Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [353]: Wechsberg, Julius – Frauenarzt in Mährisch-Ostrau

Wechsberg, Julius – Frauenarzt in Mährisch-Ostrau

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 08.01.2026

Keywords: Frauenarzt, Allgemeines Krankenhaus Wien, Medizingeschichte, Wien, Mährisch-Ostrau, NS-Verfolgter

Julius Wechsberg wurde am 21. Dezember 1879 in Mährisch Ostrau (heute Ostrava: Tschechien) geboren. 1913 heiratete er Elsa Haas (1891-1941), aus der Ehe ging der Sohn Paul Heinz (1914-1992) hervor.[1]

Wechsberg studierte ab dem Wintersemester 1898/99 an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 13. März 1903 mit der Promotion ab. Anschließend führte er eine private Arztpraxis zunächst in Wien 9, Währinger Straße 55, und ab 1905 in Wien 9, Lichtensteinstraße 65a.

Danach arbeitete Wechsberg an der I. Frauenklinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien unter Rudolf Chrobak (1843-1910). 1906 publizierte er hier die Studie „Ueber den Nachweis von Azeton bei Extrauteringravidität“, die er zuvor im Juni 1906 in der Gynäkologischen Gesellschaft in Wien vorgestellt hatte.

Etwa 1908/09 kehrte er nach Mährisch-Ostrau zurück, wo er sich als Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie niederließ und eine Privatpraxis führte. Während des Ersten Weltkrieges diente er als Assistenzarzt außer Dienst der Landwehr. 1917 erfolgte seine Ernennung zum Landsturm-Oberarzt.[2] Neben seiner ärztlichen Tätigkeit engagierte er sich in den Vereinsorganen des Ostrauer Automobil-Clubs.

Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutsche Wehrmacht und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren war Julius Wechsberg gemeinsam mit seiner Familie der NS-Verfolgung ausgesetzt. Nach seiner Deportation in das Ghetto Theresienstadt wurde er freigelassen und anschließend erneut in Mährisch Ostrau inhaftiert, wo er am 4. September 1941 im Gefängnis von deutschen Gefängniswärtern ermordet wurde.[3] Seine Ehefrau Elsa Wechsberg beging bereits am 1. März 1941 Suizid.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0549, Wechsberg Julius (Nationalien Datum: 1898/99).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-447b, Wechsberg Julius (Rigorosum Datum: 11.3.1903).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-1185, Wechsberg Julius (Promotion Datum: 13.3.1903).

Yad Vashem: Wechsberg Julius.

Arolsen-Archiv, Internierungsdokumente, Lager und Ghettos, Ghetto Theresienstadt, Wechsberg Julius.

Literatur:

Wechsberg, Julius: Ueber den Nachweis von Azeton bei Extrauteringravidität. Aus der Klinik Chrobak. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Druck von Bruno Bartelt 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Neue Freie Presse, 21.12.1913, S. 9.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 27, 1917, Sp. 1209

[3] Arolsen Archives, Internierungs- und Haftunterlagen zu Julius Wechsberg: „Datum a místo úmrtí: 4.9.1941, Mor. Ostrava“.

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Letzte Aktualisierung: 2026.01.08

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