Archiv der Kategorie: Obersteiner Bibliothek

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [13]: Bruno Georgen und die Privat-Heilanstalt für „Gemüthskranke“ (Wien 1820) und die Anfänge der Bibliothek des Neurologischen Institutes – „Obersteiner Bibliothek“

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Bruno Georgen und die Privat-Heilanstalt für „Gemüthskranke“ (Wien 1820) und die Anfänge der Bibliothek des Neurologischen Institutes – „Obersteiner Bibliothek“

Im Jahr 1820 erschien bei Franz Wimmer in Wien eine zweisprachige (deutsch-französische) Publikation des in Wien lebenden und praktizierenden Arztes Bruno Goergen. Dieses Buch beschreibt die von ihm ein Jahr zuvor 1819 eröffnete „Privat-Heilanstalt für Gemüthskranke“ und behandelt, die von ihm forcierten fortschrittlichen und reformorientierten Methoden und Arbeitsweisen in seiner von ihm geschaffenen und geleiteten Anstalt: einer Musteranstalt der Psychiatrie.

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Abb. 1     Goergen, Bruno: Privat-Heilanstalt für Gemüthskranke. Wien: Wimmer 1820.

Goergen, Bruno: Privat-Heilanstalt für Gemüthskranke. Wien: Wimmer 1820. [auch auf franz.]
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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB 4.562]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6175983&pos=0&phys=

Bruno Goergen wurde am 24.8.1777 in Trier als Sohn eines Architekten geboren und absolvierte in Wien ein Medizinstudium, das er 1800 mit seiner Promotion abschloss. Danach arbeitete er zwischen 1805 und 1808 als Primararzt und „Irrenarzt“ am Allgemeinen Krankenhaus in Wien („Narrenturm“). Hier entwickelte er sich zum Kritiker der von Inhumanität und durch Exklusion gekennzeichneten Verhältnisse psychiatrischer Anstalten. Sein Vorbild waren damals die humanen und reformorientierten Anstalten und Behandlungsmethoden von Philippe Pinel (*20.04.1745 Jonquières/Tarn, gest. 25.10 1826 Paris) in Paris und jene in Großbritannien.

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Abb. 2     Obersteiner Heinrich, Bruno Görgen, in: Kirchhoff Theodor (Hg.), Deutsche Irrenärzte. Einzelbilder ihres Lebens und Wirkens. Band 1. Berlin: Springer 1921, S. 104.

1813 bot sich ihm die Gelegenheit Pläne und Gutachten für eine, seinen Reformvorstellungen gerecht werdenden modernen psychiatrischen Anstalt, für die Hofkanzlei zu erstellen. Im selben Jahr erhielt er die Konzession zu Errichtung einer solchen, scheiterte jedoch zunächst an deren Verwirklichung wegen einer entsprechenden Lokalität. Erst 1819 eröffnete er, nachdem er in Gumpendorf, einer damals vor Wien gelegenen Vorstadt, im Mollardschlössel (Palais Windischgrätz; heute: Gumpendorfer Straße 104) einen geeigneten Platz gefunden hatte, seine Anstalt und nahm im Juli 1819 die ersten Patienten auf. Hier praktizierte und übte er frei von Zwangs- und Erniedrigungsmaßnahmen, ohne Ketten und Gurte auch neue Behandlungsmethoden und setzte vor allem auf das Prinzip der Gewährung größtmöglicher Bewegungsfreiheit seiner Patienten. Er wandte verschiedenen Arten der Beschäftigungstherapien wie Werkstätten an, setzte vor allem Musik aber auch Sport als eine Therapiemöglichkeit ein und versuchte insgesamt die Betreuung und Therapie den Anlagen und Bedürfnissen der Patienten entgegen zu kommen und auf sie abzustimmen. Dementsprechend anspruchsvoll war das Anforderungsprofil und streng die Auswahlkriterien bei der Rekrutierung seines Pflegepersonals, das ein hohes Bildungsniveau samt musischer Begabungen (Musik- und Sprachkenntnisse) vorweisen musste und als Freund und Gesellschafter die Patienten begleiten sollte.

Ebenso zeichnete sich seine Anstalt durch einen hohen Personalaufwand (100 Patienten zu 70, bis 80 Pfleger und Wärter: 1847 betrug das Verhältnis 25 Patienten zu 20 Pfleger) aus. Er setzte sich aber gleichzeitig zum Ziel eine Anstalt ohne Wärterpersonal zu kreieren. Seine Anstalt galt in den 1830er Jahren im deutschsprachigen Raum als einzigartig (Medizinisch-chirurgische Zeitung, 5.12.1831, S. 9). Diese Anstalt, deren Patienten sich vor allem aus dem zahlungskräftigen Publikum des Hochadels und des Großbürgertums der österreichisch-ungarischen Monarchie rekrutierten, freute sich in diesen Kreisen zunehmender Beliebtheit. Ab 1821 bot er auch Patienten mit einem geringeren Einkommen Platz in seiner Anstalt an.

Auf der Suche nach einem besseren Standort, der seinen Vorstellung einer Betreuung gerecht werden und vor allem seinen Anspruch nach einer offenen, ruhigen, von einer Parkanlage umgebenen Anstalt genügen sollte, fand er diesen in Ober-Döbling bei Wien. Die neue Anstalt wurde nach umfangreichen Umbauarbeiten 1831 bezogen und bestand als sogenannte „Döblinger Privatanstalt“ bis zum Jahr 1917.

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bild_04_weblog-13_30023_02Abb. 3 und 4
Die Privatheilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke zu Ober-Döbling bei Wien seit ihrer Gründung 1819 nebst einen Berichts über ihre Leistungen in der fünfzehnjährigen Periode vom 1. Juli 1860 bis 30. Juni 1875. Wien: Czermak 1876.

Goergen verstarb am 29. Mai 1842 in Ober-Döbling. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn, der Mediziner Gustav Görgen, der selbst zuvor im Ausland „Irrenanstalten“ studiert hatte, bis 1860 die Leitung der Anstalt. Ihm folgten, nachdem er die Leitungsfunktion zurückgelegt hatte, als Eigentümer Maximilian Leidesdorf und Heinrich Obersteiner sen. und ab 1872 Heinrich Obersteiner jun. Damit begann auch die Erweiterung der heutigen „Obersteiner-Bibliothek“, die heute an ihrem Standort an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin auch über die ersten Entwicklungen der modernen Psychiatrie Aufschluss gibt.

Literatur:

Obersteiner, Heinrich: Bruno Görgen. In: Kirchhoff, Theodor (Hg.): Deutsche Irrenärzte. Einzelbilder ihres Lebens und Wirkens. Band 1. Berlin: Springer 1921. S. 103 ff.
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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 5.196]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8620602&pos=0&phys=

Die Privatheilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke zu Ober-Döbling bei Wien seit ihrer Gründung 1819 nebst einen Berichts über ihre Leistungen in der fünfzehnjährigen Periode vom 1. Juli 1860 bis 30. Juni 1875. Wien: Czermak 1876.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/ Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 30.023]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8628144&pos=2&phys=

Skopec, Manfred: Bruno Görgen (1877-1842). In: Straßennamen. Wien 1978 (= Arzt, Presse, Medizin Nr. 11. 11./16. März 1978).

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 46.470/44]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8650395&pos=1&phys=

Englisch, Franz: Die Döblinger Privatirrenanstalt. Ein Beitrag zur Geschichte der Wiener Pflegeanstalten für Geisteskranke. In: Wiener Geschichtsblätter 1969. Nr. 1.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: SA 237]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8565012&pos=0&phys=

Quellen:

Wiener Stadt- und Landesarchiv, Bestand 2.9.4.3. – Krankenhaus Obersteinergasse 1824-1982.

Österreichischer Beobachter, 11.2.1821, S. 4.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=obo&datum=18210211&seite=4&zoom=64&query=%22goergen%22&ref=anno-search

Wiener Zeitung, 24.6.1824, S. 6.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18240624&seite=6&zoom=33&query=%22goergen%22&ref=anno-search

Medizinisch-chirurgische Zeitung, 5.12.1831, 10.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=mcz&datum=18311205&query=%22goergen%22&ref=anno-search

Wiener Zeitung, 10.5.1832, S. 11.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18320510&seite=11&zoom=33&query=%22goergen%22&ref=anno-search

Text: Walter Mentzel

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [8]: Gabuccini, Girolamo: De Comitiali Morbo Libri III. Venedig: Aldvs 1561.

Gabuccini, Girolamo: De Comitiali Morbo Libri III. Venedig: Aldvs 1561.

Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Sign.: HOB-C-05317

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https://opac.meduniwien.ac.at/F/?func=find-b&request=comitiali+morbo&find_code=WRD&local_base=&x=0&y=0

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Abb. 1 Titelblatt/Sign.: HOB-C-05317, Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Heinrich Obersteiner Bibliothek für Neurologie.
Gabuccini, Girolamo: De Comitiali Morbo Libri III. Venedig: Aldvs 1561.

Girolamo Gabuccini – De Comitiali Morbo

Girolamo Gabuccini (16. Jhdt.), auch Hieronymus Gabucinus, war ein italienischer Autor aus dem 16. Jahrhundert. Über sein Leben ist wenig bekannt. Er stammte aus einer adeligen Familie aus Fano, einer Küstenstadt in der heutigen Region Marken, die schon in römischer Zeit bestand. Gabuccini beschäftigte sich hauptsächlich mit Medizin und Philosophie. Sein Werk De Comitiali Morbo Libri III., das wie aus dem Titel ersichtlich ist aus drei Teilen besteht, handelt von Epilepsie und ist eine Kompilation des Wissens über diese Krankheit von klassischen Autoren, wie Galenus (129-199 n. Chr.) und Texten zeitgenössischer Humanisten, wie Janus Cornarius (1500-1558). Gedruckt wurde das Werk 1561 im Offizin der Familie von Aldus Manutius und wird daher als Aldine bezeichnet.

Aldinen – 1489 bis 1597

„Als Aldinen bezeichnet man die Drucke, die aus der Offizin der venezianischen Buchdruckerfamilie Manutius seit etwa 1489 hervorgegangen sind. Die Drucke […] stellen in mehrfacher Hinsicht einen frühen Höhepunkt in der Buchdruckergeschichte dar.“[1] Gegründet wurde die Druckerei, bzw. der Verlag von Aldus Manutius, auch Aldo Manuzio, (*1449 Bassiano/Latium, gest. 06.02.1515 Venedig) ca. 1489. Seine Offizin richtete er nach Studien in Ferrara, Rom und Verona in Venedig ein. In der dortigen Biblioteca Marciana stand eine der größten Sammlungen an griechischen Manuskripten Europas zur Verfügung, die bei der Plünderung Konstantinopels 1204 erbeutet worden waren. Mit einigen begabten Typographen begann Manutius ab 1494 diese klassischen Texte zu veröffentlichen und leistete dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Humanismus in Europa. Er machte nicht nur aus seinem Handwerk eine Kunst, sondern unterhielt in seinem Haus auch eine Gelehrtengesellschaft, auch Akademie genannt, die die Redaktion der Texte besorgte. Seine aldinischen Drucktypen werden heute noch „Antiqua“ genannt. Aldus berühmtes Emblem zeigt einen Anker (Symbol der Langsamkeit) und einen Delphin (Symbol der Geschwindigkeit) – Eile mit Weile. 1501 verwendete er erstmals die Kursivschrift (im Englischen Italic genannt.) Nach Aldus Manutius Tod 1515 übernahmen seine Schwiegersöhne interimsmäßig den Betrieb, bis sein Sohn Paulus Manutius, auch Paolo Manuzio, (1512-1574) etwa ab 1534 in die Fußstapfen seines Vaters trat. Paulus führte bis ca. 1561 den Familienbetrieb weiter, danach wurde er Leiter der päpstlichen Druckerei in Rom und sein Sohn Aldus Manutius der Jüngere (*13.02.1547 Venedig, gest. 28.10.1597 Rom) trat das Erbe an. Aldus der Jüngere legte 1566 ein Satzzeichen-System vor, das besonders in der Frage der Interpunktion beispielgebend war. Bis dahin hatten Satzzeichen hauptsächlich die Funktion beim Vorlesen Hinweise zu Pausen und Tonfall zu geben. Für Aldus sollten sie vor allem Klarheit in die Syntax bringen. Bis heute werden seine Vorstellungen im Wesentlichen übernommen. 1590 wurde er, ebenso wie sein Vater, Leiter der Vatikanischen Druckerei in Rom. Nach seinem Tod, er hinterließ keine Erben, wurde die Offizin der Familie Manutius aufgelöst.

Die Bücher Aldus des Älteren zeichnen sich neben ihrer hohen Qualität bezüglich Drucktypen und Proportionen besonders durch ihr handliches Format, in etwa den heutigen Oktavformaten ähnlich, und einer für die damaligen Zeit sehr hohen Auflage aus, wodurch sie relativ günstig erworben werden konnten. Sie richteten sich an ein gebildetes bürgerliches Publikum und stellten somit einen – als eine Art „Taschenbuch“ der Renaissance – ersten wichtigen Beitrag zur Demokratisierung von Wissen im späten 15. und 16 Jahrhundert dar. Eine der größten Aldinen-Sammlungen der Welt mit über 800 Drucken in 1.088 Bänden findet sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

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Abb. 2       Druckermarke/Sign.: HOB-C-05317, Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Heinrich Obersteiner Bibliothek für Neurologie
Gabuccini, Girolamo: De Comitiali Morbo Libri III. Venedig: Aldvs 1561.

Weitere Aldinen in den Beständen der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

In der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden sich insgesamt fünf Aldinen, in drei unterschiedlichen Bibliotheken: Heinrich Obersteiner Bibliothek, Josephinische Bibliothek und Gesellschaft der Ärzte Bibliothek. Die älteste stammt aus der Ära Aldus des Älteren, zwei stammen aus der Ära als Aldus‘ Schwiegersöhne, in diesen Fällen Andrea Torresano, auch Andreas Asulanus (1451-1529), den Betrieb leiteten. Die beiden jüngsten Aldinen stammen aus der Ära von Aldus‘ Sohn Paolo. Für das oben vorgestellte Werk von Girolamo Gabuccini aus dem Hause Manutius bietet die Österreichische Nationalbibliothek einen kostenlosen Online-Zugang zum Gesamtwerk, der auch vom Online-Katalog der UB der MedUni Wien aus abrufbar ist:
http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ22195140X

Iamblichus, Chalcidensis: De mysteriis Aegyptorum. Vendedig: Manutius 1497. [Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: JB6419]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177484&pos=0&phys=

Galenus: ΓΑΛΗΝΟΥ. [A‘. – E‘.] Galeni Librorvm. Venedig: Manutius 1525. [Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB450]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6175561&pos=3&phys=

Paulus, Aegineta: Paulu Aiginētu Iatru Aristu, Biblia Epta. En Archē Ekastu Tōn Bibliōn Deiknytai Ta En Ekeinō Periechomena. [=] Pavli Aeginetae Medici Optimi, Libri Septem. In Principio Singvlorvm Librorvm Omnia Indicantur, Qvae In Eo Libro Continentvr. Venedig: Manutius 1528. [Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB456]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6180340&pos=2&phys=

Oribasius: Oribasii Sardiani Collectorvm Medicinalivm Libri XVII. Qvi Ex Magno Septvaginta librorum uolumine ad nostram etatem soli peruenerunt. Venedig: Mantius 1554. [Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB373]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6180172&pos=1&phys=

Quellen:

Homepage: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Stand: 24.11.2016.

http://staatsbibliothek-berlin.de/de/die-staatsbibliothek/abteilungen/historische-drucke/sammlungen/bestaende/die-aldinen/

Homepage: Consortium of European Research Libraries – CERL Thesaurus. Stand 24.11.2016

https://thesaurus.cerl.org/cgi-bin/search.pl

Homepage: Wikipedia. Stand: 24.11.2016

https://de.wikipedia.org/wiki/Aldus_Manutius

Homepage: Wikipedia. Stand: 24.11.2016

https://en.wikipedia.org/wiki/Paulus_Manutius

Homepage: Wikipedia. Stand: 24.11.2016

https://de.wikipedia.org/wiki/Aldus_Manutius_der_J%C3%BCngere

Text: Harald Albrecht

[1] Homepage: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Stand: 24.11.2016. http://staatsbibliothek-berlin.de/de/die-staatsbibliothek/abteilungen/historische-drucke/sammlungen/bestaende/die-aldinen/

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [6]: „Herbarium Blackwellianum Emendatum…Elisabeth Blackwell Sammlung der Gewächse die zum Arzney-Gebrauch in den Apothecken aufbehalten werden…“

Trew, Christoph Jacob: Herbarivm Blackwellianvm Emendatvm Et Avctvm Id Est Elisabethae Blackwell Cellectio Stirpivm Qvae In Pharmacopoliis Ad Medicvm Vsvm Asservantvr Qvarvm Descriptio Et Vires Ex Anglico Idiomate In Latinvm Conversae Sistvntvr Figvrae Maximam Partem Ad Natvrale Exemplar Emendantvr Floris Frvctvsqve Partivm Repraesentatione Avgentvr Probatis Botanicorvm Nominibvs Illvstratvr. / Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuter-Buch das ist Elisabeth Blackwell Sammlung der Gewächse die zum Arzney-Gebrauch in den Apothecken aufbehalten werden deren Beschreibung und Kräfften aus dem Englischen übersetzt angezeiget die Abbildungen grossen Theils nach der Natur verbessert mit Beyfügung der Theile der Blume und Frucht vermehret wie auch mit bewährten Nahmen der Kräuter-Lehrer erläutert werden. Nürnberg: Fleischmann 1750-1773.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Heinrich Obersteiner Bibliothek, Sign.: HOB-A-00021]

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https://opac.meduniwien.ac.at/F/?func=find-b&request=elisabeth+blackwellianvm&find_code=WRD&local_base=ZBM01&x=0&y=0

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Abb. 1     Herbarivm Blackwellianvm, Frontispiz/Sign.: HOB-A-00021, Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Heinrich Obersteiner Bibliothek.

Trew, Christoph Jacob: Hebrarivm Blackwellianvm Emendatvm Et Avctvm Id Est Elisabethae Blackwell Cellectio Stirpivm Qvae In Pharmacopoliis Ad Medicvm Vsvm Asservantvr Qvarvm Descriptio Et Vires Ex Anglico Idiomate In Latinvm Conversae Sistvntvr Figvrae Maximam Partem Ad Natvrale Exemplar Emendantvr Floris Frvctvsqve Partivm Repraesentatione Avgentvr Probatis Botanicorvm Nominibvs Illvstratvr. / Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuter-Buch das ist Elisabeth Blackwell Sammlung der Gewächse die zum Arzney-Gebrauch in den Apothecken aufbehalten werden deren Beschreibung und Kräfften aus dem Englischen übersetzt angezeiget die Abbildungen grossen Theils nach der Natur verbessert mit Beyfügung der Theile der Blume und Frucht vermehret wie auch mit bewährten Nahmen der Kräuter-Lehrer erläutert werden. Nürnberg: Fleischmann 1750-1773.

Elizabeth Blackwell – A Curious Herbal

Elizabeth Blackwell, geborene Blachrie (*um 1700 Aberdeen, gest. 1758 London), war die Tochter eines wohlhabenden schottischen Kaufmanns und wurde schon in ihrer Jugend als Zeichnerin und Malerin ausgebildet. Im Alter von 28 Jahren heiratete sie ihren Cousin Alexander Blackwell (*um 1700 Aberdeen, gest. 1748 Stockholm). Ihr Mann war hochgebildet und eröffnete eine Arztpraxis in Aberdeen – jedoch so scheint es – ohne je Medizin studiert zu haben, zumindest aber ohne eine gültige Lizenz als Mediziner zu besitzen. Als Gerüchte um die fehlende Qualifikation Alexanders aufkamen, übersiedelten die beiden überstürzt nach London. Dort stieg Alexander Blackwell ins Druckereigewerbe ein und eröffnete bald, wiederum ohne eine Lizenz der lokalen Druckereigilde, seine eigene Druckerei. Das Paar, mittlerweile Eltern eines Sohnes, kam ein zweites Mal mit den Obrigkeiten in Konflikt. Die Druckerei wurde geschlossen und eine hohe Geldstrafe verhängt. Die Schulden der Blackwells häuften sich und Alexander wurde schließlich in Schuldhaft genommen. Elizabeth Blackwell, die vor dem wirtschaftlichen Ruin stand, wandte sich mit von ihr angefertigten Zeichnungen an Sir Hans Sloane (*16.04.1660 Killyleagh/Nordirland, gest. 11.01.1753 Chelsea), dem Vorstand der Royal Society, der auf seinen Gütern in Chelsea gemeinsam mit der Londoner Apothekergilde einen bedeutenden botanischen Garten, den Chelsea Physic Garden, unterhielt. Der geschäftstüchtigen Elizabeth Blackwell war nicht entgangen, dass auf dem Buchmarkt ein, dem Stand der Wissenschaft entsprechendes und vor allem die Flora der Neuen Welt berücksichtigendes, Herbarium fehlte. Im Chelsea Physic Garden war man von Blackwells Talent begeistert und sich schnell über die gemeinsame Herausgabe eines solchen Werkes einig: „[…]Elizabeth began drawing the plants from life. She took the drawings to her husband in prison, who identified them and provided their names in several different languages. Elizabeth then engraved the copper plates for printing. Finally, she hand-coloured each of the printed images. This great accomplishment would usually have taken at least three different artists and craftsmen.”[1] Zwischen 1737 und 1739 wurde Blackwells Werk mit 500 Kupfertafeln in zwei Bänden unter dem Titel A Curious Herbal containing five hundred cuts of the most useful plants, which are now used in the practice of physick, to which is added a short description of ye plants and their common uses in physick in London publiziert. Sie erwies sich in den Verhandlungen mit den Buchhändlern als sehr geschäftstüchtig und durch den großen wirtschaftlichen Erfolg ihres Herbariums gelang es bald ihren Mann aus der Schuldhaft freizukaufen. Alexander Blackwell verließ seine Familie 1742 um am schwedischen Hof eine Stelle als Arzt anzutreten. Dort beteiligte er sich allerdings an einer höfischen Intrige und wurde 1748 wegen Hochverrats hingerichtet. Elizabeth Blackwell zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Über ihren weiteren Lebensweg bis zu ihrem Tod im Jahre 1758 ist nur wenig bekannt.

Besonders bemerkenswert an Elizabeth Blackwell ist, dass es einer bürgerlichen Frau des 18. Jahrhunderts gelang mit Wissenschaftlern der Royal Society auf Augenhöhe zusammen zu arbeiten und ein naturwissenschaftliches Werk unter ihrem eigenen Namen zu publizieren. Autorinnen ihrer Zeit wurden meist auf lyrische oder belletristische Texte beschränkt und sahen sich dennoch häufig gezwungen unter einem männlichen Pseudonym zu veröffentlichen.

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Abb. 2     Herbarivm Blackwellianvm, Tafel 16, Digitalis/Sign.: HOB-A-00026, Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Heinrich Obersteiner Bibliothek.

Trew, Christoph Jacob: Herbarivm Blackwellianvm Emendatvm Et Avctvm Id Est Elisabethae Blackwell Cellectio Stirpivm Qvae In Pharmacopoliis Ad Medicvm Vsvm Asservantvr Qvarvm Descriptio Et Vires Ex Anglico Idiomate In Latinvm Conversae Sistvntvr Figvrae Maximam Partem Ad Natvrale Exemplar Emendantvr Floris Frvctvsqve Partivm Repraesentatione Avgentvr Probatis Botanicorvm Nominibvs Illvstratvr. / Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuter-Buch das ist Elisabeth Blackwell Sammlung der Gewächse die zum Arzney-Gebrauch in den Apothecken aufbehalten werden deren Beschreibung und Kräfften aus dem Englischen übersetzt angezeiget die Abbildungen grossen Theils nach der Natur verbessert mit Beyfügung der Theile der Blume und Frucht vermehret wie auch mit bewährten Nahmen der Kräuter-Lehrer erläutert werden. Nürnberg: Fleischmann 1750-1773.

Christoph Jacob Trews Herbarivm Blackwellianvm in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Christoph Jacob Trew (*26.04.1695 Lauf an der Pegnitz/Bayern, gest. 18.07.1769 Nürnberg) war ein deutscher Arzt, Botaniker und Bibliophiler. Seine Privatbibliothek bestand aus über 35.000 Bänden, darunter viele Rarissima – wie zum Beispiel der wissenschaftliche Nachlass von Conrad Gessner (*1516 Zürich, gest. 13.12.1565 Zürich) – die er der Universität Altdorf vermachte (nach deren Auflösung 1809 kam die Bibliothek an die Universität Erlangen, wo sie noch heute aufbewahrt wird). Trew war unter anderem Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Royal Society in London. Er war ein großer Bewunderer von Elizabeth Blackwells Herbarium, das jedoch noch nicht nach der Systematik Carl von Linnés (*23.05.1707 Råshult/Schweden, gest. 10.01.1778 Uppsala), die noch heute die Grundlage der modernen botanischen und zoologischen Nomenklatur bildet, aufgebaut war. Aus diesem Grund arbeitete er – ab dem zweiten Band – gemeinsam mit dem Leipziger Professor Christian Ludwig Gottlieb (*30.04.1709 Brieg/Schlesien, gest. 07.05.1773 Leipzig) an einer deutschen Übersetzung, Überarbeitung und Erweiterung von Elizabeth Blackwells Standardwerk. Trew, der hierfür den botanischen Apparat überarbeitete, ließ dazu für alle zwischen 1750 und 1773 erschienen sechs Bände seiner neuen Blackwelliana sämtliche Illustrationen vom Zeichner und Kupferstecher Nikolaus Friedrich Eisenberger (1707-1771) neu zeichnen und stechen. Der letzte postum erschienene Band enthält noch einmal 100 ganzseitige, handkolorierte Kupfertafeln mit Pflanzen, die im Original fehlten oder fehlerhaft dargestellt waren. In der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, in der Heinrich Obersteiner Bibliothek, befindet sich eines von nur zwei in Österreich nachweisbaren, vollständigen Exemplaren dieses prächtigen sechsbändigen Werkes aus dem 18. Jahrhundert mit 600 ganzseitigen handkolorierten Kupfertafeln. Die Österreichische Nationalbibliothek stellt darüber hinaus einen kostenlosen Online-Zugang zum Gesamtwerk zur Verfügung, der auch vom Katalog der UB der MedUni aus abrufbar ist: http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ165098504

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Abb. 3     Christoph Jacob Trew/Sign.: 42.161/5, Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Neuburger-Lesky Bibliothek.

Schmidt-Herrling, Eleonore: Die Briefsammlung des Nürnberger Arztes Christoph Jacob Trew (1695-1769) in der Universitätsbibliothek Erlangen. (= Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen, Bd. 5). Erlangen: Universitätsbibliothek 1940.

Quellen:

Homepage: British Library. Stand: 14.11.2016.

https://www.bl.uk/collection-items/a-curious-herbal-dandelion

Schnalke, Thomas: Ein Korb für Göttingen. Christoph Jacob Trew im Briefwechsel mit dem Chirurgen Carl Friedrich Gladbach. In: Medizinhistorisches Journal. Internationale Vierteljahresschrift für Wissenschaftsgeschichte. (29) 1994. S. 233-275.

Müller, J.: Ärzte als Entdecker und Forschungsreisende. In: Medizinischer Monatsspiegel. Eine Zeitschrift für den Arzt. (1) 1972. S. 9-18.

Pieske, Christa: Ärzte als Botaniker. In: Medizinischer Monatsspiegel. Eine Zeitschrift für den Arzt. (1) 1972. S. 4-8.

Herrlinger, Robert: The Trew Library in Erlangen. Sonderdruck aus: Libri. Internationel library review. (3) 1954.

Schmidt-Herrling, Eleonore: Die Briefsammlung des Nürnberger Arztes Christoph Jacob Trew (1695-1769) in der Universitätsbibliothek Erlangen. (= Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen, Bd. 5). Erlangen: Universitätsbibliothek 1940.

Text: Harald Albrecht

[1] Homepage: British Library. Stand: 14.11.2016. https://www.bl.uk/collection-items/a-curious-herbal-dandelion

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Abb. 4
HOB-A-00021/2Trew, Christoph Jacob. Herbarivm Blackwellianvm Emendatvm Et Avctvm Id Est Elisabethae Blackwell Collectio Stirpivm Qvae In Pharmacopoliis Ad Medicvm Vsvm Asservantvr Qvarvm Descriptio Et Vires Ex Anglico Idiomate In Latinvm Conversae Sistvntvr Figvrae Maximam Partem Ad Natvrale Exemplar Emendantvr Floris Frvctvsqve Partivm Repraesentatione Avgentvr Probatis Botanicorvm Nominibvs Illvstratvr. Centvria II. Nürnberg: Typis Christiani De Lannoyi 1754.