Schlagwort-Archiv: Chirurgie

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [37]: Preindlsberger, Josef – Gynäkologe, Chirurg, Vorstand des bosnisch-herzegowinischen Landesspitals in Sarajewo

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 22.07.2025

Keywords: Gynäkologe, Chirurg, Landesspital Sarajewo, Medizingeschichte, Bosnien-Herzegowina, Sarajewo, Wien

Joseph Preindlsberger wurde am 6. März 1863 als Sohn des Kaufmannes und Firmenchefs Josef Preindlsberger und Johanna Preindlsberger, geboren Koch, in Wien geboren. 1881 begann er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien mit dem Studium der Medizin, das er am 12. März 1887 mit seiner Promotion abschloss. 1896 heiratete er in Sarajewo die Journalistin, Komponistin und Schriftstellerin Milena Mrazović (1863-1927).

Nach seiner Promotion absolvierte er seinen Militärdienst im Garnisons-Spital Nr. 1 in Wien[1] und begann seine Ausbildung zum Gynäkologen bei Carl von Braun-Fernwald (1822-1891) an der Gynäkologischen Klinik und danach bis 1893 als Assistent von Professor Josef Weinlechner (1829-1906) an der I. Chirurgischen und Gynäkologischen Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus in Wien.

Bosnisch-herzegowinisches Landesspital (Allgemeines Krankenhaus) Sarajewo

Nach der Eröffnung des „Allgemeinen Krankenhauses in Sarajewo“ im Herbst 1893 kam es zu einer Reihe von Besetzungen ärztlicher Funktionen durch Wiener Mediziner, darunter wurde Josef Preindlsberger zum Vorstand und Primarius der chirurgischen Abteilung ernannt.[2] Über seine Tätigkeit in den ersten Jahren am Landesspital finden sich Hinweise in den Mitteilungen aus der chirurgischen Abteilung des bosnisch-hercegovinischen Landespitals in Sarajevo für die Jahre 1894-1896, 1897-1900 sowie in den von Otto von Weiss (1857-1901) herausgegebenen und von Preindlsberger geordneten und ergänzten „Mittheilungen aus der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung des Bosnisch-Hercegovinischen Landesspitals in Sarajevo für die Jahre 1897-1900“.

Seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte er vor allem in medizinischen Fachzeitschriften wie „Internationale klinische Rundschau“, „Wiener medizinischen Wochenschrift“, „Wiener klinischen Wochenschrift“, „Wiener medizinischen Presse“ und in der „Wiener klinischen Rundschau“. Sie befinden sich heute in der Separata-Sammlung an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin. Preindlsberger wurde zum Landessanitätsrat ernannt, 1909 erfolgte seine Ernennung zum Regierungsrat.[3] Von ihm stammt auch die Abhandlung zur „Volksmedizin“ Bosnien-Herzegovinas, die unter dem Titel Beiträge zur Volksmedizin in Bosnien, in den Wissenschaftlichen Mittelungen aus Bosnien und der Herzegowina (H. 8, 1902, S. 215-229) erschien.

Am Ersten Weltkrieg nahm Josef Preindlsberger als Militärarzt teil. Im November 1914 wurde er zum Oberstabsarzt ernannt[4] und leitete in dieser Funktion ein chirurgisches Operationsteam an der Balkanfront in Serbien (Valjevo), Montenegro, Mazedonien und in Albanien. Ab 1916 war er an der Isonzo-Front in Italien tätig, wo er der mobilen Chirurgengruppe zugeteilt war[5] und danach beim Militärkommando Sarajewo. Ebenfalls 1916 erhielt er das Offizierskreuz des Franz Joseph-Ordens mit dem Bande des Militärverdienstkreuzes,[6] und im Februar 1918 bekam er vom Kaiser Franz Joseph den österreichischen Adelstand verliehen.[7]

1919 kehrte er mit seiner Ehefrau Milena, nachdem sie vom neuen SHS-Staat (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) aus Bosnien abgeschoben worden waren, nach Wien zurück. Josef Preindlsberger arbeitete seither als Facharzt für Chirurgie und fungierte in den 1920er Jahren als Vorsitzender des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums. Preindlsberger war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.

Preindlsberger starb am 13. Dezember 1938 in Wien. Sein Nachlass befindet sich heute im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv.

Quellen:

UAW, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-294a, Preindlsberger Josef (Rigorosum Datum: 1884).

UAW, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-1958, Preindlsberger Josef (Promotion Datum: 12.3.1887).

Dzambo Jozo: Milena Preindlsberger-Mrazović – eine Publizistin zwischen Folklore und Modernität, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.), „Wir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen …“. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie – der südslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 173-214.

Fuchs Brigitte: „Ärztinnen für Frauen“. Eine feministische Kampagne zwischen Wien, Prag und Sarajewo, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.): „Wir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen …“. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie – der südslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 94-127.

Lindemann Kristina: Explaining Bosnia – Milena Preindlsberger-Mrazović, and Austria’s own ‘Orient’, in: Zimmermann Tanja, Jakir Aleksandar (Hg.): Europe and the Balkans. Decades of „Europeanization“? Würzburg: 2015. S. 161-170.

Literatur:

Preindlsberger, Josef: Mitteilungen aus der chirurgischen Abteilung des bosnisch-herzegovinischen Landesspitales in Sarajevo für die Jahre 1894-1896, 1897-1900. Sonderdruck aus: Jahrbuch des bosnisch-hercegovinischen Landesspitals in Sarajevo. Wien: 1897/1900, Sarajevo: 1897-1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 8766]

Weiss, Otto von: Mittheilunen aus der geburtshilflich-gynäkologischen Abtheilung des Bosn.-Herceg. Landesspitales in Sarajevo für die Jahre 1897-1900. Geordnet und ergänzt von Josef Preindlsberger. Sonderdruck aus: Jahrbuch des bosnisch-hercegovinischen Landesspitals in Sarajevo. Sarajewo: Landesdruckerei 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 8669]

[1] Neue Freie Presse, 7.5.1887, S. 3.

[2] Internationale klinische Rundschau, 6.8.1893, S. 1220.

[3] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 20.7.1909, S. 327.

[4] Der Militärarzt, 13.11.1914, S. 518.

[5] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 2.12.1914, S. 11.

[6] Wiener Zeitung, 18.4.1916, S. 3.

[7] Bosnische Zeitung, 28.2.1918, S. 4.

Normdaten (Person): Preindlsberger, Josef : BBL: ; GND:

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  28074 (22.07.2025)
URL: https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=28074

Letzte Aktualisierung: 2025.07.220

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„1. Weltkrieg & Medizin“ [38]: Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918, Teil 2

Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918     Teil 2

Sein Schreiben blieb unbeantwortet. Daraufhin bot er seine Dienste dem preussischen Kriegsministerium an, das ihn im April 1915 anstellte. Poller schilderte den Sachverhalt im Mai 1917 folgendermaßen:

„Ich wurde im April des Jahres 1915 an die Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen nach Berlin berufen und auf Grund eines Vertrages mit dem preussischen Kriegsministerium, der mich mindestens bis Kriegsende verpflichtet, beauftragt, eine Sammlung von Kriegsmoulagen zu schaffen. Selbstverständlich folgte ich diesem Rufe erst, nachdem es nicht gelungen war, in Wien eine Verwirklichung dieses Gedankens zu ermöglichen. Schon im August 1914 reichte ich nämlich bei der Medizinalabteilung des K. u. K. Kriegsministeriums einen ausführlich begründeten schriftlichen Antrag in diesem Sinne ein, auf den eine Antwort bis jetzt nicht erfolgt ist und der daher wohl noch im dortigen Aktenbestand vorfindlich sein dürfte. Im Laufe des Herbstes 1914 sprach ich verschiedentlich persönlich bei den massgebenden Herren vor und fand auch vielfach Beifall und Zustimmung, es kam jedoch zu keinem praktischen Ergebnis. Die Zeit drängte, da man ja nicht wissen konnte, wie lange der Krieg dauern würde und so entschloß ich mich, dem rasch erfolgenden und günstigen Angebote Berlins Folge zu leisten. Zugleich mit mir wurde meine Frau als meine bezahlte Assistentin in Vertrag genommen. Seither wurde das Unternehmen in Berlin mit grosser Munifizienz [=Freigebigkeit] und von allen sonst in Betracht kommenden Stellen tatkräftig gefördert. Ich arbeitete zunächst 3 Monate in Berlin. Dann schickte mich die Akademie nach dem östlichen Kriegsschauplatze mit dem Standquartier in Königsberg, wo ich wieder ein kostspieliges Laboratorium einrichten durfte und von wo aus Reisen weiter nach dem Osten unternommen wurden. Dort blieb ich 11 Monate. Im Sommer 1916 hatte ich Auftrag eine Auswahl der im Osten geschaffenen Präparate in Berlin dem Chef des Feldsanitätswesens, Sr. Exzellenz von SCHJERNING und dem wissenschaftlichen Senate des Kriegsministeriums zu demonstrieren. Das gesamte Material wurde in eigenem Transport nach Berlin überführt. Sodann wurde das Laboratorium nach Frankfurt und im Herbste 1916 über Coblenz und Cöln nach Aachen dirigiert mit dem Auftrage, hier ein Standquartier zu errichten, und von hier aus Exkursionen nach dem Operationsgebiete zu unternehmen. Es gelang mir seit Beginn der Arbeit ungefähr 200 Modelle zu schaffen und dank der opferwilligen Förderung von seiten der Kaiser-Wilhelms-Akademie ganz neue Methoden der Darstellung auszuarbeiten.“

Erst im Jahr 1917 wurde das k. u. k. Kriegsministerium in Wien auf Alphons Poller aufmerksam und es beabsichtigte ihn „aufgrund einer Zuschrift des AOK [https://de.wikipedia.org/wiki/Armeeoberkommando_(%C3%96sterreich-Ungarn)] für die Erstellung von Moulagen heranzuziehen, die eine wertvolle Ergänzung der kriegspathologischen Sammlung des Militärsanitätskomitees [=Hilfsorgan des österreichisch-ungarischen Kriegsministeriums, bestehend aus 8–12 aktiven Militärärzten unter Vorsitz eines Generalstabsarztes in Wien, zur Prüfung und Beratung wissenschaftlicher und technischer Angelegenheiten des Militärsanitätsdienstes] in Wien bilden sollten.“

Die Bemühungen des k. u. k. Kriegsministeriums, Alphons Poller nach Österreich zu holen, hatten jedoch erst im Frühjahr 1918 Erfolg, als das preussische Kriegsministerium den Vertrag mit 1. April 1918 gekündigt hatte. Eine Mitarbeit an der „kriegspathologischen Sammlung“ in Österreich erfolgte jedoch nicht mehr, da Poller zu diesem Zeitpunkt schon in Verhandlungen mit der Universität Wien um die Nachfolge des Anfang Juni 1917 verstorbenen Leiters des Universitäts-Moulagen-Instituts ,Dr. Karl HENNING, stand.

Nach dem Ende des Krieges, im April 1919, wurde er schließlich zum Leiter dieses Instituts bestellt. Gleichzeitig mit seiner Ernennung erhielt es die Bezeichnung „Institut für Darstellende Medizin“.

Lesen Sie bitte einige Artikel zu Alphons Poller in der österreichischen Tagespresse:

Zu seiner Hochschulzeit

9. Juli 1912 – Hochschulnachrichten

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dvb&datum=19120709&seite=5&zoom=33&query=%22alfons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zum Ehrenbeleidigungsprozess Pollers gegen Theodor Henning, den Sohn Karl Hennings

31. Oktober 1926 – Ein wissenschaftlicher Ehrenbeleidigungsprozess

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19261031&seite=14&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

3. Oktober 1928

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19281003&seite=8&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

14.Dezember 1928 – Erklärung

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19281214&seite=9&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zu seiner Tätigkeit bei der Polizei

30. November 1926 – Rund um die Wiener Polizei – Erkennungsamt

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19261130&seite=6&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

30. Dezember 1926 – Die Ausstellung der Wiener Polizei

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19261230&seite=4&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

12. Juni 1927 – Das Abformlaboratorium der Wiener Polizei

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=oiz&datum=19270612&seite=6&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

5. Juni 1929 – Photographie im Raum

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19290605&seite=5&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

29. August 1929 – Das Pollersche Moulageverfahren

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dib&datum=19290829&seite=5&zoom=33&query=%22negocoll%22&provider=P03&ref=anno-search

17. Oktober 1930 – Im Moulage-Kabinett der Polizei

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=iwp&datum=19301017&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zu seinem Tod

5. September 1930 – Tod eines Erfinders

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dkb&datum=19300905&seite=3&zoom=33&query=%22alfons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

5. September 1930 – Selbstmord eines Wiener Arztes und Erfinders

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19300905&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

5. September 1930 – Selbstmord eines Wiener Arztes

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19300905&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

6. September 1930 – Dozent Dr. Alfons Poller

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19300906&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

7. September 1930 – Das Poller-Verfahren

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19300907&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

8. September 1930 – Der Freitod eines Gelehrten

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wsz&datum=19300908&seite=5&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

Zur „Pollerschen Methode“

8. Mai 1942 – Menschen, Masken und Schicksale

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwt&datum=19420508&seite=4&zoom=33&query=%22alfons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

22.Juli 1944 – Wenn der Augenblick erstarrt – Porträtplastiken helfen derTheaterwissenschaft

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19440722&seite=3&zoom=33&query=%22dr%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

27. August 2012 – „Pollern“

http://www.springermedizin.at/artikel/30101-pollern

„Poller-Werkstatt“ – Inserate in Zeitungen und Zeitschriften

1. Juni 1932 – Plastische Photographie

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aaz&datum=19320601&seite=36&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

1. Oktober 1932

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aaz&datum=19321001&seite=44&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

4. November 1932

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=raw&datum=19321104&seite=59&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

4. Dezember 1938

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19381204&seite=43&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

13. Dezember 1938

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19381213&seite=22&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

Sein Mitarbeiter, der Bildhauer Max[imilian] BLAHA

23. April 1932 – Die Aufbahrung Kardinal Piffl

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19320423&seite=5&zoom=33&query=%22poller-werkstatt%22&provider=P03&ref=anno-search

Ausgewählte Artikel von Alphons Poller in der Tagespresse

27. September 1918 – Unsere Propaganda – gegen uns

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19180927&seite=7&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P02&ref=anno-search

11.Dezember 1918 – Richterstuhl oder Rachetribunal

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19181211&seite=1&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P02&ref=anno-search

18. Oktober 1919 – Republik oder Monarchie?

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wwb&datum=19191018&seite=1&zoom=33&query=%22alphons%2Bpoller%22&provider=P03&ref=anno-search

 

Zur Geschichte der Moulagenbildnerei beachten Sie bitte: Internationale Tagung „Naturgetreue Objekte“? am 4. und 5. März 2016 im Medizinhistorischen Museum Hamburg

https://www.uke.de/dateien/institute/geschichte-und-ethik-der-medizin/medizinhistorisches-museum/pdf/tagungsflyer-naturgetreue-objekte-web.pdf

Text:  Dr. Reinhard Mundschütz

“1. Weltkrieg & Medizin” –>alle Beiträge

„1. Weltkrieg & Medizin“ [37]: Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918, Teil 1

Der Arzt als „Moulageur“ – Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918     Teil 1

„Moulagen sind“ – nach Alphons Poller in einem Schreiben aus dem Jahre 1914 – „ vollständig naturgetreue Nachbildungen von – (erkrankten menschlichen) – Körperteilen in einer wachsähnlichen Masse, so dass sie von der Wirklichkeit kaum unterschieden werden können. Sie unterscheiden sich von sog. „Wachspräparaten“ dadurch, dass die Modelle nicht frei gebildet werden, sondern eine restlose Wiedergabe selbst der minutiösesten Details – z. B. der Poren der Haut – des Vorbildes sind und dass die Gussmasse keine Wachs-, sondern eben eine eigene Moulagemasse von sehr großer Härte und Widerstandsfähigkeit ist, die mit dem Fingernagel längst nicht mehr geritzt werden kann.

Die Universitäten, und vor allem die Wiener medizinische Fakultät machen von diesem ausgezeichneten Lehrbehelf den ausgedehntesten Gebrauch. Die Kliniken besitzen große wertvolle Moulage-Sammlungen aus dem Atelier eines eigenen Universitäts-Moulagen-Instituts unter Leitung des Dr. Henning [https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Karl_Henning].“

Zur Geschichte der Moulagenherstellung in Wien lesen Sie bitte:

http://www.springermedizin.at/artikel/5667-krankheitsbilder-aus-wachs-altes-medizinisches-wien-100

Alphons (Alfons) Poller selbst lieferte im Jahr 1929 in einer Mitteilung an den Herausgeber des Jahrbuchs der Wiener Gesellschaft zahlreiche autobiografische Details und zwar:

„Arzt, Schriftsteller, wurde am 31. August 1879 in Trautenau im Riesengebirge [https://de.wikipedia.org/wiki/Trutnov] geboren. Zunächst für die militärische Laufbahn bestimmt, besuchte er die Realschule und dann die [Infanterie-]Kadettenschule in Triest [1875-1907], von der er 1898 als Kadetten-Offizier-Stellvertreter ausgemustert wurde. Schon im folgenden Jahre superarbitriert [= für dienstuntauglich erklärt], machte er dann die Gymnasialmatura in Brünn und studierte danach an der Wiener Universität Philosophie und Medizin. Gleichzeitig betrieb er künstlerische Studien als Maler und Bildhauer. Während seiner Studienzeit betätigte er sich zwei Jahre als Lektor an der Wiener Urania und ein Jahr als technischer Assistent des Röntgenlaboratoriums Professor Holzknechts. [https://de.wikipedia.org/wiki/Guido_Holzknecht] Nach seiner 1914 erfolgten Promotion [er promovierte an der Universität Wien am 19. Dezember 1914] zum Dr. med. erhielt er anfangs 1915 eine Berufung vom preußischen Kriegsministerium an die Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin, wo er dann als Vorstand des Moulagen-Laboratoriums der K.-W.-A. in Berlin, Königsberg und Aachen tätig war. 1918 erfolgte seine Berufung an die medizinische Fakultät der Universität Wien als Vorstand des Universitätsinstituts für darstellende Medizin mit Lehrauftrag des Unterrichtsministeriums. Diese Stellung legte er im Jahre 1925 nieder. In der Zwischenzeit war er bis 1921 auch Herausgeber und Schriftleiter der „Deutschen Stimmen“. In den Jahren 1925 und 1926 hielt er sich in London, Paris und Zürich wegen Einrichtung der Fabrikation für seine Erfindungen, der zahnärztlichen Abform-Masse „Dentocoll“, ferner „Negocoll“, „Hominit“, „Ceberit“ (= Celerit) usw. auf. Seit 1926 ist er fachtechnischer Konsulent der Abformabteilung des Erkennungsamtes der Polizeidirektion Wien. Dr. A. Poller hat auch ein Buch über „Das Abformen am lebenden und toten Menschen“ [http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/card.jsp?id=11897370&pos=18&phys=] geschrieben und sich als Mitarbeiter von in- und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften betätigt. Seit 1928 ist er wissenschaftlicher Vertreter und Verwaltungsrat der Apotela A.G. in Zürich. – Seine Gattin Eugenia, geb. Coffee-Brown aus Hawkinsville in USA, ist als Konzertsängerin im Jahre 1910 zur weiteren Ausbildung nach Europa gekommen. Hier hat sie sich mit Dr. A. Poller verheiratet. Die an Kindesstatt angenommene Ziehtochter Lilly, geb. Fetscher, stammt aus Württemberg – Wohnung: XVIII, Währinger Strasse Nr. 115. – Tel. A-21-505“

Noch als Medizinstudent bot Alphons Poller seine Dienste bereits Ende  August 1914 – also 4 Wochen nach Ausbruch des Krieges – dem k. u. k. Kriegsministerium in Wien an, indem er folgendes in einem Brief schrieb:

„Ich erlaube mir meine Dienste für Anfertigung von Moulagen kriegschirurgischer Natur anzubieten.

Ich bin Mediziner im 11. Semester, habe im vorigen Semester das Absolutorium erhalten und das ganze 2. Rigorosum abgelegt. Wenn die Kriegsereignisse es zulassen, beabsichtige ich im Herbste zu promovieren.

Ich wurde vor 3 Jahren zum Demonstrator des Universität-Moulagen-Ateliers bestellt und daher bin ich mit dem einschlägigen Verfahren vollkommen vertraut. In jüngster Zeit habe ich einen Auftrag auf Herstellung einer Anzahl von Moulagen für die Hebammenanstalt in ZARA (unter Leitung des Herrn Professors STERMICH (Oberarzt Dr. Anton Ritter von Stermich (1863-1920), Professor der Geburtshilfe an der Hebammenlehranstalt in Zara [https://de.wikipedia.org/wiki/Zadar]) nach Modellen der geburtshilflichen Klinik des Herrn Regierungsrates Professors Piskaček   [https://en.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Piska%C3%A7ek] erhalten. Ich habe dies zum Anlasse genommen, eingehende Versuche und Studien zur Auffindung einer eigenen, bedeutend verbesserten Positiv-Moulagemasse zu machen.

Diese Arbeiten haben das Ergebnis, daß die jetzt von mir verwendete Masse einen viel höheren Schmelzpunkt als die Dr. Hennings aufweist, so daß sie nicht wie seine Präparate bei längerem Liegen an der Sonne zulaufen können. Sie sind auch gegen viel höhere Temperaturen vollkommen resistent. Auch die Härte ist größer.

Über meine Person wird gewiß gerne der Präsident des obersten Sanitätsrates, Herrenhausmitglied, Herr Hofrat Professor Dr. Ernst LUDWIG [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=oij&datum=19151115&seite=2&zoom=33&query=%22ernst%2Bludwig%22&provider=P02&ref=anno-search] , XIX Billrothstrasse 72, der mich persönlich sehr gut kennt, bereitwilligst Auskunft geben.

Ich bin selbstverständlich bereit bei einer beliebig zu bestimmenden Gelegenheit Proben meines Könnens abzulegen und die Arbeiten einer fachkritischen Beurteilung unterziehen zu lassen.

Ich glaube, daß in den Kriegslazaretten eine große Zahl höchst interessanter Krankheitsbilder, Verletzungen u.s.w. zu sehen sein wird, die später – eben weil der Krieg eine seltene Erscheinung ist – nie wieder den Augen des Studierenden zur Vorführung gebracht werden können.

Während dem Studenten selbst seltene Fälle aus der allgemeinen menschlichen Pathologie an großen Universitäten dennoch sehr oft gezeigt werden können, befindet sich der Militärarzt gerade auf einem für ihn sehr wichtigen Gebiete, der Kriegschirurgie, in keiner so glücklichen Lage. Auf diesem Gebiete fehlt ihm beinahe jede unmittelbare Anschauung. Eine möglichst große Zahl guter Moulagen, also vollständig naturgetreuer plastischer Nachbildungen aus diesem größten Kriege aller Zeiten müßte meines Erachtens eine höchst wertvolle Sammlung für das Studium aller künftigen Militärärzte bilden. Da die Originale beliebig oft copiert werden können, so könnten alle größeren Garnisonspitäler mit einer ausgewählten Sammlung dieser Moulagen beteilt werden. Ebenso könnte die Heeresverwaltung diese ausgezeichneten Studienbehelfe an fremde Staaten zu Unterrichtszwecken verkaufen.

Barbarische Verstümmlungen, Wirkungen von Dum-Dum-Geschossen etc. können (als actenmässige Belege gewissermassen) in einwandfreier Naturtreue für ewige Zeiten dargestellt werden.

Schließlich wäre eine solche Sammlung für die Nachkommen eine unersetzlich wertvolle Erinnerung, ein historisches Dokument allerersten Ranges.

Die Aufnahmen würden einerseits an lebenden Verletzten, anderseits an Leichen stattfinden. Die Leiche ist natürlich das günstigste Object, weil alle Rücksichten auf Schmerzen, Infektion etc. wegfallen. Diese werden daher tunlichst als Modelle zu verwenden sein. Eventuell auch pathologisch-anatomische Präparate.

Die Verletzten müssten möglichst rasch nach der Verwundung zur Aufnahme gelangen, wenigstens in den Fällen, in denen sich nicht erst im Stadium der Nachbehandlung interessante Bilder ergeben.

Aus beiden folgt, dass die Moulagen im Allgemeinen möglichst nahe der Schlachtlinie gemacht werden müssten, weil nur dort sich wenig veränderte Bilder zeigen werden.

Andererseits aber natürlich erfordert die künstlerische Arbeit des Moulierens einen gewissen Grad der Ruhe und Ungestörtheit und Voraussetzungen hinsichtlich der Arbeitsstätte etc.

Man würde also das richtige Mittel wählen müssen. Nahe genug der Front, um günstige frische Fälle zu bekommen und weit genug hinten, um ungestört arbeiten zu können.

Vom chirurgischen Standpunkt kann, bei Beachtung aller Kautelen der Aseptik, selbst das Moulieren frischer Verwundungen als unbedenklich bezeichnet werden. Die Negativ-Abgussmasse ist nämlich im Wesentlichen eine Leimmasse, die – wenn nur durch eine geeignete Kochvorrichtung die Wasserverdampfung hintangehalten wird – auch 24 Stunden und länger vor dem Gebrauche ununterbrochen gekocht werden und daher vollständig keimfrei gemacht werden kann.

Sonst aber kommt mit dem Patienten nichts in directe Berührung. Die Leimmasse wird 1 bis 2 Grade über der normalen Körpertemperatur erwärmt appliziert, enthält absolut keinerlei reizende Substanzen und ist nach dem Erstarren vollkommen weich und nachgiebig, klebt auch nicht im Geringsten, so dass Schmerzen, Verklebung etc. vollkommen ausgeschlossen sind. Die Applikation wird von Patienten im Gegenteile stets als eine milde, schmerzstillende Einhüllung empfunden. Ein Rasieren der Haare ist nicht notwendig, da ein Verkleben ausgeschlossen. Auch überhängende Ränder werden hindernislos ausmodelliert.

Selbstverständlich müsste alles zur Verwendung kommende Material (Gaze, Watte etc.) steril sein und ebenso selbstverständlich müsste ich und mein Assistent beim Abformen des Negativs am Patienten nach allen Regeln moderner Aseptik und Antiseptik angehen, uns also an die für Operationen geltenden Vorschriften der Reinigung etc. halten.

Da ich sowohl die Zusammensetzung der Massen als auch das Verfahren nicht preisgeben kann, würde ich als Assistenten nur meine Frau beiziehen, die von mir sowohl in den technischen Teil vollkommen eingeweiht, als auch mit den medizinischen Erfordernissen vertraut gemacht ist.

Die einfachsten Bedingungen würden sich wohl ergeben, wenn ich einem großen Spitale möglichst nahe dem Kriegsschauplatze zugeteilt würde. Ein genügend großes Zimmer könnte dann als Atelier

und Material-Magazin, eventuell auch als Schlafraum dienen. Sollte zur Aufstellung zweier Betten kein Platz sein, so ließe sich wohl privat eine ständige Nächtigungsstation finden. In diesem Falle würde ich Quartiergeld beanspruchen.

Sollte das Moulage-Atelier aber als ambulante Station gedacht sein, so müßten entweder zwei entsprechend geräumige Wagen (Automobile) beigestellt werden, von denen der eine als Arbeitsstätte, der andere als Materialdepot und Schlafstelle Verwendung fände oder man würde die Dislokationsfähigkeit auf Eisenbahnlinien beschränken, in welchem Falle, wie ich glaube, ein Eisenbahnwaggon beide Wagen ersetzen würde.

Ich bin auch bereit, falls die Heeresverwaltung es für wünschenswert hielte – z. B. zum Vergleiche der Wirkung von Geschossen und Waffen verschiedener Staaten – mich auf den Kriegsschauplätzen unserer Verbündeten verwenden zu lassen.

Da ich auch Zeichner und Maler und tüchtiger Amateurphotograph bin und viele medizinische wissenschaftliche Arbeiten illustriert habe, ist es selbstverständlich, daß ich auch diese Fähigkeiten in den Dienst militärmedizinischer Forschung und Lehre stellen werde.

Resümierend glaube ich meinen Vorschlag auf das eingehendste empfehlen zu können. Es wird kaum einen geben, der geeigneter für diese Aufgabe wäre als ich. Herr Dr. HENNING ist ein älterer Mann, der mit Rücksicht auf seine Familie sogar bei der jüngsten Blatternepidemie im Süden unserer Monarchie seine Teilnahme ablehnen mußte.

Ich bin sein vollwertiger Schüler, Mediziner, also nach der ärztlichen Seite hin geschult und zugleich Künstler und bin mit Begeisterung – ebenso wie auch meine Frau – für den Gedanken erfüllt, bin bereit die voraussichtlichen Anstrengungen und Opfer der guten Sache wegen freudig auf mich zu nehmen.

Ich bin überzeugt, daß eine solche Moulagen Sammlung nach authentischen Fällen dieses Weltkrieges einen unschätzbar hohen Wert in Zukunft erlangen müßte, einen Wert, der jedenfalls die Kosten der Herstellung weit überträfe.“

Zur Geschichte der Moulagenbildnerei beachten Sie bitte:Internationale Tagung „Naturgetreue Objekte“? am 4. und 5. März 2016 im Medizinhistorischen Museum Hamburg 

https://www.uke.de/dateien/institute/geschichte-und-ethik-der-medizin/medizinhistorisches-museum/pdf/tagungsflyer-naturgetreue-objekte-web.pdf

Text:  Dr. Reinhard Mundschütz

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