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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [76]: Zum 50. Todestag von: Jellinek, Stefan: Elektropathologie. Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom in klinischer und forensischer Darstellung. 1903.

Zum 50. Todestag von: Jellinek, Stefan: Elektropathologie. Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom in klinischer und forensischer Darstellung. Mit 72 Abbildungen und 4 chromolithographischen Tafeln. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 3194]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at/

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1     Stefan Jellinek: https://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/76/83/7ed133fef0111ef2d0e388b6f004.jpg

Gallery: https://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0010294.html

Wellcome Collection gallery (2018-04-01): https://wellcomecollection.org/works/zwb48zet

Stefan Jellinek (*29.05.1871 Prerau/heute: Přerov, Tschechische Republik, gest. 02.09.1968 Edinburgh), dessen Todestag sich am 2. September 2018 zum 50. Mal jährte, war ein österreichisch-britischer Mediziner, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 aus Österreich vertrieben wurde. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Jellinek begann zu Beginn der 1890er Jahre mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er 1898 mit seiner Promotion abschloss. Er wandte sich zunächst der Inneren Medizin zu und arbeitete an der III. Medizinischen Klinik bei Leopold von Schrötter (1837-1908). Von 1903 bis 1908 war er Assistent am Wiedner Krankenhaus.

Abb. 2     Titelblatt: Jellinek: Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom […]. Stuttgart: 1903. Mit einer handschriftlichen Widmung von Stefan Jellinek an Hermann Nothnagel (1841-1905).

Bereits 1898 begann Stefan Jellinek mit seinen elektropathologischen Studien. „Im September 1898 fing er an, bei achtzig Wiener Elektrizitätsarbeitern und auch bei sich selbst die Faktoren der Stromeinwirkung und Stromanwendung zu studieren. Systematisch und planmäßig. Und ebenso systematisch und planmäßig begann er gleichzeitig alles Material zu sammeln, das bei elektrischen Unfällen mitspielte.“[1] Seine Forschungen galten besonders den Gefahren der Elektrizität für den Menschen. Neben der Untersuchung der Unfallsituation – dabei untersuchte er auch Menschen, die vom Blitz getroffen wurden – beschäftigte er sich mit der Histopathologie des elektrischen Traumas. Jellinek veröffentlichte eine Theorie vom elektrischen Scheintod, nach der er – im Gegensatz zur damals weit verbreiteten Meinung – Reanimationsversuche nach Elektronunfällen empfahl. Nach Jellinek sollen Wiederbelebungsversuche erst beim Einsetzen von Totenflecken aufgegeben werden, bis dahin können sie zum Erfolg führen.

Abb. 3     Jellinek: Die Erkrankungen durch Blitzschlag und elektrischen Starkstrom […]. Stuttgart: 1903. S. 123.

„Gemeinsam mit dem Dermatologen Gustav Riehl [(1855-1943), Anm.] und dem Chirurgen Anton von Eiselsberg [(1860-1939), Anm.] war er am Allgemeinen Wiener Krankhaus maßgeblich an der praktischen Behandlung von Patienten nach Stromunfällen beteiligt; mit Alexander Kolisko [(1857-1918), Anm.] untersuchte er die histologischen Veränderungen in den Organen nach der Elektrizitätseinwirkung.“[2] Stefan Jellinek habilitierte sich 1908 auf dem Gebiet der Inneren Medizin mit Schwerpunkt Elektropathologie an der Universität Wien. Nachdem die Universität Wien einen eigenen Lehrstuhl für Elektropathologie eingerichtet hatte – den ersten weltweit – wurde er 1928 zum a.o. Professor und 1929 zum Ordinarius für Elektropathologie der Universität Wien und der Technischen Hochschule (heute Technische Universität Wien) ernannt.

1909 gründete er das Elektropathologische Museum, in welchem Präparate von Elektrounfällen gesammelt wurden, um die Forschungen zu Unfallverhütung und Heilung von Folgeschäden voranzutreiben. Das Museum wurde 1936 in die Universität Wien eingegliedert. 2002 kam die Sammlung in den Besitz des Technischen Museums in Wien. Teile der Sammlung können dort besichtigt werden, der Rest ist in den Pathologisch-Anatomischen Sammlungen im Narrentrum untergebracht. Stefan Jellinek musste nach dem „Anschluss“ 1938 aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus Österreich fliehen. Er flüchtete nach Großbritannien, wo er bis 1948 am Queen’s College in Oxford unterrichtete. Er blieb nach dem Zweiten Weltkrieg in Großbritannien, kehrte aber immer wieder als Gastprofessor nach Wien zurück. Er starb am 2. September 1968 in Edinburgh.

Neben zahlreichen anderen Schriften Jellineks besitzt die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin eine Ausgabe seines 1931 erschienen Werks „Elektroschutz in 132 Bildern“, das vor allem durch seine moderne graphische Umsetzung unter Mitarbeit der Wiener Graphiker Franz Danilowitz, Franz Roubal (1889-1967), Eduard Stella (1884-1955), Franz Wacik (1883-1938) und Hubert Lingner (Einbandgestaltung) besticht:

Jellinek, Stefan: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien, Leipzig: Deutscher Verlag für Jugend und Volk Gesellschaft M.B.H. 1931.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: I46628]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

Abb. 4     Umschlag: Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931.

Abb. 5     Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931. S. 24.

Abb. 6     Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931. S. 72.

Abb. 7     Jellinek: Elektroschutz in 132 Bildern. Wien: 1931. S. 129.

Quellen:

Jellinek, Stefan. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 309.

Brücke, Franz Theodor: Der elektrische Unfall. In memoriam Professor Dr. Stefan Jellinek. Sonderabdruck aus: Österreichische Ärztezeitung. (23/20) 1968. Wien: Österreichische Ärztekammer 1968.

Lesky, Erna: Professor Jelineks elektropathologisches Museum. In: Ciba Symposium. (9/5) 1961. S. 248-252.

[1] Lesky, Erna: Professor Jelineks elektropathologisches Museum. In: Ciba Symposium. (9/5) 1961. S. 248-249.

[2] Jellinek, Stefan. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. München: K. G. Saur 2002. S. 309.

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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [50]: Freund, Leopold: Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte. 1903

Freund, Leopold: Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte. Mit 110 Abbildungen und 1 Tafel. Berlin und Wien: Urban & Schwarzenberg 1903.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Lesky Bibliothek, Sign.: 44004]

http://search.obvsg.at/primo_library/

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Leopold Freund. Bildersammlung Josephinum, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-IR-001678-0005

Leopold Freund (*05.04.1868 Miscovice/heute: Tschechische Republik, gest. 07.01.1943 Brüssel) war ein österreichischer Radiologe jüdischer Herkunft und gilt als Begründer der Röntgentherapie. Nach dem Besuch einer Realschule in Budweis/České Budějovice und eines Gymnasiums in Wien begann er mit dem Studium der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, das er am 23.02.1895 mit seiner Promotion abschloss. Danach war er im Allgemeinen Krankenhaus und in der Wiener Poliklinik tätig, seine Hauptarbeitsgebiete waren die Dermatologie an der Klinik für Syphilidologie und Dermatologie und die Kinderheilkunde. Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) im Jahr 1895 sowie im folgenden Jahr der Entdeckung der Radioaktivität durch Antoine Henri Becquerel (1852-1908) und der erstmaligen Anwendung beim Patienten durch Leopold Freund in Wien wurde die Basis für die Strahlentherapie geschaffen. „Leopold Freund war 1896 durch eine Zeitungsnotiz auf die biologische Wirkung der Röntgenstrahlen aufmerksam geworden. In der Sitzung der Gesellschaft der Ärzte am 15. Jänner 1897 konnte er sie an dem später so berühmt gewordenen Fall eines achtjährigen Mädchens mit Tierfellnaevus erweisen.“[1] Leopold Freund verwendete als erster zielbewusst und konsequent die biologischen Wirkungen der Röntgenstrahlen für therapeutische Zwecke, zunächst bei Hauterkrankungen und später auch bei tiefer gelegenen Organen.

Abb. 2    Titelblatt: Freund: Grundriss der gesammten Radiotherapie […]. Berlin und Wien: 1903.

Leopold Freund war von 1899-1913 Assistent und von 1913-1920 Laboratoriumsleiter der Wiener Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten. 1904 habilitierte er sich mit einer Arbeit über medizinische Radiologie. 1914 wurde er zum ao. Professor ernannt, 1935 Ehrenmitglied der österreichischen Röntgengesellschaft und 1937 wurde ihm der Titel eines Hofrates verliehen. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde ihm im Mai 1938 die Venia Legendi entzogen. Freund floh gemeinsam mit seiner Frau Stefanie nach Belgien, wo er sich auf Einladung der belgischen Regierung in Brüssel niederließ. Hedy Freund-Eibuschutz, Leopold Freunds Nichte berichtet in ihren Erinnerungen an ihren Onkel: „Als Hitler 1938 nach Österreich kam, konnte es der von vielen österreichischen und ausländischen Universitäten geehrte ,Herr Hofrat‘ nicht fassen, dass auch für ihn eine Welt zum Einsturz gekommen war. Als er von der Gestapo inhaftiert wurde und sich dagegen mit den Worten: ,Ich bin doch der Begründer der Röntgentherapie!‘ wehrte, antwortete man ihm: ,A so a jüdische Wissenschaft interessiert uns nicht.‘“[2] Siehe dazu auch die Sonderblog-Serie „Vertrieben 1938“ auf der Homepage der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=620

Abb. 3    Widmung Leopold Freund an Gustav Riehl

Leopold Freund publizierte über 250 wissenschaftliche Beiträge, davon überwiegend Artikel zur therapeutischen Anwendung der Röntgenstrahlen, aber auch zur Röntgendiagnostik.

Sein 1903 erschienener „Grundriss der gesammten Radiotherapie für praktische Ärzte“ ist das erste ausschließlich der Strahlentherapie gewidmete Lehrbuch der Welt. Das in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin vorhandene Exemplar der Erstausgabe enthält eine handschriftliche Widmung Leopold Freunds an seinen Kollegen, den Dermatologen Gustav Riehl (1855-1943): „Herrn Professor Dr. G. Riehl in ausgezeichneter Hochachtung überreicht vom Verfasser“. Das Buch kam als Geschenk von Riehls Sohn, Gustav Riehl jun. (1894-1981) – ebenfalls Professor für Dermatologie – im Juli 1974 in den Bestand der Bibliothek.

Quellen:

Freund Leopold. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Bände III-IV: Nachträge und Ergänzungen. Dritter Band Aba-Kom. Hildesheim, Zürich und New York: Georg Olms Verlag 2002. S. 453.

Freund, Leopold, Radiologe. In: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. 1 A-Q. München: K.G. Saur 2002. S.192.

Kaiser, Ernst: Wiens große Röntgenologen L. Freund, R. Kienböck, G. Holzknecht. In: Kunst des Heilens. Aus der Geschichte der Medizin und Pharmazie. Niederösterreichische Landesausstellung 1991. Katalog des NÖ Landesmuseums. (Neue Folge 276) 1991. S. 813-816.

Freund-Eibuschutz, Hedy: Erinnerungen an den Begründer der Röntgentherapie. Prof. Dr. Leopold Freund zum 100. Geburtstag. In: Aufbau. (5. April) 1968. S. 20.

Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965.

Freund Leopold, Röntgenologe. In: Österreichisches biographisches Lexikon. I. Band (A-Glä). Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1957. S.359.

[1] Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965. S. 343.

[2] Freund-Eibuschutz, Hedy: Erinnerungen an den Begründer der Röntgentherapie. Prof. Dr. Leopold Freund zum 100. Geburtstag. In: Aufbau. (5. April) 1968. S. 20.

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