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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [88]: Brücke-Teleky, Dora: Tertoider Tumor der weiblichen Harnblase. Sonderabdruck aus: Archiv für klinische Chirurgie (97/2). Berlin. 1912.

Brücke-Teleky, Dora: Tertoider Tumor der weiblichen Harnblase. Sonderabdruck aus: Archiv für klinische Chirurgie (97/2). Berlin: Verlag von August Hirschwald 1912.


[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek, Sign.: Separata-Bibliothek-Teleky-001]

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Dora Brücke-Teleky

Dora Brücke-Teleky (5.7.1879 Hinterbrühl/Niederösterreich, gest. 19.04.1963 Stäfa/Kanton Zürich) stammte aus der Wiener jüdischen Ärztefamilie Teleky. Ihr Vater war der Allgemeinmediziner Hermann Teleky (1837-1921), ihr Bruder, Ludwig Teleky (1872-1957), der aufgrund seiner jüdischen Herkunft vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen musste, gilt als Pionier der Arbeits- und Sozialmedizin. Nach dem Besuch eines privaten Mädchen-Gymnasiums legte sie 1899 „als externer Prüfling ihre Maturaprüfung am Akademischen Gymnasium in Wien ab […].“[1] Da Frauen in Österreich seit 1897 lediglich an den philosophischen Fakultäten studieren durften, inskribierte sie 1899 zunächst an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, richtete ihren Stundenplan aber stark auf ein Medizinstudium aus, so belegte sie etwa „Kurse wie Allgemeine Chemie, Anatomie des Menschen und Demonstrationsübungen im Seziersaal“[2]. Sie gehörte zu den frühen AnhängerInnen Siegmund Freuds und zählte zu den ersten HörerInnen seiner Vorlesungen. Als mit Wintersemester 1900/1901 die medizinischen Fakultäten in Österreich auch für Frauen geöffnet wurden wechselte sie ihr Studienfach und studierte Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien sowie in Straßburg. Sie wurde am 21. Dezember 1904 in Wien im Fach Medizin promoviert.

Im Anschluss an ihr Medizinstudium setzte Dora Brücke-Teleky ihre medizinische Ausbildung im Pathologisch-Anatomischen Institut unter Anton Weichselbaum (1845-1920) des Wiener Allgemeinen Krankenhauses als Aspirantin und Sekundarärztin fort. Danach war sie bis 1907 unter Anton von Eiselsberg (1860-1939) Operationszögling an der I. Chirurgischen Universitätsklinik. Von 1907 bis 1911 ließ sie sich an der II. Frauenklinik von Rudolf Chrobak (1843-1910), Alfons von Rosthorn (1857-1909) und Ernst Wertheim (1864-1920) zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe ausbilden. „Bis zum Anschluss Österreichs 1938, als die deutsche Reichsärzteverordnung übernommen wurde, gab es keine Verordnung zur Facharztausbildung. Jeder, der sich für qualifiziert hielt, konnte sich Facharzt nennen.“[3] Ihre urologische Ausbildung absolvierte Dora Brücke-Teleky von 1912 bis 1914 am Wiener Rothschild-Spital als Volontärin in der chirurgisch-urologischen Abteilung bei Otto Zuckerkandl (1861-1921), dem Bruder des Anatomen und Anthropologen Emil Zuckerkandl (1849-1910). Otto Zuckerkandl war Gründer der „Wiener Urologischen Gesellschaft“. Aus dieser Zeit stammen mehrere ihrer Publikationen zu urologischen Themen, darunter:

Brücke-Teleky, Dora: Tertoider Tumor der weiblichen Harnblase. Sonderabdruck aus: Archiv für klinische Chirurgie (97/2). Berlin: Verlag von August Hirschwald 1912.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek, Sign.: Separata-Bibliothek-Teleky-001]

Abb. 2    Titelblatt: Brücke-Teleky: Teratoider Tumor der weiblichen Harnblase. Berlin: 1912.

Abb. 3    Tafeln: Brücke-Teleky: Teratoider Tumor der weiblichen Harnblase. Berlin: 1912.

Diesen 1912 publizierten Text stellte sie bereits auf dem 3. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Wien im September 1911 vor. „Das Thema ihres Vortrags spiegelt ihre urogynäkologische Ausrichtung wider.“[4] Am Umschlag dieses Exemplars der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befindet sich eine handschriftliche Widmung von Dora Brücke-Teleky an den österreichischen Pathologen Jakob Erdheim (1874-1937), den sie aus ihrer Zeit am Pathologisch-Anatomischen Institut bei Anton Weichselbaum kannte, mit folgendem Text: „Herrn Assist. Dr. J. Erdheim/mit vielmaligem Dank/und besten Grüßen/hochachtungsvoll überreicht/Wien, Februar 1912/d. Verf.“

Abb. 4    Widmung an Jakob Erdheim: Brücke-Teleky: Teratoider Tumor der weiblichen Harnblase. Berlin: 1912.

1920 eröffnete Dora Brücke-Teleky in Wien ihre eigene Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe. Daneben war sie von 1910 bis 1934 die erste Wiener Schulärztin für vier gewerbliche Fortbildungsschulen für Mädchen. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg bis in die 1930er Jahre hinein hielt sie als Ärztin auch Vorträge in sozialdemokratischen Organisationen in Wien zu frauenspezifischen Themen wie der Organisation eines staatlichen Mutterschutzes,[5] der „Körperkultur der Frau“,[6] oder zu Fragen der Verhütung der Schwangerschaft.[7] Seit 1923 war sie auch Vortragende für Hygiene und Biologie in den staatlichen Lehrerbildungsanstalten in Wien. Dora Brücke-Teleky war auch äußerst aktiv in ärztlichen Standesvertretungen und Organisationen. Sie war das erste weibliche Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien (1911). Ebenfalls 1911 wurde sie das erste weibliche Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Der 1920 gegründeten Wiener Gesellschaft für Urologie trat sie ebenfalls als erste Frau bei. Sie war jedoch nicht nur im fachlich-medizinischen Bereich engagiert. Sie setzte sich auch für die Stellung der Ärztinnen in der stark von Männern dominierten Medizin ein. Brücke-Teleky, die seit 1919 die Leiterin der Wiener Schwangeren Fürsorgestelle war, war die Stärkung der Frau sowohl als Patientin als auch als Ärztin ein wichtiges Anliegen. „Im Jahr 1919 gründete sie die Organisation der ,Ärztinnen Wiens‘, deren Vorsitzende sie zehn Jahre lang war. Darüber hinaus war sie korrespondierende Sekretärin des Internationalen Ärztinnenverbandes und nahm am 5. und 6. Kongess der ,Medical Women’s International Association‘ teil.“[8] Über den fünften Kongress stammt folgender Bericht von ihr:

Brücke-Teleky, Dora: Der V. Internationale Ärztinnekongreß in Bologna. 11.-14. April 1928. Originalbericht der „W.M.W.“. Sonderabdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. (78/23) 1928. Wien: Verlag von Moritz Perles 1928.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek, Sign.: Separata-Bibliothek-Teleky-002]

Abb. 5    Titelblatt: Brücke-Teleky: Der V. Internationale Ärztinnenkongreß […]. Wien: 1928.

1930 heirate sie den bekannten Physiologen Ernst Theodor von Brücke (1880-1941), bei dem Helene Wastl (1896-1948) – die erste Frau in Österreich, die sich im Fach Medizin habilitierte – ursprünglich in Innsbruck ausgebildet worden war. Ernst Theodor von Brücke war seit 1916 Ordinarius für Physiologie an der Universität Innsbruck und 1926/27 auch deren Rektor. Nach dem „Anschluss 1938“ sahen sich beide Ehepartner zur Emigration gezwungen. „Ernst von Brücke galt nach den nationalsozialistischen Gesetzten durch seine jüdische Mutter als Halbjude und wurde durch die Eheschließung, vom März 1930, zum Volljuden erklärt und war somit ebenfalls von den antijüdischen Gesetzen betroffen.“[9] Ernst Theodor von Brücke, dessen Venia legendi an der Universität entzogen worden war, entschied sich ein Lehrangebot der Harvard Medical School anzunehmen. Seine Frau folgte ihm im Herbst 1938 in die USA. Dora Brücke-Teleky bekam eine Zulassung als Gynäkologin in Massachusetts, wo sie auch nach dem Tod ihres Mannes bis 1950 in Boston als Ärztin tätig war. Nachdem sie sich zur Ruhe gesetzt hatte kehrte sie wieder nach Europa zurück und ließ sich im Schweizer Kanton Zürich in Stäfa in der Nähe ihrer Schwester nieder, wo sie 1963 verstarb.

„Dora Teleky hatte in mehrfacher Hinsicht eine Vorreiterrolle: Sie war eine der ersten österreichischen Ärztinnen, besuchte regelmäßig nationale und internationale Kongresse, publizierte wissenschaftliche Arbeiten, gilt als erstes weibliches Mitglied der DGfU [Deutschen Gesellschaft für Urologie, Anm.] und der Wiener Urologischen Gesellschaft. Aber auch die Position der Frau als Patientin zu stärken war ihr wichtig. Mit ihren zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten lenkte sie den Blick auf die Behandlung von Frauen in der Urologie. Trotz einschneidenden Veränderungen nach dem Anschluss Österreichs, der erzwungenen Emigration und des plötzlichen Tod ihres Mannes 1941 in Boston, war sie weiterhin als Fachärztin tätig. Dora Telekys Arbeiten in Bereich der Urogynäkologie und ihre Zugehörigkeit zur DGfU als erste Frau sichern ihr bis heute einen festen Platz in der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Urologie und des Faches Urologie selbst.“[10]

Quellen:

Arbeiter Zeitung, Jg. 1914-1931.

Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 31-33.

Frank, Monika: Doctor for women – Dora Teleky’s commitment to gynaeco-urology. In: The journal of urology. (183/4 Supplement) 2010. S. e436.

Figdor, Peter Paul: Ärztinnen in der Urologie Teil 2. Dora Brücke-Teleky (1879-1963). In: Urologik (9/2) 2003. S. 32-33.

1340 Brücke-Teleky, Dora. In: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. Bis 20. Jahrhundert. Hrsg: Österreichische Nationalbibliothek. Band 1. A-I. 1-4541. München: K. G. Saur 2002. S. 178.

[1] Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 31.

[2] Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 31.

[3] Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 32.

[4] Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 32.

[5] Arbeiter Zeitung, 1.4.1914, S. 6.

[6] Arbeiter Zeitung, 23.1.1929, S. 9.

[7] Arbeiter Zeitung, 19.5.1929, S. 16.

[8] Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 32.

[9] Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 33.

[10] Bellmann, Julia: Dora Teleky – Ein frühes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Aktuelle Urologie. (1/43) 2012. S. 33.

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Wieser Guido: Praktikum an der UB MedUni Wien (Okt-Nov. 2018)

Praktikum an der Bibliothek der Medizinischen Universität Wien
Ich führte im Rahmen einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme ein Praktikum vom 15.10. bis 9.11.2018 in der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien durch. Meine Tätigkeiten dort umfassten Adjustierung, Einstellen und Ordnen von Druckmedien sowie Hilfe bei Entlehnung bzw. Rücknahme von Medien.

Erstere Tätigkeit bedeutet, dass die neu erworbenen Bücher bzw. die Diplomarbeiten und Dissertationen eine Kette von Arbeitsschritten durchlaufen, bis sie in einen entlehnfähigen Zustand kommen (Einbau der Diebstahlssicherung, Anbringen von Klebeetiketten mit der Signatur, also dem Ordnungsbegriff, auf der Vorderseite und dem Buchrücken, Überkleben mit einer Schutzfolie). Die übrigen Tätigkeiten sprechen für sich und bedürfen keiner weiteren Erklärung.

Die Arbeitssituation im Praktikum war durchaus mit einer im Berufsleben vergleichbar, jedenfalls war ein Tag im Praktikum in Bezug auf die Anforderungen realistischer und näher am echten Berufsalltag dran als ein Kurstag in einer Rehamaßnahme. Sowohl Pünktlichkeit als auch längere Arbeitszeit stellten für mich nie ein Problem dar.

Ich habe die Arbeit dort durchwegs gerne und mit Zufriedenheit erledigt. Damit meine ich aber nicht nur die Tätigkeit an sich, sondern auch die Tatsache, dass es keine Störfaktoren gab, die mich an der Verrichtung der Arbeit gehindert haben (ständige Besprechungen, Lesen und Beantworten von eMails, Führen von Telefonaten etc.). Wenn man sich ganz der Erfüllung seiner Aufgaben widmen kann, kann man auch ein entsprechend größeres Pensum leisten.

Guido Wieser 

Weitere Berichte über Praktika an der UB Med Uni Wien im Van Swieten Blog:

Blogserie Vertrieben 1938 – UPDATE: Bruno KLEIN (1879-1954), Erich KNAFFL-LENZ (1880-), Robert KÖHLER (1884-1955), Hans KÖNIGSTEIN (1878-), Richard LEDERER (1885-), Heinrich LEHNDORFF (1877-1965), Josef LEHNER (1882-1938), Rudolf LEIDLER (1880-1938), Alfred LEIMDÖRFER (1885-1956), Robert LENK (1885-1966);

UPDATE:

Von März bis bis November 2008 haben wir in der Sonderblog-Serie „Vertrieben 1938“ die 1938 entlassenen Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien vorgestellt und wichtige Informationsquellen zu deren Person bzw. wissenschaftlicher Bedeutung, überwiegend frei zugänglich, zusammengetragen.

Die enorm hohe Nutzung der einzelnen Blogbeiträge in den vergangenen zehn Jahren hat uns bestärkt, im Hinblick auf das aktuelle Gedenkjahr die Beiträge zu aktualisieren und insbesondere Links zu neuen frei verfügbaren Online-Quellen zu ergänzen.
Ab 12. März 2018 werden deshalb in Erinnerung an die von der Medizinischen Fakultät der Universität Wien 1938 vertriebenen Professoren und Dozenten im Van Swieten Blog die Beiträge sowie Links zu weiterführenden Informationsquellen gepostet.

Projekt „Vertrieben 1938 – Biographien entlassener Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien“ im Van Swieten Blog: Informationen der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

Logo: MMag.Margrit Hartl

Sonderblog-Serie Vertrieben 1938 – Biografien entlassener Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien UPDATE

https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=772

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [87]: Mediziner in der Revolution 1848: Nikodem Betkowski

Mediziner in der Revolution 1848: Nikodem Betkowski (1812-1864)

Text: Dr. Walter Mentzel

Nikodem Felicjan Betkowski wurde als Sohn von Johann Betkowski und Franziska Baranowska am 27. September 1812 in Lisia Góra bei Tarnów/Galizien (heute: Polen) geboren. Seine Familie zählte zu den ältesten polnischen Adelsgeschlechtern. Er studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Bochnia/Galizien ab 1832 in Wien Philosophie und Medizin bei Joseph Berres (1796-1844), Joseph von Wattmann (1789-1866), Anton von Rosas (1791-1855) und Carl von Rokitansky (1804-1878) und schloss sich der polnischen Studentenorganisation „Zwiazek pamiatkowo-narodowy“, der 1837 in Galizien gegründeten Untergrundorganisationen „Młoda Sarmacja“ (Junges Sarmatien) und „Stowarzyszenie Polskiej Demokracji“ (Verein der Polnischen Demokraten) an. Wegen seines politischen Engagements wurde er 1836 für vier Monate und danach für weitere fünf Monate inhaftiert.

Während seines Studiums beteiligte er sich als Übersetzer einzelner Artikel in die polnische Sprache für die von Antal Masch (1809-1884) publizierten Arbeit:

Masch, Antal: Polyglotton Medicum, eine Anleitung zur Verständigung des Arztes mit dem Kranken in sechs Sprachen, mit Rücksicht auf die Hauptsprache der Völker des österreichischen Kaiserstaates, Deutsch, Böhmisch, Polnisch, Ungarisch, Italienisch, Französisch, enthaltend: eine systematische Zusammenstellung von Fragen, Antworten und anderen kurzen Aeußerungen nach den Forderungen der Diagnose, Prognose und Therapie. Wien: Druck und Verlag J. P. Sollinger 1839.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-5539]

Abb. 1    Titelblatt: Masch: Polyglotton Medicum […]. Wien: 1839.

Das Studium an der Universität Wien schloss er schließlich 1841 mit der Promotion (25.5.1841)[1] zum Doktor der Medizin und Chirurgie und danach mit dem Magister der Geburtshilfe ab. Thema und Titel seiner Dissertation war:

Betkowski, Nikodem: Historia Medicinae In Inclytis Poloniae Terris, Ab Antiques Temporibus Usque Ad Annum 1622. Dissertatio Inauguralis. Vindobonae: Typis Caroli Ueberreuter 1841.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Historische Dissertations-Bibliothek, Sign.: D-2086]

Das Exemplar in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin enthält auf der Frontispizseite eine Widmung an Dr. Ernest Joseph Schneller: „Collegae aestumatissimo suo/Dri. Schneller, Ernesto Josepho/in perennem sui memoriam/offert Auctor.“ – Joseph von Schneller (1814-1885) war ein Studienkollege von Betkowski. Er promovierte 1840 zum Doktor der Medizin und 1841 zum Doktor der Chirurgie. Ab 1841 war er Mitglied des Wiener Doctoren Collegiums. Von Schneller wurde 1870 in den Obersten Sanitätsrat berufen und gilt als Wegbereiter für den Ausbau eines modernen öffentlichen Gesundheits- bzw. Sanitätswesens.

Abb. 2    Titelblatt: Betkowski: Historia Medicinae In Inclytis Poloniae Terris […]. Wien: 1841.

Nach dem Abschluss seines Studiums kehrte er nach Bochnia zurück, praktizierte zunächst als Arzt und wurde wegen der Verwicklung in einen Hochverratsprozess drei Jahre als politischer Gefangener in Untersuchungshaft festgehalten. Nach seiner Entlassung 1845 übersiedelte er nach Wieliczka/Galizien und arbeitete ab 1846 als Gerichtsmediziner.

Im Revolutionsjahr 1848 war er Mitglied und Abgeordneter des ersten konstituierenden österreichischen Reichstages in Wien und Kremsier,[2] wo er zur Partei der polnischen Föderalisten zählte. Nach der Niederschlagung der Revolution kam es gegen ihn zur Einleitung eines Strafverfahrens, das erst 1853 eingestellt wurde.

Zwischen 1852 und 1853 veröffentlichte er ein Lehrbuch in zwei Teilen über pathologische Anatomie (Patalogiczna Anatomia, Krakau 1852, 1853), die erste in polnischer Sprache verfasste Arbeit in diesem Fach, und übersetze medizinische Texte aus dem Deutschen ins Polnische.

Der Antrag der Medizinischen Fakultät Krakau zur Berufung Betkowski auf den 1850 gegründeten Lehrstuhl der pathologischen Anatomie wurde seitens des Ministeriums in Wien wegen seiner Beteiligung an der Unabhängigkeitsbewegung abgelehnt. Seit 1855 lebte Betkowski in Wieliczka, wo er als Kreisarzt arbeitete.

Betkowski publizierte in der Wiener medizinischen Wochenschrift 1860 und 1862 eine Artikelserie unter dem Titel „Flüchtige medizinische Skizzen aus Galizien“.

Betkowski, Nikodem: Flüchtige medizinische Skizzen aus Galizien: In: Wiener medizinische Wochenschrift. (10 und 12) 1860 und 1862. Sp. 539-540, 644-645, 661-662, 692-694, 756-758,774 und Sp. 187-188, 203-206, 220-222, 237-238.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: Z-10002/10 und 12]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8545052

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8545053

Abb. 3    Betkowski: Flüchtige medizinische Skizzen aus Galizien. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. (10) 1860. Sp. 539-549.

Betkowski war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Warschau, des Doctoren-Kollegiums in Warschau, der gelehrten Gesellschaft in Krakau und der kaiserlichen Gesellschaft der Ärzte in Wilna.[3]

1861 wurde Betkowski für den Wahlkreis Wieliczka zum Abgeordneten für den Galizischen Landtag gewählt, von dem er für das Kronland Galizien zum zweiten Mal in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates delegiert wurde und dem er bis zu seinem Tode als Mitglied angehörte. Betkowski verstarb am 19. Oktober 1864 in Wieliczka in Galizien.

Quellen:

Archiv der Universität Wien, Med. Fak., Dekanat, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Nr. 176-62 (Nikodem Betkowski).

Der Reichsrath. Biographische Skizzen der Mitglieder des Herren- und Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes. (2 Bd.) Wien: 1861-1862.

Slavische Blätter. Illustrierte Zeitschrift für die Gesammtinteressen des Slaventhums (Hrsg. von Abel Luksic). Wien: 1865. S. 30-32

[1] Archiv der Universität Wien, Med. Fak., Dekanat, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Nr. 176-62 (Nikodem Betkowski).

[2] Wiener Zeitung, 20.10.1848, S. 2.

[3] Der Reichsrath. Biographische Skizzen der Mitglieder des Herren- und Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes. (2 Bd.) Wien: 1861-1862.

Alle Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien–>

Blogserie Vertrieben 1938 – UPDATE: Paul LIEBESNY (1881-1962); Ernst LÖWENSTEIN (1878-1950); Alfred LUGER (1886-1938); Felix MANDL (1892-1952); Otto MARBURG (1874-1948); Hans MAUTNER (1886-1963); Karl Moritz MENZEL (1873-1944); Ludwig MOSZKOWICZ (1873-1945); Albert MÜLLER-DEHAM (1881-1971); Max NEUBURGER (1868-1955)

UPDATE:

Von März bis bis November 2008 haben wir in der Sonderblog-Serie „Vertrieben 1938“ die 1938 entlassenen Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien vorgestellt und wichtige Informationsquellen zu deren Person bzw. wissenschaftlicher Bedeutung, überwiegend frei zugänglich, zusammengetragen.

Die enorm hohe Nutzung der einzelnen Blogbeiträge in den vergangenen zehn Jahren hat uns bestärkt, im Hinblick auf das aktuelle Gedenkjahr die Beiträge zu aktualisieren und insbesondere Links zu neuen frei verfügbaren Online-Quellen zu ergänzen.
Ab 12. März 2018 werden deshalb in Erinnerung an die von der Medizinischen Fakultät der Universität Wien 1938 vertriebenen Professoren und Dozenten im Van Swieten Blog die Beiträge sowie Links zu weiterführenden Informationsquellen gepostet.

Projekt „Vertrieben 1938 – Biographien entlassener Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien“ im Van Swieten Blog: Informationen der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

Logo: MMag.Margrit Hartl

Sonderblog-Serie Vertrieben 1938 – Biografien entlassener Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien UPDATE

https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=772

Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien [32]: Verlag Wiley

Open Access-Publizieren ohne Zusatzkosten für AutorInnen der MedUni Wien

Für Wissenschaftler*innen der MedUni Wien besteht die Möglichkeit, als Corresponding Author in ca. 1.300 Zeitschriften des Verlages Wiley ohne zusätzliche Bezahlung von Article Processing Charges (APCs) Open Access zu publizieren.  Mehr Infos–>

Im Van Swieten Blog können Sie  kontinuierlich die Open Access Publikationen von Angehörigen der MedUni Wien nachlesen:

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A novel circuit overrides Adr 1p control during expression of Saccharomyces cerevisiae 2-trans-enoyl-ACP reductase Etr 1p of mitochondrial type 2 fatty acid synthase

Aner Gurvitz

FEMS Microbiol Lett. 2009 Aug; 297(2): 255–260. Published online 2009 Jul 3. doi: 10.1111/j.1574-6968.2009.01688.x

Correction in:

FEMS Microbiol Lett, volume 301 on page 241

PMCID:

PMC2784040

ArticlePubReaderPDF–128KCitation

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Avoiding unscheduled transcription in shared promoters: Saccharomyces cerevisiae Sum1p represses the divergent gene pair SPS18SPS19 through a midsporulation element (MSE)

Aner Gurvitz, Fumi Suomi, Hanspeter Rottensteiner, J Kalervo Hiltunen, Ian W Dawes

FEMS Yeast Res. 2009 Sep; 9(6): 821–831. Published online 2009 Jul 3. doi: 10.1111/j.1567-1364.2009.00527.x

PMCID:

PMC2784042

ArticlePubReaderPDF–197KCitation

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Implementation of pre-seasonal sublingual immunotherapy with a five-grass pollen tablet during optimal dosage assessment

F Horak, S Jaeger, M Worm, M Melac, A Didier

Clin Exp Allergy. 2009 Mar; 39(3): 394–400. doi: 10.1111/j.1365-2222.2008.03153.x

PMCID:

PMC4234008

ArticlePubReaderPDF–558KCitation

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The anti-angiogenic factor PEDF is present in the human heart and is regulated by anoxia in cardiac myocytes and fibroblasts

Kathrin Rychli, Christoph Kaun, Philipp J Hohensinner, Adrian J Dorfner, Stefan Pfaffenberger, Alexander Niessner, Michael Bauer, Wolfgang Dietl, Bruno K Podesser, Gerald Maurer, Kurt Huber, Johann Wojta

J Cell Mol Med. 2010 Jan-Feb; 14(1-2): 198–205. Published online 2009 Feb 27. doi: 10.1111/j.1582-4934.2009.00731.x

PMCID:

PMC2883745

ArticlePubReaderPDF–872KCitation

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The sodium pump α1 sub-unit: a disease progression–related target for metastatic melanoma treatment

Véronique Mathieu, Christine Pirker, Elisabeth Martin de Lassalle, Mathieu Vernier, Tatjana Mijatovic, Nancy DeNeve, Jean-François Gaussin, Mischael Dehoux, Florence Lefranc, Walter Berger, Robert Kiss

J Cell Mol Med. 2009 Sep; 13(9b): 3960–3972. Published online 2009 Feb 20. doi: 10.1111/j.1582-4934.2009.00708.x

PMCID:

PMC4516543

ArticlePubReaderPDF–1.1MCitation

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Human cardiac fibroblasts express B-type natriuretic peptide: fluvastatin ameliorates its up-regulation by interleukin-1α, tumour necrosis factor-α and transforming growth factor-β

Rudolf Jarai, Christoph Kaun, Thomas W Weiss, Walter S Speidl, Kathrin Rychli, Gerald Maurer, Kurt Huber, Johann Wojta

J Cell Mol Med. 2009 Nov-Dec; 13(11-12): 4415–4421. Published online 2009 Feb 18. doi: 10.1111/j.1582-4934.2009.00704.x

PMCID:

PMC4515057

ArticlePubReaderPDF–746KCitation

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Candida albicans cell surface superoxide dismutases degrade host-derived reactive oxygen species to escape innate immune surveillance

Ingrid E Frohner, Christelle Bourgeois, Kristina Yatsyk, Olivia Majer, Karl Kuchler

Mol Microbiol. 2009 Jan; 71(1): 240–252. doi: 10.1111/j.1365-2958.2008.06528.x

PMCID:

PMC2713856

ArticlePubReaderPDF–708KCitation

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Allergen specific responses in cord and adult blood are differentially modulated in the presence of endotoxins

T Eiwegger, E Mayer, S Brix, I Schabussova, E Dehlink, B Bohle, V Barkholt, Z Szépfalusi

Clin Exp Allergy. 2008 Oct; 38(10): 1627–1634. doi: 10.1111/j.1365-2222.2008.03080.x

PMCID:

PMC2610394

ArticlePubReaderPDF–221KCitation

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Estimating the efficiency of benzodiazepines on GABAA receptors comprising γ1 or γ2 subunits

I Baburin, S Khom, E Timin, A Hohaus, W Sieghart, S Hering

Br J Pharmacol. 2008 Oct; 155(3): 424–433. Published online 2008 Jul 7. doi: 10.1038/bjp.2008.271

PMCID:

PMC2451336

ArticlePubReaderPDF–242KCitation

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GTRAP3-18 serves as a negative regulator of Rab1 in protein transport and neuronal differentiation

S Maier, V Reiterer, A M Ruggiero, J D Rothstein, S Thomas, R Dahm, H H Sitte, H Farhan

J Cell Mol Med. 2009 Jan; 13(1): 114–124. Published online 2008 Mar 17. doi: 10.1111/j.1582-4934.2008.00303.x

PMCID:

PMC3823040

ArticlePubReaderPDF–16MCitation

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Iron overload in myelodysplastic syndromes (MDS) – diagnosis, management, and response criteria: a proposal of the Austrian MDS platform

P Valent, O Krieger, R Stauder, F Wimazal, T Nösslinger, W R Sperr, H Sill, P Bettelheim, M Pfeilstöcker

Eur J Clin Invest. 2008 Mar; 38(3): 143–149. doi: 10.1111/j.1365-2362.2007.01915.x

PMCID:

PMC2438601

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Biomarker candidates for cardiovascular disease and bone metabolism disorders in chronic kidney disease: a systems biology perspective

Paul Perco, Julia Wilflingseder, Andreas Bernthaler, Martin Wiesinger, Michael Rudnicki, Barbara Wimmer, Bernd Mayer, Rainer Oberbauer

J Cell Mol Med. 2008 Aug; 12(4): 1177–1187. Published online 2008 Feb 8. doi: 10.1111/j.1582-4934.2008.00280.x

PMCID:

PMC3865659

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Review article: systemic treatment of hepatocellular carcinoma

Matthias Pinter, Markus Peck‐Radosavljevic

Aliment Pharmacol Ther. 2018 Sep; 48(6): 598–609. Published online 2018 Jul 23. doi: 10.1111/apt.14913

PMCID:

PMC6120553

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Coping behavior in multiple sclerosis—complementary and alternative medicine: A cross‐sectional study

Paulus S Rommer, Nicolaus König, Annett Sühnel, Uwe K Zettl

CNS Neurosci Ther. 2018 Sep; 24(9): 784–789. Published online 2018 Apr 10. doi: 10.1111/cns.12857

PMCID:

PMC6120478

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Blogserie Vertrieben 1938 – UPDATE: Bruno KLEIN (1879-1954), Erich KNAFFL-LENZ (1880-), Robert KÖHLER (1884-1955), Hans KÖNIGSTEIN (1878-), Richard LEDERER (1885-), Heinrich LEHNDORFF (1877-1965), Josef LEHNER (1882-1938), Rudolf LEIDLER (1880-1938), Alfred LEIMDÖRFER (1885-1956), Robert LENK (1885-1966);

UPDATE:

Von März bis bis November 2008 haben wir in der Sonderblog-Serie „Vertrieben 1938“ die 1938 entlassenen Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien vorgestellt und wichtige Informationsquellen zu deren Person bzw. wissenschaftlicher Bedeutung, überwiegend frei zugänglich, zusammengetragen.

Die enorm hohe Nutzung der einzelnen Blogbeiträge in den vergangenen zehn Jahren hat uns bestärkt, im Hinblick auf das aktuelle Gedenkjahr die Beiträge zu aktualisieren und insbesondere Links zu neuen frei verfügbaren Online-Quellen zu ergänzen.
Ab 12. März 2018 werden deshalb in Erinnerung an die von der Medizinischen Fakultät der Universität Wien 1938 vertriebenen Professoren und Dozenten im Van Swieten Blog die Beiträge sowie Links zu weiterführenden Informationsquellen gepostet.

Projekt „Vertrieben 1938 – Biographien entlassener Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien“ im Van Swieten Blog: Informationen der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

Logo: MMag.Margrit Hartl

Sonderblog-Serie Vertrieben 1938 – Biografien entlassener Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien UPDATE

https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=772

Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Blaue Schrift im Blau–Skotom

Blaue Schrift im Blau–Skotom

Concept Ophthalmologie 9/2018

Peter Heilig

„ . .war mit blaßblauer Tinte beschriftet gewesen“.

                                                Franz Werfel: Eine blassblaue Frauenschrift

Das Zentrum humaner Foveae ist „blaublind“ – tritanop (König 1894), denn S-cones fehlen im Bereich der Foveola. Dieses gewissermaßen physiologische Blauskotom bleibt unter üblichen Bedingungen unentdeckt, es sei denn, der zentrale blinde Fleck im Band des sichtbaren kurzwelligen Spektrums lässt sich im Rahmen sinnesphysiologischer Experimente – als negatives Nachbild z.B. – visualisieren.

Dicht gepackte M- und L-Zapfen in der Foveola ermöglichen optimierte zentrale Sehschärfe; der kurzwellige Bereich ist jedoch ausgeklammert, denn .. „blaue Zapfen liefern keinen wesentlichen Beitrag zu Sehschärfe oder Formensehen“ (Brindley 1954). Gelbes Licht reduziert chromatische Aberration („blue blur“) und verbessert Visus centralis sowie Kontrastsehen.

Andererseits dominieren immer helleres, meist kurzwelliges Kunstlicht (blue enriched white light), grell-blaustichige Monitore, Tablets, ‚Smart’phones, Scheinwerfer, Tagfahrlichter etc. die Szene und verursachen Schäden, nicht nur reversible. Als Krönung setzen die Bürger von Schilda blaue Schrift überall dort ein, wo sie meinen besonders Wichtiges und Bedeutungsvolles mitzuteilen zu müssen – als blaue Schrift im Blau-Skotom.

Dunkler Hintergrund – mit heller Schrift – reduziert integrale Helligkeit, verringert Blendung und verzögert Irritationen und Augenreizungen („Office Eye Syndrome“ etc.). Die Lichtbelastung der Netzhaut sinkt deutlich – cave temporale Summation potentiell phototoxischer Effekte. „Wenn schwarzer Text auf weißem Hintergrund gelesen wird, reduziert dies nach einer Stunde die Dicke der Chorioidea um 16 μm; beim Lesen weißen Textes auf schwarzem Hintergrund hingegen nimmt die Aderhautdicke um 10 μm zu.“ (OCT- Untersuchungen junger Probanden) Nicht nur beim Menschen, auch in Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass dünnere Chorioidea Myopie-Entwicklung begünstigt, während dickere Aderhaut dies verhindert: „black text on white paper heavily overstimulated retinal OFF pathways.“

Chronic fatigue syndrome (CFS) wurde in Zusammenhang mit dem trockenen Auge gebracht, ohne dass eine plausible Erklärung gefunden werden konnte. Möglicherweise simuliert reduzierter praecornealer Tränenfilm das Symptom allabendlicher Müdigkeit – ‚die Augen wollen mir zufallen‘.

Bei reduzierter Sehleistung wird meist dunkler Hintergrund mit heller Schrift vorgezogen. Unsensibel und unmotiviert verwendete blaue Schrift erweist nicht nur Patienten mit Augenproblemen einen Bärendienst. Blaue Schrift ist obsolet – und:

Dunkler Hintergrund auf allen Monitoren, auch auf ‚Smart’phone-Displays wird zum Gebot der Stunde.

Lit.

Aleman AC et al (2018) Reading and Myopia: Contrast Polarity Matters. Scientific Reportsvolume 8, Article number: 10840

König A (1894). Über den menschlichen Sehpurpur und seine Bedeutung für das Sehen.

Sitzungsberichte der Preussischen Akademie der Wissenschaften, 30, 577–598.

Wald, G. (1967). Blue-blindness in the normal fovea. Journal of the Optical Society of America, 57, 1289–1303.

Williams, D. R., MacLeod, D. I. A., & Hayhoe,M.M. (1981a). Foveal tritanopia. Vision Research, 21, 1341–1356.

Chen Y et al (2015) Size of the foveal blue scotoma related to the shape of the foveal pit but not to macular pigment. Vision Res;106:81-9. .

Rieger G. Improvement of contrast sensitivity with yellow filter glasses. Can J Ophthalmol. 1992;27(3):137-8.

Heilig P (2015) Prophylaxe durch Lichthygiene. Concept Ophthalmologie 02/2015: 16-17

Heilig P (2018) Myopie und die Müller’sche Stützzelle. Concept Ophthalmologie 6/2018: 30-31

Chen CS et al (2018) Dry eye syndrome and the subsequent risk of chronic fatigue syndrome-a prospective population-based study in Taiwan. Oncotarget. 17;9(55):30694-30703.

Morgan IG et al (2018) The epidemics of myopia: Aetiology and prevention. Progress in Retinal and Eye Research 62 134-149

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