Grosz, Siegfried – Dermatologe, Leiter des Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse
Published online: 23.02.2026
Keywords: Dermatologe, Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Wiener Bezirkskrankenkasse, Medizingeschichte, Wien
Siegfried Grosz (Gross) wurde am 4. Mai 1869 als Sohn von Wilhelm Grosz (zirka 1833-1890) und Emilie (zirka 1842-1900) geborene Erbmann, in Wien geboren. 1901 heiratete er, nachdem er aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten war und seitdem konfessionell ohne Bekenntnis blieb, die aus Brünn stammende und an der k.k. Hofoper engagierte Opernsängerin Jenny A. Pohlner (1868-1952), mit der er gemeinsam die Tochter Edith Grosz hatte.
Grosz studierte seit dem Wintersemester 1890/91 an der Universität Wien Medizin und schloss das Studium am 8. Juli 1893 mit der Promotion ab. Bereits während des Studiums publizierte er 1892 gemeinsam mit Oskar Reichel (1869-1943) die Arbeit „Oedem und Herzhypertrophie als Folgen specifischer Gewebsveränderung bei Morbus Brightii“.
Seine weitere Ausbildung erhielt er am Laboratorium des Physiologen Siegmund Exner (1846-1926, an der I. Medizinischen Klinik bei Hermann Nothnagel (1841-1905) sowie am pathologisch-bakteriologischen Laboratorium an der Krankenanstalt Rudolfstiftung bei Ernst Freund (1863-1946). Dort arbeitete er als Assistent an der Abteilung für Syphilis und Hautkrankheiten bei Franz Mracek (1848-1908). Grosz gehörte um 1900 zu den profilierten Vertretern der Wiener dermatologisch-syphilidologischen Schule. In dieser Zeit veröffentlichte er unter anderem: 1894 „Ueber mikrochemische Farbreactionen der Harnsedimente und deren differential-diagnostische Bedeutung“[1], 1896 gemeinsam mit Heinrich Paschkis (1849-1923) „Zur Behandlung der Psoriasis vulgaris Jodothyrin“, 1897 „Neuritis multiplex im Secundarstadium der Syphilis“[2], 1898 gemeinsam mit Rudolf Kraus (1868-1932) „Bacteriologische Studien über den Gonococcus“, 1899 „Chlorstoffwechsel in den Organen“[3] und „Ueber Beziehungen einiger Dermatosen zum Gesamtorganismus“[4], 1902 „Keratosis nigricans (Acanthosis nigricans, Dystropie papillaire et pigmentaire)“, 1903 „Die Serotherapie der Syphilis“ und „Ein Beitrag zur Kenntnis der Cavernitis gonorrhoica“, 1905 „Über nichtgonorrhoische Urethritis“, 1906 „Über eine bisher nicht beschriebene Hauterkrankung (Lymphogranulomatosis cutis)“, 1907 „Autointoxikation und Hautkrankheiten“, [5] 1908 gemeinsam mit Richard Volk (1876-1943) „Weitere serodiagnostische Untersuchungen bei Syphilis“, 1910 „Gonorrhoische Erkrankung präputialer und paraurethraler Gänge“, sowie 1913 gemeinsam wieder mit Richard Volk „Syphilistherapie und Wassermannsche Reaktion“.
1907 habilitierte sich Grosz im Fach Dermatologie und Syphilidologie zum Privatdozenten;[6] 1915 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors.[7] Er war Vorstand der dermatologischen Abteilung des I. öffentlichen Kinderkranken-Instituts.[8] 1909 übernahm er die Leitung eines Fachambulatoriums am Spital des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft;[9] später wurde er Chefarzt der Wiener Bezirkskrankenkasse.
Gemeinsam mit Julius Tandler (1869-1936) betrieb er Forschungen zu biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtskrankheiten bei Menschen und bestimmten Tieren. Diese Ergebnisse erschienen 1913 unter dem Titel „Die biologischen Grundlagen der sekundären Geschlechtscharaktere“. Weitere gemeinsame mit Tandler publizierte Arbeiten, erschienen bereits seit etwa 1909, darunter „Beschreibung eines Eunuchenskelets“, „Die Eunuchoide“ und „Die Skopzen“.
Er war mit seiner Familie in Wien 1, Bognergasse 7, wohnhaft, wo er auch seine Arztpraxis führte.
Am Ersten Weltkrieg nahm er im landwehrärztlichen Offizierskorps als Regimentsarzt teil[10] und leitete die dermatologische Abteilung des Garnisonsspitals Nr. 1 in Wien; 1915 erfolgte seine Ernennung zum Stabsarzt.[11]
Grosz war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien sowie des Verbandes der Wiener Fachärzte, wo er auch die Funktion des Obmannstellvertreters innehatte.[12] Von 1902 bis 1909 redigierte er das Handbuch der Hautkrankheiten; gemeinsam mit Ernest Finger (1856-1939), Josef Jadasohn (1863-1936) und Salomon Ehrmann (1854-1926) von 1910 bis 1916 das Handbuch der Geschlechtskrankheiten. Zudem gehörte er als Redakteur der Zeitschrift Wiener klinische Wochenschrift an, für die er über viele Jahre Buchrezensionen verfasste.
Grosz verstarb am 27. August 1922 in Wien.

Grosz, Siegfried: Traueranzeige, Neue Freie Presse, 29.8.1922, S. 14.
Quellen:
UAW, Med. Fakultät, Nationalien/Studienkataloge, Sign. 134-0378, Grosz Siegfried (Nationalen Datum: 1890/91).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 177-123a, Grosz Siegfried (Rigorosum Datum: 1891).
UAW, Rektorat, Med. Fakultät, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 187-999, Grosz Siegfried (Promotion: 8.7.1893).
Ziviltrauung: 15.6.1901 (rel. ohne Bekenntnis).
Literatur:
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Separata Bibliothek]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 66464]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-751]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-753]
[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-752]
[1] Internationale klinische Rundschau, 14.10.1894, Sp. 1465-1468
[2] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 24, 1897, S. 572-575.
[3] Wiener klinische Rundschau, Nr. 1, S. 2-3; Nr. 2, 1899, S. 19-21.
[4] Wiener klinische Wochenschrift, Nr. 9, 1899, S. 211-219.
[5] Wiener klinische Rundschau, 1.9.1907, S. 553-554; 8.9.1907, S. 570-572.
[6] Wiener klinische Rundschau, Nr. 20, 1907, S. 326.
[7] Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 23.12.1915, S. 3.
[8] Übersicht der akademischen Behörden, Professoren, Privatdozenten, Lehrer, Beamte etc. an der k.k. Universität zu Wien, Studienjahr 1907/08, S. 38.
[9] Allgemeine Wiener medizinische Zeitung, 13.4.1909, S. 171.
[10] Der Militärarzt, Nr. 18, 1914, Sp. 375.
[11] Wiener Zeitung, 10.1.1915, S. 3.
[12] Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 51, 1920, Sp. 2181.
Normdaten (Person): : BBL: ; GND:
VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
BBL: 49025 (23.02.2026)
URL: https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=49025
Letzte Aktualisierung: 2026.02.23
