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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [49]: Die Sammlung „Chirurgische Gremien“

Die Sammlung „Chirurgische Gremien“ („Chyrurgisches Gremium Klosterneuburg“ u.a.) an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Text: Dr. Walter Mentzel

Die Einführung der sogenannten „chirurgischen Gremien“ im Erzherzogtum Österreich (mit Ausnahme von Dalmatien, Krain und dem Küstenland) erfolgte mit dem kaiserlichen Patent vom 10. April 1773. Damit sollte die regionale medizinische Versorgung der Bevölkerung „in jedem Kreis oder Viertel eines Landes“ gewährleistet und verbessert werden,[1] in deren Mittelpunkt die Gremien als institutionalisierte Sanitätseinrichtungen standen. In den folgenden Jahren kam es durch Erlässe und Verordnungen zur Standardisierung dieser regionalen Sanitätsorganisationseinheiten, zu einer Präzisierung und Systematisierung der Ausbildungs- und Prüfungsnormen inklusive ethischer Reglements für Wundärzte und der Abgrenzung der medizinischen Aufgabengebiete zwischen den „Wundärzten“ und den sogenannten Kreisärzten. Diese Gremien waren zunächst für Barbiere und Bader zusammen mit Chirurgen und Wundärzten in Form von Zwangsgenossenschaften organisiert. Beispielsweise konstituierten sich Gremien in Niederösterreich in Traiskirchen, Klosterneuburg, Bruck an der Leitha, Piesting, Aspang, St. Pölten, Melk, Waidhofen an der Ybbs, Seitenstetten, Tulln, Oberhollabrunn, Gaunersdorf, Enzersdorf, Sitzendorf, Krems, Pöggstall, Weitra, Waidhofen an der Thaya, Horn und Korneuburg.[2]

Diese Gremien waren auf Verordnungswege durch den Staat angehalten durch Ankauf medizinische Bibliotheken aufzubauen, um die Literaturversorgung an die Mitglieder zu organisieren, deren Ausbildungsstandard zu heben und sie zu einer kontinuierlichen Weiterbildung zu verpflichten. Die vorgesehenen Inventarisierungsmaßnahmen weisen auf einen durchwegs systematischen Bibliotheksaufbau hin. Dazu wurden Formulare gedruckt, um die jährlichen Bücherankäufe zu erfassen und zu dokumentieren. Die in der Sanitäts-„Ordnung für die Wundärzte auf dem Lande vom 20. August 1790“ festgeschriebenen Bestimmungen zur Organisation der „chirurgischen Gremien“ enthielten unter Punkt 6 folgende Anweisungen für die Bibliotheken:

Wenn die Gremien mit den nöthigen Instrumenten versehen sind, werden ihnen von Seiten der medicinischen Fakultät diejenigen Bücher und literarischen Journale angezeigt werden, welche zur weiteren Ausbildung der Landwundärzte dienen können, und die das Gremium sich allmählich anschaffen wird. Auch diese sollen den Mitgliedern des Gremiums zum Lesen mitgetheilt werden, damit ihnen die Verbesserung und neue Entdeckungen in ihrer Kunst nicht unbekannt bleiben.“

In der Verordnung Nr. 5.886 der Niederösterreichischen Regierung vom 15. Juni 1803 hieß es dazu präzisierend:

„Sechstens: da der Hauptzweck des Gremiums ist, durch das Zusammentragen einiger geringen Taxen die nötihgen Bücher zu kaufen, deren Anschaffung für jeden einzelnen Wundarzt zu kostspielig ist; so muss vorzüglich darauf gesehen werden, dass jährlich einige der neuesten Instrumente und Bücher aus dem Casse-Reste angeschafft werden“. […] „Achtens: Ebenso sollen die besten medicinischen Schriften angeschafft werden, und zum Lesen den Mitgliedern mit den obigen Vorsichten mitgetheilt werden.“ […] „Vierzehntens: Den Lehrlingen sind während der Lehrzeit auch aus der Büchersammlung des Gremiums Bücher zu geben, deswegen auch solche Bücher anzuschaffen sind, die ihren Begriffen und Fähigkeiten angemessen sind.“[3]

An der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden sich heute Überreste dieser ehemaligen Bibliotheken der verschiedenen lokalen Gremien, wie dem chirurgischen Gremien Wiener Neustadt, Sitzendorf, Klosterneuburg oder Korneuburg. Sie gehören zu den ältesten überlieferten medizinischen Buchbeständen dieser Gremien.

Abb. 1   Exlibris „CHIRURGISCHES GREMIUM WR. NEUSTADT“ aus:

Summarium des Neuesten aus der gesammten Medicin, eine systematisch geordnete Uebersicht aller literarischen Erscheinungen in der ärztlichen Wissenschaft und Kunst, kritischen Zeitschriften, Literatur-Zeitungen, klinischen Jahrbüchern und ähnlichen periodischen Collectiv-Schriften. Dritter Band. Leipzig: bei C.H.F. Hartmann 1829.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6073/2,3,2]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183010&pos=4&phys=#

Abb. 2   Exlibris „EIGENTHUM DES CHIR. GREMIUMS IN SITZENDORF“ aus:

Beobachtungen und Abhandlungen aus dem Gebiete der gesammten praktischen Heilkunde von österreichischen Ärzten. Vierter Band. Wien: Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold 1824.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6067/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6172422&pos=0&phys=

Abb. 3   Exlibris „Eigenthum des chirurgischen Gremium in Korneuburg“ aus:

Medicinische Jahrbücher des kais. königl. österreichischen Staates. Unter Mitwirkung mehrerer Ärzte und Naturforscher. Neun u. vierzigster u. fünfzigster Band, oder neueste Folge XL. und XLI. Band. Wien: Bei Braumüller und Seidel 1844.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB6060/49-50]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177472#

Abb. 4   Exlibris: „Dem Chyrurgischen Gremio im Bezirk von Closterneuburg zugehörig 1806“ aus:

Neues Journal der ausländischen medizinisch-chirurgischen Literatur. Vierten Bandes erstes Stück. Nürnberg und Sulzbach: in der I E. Seidelschen Kunst- und Buchhandlung 1805.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB6057/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177645&pos=3&phys=#

Das „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“

Vom „chirurgischen Gremium Klosterneuburg“ – dem im 19. Jahrhundert größten existierenden „chirurgischen Gremium“ – ist eine umfangreiche, sieben Bände umfassende handschriftliche Sammlung, erhalten, die detaillierte Informationen und Aufzeichnungen über dessen Tätigkeit im Zeitraum von 1803 bis 1868, die Namen der ausgebildeten Ärzte, Hinweise zur Organisation des Gremiums anhand der Rechnungsunterlagen und dessen personelle Zusammensetzung in Form von Mitgliederverzeichnisse enthalten.

Gremial-Buch des Chyrurgischen Gremii zu Klosterneuburg No. 1-2. Klosterneuburg: 1803-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/1-2]

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Protocole Nro. 2, deren Herren Wundärzte, welche seit dem Jahr 1830 dem Chyrurgischen Gremium zu Klosterneuburg einverleibt wurden, so wie deren seit dem Jahre 1834 aufgedungenen und freigesprochenen Lehrjungen. Klosterneuburg: 1830-1843.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/2]

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Gestions-Protokoll für das chirurgische Gremium Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1845.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/3]

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Rechnungshauptbuch für das chirurgische Gremium des Klosterneuburger Physicats vom Jahr 1840. Klosterneuburg: 1840-1865.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/4]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6181096&pos=1&phys=

Nahmentliches Verzeichnis der Mitglieder des chirurgischen Gremiums zu Klosterneuburg. Klosterneuburg: 1840-1868.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/5]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6183789&pos=4&phys=

Namen-Verzeichnis deren bey dem chirurgischen Gremio des Klosterneuburger Districts aufgedungenen und freygesprochenen Lehrjungen: Klosterneuburg: 1840-1866.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB5850/6]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6179917&pos=0&phys=

Kranken-Aufnahms-Protokoll des Klosterneuburger Chirurgischen Gremium, angefangen vom 10. Juny 1833. Klosterneuburg: 1844-1867.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek Sign.: JB5850/7]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6178014&pos=3&phys=

Mit der Gewerbeordnung 1859 wurde die ärztliche und wundärztliche Tätigkeit von der Anwendung gewerblicher Bestimmungen ausgenommen. 1871 erfolgte die Aufhebung der chirurgischen Lehranstalten – stattdessen wurde das medizinische Studium 1872 verpflichtend eingeführt – und 1876 wurde das Verbot der Vornahme innerlicher Kuren durch Wundärzte aufgehoben und Wundärzte mit Ärzten gleichgestellt. Mit der Errichtung der Ärztekammern durch das Gesetz vom 22.12.1891 entfiel der Zweck der „chirurgischen Gremien“.[4] Schon ab den 1860er Jahren befanden sich die „chirurgischen Gremien“ in Auflösung. 1860 existierten offiziell noch 60 Gremien in der cisleithanischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie, Ende des 19. Jahrhunderts bestanden noch formal 53 mit 866 Mitgliedern. Im Juli 1895 wurde durch das Ministerium des Inneren die Aufhebung der chirurgischen Gremien beschlossen und im April 1896 ein entsprechender Antrag dem Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates zugewiesen. Mit der am 12. Mai 1896 in das Abgeordnetenhaus eingebrachten Regierungsvorlage wurden die vermögensrechtlichen Angelegenheiten geregelt, indem das Vermögen der Gremien an die Ärztekammern überging. Die Auflösung der Gremien wurde schließlich im November 1899 durch den Reichsrat beschlossen.

Quellen:

Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[1] Gesundheitsordnung vom 10.4.1773. Dr. Macher’s Handbuch der kaiserlichen königlichen Sanitätsgesetze und Verordnungen mit besonderer Beziehung auf die innerösterreichischen Provinzen. Band 1. Graz-Laibach-Klagenfurt: 1846.

[2] Sammlung der Sanitäts-Verordnungen für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns als Fortsetzung der v. Ferro’schen Sammlung. 5. Teil, enthalten die Verordnungen vom Jahre 1818 bis Ende 1824. Herausgegeben von Eduard Vincenz Guldener Edlen von Lobes. Wien: Carl Gerold 1825.

[3] Sammlung der Gesetze welche der glorreichsten Regierung des Kaisers Franz des Zweyten in den sämmtlichen k.k. Erblanden erscheinen sind in einer chronologischen Ordnung von Joseph Kropatschek. Band 18. Wien: 1804.

[4] Wiener Medizinische Wochenschrift, 1896, S. 927-928, Wiener Zeitung, 11.11.1899, S. 2.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [47]: Lindenmayr, Emerich P.: „Serbien, dessen Entwicklung und Fortschritt im Sanitætswesen, mit Andeutungen über die gesammten Sanitäts-Verhältnisse im Orient“. 1876

Lindenmayr, Emerich P.: „Serbien, dessen Entwicklung und Fortschritt im Sanitætswesen, mit Andeutungen über die gesammten Sanitäts-Verhältnisse im Orient“. Timişoara: Druck und Verlag der Csanáder Dioecesan-Buchdruckerei 1876.

 

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 749]

http://search.obvsg.at/primo_library

Emerich P. Lindenmayr – ein Grenzgänger zwischen Wien, Budapest, dem Banat und Serbien

Text: Dr. Walter Mentzel

An der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befindet sich eine vom österreichischen Mediziner Emerich P. Lindenmayr (1806-1883) herausgebrachte Monografie, die dessen Wirken als Militärarzt im Dienst des serbischen Fürstentums und als Modernisierer des militärischen wie zivilen Sanitätswesens in Serbien zur Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Dieses Buch stellt nicht nur eine seltene Rarität dar, sondern ist bis heute eine einzigartige Quelle zur Entwicklung und der Geschichte der Medizin in Serbien. Nicht zuletzt bezieht diese Studie auch ihre Geltung aus dem Umstand, dass Lindenmayr in der österreichischen Medizingeschichte rasch in „Vergessenheit“ geriet, während seine Bedeutung von der serbischen Historiografie in den letzten Jahren zunehmend gewürdigt wird.[1] Das Buch erschien 1876 in Timișoara/Temeswar/Temesvár/Темишвар in deutscher Sprache.

                                                            

Abb. 1 Titelblatt: Lindemayr: Serbien […].Timișoara: 1876

Emerich P. Lindenmayr wurde 1806 in Oravița/Orawitz/Oravica/Оравица, im damals zum ungarischen Teil der Habsburgermonarchie gehörenden Banat, geboren und wuchs in Ciacova/Tschakowa/Csák/Чаково im Banat auf. Sein Vater, Dr. Johann Bernhard Lindenmayr, war Bezirksarzt in Chevereșu Mare/Großkeweresch/Nagykövéres im Kreis Timiș (heute Rumänien) und Arzt in Buziaș/(Bad) Busiasch/Buziásfürdő im Banat und errichtete hier, nachdem er zwischen 1805 und 1811 den Kohlensäuregehalt in den Mineralquellen nachgewiesen hatte, eine Badeanstalt, die 1874 mit der Eröffnung der Kuranstalt zum ersten „Mineralwasser-Freibad“ Europas avancierte.

Sein Sohn Emerich Lindenmayr studierte in Wien und Budapest Medizin, wo er 1832 mit seiner Dissertation zum Thema „Hippocrates, homo, philosophus, medicus“ (Lindenmayr Emericus. Buda: Typis Univ. 1832), promovierte und danach in Budapest als Arzt praktizierte. (Der Volltext der Dissertation ist online über die Homepage der Österreichischen Nationalbibliothek zugänglich.)[2] 1835 emigrierte Lindenmayr nach Šabac/Шабац in Serbien. Am 30. Juli 1839 wurde er als erster Mediziner per Dekret zum Leiter des medizinischen Korps der serbischen Armee ernannt und begann mit der Modernisierung des militärischen Spitals- und Sanitätswesens. Dieser Tag ist bis heute Gedächtnistag des militärärztlichen Dienstes in Serbien. Von Juni 1845 bis 1. April 1859 leitete er im Fürstentum Serbien die medizinische Abteilung beim Ministerium des Inneren, die für zivile und militärische Belange zuständig war und erneuerte während dieser Zeit das Sanitäts- und Spitalwesen. Er schuf u.a. eine neue Sanitätsverwaltung und versuchte sie auf gesetzliche Grundlagen zu stellen, er führte die Organisation der Kreisärzte ein, war in der Seuchenbekämpfung aktiv und erhöhte die Zahl des ärztlichen Personals. Seit 1846 beschäftigte er sich darüber hinaus mit den Heilquellen und Kurorten in Serbien. 1856 erschien von ihm anhand von überlieferten schriftlichen Materialien seines Vaters die Arbeit „Die Mineralquellen in Busiás in der serbischen Woiwodschaft mit dem Temeser Banate. Timișoara: 1856.“[3]

Seine Erfolge beim Aufbau und der Organisation des Sanitätswesens fanden an der Medizinischen Fakultät in Wien Beachtung und führten im März 1854 zu seiner Aufnahme als „korrespondierendes Mitglied im Auslande“ in die Gesellschaft der Ärzte in Wien,[4] wo er mindestens einmal – im Februar 1856 – zum organisatorischen Aufbau des Medizinalwesens in Serbien referierte.[5] Nachdem er 1859 von seiner exponierten Stellung als Militärarzt abberufen wurde, trat er nochmals 1862 während der Unruhen zwischen der türkischen und serbischen Bevölkerung Belgrads kurzzeitig als Militärarzt in den Dienst. Emerich P. Lindenmayr verstarb am 24.12.1883 in Belgrad (Београд/Beograd).

[1] 173. Anniversary of the military medical academy (30.7.2015): http://www.vma.mod.gov.rs/eng/news/Day-of-the-Military-Medical-Service-Marked

[2] http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ155762908

[3] Eine Rezension findet sich in: Wiener Medizinische Wochenschrift, 1856, S. 565-566. Die Arbeit ist online abrufbar unter: https://books.google.at/books?id=K9tZAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=inauthor:%22Emerich+P.+Lindenmayr%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiMw7ys0K_XAhWIqKQKHXU5AiMQuwUINDAC#v=onepage&q&f=false

[4] Wiener Zeitung, 29.3.1854, S. 5.

[5] Wiener Zeitung, 19.4.1856, S. 3.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [15]: Joseph Johann Knolz (Knolc, Knoltz): Sanitätsbeamter, Fachautor und Mediziner

Joseph Johann Knolz (Knolc, Knoltz): Sanitätsbeamter, Fachautor und Mediziner

Joseph Johann Knolz (*02.03.1791 Ljutomer/Slowenien [Luttenberg/Südsteiermark], gest. 12.06.1862 Wien) war Arzt (Allgemeine Pathologie, Pharmakologie, und experimentelle Pharmakologie) und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

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Knolz studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte im Jahr 1820 und war im Anschluss daran Assistent an der medizinischen Klinik für Wundärzte in Wien. Zwischen 1821 und 1830 war er als Professor der theoretischen und praktischen Medizin an der medizinisch-chirurgischen Lehranstalt des k.k. Lyzeums, als Arzt im Johannes-Spitals und der Irrenanstalt in Salzburg tätig. Seine ersten Publikationen aus dieser Zeit finden sich heute an der Neuburger-Lesky Bibliothek der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin:

Knolz, Joseph Johann: Naturhistorische Abhandlung über die Blutegel und ihren medicinischen Gebrauch. Wien: Heubner 1820.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 47190]

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Knolz, Joseph Johann: Systematische Einteilung der Fieber, als Leitfaden zur Diagnostik derselben am Krankenbett. Salzburg: typ. Duyle 1827. [Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: 16022]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597457&pos=9&phys=

Knolz, Joseph Johann: Darstellung der Medicinal-Verfassung in den k.k. Staaten Österreichs, in Beziehung auf den Wirkungskreis der Kreiswundärzte, der Civil-, Stadt- und Landwundärzte, öffentliche Sanitäts-Invaliden, Ärzte, Dominien, Kreisämter und Behörden überhaupt. Wien: Mechiaristen-Congregations-Buchhandlung 1829.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3165, Josephinische Bibliothek, Sign.: JB 5460]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597454&pos=6&phys=

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177913&pos=2&phys=

1830 kehrte er nach Wien zurück, wo er als ordentlicher Professor der Allgemeinen Pathologie, Therapie und Pharmakologie an der Universität Wien wirkte. 1831 wurde Knolz zum Referenten der k.k. Niederösterreichischen Landesregierung (für Cholera-Angelegenheiten) und 1833 zum Sanitäts-Referenten, wirklichen Regierungsrat und Protomedicus bestellt. In dieser Funktion beschäftigte er sich auch publizistisch mit den zu dieser Zeit bedrohlichen Cholera-und Ruhrepidemien, die durch die beginnende Urbanisierung und den daraus resultierenden Massenelendsquartieren zu immer bedrohlicher werdenden sanitären Zuständen für die Bevölkerung führten. 1843 war Knolz auch Direktor der Haupt-Schutzpockenimpfanstalt in Wien. Mitte der 1830er Jahre war er noch Superintendent der „Geislerischen Stiftung“, der „Goldbergischen Stiftung“ sowie der „Sorbaitschen Stiftung“.

Knolz, Joseph Johann: Darstellung der Brechruhr-Epidemie in der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien, wie auch auf dem flachen Lande in Österreich unter der Enns in den Jahren 1831 und 1832, nebst den dagegen getroffenen Sanitäts-polizeylichen Vorkehrungen. Wien: Mayer 1834 (Cholera, Nr. 111).

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/111]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597452&pos=4&phys=

Knolz, Joseph Johann: Vorschriften über das bey Epidemien überhaupt und bey der Brechdurchfalls-Epidemie insbesondere von den Kreisämtern, Dominien, Ortsobrigkeiten, Pfarrern, Kreis-Districts-Aushilfsärzten und Wundärzten zu beobachtenden Verfahren. Wien 1836.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB 6476]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177915&pos=4&phys=

Knolz, Joseph Johann: Beobachtungen über die Brechruhr-Epidemie und ihre Behandlungsweise während des dreimaligen Erscheinens derselben in den Jahren 1830, 1831 und 1836 in der Haupt- und Residenzstadt Wien mit Angabe des eigenthümlichen Verhaltens und den erwähnenswerten Heilarten während ihres gegenwärtigen in Galizien aus amtlichen Quellen geschöpft und zusammengestellt. Wien: Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei 1849. (Cholera, Nr. 159).

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3285/159]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597451&pos=3&phys=

Von ihm redaktionell betreut stammen die in den „Wiener medizinische Notizenblätter“ enthaltenen Mittheilungen über das Verhalten der Cholera-Epidemien und ihre Heilart (Redaktion Joseph Johann Knolz), Jg. 1854/1-12 Wien 1854.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3633]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8620224&pos=0&phys=

Knolz nutzte aber vor allem seine Stellung als hoher Sanitätsbeamter zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Sanitätsverwaltung, die sich in zahlreichen Publikationen und durch seine Herausgeberschaft von Publikationsreihen zur Gesetzgebungen auf dem Gebiet der Medizin und den Sanitätsverordnungen niederschlugen. Sie geben nicht nur einen kompakten Überblick über den Stand und der Entwicklung medizinsicher Einrichtungen im Vormärz bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und der medizinischen Versorgung und Verwaltung dieser Epoche, sondern sie stellen auch eine aus der Perspektive der medizinischen Verwaltung wichtige sozialhistorische Quelle dar.

Knolz, Joseph Johann: Institutiones medicae hygienes, semiotices et therapiae generalis usui academico adcommodatae. Viennae: typ. Mechithaisten 1835.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 27282]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597458&pos=10&phys=

Knolz, Joseph Johann: Darstellung der Humanitäts- und Heilanstalten im Erzherzogthume Österreich unter der Enns, als Staatsanstalten und Privatwerke, nach ihrer dermaligen Verfassung und Einrichtung. Wien: Mechiaristen-Congregations-Buchhandlung 1840.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: HB28952, Josephinische Bibliothek, Sign.: JB 5654]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597453&pos=5&phys=

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177912&pos=1&phys=

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Abbildung 2 und 3: Knolz, Joseph Johann: Darstellung der Humanitäts- und Heilanstalten im Erzherzogthume Österreich unter der Enns […] Wien: Mechitaristen 1840.

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Abbildung 4: Handschriftliche Widmung von Knolz an Ludwig Türck (22.07.1810-25.02.1868)

Knolz, Joseph Johann: Vortrag gegen Kurpfuscher, Wundärzte und ausländische Ärzte, gehalten in der allgemeinen Versammlung der medizinischen Fakultät Wien am 27. Jänner 1842. In: Universität Wien. Acta decanatus. Vol. 3, S. 281ff.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: Abschr1078]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597463&pos=15&phys=

Gemeinsam mit Eduard Vinzenz Guldener von Lobes (1763-1827) und Heinrich Böhm war Knolz Mitherausgeber der Publikationsreihe: „Sammlung der Sanitätsverordnungen für das Herzogtum Österreich unter der Enns“, Wien: 1798-1846.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3592]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8636609&pos=17&phys=

Zwischen 1856 und 1865 arbeitete er mit Georg Preyss (1810-1884) und Carl von Patruban (1816-1880) u.a. in der Redaktion der vom Doctoren-Collegium der medizinischen Fakultät in Wien herausgegeben Zeitschrift „Österreichische Zeitschrift für praktische Heilkunde“, Wien: 1855-1873. [Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger-Lesky Bibliothek, Sign.: Z2302]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8667443&pos=18&phys=

Jahres-Bericht über die Leistungen der Medicinal-Verwaltung und Gesetzgebung in der Provinz Österreich unter der Enns, Wien: Kaulfuß & Pradel 1844 (= Sammlung der Sanitätsverordnungen für das Herzogtum Österreich unter der Enns, Bd. 10)

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign. K3592/10, Josephinische Bibliothek,  Sign.: JB 5442]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8590700&pos=1&phys=

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=6177480&pos=0&phys=

Seine Arbeiten widmeten sich auch den zeitgenössischen Fragen: den unmittelbaren Folgen und Auswirkung auf die, durch jene im Vormärz von der durch rasanten industriellen Aufschwung und der Technisierung der Wirtschaft sowie durch die desolaten Arbeits- und Wohnverhältnisse (u.a. in der Textilindustrie) betroffenen Bevölkerung. Diese Publikationen spiegeln auch die in der zeitgenössischen Medizin vorherrschenden und durch Obrigkeitsdenken und patriarchalischen Strukturen bestimmten Zugänge zu den neuen Arbeits- und Überlebensformen und stehen thematisch am Beginn der das 19. Jahrhundert dominierenden „sozialen Frage“.

Knolz, Joseph Johann: Darstellung der Verfassung und Einrichtung der Baumwoll-Spinnerei-Fabriken in Niederösterreich. Mit besonderer Beziehung auf die moralisch-intellectuelle und physische Erziehung der daselbst verwendeten Kinder und die diessfalls bestehenden gesetzlichen Vorschriften. Wien: Kaulfuss & Prandl 1843.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 50485]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597455&pos=7&phys=

Knolz, Joseph Johann: Über den gesundheitsschädlichen Einfluss des Wienflusses und der mangelhaften Wasserversorgungsanstalten in der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Wien: typ. typogr.-liter.-art. Anstalt um 1858.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 17882]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597456&pos=8&phys=

Weitere Publikationen von Johann Joseph Knolz:

Knolz, Joseph Johann: Über die Leistungen Valentin’s von Hildebrand als praktischer Arzt, Staatsbeamter und klinischer Lehrer an der Wiener Hochschule. Vortrag: In: Wiener medizinische Wochenschrift. Jg. 3/1853. Nr. 25, S. 391ff.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: Abschr20]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597459&pos=11&phys=

Knolz, Joseph Johann: Vortrag über den Einfluss vorausgegangener medicinischer Systeme auf den dermaligen Zustand der Medicin als Kunst und Wissenschaft, Wien: 1856.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 5092]

http://webapp.uibk.ac.at/alo/cat/card.jsp?id=8597462&pos=14&phys=

Text: Walter Mentzel

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