Schlagwort-Archiv: Brunnenarzt

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [384]: Hamburger, Emil Wolfgang – Bade- und Brunnenarzt in Franzensbad

Hamburger, Emil Wolfgang – Bade- und Brunnenarzt in Franzensbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 17.08.2026

Keywords: Badearzt, Medizingeschichte, Prag, Franzensbad

Emil Wolfgang Hamburger wurde am 17. April 1843 als Sohn des Arztes Wolf Hamburger und dessen Ehefrau Fridericka Hamburger, geborene Gosdorfer (1811-1879), in Deutsch Gabel bei Reichenberg in Böhmen (heute: Jablonné v Podještědí, Liberec/Tschechien) geboren. Er war mit Ida Frankenthal verheiratet; aus der Ehe ging die Tochter Elsa Hamburger hervor.

Hamburger studierte an der Universität Prag Medizin und promovierte 1867 zum Doktor der Medizin. 1868 erwarb er den Titel eines Magisters der Geburtshilfe und 1869 jenen eines Doktors der Chirurgie.[1] Anschließend arbeitete er als Sekundararzt im Allgemeinen Krankenhaus in Prag.

Kuranstalt Franzensbad

Im März 1869 ließ sich Hamburger als Badearzt in Franzensbad nieder. 1870 veröffentlichte er bei Sigmund Bensinger (1825-1896) in Prag die Monografie „Die Heilmittel von Franzensbad in ihrer Beziehung zu den Krankheiten des Weibes für gebildete Frauen populär dargestellt“, die 1877 in zweiter Auflage erschien. Seit 1875 gehörte Hamburger einem örtlichen Komitee an, das Geldmittel für die Abhaltung russisch-orthodoxer Gottesdienste und die beabsichtigte Errichtung einer orthodoxen Kirche in Franzensbad sammelte. Während seiner Tätigkeit als Arzt in Franzensbad veröffentlichte Hamburger mehrere wissenschaftliche Arbeiten. Dazu gehören die 1876 im Laboratorium von Professor Karl Hugo Huppert (1832-1904) an der Universität in Prag, entstandene Arbeit „Über die Resorption von Arzneistoffen durch die Vaginalschleimhaut“ sowie die 1878 erschienene Untersuchung „Ueber die Aufnahme und Ausscheidung des Eisens“.

Österreichische Badezeitung

Ab April 1872 gab Hamburger gemeinsam mit dem Sanitätsrat und Brunnenarzt Friedrich Boschan (1818-1882) die „Oesterreichische Badezeitung. Organ für die Interessen der europäischen Kurorte und des Kurpublikums“ heraus.[2] Die Zeitung richtete sich über die Habsburgermonarchie hinaus an Badeärzte, Kurverwaltungen und Kurgäste im gesamten deutschsprachigen beziehungsweise europäischen Raum. Nach Boschans Rückzug aus der Herausgeberschaft redigierte Hamburger die Zeitschrift zunächst alleine und später gemeinsam mit dem Franzensbader Brunnenarzt Bernhard Raumann (1840-1886) weiter. Bis 1886 gehörte er zu ihren Herausgebern.

1878 wurde Hamburger als ordentliches Mitglied in die Gesellschaft der Ärzte in Wien aufgenommen.[3] 1883 erhielt er den Titel eines königlich preußischen Sanitätsrats.[4] In Franzensbad erwarb er das Bürgerrecht und wurde in den Stadtrat gewählt.

Emil Wolfgang Hamburger verstarb am 21. März 1888 in Wien.

Todesanzeige: Hamburger Emil Wolfgang, Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 24.3.1888, S. 15.

Literatur:

Hamburger, Emil Wolfgang: Über die Resorption von Arzneistoffen durch die Vaginalschleimhaut. Aus dem Laboratorium des Professor Huppert in Prag. Sonderdruck aus: Prager Vierteljahrsschrift. Leipzig: Druck von J.B. Hirschfeld 1876.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Hamburger, Emil Wolfgang: Ueber die Aufnahme und Ausscheidung des Eisens. Sonderdruck aus: Zeitschrift für physiologische Chemie. Strassburg: Karl J. Trübner 1878.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde, Bd. 1, Misceellen, 1867, S. 5; Bd. 2, Miscellen, 1869, S. 6; Bd. 1, Miscellen, 1869, S. 8.

[2] Österreichische Badezeitung, Nr. 1 Probe-Nummer, 14.4.1872, S. 1.

[3] Fremden-Blatt, 3.4.1878, S. 12.

[4] Neue Freie Presse (Abend-Blatt), 8.11.1883, S. 1.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:1148122893

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  50181 (17.08.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=50181

Letzte Aktualisierung: 2026.08.17

Logo Margrit Hartl

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [129]: Ignaz Steinschneider – Balneologe und Dermatologe

Ignaz Steinschneider – Balneologe und Dermatologe

Text: Dr. Walter Mentzel

Ignaz Steinschneider wurde am 28. Juni 1844 in Kremsier in Mähren (heute: Kroměříž/Tschechien) geboren. 1862 begann er in Wien an der Medizinischen Fakultät mit dem Studium der Medizin, das er 1867 mit dem Rigorosum und 1868 mit seiner Promotion zum Doktor der Medizin und Chirurgie abschloss. In den 1870er Jahren führte er als Arzt in Wien, wo er bis 1882 wohnhaft war, eine Ordination.[1] Daneben arbeitete er von 1869 bis 1879 als ärztlicher Leiter des Kurortes und „Stahlbades“ Karlsbrunn in Schlesien (heute: Karlova Studánka/Tschechien),[2] und danach im Kurhaus in Franzensbad.[3] Hier entstanden eine Reihe von Aufsätze wie 1886 „Bade-Specula im Moorbade“,[4] 1888 „Moor und Moorsalz“,[5] und die in der Separata-Bibliothek an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin verfügbaren Arbeiten Wie sollen Moorbäder gebraucht werden aus dem Jahr 1892[6] und jener 1901 publizierte Aufsatz über die Behandlung chronischer Nierenkrankheiten in Franzensbad.

Steinschneider, Ignaz: Casuistische Mittheilung über die Behandlung chronischer Nierenkrankheiten in Franzensbad. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1901.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Neben seiner Tätigkeit in Franzensbad publizierte Steinschneider am dermatologischen Institut an der Universität in Breslau unter Professor Albert Neisser (1855-1916) Abhandlungen auf dem Gebiet der Dermatologie und Syphilogie, wovon sich einige Publikationen an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin in ihrer Separata-Bibliothek befinden:

Steinschneider, Ignaz: Ueber den Sitz der gonorrhoischen Infection beim Weibe. Aus der Klinik des Herrn Professor Dr. Neisser in Breslau. Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: gedruckt bei L. Schumacher 1887.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Steinschneider, Ignaz: Zur Differenzierung der Gonokokken. Aus der Königlichen Universitätsklinik für Haut- und venerische

Krankheiten in Breslau. Sonderdruck aus: Berliner klinische

Wochenschrift. Berlin: gedruckt bei L. Schumacher 1890.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Steinschneider, Ignaz: Ueber die Cultur der Gonokokken. Aus der Königl. Hautklinik des Herrn Professor Neisser in Breslau. (Zum Vortrag angemeldet für den gynäkologischen Congess in Breslau, aber wegen Zeitmangels nicht vorgetragen). Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: gedruckt bei L. Schumacher 1893.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Steinschneider, Ignaz: Zur Biologie der Gonokokken. (Vorgetragen in der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur in Breslau am 8. März 1895). Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: gedruckt bei L. Schumacher 1895.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Steinschneider, Ignaz: Ueber die Differenzierung der Gonokokken durch das Züchtungsverfahren und das Färbungsverfahren. Aus der königl. Hautklinik des Herrn Geheimen Medizinalrathes Professor Dr. Neisser in Breslau. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: Verlag von Moritz Perles 1897.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Steinschneider, Ignaz: Eidotteragar, ein Gonokokken-Nährboden. Vorläufige Mittheilung. Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: gedruckt bei L. Schumacher 1897.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Steinschneider, Ignaz: Ueber den forensischen Werth der Gonokokken-Differenzierung durch mikroskopische Untersuchung, besonders bei Vulvovaginitis kleiner Mädchen. Aus der Königlichen Hautklinik des Herrn Geheimen Medizinalrathes Professor Dr. Neisser in Breslau. Sonderdruck aus: Ärztliche Sachverständigen-Zeitung. Berlin: Schoetz 1898.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Steinschneider, Ignaz: Über ein einfaches, selbsthaltendes Speculum. Sonderdruck aus: Centralblatt für Gynäkologie. Leipzig: Druck von Breitkopf & Härtel 1900.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata-Bibliothek]

Abb. 1    Widmung von Ignaz Steinschneider

Abb. 2    Widmung von Ignaz Steinschneider

Ab 1884 fungierte Steinschneider noch als Herausgeber des in Franzensbad erscheinenden „Ärztlichen Taschenkalender“, der im Verlag Moritz Perles in Wien herausgegeben wurde.[7]

Steinschneider verstarb am 15. Dezember 1917 in seinem Winterdomizil in Breslau.

Quellen:

UAW, Sign. 134, Zl. 12, Steinschneider Ignaz (Nationalien Datum).

UAW, Sign. 134, Zl. 141, Steinschneider Ignaz (Nationalien Datum).

UAW, Sign. 134, Zl. 42, Steinschneider Ignaz (Nationalien Datum).

UAW, Sign. 170, Zl. 251, Steinschneider Ignaz (Rigorosum: 1867).

UAW, Sign. 182, Zl. 543, Steinschneider Ignaz (Promotion: 26.5.1871).

Prager Tagblatt, 14.2.1917, S. 10.

[1] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe). 15.11.1873. S. 19.

[2] Der Militärarzt. 8.5.1869. Sp. 135.

[3] Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 18. 1880. Sp. 510.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 27. 1886. Sp. 958-959.

[5] Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 32. 1888. Sp. 1086-1089.

[6] Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 25. 1892. Sp. 1007-1010.

[7] Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 18. 1884. Sp. 560.

»Bio-bibliografisches Lexikon/Liste aller Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien