/Böhmen, wo er seine fünfjährige Gymnasialzeit absolvierte. 1818 begann er in Prag mit dem dreijährigen Philosophiestudium, das damals zur Vorbereitung für ein weiterführendes Studium vorgeschrieben war. Schon während seines Medizinstudiums (1821-1824) in Prag, interessierte er sich vor allem für das Fach Anatomie. Im Herbst 1824 setzte er sein Medizinstudium an der Universität in Wien fort und arbeitete ab 1. November 1827 als unbesoldeter Praktikant in der Pathologisch-Anatomischen Lehranstalt. Rokitansky promovierte nach dem Abschluss seiner Dissertation Dissertatio inauguralis medica de Varioloide Vaccinica […] am 6. März 1828 zum Doktor der Medizin.

Abb. 2    Titelblatt: Rokitansky: Dissertatio inauguralis medica de Varioloide Vaccinica […]. Wien: 1828.

1830 wurde Rokitansky Assistent an der Pathologisch-Anatomischen Anstalt, wo er zwei Jahre später zum supplierenden ao. Professor und 1834 zum außerordentlichen Professor und Kustos des Pathologisch-Anatomischen Museums ernannt wurde. Im gleichen Jahr heiratete er Maria Anna Weiss, eine von Antonio Salieri (1750-1825) ausgebildeten Sängerin, mit der er vier Kinder hatte: Hans von Rokitansky (1835-1909) bekannter Sänger an der Wiener Hofoper; Viktor von Rokitansky (1836-1896) Opernsänger und Musikpädagoge; Karl von Rokitansky (1839-1898) Prof. für Gynäkologie an der Universität Graz; Prokop von Rokitanksy (1842-1928) Prof. für Innere Medizin an der Universität Innsbruck.

Carl von Rokitansky erkannte, dass die vor ihm wenig beachtete Disziplin der pathologischen Anatomie, den Ärzten am Krankenbett neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten eröffnen würde und löste damit eine wissenschaftliche Revolution aus. Gemeinsam mit dem Internisten Joseph Skoda und dem Dermatologen Ferdinand von Hebra leitete er damit einen Paradigmenwechsel von der noch weitgehend naturphilosophisch orientierten Medizin des 18. und frühen 19. Jahrhunderts hin zu einer modernen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin ein. In seiner „Selbstbiographie“, die 1960 – gemeinsam mit seiner Antrittsrede – von Erna Lesky (1911-1986) ediert und mit Erläuterungen versehen wurde, schrieb Rokitansky: „Ich trat mein Amt mit der schon früher gewonnen Überzeugung an, dass die Leichensektionen eine Fundgrube von neuen oder doch vom diagnosticirenden Arzte am Krankenbette völlig unbeachteten Thatsachen sein müßten. Indem als palpable anatomische Veränderungen der Organe und Gewebe augenscheinlich die Ergebnisse von Processen vorlagen, so musste doch eine eingehende Kenntnis dieser Ergebnisse für die Gewinnung einer Einsicht in die Natur jener Processe unerlässlich und zugleich für die klinische Medicin von dem grössten Werthe seyn. Es stellten sich demnach zwey Aufgaben; erstens die Aufgabe, die Thatsachen vom rein anatomischen Standpunkte wissenschaftlich zu ordnen und dabey eine ihre Sonderungen und Zusammenfassungen fachgemäss rechtfertigende allgemeine path. Anatomie zu schaffen; zweytens, die Aufgabe zu zeigen, dass und wie die Thatsachen für die Diagnose am Lebenden zu verwehrten seyen, dass eine fortschrittliche Nosologie die anatomische Basis nicht entbehren könne.“[1]

Zu seinen Hauptwerken zählt:

Rokitansky, Carl von: Handbuch der pathologischen Anatomie. 3 Bde. Wien: Bei Braumüller und Seidel 1842-1846.

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?&vid=UMW&vl%28freeText0%29=AC00685909&fn=search&vl(D48333145UI5)=addsrcrid

Abb. 3    Titelblatt: Rokitansky: Handbuch der pathologischen Anatomie. Wien: 1842-1846.

Carl von Rokitansky zählte zu den Vertretern des „bürgerlichen Liberalismus“ in Österreich und trug wesentlich zu Reformen an der Universität sowie zur Verbesserung des Gesundheitswesens bei. Er war mehrmals Dekan der medizinischen Fakultät und 1852 Rektor der Universität Wien. Ab 1850 bis zu seinem Tod war er Präsident der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Er war ebenfalls Präsident des Obersten Santitätsrates. 1863 ernannte ihn Staatsminister Anton von Schmerling (1805-1893) zum medizinischen Studienreferenten im Innenministerium und am 25. November 1867 wurde er von Kaiser Franz Joseph (1830-1916) ins Herrenhaus des Reichsrats berufen. 1874 erhob der Kaiser Rokitansky in den Freiherrenstand.

Quellen:

Rumpler, Helmut und Helmut Denk: Carl Freiherr von Rokitansky (1804-1878). Pathologe – Politiker – Philosoph. Gründer der Wiener Medizinischen Schule des 19. Jahrhunderts. Gedenkschrift zum 200. Geburtstag. Wien: Böhlau 2005.

Schmidt-Wyklicky, Gabriela: Rokitansky als Pato-Philosoph. In: Sudhoffs Archiv. (89/2) 2005. S. [170]-195.

Stefan, Hvězdoslav, Procházková, Olaga und Ivo Šteiner: Karel Rokitanský. Hrádec Králové: Vydala Lékařská fakulta UK 2005.

Sedivy, Roland: Carl Freiherr von Rokitansky. Wegbereiter der pathologischen Anatomie. Wien: Maudrich 2001.

Lesky, Erna: Carl von Rokitansky. Selbstbiographie und Antrittsrede. (= Beiträge zur Geschichte der Universität Wien/3). (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts/4). (= Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Sitzungsberichte/234, Bd.3). Wien: Böhlau 1960.

[1] Lesky, Erna: Carl von Rokitansky. Selbstbiographie und Antrittsrede. (= Beiträge zur Geschichte der Universität Wien/3). (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts/4). (= Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Sitzungsberichte/234, Bd.3). Wien: Böhlau 1960. S. 53-54.

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Joseph Skoda
Ferdinand von Hebra

EOD – eBooks on Demand:
Rokitansky, Carl von, 1804-1878: De varioloide vaccinica
Skoda, Joseph, 1805-1881: Dissertatio inaug. medica de morborum divisione
Hebra Ferdinand Ritter von: Dissertatio inauguralis medico-chirurgica historiam trepanationis cranii

Neuerwerbungen im Sommer`17:

Der Bestand der Bibliothek wird durch zahlreiche interessante
Neuerwerbungen laufend erweitert.

Ein Großteil der neu erworbenen Literatur wird in der Buchausstellung im Lesesaal präsentiert.

Alle Neuerwerbungen finden Sie im Katalog–>LINK

Beispiele:

false

Neurology & neurosurgery : core science, medicine and surgery in one book
Collins, Dawn R. [VerfasserIn] Goodfellow, John [VerfasserIn] Silva, Adikarige Haritha Dulanka [VerfasserIn] Dardis, Ronan [VerfasserIn] Nagaraja, Sanjoy [VerfasserIn]
2016

Key clinical topics in otolaryngology
Sethi, Neeraj [HerausgeberIn] Pearson, Amy [HerausgeberIn] Bajaj, Yogesh [HerausgeberIn]
2017

Diabetes in old age
Sinclair, Alan J. [HerausgeberIn] Dunning, Trisha [HerausgeberIn] Rodríguez Mañas, Leocadio [HerausgeberIn] Munshi, Medha [HerausgeberIn]
2017

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TOP-JOURNAL des Monats: LANCET NEUROLOGY (Impact Factor: 26.284)

Die Universitätsbibliothek stellt DIE medizinischen Top-Journals am Campus der MedUni Wien und via Remote Access  zur Verfügung.

Das  TOP-JOURNAL des Monats im Van Swieten Blog ist:
LANCET NEUROLOGY

Zu den Volltexten: Jg. 1, H. 1 (2002) –  

Die ersten 20% der Zeitschriften eines bestimmten Fachgebietes im Journal Citation Reports JCR (geordnet nach der Höhe des Impact Factors) sind TOP-JOURNALE.

Mit dem Impact Factor 26.284  zählt  LANCET NEUROLOGY zu den Top-Journalen in der Kategorie:

 

CLINICAL NEUROLOGY – SCIE

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12 Issues/Year;

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [35]: Anton Drasche und die letzte Cholera-Epidemie in Wien im Jahr 1873

Anton Drasche und die letzte Cholera-Epidemie in Wien im Jahr 1873

Im Juli 1873 – im Jahr der am 1. Mai eröffneten Weltausstellung in Wien – kam es in Wien ein letztes Mal (mit Ausnahme während des Ersten Weltkrieges) zum Ausbruch einer über Ungarn und Galizien eingeschleppten Cholera-Epidemie. Die ersten Erkrankungen traten Ende Juni in Wien II., Nordbahnstraße 50 auf und breiteten sich von hier in die dichtbewohnten Elendsvierteln und vor allem in den dritten Wiener Gemeindebezirk aus, wo die meisten Todesopfer zu beklagen waren. Davon betroffen waren vor allem Personen aus den unteren sozialen Schichten, die konzentriert unter katastrophalen hygienischen Bedingungen in den Vorstädten auf engsten Raum lebten und unter der unzulänglichen Trinkwasserversorgung, der mangelhaften Wasserqualität und der fehlenden Abwasserbeseitigung litten. Die Epidemie erreichte im August 1873 ihren Höhepunkt und ebbte im September wieder ab. Von Juli bis Oktober 1873 starben 2.983 Menschen, während die Gesamtzahl der Cholera-Opfer in der Monarchie eine halbe Million Menschen betrug. Erste Gerüchte über den Ausbruch einer Cholera-Epidemie Anfang Juli 1873, die in der ausländischen Presse verbreitet wurden, wurden zunächst als Falschmeldungen dementiert, um einen reibungslosen und ungestörten Verlauf der Weltausstellung zu garantieren.

Zu dieser Zeit galt der in Wien an der Rudolfstiftung arbeitende Mediziner und Epidemiologe Anton Drasche als Experte auf dem Gebiet der Cholera, der er sich bereits in seiner 1853 fertiggestellten Dissertation und einer 1860 veröffentlichten Monografie gewidmet hatte. Seit 1856 beschäftigte er sich mit der Verbreiterung der Cholera-Epidemien und versuchte deren Wege nachzuzeichnen und statistisch zu erfassen.

Abbildung 1: Drasche, Anton: Die epidemische Cholera. Eine monographische Arbeit. Wien: Gerold 1860.

Abbildung 2 und 3: Karte: Die Cholera im österreichischen Kaiserstaat und der Lombardei und in der Krain im Jahre 1855, in: Drasche, Anton: Die epidemische Cholera. Eine monographische Arbeit. Wien: Gerold 1860.

Anton Drasche (*1.7.1826 Lobendau/Böhmen (heute: Šluknov, Tschechien), gest. 23.8.1904 Bad Vöslau/Niederösterreich) studierte Medizin in Prag, Wien und Leipzig, promivierte 1853 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und leitete danach 1854 im Auftrag der Regierung den Unterricht ägyptischer Mediziner in Wien. Nachdem er 1854 als Sekundararzt im Allgemeinen Krankenhaus Wien seine medizinische Laufbahn begann wurde er bereits ein Jahr später Leiter der provisorischen Choleraabteilung.

Abbildung 4: Bildnis Anton Drasche. In: Drasche, Anton: Gesammelte Abhandlungen. Herausgegeben von seinen Schülern zu dessen 40-jährigem Doctor-Jubiläum. Wien: Safar 1893.

1858 habilitierte er sich für spezielle Pathologie und Therapie und war bis 1866 als Sekundararzt der dritten medizinischen Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig. Ab 1867 bis 1877 wechselte er – zum Primararzt ernannt – in das sogenannte „städtische Choleraspital“, an die erste medizinische Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung, wo er die 1873 in Wien ausbrechende Choleraepidemie bekämpfte.

Über die Choleraepidemie in Wien 1873 verfasste er eine Studie:

Drasche, Anton: Statistisch-graphische Darstellung der Cholera-Epidemie in Wien während des Jahres 1873. Wien: Safar 1893.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 21934/Anhang]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561731&pos=7&phys=

Abbildung 5 und 6: Drasche, Anton: Statistisch-graphische Darstellung der Cholera-Epidemie in Wien während des Jahres 1873. Wien: Safar 1893.

Ein Jahr später, 1874, wurde er dafür zum a. o. Prof. für Epidemiologie ernannt und war im selben Jahr offizieller Vertreter der österreichischen Regierung am Internationalen Sanitätskongress in Wien, der sich der Cholera widmete:

Anton, Drasche: Vorschlag und Begründung einer in Wien baldigst abzuhaltenden internationalen Cholera-Konferenz. Wien: Braumüller 1873.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 28716]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561742#

Ab 1877 war Drasche wieder als Primararzt am Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig. Die Abteilung, die er bis 1897 leitete wurde als „therapeutische Klinik“ bezeichnet. Drasche war seit 1880 Mitglied des Obersten Sanitätsrates, von Juni 1875 bis März 1887 Mitglied des Wiener Gemeinderates (Mitglied der liberalen „fortschrittlichen Partei“) und hier in der öffentlichen Gesundheitspolitik aktiv.

Seine zahlreichen Arbeiten, die er bis 1893 veröffentlicht hatte, sind anlässlich seines akademischen 40-Jahrjubiläums in einem Sammelband veröffentlicht worden.

Drasche, Anton: Prof. Dr. Anton Drasche’s Gesammelte Abhandlungen. Herausgegeben von seinen Schülern zu dessen 40jährigem Doctor-Jubiläum. Wien: Safar 1893.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 21934]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561725&pos=0&phys=#

Beachtet und gewürdigt wurden – neben seine Arbeiten zur Cholera – seinen Studien „Über den Einfluss der Hochquellenleitung auf die Salubrität der Bevölkerung in Wien“ (1883), über Strophanthus, und zur Tuberkulose. Seine medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse versuchte er einem breiten Publikum durch die Veröffentlichung von Artikel in der „Neuen Freien Presse“ zugänglich zu machen.

Ein ausführlicher Nachruf findet sich in der „Neuen Freien Presse“ vom 24.8.1904, S. 6-7.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19040824&seite=6&zoom=33&query=%22drasche%22&ref=anno-search

Anton Drasche publizierte zur Cholera-Epidemie folgende Arbeiten, die sich an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden:

Drasche, Anton: Die epidemische Cholera. Eine monographische Arbeit. Wien: Gerold 1860.


[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 3273]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561729&pos=6&phys=

Drasche, Anton: Über die Unwahrscheinlichkeit einer diesjährigen Choleraepidemie in Wien, unter Rücksichtnahme auf die Verbreitung der Seuche im letzten Decennium (1855-1865). In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (15) 1865. Sp. 1061-1064/1081-1085.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: Z 10.002/15]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561741#

Drasche, Anton: Der Pilzfund [Robert] Koch’s bei der Cholera. In: Neue Freie Presse. 1884.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 51630]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561737#

Drasche, Anton: Über die Bedeutung der Commabacillen für die Cholera-Prophylaxe. Sonderabdruck aus: Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 1885.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 25471]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561726#

Drasche, Anton: Statistisch-graphische Darstellung der Cholera-Epidemie in Wien während des Jahres 1873. Wien: Safar 1893.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 21934/Anhang]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561731&pos=7&phys=

Weitere Publikationen von Anton Drasche an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Drasche, Anton: Prof. Dr. Anton Drasche’s Gesammelte Abhandlungen. Herausgegeben von seinen Schülern zu dessen 40jährigem Doctor-Jubiläum. Wien: Safar 1893.


[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/NeuburgerBibliothek, Sign.: 21934]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561725&pos=0&phys=#

Drasche, Anton: Über das Heilserum bei der Diphtherie. Abschrift aus: Wiener medizinische Wochenschrift. 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: Abschr. 168]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561733&pos=8&phys=

Drasche, Anton: Über Pasteurs Schutzimpfung gegen Tollwut. Sonderabdruck aus: Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. 1886.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 31373]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561738#

Drasche, Anton: Über die Wirkung des Strophanthus auf das Herz. Sonderabdruck aus: Wiener medizinische Blätter. 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 46869]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561743#

Drasche, Anton: Über die Infektionsfähigkeit der Hadern. Sonderabdruck aus: Wiener medizinische Blätter. 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 46873]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561734&pos=9&phys=

Drasche, Anton: Influenza. Sonderabdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 47068]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8561735#

Drasche, Anton: Flecktyphus. Erfahrungen aus vier eigens beobachteten Flecktyphus-Epidemien in Wien. Sonderabdruck aus: Österreichisches Sanitätswesen. 1900.


[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8429538&pos=0&phys=

Quellen:

Archiv der Universität Wien, Senat S. 304.187 (Personalbogen).

Text: Walter Mentzel

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