Homo ludens
Autor: Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
Homo ludens
„Die Zeit geht weg.“ (*)
Musik (**) kann sie wegzaubern, diese Zeit, mehr als sie bloß stillstehen zu lassen. Für den homo ludens, im Spiel versunken, kann sie aufhören zu existieren; für spielende Kinder hat sie gar nicht begonnen. In der prädigitalen Epoche unterschieden sich deren Spiele ganz wesentlich von diversen Online-Spielwelten, Elektronik-Spielzeug und Gaming etc. heutiger Digitale Transformationen oktroyierten Scheinwelten – für Jung und Alt.
Dazu: „Man kann in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein.“
(Paul Watzlawick)
Ständiger Peer-Gruppendruck ist entscheidend am Entstehen eines ‚Sucht erzeugenden Verhaltens‘ beteiligt, jedoch nicht als einziger Faktor. Den nicht selten überforderten Eltern darf allerdings keine ‚Hauptschuld‘ zugewiesen werden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab ‚exzessives Spielen‘ unter dem Begriff „Gaming Disorder“ als psychische Erkrankung an (1). Symptome wie Kontrollverlust, Einengung von Denken und Verhalten, Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen, ‚riskantes‘ Spielen samt psychischer oder physischer Folgen, psychosoziale Probleme, soziale Selbst-Isolation, Angst-Störungen und Dysphorien bis Depressionen sind ernstzunehmen.
Professionelle Hilfe unter:
https://broschuerenservice.sozialministerium.gv.at/Home/Download?publicationId=685
‚Homo ludens‘ ist heutzutage ein vergessener Begriff, denn der angeborene Spieltrieb geht zunehmend verloren. ‚Sitzlinge‘ (Bernhard Lötsch) bevölkern auch Spielplätze, doch man spielt kaum mehr mit-einander. In seinen ‚Spielen der Thiere‘ (2) weist Groos, gelobt als der „größte Spieltheoretiker“, darauf hin, dass „der Spieltrieb durch natürliche Auslese entstanden ist, als das Mittel zum Üben essentieller Lebensfähigkeiten“, ein Katalysator der Kreativität, eine Nische des friedlichen Zusammen-Lebens und -Arbeitens.
Zu Groos‘ Zeiten, wie auch heute, definieren viele Menschen Spiel zum Teil als Aktivität, die keinem nützlichen Zweck dient. Und nicht nur das – Groos erkannte, dass Spielen mit Kosten verbunden ist: „Es verbraucht Energie, ist manchmal laut und lockt Raubtiere an, und einige Spielformen, wie das Herumschwingen in hohen Bäumen, sind geradezu gefährlich. Es wäre sicherer und weniger Energie-aufwändig, freie Zeit ruhig in einem Bau oder einer Höhle zu verbringen, als sie mit lautem Spiel zu verbringen.“
Doch ohne das Spiel in Kindheit und Jugend wäre das erwachsene Tier schlecht für die Aufgaben des Lebens gerüstet. Es hätte bei weitem nicht die nötige Übung im Laufen und Springen, im Aufspringen auf die Beute, im Ergreifen und Erwürgen des Opfers, in der Flucht vor seinen Feinden, im Kampf mit seinen Gegnern, usw. Die Muskulatur wäre für all diese Aufgaben nicht ausreichend entwickelt und trainiert. Außerdem würde viel in der Struktur seines Skeletts fehlen, viel, das durch funktionelle Anpassung während des Lebens jedes Individuums, sogar in der Wachstumsphase, ausgeglichen werden muss.”
In ‚The play of man‘ wies Groos darauf hin, dass alles, was er über das Spiel der Tiere sagte, auch auf den Menschen zuträfe: „Mit dem Spiel treten wir aus der Wirklichkeit heraus und in einen Zauberkreis, einen Magic Circle. Es tut sich ein Erfahrungsraum auf, in dem wir uns ausprobieren, in dem wir Erfahrungen sammeln können, die uns das „ernste“ Leben nicht liefert.“ (3).
Dazu: „Ich bin fast nie ernst. Es lohnt sich zu selten“.
(Erich Kästner)
Das Lachen aus der Kindheit darf nicht verloren gehen und das innere Kind darf nicht sterben, mit oder ohne (non-digital -) Spiel. Ein Indikator wäre das Lachen. Bei verbissenen Wett-‚Spielen‘ wird nicht gelacht, bei Online-Spielen, Elektronik-Spielen und Gaming wird selten, vielleicht nie gelacht. KI ist humorlos und hirnlos – ohne das Ding ganz zu verteufeln. So gut wie sicher kommt ‚Macher kein Lacher‘ aus (Jugendsprache, Internet-Communities, KI Nerds, etc.).
Beim Herumtollen im Freien, im Wasser, im Schnee, beim Spielen (vorzüglich ohne strikte Spiel-‚Regeln‘) lachen Kinder innerhalb weniger Minuten mehr als Erwachsene während eines ganzen Tages. Davon profitieren Immunsysteme – on dit – stärker, als von sogenannten Immun-‚Kuren‘ (4).
Doch während des Surfens vergeht das Lachen mehr oder weniger, je nach KI-Topic. Trotzdem zu lachen – frei nach Viktor Frankl – wäre durchaus eine Option (5).
*„Die Zeit geht weg “ – Ronaldo Villazón. Niemand könnte es schöner sagen als dieser liebenswürdige und hochtalentierte Spaßmacher – apropos: ein glühender Mozart-Fan.
**Musik: „Vom Mittelalter bis zur französischen Revolution gehörte die Musik zu den Grundpfeilern unserer Kultur. Heute ist Musik zu einem bloßen Ornament geworden. So ist der paradoxe Fall eingetreten, dass wir heute viel mehr Musik haben als früher – nahezu pausenlos -, dass sie aber für unser Leben fast nichts mehr bedeutet – eine nette kleine Verzierung!“
Nikolaus Harnoncourt (6).
Epilog:
„Im Letzten ist alles ein Geheimnis.“
(Pater Josef Garcia Cascales)+
ludere, lat.:
spielen, tanzen, scherzen, spaßen …
Homo ludens:
Huizinga J (2014): Homo Ludens – A Study of the Play-Element in Culture.
Angelico Press, Brooklyn (NY).
https://angelicopress.com/products/homo-ludens
Stöcklin N (2022): Homo Ludens – Die 9 Dimensionen des neuen Menschen.
https://spieldeinleben.ch/homo-ludens/
Bäumer B (1969) Schöpfung als Spiel: der Begriff līlā im Hinduismus, seine philosophische und theologische Bedeutung.
Dissertation, Univ. München.
LITERATUR:
1 Musetti A et al (2025): Gaming disorder in the ICD-11: the state of the game.
BMC Psychiatry 25(1): 1114
https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s12888-025-07576-8.pdf
2 Groos K. (1898): The play of animals.
Appleton NY
3 Groos K. (1901): The play of man.
Appleton NY
4 Louie D et al (2016): The Laughter Prescription: A Tool for Lifestyle Medicine.
Am J Lifestyle Med;10(4):262-267
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6125057/
5 Heilig P (2016): V. Frankl, trotzdem lachend
https://ub-blog.meduniwien.ac.at/blog/?p=26794
6 Harnoncourt N (1982): Musik als Klangrede. Wege zu einem neuen Musikverständnis.
Residenz Verlag
Gender: beyond
Interest: no conflict
KI/AI- free wording
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Veranstaltungseinladung:
WELT DER TRAEUME, TRAEUME DER WELT
(EINTRITT FREI)
Etwa fünf Prozent der ‚Wirklichkeit‘ stehen zur Verfügung; doch mit dunkler Energie und dunkler Materie haben wir nichts am Hut. Nur etwa 4,9% ‚Masse‘ besteht aus Standard-Teilchen. Gesehen und wahrgenommen wird allerdings auch nur ein Teil; aus diesem gilt es das Beste zu machen. Traumhaft – na-hoffen-wir-doch!
Magier (P. Wurnig), Dichter, Musikanten, Maler,
Philosophen und Spaßmacher.
ZEIT: Mittwoch 15. April 2026 um 19 Uhr c.t..
ORT: Otto-Mauer-Zentrum, (Halbstock links; Lift).
Währinger Straße 2-4, A-1090 Wien
Einladung als PDF:
TRAEUME Einladung
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Interessenkonflikt:
Der Autor erklärt, dass bei der Erstellung
des Beitrags kein Interessen –
konflikt im Sinne der Empfehlung des
International Committee of Medical
Journal Editors bestand.
Gastautor:
Korrespondenzadresse:
Univ.-Prof. Dr. med. Peter Heilig
Augenheilkunde und Optometrie
peter.heilig@meduniwien.ac.at
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