Lanzer, Oskar – Militärarzt, Konsular-Arzt in Wien
Autor: Dr. Walter Mentzel
Published online: 06.08.2026
Keywords: Militärarzt, Medizingeschichte, Wien
Oskar Lanzer wurde am 16. September 1851 als Sohn von Ignaz Lanzer und Amalie Lanzer, geborene Eisner, in Ustron in Österreichisch-Schlesien (heute: Ustroń/Polen) geboren. Er war mit Charlotte Tugendhat (1860-1933) verheiratet, mit der er die Tochter Ella Hilda Winternitz hatte (1883-nach 1944), die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und nach 1944 im KZ Auschwitz ermordet wurde.
Nach der Absolvierung des Gymnasiums in Teschen (heute: Cieszyn/Polen) studierte Lanzer an der Universität Wien Medizin und promovierte am 14. Juli 1876 zum Doktor der gesamten Heilkunde.
Anschließend war er als praktischer Arzt in Wien tätig. Seine Ordination befand sich zunächst in Wien 7, Burggasse 35, später in der Kirchengasse 34, danach in der Siebensterngasse 32-34 und zuletzt in der Westbahnstraße 20.
Neben seiner ärztlichen Praxis beschäftigte sich Lanzer mit Fragen des militärärztlichen Sanitätswesens und des freiwilligen Sanitätshilfsdienstes. Nach Ableistung seines Militärsanitätsdienstes wurde er 1876 zum Assistenzarzt ernannt und dem Garnisonsspital Nr. 1 in Wien zugewiesen.[1] 1882 wurde er als nichtaktiver Militärarzt im Rang eines Bataillonsarzt mit Oberarztrang vom niederösterreichischen Landwehr-Schützenbataillon Wien Nr. 1 zum schlesischen Landwehr-Infanterie-Bataillon nach Teschen transferiert.[2] 1884 erfolgte seine Ernennung zum Regimentsarzt.[3]
Darüber hinaus engagierte sich Lanzer im österreichischen Militärveteranenwesen. Er war u.a. Vereinsarzt des Militär-Veteranen-Vereins „Feldmarschall Fürst Edmund zu Schwarzenberg“ und wirkte auch in dessen Vereinsleitung mit.[4]
1885 veröffentlichte er das vom k.k. Kriegsministerium approbierte „Lehrbuch zum Unterrichte im freiwilligen Sanitäts-Hilfsdienst auf dem Kriegsschauplatz“, das in mehreren Auflagen erschien. Die 1889 im Auftrag des k.k. Ministerium des Inneren herausgegebene dritte Auflage „Lehrbuch zum Unterrichte im freiwilligen Sanitäts-Hilfsdienste auf dem Kriegsschauplatze. Mit einer Skizze und 131 Illustrationen“ war ein Sonderdruck der vom Ministerium veröffentlichten Schrift: „Gemeinverständliche Belehrung über Cholera und Cholera-Maßnahmen“. Mit dem Lehrbuch verfolgte Lanzer das Ziel, eine einheitliche Ausbildung der Sanitätsabteilungen im freiwilligen Sanitätshilfsdienst zu fördern.
Für sein Engagement wurde Lanzer mehrfach ausgezeichnet. 1891 erhielt er als Regimentsarzt erster Klasse, der in der Evidenz des Landwehrbataillons Wien Nr. 1 geführt wurde, „in Anerkennung seines gemeinnützigen und patriotischen Wirkens“ das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens.[5] 1900 wurde ihm das Ritterkreuz erster Klasse des königlich sächsischen Albrechts-Ordens verliehen.[6] Die Auszeichnung erfolgte aufgrund seiner seit etwa 1887 ausgeübten Tätigkeit als Arzt des Deutschen Hilfsvereins in Wien,[7] eines Unterstützungsvereins für in Wien lebende deutsche Staatsangehörige. 1903 erhielt er den Titel eines königlich-bayrischen Medizinallrates[8] und 1905 den königlich-preußischen Roten-Adler-Orden.[9] 1912 wurde ihm der Titel eines Medizinalrates verliehen.[10]
1896 veröffentlichte Lanzer noch die Arbeit „Erfahrungen über Creosotal-Kefir und Guajacolcarbonat-Kefir“.
Neben seiner Tätigkeit als praktischer Arzt und Militärarzt war Lanzer Chefarzt der Hilfskasse „Einigkeit“,[11] eines Selbsthilfevereins und einer privaten Sozialversicherung für kaufmännische Angestellte und Handlungsgehilfen. Außerdem fungierte er als Arzt des Deutschen Konsulats in Wien.
Oskar Lanzer verstarb am 18. Jänner 1914 in Wien.

Oskar Lanzer: Todesanzeige: Neue Freie Presse, 19.1.1914, S. 13.
Quellen:
UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0066, Lanzer Oskar (Nationalien Datum: 1870/71).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-218a, Lanzer Oskar (Rigorosum Datum: 1874).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 186-461, Lanzer Oskar (Promotion Datum: 14.7.1876).
Friedhofsdatenbank Wien, Lanzer Oskar.
Literatur:
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 41483]
[Zweigbibliothek für Zahnmedizin/ÖGZMK, Sign.: G-0153]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[1] Wiener Zeitung, 30.8.1876, S. 2.
[2] Österreichischer Soldatenfreund, 2.5.1882, S. 6.
[3] Neue Freie Presse, 13.11.1884, S. 20.
[4] Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinz-Ausgabe), 14.2.1885, S. 9.
[5] Wiener Zeitung, 16.5.1891, S. 1.
[6] Wiener klinische Rundschau, Nr. 37, 1900, S. 748.
[7] Deutsches Volksblatt, 24.4.1900, S. 6.
[8] Wiener klinische Rundschau, Nr. 36, 1903, S. 662.
[9] Wiener Zeitung, 17.9.1905, S. 1.
[10] Wiener klinische Rundschau, Nr. 28, 1912, S. 445.
[11] Kaufmännische Zeitung, 15.4.1903, S. 61.
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Letzte Aktualisierung: 2026.09.06
