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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [65]: Barach, Adam: Die brom- und jodhaltigen alkalinischen Heilquellen und das Eisen- und Kohlenwasserstoffgas-Wasser zu Iwonicz im Königreich Galizien, mit besonderer Berücksichtigung der Heilkräfte…therapeutisch dargestellt. Lemberg. 1842.

Barach, Adam: Die brom- und jodhaltigen alkalinischen Heilquellen und das Eisen- und Kohlenwasserstoffgas-Wasser zu Iwonicz im Königreich Galizien, mit besonderer Berücksichtigung der Heilkräfte der einzelnen Bestandtheile der jod- und bromhaltigen Mineralwässer und der Wirkungen dieser Heilquellen im Allgemeinen, historisch topographisch, naturhistorisch und therapeutisch dargestellt. Lemberg, Stanislawów und Tarnow: In Commission bei Joh. Millikowski 1842.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 47444]

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Text: Dr. Walter Mentzel

Adam (Ascher) Barach (*10.03.1803 Lemberg/Galizien, gest. 03.04.1867 Lemberg/Galizien) war praktischer Arzt, Spitalsleiter und Schriftsteller, mit Nanette Nina Mina Barach (*etwa 1813, gest. 27.06.1883 Wien) verheiratet und jüdischer Herkunft. Mit seiner Ehefrau hatte er die beiden Söhne Dr. Sigmund Barach (1834-1885), Professor der Philosophie und Professor für Ästhetik an der Universität Wien und Innsbruck,[1] Eugen Barach (*09.09.1836 Lemberg) sowie eine Tochter, Emilie Eywodzoff, geborene Barach. Sein Bruder Moritz Barach-Märzroth (1818-1888) war ein in Wien lebender bekannter Schriftsteller, Journalist und Herausgeber.

Neben seinen Arztberuf, den er in Lemberg ausübte, war er auch langjähriger Gemeinderat und ab 1839 im Gemeindevorstand von Lemberg tätig, wo er sich unter anderem für den Ausbau des Schul- und Bildungswesens und der Errichtung von sozialen Einrichtungen wie Waisenhäusern einsetzte. Ein weiteres Betätigungsfeld für sein Engagement fand er in der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg.[2] Im September 1847 nahm er den Doppelnamen Barach-Rappaport, den Nachnamen seines ebenfalls in Lemberg lebenden Schwiegervaters und Arztes, Dr. Jacob Rappaport (1775-1855), an.[3]

Barach studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte im Semester 1831/32 zum Doktor der Medizin und der Chirurgie.[4] Nach seiner Rückkehr nach Lemberg arbeitete er als praktischer Arzt sowie als Spitalsarzt. Er galt als sozial engagierter Arzt, der für ein ethisch-humanistisches Berufsbild der Ärzteschaft warb. In diesem Sinn publizierte er 1847 einen Aufsatz unter dem Titel „Über das Vertrauen des Publikums zum ärztlichen Stande“[5]. Bekannt wurde er auch als Schriftsteller belletristischer Publikationen, die er u.a. unter dem Pseudonym „Blau“ veröffentlichte sowie als Autor in Zeitungen wie der „Wiener allgemeinen Theaterzeitung“.[6]

In den 1840er Jahren wandte er sich der Balneologie zu. 1842 veröffentlichte er seine Studie zu den Heilquellen in Iwonicz (heute: Iwonicz-Zdrój/Polen: deutsch Iwonitz-Bad), einer an den nördlichen Abgängen der Karpaten im Kreis Sanok liegende zirka 1.500 Einwohner zählende Ortschaft, die seit dem Bestand des Kurbades im Jahr 1838 zunehmend frequentiert wurde und durch die Erweiterung der Infrastruktur und der Errichtung weiterer Badeanstalten expandierte. Barach wurde zu dieser Studie vom Gubernialrat, Landespromedikus in Galizien, Direktor der medizinisch-chirurgischen Lehranstalt in Lemberg und korrespondierendem Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, Dr. Carl Ignaz Stransky, bewogen,[7] und erhielt dafür schon 1843 von Kaiser Franz Joseph (1830-1916) die goldene „Gelehrten-Medaille“ als Auszeichnung.[8] Damit schuf Barach die wissenschaftliche Grundlage zur Aufwertung der Heilquelle und des Kurortes, der nunmehr eine größere Publizität und einen europaweiten Bekanntheitsgrad erhielt.[9] Die Arbeit Barachs enthält einen historisch-topografischen und landeskundlichen Einleitungsteil, in dem er potentielle Kurgäste anzusprechen versuchte, während der Hauptteil die Ergebnisse der durchgeführten physikalisch-chemischen Untersuchungen der Quelle, der darin enthaltenen mineralischen Bestandteile, und die zu erzielenden therapeutischen Wirkungen, behandelt.

Abb. 1    Titelblatt: Barach: Die brom- und jodhaltigen alkalischen Heilquellen […]. Lemberg […]: 1842.

Eine weitere balneologische Arbeit verfasste er 1846 unter dem Titel: „Bemerkungen über einige in Heilung der Krankheiten durch Kaltwassergebrauch zu Gräfenberg fördernde Heilpotenzen, als Beitrag zur näheren Kenntnis und Würdigung der Kaltwasserheilanstalt zu Gräfenberg Nach eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Gebhardt und Reisland: Lemberg 1846.[10]

Aufgrund seines wissenschaftlichen Schaffens wurde er 1855 als Mitglied in das Wiener Doctoren-Collegium der Medizinischen Fakultät der Universität Wien aufgenommen.[11] Weiters war er Mitglied der Gesellschaft der Ärzte und Naturforscher zu Jassy.[12]

Adam Barach-Rappaport verstarb am 3. April 1867 in Lemberg an Typhus.

[1] Die Presse, 30.6.1883, S. 1.

[2] Allgemeine Zeitung des Judenthums. Ein unparteiisches Organ für alle jüdischen Interessen, 26.12.1853, S. 673; Allgemeine Zeitung des Judenthums. Ein unparteiisches Organ für alle jüdischen Interessen, 12.6.1843, S. 353; Lemberger Zeitung, 9.6.1842, S. 3.

[3] Wiener Zeitung, 25.9.1847, S. 416; Neues-Fremden-Blatt, 7.4.1867, S. 4.

[4] Medicinische Jahrbücher des k.k. österreichischen Staates. Hrsg. von Dr. A. J. Freyherrn von Stifft, redigiert von Dr. Joh. Nep. Edlen von Raimann. Carl Gerold: Wien 1833, Bd. 13, S. 324.

[5] Der Humorist, 2.2.1847, S. 106-108.

[6] Neues-Fremden-Blatt, 7.4.1867, S. 4; Wiener Zeitung, 4.10.1845, S. 7. Got Jerzy, Das österreichische Theater in Lemberg im 18. und 19. Jahrhundert. Aus dem Theaterleben der Vielvölkermonarchie, (= Theatergeschichte Österreichs 10/4), Wien 1997, S. 479.

[7] Schematismus der Königreiche Galizien und Lodomerien. Für das Jahr 1843, Lemberg 1843, S. 28.

[8] Wiener Zeitung, 1.3.1843, S. 1; Sonntagsblätter, 5.3.1843, S. 239.

[9] Wiener Medizinische Wochenschrift, 1.10.1859, S. 651-654.

[10] Carl Christian Schmidt’s Jahrbücher der in- und ausländischen Gesamten Medicin. Redigiert von Alexander Goeschen. Otto Wigand: Leipzig 1847, Bd. 55, S. 375.

[11] Wiener Medizinische Wochenschrift, 6.10.1855, S. 646. 20.10.1855, S. 679.

[12] Vierteljahresschrift für die praktische Heilkunde, 4. Teil, 1844, S. 227.

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