Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [391]: Neubauer, Wolfgang – Brunnen- und Badearzt in Karlsbad

Neubauer, Wolfgang – Brunnen- und Badearzt in Karlsbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 15.10.2026

Keywords: Kurarzt, Medizingeschichte, Karlsbad

Wolfgang Neubauer wurde am 11. September 1838 als Sohn von Abraham Neubauer (1790-1852) und Rachel Theresia (1794-1853), geborene Heller, in Viktorsthal (Stará Voda) im Bezirk Eger in Böhmen geboren. Er war mit Hedwig, geborene Arnstein (1852-1942, ermordet im Ghetto Theresienstadt) verheiratet. Aus der Ehe gingen die Söhne Otto Neubbauer (1874-1957), der spätere bekannte Internist und Biochemiker, und Ernst Neubauer (1880-1944, ermordet im Ghetto Lodz), sowie die Tocher Berta Neubauer (1882-1942, ermordet im Ghetto Theresienstadt) hervor.

Neubauer studierte an der Karl-Ferdinands-Universität in Prag Medizin und promovierte 1863 zum Doktor der Medizin und Magister der Geburtshilfe[1] sowie 1867 zu Doktor der Chirurgie.[2]

Karlsbad

Ab 1867 war Neubauer ununterbrochen als Arzt im Kur- und Badeort Karlsbad tätig, wo er im Haus Habsburg ganzjährig eine Arztpraxis führte und eine internationale Kurklientel betreute. Sein besonderes medizinisches Interesse galt den Fragen der gastroenterologischen Diagnostik sowie den Erkrankungen und Funktionsstörungen des Magens. Dazu veröffentlichte er 1878 die Arbeit „Beiträge zur Beurtheilung der Capacität des Magens“.

1902 nahm er an der 74. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Karlsbad teil.

Neubauer war Mitglied des Vereins der Ärzte in Karlsbad, arbeitete eng mit der Kurkommission in Karlsbad zusammen[3] und gehörte seit 1878 dem Stadtverordnetenkollegium an. 1904 wurde ihm der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen.[4]

Neubauer verstarb am 19. November 1918 In Karlsbad.

Neubauer Wolfgang: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 21.11.1918, S. 10.

Seine Familie wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt. Seine Ehefrau Hedwig Arnstein wurde 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet, sein Sohn Ernst Neubauer 1944 im Ghetto Lodz. Seinem Sohn Otto Neubauer gelang die Flucht nach England, wo er seine wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet des Stoffwechsels und der physiologischen Chemie fortsetzte. Er verstarb am 24. November 1957 in Oxford. Seine Tochter Berta wurde – wie ihre Mutter 1942 – im Ghetto Theresienstadt ermordet.

Quellen:

Institutu Terezínské iniciativy: Holocaust.cz, Hedvika Neubauerová, Arnošt Neubauer, Berta Neubauerová.

Literatur:

Neubauer, Wolfgang: Beiträge zur Beurtheilung der Capacität des Magens. Sonderdruck aus: Prager medicinische Wochenschrift. Carlsbad: Druck von Brüder Taschler 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde herausgegeben von der medicinischen Facultät in Prag, Bd. 4. 1863, S. 31.

[2] Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde herausgegeben von der medicinischen Facultät in Prag, Bd. 2. 1868, S. 6.

[3] Prager Tagblatt, 9.3.1902, S. 6.

[4] Wiener klinische Rundschau, Nr. 28, 1904, S. 513.

Normdaten (Person):  Neubauer, Wolfgang: BBL: 50477; GND:

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BBL:  50477 (15.10.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=50477

Letzte Aktualisierung: 2026.10.15

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