Bernert, Richard – Mitarbeiter an der II. medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien und Militärarzt an der IV. internen Abteilung im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien
Autor: Dr. Walter Mentzel
Published online: 26.08.2026
Keywords: Allgemeines Krankenhaus Wien, Militärarzt, Garnisonsspital Nr. 1, Medizingeschichte, Wien
Richard Bernert wurde am 24. Oktober 1870 als Sohn des Schneidermeisters Johann Bernert und dessen Ehefrau Maria Francisca, geborene Winternitz, in Wien geboren.
Nach dem Besuch des Gymnasiums an der k.k. Thersianischen Akademie in Wien, wo er 1889 die Matura ablegte, studierte Bernert an der Universität Wien Medizin. Am 28. Februar 1896 promovierte er zum Doktor der gesamten Heilkunde. Bereits während des Studiums interessierte er sich für medizinische Chemie. 1892 wurde er zum Demonstrator am Institut für angewandte medizinische Chemie der Universität Wien unter dessen Vorstand Ernst Ludwig (1842-1915) bestellt, wo er bis April 1895 tätig war. Daneben trat er 1893 als Hospitant in die II. medizinischen Klinik unter Edmund Neusser (1852-1912) ein, der er – mit Unterbrechungen durch Studienaufenthalte im Ausland – bis 1899 angehörte. An der Klinik verfasste er gemeinsam mit Karl Stejskal (1872-1945) die Arbeit „Ein Beitrag zur Frage nach dem minimalen Stickstoffumsatz bei perniciöser Anämie“.
Seite Tätigkeit an der Universität Wien unterbrach er durch mehrere Studienaufenthalte im Ausland. 1896/97 arbeitete er am I. chemischen Universitätslaboratorium in Heidelberg bei Professor Viktor Meyer (1848-1897) sowie an der Medizinischen Universitätsklinik in Heidelberg unter Wilhelm Heinrich Erb (1840–1921). 1897/98 war er an der von Bernhard Naunyn (1839-1925) geleiteten Medizinische Klinik der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg tätig, wo er unter der Leitung des Privatdozenten Dietrich Gerhardt (1866-1921) klinische Arbeiten durchführte. Am physiologisch-chemischen Institut der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg befasste er sich unter Franz Hofmeister (1850–1922) mit Eiweißchemie. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlichte er in der Hoppe-Sayler‘s Zeitschrift für physiologische Chemie unter dem Titel „Ueber Oxydation von Eiweiss mit Kaliumpermanganat“.[1]
Im Oktober 1899 erfolgte seine Ernennung zum Assistenten an der II. medizinischen Klinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Diese Stellung behielt er bis zum Jahr 1902. Daneben führte er Arztpraxis in Wien 4, Favoritenstraße 22.[2]
Militärarzt im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien
Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde Bernert im November 1896 dem Garnisonsspital Nr. 1 zugewiesen.[3] 1902 wurde er im landwehr-ärztlichen Offizierskorps zum Oberarzt beim Landwehrinfanterieregiment Wien Nr. 1 ernannt. Zuvor hatte er dem nichtaktiven Stand der Landwehr bei der Division der berittenen Tiroler Landschützen angehört.[4]
Im Oktober 1902 verließ er die die II. medizinische Klinik und trat als Berufsmilitärarzt in das k.k. landwehrärztliche Offizierskorps ein. Vom 1. Oktober 1903 bis 1. Oktober 1904 war er der von Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) geleiteten Psychiatrischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus Wien zugeteilt.
Am 1. Oktober 1905 wurde Bernert dem Garnisonsspital Nr. 1 zugeteilt und arbeitete zunächst als Sekundararzt an der unter der Leitung von Alois Pick (1859-1945) stehenden IV. internen Abteilung. Im selben Jahr wurde er zum Regimentsarzt ernannt.[5] 1906 erfolgte seine formelle Transferierung vom Landwehr-Infanterieregiment Wien Nr. 1 in den Aktivstand des k.u.k. militärärztlichen Offizierskorps.[6]
In dieser Zeit publizierte Bernert eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten, darunter 1904 „Zur Kasuistik der Claudication intermittente“,[7] 1909 „Ueber das Vorkommen von Aortenaneurysmen im jugendlichen Alter und nach akutem Gelenkrheumatismus“ und „Beitrag zur multiplen posttyphösen Periostitis“, sowie 1910 „Zur Klinik des Pericarditis exsudativa“.[8]
Am 1. Oktober 1910 übernahm Bernert als Chefarzt die Leitung der IV. internen Abteilung des Garnisonsspitals Nr. 1 in Wien.
Bernert war langjähriger Mitarbeiter der Wiener klinischen Rundschau und seit 1899 Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien.[9]
Richard Bernert verstarb am 15. November 1910 in Wien. Einen Nekrolog verfasste seine ehemaliger Vorgesetzter Alois Pick für die Zeitschrift Der Militärarzt.[10]
Quellen:
Rk Erzdiözese Wien, 04 Wieden (Paulaner-Kirche), Taufbuch 01-26, Folio 137, 1870, Bernert Richard.
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-40b, Bernert Richard (Rigorosum Datum: 1892).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 188-451, Bernert Richard (Promotion Datum: 28.2.1896).
Literatur:
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[1] Zeitschrift für physiologische Chemie, Band 26, 1898/99, S. 272-307.
[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 33, 1899, Sp. 1558.
[3] Wiener Zeitung, 18.11.1896, S. 1.
[4] Wiener Zeitung, 30.9.1902, S. 2.
[5] Neue Freie Presse, 2.5.1905, S. 17.
[6] Wiener Zeitung, 28.12.1906, S. 1.
[7] Wiener klinische Rundschau, Nr. 41, 1904, S. 739-741; Nr. 42, 1904. S. 758-760; Nr. 43, 1904, S. 776-779.
[8] Medizinische Klinik, Beiheft Nr. 4, 1910, S. 97-128
[9] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 13, 1899, S. 359.
[10] Der Militärarzt, Nr. 22, 1910, Sp. 270.
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