Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: ACCADEMIA DI FANTASIA

 ACCADEMIA  DI  FANTASIA

– suchst Du vergeblich, auch „im Land, wo die Zitronen blühn“.

„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene alles dem Menschen wie es ist, unendlich“.

William Blake. Die Pforten der Wahrnehmung

Dem ‚Wunder’* Kind werden märchenhafte Gaben in die Wiege gelegt, von zwölf guten und einer dreizehnten, hinterhältigen Fee. Diese hat scheinbar zu oft das Sagen. Wie eine Spinne immobilisiert sie ihre Opfer..

Die Phantasie  (φαντασία: phantasia, sichtbar machen) kann aus Kokons, aus meist selbstgewobenen, auch aus Käfigen (aus selbstgeschmiedeten) leicht ausbrechen. Unsere Träume schweben uns voraus, Ideen, Pläne.. Wann auch immer sie erkennbar, ‚sichtbar‘ werden, dann lassen sie sich mit ein bisschen Glück vielleicht verwirklichen.

Kekulé

„Lernen wir träumen, meine Herren, dann finden wir vielleicht die Wahrheit – aber hüten wir uns davor unsere Träume zu veröffentlichen, ehe sie durch den wachen Verstand geprüft worden sind.“ (Kekulé 1890, 25j. Benzol-Fest) Von einem uralten Alchemisten-Symbol, einer Schlange, hatte er geträumt, welche sich in den Schwanz beißt: Ouroburos, ‚Schwanz-Verzehrer‘. Das Traum-Molekül wurde ‚sichtbar‘, real war es seit jeher. Die Intuition, losgelöst von komplizierten, oft festgefahrenen Gedankengängen und der Betriebs-Blindheit, kreierte ein Bild des Benzolringes, als Eingebung, als ‚Wissen von innen‘.

Archimedes2

Vielleicht ließ sich Archimedes, entspannt im Wasser seiner Badewanne dösend, ähnlich inspirieren. Der Tyrann Hieron II wollte von ihm wissen, ob betrügerische Goldschmiede anstelle reinen Goldes weniger wertvolle Legierungen mit unedlerem (leichterem) Metall geliefert hatten. Vitruvius, ein römischer Schriftsteller, dichtete zweihundert Jahre später die Moritat von diesem Mathematikos, der „Heureka“ rufend durch Syracus flitzte. Denn das ‚Archimedische Prinzip‘ war aus der Taufe gehoben worden.

Was stünde im Vorlesungsverzeichnis einer ACCADEMIA  DI  FANTASIA ? Fiktiv wäre sie, nicht zu verwechseln mit virtuell. Nicht eingezwängt und beschränkt  – auf den Raum zwischen Null und Eins. Grenzenlos frei, über Horizonte hinweg, lustvoll spielerisch.

„Der Mensch, – er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt

(Über die aesthetische Erziehung des Menschen, Friedrich Schiller).

Archimedes1

Nein, Computer/Video-Spiele sind nicht gemeint. Zwar wurde über deren positive Einflüsse auf die Feinmotorik berichtet, auch über bessere Orientierung, Gedächtnis-Leistung und  taktisch/strategisch geschickteres Verhalten.

Jedoch Schlaf- und Konzentrations- Störungen, Bewegungsmangel, Haltungsschäden, Obesitas, Karpaltunnel-Syndrom, Repetitive Strain Injury (RSI), Nervosität, Leistungs-Abfall, ‚Gaming-Sickness‘, Sehstörungen, Killerspiel-Nebenwirkungen (s. BdP) wären die Kehrseite der Medaille als  Folge exzessiven PC-Gamings – an der Grenze zur Sucht.

Zu ‚Sitzlingen‘ (B. Lötsch) werden unsere hoffnungsvoll-aktiven Sprösslinge ‚erzogen‘ und eingeschränkt in manchem ‚Freiheitsgrad der Bewegung‘, sogar spirituell. Allmorgendlich zu früh geweckt (s. Chronobiologie/’Chronodisruption‘), sind sie ‚out of time‘, ‚out of clock‘.
Broca

Louis Armstrong unterbrach einmal und meinte mit breitem Grinsen, entwaffnend : „Sorry, fellas, you are clapping on the wrong beat“ (Freunde, tut mir leid, aber ihr klatscht im falschen Takt).“ Der glückselige ‚Flow‘ eines Mihaly Csikszentmihalyi gelingt durch Synchronisierung/Resonanz – im Gleichklang mit dem inneren Rhythmus und  Takt.

Im alten Wiener Wurstelprater gab es die ‚Rundschaukel‘. Wer nicht im Takt war, schaffte es nicht. Schwung holen, jeweils genau im richtigen Moment, ließen jugendliche Kavaliere und Mädchen die Schwerkraft vergessen (ohne Schubser eines ‚Hutsch’nschleuderers‘).

Aus dem fiktiven Vorlesungsverzeichnis obengenannter ACCADEMIA: Laterales Denken,  (Edward de Bonos ‚Denk-Hüte‘), Nichtlineares, parallel Innovatives, unkonventionell  Kreatives; Perspektiv-Wechsel, ungewöhnliche neue Blickwinkel, Bewegen außerhalb ausgetretener Pfade, weg vom Mainstream. Dazu: „Ideas that were once controversial have now become mainstreamed“ : Kontroversiell Strittiges wird nun zum akzeptierten Allgemeingut. (Defin. Merriam Webster)
Archimedes3

Phantasie ist nicht den Träumern und Phantasten reserviert. Ein Quäntchen Phantasie ist unverzichtbar für das unerlässliche ‚Gedanken zu Ende denken‘ – für nüchternes Erwägen aller, auch ausgefallener Möglichkeiten. Die Erben der Kreuzritter, Waffen-Lieferanten,  Kriegstreiber wüssten alle um Akut- und Folgeschäden („im Bauch weiß es jeder“ (Axel Corti)). Unkraut-Entlaubungs-Designer würden sich nicht mehr groß wundern über den Nachweis ihrer ‚harmlos-ungiftigen‘ Chemikalie im Bier, dummerweise auch im eigenen. Einige Ideologen dächten vielleicht über die verzwickte Philosophie ihres ‚dialektischen Überbaus‘ nach. Und – „Auslosen statt wählen- so will van Reybrouck das politische System revolutionieren“. Kritische Wirtschaft-Wissenschaftler („Ökonomie ist keine Wissenschaft„, Mathematiker Claus Peter Ortlieb) wirkten dann doch etwas verstört.
Archimedes

David Hume postulierte: Ideen seien Widerspiegelungen der Wirklichkeit –  theoretisch denkbar, doch bitte nicht Bilder dieser aus den Fugen geratenen Realität. Ideen anderer, kreativer Art braucht dieser Planet dringend, Ideen aus dem ‚Glückshorn‘ schöpferischer Phantasie. Nicht aus dem Horn Cornucopia, dem Horn des Überflusses, eher aus Gabriels Horn (Toricelli’s Trumpet, besser Posaune), einem  faszinierenden Konstrukt aus der Theoretischen Geometrie, welches nur endliche Füllmengen zulässt, aber doch mit der Unendlichkeit assoziiert wird. Unendliche Entfaltungs-Möglichkeiten und dennoch endlich begrenzte (überschaubare) Mengen – dann wäre Überfluss unmöglich – eine  Metapher.

Epilog: „Die Phantasie gehört an die Macht. Wenn die Phantasie eines Tages an der 

              Macht ist, dann wird die Welt unendlich viel reizvoller sein“.   Leopold Ungar.

Mihaly Csikszentmihalyi (2010) Flow, der Weg zum Glück. Der Entdecker des Flow-Prinzips erklärt seine Lebensphilosophie, Herder spektrum Band 6067, Ingeborg Szöllösi (Hrsg.)

Brian  Clegg. Eine kleine Geschichte der Unendlichkeit. Rowohlt e-book

Hume D (1978) A treatise of human nature. Clarendon Press

ad ‚Wunder‘ (Kind): kein anderer Begriff wäre treffender..

ad Feinmotorik: die der Daumen wilder SMS-Schreiber (zB): hypertrophe Daumen, repräsentiert im motorischen Homunculus (Penfield) des Gyrus Praecentralis (Abb)

Gender: beyond

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EINLADUNG–>

Diese  Wirklichkeit – und andere..

Erfahrenes und Erlesenes, vorgetragen und interpretiert
von Mag. Katharina und Prof. Peter Heilig

Außerdem: Ausstellung: „Skizzen“ (ph: ‚Hafer-Stiche‘ / Übermütigkeiten).

ZEIT: Mittwoch, 29.3.2017,19 Uhr,

ORT: Otto-Mauer-Zentrum, (Halbstock links; Lift).

Währinger Straße 2-4,
A-1090 Wien

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