Saxl, Paul – Internist, Professor an der I. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien
Autor: Dr. Walter Mentzel
Published online: 15.06.2026
Keywords: Internist, I. medizinischen Klinik, Allgemeinen Krankenhaus, Medizingeschichte, Wien
Paul Saxl wurde am 2. November 1880 in Wien als Sohn des Kaufmannes Wilhelm Saxl (1845-1925) und Irma Saxl (1856-1920), geborene Falk, geboren. Seit 1910 war er mit der akademischen Malerin und Frauenrechtsaktivistin Marianne Deutsch (1885-ermordet 1942 Maly Trostinec) verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte.
Nach der Matura am Maximiliangymnasium in Wien im Jahr 1899,[1] studierte Saxl seit dem Wintersemester 1899/1900 an der Universität Wien Medizin und promovierte am 18. Mai 1905 zum Doktor der gesamten Heilkunde.
Als Student gehörter er 1901 zu den Mitunterzeichnern eines Aufrufes zu einer „Sympathiekundgebung“ für russische Studenten. Anlass waren Proteste an der Universität in St. Petersburg gegen die disziplinären Maßnahmen, staatliche Repressionen und die Einschränkung der akademischen Freiheiten, deren unmittelbarer Auslöser die Zwangsrekrutierung von Studenten zum Militärdienst gewesen war. Zu den Mitunterzeichnern zählten unter anderem Max Adler (1873-1937), die spätere Medizinerin Margarete Hilferding-Hönigsberg (1871-1942), der damalige Medizinstudent und spätere Ökonom Rudolf Hilferding (1877-1941) sowie der Pädagoge und Psychologe Carl Furtmüller (1880-1951).[2]
Bereits während seines Studiums arbeitete Saxl seit 1903 an der I. medizinischen Klinik bei Professor Hermann Nothnagel (1841-1905). Gemeinsam mit Albert Müller-Deham (1881-1971) veröffentlichte er die Arbeiten „Über die Chlorausscheidung im Harn und ihre Beziehungen zur Verdauung“ sowie 1905 „Die Chlorausscheidung im Harn und ihre Beziehungen zu den Verdauungsvorgängen“. Nach seiner Promotion war er zunächst als Volontär und anschließend als Aspirant tätig; 1911 wurde er Assistent von Professor Carl von Noorden (1858-1944). Im Jahr 1912 übernahm er die Leitung einer Krankenabteilung der Klinik.
In diesen Jahren erschienen von Saxl mehrere wissenschaftliche Arbeiten. Gemeinsam mit Albert Müller-Deham publizierte er 1908 die Studie „Ueber den Vorgang der Magenfüllung. Zugleich ein Beitrag zur Kenntnis vom Wesen der Atonie“. 1910 veröffentlichte er zusammen mit Fritz Falk und Hugo Salomon (1872-1954) die Arbeit „Ueber vermehrte Ausscheidung von Polypeptiden im Harne Krebskranker“[3] sowie mit Salomon „Harnbefund bei Carcinometösen: zugleich ein Beitrag zur Kenntnis der Oxyproteinsäureausscheidung beim Menschen“. Ebenfalls 1910 gab er gemeinsam Karl Rubinger die Monografie „Biologie des Menschen. Aus den wissenschaftlichen Ergebnissen der Medizin für weitere Kreise dargestellt“ heraus.[4]
1912 erschien seine Arbeit „Über die Störungen im Eiweißstoffwechsel Krebskranker“.[5] Saxl blieb unter den Nachfolgern Noordens, Karel Frederik Wenckebach (1864-1949) und Otto Porges (1879-1967), an der I. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien tätig. Nach seiner Habilitation für Innere Medizin im Jahre 1918[6] wirkte er dort als Privatdozent; 1929 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor[7].
Zwischen 1905 und 1908 führte Saxl am Chemischen Laboratorium des Physiologischen Instituts bei Otto Fürth (1867-1938) Untersuchungen durch, die in den Arbeiten „Über die Mengenverhältnisse der Muskeleiweißkörper unter physiologischen und pathologischen Bedingungen“ (1906) und „Über die Beziehungen der Autolyse zur Zellverfettung“ (1907) ihren Niederschlag fanden.
Militärdienst und Teilnahme am Ersten Weltkrieg
Nachdem Saxl seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger absolviert hatte, erfolgte 1905 seine Ernennung zum Assistenzarzt-Stellvertreter,[8] 1910 zum Assistenzarzt der Reserve,[9] und 1913 zum Oberarzt.[10] Während des Ersten Weltkrieges war er zunächst Leiter des k.k. Militär-Rekonvaleszentenheims in Piesting-Wöllersdorf,[11] wo er Ende 1914 zum Regimentsarzt ernannt wurde.[12] 1915 veröffentlichte er hier „Über das Vorkommen und den Nachweis von Pepsin im Blutserum“.[13] Ab 1916 war Saxl im Reservespital Bruck-Kiralihyda tätig; hier erschienen von ihm „Über die Einwirkung pyrogener Substanzen auf Fieber, besonders bei Typhus abdominalis“[14] und „Physostigmin als Expektorans“,[15] sowie 1917 „Über die keimtötende Fernwirkung von Metallen und Metallsalzen“[16] und „Über den Skorbut und seine Beziehungen zu den hämorrhagischen Diathesen“.[17]
Nach dem Ersten Weltkrieg erschienen von Saxl an der I. medizinischen Klinik zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Darunter 1920 „Ueber die Periodizität der Erscheinungen beim Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür“, 1921 gemeinsam mit dem Medizinstudenten Robert Heilig „Über die Novasuroldiurese“[18] und 1923 „Über die therapeutische Verwendung einiger Metallsalzemulsionen“.[19] 1924 veröffentlichte Saxl „Die oligodynamische Wirkung der Metalle und Metallsalze“ und „Ueber perorale antiluetische Therapie mit Kalomelsuspension (Kalomel-Metem), 1925 „Ueber die Behandlung des chronischen Magenkatarrhs“ sowie gemeinsam mit Alexander Kelen (1898-1975) die Studie „Die Trypsinflockungsreaktion im Serum in ihrer biologischen Bedeutung“.[20] Ebenfalls 1925 publizierte er noch „Letale Quecksilberintoxikation nach einmaliger Novasurolinjektion“ und 1926 „Über Stauungserscheinungen im Abdomen und ihre Behandlung“[21] und die Monografie „Fortschritte und Probleme in der Therapie innerer Krankheiten“.
Eine Reihe von Publikationen verfasste Saxl gemeinsam mit Ferdinand Donath, darunter 1925 „Ueber erfolgreiche Schutzwirkung von „chemisch-therapeutischen“ Substanzen gegen Infektionskrankheiten (im Tierversuch)“ und „Eine Funktionsprüfung der Abfangorgane des reticulo-endothelialen Systems“, 1926 „Klinische, experimentelle und pharmakologische Studien über die Abfangfunktion des Retikulo-Endothelialen System“, 1927 „Die therapeutische Beeinflussung des retikulo-endothelialen Systems“[22] und 1929 „Die septischen Erkrankungen in der inneren Medizin“ sowie „Über Salyrganwirkung und Leberfunktion (Beobachtungen an Fällen von Leberzirrhose“.[23] 1930 erschien von ihm „Fortschritte der Diuresetheraphie“[24] und 1931 noch „Das Sepsisproblem“.[25]
Saxl engagierte sich als Referent vor dem Ersten Weltkrieg im Rahmen des Programms der Ferialkurse an der Medizinischen Fakultät,[26] sowie nach dem Krieg in den Fortbildungskursen der Medizinischen Fakultät.

Saxl Paul: Wiener Bilder, 20.3.1932, S. 4.
Saxl war Mitglied der Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien sowie der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SDAP) trat er bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Referent im sozialdemokratischen Bildungs- und Organisationswesen hervor. Dabei hielt er Vorträge zu medizinischen und naturwissenschaftlichen Themen wie „Bau und Funktionen des menschlichen Organismus“,[27] aber auch zu weltanschaulichen Fragen, darunter „Moderne Weltanschauung“[28] und „Darwin und seine Lehren“.[29]
Paul Saxl verstarb am 13. März 1932 auf der Rax in Niederösterreich.
Seine Ehefrau Marianne Saxl-Deutsch wurde aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ im März 1938 von den Nationalsozialisten verfolgt und am 26. Mai 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinec bei Minsk ermordet. Den beiden Kindern des Ehepaares gelang die Flucht nach England.

Saxl Paul: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 16.3.1932, S. 17.
Quellen:
Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch, 1880, Saxl Paul.
UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0577, Saxl Paul (Nationalien Datum: 1902/03).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 195-345b, Saxl Paul (Rigorosum Datum: 12.5.1905).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 190-0212, Saxl Paul (Promotion Datum: 18.5.1905).
Literatur:
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 64734/2]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21162]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
Saxl, Paul: Fortschritte und Probleme in der Therapie innerer Krankheiten. Wien: Springer 1926.
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21697]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Gesellschaft der Ärzte Bibliothek, Sign.: GÄ-21161]
[1] Jahresbericht des k.k. Maximiliangymnasium in Wien, Wien 1900, S. 44.
[2] Illustriertes Wiener Tagblatt, 25.4.1901, S. 7.
[3] Medizinische Klinik, Nr. 13, 1910, S. 510.
[4] Saxl Paul, Rubinger Carl, Hess Leo, Heinrich Joseph: Biologie des Menschen. Berlin 1910.
[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 28, 1913, Sp. 1730-1731.
[6] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 7, 1918, Sp. 322.
[7] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 23, 1929, Sp. 763.
[8] Die Zeit, 24.9.1905, S. 5.
[9] Neue Freie Presse, 19.4.1910, S. 24.
[10] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 5.11.1912, S. 492.
[11] Neue Freie Presse, 20.11.1914, S. 1.
[12] Wiener Zeitung, 6.12.1914, S. 9.
[13] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 10, 1915, Sp. 458-459.
[14] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 3, 1916, Sp. 115-120.
[15] Medizinische Klinik, Nr. 25, 1916, S. 672.
[16] Medizinische Klinik, Nr. 28, 1917, S. 764-765.
[17] Medizinische Klinik, Nr. 37, 1917, S. 986-988.
[18] Wiener Archiv für innere Medizin; Teil 2, 1921, S. 141-152.
[19] Medizinische Klinik, Nr. 2, 1923, S. 59-61.
[20] Wiener Archiv für innere Medizin, Teil 2, 1925, S. 549-560.
[21] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 34, 1926, S. 1012-1014.
[22] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 26, 1927, S. 865-867.
[23] Wiener Archiv für innere Medizin, Teil 2, 1929, S. 597-402.
[24] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 9, 1930, S. 293-295.
[25] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 9, 1931, S. 286-289.
[26] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 34, 1912, Sp. 2279.
[27] Arbeiter-Zeitung, 7.2.1904, S. 11.
[28] Arbeiter-Zeitung, 20.1.1907, S. 11.
[29] Arbeiter-Zeitung, 26.1.1908, S. 13.
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Letzte Aktualisierung: 2026.06.15
