Schüller, Hugo – Urologe, Vorstand der urologischen Abteilung am Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, NS-Verfolgter
Autor: Dr. Walter Mentzel
Published online: 17.06.2026
Keywords: Urologe Rothschild-Spital, Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, Medizingeschichte, Wien, NS-Verfolgter
Hugo Schüller wurde am 5. September 1875 als Sohn von Siegmund Schüller (1840-1911) und Emma (1847-1934), geborene Kohn, in Brünn in Mähren (heute Brno/Tschechien) geboren. Seit 1904 war er in erster Ehe mit Lili Fanto (1883-1984) verheiratet, mit der er die Kinder Herbert Hugo (1905-2003) und Georg (1909-2005) hatte. Nach der Scheidung im Jahr 1918 heiratete er 1924 in zweiter Ehe Marie Schiff (1888-1971).
Nach der Matura im Jahr 1893 studierte er an der Universität Wien Medizin und promovierte am 24. Juli 1899 zum Doktor der gesamten Heilkunde.
Rothschild-Spital
Anschließend absolvierte er seine weitere Ausbildung an der chirurgischen Abteilung des Rothschild-Spitals, wo er 1902 zum Sekundararzt bei dem Urologen und Chirurgen Otto Zuckerkandl (1861-1921) bestellt wurde.[1] Hier veröffentlichte er 1904 die Arbeit „Beitrag zur Lehre von den Blutungen aus anscheinend unveränderten Nieren“ sowie 1905 „Kasuistisches zur Frage der sogenannten essentiellen Nierenblutung“.[2] Im selben Jahr verließ er das Rotschildspital und ließ sich als Facharzt für Urologie in Wien 9, Schwarzspanierstraße 15, nieder.[3]
Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium
1907 wechselte Hugo Schüller an das Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, wo er bis 1938 als Abteilungsvorstand die II. Urologische Abteilung leitete.[4] Seine wissenschaftliche Tätigkeit konzentrierte sich unter anderem auf den Einsatz der Radiumtherapie bei urologischen Erkrankungen. In diesem Zusammenhang publizierte er 1913 gemeinsam mit Wilhelm Latzko (1863-1945) am Bettina-Stiftungspavillon „Zur Radiumbehandlung des Krebses“ und zusammen mit Egon Ranzi (1875-1939) an der I. Chirurgischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien die Studie „Erfahrungen über Radiumbehandlung der malignen Tumoren“. Im selben Jahr nahm er am Internationalen medizinischen Kongress in London teil.[5]
Während des Ersten Weltkrieges diente Schüller als Landsturmassistenzarzt. 1916 erhielt er das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen.[6] Darüber hinaus erfolgte seine Ernennung zum Landsturm-Oberarzt;[7] und war am Garnisonsspital Nr. 18 tätig.
1924 veröffentlichte er die Arbeit „Zur Kasuistik der lordotischen Albuminurie“.[8]
Seit 1906 war Schüller Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien[9] sowie der Wiener urologischen Gesellschaft.
Vor dem Ersten Weltkrieg engagierte er sich politisch für die liberale Fortschrittspartei und gehörte dem Wahlkomitee fortschrittlicher Bürger des 2. Wiener Gemeindebezirkes an.[10]
Hugo Schüller war jüdischer Herkunft und flüchtete nach dem „Anschluss“ im März 1938 aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach London und emigrierte 1939 gemeinsam mit seiner Ehefrau in die USA, wo er 1941 die US-Staatsbürgerschaft erhielt.

New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Hugo Schuller, Maria, 1941.
Schüller verstarb am 8. April 1969 in Washington DC, USA.
Quellen:
UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0490, Schüller Hugo (Nationalien Datum: 1894/95).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-363b, Schüller Hugo (Rigorosum Datum: 19.7.1899).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 189-0285, Schüller Hugo (Promotion Datum: 24.7.1899).
ÖStA, AdR, E-uReang, VVSt., VA, 9658, Schüller Hugo.
New York, U.S. District and Circuit Court Naturalization Records, 1824-1991, Hugo Schuller, Maria, 1941.
United States, Social Security Death Index, Hugo Schueller, Apr 1969, (= citing U.S. Social Security Administration, Death Master File, database (Alexandria, Virginia: National Technical Information Service, ongoing).
Literatur:
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[1] Die Neuzeit, 18.4.1902, S. 165.
[2] Wiener klinische Rundschau, Nr. 13, 1905, S. 217-220.
[3] Wiener klinische Rundschau, Nr. 15, 1905, S. 268.
[4] Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 30.11.1907, S. 4.
[5] Neue Freie Presse, 31.7.1913, S. 8.
[6] Der Militärarzt, Nr. 10, 1916, Sp. 199.
[7] Der Militärarzt, Nr. 22, 1916, Sp. 536.
[8] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 47, 1924, Sp. 2514-2515.
[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1906, Sp. 522.
[10] Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 13.2.1910, S. 6.
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Letzte Aktualisierung: 2026.06.17
