Archiv der Kategorie: Provenienzforschung

Provenienzforschung

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [58]: Schönbauer, Leopold: Das medizinische Wien. Geschichte, Werden, Würdigung. Mit 167 Bildern.

Schönbauer, Leopold: Das medizinische Wien. Geschichte, Werden, Würdigung. Mit 167 Bildern. Berlin und Wien: Urban & Schwarzenberg 1944.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: WM007]

https://ubsearch.meduniwien.ac.at

Text: Harald Albrecht, BA

Abb. 1    Titelblatt: Schönbauer: Das medizinische Wien […] Berlin und Wien: 1944.

Leopold Schönbauer (*13.11.1888 Thaya/Niederösterreich, gest. 11.09.1963 Wien) war unter anderem vom 1945 bis 1960 Vorstand des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Wien im Josephinum. Er stammt aus einer Ärztefamilie – sein Urgroßvater war Wundarzt und wurde an der medizinisch-chirurgischen Josephsakademie ausgebildet und auch sein Großvater mütterlicherseits war Mediziner. Sein Vater arbeitete als Gemeindearzt in Thaya, im nördlichen Waldviertel. Schönbauer studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Prachatice/Prachatitz (CZ) Medizin an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag. 1914 schloss er sein Medizinstudium in Prag mit seiner Promotion ab. Während des Ersten Weltkrieges wurde er einer mobilen Chirurgengruppe der I. Chirurgischen Universitätsklinik unter der Leitung von Anton von Eiselsberg (1860-1939) zugeteilt. Auch nach dem Ende des Krieges blieb Schönbauer an dieser Klinik und habilitierte sich an dieser 1924 für das Fach Chirurgie.

Nach seiner Habilitation unternahm Leopold Schönbauer eine Studienreise in die USA, wo er unter anderem vier Monate bei Harvey Cushing (1869-1939), dem Begründer der Neurochirurgie, verbrachte. 1925 hospitierte er bei Ferdinand Sauerbruch (1875-1951), einem der bedeutendsten deutschen Chirurgen des 20. Jahrhunderts. Ab 1930 war Schönbauer Leiter der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Lainz der Stadt Wien und wurde 1933 zum außerordentlichen Professor. 1931 wurde er auf Veranlassung Julius Tandlers (1869-1939) zusätzlich Leiter des Strahlentherapeutischen Instituts im Krankenhaus Lainz.

Schönbauer wurde 1939 zum Ordinarius an der I. Chirurgischen Universitätsklinik bestellt. Er trat dort die Nachfolge Egon Ranzis (1875-1939) an, der aufgrund seiner exponierten Stellung im austrofaschistischen Ständestaat von den Nationalsozialisten nach dem „Anschluss“ für sechs Wochen inhaftiert und danach pensioniert worden war. Während des Nationalsozialismus gelang Schönbauer die Festigung seiner Position innerhalb der Medizinischen Fakultät, indem er relevante universitäre Gremien besetzte. Schönbauer blieb bis zu seiner Emeritierung 1960 Vorstand dieser Klinik. Er war Parteianwärter der NSDAP und erhielt 1943 das silberne „Treuedienstzeichen“ der NSDAP verliehen. „Nach dem Krieg ermöglichte eine als ,Lex Schönbauer‘ bekannte Sonderregelung seine raschen Entnazifizierung.“[1] Er zählte damit auch zu jenen zahlreichen Professoren an der Medizinischen Fakultät, die trotz ihrer Verstrickungen im NS-System, nach 1945 als „Minderbelasteter“ nicht nur von den Entnazifizierungsmaßnahmen unbeschadet blieben, sondern auch ihren während der NS-Zeit begonnenen Karriereaufstieg weitestgehend bruchlos fortsetzen konnten. Im April 1945 gelang es Schönbauer zunächst rechtzeitig noch die Seiten zu wechseln. Eine von ihm angeführte Widerstandsaktion, bei der er die Zerstörung des AKH abwenden konnte, führte zu einem von ihm über Jahrzehnte gepflegten Mythos als Retter des AKH, der ihn von 1945 bis 1961 zusätzlich in die Position des Direktors des Wiener Allgemeinen Krankenhauses verhalf. Ebenfalls ab 1945 war er – zunächst provisorisch – Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Wien im Josephinum, bis das Institut 1960 von Erna Lesky (1911-1986) übernommen wurde. Im Studienjahr 1953/54 wurde er zum Rektor der Universität Wien gewählt. Schönbauer, der in den 1950er Jahren überaus prominent war, war von 1959 bis 1962 Abgeordneter zum Nationalrat für die ÖVP.

Während seiner wissenschaftlichen Karriere befasste sich Leopold Schönbauer besonders mit Schilddrüsenchirurgie, Neurochirurgie und Karzinomforschung und verfasste über 300 wissenschaftliche Publikationen. Darüber hinaus beschäftigte sich Schönbauer immer wieder mit Medizingeschichte. 1944 (und 1947 in zweiter Auflage) erschien – mit wesentlicher Beteiligung seiner Assistentin Marlene Jantsch – sein Werk: Das medizinische Wien.

 Abb. 2    Marlene Jantsch

Marlene Jantsch (*26.09.1917 Osterwieck/Sachsen-Anhalt, gest. 17.07.1994 Wien) wurde als Marlene Ratzersdorfer, Tochter des Verlegers Hugo Ratzersdorfer, in Deutschland geboren. Sie besuchte zuerst eine Mittelschule in Berlin und übersiedelte 1933 nach Wien, wo sie 1936 am Döblinger Mädchengymnasium maturierte. Ab dem Wintersemester 1936 studierte sie Medizin an der Universität Wien und schloss ihr Studium 1941 mit ihrer Promotion ab. Danach wurde sie an der I. Chirurgischen Universitätsklinik unter Leopold Schönbauer Assistentin und ab 1942 seine Privatassistentin. Während dieser Zeit befasste sie sich eingehend mit Studien zur Geschichte der Medizin. „Zahlreiche Arbeiten bis 1945 erschienen unter dem Namen Schönbauers – etwa eine Artikelserie im ,Völkischen Boten‘. 1944 erschien das Buch ,Das medizinische Wien‘ in erster Auflage, für das sie gemeinsam mit ihrem Mann Hans Jantsch, unter den schwierigen Bedingungen dieser Zeit umfangreiche Recherchen durchgeführt hatte.“[2] Erst ab 1948 erschienen ihre Publikationen ausschließlich unter ihrem Namen. Ab 1945 betreute Marlene Jantsch das Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien im Josephinum im Namen Leopold Schönbauers zusätzlich zu ihren Verpflichtungen als Internistin in der I. Chirurgischen Universitätsklinik. Ihr ist der Verdienst des Wiederaufbaus des Instituts für Medizingeschichte zuzurechnen. 1957 habilitierte sich Jantsch im Fach Medizingeschichte, ebenso wie Erna Lesky. „Das Verhältnis der beiden Wiener Medizinhistorikerinnen war vor allem durch divergierende Ansichten über das Wesen der Medizingeschichte belastet, jedoch auch durch die Unterschiede zweier starker Persönlichkeiten und deren sozialem Hintergrund.“[3] Mit der Bestellung Leskys als Schönbauers Nachfolgerin an der Medizingeschichte endete Jantsch‘ Tätigkeit im Josephinum. Ab 1963 arbeitete sie zunächst als Konsularärztin der gynäkologischen und urologischen Abteilung im Krankenhaus Lainz. Mit der Berufung Joseph Rummelhardts (1919-1987) zum Ordinarius der Urologischen Universitätsklinik 1974 wechselte sie an dessen Klinik im Allgemeinenen Krankenhaus Wien.

Quellen:

Die Wiener Medizinische Fakultät 1938 bis 1945. Hrsg.: Josephinum – Sammlungen der Medizinischen Universität Wien. Wien: Josephinum 2018.

Schmidt-Wyklicky, Gabriela: Schönbauer, Leopold. In: Neue Deutsche Biographie (23) 2007. S. 383-369.

Arias, Ingrid: Entnazifizierung an der Wiener Medizinischen Fakultät: Bruch oder Kontinuität? Das Beispiel des Anatomischen Instituts. In: Zeitgeschichte. (6) 2004. S. 339-388.

Hubenstorf, Michael: Kontinuität und Bruch in der Medizingeschichte. Medizin in Österreich 1938-1955. In: Kontinuität und Bruch 1938-1945-1955. Beiträge zur österreichischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Hrsg.: Friedrich Stadler. (= Emigration-Exil-Kontinuität. Schriften zur zeitgeschichtlichen Kultur- und Wissenschaftsforschung 3) Münster: Lit Verlag 2004.

Horn, Sonia: Jantsch, Marlene, geb. Ratzersdorfer. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken. Hrsg.: Brigitta Keintzel und Ilse Korotin. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag 2002. S. 333-334.

Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 117-138.

Jantsch, Marlene und Manfred Skopec: Leopold Schönbauer (1888-1963). In: Neue österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. 19 Beiträge mit Portraits. Bd. 21. Wien und München: Amalthea-Verlag 1982. S. 103-109.

Chirurgische Universitätsklinik, Abgeordneter zum Nationalrat, AKH Wien, Allgemeines Krankenhaus Wien, Anton von Eiselsberg, Chirurgie, Egon Ranzi, Entnazifizierung, Erna Lesky, Harvey Chushing, Institut für Geschichte der Medizin, Joseph Rummelhardt, Josephinum, Julius Tandler, Leopold Schönbauer, Lex Schönbauer, Marlene Jantsch, Medizingeschichte, Neurochirurgie, Rektor, Universität Wien

[1] Die Wiener Medizinische Fakultät 1938 bis 1945. Hrsg.: Josephinum – Sammlungen der Medizinischen Universität Wien. Wien: Josephinum 2018. S. 44.

[2] Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 136-137.

[3] Horn, Sonia und Gabriele Dorffner: „… männliches Geschlecht ist für die Habilitation nicht vorgesehen“. Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Hrsg.: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller und Sonia Horn. Wien: Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000. S. 137.

Alle Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien–>

Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [57]: 1938: Fritz Lejeune – NS-Mediziner und Leiter des ehemaligen Institutes für Geschichte der Medizin. Sammlung „Fritz Lejeune – NS-Mediziner“ an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

1938: Fritz Lejeune – NS-Mediziner und Leiter des ehemaligen Institutes für Geschichte der Medizin. Sammlung „Fritz Lejeune – NS-Mediziner“ an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin

Text: Dr. Walter Mentzel

Fritz Lejeune wurde am 1. Juli 1892 in Köln geboren und war zwischen 1939 (offizieller Amtsantritt Jänner 1940) und April 1945 Leiter des ehemaligen Institutes für Geschichte der Medizin. Während dieser Zeit brachte er aus seiner Privatbibliothek Bücher in die Bibliothek des Institutes ein, die heute als „Sammlung Fritz Lejeune“ Bestandteil der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin ist, überwiegend aus antiquarischen Büchern aus dem 19. Jahrhundert besteht und Zeugnis über das Wirken des NS-Medizinhistorikers Fritz Lejeune und dessen Interessens- und Forschungsgebiete gibt.

Abb. 1: Exlibris Fritz Lejeune. Aus Sign. JB5525a

Fritz Lejeune studierte Medizin, Zahnheilkunde und vergleichende Sprachwissenschaften an den Universitäten Bonn und Greifswald. 1922 habilitierte er sich im Fach Medizingeschichte und wurde im selben Jahr zum Privatdozent für Geschichte der Medizin an der Universität Greifswald ernannt. Bereits unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges engagierte er sich innerhalb nationalsozialistischer und völkischer Verbände (Rheinlandbewegung 1919, Deutscher Schutzbund 1920 u.a.) und trat laut seiner Angabe bereits 1923 (Mitgliedsnummer 3.964, der gesicherte Beitritt erfolgte am 11.5.1925) der NSDAP bei.

Abb. 2: Fritz Lejeune

1925 erhielt er einen Lehrauftrag für Geschichte der Medizin an der Universität Köln, wo er 1928 zum a.o. Professor ernannt wurde, führte daneben eine Arztpraxis und war als Mitgründer (1925) und Vorsitzender der „Reichsnotgemeinschaft Deutscher Ärzte“ in einer der einflussreichsten ärztlichen Standesorganisation Deutschlands aktiv. 1923 gründete er die „deutsch-nordische Gesellschaft für Geschichte der Medizin, der Zahnheilkunde und der Naturwissenschaften“. Seine Einbindung in das Netzwerk der NS-Medizinbürokratie und vor allem seine Stellung in internationalen medizinhistorischen Gremien[1] machte ihn zu einem Proponenten des NS-Außenpolitik und des Propagandaministeriums. Dies förderte seine weiteren Karriereschritte, die durch seine am 1.8.1939 erfolgte Ernennung zum Leiter des Institutes für Geschichte der Medizin in Wien ihren Höhepunkt fand. Hier fungierte er seit seinem Amtsantritt am 22.1.1940 bis April 1945 als Nachfolger seines von den Nationalsozialisten vertriebenen Vorgängers Max Neuburger. Lejeune war während des Krieges darüber hinaus Leiter des Heeresstandortlazarettes in Hütteldorf/Wien.

Während der Amtszeit von Lejeune kam es zu einer beträchtlichen Erweiterung des Bibliotheksbestandes an der heutigen Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin. Diese Zuwächse resultierten sowohl aus der üppigen finanziellen Förderung, die das Institut ab 1940 durch das Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten erfuhr und eine großzügige Einkaufspolitik ermöglichte, als auch durch die Form der Erwerbungspolitik. Lejeune präferierte Wiener Antiquariate, die im NS-Bücherraub („Arisierungen“) involviert waren.

Neben seiner Tätigkeit am Institut engagierte sich Lejeune zwischen 1940 und 1944, entsprechend der ideologischen Aufwertung der NS-Medizingeschichte, als Berater, Vermittler und Lieferant medizinhistorischer Bücher und beim Aufbau von medizinhistorischen Bibliotheken, wofür er seine Kontakte zu Wiener NS-Antiquariaten anbot. Seit spätestens Ende 1940 vermittelte er historische Inkunabeln für den Aufbau der medizinhistorischen Bibliothek (mit dem Schwerpunkt Pflanzenheilkunde und historisch-pharmazeutische Literatur) an den Pharmakonzern Boehringer & Sohn in Ingelheim am Rhein. Ebenso vermittelte er medizinhistorische Literatur an den Direktor des Physiologischen Instituts der Universität Heidelberg und Professor Johann Daniel Achelis (1898-1963), wo ab 1942 eine medizinhistorische Bibliothek mit dem Schwerpunkt „alte Drucke aus dem 15. und 16. Jahrhundert“ aufgebaut wurde. Besonders intensiv arbeitete Lejeune mit der Kärntner NS-Führung, insbesondere mit dem Gauleiter Friedrich Rainer (1903-1947) und dessen wissenschaftlichen Berater Walter Medweth (1902-1972) im Rahmen der vom NS-Regime pompös begangenen Paracelsus-Gedenken-Feiern anlässlich des 400. Todestages Paracelsus im September/Oktober 1941 in Villach zusammen. Dort sollte ein „Paracelsus-Gedenkort“ entstehen, womit eine NS-affine Paracelsus-Tradition begann, die bis in die Zweite Republik hineinreichte. In diesem Kontext kam es ab 1943 unter Mithilfe von Lejeune in Villach zum Aufbau eines Paracelsus-Museums/Bibliothek, als Kern eines künftigen medizinhistorischen Forschungsinstituts. Dieses Vorhaben stand in Beziehung zu der von der Kärntner NS-Prominenz seit 1941 verfolgten Politik, Kärnten als Wissenschaftsstandort zur ideologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Durchdringung im Anschluss an die geplante „Germanisierung“ und Neuordnung des Alpen-Adria-Raumes und Südosteuropas zu etablieren.

Nach seiner überstürzten Flucht aus Wien in der Nacht vom 2. auf dem 3.4.1945 nach Mitterndorf erfolgte am 10.5.1945 seine Suspendierung durch das Dekanat der Medizinischen Fakultät Wien. Am 2.6.1945 wurde er vom Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten seiner Stellung enthoben. Nach seiner Festnahme durch das US-Militär wurde er bis Ende 1946 im Internierungslager Glasenbach/Salzburg interniert und nach seiner Freilassung nach Deutschland abgeschoben. Nach seinen erfolglos gebliebenen Bemühungen in Deutschland im universitären Betrieb wieder Fuß zu fassen, widmete er sich ab 1953 als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des „Deutschen Kinderschutzes“ (DSKB), wo er populäre Gesundheitsaufklärung betrieb und vehement gegen die seiner Meinung nach stattfindende „Verwahrlosung“ der Jugend in der Bundesrepublik Deutschland durch die Übernahme US-amerikanischer Lebensformen auftrat. 1952 wurde er Senator der „Deutschen Gesellschaft für Wissenschaft und Forschung“. Daneben war er maßgeblich an der Gründung sowie als Berater der „Deutschen Angestellten-Krankenkasse“ (DAK) beteiligt. Seit Mitte der 1950er Jahre war er in der frühen Antiatombewegung aktiv. 1965 übersiedelte Lejeune nach Villach, wo er 1966 verstarb.

Literatur:

Mentzel, Walter und Bruno Bauer: Brüche in der Entwicklung medizinischer Bibliotheken in Wien während des NS-Regimes: Anmerkungen zur Geschichte der Vorgängerbibliotheken der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. In: Brüche Kontinuitäten 1933-1938-1945. Fallstudien zu Verwaltung und Bibliotheken. Hrsg.: Enderle-Burcel, Gertrude/Neubauer-Czettl, Alexandra/Stumpf-Fischer, Edith. (= Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs Sonderband 12), Innsbruck: 2013. S. 287-314.

Mentzel Walter und Bruno Bauer: Stumme Zeitzeugen. Medizinische und medizinhistorische Bibliotheken an der Medizinischen Universität Wien während der NS-Zeit. In: Bibliotheken in der NS-Zeit. Provenienzforschung und Bibliotheksgeschichte. Hrsg.: Alker, Stefan/Köstner, Christine/Stumpf, Markus. Göttingen: 2008. S. 273-287.

Schmierer, Klaus: Medizingeschichte und Politik. Karrieren des Fritz Lejeune in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus (= Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 96). Husum: 2002.

Quellen:

AUW, Medizinische Fakultät, Personalakte Lejeune.

AUW, Medizinische Fakultät, Dekanat, Zl. 323/1941-42.

AUW, Medizinische Fakultät, Dekanat, Zl. 455/1939-40.

Sammlungen der Medizinischen Universität Wien, Archiv, Ordner Boehringer.

Sammlungen der Medizinischen Universität Wien, Archiv, Ordner Boehringer, Ordner Paracelsus-Ausstellung.

Sammlungen der Medizinischen Universität Wien, Archiv, Handschriften, Kt. 2.254

[1] Portugiesisch-brasilianisches Institut an der Universität Köln, portugiesische Akademie für Geschichte, Medizinische Akademie zu Saragossa, Akademie der Wissenschaft in Lissabon, „Pro Arte“ in Rio de Janeiro, historischen Gesellschaft in Coimbra, Colegio de los Doctores de Madrid, deutsch-iberoamerikanische Ärzte-Akademie in Berlin

Alle Beiträge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien–>

Erich ZDANSKY (1893-1978): Vertrieben 1938 [176]

VERTRIEBEN 1938 [176] UPDATE

Zdansky, Erich (1893-1978)

    * 14.06.1873 Wien
    + 21.11.1978 Basel (Schweiz)
    Privatdozent, Medizinische Radiologie
    1938 Venia legendi widerrufen (rass.)
    1945 wieder eingestellt
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.36]

Erich ZDANSKY (1893-1978): Vertrieben 1938 [176] weiterlesen

Camillo WIETHE (1899-1949): Vertrieben 1938 [175]

VERTRIEBEN 1938 [175] UPDATE

Wiethe, Camillo (1899-1949)

    * 24.05.1889 Wien
    + 10.07.1949 Wien
    Privatdozent, Layngo-, Rhino und Otologie
    1938 Venia legendi freiwillig zurückgelegt (rass.)
    1945 wieder eingestellt
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.36]

Camillo WIETHE (1899-1949): Vertrieben 1938 [175] weiterlesen

Wolfgang WIESER (1887-1945): Vertrieben 1938 [174]

VERTRIEBEN 1938 [174] UPDATE

Wieser, Wolfgang (1887-1945)

    * 13.06.1887 Prag
    + 17.02.1945 Wien
    Privatdozent, Radiologie
    1938 „Venia legendi hat bis auf weiteres zu ruhen“
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.36]

Wolfgang WIESER (1887-1945): Vertrieben 1938 [174] weiterlesen

Richard ÜBELHÖR (1901-1977): Vertrieben 1938 [173]

VERTRIEBEN 1938 [173] UPDATE

Übelhör, Richard (1901-1977)
[auch: Uebelhör, Richard]

    * 04.07,1901 Wien
    + 15.09.1977 Wien
    Privatdozent, Chirurgie
    1940 Venia legendi entzogen
    1945 wieder eingestellt
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.34]

Richard ÜBELHÖR (1901-1977): Vertrieben 1938 [173] weiterlesen

Erwin STENGEL (1902-1973): Vertrieben 1938 [172]

VERTRIEBEN 1938 [172] UPDATE

Stengel, Erwin (1902-1973)

    25.02.1902 Wien
    + 02.06.1973 Sheffield (Großbritannien)
    Vater: Markus Stengel
    Mutter: Franziska Popper
    Privatdozent, Neurologie und Psychiatrie
    1938 Venia legendi widerrufen (rass.)
    emigriert nach Großbritannien
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.34]

Erwin STENGEL (1902-1973): Vertrieben 1938 [172] weiterlesen

Georg STEIN (1891-1963): Vertrieben 1938 [171]

VERTRIEBEN 1938 [171] UPDATE

Stein, Georg (1891-1963)

    1891 Wien
    + 1963 New York city, New York (USA)
    Privatdozent, Zahnheilkunde
    1938 Venia legendi widerrufen
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.34]

Georg STEIN (1891-1963): Vertrieben 1938 [171] weiterlesen

Fritz STARLINGER (1895-1988): Vertrieben 1938 [170]

VERTRIEBEN 1938 [170] UPDATE

Starlinger, Fritz (1895-1988)

    Privatdozent (außerordentlicher Professor), Chirurgie
    1940 Venia legendi aberkannt, November 1940 zum außerplanmäßigen Professor ernannt
    1946 Venia legendi wieder bestätigt
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.34]

Fritz STARLINGER (1895-1988): Vertrieben 1938 [170] weiterlesen

Alexander SPITZER (1868-1943): Vertrieben 1938 [169]

VERTRIEBEN 1938 [169] UPDATE

Spitzer, Alexander (1868-1943)

    * 22.10.1868 Miskolc (Ungarn)
    + 16.01.1943 KZ Theresienstadt (CSR)
    Emeritierter außerordentlicher Professor, Anatomie und Pathologie des Nervensystems
    1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, dann verschollen (rass.)
    [Quelle: K. Mühlberger: Dokumentation Vertriebene Intelligenz 1938 (1993), S.34]

Alexander SPITZER (1868-1943): Vertrieben 1938 [169] weiterlesen