Archiv der Kategorie: Medizingeschichte

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EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Mauthner, Ludwig Wilhelm: De peripneumonia notha Sydenhami

MauthnerDie Van Swieten-Blog Serie “eBook on Demand” setzen wir mit folgender medizinhistorischer Dissertation fort:

De peripneumonia notha Sydenhami

MUW14A001750–>PDF

Mauthner, (Mauthner von Mauthstein)   Ludwig Wilhelm, (Ludwig Wilhelm Ritter von Mauthstein), (Ludwig), (Ludwig W.)
Geburtsdatum:   14.10.1806   Raab
Sterbedatum:   1858 [07.04.1858, 08.04.1858]   Wien
Disziplin:   Pädiatrie, (Kinderheilkunde), (Kinder- und Jugendheilkunde), (Kindermedizin), (Pediatrics)
Pädiatrie (Promotion: 1831 in Wien / Habilitation in Wien)
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„1. Weltkrieg & Medizin“ [30]: Das Reservespital Nr. 2 in Pardubitz / Pardubice in Böhmen 1914 – 1918 (Teil 3.1)

Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ / PARDUBICE in Böhmen 1914 – 1918

Teil 3.1 – Das Barackenspital im Frühjahr 1916 aus der „Sicht des Militärs“

Anlässlich der Übergabe des Barackenspitals an die Heeresverwaltung im Juli 1916 war im Frühjahr ein genaues Verzeichnis aller Objekte angelegt und eine detailgetreue Beschreibung der Anlage angefertigt worden.

Lesen Sie hier bitte aus der „Baubeschreibung der k. u. k. Kranken- und Verwundetenstation in Pardubitz“:

Pardubitz-09-VS-W-LukanFoto: Prof. Dr. Walter Lukan; Bild oben links: Blick auf ein Aufnahmegebäude und auf die Abteilungen II und III; Bild oben rechts: Krankenbaracken – im Hintergrund ein Feuerwehrturm; Bild mitte: Gesamtansicht; Bild unten links: Inneres einer Spitalsbaracke; Bild unten rechts: Aufnahmegebäude

„Das ganze Spital ist in fünf Abteilungen (I, II, III, IV, V) eingeteilt, von denen jede eine besondere Gruppe für die Verwaltung, Wirtschafts- und Wohngebäude besitzt.

Plan1_PardubitzFoto: Josef Paroulek 1917

Zur leichteren Orientierung in der Anlage sind für die Bezeichnung der einzelnen Abteilungen verschiedene Farben eingeführt und zwar:

I. Abteilung VIOLETT
II. Abteilung GRÜN
III. Abteilung ROT
IV. Abteilung BLAU
V. Abteilung GELB

Diese Farben sind an allen Krankenbaracken und zugehörigen Verwaltungsgebäuden angebracht.

Das Barackenspital ist mit dem Bahnhof mittels zwei Geleisen verbunden. Das „unreine“ Geleis dient zum Transport der verwundeten und kranken Soldaten in das Krankenhaus. Das zweite – „reine“ Geleis -dient zur Beförderung von genesenen Soldaten aus dem Spital, sowie zum Transport von Nahrungsmitteln, Kohle und sonstigen Materialien.

Die einzelnen Abteilungen sind untereinander durch doppelte Drahtzäune abgetrennt.

Die Anzahl der Betten für kranke und verwundete Soldaten in den einzelnen Abteilungen sind nach dem Stande vom 1. Mai 1916 wie folgt:

I. Abteilung : 2.032 Krankenbetten
II. Abteilung: 1.688 Krankenbetten
III. Abteilung: 1.690 Krankenbetten
IV. Abteilung: 1.900 Krankenbetten
V. Abteilung: 1.900 Krankenbetten
Zusammen: 9.210 Krankenbetten

Der ganze Komplex des Barackenspitales besitzt eine eigene Kanalisation, welche an die Kanalisation der Stadt Pardubitz angeschlossen ist.

Nutz- zugleich Trinkwasser ist in allen Baracken und Gebäuden eingeführt. In den Gassen sind Feuerhydranten aufgestellt.

Das Wasser wird teils aus dem Wasserwerk der Stadt Pardubitz, teils aus einer eigenen Wasserbeschaffungsanlage bezogen. Aus ersterer werden ca. 500 bis 600 Kubikmeter täglich geliefert. Der restliche Bedarf, ca. 1000 bis 1200 Kubikmeter, wird von der eigenen Wasserleitung gedeckt.

Elektrische Beleuchtung ist in sämtlichen Baracken eingeführt. Ebenso sind alle Straßen und Wege im Spital elektrisch beleuchtet. Der Strom wird von der „elektrischen Zentrale“ der Stadt Pardubitz, die zu diesem Zwecke entsprechend erweitert wurde, geliefert. Für die Notbeleuchtung der Trottoire und Straßen sind überdies 50 Kandelaber mit Petroleumlampen aufgestellt.

Die Heizung erfolgt in allen Baracken mittels gusseisernen Öfen.

Für Fuhrwerke, Autos etc. sind mit Sturzpflaster versehene Straßen von 3-4-5 m Breite in einer Gesamtlänge von ca. 6.000 m angelegt worden. Für Fußgänger wurden mit Schlackenziegel gepflasterte Trottoire oder mit Schlacken gestampfte Fußsteige zwischen den Baracken geschaffen.

Pardubitz-05-VSFoto: Reinhard Mundschütz;

Der Brandschutz wird durch die ständige Feuerwehr der Station ausgeübt. Drei Feuerwehrtürme 25 m hoch, zwischen den Baracken aufgebaut und mit oberem Wächterhäuschen versehen, ermöglichen eine leichte Übersicht über die ganze Station.

Pardubitz2
Foto: Reinhard Mundschütz; Blick auf ein Aufnahmegebäude, im Hintergrund sieht man einen der drei Feuerwehrtürme

Die Wächterhäuschen auf den Feuerwehrtürmen sind telefonisch mit den in der ersten Etage der drei Türme sich befindlichen Wachstuben sowie auch mit jenen auf dem Bahnhofe und in der Stadt verbunden.

Unter den Wachstuben in der ersten Etage befindet sich im Erdgeschosse des Turmes ein Schupfen für Feuerwehrrequisiten, Wickelmaschinen und Schläuche.“

In der Folge lesen Sie hier noch die detaillierte Beschreibung der Gebäude der I. Abteilung:

„I. Abteilung                  2.032 Krankenbetten

8 Beobachtungsbaracken (Nr. 1-8): Mit Zäunen untereinander isoliert. Jede Baracke hat 9 isolierte Einzelzimmer mit separatem Bad und Kloset und 1 Zimmer mit Bad und Kloset für die Pflegerin (zusammen also für 72 Soldaten und 8 Pflegerinnen).

Plan_Pardubitz

42 Spitalsbaracken Nr. 1 bis 42, hievon 1 Baracke (Nr. 7) für Offiziere mit 10 Krankenbetten (in isolierten Zimmern)

10 Baracken für epidemische und venerische Krankheiten: mit Zäunen isoliert, a 50 Krankenbetten, zusammen 500 Betten und zwar Baracken Nr. 8,9,10,11,30,31,32,33,34 und 35

1 Baracke für Verbandzwecke (Nr. 21)

1 Kapelle (katholisch) und Lesehalle : in der Baracke Nr. 22 untergebracht.

29 gewöhnliche Krankenbaracken: für verwundete und kranke Soldaten, mit je 50 Betten, zusammen 1.450 Krankenbetten

1 Empfangsgebäude: mit Wartehallen, Teeküchen, Aborte und Bäder und zwar:

14 Wannen und Duschen in Kabinen

12 Wannen und Duschen in der Halle

12 Duschen in der Halle

8 Fußbäder

Padubitz_07Foto: Reinhard Mundschütz; Blick auf das Empfangsgebäude; hier wurden Infektionsverdächtige und –kranke aufgenommen und erstversorgt

Ein Operationspavillon (für Infektionskrankheiten) enthält:

2 Operationssäle mit Sterilisationsraum, Wartesaal mit Narkose, Raum für Röntgenisierung, Raum für Ärzte, Krankenwärterinnen und Zugehör

1 Veranda für Tragbahren bei Operationen

1 Bakteriologische Station und Seziersaal, nebst Leichenkammer für infektiöse Krankheiten, umfasst: 1 großen Seziersaal, Laboratorium, Arbeitszimmer und Wohnungen für die Bakteriologen, Wohnung für Diener und Zugehör, sowie ein Raum für die Ausfertigung der Begräbnisse.

1 Gebäude für die Vivisektion

1 Durchgangsgebäude mit Apotheke mit 20 Duschen

1 Entlassungshaus mit 10 Wannen und 8 Duschen

1 Küche mit 8 Kesseln a 350 Liter Inhalt, 2 grosse Sparherde, 1 Backofen für Mehlspeisen, Küchenapparate, Fleischhauerei und Zugehör

3 Übergabebaracken: für die Übergabe der Speisen aus der Küche in die Baracken, mit 2 Desinfektoren für die Desinfizierung der Bestecke, Termoforen etc.

1 „unreine“ Wäscherei: für infizierte Wäsche mit Desinfektionsstation; mit Kesselhaus und Verbrennungsofen. Eingerichtet für 8.000 kg trockene Wäsche in 12 Stunden, 3 Dampfdesinfektoren, 1 Formalindesinfektor, für 6.000 Kleider und Wäsche in 12 Stunden,

Sortierraum, Einweichbottiche, Zentrifugalmaschinen, Kulissen, Trockenkammern, Mangel und Bügelstuben. – Das Seifenwasser wird in unterirdischen Behältern filtriert und neu benützt. Verbrennungsofen für die Verbrennung der Abfälle und des Kehrichtes und die Desinfizierung der Kehrichtsgefässe.

1 Trockenkammer bei der Infektionswäscherei zum Wäschetrocknen in der freien Luft

1 Benzin-Magazin

1 Kleider- und Wäsche-Magazin

1 Matratzen-Magazin

1 Wohngebäude für das Wäschereipersonal: 8 Zimmer a 5 Betten = 40 Personen, 2 Zimmer a 1 Bett = 2 Personen (gesamt 42 Personen)

1 Gebäude für männliches Arbeitspersonal: 12 Zimmer zusammen mit 50 Betten

1 Gebäude für weibliches Arbeitspersonal

3 Kohlenmagazine: 1 für die Küche , 1 für die Wohnungsbaracken, 1 für die Spital- und Aufnahme-Gebäude

1 Speisemagazin: für die Küche

1 Beamten-Wohngebäude: mit 17 Zimmern für 17 Beamte, 2 Zimmern für 1 Verwalter, 2 Zimmern für 4 Dienstboten (zus.: 22 Personen)

2 Wohngebäude für Ärzte: 13 Zimmer für 13 Ärzte, 3 Wohnungen für 3 Ärzte (Primarius, Sekundarius + Assistent), 2 Zimmer a 4 Dienstboten (zusammen 20 Personen; daher in 2 Gebäuden 40 Personen)

2 Wohngebäude für Pflegerinnen: in einem Gebäude 43 Zimmer a 2 Betten = 86 Personen, 1 Zimmer a 3 Betten = 3 Personen, 2 Zimmer a 1 Person = 2 Personen (gesamt in einem Gebäude 91 Personen, in zwei Gebäuden 182 Personen)

1 Administrationsgebäude: mit Telefonzentrale der I. Gruppe

1 Werkstättengebäude: für die Erhaltung der Baracken, Werkstätten für Tischler, Schlosser, Klempner, Installateure etc.

3 gemauerte Kehrichtgruben

1 Kaserne für 80 Mann

1 Wachstube mit Gefängnis: Wachstube für 14 Mann; Gefängnis für 6 isolierte Sträflinge, für 5 gemeinschaftliche Sträflinge

Klär- Kanaliserungsgruben: mit Desinfektionsstation System „Dittler“

1 Schupfen für Gartengeräte: bei dem „unreinen“ Geleise

Pardubitz-08-VSFoto: Reinhard Mundschütz

Zum Betrieb des Spitals 1916 lesen Sie bitte auch folgende Artikel:

Aus der k. u. k. Verwundeten- und Krankenstation in Pardubitz http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vlz&datum=19160704&seite=2&zoom=33&query=%22pardubitz%22&provider=P02&ref=anno-search

Neuverpachtung der Kantine – Ausschreibung http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=pab&datum=19161009&seite=8&zoom=33&query=%22pardubitz%22&provider=P02&ref=anno-search

Das Riesenmilitärspital in Pardubitz http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tsa&datum=19161021&seite=4&zoom=33&query=%22pardubitz%22&provider=P02&ref=anno-search

Text: Reinhard Mundschütz

“1. Weltkrieg & Medizin” –>alle Beiträge

EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Malfatti, Leopold von; Abhandlung über die Quarantaine-Anstalten im Allgemeinen und der k. k. österreichischen Staaten insbesonders

MalfattijpgDie Van Swieten-Blog Serie “eBook on Demand” setzen wir mit folgender medizinhistorischer Dissertation fort:

Abhandlung über die Quarantaine-Anstalten im Allgemeinen und der k. k. österreichischen Staaten insbesonders

MUW14A001740–>PDF

Malfatti von Rohrenbach zu Dezza   Leopold
Geburtsdatum:   26.09.1812   Wien
Sterbedatum:   08.07.1887   Graz
Disziplin:   Generalstabsarzt

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„1. Weltkrieg & Medizin“ [28]: Das Reservespital Nr. 2 in Pardubitz / Pardubice in Böhmen 1914 – 1918 (Teil 2)

Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ / PARDUBICE in Böhmen 1914 – 1918

Folge 2 – Teileröffnung im Frühjahr 1915, Beschreibung und Aufgaben des Spitals aus „journalistischer Sicht“

Die (Teil)Eröffnung des Spitals wurde in einem sehr umfangreichen und äußerst informativen Artikel in der Morgenausgabe des Prager Tagblattes vom Dienstag, den 20. April 1915 angekündigt.

Lesen Sie hier bitte den Artikel in vollem Umfang:

Das größte Militär-Barackenspital am Kontinent – 10.000 Betten im Pardubitzer Barackenspital

Im Laufe der nächsten Tage wird in Pardubitz die letzte Abteilung des Militärbarackenkrankenhauses fertiggestellt werden. Es ist das größte Barackenspital am Kontinent und wird nicht weniger als 10.000 Betten umfassen. Das Krankenhaus ist als Quarantänestation gedacht und auch dementsprechend zweckmäßig ausgestattet.

Das Spital wird sämtliche verwundeten und erkrankten Soldaten, die vom Kriegsschauplatze nach Böhmen transportiert werden, aufnehmen und dort werden die Soldaten eine mehrtägige Quarantäne durchmachen, um festzustellen, ob sie nicht mit einer infektiösen Krankheit, die der Krieg mit sich bringt, behaftet sind. Falls bei einem Soldaten eine solche Krankheit festgestellt ist, wird er in die Infektionsabteilung des Krankenhauses bis zu seiner Wiederherstellung aufgenommen. Die nicht infizierten Soldaten kommen in die sogenannte „reine Abteilung“ und von dort werden sie nach einer gewissen Zeit in die gewöhnlichen Krankenhäuser des Hinterlandes geschafft. Das Pardubitzer Barackenspital hat also die derzeit wichtigste Aufgabe, eine Ausbreitung verschiedener Epidemien unter der Zivilbevölkerung des Landes zu verhindern und man ist fest überzeugt, daß die zweckmäßige Einrichtung dieses Krankenhauses einen vollen Erfolg dieser Aufgabe verbürgt.

Das Spital wurde anfangs Dezember 1914 in kleinem Maßstabe dem Betriebe übergeben und später umfasste es 13 Abteilungen mit 2200 Betten. In der Quarantänestation sind derzeit 20 Ärzte beschäftigt; das Spital hat auch seine eigene bakteriologische Station. Durch die Vollendung des Barackenlagers wird die Pardubitzer Quarantänestation eine ganz andere Gestaltung erhalten.

Die Baracken sind auf den Gründen des ehemaligen Exerzierplatzes auf einer Fläche von 800.000 Quadratmeter aufgestellt.

Pardubitz_Karte

Die Länge der Hauptstraße der Station beträgt 1200 Meter, die Breite 800 Meter. Auf dieser Riesenfläche stehen 206 Baracken und 125 andere administrative Gebäude, so zum Beispiel die Wohnungen der Ärzte, der Krankenpflegerinnen, des Dienstpersonals, eine Kaserne für die Soldaten, die Apotheke, die Operationssäle.

Die Totenkammern, Verbrennungsöfen, diverse Werkstätten, Bäckereien etc. Die Quarantänestation besteht aus zwei Abteilungen und zwar einer Abteilung für Gesunde und einer Abteilung für Kranke. Die Abteilung für Gesunde ist durch einen Schienenstrang mit dem Pardubitzer Bahnhofe verbunden. In der Abteilung für Gesunde sind auch die administrativen Zentralämter, ein selbständiges Bahnamt, ein eigenes Post- und Telephonamt für die Quarantänestation untergebracht.

Die Krankenabteilung besteht aus 206 Baracken, von denen eine jede fünfzig Betten besitzt, so daß im ganzen in der Station insgesamt 10.000 und im Notfalle auch mehr untergebracht werden können. Diese Baracken sind in fünf selbständige Abteilungen eingeteilt und zu diesen führt vom Bahnhofe ein zweiter Schienenstrang.

Die erste Abteilung, die dem Pardubitzer Bahnhofe am nächsten liegt, ist für die Infektionskranken bestimmt. Die zweite Abteilung ist fakultativ, das heißt, es werden dort, wenn notwendig, auch Soldaten, die mit Infektionskrankheiten behaftet sind, untergebracht; die weiteren 3 Abteilungen sind für verwundete und kranke Soldaten bestimmt, die dort wenigstens sechs Tage oder – da bei Flecktyphus die Inkubationsfrist zwanzig Tage dauert – auch länger verbleiben. Jede Abteilung ist durch Drahtzäune abgesperrt und bildet ein selbständiges Ganzes; sie hat eine eigene Bahnstation, ihre eigene Verwaltung, ihre Ärzte und Pflegerinnen, eine eigene Apotheke, einen Verbrennungsofen für Abfälle und amputierte Glieder. Die Abteilung für Nichtinfektiöse hat einen gemeinsamen Operationssaal, während die Infektionsabteilung und die fakultative Abteilung jede für sich einen eigenen Operationssaal besitzt. Die Isolierung ist so streng durchgeführt, daß selbst die Speisen in jeder einzelnen Abteilung hergestellt werden.

Ein sehr wichtiges Problem bildet auch die Lebensmittelversorgung dieser großen Station. Bei vollem Belag dürfte die Station täglich etwa 13 schwere Ochsen konsumieren. Die Erzeugung von Brot wird in der Station selbst besorgt und zu diesem Zwecke wird in der Station eine eigene Bäckerei errichtet.

Der Aufwand für das Barackenlager ist auf etwa 12 Millionen Kronen berechnet. Nicht weniger als 5.000 Arbeiter und Gewerbetreibende haben an der Errichtung dieses großen Barackenlagers mitgearbeitet. Das Barackenlager wird zwei eigene bakteriologische Institute haben und als Chefoperateur wird Prof. Dr. JEDLICKA aus Prag fungieren.

[[zur Biografie Rudolf JEDLICKA`s lesen sie bitte https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Jedli%C4%8Dka
http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_J/Jedlicka_Rudolf_1869_1926.xml
und in tschechischer Sprache
https://www.upmd.cz/rudolf-jedlicka/ ]]

Die Sichtung der vom Kriegsschauplatze eingetroffenen Soldaten erfolgt im ersten Aufnahmebahnhof, der auf dem sogenannten Infektionsschienenstrange gelegen ist. Es ist dies ein großes Gebäude mit gedecktem Perron, wo eigene Zimmer für Ärzte und Pflegerinnen, ein Teehaus und eine große Anzahl von Badegelegenheiten untergebracht sind. Jeder Soldat wird nach der Auswaggonierung sofort gesäubert und gebadet, sodann von den Ärzten untersucht und nach Sicherstellung der Erkrankung in die diesbezügliche Abteilung gebracht. Die verdächtigen Fälle werden zuerst in die ganz isolierten Expektorationsräume gebracht, wo für 80 Personen Platz ist. Für sichergestellte Cholera- und Flecktyphuserkrankungen ist auf diesem Bahnhofe eine eigene Abteilung errichtet.

In jeder der fünf Barackenabteilungen werden 25 Ärzte, 150 Pflegerinnen und 150 Administrationsbeamte usw. tätig sein, insgesamt werden in der Barackenstation 125 Ärzte, 750 Pflegerinnen beschäftigt sein. Vor jeder Abteilung ist außerdem eine Kaserne für eine Bedeckungsmannschaft von 80 Soldaten errichtet.

Das Barackenlager hat auch eine eigene Feuerwehr, der drei 20 Meter hohe Observationstürme, durch Telephon mit der Zentral- und Administrationsleitung verbunden, zur Verfügung stehen. In jeder Abteilung werden auch Minimaxapparate
[[= tragbarer Feuerlöscher Minimax; siehe folgenden Link http://www.technischesmuseum.at/objekt/feuerloeschapparat-minimax-handfeuerloescher-mit-stoszknopf-um-1930 ]] aufgestellt.

Die Küchen und Waschhäuser der Barackenstation sind den gegebenen Umständen angemessen in riesengroßen Dimensionen gehalten. Jede Küche hat zwei große Küchenöfen, 16 Kessel für je 400 Liter Wasser und eine Gefrier- und Kühlanstalt. Die Waschhäuser sind für das tägliche Waschen von 10.000 Kilogramm infizierte und 8.000 Kilogramm reine Wäsche eingerichtet. Die Wäsche der Ärzte und der Pflegerinnen wird in einer eigenen Abteilung gewaschen. Bei jeder Wäscherei gibt es auch Desinfizierungsapparate.

Die Kanalisierung und die Wasserleitung der Barackenstation sind ebenfalls in großartiger Weise eingerichtet worden. Die Länge der Kanalisierung beträgt etwa 45 Kilometer. Das Barackenlager hat eine eigene Wasserleitung. Es wurde Vorsorge getroffen, daß die Abfälle aus der Kanalleitung der Barackenstation, bevor sie in die Leitung der städtischen Kanalisierung kommen, desinfiziert werden.

Außer drei modern eingerichteter Operationssäle hat die Station zwei Seziersäle, zwei Totenkammern und einen selbständigen Friedhof, der neben dem städtischen Friedhof hinter Pardubitz auf einer Grundfläche von 14 Strich [alte Bezeichnung für: streifenartiger, schmaler Teil eines bestimmten Gebietes] errichtet wurde.

Text: Reinhard Mundschütz

“1. Weltkrieg & Medizin” –>alle Beiträge

„Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ – Ausstellung zur Van Swieten Blogserie: „1. Weltkrieg & Medizin“ [27]: K. u. k. Reservespital Nr. 2 in Pardubitz („größtes Militär-Barackenspital am Kontinent“*)

liest_2015

Die Universitätsbibliothek beteiligt sich auch heuer wieder an

„Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“,

dem größten Literaturfestival des Landes.

Im Lesesaal der Universitätsbibliothek können Sie

12 Darstellungen zum k. u. k. Reservespital Nr. 2 in Pardubitz

besichtigen.

Dauer der Ausstellung: 19.10.2015 bis 18.02.2016

zu den Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek

Das Reservespital Nr. 2 in Pardubitz / Pardubice  in Böhmen 1914 – 1918

Reservespitäler waren Teil der sogenannten „stabilen Sanitätsanstalten“  des Hinterlandes, die im Mobilisierungsfall von der k. u. k. Armee zur medizinischen Versorgung der Verwundeten eingerichtet wurden.

Als „Barackenspital“ in der „Beobachtungsstation“ (für  Infektionskranke und -verdächtige Soldaten aus Galizien) in der Stadt Pardubitz von November 1914 bis Mitte des Jahres 1915 errichtet, wurde das Spital im August 1916 als „Reservespital Nr. 2“ in die Sanitätsverwaltung des Militärs übernommen.

In der am 20. April 1915 im Prager Tagblatt als „größtes Militär-Barackenspital am Kontinent“ bezeichneten Anlage, standen zur Behandlung der Soldaten 10.000 Betten zur Verfügung (Einwohnerzahl von Pardubitz: ca. 20.000).

206 Krankenbaracken (mit je 50 Betten), dazu noch weitere 159 administrative Gebäude waren auf einem 80 Hektar großen ehemaligen Exerzierplatz der Armee südlich des Bahnhofs der Stadt errichtet worden.

1915 bis Mitte 1916 nur schwach ausgelastet, stieg die Anzahl der hier untergebrachten verwundeten Soldaten in den Folgejahren stetig an, um erst nach dem Ausscheiden Russlands aus dem Krieg (3. März 1918) wieder abzunehmen. Eine zahlenmäßig große Gruppe der hier Versorgten waren türkische Soldaten, die als Verbündete Österreich-Ungarns und des Deutschen Reiches gegen Russland gekämpft hatten.

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“1. Weltkrieg & Medizin” –>alle Beiträge

 

EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Redtenbacher Joseph, Dissertatio inauguralis botanica de Caricibus territorii vindobonensis

RedtenbacherDie Van Swieten-Blog Serie “eBook on Demand” setzen wir mit folgender medizinhistorischer Dissertation fort:

Dissertatio inauguralis botanica de Caricibus territorii vindobonensis

MUW14A001760–>PDF

Redtenbacher   Joseph, (Josef)
Geburtsdatum:   12.03.1810   Kirchdorf
Sterbedatum:   05.03.1870   Wien
Disziplin:   Pharmazeutische Chemie, (Arzneimittelchemie), (Pharmakochemie), Allgemeine Chemie, Botanik, (Pflanzenkunde), (Phytologie)
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„1. Weltkrieg & Medizin“ [26]: Das Reservespital Nr. 2 in Pardubitz / Pardubice in Böhmen 1914 – 1918 (Teil1)

Das Reservespital Nr. 2 in Pardubitz / Pardubice in Böhmen 1914 – 1918

Folge 1 – Errichtung einer „Beobachtungsstation“ in PARDUBITZ 1914 und Bau eines „Kriegsnotspitals“ 1914/1915

Um die Spitäler von Wien und Umgebung von Infektionskranken zu entlasten, ordnete das k. u. k. Kriegsministerium in Wien im September 1914 nach Rücksprache mit dem k. k. Ministerium des Innern folgende Maßnahmen an:

Infektionskranke und -verdächtige Soldaten aus Galizien sollten zunächst in bestimmte Orte Böhmens, Schlesiens, Mährens und Nordungarns gebracht werden und dort 5 Tage ärztlich beobachtet werden, bevor die Weiterbeförderung entweder in ein Spital der Verwaltungsgebiete oder nach Wien erfolgen sollte.

Bei der 5-tägigen Beobachtung handelte es sich aber nicht um eine eigentliche Quarantäne, sondern vielmehr um eine „sanitäre Sortierung“.

Im Zuge dieser Maßnahmen wurde für Böhmen am 9. November 1914 durch Erlass des k. u. k. Kriegsministeriums die Errichtung von 4 Beobachtungsstationen für Verwundeten- und Krankentransporte in vier Städten Mittel- und Ostböhmens angeordnet und zwar in:

CASLAU
https://de.wikipedia.org/wiki/%C4%8C%C3%A1slav

CHRUDIM
https://de.wikipedia.org/wiki/Chrudim

KOLIN
https://de.wikipedia.org/wiki/Kol%C3%ADn

PARDUBITZ
https://de.wikipedia.org/wiki/Pardubice

Für „die Leitung des Betriebes jeder Beobachtungsstation wurde ein landesfürstlicher Kommissär bestellt und diesem ein landesfürstlicher Amtsarzt zugewiesen. Dem landesfürstlichen Kommissär oblag im Einvernehmen mit dem Militärstationskommandanten und unter Mitwirkung des zugeteilten landesfürstlichen Amtsarztes, sowie des zustehenden Gemeindevorstehers die Oberaufsicht über sämtliche stabile und provisorische Anstalten, sowie sonstige Unterkünfte des Stationsortes für Verwundete und zwar mit Einschluss der Militärsanitätsanstalten und sonstiger militärischer Objekte.“

Das Militärkommando hatte auf die Errichtung der im Militärkommandobereiche aufgestellten Beobachtungsstationen keinerlei Einfluss.

Obwohl die Bevölkerung der Stadt PARDUBITZ nicht erfreut war, dass auf ihrem Gebiet eine Beobachtungsstation eingerichtet wurde, waren folgende Objekte für die Unterbringung ausgewählt worden:

  • Die Kavallerie- Kaserne
  • Die k. k. Staatsgewerbeschule
  • Die Schule „na Skrivanku“
  • Die Schule „u Kostelicka“
  • Die Zwangsarbeitsanstalt
  • Der Isolierpavillon beim Bezirkskrankenhaus
  • Die Aufnahmshalle in der Eisenbahnstation

Da der Landesverwaltung von Böhmen die Aufnahmekapazität in der Station PARDUBITZ zu gering schien, entschloss sie sich zusätzlich ein Barackenspital zu errichten.

Ende November 1914 wurde zu diesem Zweck ein Konsortium von Firmen aus PRAG und PARDUBITZ gebildet, an dessen Spitze der Prager Architekt Joseph PAROULEK stand. PAROULEK ist auch der Verfasser einer 1917 erschienenen Publikation mit dem Titel:

Barakenstadt des k. u. k. Kriegsspitals in Pardubitz: Entstehung, Beschreibung und humaner Zweck der grossen Unternehmung der Kriegsfürsorge 1914-1915 / [verfasst von Josef Paroulek ; herausgegeben vom Emil Šolc]; Publiziert [Pardubitz : Konsorcium für den Ausbau des Kriegsnotspitals in Pardubitz];

vorhanden in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien

http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?fn=search&ct=search&initialSearch=true&mode=Basic&tab=default_tab&indx=1&dum=true&srt=rank&vid=ONB&frbg=&tb=t&vl%28freeText0%29=paroulek&scp.scps=scope%3A%28%22ONB%22%29&vl%281UI0%29=contains

Parulek

Da die Beobachtungsstationen mit „größter Beschleunigung“ eingerichtet werden sollten (aufgrund eines Erlasses des k. k. Ministeriums des Innern), wurde mit dem Bau noch im Winter 1914 begonnen.

Es sollte allerdings mehr als ein Jahr dauern, bis das „Kriegssnotspital“ den Betrieb in vollem Umfang aufnehmen konnte.

Die Gründe dafür führte die k. k. Statthalterei in Böhmen in einem Schreiben vom 13. Mai 1915 an das k. k. Ministerium für Landesverteidigung in Wien wie folgt an: „ Diese Anlage, deren Fertigstellung durch die ungünstige Jahreszeit, durch fortwährende militärische Einberufungen von Arbeitern, durch Schwierigkeiten in der Zufuhr der großen Massen von Baumaterial etc. verzögert wurde, nähert sich nunmehr ihrer Vollendung, so dass mit der teilweisen Betriebseröffnung noch in der zweiten Hälfte Mai gerechnet werden kann.“

Tatsächlich konnte das Spital den Vollbetrieb erst Mitte des Jahres 1916 aufnehmen, nachdem es unter militärische Verwaltung gestellt worden war.

Zur Geschichte des Barackenspitals 1914 – 1918 sehen sie bitte die Arbeit von Petr Horák: VOJENSKÁ KARANTÉNA V PARDUBICÍCH 1914-1918. Pardubice 2009 (in tschechischer Sprache mit englischer Zusammenfassung) https://dk.upce.cz/bitstream/handle/10195/34983/HOR%c3%81KP_VK_TJIRANEK_2009.pdf?sequence=1&isAllowed=y

Zur Anwerbung der Ärzte, Schwestern und Verwaltungspersonal wurden bereits am 2. November 1914 Inserate im Prager Abendblatt aufgegeben:   http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=pab&datum=19141102&seite=8&zoom=33&query=%22krankenstationen%22&provider=P02&ref=anno-search

23 sehenswerte Fotos aus dem Archiv Východočeského muzea Pardubice (mit tschechischer Beschriftung) finden sie unter:
http://pardubicky.denik.cz/galerie/g-vystavba-karantena-1915-pce.html?mm=5971854

Text: Reinhard Mundschütz

EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Zsigmondy, Adolph, Dissertatio inauguralis exhibens synopsin fontium medicatorum Hungariaepraecipuorum respectu physico-chemico.

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Dissertatio inauguralis exhibens synopsin fontium medicatorum Hungariaepraecipuorum respectu physico-chemico.

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Zsigmondy, (Žigmondy)   Adolf, (Adolph)
Geburtsdatum:   1816 [26.09.1816, 24.09.1816, 24.04.1816]   Pressburg
Sterbedatum:   1880 [23.06.1880, 24.06.1880]   Wien
Disziplin:   Odontologie, (Zahnmedizin), (Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde), (Zahnheilkunde)
Zahnheilkunde (Promotion: 1840 in Wien, 1843 in Wien zum Dr.chir. / Habilitation: 1860 in Wien)
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„1. Weltkrieg & Medizin“ [25]: 137.000 Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in Wien, 24.394 in der Steiermark, 59.863 in Niederösterreich – Das Flüchtlingshilfswerk Anitta Müller und das Kinderwaisenheim Wien-Baumgarten

137.000 Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in Wien, 24.394 in der Steiermark, 59.863 in Niederösterreich – Das Flüchtlingshilfswerk Anitta Müller und das Kinderwaisenheim Wien-Baumgarten

Walter Mentzel

Während des Ersten Weltkrieges war die österreichisch-ungarische Monarchie mit Massenfluchtbewegungen aus den Kriegsgebieten und Grenzregionen im Nordosten (Galizien und die Bukowina) und ab dem Mai 1915 im Südwesten (Trentino, Görz-Gradisca) konfrontiert. Ein großer Teil dieser Kriegsflüchtlinge waren Zwangsevakuierte, die von der k.u.k. Armee ausgewiesen worden waren. Andere flüchteten vor den unmittelbaren Kriegseinwirkungen, wegen der Zerstörungen der Lebensgrundlagen und vor dem drohenden Hungertod. Zahlreiche Zivilisten wurden Opfer von Vertreibungen, weil sie verdächtigt wurden mit dem Feind zu konspirieren, oder weil sie als „sanitäre“ Belastung und „unnütze Esser“ definiert wurden. So befanden sich im Sommer 1915 zirka 650.000 registrierte Flüchtlinge im den heutigen Bundesländern Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark und auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik unter der Obhut der „Flüchtlingsverwaltung“. Davon lebten zirka 150.000 in Barackenlagern, die, wie in Gmünd/Niederösterreich, Leibnitz/Steiermark oder Chotzen/Böhmen bis zu je 25.000 Menschen beherbergten und während des Kriegs zu „Flüchtlingsstädten“ ausgebaut wurden. Darüber hinaus lebten hunderttausende weiterhin in den Kriegsgebieten als „namenlose“ Opfer des Krieges versteckt in Wäldern, auf freiem Feld oder in völlig überfüllten kleinen Gemeinden geduldet und von Abschiebungen bedroht. Insgesamt dürfte die Zahl der Vertriebenen weit über eine Million Menschen betragen haben. In Wien waren bis Oktober 1914 binnen weniger Wochen 137.000 Flüchtlinge angekommen, die zumeist in Elendsquartieren lebten.

Lit: Mentzel Walter, Kriegserfahrungen von Flüchtlingen aus dem Nordosten der Monarchie während des Ersten Weltkrieges, in: Bachinger Bernahrd/Dornik Wolfram (Hg.), Jenseits des Schützengrabens. Der Erste Weltkrieg im Osten: Erfahrungen – Wahrnehmungen – Kontext, (= Veröffentlichung des Ludwig Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgen-Forschung, Sonderband 14), Innsbruck-Wien-Bozen, 2013, S. 359-390.

Link: http://verein-netzwerk-historiker.blogspot.co.at/p/kriegsfluchtlinge-im-ersten-weltkrieg.html

In der Teilbibliothek für Geschichte der Medizin befinden sich Bücher zweier AutorInnen, die einen Ausschnitt der Flüchtlingsfürsorge im Ersten Weltkrieg behandeln: Anitta Müller und Siegfried Bernfeld.

Tätigkeits- und Rechenschafts-Bericht der Wohlfahrtsorganisation der Frau Anitta Müller für Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina“, Wien 1918.

(Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Sign. 24.245)

http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=8652677&pos=0&phys=

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Abb. 1: Tätigkeits- und Rechenschafts-Bericht der Wohlfahrtsorganisation der Frau Anitta Müller für Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina“, Wien 1918.

Anitta Müller (nach ihrer zweiten Heirat 1921 – Anitta Müller-Cohen), geborene Rosenzweig, wurde am 6. Juni 1890 in Wien geboren und war in Wien seit Beginn des Krieges als Sozialarbeiterin und später als Politikerin tätig. Vor dem Krieg engagierte sie sich im „Allgemeinen Österreichischen Frauenverein“.

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Abbildung 2: Anitta Müller, aus: Sport und Salon. Illustrierte Zeitschrift für die vornehme Welt, 2.12.1917.

Der Kriegsausbruch bedeutete für sie eine Zensur. Nachdem innerhalb weniger Tage tausende Flüchtlinge aus dem Nordosten der Monarchie Wien erreichten, begann sie in der Flüchtlingsfürsorge tätig zu werden und zwar im Zweiten Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt, wo im Herbst 1914 zirka 37.000 jüdische Kriegsflüchtlinge auf engsten Raum lebten.

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Abb. 3: Flüchtlingsheim, Wien 17., Hernalser Hauptstraße 75, aus: Frei Bruno, Jüdisches Elend in Wien, Wien-Berlin 1920.

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Abb. 4: Flüchtlingsheim, Wien 20., Karajangasse 15, aus: Frei Bruno, Jüdisches Elend in Wien, Wien-Berlin 1920.

Hier schuf sie Anfang 1914 die nach ihr benannte „Wohlfahrtseinrichtung der Frau Anitta Müller für Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina“ aus der zu Kriegsende die „Soziale Hilfsgemeinschaft“ hervorging, die die Erfahrungen, das Organisationswesen und die erworbenen Kompetenzen aus der Arbeit in der Flüchtlingsfürsorge in die Sozialarbeit der Nachkriegszeit überleiten sollte. Bereits 1917 rief sie dazu das sogenannte „Sozialarchiv“ ins Leben, in dem die Arbeiten der Flüchtlingsfürsorge systematisch festgehalten und zur Grundlage künftiger sozialer Reformen genützt werden sollten. Ein Versuch – wie Anitta Müller 1918 als Zielvorstellung beschrieb: „Die soziale Hilfsgemeinschaft will die im Krieg geschaffene Wohlfahrtseinrichtung erhalten und ausbauen und neue für alle Bevölkerungsschichten errichten.“ Leiter dieses Archivs wurde Siegfried Bernfeld.

Nach dem Krieg schuf sie darüber hinaus die „Zentralstelle zur Versorgung jüdischer Kinder im Ausland“, mit der Absicht den in die zerstörten Kriegsregionen zurückgekehrten Kindern weiterhin Unterstützung zukommen zu lassen. Ebenso organisierte sie Erholungsreisen in Europa für zirka 12.000 unterernährte Kinder. 1920 engagierte sie sich zur Rettung und Adoption von Waisenkindern, die als Opfer der Pogrome in der Ukraine völlig schutzlos waren.

Die Finanzierung ihrer Fürsorgeeinrichtungen während des Ersten Weltkrieges in Wien erfolgte durch Spendentätigkeiten von privater Seite und durch Geldzuweisungen von Banken, Gewerbe und Industrie. Anitta Müller organisierte die Zuführung der Flüchtlinge zur medizinischen Versorgung, Essensausspeisungen, Bekleidungsaktionen, Geldunterstützungen, Ferienverschickungen von Kindern und Waisenkinderbetreuung.

In ihren Einrichtungen arbeiteten unentgeltlich Mediziner wie der Primarius Raoul Graf, Julius Weiß (im Mütterheim und Kinderheilstätte), Gertrud Bien, Prof. Ludwig Braun (*1867, +1936), Prof. Salomon Ehrmann (*1854, +1926), Dr. Fritz Frankl, Prof. Hans Lorenz (*1873, +1934 und Primarius Leopold Moll (*1877, +1933), der 1915 die Reichsanstalt für Mütter- und Säuglingsfürsorge an der Kinderklinik Glanzing gründete. Weiters Alexander Porges (1879-1968), Dr. Ludwig Riesz (1859-1926), Max Schwamm (*1877) und in der Säuglingspflege Prof. Marie Diener.

Bereits am 1. September 1914 wurde in der Großen Mohrengasse 5 in Wien II eine Wöchnerinnenfürsorgestelle eingerichtet. Kurz darauf folgten am 20.10.1914 die Eröffnung des Kinderhortes „Praterspatzen“ und am 24.10.1914 die I. Suppen- und Teeanstalt in Wien II Tabortstraße 10. Weiters kam es zur Errichtung der Suppen- und Teeanstalt in Wien II Glockengasse 13, der Säuglingsfürsorge in der Große Mohrengasse 5, eines Mutterheimes in Wien IX Elisabethpromenade 13, einer Arbeiterschule Wien II Taborstraße 9 und einer Kinderheilstätte in der Große Mohrengasse 10.

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Abb. 5: Flüchtlingsausspeisung, aus: Das interessante Blatt, 8.6.1917.

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Abb. 6: Säuglingsfürsorge, aus: Das interessante Blatt, 28.6.1917.

Während des Krieges arbeitete sie intensiv mit der „Zentralstelle der Fürsorge für Flüchtlinge der Stadt Wien“ und nach 1918 mit dem „American Jewish Joint Distribution Committee“ zusammen. Eine Zusammenfassung ihrer Arbeit in der Flüchtlingsfürsorge publizierte sie 1925 in der Wiener Morgenzeitung unter dem Titel „Das jüdische Wien. Soziale Hilfsgemeinschaft Anitta Müller“, 24.12.1925, S. 5.

Link: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2981543

In den letzten Kriegsjahren entwickelte sie sich zu einer engagierten Zionistin im Umfeld von Robert Stricker, dem Obmann der „Jüdisch-nationalen Partei“ und kandidierte im Herbst 1918 für den provisorischen Wiener Gemeinderat, dem sie vom 3. Dezember 1918 bis 5. Mai 1919 als Abgeordnete der Freiheitlich-Bürgerlichen Partei angehörte. 1919 kandidierte sie bei den ersten Wahlen zum österreichischen Nationalrat.

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Abb. 7: Anitta Müller als Mitglied des Wiener Gemeinderates, aus: Österreichs Illustrierte Zeitung, 15.12.1918.

1936 emigrierte Anitta Müller mit ihrer Familie nach Palästina, wo sie sich ebenfalls der Sozialarbeit widmete, Vorsitzende der religiös-zionistischen Misrachi-Frauenbewegung wurde, und sich nach dem „Anschluss“ im März 1938 als Leiterin der „Hitachdut Olej Austria“ (Verband der Einwanderer aus Österreich) um die vor dem Nationalsozialismus geflüchteten jüdischen Flüchtlinge annahm. 1948 beteiligte sie am israelischen Unabhängigkeitskampf. Müller-Cohen starb am 29. Juni 1962 in Tel Aviv. Nach ihr ist das seit 1966 bestehende Anita-Müller-Cohen Elternheim in Tel Aviv benannt.

Siegfried Bernfeld (*7.5.1892 Lemberg/Galizien, +2.4.1953 San Francisco/USA) war ein Reformpädagoge, Psychoanalytiker und Mitbegründer der modernen Jugendforschung und der Psychoanalytischen Pädagogik. Er studierte an der Universität Wien Biologie, Zoologie, Geologie, Pädagogik, Psychologie, Philosophie und Soziologie und promovierte 1915 mit dem Dissertationsthema „Über den Begriff der Jugend“. Im selben Jahr schloss er sich der „Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“ an. Schon vor dem Krieg war Bernfeld aufgrund des wachsenden Antisemitismus in der zionistischen Bewegung, in der jüdischen Wiener Jugendbewegung und in sozialistischen Organisationen aktiv und war zwischen 1917 und 1921 in leitender Funktion im „Zionistischen Zentralrat für West-Österreich“ tätig. Im Sinne des Reformpädagogen Gustav Wyneken gründet er in Wien 1912 das „Akademische Comité für Schulreform“, das 1914 polizeilich aufgelöst wurde. Bernfeld trat für die Aufhebung der sozialen Herkunftsunterschiede im Bildungssystem und für eine „klassenlosen Erziehung“ in seinen Reformbemühungen ein.

Bernfelds Tätigkeit für jüdische Kriegswaisenkinder:

Zu Kriegsbeginn entschloss Bernfeld sich in der Flüchtlingsfürsorge der Kriegswaisenpflege zu widmen. Alleine in Wien waren 39% aller Flüchtlingskinder Waisen, 9% sogar Vollwaisen. Über seine Arbeit für Kriegswaisen berichtete er in seinem 1916 erschienenen Aufsatz: „Die Kriegswaisen“, in: Der Jude (Eine Monatsschrift von Martin Buber und Salman Schocker), 1916/17, S. 269-271.

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Abb. 8: Kriegsflüchtlinge vor der „Zentralstelle für Kriegsflüchtlinge in Wien“. Archiv der Landespolizeidirektion Wien.

Nach dem Krieg versuchte er eine jüdische Schulsiedlung zur Erziehung der Kriegswaisenkinder im zionistischen Sinn (landwirtschaftliche und industrielle Ausbildung in Lehrstätten zur Vorbereitung auf eine spätere Auswanderung nach Palästina) zu schaffen. Im August 1919 gelang es ihm schließlich mit Unterstützung des „American Joint Distribution Committee for jewish warshippers“ – eine seit 1914 bestehende Hilfsorganisation für die jüdischen Opfer des Ersten Weltkrieges in Europa – in Wien XIII das Kinderheim Baumgarten für jüdische Kriegswaisen im Alter von 6-14 Jahren aufzubauen. Hier versuchte er in einem aus fünf Baracken bestehenden, auf dem Gelände des ehemaligen Kriegshospitals gelegenen, Heimes gemeinsam mit seinem ebenfalls in der zionistischen Jugendbewegung engagierten Kollegen und angehenden Psychoanalytiker Willhelm Hoffer (*12.9.1897 Karlsbad/Böhmen, +25.10.1967 London) für etwa 240-300 jüdische Kriegswaisen sein reformpädagogisches und psychoanalytisches, den Ansätzen von Maria Montessoris, Berthold Ottos und Gustav Wynekens zugrundeliegendes Erziehungsprojekt, umzusetzen. Die hier betreuten Waisenkinder kamen aus Heimen bzw. aus den seit September/Oktober 1914 in Südmähren in Gaya, Nikolsburg und Phorlitz bestehenden Flüchtlingslagern für Juden aus Galizien, wo während des Krieges zirka 10.000 Menschen untergebracht waren. Nachdem 1918 der Großteil dieser Flüchtlinge in ihre Heimat abgeschoben wurde, verblieben zirka 1.000 Waisenkinder zurück, die nach dem Zerfall der Monarchie aus der Tschechoslowakischen Republik nach Wien gebracht worden waren.

Dieses sozialpädagogische und sozialtherapeutische Projekt wurde später in der Kibbuzbewegung Palästinas weiterentwickelt, bildete aber auch die Grundlage für spätere Kinder- und Jugendfürsorgeeinrichtungen. Zu seinen Mitarbeitern zählten unter anderen die Direktorin des Kindergartens Hella Rosenblum-Reichmann, die Pädagoginnen Marusha Schück (Lehrerin im Montessori-Kindergarten) und Meli Masarik, weiters der Lehrer und Schriftsteller Heinrich Infeld (*24.3.1901/Krakau/Galizien, +1970), die Kindergärtnerin Lore Kahn, die Kunstpädagogin Gertrud Hammerschlag (*29.1.1899 Wien, +11.6.1930) sowie die Mathematikerin Hilde Geiringer (28.9.1893 Wien, +22.3.1973 Santa Barbara/Kalifornien). Bereits im April 1920 musste dieses pädagogische Projekt aufgrund finanzieller Schwierigkeiten sowie Differenzen mit den amerikanischen Financiers, die ihre Unterstützung einstellten, beendet werden.

In den folgenden Jahren verarbeitete und publizierte Bernfeld seine im Kinderheim-Baumgarten gewonnenen Erfahrungen. Zunächst im Aufsatz „Aus einem jüdischen Kinderheim“ in der Zeitschrift: „Der Jude“, 1920/21, (S. 309-317) und als Monografie: „Kinderheim Baumgarten: Bericht über einen ernsthaften Versuch mit neuer Erziehung“, (Berlin: Jüdischer Verlag, 1921)

Link: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/titleinfo/730308

1922 publizierte er „Vom Gemeinschaftsleben der Jugend“ und 1924 die Monografie „Vom dichterischen Schaffen der Jugend“. 1925 erschien eines seiner Hauptwerke:

Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“, Leipzig-Wien-Zürich.

(Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Sign. 57.977)

http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=12032797&pos=0&phys=

oder: (Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte, Sign. I. 22.159).

http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=12322353&pos=0&phys=

1921 war Bernfeld kurzfristig Mitarbeiter in Heidelberg bei Martin Bubers (*8.2.1878 Wien, +13.6.1965 Jerusalem/Israel) Zeitschrift „Der Jude“. Danach schloss er sich wieder in Wien der psychoanalytischen Bewegung Sigmund Freuds (*6.5.1856 Freiberg/Mähren, +23.9.1939 London/England) an und ab 1922 entwickelte er für das Lehrinstitut der „Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“ Kurse, zumal er sich innerhalb der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung für die Öffnung der psychoanalytischen Ausbildung für Nicht-Mediziner, insbesondere für Pädagogen, einsetzte. Ende 1925 ging er nach Berlin und arbeitete für die „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft“. Durch den Erfolg seines Buches „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“ galt Bernfeld als Vertreter für die Anwendung der Psychoanalyse auf die Pädagogik. 1932 kehrte er abermals nach Wien zurück und wurde wiederum in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung aktiv. 1934 verließ er schließlich endgültig Österreich und emigrierte zunächst nach Frankreich und im Jahr 1937 nach San Francisco/USA, wo er sich 1938 am Aufbau der „Psychoanalytischen Vereinigung“ beteiligte. Hier widmete er sich vor allem publizistisch den frühen Arbeiten Sigmund Freuds. Siegfried Bernfeld starb am 2. April 1953 in San Francisco.

In der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin finden sich weitere Bücher von Siegfried Bernfeld, darunter:

Bernfeld Siegfried/Bernfeld Suzanne Cässirer, Freud’s early Childhood, in: Bulletin Menninger Clinic, 1944, Vol. 8, Nr. 4.

(Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Sign. 32.238)

http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=8544674&pos=5&phys=

Bernfeld Siegfried, Freud’s scientific Beginners, in: American Imago, 1949, Vol. 6, Nr. 3.

(Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Sign. 32.239)

http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=8544673&pos=4&phys=

Bernfeld Siegfried/Bernfeld Suzanne Cässirer, Freud’s first Year in practice 1886-1887, in: Bulletin Menninger Clinic, 1952, Vol. 16, Nr. 2.

(Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Sign. 32.237)

http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=8544679&pos=10&phys=

Bernfeld Siegfried, Bausteine der Freud-Biographie, Frankfurt am Main 1988

(Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Sign. 61.679)

http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=8544671&pos=2&phys=

Text: Walter Mentzel

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EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Linhart Wenzel, Dissertatio inauguralis anatomicochirurgica

LinhartDie Van Swieten-Blog Serie “eBook on Demand” setzen wir mit folgender medizinhistorischer Dissertation fort:
Dissertatio inauguralis anatomicochirurgica
sistens tractatum de articulo coxæ

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Linhart   Wenzel, (Wenzel von)
Geburtsdatum:   06.06.1821   Židlochovice
Sterbedatum:   22.10.1877   Würzburg
Disziplin:   Chirurgie, (Surgery)
Chirurgie (Promotion: 1844 in Wien / Habilitation: 1852 in Wien)
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EOD – eBook on Demand: “Medizinhistorische Dissertationen”: Kolletschka, Jakob: De arrosionibus membranae mucosae tubi intestinalis
EOD – eBook on Demand: “Medizinhistorische Dissertationen”: Arlt Ferdinand Ritter von: Dissertatio inauguralis medica sistens historias amauroseos e vitiis organicis cerebri quatuor adnexis similibus, quotquot innotuere, autorum variorum observationibus
EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Beer, Franz Joseph: Dissertatio Inauguralis Medica De Chorea S. Viti, 1769
EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Friedericus Jaeger Dissertatio de keratonyxidis usu, Viennae 1812
EOD – eBook on Demand: “Medizinhistorische Dissertationen”: Skoda, Joseph, 1805-1881: Dissertatio inaug. medica de morborum divisione
EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Rokitansky, Carl von, 1804-1878: De varioloide vaccinica
EOD – eBook on Demand: „Medizinhistorische Dissertationen“: Rosas, Anton von, 1791-1855: Vera fistulae sacci lacrymalis notio et sanandi methodus
EOD – eBook on Demand: “Medizinhistorische Dissertationen”: Rollett, Karl: De thermis Badensibus Austriacis
EOD – eBook on Demand: “Medizinhistorische Dissertationen”: Gerard van Swieten, Oratio de morte dubia
“Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek”- Buchausstellung zum Thema “Medizinhistorische Dissertationen”
EOD – eBook on Demand: J. HIRSCHBERG, GESCHICHTE DER AUGENHEILKUNDE
EOD – eBook on Demand: Nachricht an das Publikum über die Einrichtung des Hauptspitals in Wien, 1784 (Reprint auch über amazon.com bestellbar)
EOD – eBook on Demand: Kurze Nachricht von der Verfassung und Einrichtung des kaiserl. königl. Taubstummen-Instituts zu Wien, 1807
EOD – eBook on Demand: Joh. Alexander von Brambilla, Verfassung und Statuten der josephinischen medizinisch-chirurgischen Akademie, 1786