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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [390]: Politzer, Leopold Maximilian – Kinderarzt, Assistent am Mauthner Kinderspital, Direktor des Ersten öffentlichen Kinder-Krankeninstituts

Politzer, Leopold Maximilian – Kinderarzt, Assistent am Mauthner Kinderspital, Direktor des Ersten öffentlichen Kinder-Krankeninstituts

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 23.09.2026

Keywords: Kinderarzt, Mauthner Kinderspital, Erstes öffentliche Kinder-Krankeninstitut, Medizingeschichte, Wien

Leopold Maximilian Politzer wurde am 28. Dezember 1814 als Sohn des Kaufmannes Mager Politzer und Juditha, geborene Dobitsek, in Arad in Ungarn (heute: Rumänien) geboren. Er war mit Anna Politzer verheiratet.

Politzer begann sein Medizinstudium an der Universität in Pest, setzte 1836 sein Studium an der Universität Wien fort und promovierte hier an der Medizinischen Fakultät am 26. März 1839 zum Doktor der Medizin. Im selben Jahr konvertierte er vom jüdischen zum katholischen Glauben.

Im Revolutionsjahr 1848 trat Politzer als politischer Publizist hervor. In der Schrift „Die Mai-Revolution in Wien in ihrer Entwicklung und ihren Folgen pragmatisch dargestellt von Dr. L.M. Politzer“, die er „Allen Maikämpfern“ widmete, setzte er sich mit den politischen Ereignissen im Mai 1848 und deren verfassungsrechtlichen Konsequenzen auseinander. Noch im selben Jahr veröffentlichte er „Die Frage des konstituierenden Reichstags“, in der er seine Vorstellungen über die Aufgaben des bevorstehenden österreichischen Reichstags und die künftige staatliche Ordnung formulierte. Ein Exemplar dieser Schrift versah Politzer mit der handschriftlichen Widmung „Dem Wiedner Leseverein/Vom Verfasser.“

Mauthnersches Kinderspital und Krippen-Verein

Nach seinem Studium war Politzer an dem 1837 von Ludwig Mauthner (1806-1858) gegründeten Mauthnerschen Kinderspital, dem späteren St. Anna-Kinderspital, als Assistent von Mauthner tätig. Daneben arbeitete er als privater Kinderarzt und lebte bis etwa 1849 in der Leopoldstadt, Ferdinandgasse Nr. 652, wo sich auch seine Ordination befand. Ab etwa 1850 war er in Wien Stadt, Bazar Nr. 427, wohnhaft. Während seiner ärztlichen Tätigkeit in der Leopoldstadt war er unmittelbar mit den dortigen prekären Lebens- und Wohnverhältnissen breiter Bevölkerungsschichten konfrontiert. Sein besonderes Augenmerk galt dabei den gesundheitlichen und sozialen Folgen für Kinder. Bereits 1848 thematisierte er diese Verhältnisse in seiner Schrift „Zu den Geheimnissen der Koststuben und der kleinen Kostkinder“.[1] Darin setzte er sich kritisch mit den Bedingungen auseinander, unter denen Kinder in Kostpflege und anderen Formen außerfamiliärer Versorgung aufwuchsen. Die gesundheitliche Gefährdung der Kinder betrachtete Politzer dabei nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der grassierenden Armut, den prekären Wohnverhältnissen, mangelhafter Ernährung und Pflege sowie unzureichender Betreuung. Zugleich entwickelte er Vorschläge zur Kontrolle und Verbesserung der Kinderfürsorge und verband damit medizinische mit gesellschaftlichen Präventionsmaßnahmen.

Sein Engagement setzte Politzer in den folgenden Jahren im Wiener Krippenverein fort. 1850 beteiligte er sich im Rahmen eines eigenen Komitees an der Errichtung einer Kinder- und Säuglingskrippe in der Leopoldstadt, deren Lokaldirektor er später wurde.[2] Diese Kinder- und Säuglingskrippe, eine sogenannte Creche, stand Kindern erwerbstätiger, unbemittelter Mütter zur Verfügung und lag damit an der Schnittstelle von Kinderheilkunde, Armenfürsorge, Frauenarbeit und öffentlicher Gesundheit. Dazu veröffentlichte Politzer den Artikel „Die Creche. In ihrer Bedeutung für unsere gesellschaftlichen Einrichtungen“, in dem er programmatisch die gesellschaftliche Bedeutung dieser Einrichtung herausarbeitete. Weitere Publikationen waren 1852 „Der Kinderarzt. Der Umgang der Mutter mit dem kranken Kinde“[3] und Diätische Briefe über das Kindesalter“.[4]

Jahrbuch für Kinderheilkunde

Im Juni 1853 rief Politzer gemeinsam mit dem kaiserlichen Leibarzt und Primararzt des Wiedner St. Josef-Kinderspitals Franz Mayr (1814-1863) sowie dem Kinderarzt und Sekundararzt der Wiener k.k. Findel-Anstalt Moriz Schuller (1825-1874) das „Jahrbuch für Kinderheilkunde“ ins Leben. Nach dem Erscheinen des ersten Bandes 1857/58[5] entwickelte es sich zu einer der bedeutenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften der Kinderheilkunde. Nach Mayrs Tod übernahm Hermann Widerhofer (1832-1901) die Mitherausgeberschaft. Der Titel wurde später um den Zusatz „und physische Erziehung“ erweitert. Hier publizierte Politzer Arbeiten, von denen sich Separatabdrucke in einer Sammlung unter dem Titel „Original-Abhandlungen aus dem Gebiete der Kinderheilkunde : Separatabdrücke der grösstentheils im „Jahrbuch für Kinderheilkunde“ von demselben erschienenen Arbeiten“ in der Neuburger-Bibliothek der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin erhalten haben.

Erstes öffentliche Kinder-Krankeninstitut

1853 trat Politzer in das I. öffentliche Kinder-Krankeninstitut in Wien 1, Wollzeile ein und leitete die Institution bis 1882. Zu seinen Assistenten gehörte sein späterer Nachfolger Max Kassowitz (1842-1913). Hier entstanden zahlreiche seiner wissenschaftlichen Arbeiten zur Kinderheilkunde, darunter „Beobachtungen und Erfahrungen aus der Poliklinik des ersten öffentlichen Kinder-Kranken-Institut“. Politzer gehörte seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu jenen Kinderärzten in Wien, die eine Verwissenschaftlichung der Kinderheilkunde anstrebten. Er kritisierte die unzureichende wissenschaftliche Grundlage vieler therapeutischer Maßnahmen, forderte stärker rational und experimentell begründete Behandlungsmethoden und beschäftigte sich intensiv mit Fragen der Diagnose und Früherkennung. Seine Arbeiten umfassten ein breites Spektrum der Kinderheilkunde. Neben der kindlichen Ernährung und Verdauungsphysiologie beschäftigte er sich mit Gehirnkrankheiten bei Kindern sowie mit Fragen der Diagnostik und Therapie und bemühte sich um deren physiologische und experimentelle Fundierung. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die frühzeitige Erkennung gefährlicher Krankheitsverläufe sowie deren prophylaktische und therapeutische Behandlung. Mit seinen während der langjährigen Leitung des Ersten öffentlichen Kinder-Krankeninstituts und als Mitherausgeber des Jahrbuchs für Kinderheilkunde veröffentlichten Arbeiten gehörte Politzer zu jener Generation von Ärzten, die zur Etablierung der Kinderheilkunde als eigenständige klinische und wissenschaftliche Disziplin in Wien beitrugen.

Unter seinen zahlreichen Publikationen wären zu nennen: „Therapeutische Erfahrungen über die wichtigsten Heilmittel der Kinderpraxis“, „Untersuchungen und Ideen zur Anbahnung wissenschaftlicher Grundlagen für die Diätetik und Physische Erziehung des Kindes “, „Über den Wert gewisser Einzelsymptome für die Diagnose mancher Krankheiten des Kindesalters“, „Die Therapie der wichtigsten Krankheiten des kindlichen Alters“, „Schematisieren und Individualisieren in der Diagnostik und Therapie“, sowie „Zur Diagnose und Therapie der Krankheiten des Gehirns und seiner Hüllen“. Für Politzer standen dabei die besonderen physiologischen Bedingungen des Kindes als Grundlage von Ernährung und Therapie im Vordergrund. Ihm wird außerdem eine frühe, teilweise auch erste Beschreibung des Asthma bronchiale im Kindesalter zugeschrieben, die er in seiner im Jahrbuch für Kinderheilkunde veröffentlichten Studie „Asthma bronchiale. Bronchienkrampf im Kindesalter“ vorlegte. In den Jahren 1875 und 1876 veröffentlichte er in der Wiener medizinischen Wochenschrift eine Artikelserie „Zur Kritik und Reform der Therapie“.[6] 1878 erschien von ihm die 395 Seiten umfassende Monografie „Die Entstehung der Gefahr im Krankheitsverlauf“ und 1879 ein von ihm gehaltener Vortrag „Über die Pflege des kranken Kindes“.

Politzer habilitierte sich im Jahr 1858 an der Universität Wien zum Privatdozenten im Fach Pädiatrie.[7] Im Juli 1877 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Professors verliehen.[8]

Im Juni 1882 ließ sich Politzer von der Leitung des Kinderkranken-Instituts entheben[9] und praktizierte in seiner Arztpraxis an seinem Wohnort in Wien 1, Franzensring 22, weiter. Zuvor war er in Wien 1, Tuchlauben 7, wohnhaft.

Politzer war seit 1849 Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien und Mitglied des Journalisten- und Schriftstellervereins Concordia. Im Rahmen einer 1867 durchgeführten Initiative zur Rückkehr des 1848er-Revolutionärs Ferdinand Freiligrath (1810-1876) aus seinem Londoner Exil gehörte auch Politzer zu den Spendern.[10]

Politzer Leopold Maximilian: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 24.5.1888, S. 15.

Leopold Maximilian Politzer starb am 23. Mai 1888 in Wien.

Quellen:

Matriken Wien, Rk., Erzdiözese Wien, 01., St. Peter, Taufbuch, 01-04, Politzer Leopold Maximilian, 14.9.1839.

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-186a, Politzer Leopold (Rigorosum Datum: 1838).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 175-1059, Politzer Leopold (Promotion Datum: 26.3.1870).

Literatur:

Politzer, Leopold Maximilian: Original-Abhandlungen aus dem Gebiete der Kinderheilkunde. Separatabdrücke der grösstentheils im „Jahrbuch für Kinderheilkunde“ von demselben erschienenen Arbeiten. Wien: 1919.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64592/1-13]

Politzer, Leopold Maximilian: Beobachtungen und Erfahrungen aus der Poliklinik des ersten öffentlichen Kinder-Kranken-Institutes. O.O. O.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64592/8]

Politzer, Leopold Maximilian: Therapeutische Erfahrungen über die wichtigsten Heilmittel der Kinderpraxis. O.O. O.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64592/5]

Politzer, Leopold Maximilian: Untersuchungen und Ideen zur Anbahnung wissenschaftlicher Grundlagen für die Diätetik und physische Erziehung des Kindes. Sonderdruck aus: Jahrbuch für Kinderheilkunde und physische Erziehung. Wien: typ. Zamarski & Dittmarsch 1858.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64592/2]

Politzer, Leopold Maximilian: Über den Wert gewisser Einzelsymptome für die Diagnose mancher Krankheiten des Kindesalters. Sonderdruck aus: Jahrbuch für Kinderkrankheiten. O.O. O.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-3497]

Politzer, Leopold Maximilian: Zur Therapie der wichtigsten Krankheiten des kindlichen Alters. Sonderdruck aus: Jahrbuch für Kinderheilkunde. O.O. O.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64592/1]

Politzer, Leopold Maximilian: Schematisieren und Individualisiren in der Diagnostik und Therapie. Sonderdruck aus: Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. Wien: 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-3495]

Politzer, Leopold Maximilian: Zur Diagnose und Therapie der Krankheiten des Gehirns und seiner Hüllen. Allgemeine nosologische und diagnostische Vorbemerkungen. O.O. O.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64592/3]

Politzer, Leopold Maximilian: Astma bronchiale, Bronchienkrampf im Kindesalter. Sonderdruck aus: Jahrbuch für Kinderheilkunde. Leipzig: Druck und Verlag von B.G. Teubner 1870.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Politzer, Leopold Maximilian: Zur Kritik und Reform der Therapie. In: Wiener medizinische Wochenschrift (25) 1875. Sp. 337-339, 361-364, 504-507, 551-554, 572-574, 993-996, 1023-1026, 1098-110.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: Z-10.002/25]

Politzer, Leopold Maximilian: Die Entstehung der Gefahr im Krankheitsverlaufe. Wien: Braumüller 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 27573]

Politzer, Leopold Maximilian: Über Pflege des kranken Kindes. Vortrag, gehalten am 21. Jänner 1879. Wien: typ. Reisser & Ethofer 1879.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 47032]

[1] Politzer L.M., Zu den Geheimnissen der Koststuben und der kleinen Kostkinder, Wien 1848.

[2] Krippen-Kalender. Jahrbuch für Frauen und Mütter (Hrsg. von der Direction des Zentral-Vereine), Wien 1856, S. 83.

[3] Krippen-Kalender. Jahrbuch für Frauen und Mütter (Hrsg. von der Direction des Zentral-Vereine), Wien 1853, S. 16-24.

[4] Krippen-Kalender. Jahrbuch für Frauen und Mütter (Hrsg. von der Direction des Zentral-Vereine), Wien 1854, S. 1-5

[5] The British medical journal, 9.6.1888, S. 1250.

[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 17, 1875, Sp. 337-339; Nr. 18, 1875, Sp. 361-364; Nr. 23, 1875, Sp. 504-507; Nr. 25, 1875, Sp. 551-554; Nr. 26, 1875, Sp. 572-574; Nr. 46, 1875, Sp. 993-996; Nr. 47, 1875, Sp. 1023-1026; Nr. 50, 1875, Sp. 1098-1101; Nr. 4, 1876, Sp. 76-79; Nr. 17, 1876, Sp. 399-401; Nr. 18, 1876, Sp. 420-422; Nr. 19, 1876, Sp. 449-451; Nr. 20, 1876, Sp. 478-480.

[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 20, 1858, S. 350.

[8] Die Presse, 12. Juli 1877, S. 16

[9] Neue Freie Presse, 10.6.1882, S. 5.

[10] Die Presse, 22.6.1867, S. 11

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Letzte Aktualisierung: 2026.09.23

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [246]: Taussig, Wilhelm – Mediziner in der Revolution 1848, Arzt der Allgemeinen Kranken- und Lebens-Versicherungsgesellschaft „Austria“ und Armenarzt der Israelitischen Kultusgemeinde Wien

Taussig, Wilhelm – Mediziner in der Revolution 1848, Arzt der Allgemeinen Kranken- und Lebens-Versicherungsgesellschaft „Austria“ und Armenarzt der Israelitischen Kultusgemeinde Wien

Autor: Walter Mentzel

Published online: 02.10.2023

Keywords: Wilhelm Taussig, Revolution 1848, Allgemeines Krankenhaus Wien, Armenarzt, Israelitische Kultusgemeinde Wien, Allgemeine Kranken- und Lebens-Versicherungsgesellschaft „Austria“, Medizingeschichte, Wien

Wilhelm Wolf Taussig wurde am 2. April 1808 als Sohn von Marcus Taussig und Rosalie, geborene Ruberl, in Trebitsch in Mähren (heute Trebic/Tschechien), geboren. 1843 heiratete er Henriette Franziska Friedmann (1811-1870), mit der er die Kinder Cölestine (1845-1847), Charlotte (zirka 1846) und Manfred (1847-1855) hatte.

Taussig studierte zunächst in Prag und danach an der Universität in Wien Medizin, wo er das Studium am 5. August 1843 mit seiner Promotion abschloss. Danach arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in der internen Abteilung als Sekundararzt und danach als leitender Arzt.

Der Titel seiner Dissertation lautete: Heilmittel der Natur aus dem Thierreiche, in Naturhistorischer, Historischer, Chemischer, Dynamischer, Pharmaceutischer und Katagraphologischer Hinsicht.

1844 berichtete er über die Blattern-Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus in Wien,[1] 1847 publizierte er über „Syphilis universalis sub forma phtiseos“.[2]

Seit spätestens 1844 war er Mitglied des Wiener Schutzvereines für aus Straf- und Verwahrungsorten entlassenen Personen,[3] in dessen Rahmen er unentgeltlich seine medizinische Behandlung in der Leopoldstadt in Wien zur Verfügung stellte. 1850 erfolgte seine Wahl in den Ausschuss des Vereins.[4] Als Mitglied der Medizinischen Fakultät engagierte er sich in deren Bibliothek.

Aktivist der Revolution von 1848 in Wien

Im März 1848 schloss sich Taussig der Revolution in Wien an, wurde Mitglied des medizinischen Korps, und von den Studenten der Universität Wien sowie der akademischen Legion in das Sicherheitskomitee entsandt. Im Konflikt mit Innenminister und Ministerpräsidenten Franz Xaver Freiherr von Pillersdorf (1786-1862) gelang ihm durch seine maßgebliche Intervention die angestrebte Auflösung der akademischen Legion zu verhindern. Im Mai 1848 übernahm er die Funktion eines provisorischen Sekretärs des Zentral-Komitees der gesamten Nationalgarde Wiens sowie die eines Ausschussmitgliedes im politischen Zentral-Komitee der gesamten Wiener Nationalgarde. Einen wesentlichen Einfluss übte er in der am 26. Mai 1848 erfolgten Konstituierung des unter dem Vorsitz von Adolf Fischhof (1816-1893) stehenden Sicherheits-Ausschusses (Ausschuss der Bürger, Nationalgarde und Studenten Wiens) aus, der das Sicherheits-Komitee ablöste. Ihm gehörte u.a. Moritz Kalazdy (1819-1875) an. Im Juni 1848 kandidierte er bei der Wahl für den sich konstituierenden Reichsrat.[5] Nach der Niederschlagung der Revolution kam er wegen des Vorwurfs aktiv an den Unruhen teilgenommen zu haben vor ein Kriegsgericht, das ihn aufgrund einer Zeugenaussage freisprach.

Nach dem Revolutionsjahr 1848 arbeitete er als praktischer Arzt in Wien Leopoldstadt, und widmete sich auch der Zoologie. 1856 nahm er am der 32. Versammlung der deutschen Naturforscher in Wien teil,[6] und im Dezember 1858 wurde er zum Armenarzt der Israelitischen Kultusgemeinde bestellt,[7] in dessen Funktion er bis zu seinem Tode tätig war. Weiters war er 25 Jahre lang ärztlicher Berater der allgemeinen Kranken- und Lebens-Versicherungsgesellschaft „Austria“, die er auch 1860 mitbegründet hatte.

Daneben wirkte er noch bis zu dessen Tod als Leibarzt seines Freundes aus den Tagen der Revolution von 1848, des Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung und späteren Abgeordneten des mährischen Landtages und des Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates, Carl Giskra (1820-1879). Taussig war zuletzt in Wien 1, Rotenturmstraße 21 wohnhaft, wo er auch seine Arztpraxis hatte.

Er verstarb am 17. Juli 1889 in Wien.

Quellen:

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosenprotokoll, Sign. 170-263r, Taussig Wilhelm (Rigorosen Datum: 1839).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Promotionsprotokoll, Sign. 176-321, Taussig Wilhelm (Promotion Datum: 5.8.1843).

WStLA, Staatliche Gerichte Bezirksgericht Innere Stadt, 2.3.1.1b.A4.A280/1890, Verlassenschaft Taussig Wilhelm.

Literatur:

Taussig, Wilhelm: Heilmittel der Natur aus dem Thierreiche, in Naturhistorischer, Historischer, Chemischer, Dynamischer und Katagraphologischer Hinsicht. I. Abtheilung. Wien: Druck von Josef Stöckholzer v. Hirschfeld 1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 29007]

[1] Notizen für praktische Ärzte über die neuesten Beobachtungen in der Medizin mit besonderer Berücksichtigung der Krankheitsbehandlung, 1848, S. 132.

[2] Österreichische medizinische Wochenschrift, Nr. 32, 1847.

[3] Wiener Zeitung, 20.5.844, S. 4.

[4] Wiener Zeitung, 22.6.1850, S. 14.

[5] Wiener Zeitung, 28.6.1848, S. 2.

[6] Wiener Mittheilungen, 13.10.1856, S. 4.

[7] Wiener Mittheilungen, 20.12.1858, S. 196.

Normdaten (Person): Taussig, Wilhelm: BBL: 42073; GND: 1304287262;

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BBL: 42073 (02. 10. 2023)
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Letzte Aktualisierung: 2023 10 02

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