Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [393]: Sidlo, Thomas – Dozent für Laryngologie am Josephinum und Militärarzt

Sidlo, Thomas – Dozent für Laryngologie am Josephinum und Militärarzt

Autor: Dr. Walter Mentzel

Published online: 20.10.2026

Keywords: Laryngologe, Militärarzt, Josephinum, Medizingeschichte, Wien

Thomas Sidlo wurde am 20. November 1839 als Sohn des Schmiedes Johann Sidlo und Josefa Sidlo, geborene Blaha, in Strážovice in Böhmen geboren. Sein Bruder war der Arzt Wenzel Sidlo (1837-1902).

Sidlo absolvierte das Gymnasium in Klattau (Klatovy) und legte dort 1860 die Matura mit Auszeichnung ab. Nach seiner Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde am Josephinum am 10. März 1866, erfolgte am 1. April 1866 seine Ernennung zum Oberarzt beim Garnisonspital Nr. 15 in Krakau. Zu Beginn des preußisch-österreichischen Krieges wurde er zum Infanterieregiment Nr. 32 transferiert[1] und nahm an den Gefechten bei Oswieczim teil und betreute hier eine Abteilung mit Verwundeten im Garnisonsspital in Krakau.

Im Oktober 1866 erfolgte seine Ernennung zum Assistenten der unter der Leitung von Professor Adalbert Duchek (1824-1882) stehenden medizinischen Klinik an der Josephs-Akademie. Hier bildete er sich zum Internisten aus, wandte sich danach der Laryngologie zu, leitete an der Akademie praktische Übungen in Auskultation und Perkussion, und habilitierte sich 1869 zum Dozenten im Fach Laryngologie. Aus dieser Zeit stammen die von ihm in den Medizinischen Jahrbüchern veröffentlichten „Laryngologischen Mittheilungen“.[2] 1873 publizierte er „Aus dem k.k. Garn.-Spital Nr. 1 zu Wien. Mittheilungen über die daselbst im Jahr 1872 behandelten Kehlkopf-, Hals- und Nasenerkrankungen“,[3] 1874 „Ueber die Behandlung der croupösen Pneumonie mit Veratrum-Tincturen“[4] und 1875 seinen Vortrag gehalten im Jänner 1875 im wissenschaftlichen Verein der Militärärzte in Wien, dessen Mitglied er war, „Ueber einen seltenen Fall von Glottisstenose“.[5] Nach seiner Ernennung zum Regimentsarzt im Jahr 1871 und der Schließung des Josephinums trat er wieder in die Armee ein und wurde im Juli 1875 zum Garnisonsspital Nr. 1 in Wien versetzt, wo er im selben Jahr als Korrepetitor im Fach Laryngologie den militärärztlichen Kurs unterstützte.[6] 1880 wurde er zum ordentlichen Mitglied des Militärsanitätskomitees bestellt und im November 1881 kam er zum 2. Bataillon des Genieregiments Nr. 2 nach Wien, wo er von 1883 bis 1886 als Abteilungschefarzt in den beiden Wiener Garnisonsspitälern diente. Nach seiner Ernennung zum Stabsarzt im Jahr 1888 war er zuletzt als Chefarzt der 2. Infanterie-Division tätig.[7] 1885 unterstützte Sidlo die von der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien organisierte österreichische Kongo-Expedition unter der Leitung von Oskar Lenz (1848-1925) mit einer Geldspende.[8]

1889 trat er, nachdem man ihn zum Divisionschefarzt in Jaroslau in Galizien bestimmen wollte, aus dem Heer aus und übte seitdem in Wien an seiner Wohnadresse Währinger Straße 14 den Beruf eines praktischen Arztes aus. Zuvor hatte er seine Arztpraxis in der Van-Swieten-Gasse 2 und danach in der Währinger Straße 7 und später 17. 1909 ist Sidlo als Hausbesitzer in Markt Piesting in Niederösterreich nachweisbar, wo er den örtlichen Kindergarten und den Ausbau des Feuerwehrhauses mit Geldspenden unterstützte.[9] Sidlo verstarb am 27. Jänner 1914 in Wien[10]

Von ihm besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin in der Neuburger-Bibliothek seine 1873 veröffentlichte Arbeit „Aus dem k.k. Garnisonsspital zu Wien“. Seine beiden Publikationen „Die Bacterien-, Impf- und Pest-Frage: Fortsetzung zu: Über einige Krankheitsfälle und deren Stellung zum Blattern-, Masern-, Scharlach- und Diphtheritis-Contagium“ aus dem Jahr 1879 sowie der Aufsatz „Ueber die Behandlung der croupösen Pneumonie mit Veratrumpräparaten“ waren Bestand der k.k. militärärztlichen Bibliothek im Josephinum und befinden sich heute in der Separata-Bibliothek. Eine weitere Arbeit von ihm war die 1879 herausgegebene Studie „Ueber einige Krankheitsfälle und deren Stellung zum Blattern-, Masern,- Scharlach- und Diphtheritis-Contagium“.

Quellen:

Matriken der Erzdiözese Wien, Sterbebuch, 9. Bezirk, Votivkirche, 1914, Buch Nr. 11, Folio 2, Sidlo Thomas.

Ivan Kalivoda: Tomáš Šídlo – zapomenutý laryngolog zemřel před 110 lety ve Vídni. In: Časopis lékařů českých 163 (2024), S. 76-78, Literaturverzeichnis, Nr. 7-15.

Literatur:

Sidlo, Thomas: Aus dem k.k. Garnisonspital zu Wien. Mitteilungen über die daselbst im Jahre 1872 behandelten Kehlkopf-, Hals- und Nasenkrankheiten. Sonderdruck aus: Wiener medizinische Wochenschrift. Wien: 1873.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 32261]

Sidlo, Thomas: Die Bacterien-, Impf- und Pest-Frage. Fortsetzung zu: Über einige Krankheitsfälle und deren Stellung zum Blattern-, Masern-, Scharlach- und Diphtheritis-Contagium. 2. Vortrag, gehalten im Wissenschaftlichen Verein der k.k. Militär-Ärzte zu Wien am 15. März 1879. Wien: Toeplitz u. Deuticke 1879.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

Sidlo, Thomas: Ueber die Behandlung der crupösen Pneumonie mit Veratrumpräperaten. Nach Beobachtungen an Prof. Duchek’s Klinik. Sonderdruck aus: Deutsches Archiv für klinische Medicin. Leipzig: Verlag von F.C.W. Vogel 1874.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]

[1] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 46, 1866, Sp. 744.

[2] Medizinische Jahrbücher (Beilage zum Wochenblatt der k.k. Gesellschaft der Ärzte), Bd. 18, 1869, S. 199-211; Bd. 10, 1870, S. 135-153.

[3] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 26, 1873, Sp. 619-623; Nr. 27, 1873, Sp. 643-646; Nr. 28, 1873, Sp. 668-671; Nr. 29, 1873, Sp. 692-694; Nr. 30, 1873, Sp. 713-715; Nr. 31, 1873, Sp. 730-733; Nr. 32, 1873, Sp. 753-755.

[4] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 17, 1874, Sp. 333-336; Nr. 18, 1874, Sp. 360-363; Nr. 19, 1874, Sp. 392-394; Nr. 20, 1874, Sp. 418-420.

[5] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 26, 1875, Sp. 574-577; Nr. 27, 1875, Sp. 599-603.

[6] Der Kamerad: österreichisch-ungarische Wehr-Zeitung, 30.9.1875, S. 4.

[7] Internationale klinische Rundschau, 1889, Sp. 656.

[8] Mittheilungen der kaiserlich-königlichen Geographischen Gesellschaft in Wien, 1885, S. 230.

[9] Wiener Neustädter Nachrichten, 28.8.1909, S. 6.

[10] Der Militärarzt, Nr. 3, 1914, Sp. 62.

Normdaten (Person):  Sidlo, Thomas: BBL: 50495; GND:

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BBL:  50495 (20.10.2026)
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Letzte Aktualisierung: 2026.10.20

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