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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [365]: London, Benjamin – Kurarzt in Karlsbad sowie Direktor und Chefarzt des Mayer-Rothschild-Spitals in Jerusalem

London, Benjamin – Kurarzt in Karlsbad sowie Direktor und Chefarzt des Mayer-Rothschild-Spitals in Jerusalem

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 19.03,2026

Keywords: Kurarzt, Mayer-Rothschild-Spital, Rudolfs-Spital, Medizingeschichte, Wien, Jerusalem, Karlsbad

Benjamin (Berthold) London wurde am 28. Dezember 1840 als Sohn des Privatiers Lazar London (zirka 1812-1887) und Maria, geborene Reismann, in Ungvár in Ungarn (heute: Uschhorod/Ukraine) geboren. 1867 heiratete er in Wien die Wienerin Jenny (Eugenie) Grünhut (1842-1909), mit der er die Kinder Charlotte (1872-?), den Mediziner August London (-1903) sowie Elsa, verheiratete Kraus (1875-1920), und Malwine, verheiratete Block (1870-?), hatte.

London studierte ab dem Wintersemester 1862/63 an der Universität Wien Medizin und promovierte am 17. Februar 1865 zum Doktor der Medizin sowie am 19. Juni 1866 zum Doktor der Chirurgie. Er war Schüler von Joseph Skoda (1805-1881) an der Klinik für Innere Medizin. Nach seiner Promotion arbeitete er als Sekundararzt am k.k. Rudolfs-Spital in Wien.[1] 1865 veröffentlichte er die Arbeit „Fall von akuter gelber Leber-Atrophie“[2] und „Die Cholera und deren Vorbeugung. Für Laien dargestellt“. Anschließend leistete er seinen Militärdienst als Oberarzt und schließlich als Regimentsarzt im Garnisons-Spital in St. Chiara in Venedig ab. Im Oktober 1866 wurde er an das Garnisonspital in Laibach versetzt.[3]

Rothschild-Spital in Jerusalem

Im Herbst 1866 wurde London von der Familie Rothschild als Arzt an das Mayer-Rothschild-Krankenhaus in Jerusalem berufen, wo er später als Nachfolger von Bernhard Neumann (1819-1881) als Direktor und Chefarzt tätig war. 1870 erhielt er dafür das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens verliehen.[4] 1873 erschien von ihm der „Ärztlicher Bericht aus dem Freiherr von Rothschild-Hospitale in Jerusalem vom Jahre 1871“. Weitere Arbeiten aus seiner Jerusalemer Zeit waren u.a. „Ein Fall von Ulcus perforans ventriculi“.[5] 1875 publizierte er in der Oesterreichischen Monatsschrift für den Orient des Orientalischen Museums, darunter „Ueber die Sanitätszustände in der Levante“.[6] Zudem hielt er dort Vorträge, etwa „Ueber die Acclimatisation und Colonisation der Oesterreicher in der Levante“.[7]

Kur- und Badearzt in Karlsbad

Um 1874/75 verließ London Jerusalem und kehrte nach Wien zurück. Dort führte er eine private Arztpraxis zunächst in Wien 8, Schmiedgasse 3, und danach in der Gonzagagasse 3. Bereits seit 1871 war er in den Sommermonaten als Kurarzt in Karlsbad (heute: Karlovy Vary/Tschechien) tätig. Zu seinem Patientenkreis in Karlsbad zählten vor allem Angehörige des internationalen Hochadels, des Großbürgertums sowie wohlhabende Kurgäste aus Mittel- und Osteuropa, deren Aufenthalte in den jährlich publizierten Karlsbader Kurlisten verzeichnet sind. Zu seinen balneologischen und klinischen Arbeiten zählten u.a. „Über den Einfluss des koch- und glaubersalzhaltigen Mineralwassers auf einige Factoren des Stoffwechsels“, „Beitrag zur Therapie der Dysenterie“ sowie „Das Blasenepithel bei verschiedenen Füllungszuständen der Blase“.[8]

London war seit 1875 Mitglied der k. k. Geographischen Gesellschaft in Wien sowie des Wiener Doctoren-Collegiums. 1891 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die königliche medizinische Gesellschaft in Lissabon aufgenommen.[9]

Er war Träger des königlich niederländischen goldenen Löwen-Ordens dritter Klasse,[10] des serbischen Takovo-Ordens,[11] des königlich spanischen Ordens Isabella der Katholischen[12] sowie des Offizierskreuzes vom Stern von Rumänien.[13]

Benjamin London starb am 5. Jänner 1914 in Frankfurt am Main.

London Berthold: Todesanzeige, Neue Freie Presse, 9.1.1914, S. 20.

Quellen:

Matriken der IKG Wien, Trauungsbuch 1867, London Benjamin, Grünhut Jenny.

UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0007, London Benjamin (Nationalien Datum: 1862/63).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-149a, London Benjamin (Rigorosum Datum: 1864).

UAW, Sign. 181-1249, London Benjamin (Promotion Datum: 17.2.1865).

UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-45, London Benjamin (Promotion Datum/Chirurgie: 19.6.1866).

Literatur:

London, Benjamin: Über den Einfluß des koch- und glaubersalzhaltigen Mineralwassers auf einige Factoren des Stoffwechsels. Berlin: Schumacher o.J.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 46913]

London, Benjamin: Beitrag zur Therapie der Dysenterie. Sonderdruck aus: Wiener medicinische Presse. Wien: 1877.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Curliste Karlsbad, 1903 (Anhang), S. 13.

[2] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 39, 1865, Sp. 697-699.

[3] Österreichischer Soldatenfreund, 24.10.1866, S. 8.

[4] Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte zu Wien, 1870, S. 440.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 49, 1868, S. 792-794.

[6] Wiener Zeitung, 19.5.1875, S. 720.

[7] Neue Freie Presse, 24.10.1875, S. 6.

[8] Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde, Bd. 56 (Analecten), 1881, S. 90-91.

[9] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 3, 1891, S. 59.

[10] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 20, 1885, Sp. 651.

[11] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 13, 1886, Sp. 475.

[12] Wiener Zeitung, 11.7.1890, S. 7.

[13] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 20, 1891, S. 386.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

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BBL:  49164 (19.03.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=49164

Letzte Aktualisierung: 2026.03.19

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [364]: Selig, Arthur – Herzspezialist, Balneologe, Kurarzt in Franzensbad

Selig, Arthur – Herzspezialist, Balneologe, Kurarzt in Franzensbad

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 16.03,2026

Keywords: Balneologe, Herzspezialist, Kurarzt, Prag, Franzensbad, Medizingeschichte

Arthur Selig wurde am 4. Februar 1873 als Sohn von Jakob Selig (1842-1895) und Malvine Selig (1850-1914), geborene Hock, in Prag geboren. 1911 heiratete er Ella Janowitz (1889-ermordet zirka 1944 KZ Auschwitz), mit der er die Tochter Erika Franz (1921-ermordet 5.11.1942 KZ Auschwitz) hatte.

Arthur Selig studierte an der Deutschen Universität in Prag Medizin und promovierte im Juli 1898.[1] Während seines Studiums engagierte er sich im Unterstützungsverein für mittellose israelitische Universitätshörer in Prag, dessen Vereinsausschuss er 1898 angehörte,[2] sowie in der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag. Er war Mitglied des Vereins deutscher Ärzte in Prag.

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Selig zunächst als Assistent an der Universitätspoliklinik in Prag bei Jakob Singer (1853-1926). Anschließend war er an der Medizinischen Klinik bei Rudolf von Jaksch (1855-1947) tätig und wechselte danach zu Ludolf Krehl (1861-1937) an der Universität in Straßburg,[3] wo er sich zum Herzspezialisten ausbilden ließ. Aus dieser Zeit stammen seine Publikationen „Beitrag zur Kenntnis der Herzdilatation“ und „Blutdruckapparate und Blutdruckmessungen“.

Kurarzt in Franzensbad

Seit 1905 war Selig als Kurarzt in Franzensbad tätig und widmete sich dort vor allem der Behandlung von Herz- Kreislauferkrankungen.[4] In Franzensbad war er Mitglied des Ärztlichen Vereins Franzensbad. Vor dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er unter anderem die Arbeiten „Die physikalische Behandlung der chronischen Herzkrankheiten und die Einrichtungen Franzensbads“, „Sport und Herz“, „Ueber den Herzschmerz, „Der Einfluss hydriatischer Prozeduren auf die Herzgrösse“, „Über den Elastin-, Fett- und Kalkgehalt der Aorta“, „Röntgenuntersuchungen des Herzens im Kohlesäurebad“,[5]Zuckernahrung bei Herzkrankheiten“,[6] sowie „Ueber die Wirkung der Mistel (Viscum album) auf den Kreislauf[7].

1910 veröffentlichte er die Arbeit „Ein Blutdruckapparat für die Praxis“ aus dem Ambulatorium des Vereins „Kinderambulatorium und Kindergrippe“. Gemeinsam mit Egmont Münzer (1865-1924) verfasste er 1914 die Studie „Vaskuläre Hypertonie und Schrumpfniere“.

Nach dem Ersten Weltkrieg erschienen von ihm 1925 die Arbeit „Zur Pathophysiologie und Therapie der paroxysmalen Tachykardie[8] und 1926 „Zur Wirkung der Kohlensäurenbäder“.[9]

Arthur Selig verstarb am 11. August 1928 in Wien.

Selig Arthur: Todesanzeige, Prager Tagblatt, 15.8.1928, S. 13.

Quellen:

Register jüdischer Religionsgemeinschaften in tschechischen Regionen, Prag – Gläubigenregister, 1912, Sign. 2708, Folio 64.

Matriken der IKG Wien, Sterbebuch, 1928, Selig Arthur.

Literatur:

Selig, Arthur: Beitrag zur Kenntnis der Herzdilatation. Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien, Leipzig: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1905.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Blutdruckapparate und Blutdruckmessungen. Aus der medizinischen Universitätsklinik Prof. R. v. Jaksch. Sonderdruck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag. Selbstverlag 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig: Arthur: Die physikalische Behandlung der chronischen Herzkrankheiten und die Einrichtungen Franzensbads. Sonderdruck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag: Selbstverlag 1906.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Sport und Herz. Sonderdruck aus: Medizinische Klinik. Berlin: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1908.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Ueber den Herzschmerz. Sonderdruck aus: Medizinische Klinik. Berlin: Verlag von Urban & Schwarzenberg 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Der Einfluss hydriatischer Prozeduren auf die Herzgrösse. Aus der hydratherapeutischen Anstalt der Universität Berlin (Leiter: Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Brieger). Sonderdruck aus: Berliner klinische Wochenschrift. Berlin: Verlag von August Hirschwald 1909.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Über den Elastin-, Fett- und Kalkgehalt der Aorta. Aus dem medizinisch-chemischen Institut in Prag. Prof. Dr. R. v. Zeynek. Sonderdruck aus: Verhandlungen des Deutsche Kongresses für innere Medizin. Wiesbaden: Verlag von J.F. Bergmann 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Selig, Arthur: Ein Blutdruckapparat für die Praxis. Aus dem Ambulatorium des Vereines „Kinderambulatorium und Kinderkrippe“ in Prag (Vorstand: Prof. Dr. Raudnitz). Sonderdruck aus: Wiener klinische Wochenschrift. Wien: Wilhelm Braumüller k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler 1910.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Münzer, Egmont und Arthur Selig: Vaskuläre Hypertonie und Schrumpfniere. Gleichzeitig ein Beitrag zur Lehre von der vaskulären Hypertonie überhaupt. Sonderduck aus: Prager medizinische Wochenschrift. Prag: Selbstverlag 1914.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Prager Tagblatt, 17.7.1898, S. 4.

[2] Prager Tagblatt, 4.3.1898, S. 6.

[3] Egerer Anzeiger, 13.5.1905, S. 5.

[4] Egerer Anzeiger, 3.5.1905, S. 4.

[5] Medizinische Klinik, Nr. 18, 1910, S. 709-710.

[6] Medizinische Klinik, Nr. 29, 1911, S. 1115-1116.

[7] Medizinische Klinik, Nr. 24, 1912, S. 991-992.

[8] Wiener Archiv für innere Medizin, 1925, S. 603-608.

[9] Wiener Archiv für innere Medizin, 1926, S. 207-226.

Normdaten (Person):  : BBL; GND:

VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL:  49155 (16.03.2026)
URL:  https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=49155

Letzte Aktualisierung: 2026.03.16

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